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Auschwitz on the Beach

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Also sind Vergleiche doch erlaubt!

Wenn, wie in diesen Tagen des Gedenkens an den Ribbentrop-Molotow-Pakt (auch: Hitler-Stalin-Pakt), Nationalsozialismus und Kommunismus in einem Atemzug genannt werden, fehlen die Mahnungen von Zeitungsleuten und Anti-Totalitarismus-Forschern nicht. Man dürfe die beiden Ideologien und ihre Herrschaftspraxis nicht vergleichen. Denn das hieße, das „Menschheitsverbrechen“, den „Zivilisationsbruch“ zu verkleinern.

Wenn man sich intensiv mit den Naziverbrechen beschäftigt, fallen die Verbrechen Stalins, Lenins, Maos, Pol Pots meist unter den Tisch. Sie waren halt kein Zivilisationsbruch. Intellektuelle reden vom „Fieber der Vernunft“. Es geht ja um eine gute Sache, und mit ein wenig Gewalt und der Liquidation der Feinde kommt man vielleicht eher ans Ziel einer solidarischen, glücklichen und gerechten Gesellschaft.

Der Berliner Regierende Bürgermeister Ernst Reuter, einst selbst KPD-Mitglied und überzeugter Kommunist, warnte vor der Diktatur der Kommunisten. Kurt Schumacher, SPD-Vorsitzender, sprach von den „rotlackierten Faschisten“, Herbert Wehner, einst zur Spitze der Weimarer KPD gehörend, erlebte, nach eigenen Worten, unter kommunistischer Herrschaft in Moskau Schlimmeres als unter den Nazis.

Die Totalitarismustheorie, die beide Ideologien und ihre Praxis vergleicht, ist heute in den Sozialwissenschaften geächtet. (Wikipedia wirft Ernst Reuter vor, mit der CIA zusammengearbeitet zu haben und Anhänger dieser Theorie gewesen zu sein!)

Es gibt allerdings Ausnahmen, wo Vergleiche erlaubt sind. Neben Israel, das z. B. kürzlich in 3sat neben die US-amerikanische alt-right-Bewegung gestellt wurde, ist es die Kunst. Die Brüder Berardi, Philosoph der eine, Musiker der andere, wollten auf der Kasseler Documenta eine Performance „Auschwitz on the Beach“ inszenieren. Die Rede war davon, dass in Nordafrika Konzentrationslager für Flüchtlinge errichtet würden,  Gauleiter aus Libyen dazu benutzt würden, Flüchtlinge zu vernichten. Das Salzwasser des Mittelmeeres sei „das neue Zyklon B“.

Documenta-Leiter Szymczyk beschwichtigte die vor allem jüdischen Protestanten: Die Künstler hätten keineswegs die Absicht gehabt, den Holocaust zu relativieren. Berardis Ziel bestehe vielmehr darin, den NS-Mord an den europäischen Juden „verantwortungsvoll und ernsthaft als den ultimativen Grenz- und Referenzbegriff für ein extremes, gewaltsames und systemisches Unrecht gegenüber Flüchtlingen“ auszumachen. Dieses Unrecht werde von nationalen und transnationalen Körperschaften in Europa körperlich an Geflüchteten verübt. (Zitat nach hessenschau.de).

Auf das blasierte Gerede von Adam Szymczyk passt, was Alexander Kissler im Cicero schreibt: „Bei Schriftstellern denkt man oft, sie könnten besonders gut mit Sprache umgehen. Nicht immer ist dem so. Künstlern unterstellt man, sie machten sich besonders kluge Gedanken. Das muss nicht sein. Und Museen stellt man sich als Orte besonders kreativen Ringens um die Wahrheit vor. Auch das stimmt nicht stets. Wenn dieser dreifache Vertrauensvorschuss dreifach kollabiert, dann landet man bei einem Projekt wie „Auschwitz on the beach“ und der diesjährigen Documenta.“

Wieder einmal haben sich jüdische Organisationen unbeliebt gemacht. Denn von ihnen ging der Protest aus.

 

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Vorsicht, Wikipedia!

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Für Anhänger der Schwarmintelligenz ist Wikipedia eine großartige Sache: Das Wissen der Welt wird kollektiv zusammengetragen. Kein Verlag macht Profit, keine Redaktion kontrolliert den Inhalt. Wenn jeder, der etwas weiß, mitschreibt, werden die Artikel immer besser und richtiger.

Es ist für normale Internetnutzer bequem, Wikipedia zu nutzen. Das Lexikon schneidet in Vergleichstests auch gut ab.

