Zonengrenze

Berliner Grenztote, bevor es die Mauer gab

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Ab 1948 gab es Kontrollen an den Grenzen von Berlin (West) zum sowjetischen Sektor und zur Sowjetzone bzw. der DDR. Man konnte die Grenze passieren, wurde aber kontrolliert.

Im Lauf der 50er Jahre wurden zunehmend kleine Übergänge und Trampelpfade unpassierbar gemacht und vor allem in Berlin (West) arbeitende Ostdeutsche schikaniert.

Auch im Zeitraum von 1948 bis 1961 gab es Erschießungen an dieser Grenze. Opfer waren Flüchtlinge, desertierende russische Soldaten, aber auch Schmuggler, psychisch Kranke und Betrunkene, die den Grenzsoldaten verdächtig erschienen.

Dies wurde jetzt erstmals erforscht. 39 Tötungen konnten bestätigt werden, hundert Verdachtsfälle ließen sich nicht mehr aufklären:

Gerhard Sälter, Johanna Dietrich, Fabian Kuhn, Die vergessenen Toten. Todesopfer des DDR-Grenzregimes von der Teilung bis zum Mauerbau

Bericht in Die Welt/N24

Erinnerung an die Umsiedlungsaktionen an der Zonengrenze

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In Erfurt werden am 6.10. tausende Papierblumen zu einem Blumenfeld zusammengesteckt werden. Mit dieser Aktion wird an die Zwangsumsiedlungen erinnert, die die SED beim Ausbau der Zonengrenze vornahm. 12.000 Menschen waren betroffen.

1952 war es die Aktion „Ungeziefer“ und 1961 die Aktion „Kornblume“, mit denen politisch angeblich unzuverlässige Ostdeutsche zwangsweise ins Landesinnere umgesiedelt wurden.

An dem Projekt, das unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Ramelow steht, nehmen 15 Schulklassen aus fünf Städten teil. Sie markieren „Täterorte“ wie Rathäuser und SED-Kreisleitungen und informieren die Öffentlichkeit mit eigenen Texten.

Vor vier Jahren stand dazu in diesem Blog: Dass eine sich als Erbe der Aufklärung und des Humanismus verstehende Ideologie Menschen zwangsweise umsiedelt und diese Aktion – keine zehn Jahre nach dem Nazifilm Jud Süß, in dem Juden mit Ratten verglichen werden – auch noch Aktion Ungeziefer nennt, darauf muss man erst einmal kommen.

Die Stiftung Aufarbeitung vertreibt für 5 € eine 2006 gedrehte TV-Dokumentation über die Umsiedlung.

Auf der Webseite des Erinnerungsprojekts gibt es von Lehramtsstudenten erarbeitete Unterrichtsmaterialien dazu.

Karte der Zwangsumsiedlungen Thüringen:

Point Alpha? Nie gehört!

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Die Gedenkstätte Point Alpha an der ehemaligen innerdeutschen Grenze bei Rasdorf war eine Art Nachzögling bei den Gedenkstätten. Sie hat sich aber zu einem Ort gemausert, für den sich ein Umweg lohnt. Der ehemalige vorgeschobene Beobachtungsposten der US-Armee enthält eine sehenswerte Ausstellung, rekonstruierte Grenzanlagen und zeigt das einsame Leben der GIs in der hessischen Rhön.

Nun geht der erste Leiter in den Ruhestand. Die Fuldaer Zeitung berichtet.

„Der vielleicht heißeste Ort im Kalten Krieg“, von Markus Scholz

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Foto: GS
Foto: GS

Grenzgeschichte: Rüterberg

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Das Dörfchen Rüterberg liegt direkt an der Elbe, nahe Dömitz in Mecklenburg-Vorpommern. In der DDR war es seit 1967 nicht nur zur Elbe, zum Westen hin, durch einen Zaun getrennt, auch zur restlichen DDR war es durch eine Sperranlage getrennt. Die Einwohner konnten nur durch ein bewachtes Grenztor tagsüber ein- oder ausreisen. Es gab zwar die Zwangsumsiedlungen der „Aktion Ungeziefer“ und Abriss von Häusern zugunsten freien Schussfeldes für die Grenztruppen, aber das gesamte Dorf wurde nicht geräumt.

Es fanden häufig Fluchtversuche statt. Die Grenze verlief am östlichen, dem DDR-Ufer, nicht in der Flußmitte. Das wurde allerdings von der SED nicht anerkannt. Es kam zu einer „Schlacht von Gorleben“, als DDR-Grenztruppen ein westdeutsches Vermessungsboot daran hindern wollten, bis zum DDR-Ufer zu fahren, was aber misslang. (Leider kennt die westdeutsche Presse das Ereignis nicht mehr. Für sie geht es bei Schlacht von Gorleben um die Atommülllagerung.) Nach diesem Ereignis wurde der Grenzzaun zur DDR-Seite gebaut.

