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Warum Raoul Hillbergs Buch über den Holocaust in Deutschland 20 Jahre lang verhindert wurde

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Es ist Götz Aly wieder einmal, der dokumentiert, wie das Münchner Institut für Zeitgeschichte Standardwerke über den Nationalsozialismus in Deutschland am Erscheinen hinderte, Raoul Hilbergs „Vernichtung der europäischen Juden“ und H. G. Adlers „Der verwaltete Mensch.

Im Institut hatte man klar erkannt, dass Hilbergs Buch herausragend war und die Publikationen der Instituts-Community Krausnick, Scheffler, Broszat, Jacobsen hinter sich ließ. Der Cheflektor Fritz Bolle des Droemer-Knaur-Verlags, bei dem das Buch 1963 erscheinen sollte, lehnte es ebenfalls ab. Bolle saß in der Firmenleitung eines Steinbruchs in dem Hunderte von jüdischen KZ-Insassen zu Tode gekommen waren. Diesen Ort hatte Hilberg in seinem Buch erwähnt.

Die Ablehnung hinderte die Instituts-Wissenschaftler nicht, sich intern Kapitel aus dem Buch übersetzen zu lassen und Erkenntnisse Hilbergs in ihre eigenen Bücher zu übernehmen.

1982 hatte sich ganz kleiner, sehr linker Verlag entschlossen, Hilberg auf Deutsch herauszubringen. Die Auflage von 4.000 Exemplaren war im Nu verkauft. Die historischen Fachzeitschriften ignorierten das Erscheinen. 30 Jahre, seit dem Erscheinen der englischen Ausgabe, nahm die deutsche Historikerzunft davon nicht Kenntnis. Erst 1991, bei Erscheinen der deutschen Taschenbuchausgabe, änderte sich das.

Der WDR krönte diese unsägliche Handlungsweise: Als Anfang der 80er Jahre die Aufsehen erregende US-amerikanische Holocaust-Serie zum zweiten Mal gezeigt werden sollte, gab es den Vorschlag, Hilberg in die schon damals unvermeidliche anschließende Diskussionsrunde einzuladen. Der WDR lehnte mit der Begründung ab, dass man keine Ausländer dabei haben wolle. (Hilberg war aus Österreich vor den Nazis geflohen.) In der WDR-Expertenrunde saß aber der britische Holocaustleugner David Irving.

Das erinnert an den Umgang des WDR-TV-Direktors Schönenborn mit dem Antisemitismusfilm von Sophie Hafner und Joachim Schröder.

Götz Aly schließ mit diesem Satz: „Ihre (der Historiker des Instituts) interessengeleitete Urteilsschwäche gegenüber Hilberg dokumentiert intellektuelle Inferiorität, einen Mangel an geistiger Souveränität und Offenheit.“

Link zu Götz Aly auf perlentaucher.de

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Haya (11) übt das Anlegen des Schleiers

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Henryk Broder sieht fern. (Auch die Kommentare sind lesenswert)

Was sieht er?

Beim WDR-Schulfunk „Planet Wissen“ vermisst er den Faktencheck, für den der Sender inzwischen berühmt ist.

Die FAZ setzt in ihrem Hochglanzmagazin, das dem Blatt gelegentlich beiliegt, die Verschleierungsgrenze nochmals herab. Das Lifestylemagazin lässt sechs junge, gut aussehende Musliminnen die von Islamisten seit ca. 30 Jahren forcierte Verschleierung als feministischen und modischen Gewinn für Frauen preisen. Eine von ihnen, von Beruf Kopftuch-Stylistin, erzählt: „Als meine Tochter neun Jahre alt war, wollte sie auch ein Kopftuch tragen. Ich fand das nicht gut… Aber sie wollte es von Herzen, und ich wollte es ihr nicht verbieten. Es macht sie glücklich, es zu tragen (Frankfurter Allgemeine Magazin, September 2017, p 56f).