Dennoch gehe ich – als häufiger W.-Nutzer – immer mit Vorsicht heran. Bei einem herkömmlichen Lexikon weiß ich, dass eine Redaktion und ein Verlag dahinter stehen. Schwerpunkte und mögliche Tendenzen sind auch bekannt.

Bei Wikipedia weiß ich nicht, wer den Artikel geschrieben hat, bzw. wie viele mitgeschrieben haben, ob nicht heute Nacht etwas geändert wurde, was morgen schon wieder gelöscht wird. (Ich weiß: Das kann man alles nachsehen.) Man sollte sich einmal den Spaß gönnen, die Formulierungskriege (edit-wars) im Diskussionsverlauf zu einem Artikel verfolgen.

Die Gründergeneration sorgt für Qualitätskontrolle. Aber die schiere Menge der Artikel lässt sich kaum noch mit kompetenten Kontrolleuren abdecken. Es gibt auch, jetzt wo Wikipedia ein gigantisches Nachschlagewerk geworden ist, nicht mehr den Pioniergeist der Gründergeneration. The wisdom of the crowds ist kein Selbstläufer.

Besonders vorsichtig bin ich bei politisch-historischen Artikeln. Sehr oft sind die linkslastig. Die ca. 5.000 Artikel zum Thema Klimawandel werden von den Anhängern des menschengemachten Klimawandels um das IPCC kontrolliert.

Jeder, der etwas auf sich hält, will in Wikipedia vertreten sein und schreibt sich selbst den Artikel oder lässt schreiben. Prof. Schellnhuber, einer der Päpste des menschengemachten Klimawandels, hat über seine Person einen 36 Seiten langen Artikel geschrieben bzw. schreiben lassen.

Links (aus meinem Block über Schule und Schulbibliothek): hier, hier und hier

Update: Anetta Kahane ist für ihre Wikipedia-Ghostwriterin eine Menschenrechtsaktivistin. (via science files)

Wer Kahane ihre Spitzeltätigkeit in der DDR vorwirft, ist laut Wikipedia „neurechts“. Nun, wenn ein Hausmeister, der vom MfS angeworben wurde, sich aber sogleich geoffenbart hat und damit unbrauchbar für die SED wurde, seinen Job dennoch nach der Wende verlor, weil er eine IM-Vereinbarung unterzeichnet hatte, kann ich eine IM, die jahrelang für das MfS arbeitete und sogar von einer Bezirksverwaltung zu einer Hauptverwaltung weitergereicht wurde, nicht dafür bewundern, dass sie sich Millionen € von der Bundesregierung zu beschaffen weiß und mit Hilfe linker Aktivist/-innen Listen anlegen ließ, in denen keineswegs nur Neonazis, sondern auch konservative, rechtsliberale, nationale Personen und Organisationen erfasst wurden.

Dass der Gutachter, der Frau Kahane von schädlicher Spitzeltätigkeit etwas lau freispricht, kaum mehr als die Hälfte der Akten einsehen durfte, steht nicht in Wikipedia.

 

Die Klimaleugner-Liste

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Ähnlich wie das MfS der DDR, die Ex-IM Anetta Kahane (wird überarbeitet) oder die grüne Heinrich-Böll-Stiftung (wird überarbeitet) führen auch die Verfechter des menschengemachten Klimawandels eine Schwarze Liste verdächtiger Personen, die ihre Überzeugungen nicht teilen:

klimaleugner

Auch auf Wikipedia denunzieren die Klimaaktivisten „Klimaleugner“ und „Klimaskeptiker“, u.a. in einem 36 Seiten starken Eintrag „Klimaskeptizismus“, der auch eine Liste der Delinquenten enthält.

Wikipedia nennt einen Rechtsstreit, den Dr. Ball verloren hat. NICHT aufgeführt ist der Rechtsstreit den Klimaaktivist Michael Mann gegen Ball angestrengt und verloren hat, weil er sich weigerte, seine Daten und Berechnungen, die Ball angezweifelt hatte, vor Gericht offenzulegen.

Es fehlt an Informationskompetenz

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Beiträge wie den vorhergehenden schreibe ich besonders gerne. Mir hat es schon im Unterricht Spaß gemacht, Schülern kritisches Denken beizubringen, zu hinterfragen, nicht alles zu glauben, was man hört und liest. „Informationskompetenz vermitteln“ kann man fachmännisch dazu sagen.

