Zonengrenze

Grenzmuseen

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Es ist auch nach 27 Jahren jedes Mal dasselbe. Egal, ob ich Herleshausen passiere, Helmstedt, die Grenze zwischen Sachsen-Anhalt und Niedersachsen am Arendsee, bei Hilders in der Rhön oder die Glienicker Brücke und die Heinrich-Heine-Straße in Berlin: Hier war die Grenze! Die Erinnerung ist unauslöschlich. Entweder ging es an der Stelle gar nicht weiter oder es waren die unfreundlichen Grenzer/-innen, die verhinderten dass man sich freute, das angeblich bessere Deutschland zu betreten.

Ich finde es verdienstvoll, dass der Abriss der DDR-Güst Marienborn verhindert wurde und eine Gedenkstätte entstanden ist.

Hier eine Liste von Grenzmuseen, die die Erinnerung an die Teilung wachhalten.

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Kurt Lichtenstein: ein Kommunist wird an der Zonengrenze erschossen

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Kurt Lichtenstein hatte eine lupenreine kommunistische Biographie: Als KPD-Funktionär vor den Nazis nach Russland geflohen, in Frankreich in der Résistance tätig, als französischer Fremdarbeiter im Nazideutschland eingesetzt, war im spanischen Bürgerkrieg, arbeitete mit Ulbricht und Honecker zusammen, war ab 1947 KPD-Abgeordneter in Nordrhein-Westfalen.

Dann kam es, wie es kommen musste: Er wird als angeblicher Verräter enttarnt und 1953 aus der Partei ausgeschlossen. Er arbeitet als Hilfsarbeiter, bis er eine Anstellung bei einer Zeitung bekommt.

1961 sieht an der damals noch offenen, aber bewachten Zonengrenze eine DDR-Ernte-Brigade und steigt aus, um sie zu filmen. Er wird von DDR-Grenzern wenige Meter von der Grenze entfernt durch Schüsse tödlich verletzt. Herbert Wehner nahm an seiner Beerdigung teil.

Der Forschungsverbund SED-Staat an der FU Berlin hat seine Geschichte festgehalten.

Circa 1.000 Tote an den Grenzen der DDR

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327 Menschen sind an der Zonengrenze, der innerdeutschen Grenze, in den 40 Jahren der Existenz der Deutschen Demokratischen Republik gestorben. Diese Zahl steht in der neuen Untersuchung von Jochen Staadt und Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin. Sie haben fünf Jahre recherchiert. Nur noch eine Handvoll Todesfälle sind ungeklärt.

Wenn man die 139 Toten an der Berliner Mauer, die 39 vor dem Mauerbau an der Sektorengrenze Getöteten (plus 100 Verdachtsfälle), die bei der Flucht über die Ostsee (26 sind bekannt) und die an den Außengrenzen der DDR Getöteten addiert, sind es ca. 1.000 Tote.

In Tschechien hält man nicht viel von der Aufarbeitung der Verbrechen der Grenzsoldaten

Berliner Grenztote, bevor es die Mauer gab

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Ab 1948 gab es Kontrollen an den Grenzen von Berlin (West) zum sowjetischen Sektor und zur Sowjetzone bzw. der DDR. Man konnte die Grenze passieren, wurde aber kontrolliert.

Im Lauf der 50er Jahre wurden zunehmend kleine Übergänge und Trampelpfade unpassierbar gemacht und vor allem in Berlin (West) arbeitende Ostdeutsche schikaniert.

Auch im Zeitraum von 1948 bis 1961 gab es Erschießungen an dieser Grenze. Opfer waren Flüchtlinge, desertierende russische Soldaten, aber auch Schmuggler, psychisch Kranke und Betrunkene, die den Grenzsoldaten verdächtig erschienen.