Das Blatt findet Gefallen am islamischen Verschleierungsgebot. Im Feuilleton v. 29.9.17: „Schleier machen Frauen“ wird das Buch einer britischen Theologin rezensiert: Elizabeth Bucar, Pious Fashion, How Muslim Women Dress. Fazit: Das religiöse Verschleierungsgebot ist nun einmal in der Welt und die Frauen eignen es sich auf spezifische Weise an. Es wird zum modischen Accessoire. Frömmigkeit und Mode sind kein Widerspruch mehr, es gibt High-Tech-Kopftücher, Designer-Ganzkörperschleier und stylish-modische Outfits. Nachdem 1992 das Kopftuchverbot des Schahs aufgehoben wurde, sind Schleier wieder schick geworden. Der Tschador ist das bevorzugte Kleidungsstück bei festlichen Anlässen, ähnlich einem Kostüm im Westen, sie sind das bevorzugte Kleidungsstück. Zwar wird erwähnt, dass es „vielleicht“ Sanktionen der Sittenpolizei gibt. Viel schlimmer aber wäre die Kritik anderer Frauen, wenn man bei der Verschleierung daneben greift, etwa zu viel Haar zeigt, aber auch zu viel bedeckt, altmodisch oder zu westlich gekleidet wäre. Der von Frauen internalisierte Mäßigungsdruck auf ihr Geschlecht zeige sich vor allem in der Kleidung.

Im Westen ist es für Frauen doch viel schlimmer, schreibt die Rezensentin Felicia Englmann. Da zeige er sich beim Lohnniveau und der Vergabe von Führungspositionen. (Ob sie da den Buchinhalt referiert, kann ich nicht sagen.)

Jetzt bin ich gespannt auf ein Buch über Gender Pay Gap und Gender-Mainstreaming in muslimischen Ländern.

Bemerkenswert ist, dass Frau Bucar nur aus Teheran, Istanbul und Yogiakarta, Indonesien berichtet. Ein arabisches Land ist nicht dabei. Dabei wäre es doch spannend gewesen, von coolen Modetrends moderner Frauen bei Ganzkörperverschleierung in Saudi-Arabien zu erfahren.

 

 

Investigativer Journalismus: auf den Hund gekommen

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Der famose Rechercheverbund von ndr, WDR und Süddeutscher Zeitung war wieder einmal investigativ. Ich bin wohl noch geprägt vom investigativen Journalismus des früheren Spiegels und US-amerikanischer Vorbilder (Watergate). Deswegen tue ich mir schwer, den Rechercheverbund ernst zu nehmen.

Jetzt berichtet (ab ca. 7:00) die Tagesschau von einer neuen Glanzleistung: Der Rechercheverbund will die Verbindungen zwischen dem VW-Konzern und der früheren brasilianischen Militärdiktatur aufgedeckt haben. Der Konzern habe sich an Entführungen beteiligt und Menschenrechte verletzt. Bravo!

Was man zu sehen bekommt: Akten der brasilianischen Staatsanwaltschaft, Zeugenaussagen,Statements brasilianischer Ankläger. Die investigative Leistung der Mannschaft um Herrn Mascolo bestand wohl vor allem darin, aus dem Portugiesischen ins Deutsche übersetzen zu lassen.

Nachtrag: Einer der investigativen Mitarbeiter des WDR ist Jürgen Döschner, gleichzeitig „Energieexperte“ des ARD-Rundfunks, mit Sitz in der Chefredaktion des WDR..

Er schrieb kürzlich auf Twitter:

Doeschner WDR

ARD-Energieexperte Döschner wurde für seine „sachlichen Beiträge“ zur Energiewende mit seinem „unabgängigen Standpunkt“ von EuroSolar ausgezeichnet – Eurosolar ist die Lobby-Organisation der Solarindustrie. (Quelle: EIKE)

Es gibt statistische Berechnungen von Gesundheitsrisiken bei Stickoxiden oder Feinstaub. Dabei wird auch Todesfälle angenommen.

Aber dass die Autoindustrie Zehntausende unschuldiger Menschen vergast, wie es der ARD-Energieexperte zu wissen glaubte, war dann sogar für den WDR zu viel. Döschner löschte nach kurzer Gegenwehr seinen Tweet.

Zur Beurteilung der Berechnung von möglichen Toten durch Feinstaub, Stickoxide und CO2 unbedingt dies lesen!

Rücktritt bei Pax Christi

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Im betreuten Fernsehen des WDR-Programmchefs Schönenborn war Pax Christi vom Vorwurf der Israelfeindlichkeit freigesprochen worden. Der Vorwurf war der Organisation von den Filmemachern der Antisemitismusdoku gemacht worden. Die WDR-Faktenchecker/-innen konnten dagegen nicht feststellen.

Nun legt der Linzer Bischof Scheuer sein Amt als Präsident von Pax Christi nieder. Wegen des wachsenden Antisemitismus´ in dieser Organisation. Auslöser war diese israelfeindliche Veranstaltung von Pax Christi. In der Organisation gibt es wenig Verständnis für die Haltung des Bischofs.

(via mena-watch)

Joachim Schröder über den Umgang des WDR mit seiner Antisemitismusdoku

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Es ist noch widerlicher, als man schon bisher wusste: Joachim Schröder erzählt, was sich auf den Fluren von Arte und WDR abspielte.

