Vergleich NS SED

Rechts oder links?

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Auf den Zeitungen lag heute Morgen eine postkartengroße Werbung im Briefkasten. Austritt aus der EU und der NATO wurde da gefordert und keine Unterwerfung unter die Regeln der Welthandelsorganisation WTO.

Zuerst dachte ich, die Karte wäre auf die FAZ aufgeklebt. Das ist eine Unsitte der beiden Potsdamer Zeitungen: Wenn man den Aufkleber entfernt, hat man auch ein Loch in die Zeitung gerissen. Das war dann aber nicht der Fall. Wäre auch denkwürdig gewesen: ein linker Aufkleber auf der FAZ-Titelseite. Links ist man dort doch eher im Feuilleton. Erst dann sehe ich den roten Kreis mit den weißen Buchstaben: NPD; sehr viel anders sehen die Logos von kommunistischen Plattformen, Webblogs und Magazinen auch nicht aus.

Siehe auch „Querfront“

Soll man Aufzüge in NVA-Uniformen verbieten?

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Mit Kanonen nach Spatzen schießen die, die nach dem Aufmarsch Ewiggestriger uniformierter MfS-Fans am 8. 5. („Tag der Befreiung“) vor dem Treptower sowjetischen Ehrenmal nach einem Verbot von DDR-Symbolen rufen.

Daneben liegt aber auch der von mir sonst sehr geschätzte Prof. Richard Schröder, in der Art, wie er begründet, dass ein Verbot unzulässig wäre. (FAZ v. 3.6.13, p 7) Den Rest des Beitrags lesen »

„Die Kommunisten haben dem Faschismus den Weg bereitet“

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In der Weimarer Republik haben Kommunisten die Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“ bezeichnet, für die Nazis waren sie getarnte Kommunisten.

Die SPD antwortet in den 1930er Jahren u. a. mit diesem Flugblatt: Den Rest des Beitrags lesen »

Erwin Jöris: Deine Schnauze wird dir in Sibirien zufrieren

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Der Historiker Dr. Andreas Petersen (Mitautor von „Blackbox DDR„) erlebte den damals 90jährigen Erwin Jöris auf einer Podiumsdiskussion und war irritiert, weil Jöris von Haft im KZ Oranienburg zum Ende der 40er Jahre sprach. Von der Weiternutzung der Nazis-KZs als sowjetische Straflager hatte er bis dato nichts gehört.

Andreas Petersen lässt sich von Erwin Jöris sein Leben erzählen. Ein extremes Leben in einem extremen Jahrhundert. 1912 geboren in einem kommunistischen Elternhaus, in der Weimarer Republik arbeitsloser Tischler, macht er schnell Karriere als kommunistischer Jugendfunktionär. Die Nazis stecken in 1933 kurzzeitig ins KZ Sonnenburg bei Küstrin (heute polnisch). Die Genossen schicken ihn 1937 nach Moskau, ob zur Beobachtung eines von den Nazis wieder entlassenen Schutzhäftlings oder als Vorbereitung für höhere Aufgaben, weiß er nicht. Wie bei so vielen in ähnlicher Lage, nimmt sein Glauben an den Kommunismus in der Realität der Sowjetunion Schaden. Er darf zu Stalins „erfolgreicher“ Wirtschaftspolitik (Sahra Wagenknecht) beitragen, wird in eine Maschinenfabrik im Ural geschickt.  Trotz seines Status´ als illegal aus Deutschland Ausgereister und in der UDSSR ohne Pass Lebender, dazu noch Kommunist, geht er zur deutschen Botschaft, sagt, dass er von den Nazis wegen Hochverrats gesucht wird und sich stellen möchte. So könnte er wenigstens die Sowjetunion verlassen. Er wird vom NKWD nach dem Botschaftsbesuch verhaftet. Ein Wunder, dass er die Zeit des „Großen Terrors 1937/38, als Stalin wegen angeblicher Sabotage, Agententätigkeit und Ähnlichem fast eine Million Russen erschießen lässt überlebt. Es ist aber die Zeit, in der Stalin sich Hoffnungen macht, gemeinsam mit Hitler die Welt zu beherrschen. Den Rest des Beitrags lesen »

Zum Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus (4): Nazis und Kommunisten bejubeln den Dichter Grass

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Da bemüht man sich lang und breit, die beiden Ideologien unter verschiedenen Aspekten zu vergleichen, dann kommt Günter Grass und es wird evident: Die Extremisten von links und rechts jubeln ihm zu.