Wobei der Begriff im Internetzeitalter leider auf den Hund gekommen ist. Gemeint ist jetzt nicht substantielle, inhaltliche Prüfung von Informationen im Sinne von Quellenkritik, sondern die Durchsicht, ob digitale Quellen zuverlässig sind. Kriterien wären: der Autor wird genannt, ein Impressum ist vorhanden, die Sprache ist verständlich und fehlerfrei, die Seite enthält Updates usw.

Ich bedaure fast, dass Informationskompetenzvermittlung nicht das Kernthema des Blogs ist. Aber auf manche „Studien“, in denen Fakes produziert und von der Tagesschau unkritisch verbreitet werden, weise ich doch hin.

Im Mittelpunkt des Medieninteresses stehen derzeit nur Fakes und Postfakes, die aus dem rechten, dem „dunklen“ Spektrum der politischen Welt stammen. (Enthält dieser Satz schon Rassismus gegen Journalisten?)

Deswegen findet man diese Stories nicht beim rbb oder beim Rechercheverbund von SZ, NDR und WDR:

  • Die Wirtschaftsministerin feiert in einer Broschüre die Energiewende. Im aktuellen Energiewende-Index von McKinsey haben sich dagegen elf von 15 Indikatoren verschlechtert und: „Es wird noch teurer“. (Die Welt/N24)
  • In Novo. Argumente für den Fortschritt wird zu einem Bericht verlinkt, der nachweist, dass die CO2-Konzentration in Deutschland nach 17 Jahren Energiewende 10mal höher als in Frankreich ist (in Englisch). Visualisiert ist das auch auf einer informativen interaktiven Karte, auf die Dirk Maxeiner hinweist. Frankreich produziert seinen Strom überwiegend in Atomkraftwerken.
  • Wie Wikipedia Klimainfos manipuliert: Der Hamburger Forsythien­strauch

Welches Schindluder mit Daten auch in der Wissenschaft getrieben wird, beschreibt Thomas Perry im Cicero.

Ho Chi Minh in Moritzburg/Sachsen?

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In Moritzburg, Heimat von Käthe Kollwitz, am Stadtrand von Dresden gelegen, wurden 1955 350 vietnamesische Kinder in einem Heim aufgenommen. Sie besuchten eine Schule, machten eine Ausbildung, später studierten einige an ostdeutschen Universitäten. Bis heute gibt es einen deutsch-vietnamesischen Freundeskreis.

Bis 1989 hatte die DDR 60.000 Vietnamesen als Arbeitskräfte angeworben. Sie wurden von den Bewohner/-innen Ostdeutschlands „Fidschis“ genannt. Beim Untergang der DDR wurden sie arbeitslos. Sie erlebten in Rostock-Lichtenhagen einen Pogrom bei dem ihre Wohnungen in Brand gesteckt wurden, auch anderswo gab es Mordanschläge. (Näheres hier!)

Foto: Nordvietnam; gemeinfrei

1957 kam der nordvietnamesische Premierminister, später Präsident, Gründer der KP Vietnams, Ho Chi Minh, zu Besuch nach Moritzburg.

Aus Anlass der 70jährigen Wiederkehr dieses Staatsbesuchs wird in Moritzburg daran gearbeitet, mit finanzieller Unterstützung aus Vietnam, eine Gedenkstätte herzurichten und die DDR-Gedenkplatte aufzupolieren.

Nun gibt es Stimmen, darunter auch die von Deutsch-Vietnamesen, die davor warnen, in Moritzburg ein Heldendenkmal für Ho Chi Minh zu schaffen, das von den neureichen vietnamesischen Parteikadern besucht wird.

Ho Chi Minh hat in Vietnam nicht viel anders als Stalin und Mao in ihren Reichen regiert, mit Konzentrationslagern und einer Zwangskollektivierung, bei der Hunderttausende gefoltert und getötet wurden. Ähnlich wie in Maos Kulturrevolution wurden Künstler und Intellektuelle verfolgt, erschlagen oder verbannt. Im Vietnamkrieg, den Ho zur „Befrfeiung“ Südvietnams angezettelt hatte, starben 3 Millionen nordvietnamesische Soldaten, 1,3 Millionen südvietnamesische und 3 Millionen Zivilpersonen.

Ab 1955 hatten die nordvietnamesischen Kommunisten Südvietnam destabilisiert und wollten es vom Kapitalismus befreien. Ihre Truppe, der Vietcong, beherrschte bald zahlreiche ländliche Territorien. Nach fast zehn Jahren entschlossen sich die USA 1964 militärisch einzugreifen und bombardierten Nordvietnam. (Zum Vietnamkrieg siehe im Blog hier!) Nach dem Rückzug der amerikaner 1975, dehnte Ho seine Terrorherrschaft auch auf den Süden aus. 500.000 Flüchtlinge ertranken im Meer.