Eigentlich genügt schon die Beckmesserei bei der anfänglichen Abbas-Sequenz: Er hätte doch gar nicht von Brunnenvergiftung gesprochen, sondern von Wasser vergiften, meinen Herrn Schönenborns Faktenchecker/-innen. Und wie immer ist Weglassen die einfachste Form der Lüge: Nicht gesprochen wird beim WDR vom Antisemitismus des Mamoud Abbas, seiner Foltermiliz, seiner Abschaffung von Wahlen, seiner Begünstigung des Terrorismus.

Aber Schröder bringt es auf den Punkt: Nach diesem Film lässt sich Antisemitismus nicht mehr bequem bei den alten und neuen Nazis abladen. Der Film zeigt den linken, aggressiven Juden- und Israelhass, der sich in die Mitte der Gesellschaft, in Parteien und Medien ausbreitet.

Auch der überheblich wirkende Jörg Schönenborn, Erfinder des betreuten Fernsehens, ist kurz sehen.

Schröder erklärt, warum aus dem Kreis der sonst so sehr um Meinungs- und Pressefreiheit bemühten Medienschaffenden und Journalistenverbände kein Protest kommt.

Link: Götz Alys Kommentar zur Schmierenkomödie Schönenborns

Manfred Gerstenfeld, ehem. Vors. des Päsidiums des Jerusalem Center for Public Affairs, fasst die Kampagne von Arte und WDR gegen die Filmemacher noch einmal zusammen.

 

WDR verletzt seine eigenen Maßstäbe

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Quod licet Jovi non licet bovi: Die Unbelangbaren des Westdeutschen Rundfunks checken Fakten nur da, wo es ihnen passt. Beim Antisemitismusfilm, den sie gar nicht zeigen wollten, sind sie pingelig. Da wird den Filmemachern sogar angekreidet, dass sie von Brunnenvergiftung sprachen, obwohl der Antisemit Dr. Abbas nur von Wasser vergiften sprach. Und ihnen vorgeworfen, was sie gar nicht gesagt haben: Dass die israelkritische NGO Betselem Nazi-Methoden anwende. Gesagt worden war: Betselem werfe der israelischen Regierung Nazi-Methoden vor.

Die Faktenchecker*innen von Herrn Buhrow werfen den Filmemachern auch vor, sie hätten Betroffenen keine Gelegenheit zur Stellungnahme zu Aussagen über sie gegeben. Und was macht der WDR selbst?

Der Jerusalemer NGO-Monitor hatte den WDR-Faktencheck einem Faktencheck unterzogen und bestätigte nicht alle „handwerklichen Fehler“. Statt auf die Kritik an ihrem Faktencheck einzugehen, wiesen die WDR-Verantwortlichen die Kritik zurück: der NGO-Monitor sei keine unabhängige Einrichtung. (Klar: Jerusalem, jüdisch)

So schnell kann das gehen: Die Halbgötter der Information dürfen von anderen Spielregeln einfordern, um die sich selbst nicht scheren.

Auch wenn man zu wissen glaubt, dass der NGO-Monitor pro-israelisch ist, angeblich sogar rechts ist, seine Finanzierung verschleiert: Man müsste doch nur den NGO-Monitor-Faktencheck des WDR-Faktenchecks widerlegen. Aber andersherum ist es halt einfacher.

Siehe im Blog u. a. auch hier!

TV-Zensur: Armseliger WDR

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Nun haben die TV-Gewaltigen den Dokumentarfilm, den sie verschwinden lassen wollten, zu nachtschlafener Zeit gezeigt. Er stört das in ZDF/ARD verbreitete Bild vom europäischen Antisemitismus und der israelischen Alleinschuld am Zustand der arabischen Autonomiegebiete in Palästina.

WDR-WarnhinweisWas heißt „gezeigt“? Die unbelangbaren Damen und Herren der deutschen TV-Grundversorgung haben in einer Endlosschleife im Bild den Hinweis laufen lassen: „Notwendige Richtigstellung auf faktencheck.wdr.de“ (oder so ähnlich. Das war nicht genug. Eingeblendet wurden auch Antworten von NGOs auf die Frage, ob sie denn Terroristen unterstützen oder den Holocaust leugnen. Was die dann dem WDR aufrichtig beantwortet haben.

Immerhin nicht verlangt haben sie, dass diejenigen Gaza-Bewohner/-innen, die sich kritisch über die dort herrschende Hamas geäußert haben, dem WDR Namen und Adresse bekannt geben.