Zum Ende der DDR lebten nur noch wenige Familien in Rütersberg. Die forderten einen Tag vor der Öffnung der Mauer von ihrer Obrigkeit ein Ende der Aussperrung und nannten sich (nach Schweizer Vorbild) „Freie Dorfrepublik Rüterberg“.

Heute ist das Dorf nicht wiederzuerkennen. Es besteht fast nur aus properen Ferienhäusern.

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Die Absperrung zur restlichen DDR (erhaltener Rest)
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Gedenkstein für Opfer der Grenztruppen

Grenzflieger

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Bis 1989 gab es über 400 Irrflüge von grenznahen Flugplätzen in Niedersachsen oder Schleswig-Holstein, meist ausgelöst durch schlechte Sichtverhältnisse oder Wetterturbulenzen. Diese harmlosen Fehlflüge wurden von der DDR als „Verletzung der Staatsgrenze“ gewertet, oft mit dramatischen Folgen: monatelange Inhaftierungen der Piloten, Häftlingsfreikauf und hohe Rückführungskosten der Flugzeuge. Der Film dokumentiert die Schicksale von zwei Familien aus Bad Schwartau und Lüneburg, die von einem auf den anderen Tag in den Strudel des Ost-West-Konflikts gerieten.

Diese Dokumentation, gesendet am 29.10. 14, muss man sich ansehen. Diese – wahrscheinlich rechtsstaatliche – Paranoia, mit der die SED Privatpiloten, die sich verflogen hatten, einsperrten und an den Westen gegen Lösegeld (Häftlingsfreikauf) zurückgaben. Um Spionagevorwürfe gegen einen Segelflieger zu bestätigen, wurden sogar Agent/-innen auf auf die Familie und das Geschäft angesetzt.

Wenigstens der Trailer steht in youtube, der Film vorübergehend auf der NDR-Mediathek. (Hat wirklich jede Anstalt ihre eigene Mediathek?)

Skulpturenpark Deutsche Einheit

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Am Grenzübergang Eußenhausen/Meiningen in der Rhön, 1973 für den kleinen Grenzverkehr geöffnet, gibt es einen Skulpturenpark aus Anlass der Vereinigung 1990.

Wikipedia zum Grenzübergang
Der Skulpturenpark

Der Beitrag der DDR zum Vietnamkrieg: die Tellermine PPM-2 – Fortsetzung

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(c) sachsenschiene.net

Uwe Siemon-Netto hatte in seinem Buch berichtet, dass keiner seiner Kollegen in einer Redaktionskonferenz Lust darauf hatte, zur Tellerminenproduktion in der DDR zu recherchieren.

Hier einiges, das ich allein im Internet gefunden habe:

Die Tellermine PPM 2 wurde im VEB Chemiewerk Kapen bei Dessau hergestellt. Auch die Selbstschussanlage SM-70 stammt aus Kapen (s. u.). Handgranaten aus Kapen wurden in alle Welt exportiert. Das Chemiewerk war eine Sprengstofffirma.

1935 wurde hier die Heeresmunitionsanstalt Dessau gebaut, in der während des Krieges u. a. auch 300 Zwangsarbeiter/-innen Giftgasgranaten herstellen mussten. Auch das Nervengas Lost wurde hier verwendet. Ca. 58.000 Tonnen Giftstoffe wurden in Granaten und Bomben abgefüllt.

1945 übernahm zunächst die US-Armee die Anlage, nach deren Rückzug ab Mai 1945 die Rote Armee. Diese hat Teile des Geländes bis 1991 als Kaserne und Munitionslager genutzt. Unklar ist, was hier an konventioneller Munition und Minen im Boden steckt. Den Rest des Beitrags lesen »

Deportationen innerhalb der DDR: Die Aktion Ungeziefer (Aktualisierung)

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Die „Aktion Ungeziefer“ erwähnte ich zuerst vor zwei Jahren.

Jetzt zeigte die brandenburgische Diktaturbeauftragte in Potsdam den Film (HR/rbb, 2006)

Es gab kein Niemandsland. Ein Dorf im Sperrbezirk.