Heute regieren die Kader ähnlich wie in China: Sie und ihre Clans sind wohlhabende Unternehmer.

Typisch für das Narrativ des Westens ist der Wikipedia-Artikel zum Vietnamkrieg. In seiner Einseitigkeit ist er nicht zu überbieten. Nahezu jede Regung westlicher Aktivisten gegen den Militäreinsatz der Amerikaner wird in dem endlosen Artikel erwähnt. Die Kriegsverbrechen der Nordvietnamesen fallen unter den Tisch. „Onkel“ Ho hat Kindersoldaten gegen die Amerikaner kämpfen lassen. In einem Massaker in Hué wurden Tausende Zivilisten von Nordvietnamesen getötet, darunter auch vier Deutsche, und teilweise noch lebend in der Erde verscharrt. Bürgermeister von Dörfern, die sich nicht von den Nordvietnamesen „befreien“ lassen wollten, wurden enthauptet. Nicht die USA haben diesen Krieg begonnen, sondern die nordvietnamesischen Kommunisten.

Dass des Schicksals der Deutsch-Vietnamesen in der DDR gedacht wird, ist richtig und wichtig. Was nicht passieren darf, ist, dass Vietnams regierende Kommunisten und ostdeutsche SED-Altkader für „Onkel“ Ho in Sachsen einen Schrein errichten.

Besonders ärgerlich ist, dass die Denkmal-Aktivisten, voran ein CDU(!)-MdB und der Moritzburger Bürgermeister, die historische Wahrheit verfälschen. Angeblich nämlich  hätten nordvietnamesische Kinder 1955/56 in Moritzburg Schutz gesucht. Dabei haben die Amerikaner erst 1964 mit Bombenabwürfen operativ auf Nordvietnams Attacken gegen den Süden reagiert.

 

Frank Dikötter, Maos Großer Hunger. Massenmord und Menschenexperiment in China

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„Parteifunktionäre gingen bei der Misshandlung der Dorfbewohner voran.“

„In einer Kommune in Luodong misshandelten mehr als die Hälfte der Parteikader die Bauern und prügelten etwa 100 Personen tot.“

„Menschen wurden nackt ausgezogen und der Kälte ausgesetzt.“

„Man verbrannte Menschen mit glühendem Werkzeug.“

„Eine 80jährige Frau, die es gewagt hatte, ihren Truppführer zu melden, weil er Reis gestohlen hatte, wurde in Urin gebadet.“

Man riss (Menschen) die Haare aus und schnitt ihnen Ohren und Nase ab.“

„Um Menschen einzuschüchtern, inszenierte man fingierte Hinrichtungen und Beerdigungen. Manche Unglückliche wurden bei lebendigem Leib begraben.“

In der Kommune Longgui, wo jeder Fünfte das Jahr 1959 nicht überlebte, wurden manche Menschen eilig am Straßenrand eingegraben; ihr Grab wurde mit einem Schild gekennzeichnet, auf dem „Faulenzer“ stand.“

(pp 381 – 387)

Während des „Großen Sprungs“ 1958 -1961, dem Versuch der gewaltsamen Industrialisierung Chinas, die ein Massensterben auslöste, kamen ca, 45 Millionen Menschen um. (Die Schätzungen reichen von 20 bis 55 Millionen.) Mindestens 2,5 Mio starben durch Misshandlung und Folter. „Es war eines der größenwahnsinnigsten Menschenexperimente“ (Klappentext).

Das wohl bekannteste Buch über die unfassbaren Menschenopfer beim „Großen Sprung nach vorn“ist „Tombstone“von Yang Jisheng. Dieses und weitere Bücher, auch das von Dikötter werden in New York Review of Books besprochen.

Der in Hongkong lehrende niederländische Sinologe Frank Dikötter konnte neuere Quellen erschließen, die inzwischen wieder gesperrt sind, u. a. Partei- und Polizeiarchive, und führte Interviews mit Zeitzeugen und Nachkommen der Opfer. Er beschreibt sachlich und präzise den ungeheuerlichen Zivilisationsbruch, der in der Volksrepublik China bis heute ein Tabu ist. Der Massenmörder Mao Tse Tung genießt sogar neue Bewunderung, da die KPCh einen staatsmonopolistischen Kapitalismus pflegt, den sie mit verstärkter Hinwendung zur marxistischen Ideologie einhegen will.