Der WDR gibt dem Wort „Faktencheck“ eine neue Bedeutung: Beim WDR verschickt man Faxe, fragt darin: „Waren Sie es?“ und blendet die Antwort als notwendige Richtigstellung in den Dokumentarfilm ein.

Der Gesamtaussage des Films haben diese paar „Richtigstellungen“ nicht geschadet.

Ob Frau Maischberger ihren Auftrag erfüllt hat, den Film von Sophie Hafner und Joachim Schröder endgültig platt zu machen, weiß ich zurzeit noch nicht. Gestern Nacht musste ich schlafen, weil mir heute eine anstrengende Autofahrt bevorstand.

Von Blüm sind ja wohl, wie schon früher, nur Rühr-mich-Geschichten über die armen, traumatisierten Araber Palästinas zu erwarten.

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ARD zeigt Antisemitismusdoku doch

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Jetzt also doch: Am 21.6., 22.15 Uhr dürfen die Gebührenzahler das vom WDR abgenommene Werk, dessen Ausstrahlung der französisch-deutsche Sender Arte verweigerte, jetzt doch sehen. Nachdem es bild.de einen Tag lang gezeigt hat und es auf Youtube läuft.

WDR-Intendant Tom Buhrow wird von haOlam zitiert: „Wir haben den Film intensiv geprüft, und ich habe entschieden, die Dokumentation und unsere handwerklichen Fragezeichen dazu transparent zur Diskussion zu stellen.“

Anscheinend hat die zuständige Redakteurin, die den Film vor mehr als fünf Monaten abgenommen hatte, nicht intensiv geprüft. Ob sie eine Abmahnung bekommen hat? So transparent war Herr Buhrow dann doch nicht. Sie ist inzwischen im Vorruhestand.

Im Anschluss an die Ausstrahlung am Mittwoch folgt die – unvermeidliche – Diskussionsrunde mit der Moderatorin Sandra Maischberger, besetzt mit drei Israelkritikern und zwei proisraelischen Antisemitsmusexperten. Es ist also zu erwarten, dass uns der Film so serviert wird, dass wir unseren TV-Gewaltigen Recht geben müssen.

Der Programmdirektor der ARD, Volker Herres ergänzt: „Ich halte es für richtig, die umstrittene Dokumentation jetzt (Hervorhebung von mir; GS) einem breiten Publikum zugänglich zu machen, auch und trotz ihrer handwerklichen Mängel. Nur so kann sich das Fernsehpublikum ein eigenes Bild machen.“

Jetzt bin ich mal gespannt, welche handwerklichen Mängel die Herren Herres und Buhrow gefunden haben und wie sie mit dem Verdikt aus Straßburg umgehen, der Film sei nicht ergebnisoffen und ausgewogen. (Beim Wiederlesen stockt mir der Atem: Wie sieht ein ausgewogener Film über Antisemitismus aus?)

Der Hauptmangel ist wohl der, dass die Erwartungen nicht erfüllt wurden: Statt der kahlrasierten „Sieg Heil“- und „Juden raus“- Schreier der rechten Szene war die Linksextremistin Brigitte Groth (Linkspartei) zu hören („Die Juden vergiften das Mittelmeer.“) und Mahmoud Abbas, Kampfname der 70er Jahre Abu Mazen, Freund von Außenminister Gabriel (Jüdische Rabbis fordern zur Brunnenvergiftung in arabischen Dörfern auf). Für diese Rede im Europäischen Parlament wird er vom späteren SPD-Vorsitzenden Schulz gelobt.

Linksextremisten in Paris und Berlin wünschen Israel die völlige Vernichtung. Freundlich lächelnde arabische Palästinenser antworten aalglatt auf die Frage, wo die Milliarden € aus Europa eigentlich geblieben sind usw. usw.

Wäre das nicht eine Aufgabe für den Rechercheverbund von WDR, ndr und SZ herauszufinden, in welchen Taschen in Gaza und Ramallah die Milliarden gelandet sind?

Axel Feuerherdt resümiert das widerliche Verhalten von Arte und WDR

bild.de zeigt, was Arte verhindert

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Der Film von Hafner und Schröder, selbst wenn er der handwerklich schlechteste aller Zeiten wäre, bringt das über Jahre aufgebaute Lügengebäude der meisten Medien über die wirklichen Ursachen des europäischen Hasses auf Israel und die Ursachen des ungelösten Konflikts zwischen Arabern und Juden jedenfalls mühelos zum Einsturz: Diese Ursache ist der neue, alte, ewige, unveränderliche Antisemitismus in Europa, der den neuen, alten, ewigen, unveränderlichen Antisemitismus in der islamischen Welt nur zu gern füttert.