Dies wurde jetzt erstmals erforscht. 39 Tötungen konnten bestätigt werden, hundert Verdachtsfälle ließen sich nicht mehr aufklären:

Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn, Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes von der Teilung bis zum Mauerbau

Bericht in Die Welt/N24

Erinnerung an die Umsiedlungsaktionen an der Zonengrenze

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In Erfurt werden am 6.10. tausende Papierblumen zu einem Blumenfeld zusammengesteckt werden. Mit dieser Aktion wird an die Zwangsumsiedlungen erinnert, die die SED beim Ausbau der Zonengrenze vornahm. 12.000 Menschen waren betroffen.

1952 war es die Aktion „Ungeziefer“ und 1961 die Aktion „Kornblume“, mit denen politisch angeblich unzuverlässige Ostdeutsche zwangsweise ins Landesinnere umgesiedelt wurden.

An dem Projekt, das unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Ramelow steht, nehmen 15 Schulklassen aus fünf Städten teil. Sie markieren „Täterorte“ wie Rathäuser und SED-Kreisleitungen und informieren die Öffentlichkeit mit eigenen Texten.

Vor vier Jahren stand dazu in diesem Blog: Dass eine sich als Erbe der Aufklärung und des Humanismus verstehende Ideologie Menschen zwangsweise umsiedelt und diese Aktion – keine zehn Jahre nach dem Nazifilm Jud Süß, in dem Juden mit Ratten verglichen werden – auch noch Aktion Ungeziefer nennt, darauf muss man erst einmal kommen.

Die Stiftung Aufarbeitung vertreibt für 5 € eine 2006 gedrehte TV-Dokumentation über die Umsiedlung.

Auf der Webseite des Erinnerungsprojekts gibt es von Lehramtsstudenten erarbeitete Unterrichtsmaterialien dazu.

Karte der Zwangsumsiedlungen Thüringen:

Point Alpha? Nie gehört!

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Die Gedenkstätte Point Alpha an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Rasdorf in der hessischen Rhön war eine Art Nachzögling unter den Gedenkstätten. Sie hat sich aber zu einem Ort entwickelt, für den sich ein Umweg lohnt. Der ehemalige vorgeschobene Beobachtungsposten der US-Armee an der Zonengrenze enthält eine sehenswerte Ausstellung, rekonstruierte Grenzanlagen und zeigt das einsame Leben der GIs in der hessischen Rhön.

Point Alpha lag im „Fulda Gap“, dem befürchteteten Einfallstor durch das die bestens ausgerüstete 8. sowjetische Gardearmee innerhalb von 48 Stunden Frankfurt am Main hätte erreichen können.

Nun geht der erste Leiter der Gedenkstätte in den Ruhestand. Die Fuldaer Zeitung berichtet.

„Der vielleicht heißeste Ort im Kalten Krieg“, von Markus Scholz auf geschichtsspuren.de

Nachtrag Mai 2017: Auf der Webseite gibt es inzwischen beachtliche Sammlungen von Links und Videos zum Leben (und Sterben) an der Grenze, zur Gedenkstätte und zum geteilten Deutschland.

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Foto: GS
Foto: GS

Grenzgeschichte: Rüterberg

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Das Dörfchen Rüterberg liegt direkt an der Elbe, nahe Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern. In der DDR war es seit 1967 nicht nur zur Elbe, zum Westen hin, durch einen Zaun getrennt, auch zur restlichen DDR war es durch eine Sperranlage getrennt. Die Einwohner konnten nur durch ein bewachtes Grenztor tagsüber ein- oder ausreisen. Es gab zwar die Zwangsumsiedlungen der „Aktion Ungeziefer“ und Abriss von Häusern zugunsten freien Schussfeldes für die Grenztruppen, aber das gesamte Dorf wurde nicht geräumt.

Es fanden häufig Fluchtversuche statt. Die Grenze verlief am östlichen, dem DDR-Ufer, nicht in der Flußmitte. Das wurde allerdings von der SED nicht anerkannt. Es kam zu einer „Schlacht von Gorleben“, als DDR-Grenztruppen ein westdeutsches Vermessungsboot daran hindern wollten, bis zum DDR-Ufer zu fahren, was aber misslang. (Leider kennt die westdeutsche Presse das Ereignis nicht mehr. Für sie geht es bei Schlacht von Gorleben um die Atommülllagerung.) Nach diesem Ereignis wurde der Grenzzaun zur DDR-Seite gebaut.

