Weltkulturerbe

Bundesschule Bernau und Garnisonkirche

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Spolien der Garnisonkirche

Wenn ich lese, was sich in der Bundesschule Bernau alles ereignet hat, wundere ich mich, warum die Antifa so verbissen ausschließlich gegen die Garnisonkirche ankämpft.

Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde 1928 gebaut. Sie ist ein Musterbeispiel für die Baukunst der Bauhaus-Architekten. Gerade wurde es UNESCO-Weltkulturerbe.

Ab 1933 zogen nacheinander Dienststellen der NSDAP und des NS-Staates ein. hier soll der Antisemit Julius Streicher 1935 erstmals von der Tötung aller Juden gesprochen haben. Hier war ein Ausbildungzentrum der Gestapo, hier wurde der Überfall auf den Sender Gleiwitz einstudiert. Das alles hat eine studentische AG an der TU zusammengetragen. (Warum dann Prof. em. Wolfgang Benz in PNN/Tagesspiegel v. 13.7.17, p 19, als Autor genannt wird, erschließt sich mir nicht.)

Jetzt frage ich mich: wie viel wiegt eine tiefe Verbeugung A. Hitlers als Abschiedsgeste im März 1933 vor der Potsdamer Garnisonkirche gegenüber dem Tötungsverlangen eines Antisemiten? Müsste nicht schleunigst ein Abrissverlangen der Antifaschisten durch die Medien gehen, eine Bürgerinitiative gegen dieses faschistische Gebäude gegründet werden, eine Unterschriftensammlung gestartet werden?

Nichts dergleichen passiert. Warum wohl?

Potsdam ist das Zentrum der militanten Antifaschisten Brandenburgs. Die Szene sitzt, von Stadtverwaltung und städtischen Firmen alimentiert, in ihren „alternativen“ Zentren, in Potsdam gibt es zwei Zeitungsredaktionen und einen ARD-Sender. Hier können ganz schnell ein paar tausend Student/-innen für Demos und Unterschriftensammlungen mobilisiert werden.

Bernau liegt an der Peripherie, das Architekturjuwel Bundesschule kennen nur ein paar Fachleute, der einst prächtige Barockbau der „gotteslästerlichen Kirche“ (Christoph Dieckmann in Die Zeit) ist in ganz Deutschland bekannt.

 

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Skaten im Weltkulturerbe?

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Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten (SPSG) möchte seit Jahren einen Parkeintritt erheben. Sie muss die Parks Babelsberg, Neuer Garten und Sanssouci erhalten und pflegen. Dafür hat sie im Grunde genommen zu wenig Gärtner. Sie würde gerne einen Parkeintritt erheben und erhofft sich damit 3-4 Millionen € zusätzlich im Jahr.

Das verhindern die drei linken Parteien im Stadtparlament und der Magistrat. Sie glauben, den Potsdamer/-innen damit etwas Gutes zu tun. Dass die Stadt in ihrem eigenen, städtischen Park Eintritt verlangt, irritiert Politik und Verwaltung nicht.

Für Bewohner der Stadt könnte es eine Sonderregelung geben, etwa eine Jahreskarte zu ermäßigter Gebühr. (Ich zahle seit zehn Jahren einen freiwilligen Parkeintritt – eine Jahreskarte für 12 €.) Aber davon ist keine Rede.

Um den Parkeintritt zu verhindern, zahlt die Stadt jährlich 1 Million € an die SPSG. Das wird ihr allmählich zu viel.

Jetzt gibt es eine Bürgerumfrage, deren Fragebogen an 5.000 ausgewählte Potsdamer/-innen verschickt wird, um ein Meinungsbild zu erhalten.

Erschreckend ist, welches Bild von den Parks auf dem dreiseitigen Fragebogen offenbar wird: Zunächst werden die Angeschriebenen gebeten, Sauberkeit, Pflegezustand, Beleuchtung, Sicherheit, Öffnungszeiten oder Angebote für Kinder zu benoten. Als ob das entscheidend für die Erhebung eines Eintrittsgeldes wäre.

Allein dieser Teil offenbart schon erhebliche Ignoranz der Stadtverwaltung. Trotz der Personalknappheit und des gewaltigen Besucherandrangs gelingt es der Stiftung, die Parks tipptopp zu halten. Mit der städtischen Zuschussmillion werden 12 zusätzliche Gärtner bezahlt, gebraucht würden sechsmal so viel. Auch dann wären es immer noch weniger als im 19. Jahrhundert. Manche Terrassen, die früher voller Blumen waren, sind heute Rasen. Es bleibt im Vergleich zum 19. Jahrhundert noch viel zu restaurieren und zu renaturieren.

Geöffnet sind die Parks von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang. Die Öffnungszeit einzelner (Rand-)Gebäude wurde wegen Personalknappheit zurückgefahren.

Noch schlimmer wird es bei Fragen zur Nutzung: Für jeden der drei Parks wird u. a. abgefragt, ob Liegewiesen, Hundeauslaufplätze, Radwege, Badestellen, Kinder- und Ballspielplätze, Skaterbahnen und gastronomische Einrichtungen vorhanden wären bzw. ob Bedarf bestünde.

Wie bei Umfragen von Lobbyverbänden gerne praktiziert, wird durch die Fragen erst ein Bedarf geweckt. Dann kann der Oberbürgermeister hinterher behaupten, die Bürger/-innen hätten Skaterbahnen, beleuchtete Joggingstrecken und mehr Hundeklos gefordert.

Die Gärten sind weltweit bewunderte Denkmäler. Sie sind Kunstwerke. Die Stiftung veranstaltet Führungen, in denen gezeigt wird, wie genial die Gartenkünstler Lenné und Pückler Baumgruppen gepflanzt, Wege, Hügel und Sichtachsen angelegt hatten. Nichts ist zufällig, es ist eine Komposition. Ich bin fasziniert, wie sich diese Gartenarchitekten vorstellen konnten, was aus ihrer Planung nach Jahrzehnten geworden wäre.

Kein Wort darüber im Fragebogen. Dass die Fragebögen nicht mit der Stiftung beraten wurden, verwundert nicht. Es ist unfassbar, wie ignorant sich der Magistrat verhält. Wieso sind die eigentlich stolz darauf, dass die Zahl der Besucher immer weiter steigt, dass die Verweildauer der Touristen länger wird, mehr Übernachtungsgäste kommen? Die kommen nicht, weil sie einen Volkspark mit Hundeklo, Skaterbahn und Grillplatz sehen wollen.

Schon jetzt kämpft die Stiftung gegen Vandalismus und Vermüllung. Es gibt gekennzeichnete Radwege, aber die Radfahrer fahren auf allen Wegen und klingeln Spaziergänger weg. Ausgewiesene Liegeplätze werden ungern angenommen, weil sie abseits liegen. An illegalen Badestellen wird die Uferböschung niedergetreten, auf dem Rasen wird gegrillt oder Fußball gespielt. Und die Stftung räumt den Müll der Badenden und Liegenden brav weg. Man lässt seine Pizzakartons und Bierflaschen einfach liegen, auch wenn der nächste Papierkorb nut zwanzig Meter entfernt ist.