Update: Den Film „Auserwählt und Ausgegrenzt. Antisemitismus in Europa“ gibt es auf Youtube!

 

Jetzt konnte man für ein paar Stunden auf bild.de sehen, warum Herr Diberder den Film nicht zeigen wollte. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues von den öff.-rechtl. Zensoren

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Inzwischen haben auch die grünlinken Mainstreammedien und die FAZ den Skandal um die verweigerte Ausstrahlung des Antisemitismusfilms „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner durch arte und WDR aufgegriffen. Nachdem der Zentralrat der Juden protestiert hat.

Dass der Programmdirektor Le Diberder des französisch-deutschen Senders kein Öl ins islamistische Feuer in Frankreich gießen will, mag nachvollziehbar sein. Dass die deutschen Demokratieabgabezahler sein hohes Gehalt mitfinanzieren und der WDR strammsteht, weniger.

Der Film wäre nicht ergebnisoffen, wird von den unbelangbaren Direktoren und Abteilungsleitern in Straßburg und Köln gesagt. Wie muss man sich das vorstellen? Ein ergebnisoffener Film über Antisemitismus? Ich höre das auch von DDR-Forscher*innen. Am besten man addiert die Pros und Contras der SED-Diktatur bzw. des Antisemitismus, so dass die Zuschauer sich dann ihr Narrativ heraussuchen.

Was wurde vereinbart, wenn den Filmemachern jetzt vorgeworfen wird, sie wären von der Vereinbarung abgewichen? Ich stelle mir vor, es wird eine Dokumentation zu einem Thema gemacht und heraus kommt etwas, woran man am Anfang gar nicht gedacht hat.

Es sieht nach etwas anderem aus: Wer den Film sehen konnte, sagt, dass man Bilder aus Gaza sieht, die man von den ARD- und ZDF-Resident*innen in Israel bisher nicht gesehen hätte. Das von unseren Medien gepflegte Bild vom „Freiluftgefängnis“ Gaza (Dunja Hayali) wird wohl etwas erschüttert.

(Gleich noch eine Kostprobe von der Art der Berichterstattung des Markus Rosch, Bayerischer Rundfunk: „In Jerusalem leben jüdische Siedler, Christen und Muslime auf engstem Raum“. Jüdische Siedler, nicht etwa Juden!; nochmal der Link zur Zusammenstellung der spezifischen Art der Israel-Berichterstattung im ö-r. TV.

Haben die Damen und Herren des ö.-r. TV erwartet, man liefert ihnen ein paar Bilder und O-Töne von Pegida-, NPD- und AfD-Nazis? Wäre der Film dann gesendet worden?

Jetzt legt der WDR, der die Herstellung ein Jahr begleitet und vor fünf Monaten abgenommen hat, nach: Der Film wäre handwerklich schlecht und werde den Qualitätsmaßstäben des Fernsehens nicht gerecht. Die Filmemacher müssen kurzfristig Quellen für ihre Aussage vorlegen, dass europäische Hilfsgelder für terroristische Zwecke ausgegeben werden.

Keine Probleme hatte der WDR dagegen bei der Ausstrahlung eines Films, bei dem dem niederländischen Rechtspopulisten Wilders dubiose israelische Verbindungen unterstellt wurden. Letztlich sollen es die Juden gewesen sein, die Wilders zu seinem antiislamischen Kurs bewegt hätten. Welche Qualitätsmaßstäbe wurden da angelegt? (Das wurde ein klein wenig korrigiert, als der Film in der Mediathek stand.)

Le Diberder fühlt sich tief betroffen von den Vorwürfen in den sozialen Medien. Er zeigt lieber einen Film über Israels Besatzungsregime. Dieser Film ist so fehlerhaft und manipulativ, dass ich ihm seine tiefe Betroffenheit nicht abnehme. Er ist einer der hoch bezahlten Unbelangbaren, die nervös werden, weil ihre „Qualitätsmaßstäbe“ nicht mehr kritiklos hingenommen werden.

Ob er noch alle Tassen im Schrank habe, hätte ich jeden gefragt, der mir noch vor zehn Jahr prophezeit hätte, dass 2017 ein Programmdirektor die Ausstrahlung einer seriös recherchierten Dokumentation verweigern könnte, weil sie sich nicht in die „editoriale Linie einfüge“. Mindestens hätte ich dem Unkenrufer entgegen gehalten, dass die Chefs kooperierender Anstalten dem Durchgeknallten in den Arm fallen würden.“ (Thomas Rietzschel auf AchGut)