Zum Ende der DDR lebten nur noch wenige Familien in Rütersberg. Die forderten einen Tag vor der Öffnung der Mauer von ihrer Obrigkeit ein Ende der Aussperrung und nannten sich (nach Schweizer Vorbild) „Freie Dorfrepublik Rüterberg“.

Heute ist das Dorf nicht wiederzuerkennen. Es besteht fast nur aus properen Ferienhäusern.

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Die Absperrung zur restlichen DDR (erhaltener Rest)
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Gedenkstein für Opfer der Grenztruppen

Grenzflieger

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Bis 1989 gab es über 400 Irrflüge von grenznahen Flugplätzen in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, meist ausgelöst durch schlechte Sichtverhältnisse oder Wetterturbulenzen. Diese harmlosen Fehlflüge wurden von der DDR als „Verletzung der Staatsgrenze“ gewertet, oft mit dramatischen Folgen: monatelange Inhaftierungen der Piloten, Häftlingsfreikauf und hohe Rückführungskosten der Flugzeuge. Der Film dokumentiert die Schicksale von zwei Familien aus Bad Schwartau und Lüneburg, die von einem auf den anderen Tag in den Strudel des Ost-West-Konflikts gerieten.

Diese Dokumentation, gesendet am 29.10. 14, muss man sich ansehen. Diese – wahrscheinlich rechtsstaatliche – Paranoia, mit der die SED Privatpiloten, die sich verflogen hatten, einsperrten und an den Westen gegen Lösegeld (Häftlingsfreikauf) zurückgaben. Um Spionagevorwürfe gegen einen Segelflieger zu bestätigen, wurden sogar Agent/-innen auf auf die Familie und das Geschäft angesetzt.

Wenigstens der Trailer steht in youtube, der Film vorübergehend auf der NDR-Mediathek. (Hat wirklich jede Anstalt ihre eigene Mediathek?)

Skulpturenpark Deutsche Einheit

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Am Grenzübergang Eußenhausen/Meiningen in der Rhön, 1973 für den kleinen Grenzverkehr geöffnet, gibt es einen Skulpturenpark aus Anlass der Vereinigung 1990.

Wikipedia zum Grenzübergang
Der Skulpturenpark

Der Beitrag der DDR zum Vietnamkrieg: die Tellermine PPM-2 – Fortsetzung

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(c) sachsenschiene.net

Uwe Siemon-Netto hatte in seinem Buch berichtet, dass keiner seiner Kollegen in einer Redaktionskonferenz Lust darauf hatte, zur Tellerminenproduktion in der DDR zu recherchieren.

Hier einiges, das ich allein im Internet gefunden habe:

Die Tellermine PPM 2 wurde im VEB Chemiewerk Kapen bei Dessau hergestellt. Auch die Selbstschussanlage SM-70 stammt aus Kapen (s. u.). Handgranaten aus Kapen wurden in alle Welt exportiert. Das Chemiewerk war eine Sprengstofffirma.

1935 wurde hier die Heeresmunitionsanstalt Dessau gebaut, in der während des Krieges u. a. auch 300 Zwangsarbeiter/-innen Giftgasgranaten herstellen mussten. Auch das Nervengas Lost wurde hier verwendet. Ca. 58.000 Tonnen Giftstoffe wurden in Granaten und Bomben abgefüllt.

1945 übernahm zunächst die US-Armee die Anlage, nach deren Rückzug ab Mai 1945 die Rote Armee. Diese hat Teile des Geländes bis 1991 als Kaserne und Munitionslager genutzt. Unklar ist, was hier an konventioneller Munition und Minen im Boden steckt. Den Rest des Beitrags lesen »