Die Einwohner der kleinen Gemeinde Großburschla an der hessisch-thüringischen Grenze lebten in der fünf Kilometer tiefen Sperrzone. Das Dorf an der Werra war auf drei Seiten von Grenzbefestigungen umgeben. Betroffen von der Deportation war auch Familie Müller aus Großburschla. Der Sohn geriet nach einer Feier im Wirtshaus mit dem regimetreuen Stabü-Lehrer aneinander. Er lief aus Zorn und Angst vor den Folgen kopflos an die Werra und schwamm einige Kilometer flussabwärts ans westliche Ufer. Nach der Flucht des Sohnes in den Westen wurden die Müllers mit Observation (5 IMs aus dem Dorf), Inhaftierung und – zwanzig Jahre später! – Deportation über den alten KZ-Bahnhof Dora in den Nordosten der DDR drangsaliert.

„Aktion Ungeziefer“ nannten die DDR-Behörden  die ersten Deportationen 1952 aus Anlass der Schließung der Zonengrenze. Solche Umsiedlungen gab es bis in die 80er Jahre, im Film war eine Liste zu sehen, in dem die Jahre 1982 und 1987 vorkamen. Heimisch wurden die Deportierten in den neuen Wohnorten selten. Ihnen ging der Ruf voraus, Kriminelle, Asoziale oder politisch unzuverlässige Elemente zu sein.

Der Film zeigt beklemmend, wie die leidvollen Erfahrungen des Lebens im Sperrgebiet die Menschen von Großburschla bis heute berühren.

Eine nennenswerte  juristische Aufarbeitung der Deportationen gibt es nicht. Auch Entschädigung für Enteignungen gab es nicht immer und wenn, in geringem Umfang.  Die wiedergutmachung der Enteignungen auf Grund von Deportation bis Anfang der 50er Jahre ist im Einigungvertrag nicht vorgesehen. Eine juristische Verfolgung der Deportation, die auch im „Rechtsstaat“ DDR nicht vorgesehen war und auch völkerrechtswidrig ist, gibt es nicht, Klagen wurden von Gerichten nicht akzeptiert oder endeten mit Freisprüchen.

In den Dörfern entlang der ehemaligen Zonengrenze leben heute Täter und Opfer, soweit letztere zurückgekehrt sind, nebeneinander, SED-Bürgermeister, Volkspolizisten, Grenztruppenoffiziere, MfS-Kader, IMs und andere Zuträger. Bei der Filmvorführung in der Villa Schöningen an der Glienicker Brücke waren zwei Zeitzeugen von Deportationen aus Lenzen und dem Amt Neuhaus an der Elbe dabei. Sie berichteten, dass bis heute ein Riss durch diese Gemeinden gehe.

Nachtrag: Von einer Opferrente für die Zwangsvertriebenen in der DDR ist bisher nicht die Rede, wenn man der Union der Opferverbände kommunistischer Gewaltherrschaft glauben darf. Auf der einen Seite gibt es immer mehr diskriminierte Gruppen in der Gesellschaft, für die sich Initiativen einsetzen, für die es z. B. Entschädigungen, Rehabilitierungen oder Renten gibt. Aber bei DDR-Opferrenten herrscht Schweigen.

Leben an der Grenze

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Es gibt mehrere gute Bücher und Broschüren, die berichten, wie es an der deutsch-deutschen Grenze zuging, z. B.:

  • Effner/Heidemeyer (Hrsg.), Flucht im geteilten Deutschland
  • Neuborg, Torsten, Mitten in Deutschland. Menschen an der Grenze
  • Hartmann/Künsting (Hrsg.), Grenzgeschichten. Berichte aus dem deutschen Niemandsland
  • oder die dramatischen Fluchtgeschichten von Christine und Bodo Müller: „Über die Ostsee in die Freiheit“

In einer kleinen Broschüre der Sparkassen-Stiftung der Sparkasse des Werra-Meißner-Kreises (Hessen), „Leben an der Grenze“ von Ursula Saul, 1996, lese ich dies: Den Rest des Beitrags lesen »

1952: Grenzschließung in Kleinmachnow bei Berlin, Verhaftungen und Zuchthausstrafen für Protestler

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Vor 60 Jahren wurde der Grenzübergang Düppel zwischen Kleinmachnow und Berlin von der SED gesperrt. Zweidrittel der Kleinmachnower arbeiteten in Berlin und benutzten diesen Übergang um mit der S-Bahn nach Berlin zu kommen. Der Bahnhof lag schon in Berlin(West). Die Kleinmachnower schrieben eine Resolution an die Partei. Daraufhin wurden 200 Menschen in dem „reaktionären Nest“ (SED) verhaftet, einige von ihnen wegen „Boykotthetze“ zu langjährigen Zuchthausstrafen verurteilt.

Dies hat eine Kleinmachnower Lehrerin in ihrer Magisterarbeit erforscht und die Märkische Allgemeine hat am 30.10. 12 berichtet.