Weissensee

Vierte Staffel Weissensee: Großartiges Finale

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Die Familie Kupfer in den Wirren der Wende.

Die sog. Wende wohltuend anders als sonst. Aber diese Staffel wirkt nicht so überfrachtet wie die dritte. Aber erfreulicherweise werden Dinge erwähnt, die anderswo gerne ausgeblendet werden:

Die Stasi-Seilschaften, die Altkader in der Treuhand, wie SED-Bonzen das „Volksvermögen“ verschwinden ließen, wo die Stasi-Täter untertauchten (Mallorca), wie Kader und Kapitalisten zusammenfanden.

Dass Bösewicht Stasi-General Falk Kupfer am Schluss erschossen wird, mag aus dramatischen Gründen nötig gewesen sein. Realistischer wäre gewesen, wenn er seine West-Karriere fortgesetzt hätte.

 

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„Stalin war ein Verbrecher“: Ist dieser Satz rechtspopulistisch?

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„Extrem aufgeladen“ (zur Gänze lesen ist kostenpflichtig) heißt der Artikel (in der Printausgabe) von Verena Hasel im Berliner Lokalblatt Tagesspiegel. Es geht um Demonstrationen antifaschistischer Gutmenschen vor der Praxis eines Zahnarztes in Berlin-Weißensee. Der Mann wird bekämpft, weil er Politiker der AfD ist.

Ein Foto, das etwa ein Drittel der Seite einnimmt, zeigt Transparente von Antifaschisten, die ein nazi-freies und AfD-reines Weißensee fordern. Der Text unter dem Foto beginnt mit dem Wort „Straßenreinigung“. Den Rest des Beitrags lesen »

Heute Abend: Dritte Staffel Weissensee!

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Endlich geht es weiter: In dieser Woche werden an drei Abenden die neuen Folgen gezeigt: Stasi-Familie Kupfer in der wilden Zeit der sog. Wende.

Es wird gestreift, wie die MfS- und SED-Bonzen dafür gesorgt haben, dass sie bei der Aufteilung des „Volksvermögens“ nicht leer ausgingen.

Rezensent Nikolaus von Fürstenberg wundert sich im Berliner Tagesspiegel, dass man in den bisherigen Folgen im Hause Kupfer nie die DDR-üblichen Versorgungsengpässe gespürt hätte. Die Fiktion enthält in der Tat viel Wahres. Das beliebte Narrativ von der Gleichheit der DDR-Bewohner wird nebenbei zerstört.

Serie „Weissensee“, zweite Staffel

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Wer sich wundert, dass die neuen sechs Folgen schon als DVD verkauft werden, bevor sie in der ARD gelaufen sind: Seit einem Jahr sucht die Anstalt einen geeigneten Sendeplatz. Jetzt riß der Produzentin Regina Ziegler der Geduldsfaden und sie startete den Verkauf. Heute Abend um 20.15 lauft die erste Folge. Eine dritte Staffel (ab 1989!) ist in Arbeit. Den Rest des Beitrags lesen »

Rettet die DDR im Spielfilm!

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Da haben es die Angelsachsen einfacher: Bis heute, über 60 Jahre nach dem Krieg, werden deutsche Offiziere und SS-Männer in Soaps und den meisten Spielfilmen als brutale, fanatische Dumpfbacken dargestellt. Ausnahmen bestätigen die Regel. Dabei waren die Stabsoffiziere meist gebildete Aristokraten und die Waffen-SS bot für nichtadelige Akademiker gute Karrierechancen. Aber ein differenziertes Bild wird nicht eingefordert.

Wehe aber, wenn das in Unterhaltungsfilmen, die in der DDR-Zeit spielen, passiert. Da regt sich der Rezensent des bürgerlichen Tagesspiegel, Joachim Huber,  am 27.9.10 darüber auf, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. (So machen es Sieger halt. Siehe USA und UK!)

Seine Kollegin Kerstin Decker von derselben Zeitung jubelt, dass in der ARD- Soap „Weissensee“ (Wessis erkennt man daran, dass sie die erste Worthälfte betonen.) den Kommunisten der ersten Stunde ihre Würde wiedergegeben würde. Kollege Huber greift ihre Klage auf: Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR. Unrechtsstaat bliebe Unrechtsstaat.

Dabei lassen sich die Phasen gut unterscheiden. Die erste war die brutalste. Da wurden Menschen zum Erschießen nach Moskau gebracht, in die ehemaligen Nazi-KZs gesperrt oder bei der geringsten Kritik, Opposition oder bei Widerstand zu 25 Jahren GULag, Zuchthaus oder zum Tod verurteilt. Es war die Zeit der Schauprozesse und des offenen Antisemitismus. Gerne wird dagegen heute die Meinung vertreten, diesem Anfang hätte ein stiller Zauber inne gewohnt. Aufbruchstimmung, man wollte eine bessere Welt. Aber mit Gewalt.

Für die Nazis gilt diese Empathie nicht. Obwohl die das auch in Anspruch nehmen könnten. Der nationale Sozialismus versprach auch eine Revolution: Die Abschaffung des (jüdischen) Kapitals, die Entmachtung des Adels und des Großbürgertums, der parlamentarischen Quasselbuden. Im Volk sollte Gleichheit herrschen.

Das hat viele (anfänglich) begeistert und mitgerissen, nicht nur den Grafen Stauffenberg und die Geschwister Scholl. Aber historische Gerechtigkeit gilt nur für Kommunisten, nicht für Nationalsozialisten.

Die „späte“ Phase, wenn ich es richtig verstehe, war wohl die Honeckersche „Wohlfahrts-“ und „Konsensdiktatur“, wie es gutmeinende Historiker nennen, in der es den meisten materiell gut ging. So billig haben sie später nie mehr gewohnt. Das MfS wurde in dieser Zeit von 50.000 auf 90.000 Mitarbeiter/innen aufgestockt. Die meisten waren Akademiker und Kinder von Kadern, nicht von Arbeitern und Bauern. Die Überwachungs- und Zersetzungsmethoden wurden subtiler. Vergiften von Unbotmäßigen ist ja irgendwie auch nicht so krass wie Erschießen.

Im Tagesspiegel konnte man auch schon von „birthlern“ lesen, ohne Anführungszeichen, nicht als Zitat kenntlich gemacht, sondern als Vorwurf des Journalisten, die Stasi-Unterlagenbehörde betrachte die DDR einseitig nur aus der Opferperspektive.

Siehe auch hier im Blog!