In Deutschland, wo man alte und neue Diktatoren zu bewundern scheint, gebührt Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt das „Verdienst“, Mao zu exkulpieren. Mao hätte nicht damit gerechnet, dass sein ehrgeiziges Projekt so viele Menschenopfer verlangt. Die Quellen besagen etwas anderes. Frank Dikötter sagt der Basler Zeitung: „Mao wusste ziemlich genau, was vor sich ging. Das beweisen die zahlreichen Dokumente in den Regionalarchiven. Aber sein Denken war nach Jahrzehnten des Guerillakriegs vollends militarisiert, verlorene Schlachten gehörten für ihn dazu. Er nahm die Verluste wissentlich in Kauf. Auch wenn Tausende starben, nahm er das ungerührt zur Kenntnis.“

Eine Anmerkung zum problematischen Wikipedia-Artikel über den Großen Sprung nach vorn: Er ist von einer erschöpfenden Länge, es hat den Eindruck, dass jedes Kilo Getreide jeder Volkskommune aufgeführt ist. Zwar wird auch Dikötter zitiert, aber der Tenor ist: Ambitioniertes Projekt mit Höhen und Tiefen, leider kam eine Hungersnot dazwischen, die KP-Führung kauft im Ausland Getreide, um die Hungersnot zu mildern. Weder in China noch im westlichen Ausland wäre das Ausmaß der Hungersnot bekannt gewesen.

In dem schier endlosen Artikel mit 167 Fußnoten kommt das Wort Terror zweimal vor: ein Forscher wird genannt, der davon in seinem Buch geschrieben haben soll, und ein regionaler Parteiführer wird genannt, dessen Terror zu besonders vielen Hungertoten geführt haben soll (sic!). Aber die Parteiführung hätte Soldaten geschickt, die den Parteikader verhaftet hätten.

Keine fünf Jahre nach dieser Katastrophe startete Mao ein neues Menschenexperiment, die „Kulturrevolution“ (1966-75). Die Schätzungen der Toten gehen von 500.000 bis 20 Millionen. Neuerdings geht man von knapp 2 Millionen aus (Daniel Leese), 20 Millionen wurden politisch verfolgt.

Man lese dazu die atemberaubende Diskussion des Wikipedia-Artikels über die Kulturrevolution.

 

Vorzüge des Älterwerdens: revidierte Geschichtsbilder

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Einer der Vorzüge des Älterwerdens ist es, frühere Meinungen und Einstellungen revidieren zu können – wenn man sich das Interesse an neuem Wissen erhalten und nicht in alten Gewissheiten eingerichtet hat. Mir geht das vor allem in der Neueren Geschichte so. Es gibt neue Erkenntnisse und Sichtweisen zu strittigen alten Themen. Den Rest des Beitrags lesen »

Was heißt eigentlich „linksalternativ“?

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Gewiss, ich weiß, dass die taz eine linksalternative Zeitung ist und dass Hausbesetzungen linksalternativ sind. Seit ich in Potsdam lebe, begegnet mir das Wort fast täglich in der Zeitung. Hier gibt es nämlich zahlreiche „linksalternative“ Wohn-, Jugend- oder Kulturprojekte. Sie erfreuen sich großzügiger finanzieller Unterstützung durch die Stadt und die stadteigenen Betriebe. Das Wort linksextrem existiert in Potsdam und seinen Zeitungen dagegen nicht.

Selbstverständlich ahne ich, dass es etwas mit linken Ideologien zu tun haben muss: Mancher Pädagoge, manche Pädagogin aus den alternativen Potsdamer „Projekten“ ist Mitglied der Partei „Die Linke.“ Es gibt „alternative“ Pädagogen, die Jugendlichen in Kursen den Marxismus, wie er wirklich sein soll, erklären. Auf dem linksalternativen Kinderfest darf lustig mit aufblasbaren Baseballschlägern gespielt werden. (Siehe frühere Beiträge im Blog.)

Wovon grenzen sich diese Alternativen ab? Vom Linkssein überhaupt, vom Mainstream-Sozialismus, von der Linkspartei? Wo sind die alternativen Briefmarkensammler oder Handballerinnen? Wie müssen wir uns eine alternative Gesellschaft vorstellen? Sehnen sie sich wie die Linken in der Linkspartei nach dem Systemwechsel?  Gibt es auch nichtalternative Hausbesetzungen? Fragen über Fragen.

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