Zum Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus (3): E. M. Remarque

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Das mit dem Schlussstrich war verfrüht. Kaum ist er gezogen, gibt es Berichtenswertes oder erinnernswerte Fundstücke.

Erich Maria Remarque („Im Westen nichts Neues“, „Der Funke Leben“, „Nacht von Lissabon“, wird von Kommunisten und Nationalisten Zeit seines Lebens gleichermaßen diffamiert.

In seinem nach dem Krieg entstandenen KZ-Roman „Der Funke Leben“ steht eine Szene (p. 210), die bezeichnend ist für seine Hellsichtigkeit. In einem Gespräch mit einem Kommunisten fragt ein Häftling: „Sag mir lieber, was mit denen geschähe, die gegen euch sind, wenn ihr gewinnen würdet und die Macht hättet? Oder denen, die nicht für euch sind?“ – “ Da gibt es verschiedene Wege“ – „Ich kenne welche. Du auch. Töten, Foltern, Konzentrationslager – meinst du die auch?“ – „Unter anderem. Je nachdem, was notwendig ist.“ – „Es ist ein Fortschritt im Ziel. Und auch in der Methode… Wir tun nichts aus Grausamkeit. Nur aus Notwendigkeit.“

Nachtrag: Links- und Rechtsextremisten bejubeln Grassens „Gedicht“ zum Iran-Israel-Konflikt.

Zum Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus (2): Die Vernunft hatte Fieber

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Wenn ich im persönlichen Gespräch dieses Thema anspreche, bekomme ich meist zu hören: Die Kommunisten hätten letztlich das Gute gewollt, was man von den Nazis nicht sagen könne. Letztlich hörte ich nichts Überzeugendes oder Fundiertes. Auf der Suche bin ich weiterhin; ich möchte es mir nicht zu einfach machen.

Jetzt habe ich eine Protokollnotiz gefunden, die mir geeignet erscheint, zitiert zu werden: Thomas Anz referiert eine Debatte, die vom Feuilleton der FAZ durch eine scharfe Rezension des Buches „Was bleibt“ von Christa Wolf ausgelöst wurde. Sie mündete in eine Debatte um die Art der Aufarbeitung der SED-Diktatur. Die Verteidiger Christa Wolfs, so der Vorwurf in der Debatte, hätten am lautesten gegen die Verdrängung der Nazi-Vergangeneit angeschrieben und würden jetzt die DDR bagatellisieren.

Anz fasst zusammen: „Immerhin darüber waren sich die Streitenden, wenn auch mit unterschiedlichen Akzentsetzungen, einigermaßen einig: Dass das stalinistische und poststalinistische DDR-Regime mit dem NS-Regime zwar verglichen, aber nicht gleichgesetzt werden kann. Vor dem Hintergrund auch des „Historikerstreits“ um die Einzigartigkeit oder historische Relativierbarkeit der nationalsozialistischen Verbrechen insistierten vor allem die linksintellektuellen Debattenteilnehmer/-innen auf den Differenzen zwischen NS- und DDR-Regime. Das Volk der DDR habe „weder Synagogen angezündet, noch den totalen Krieg gewollt“, hielt der Literaturwissenschaftler Hans Mayer solchen Vergleichen entgegen. Und der Kritiker Hans Krieger wies mit Nachdruck darauf hin, „was den bürokratischen Totalitarismus des DDR-Sozialismus vom wahnhaft mörderischen der Nazis bei allen Vergleichbarkeiten eben doch fundamental“ unterscheide: „Die DDR hat eben keinen Weltkrieg mit 50 Millionen Toten vom Zaun gebrochen und nicht Millionen Juden vergast. Vor allem aber: „Der Herrschaftsanspruch der Kommunisten entsprang nicht dem puren Machtrausch wie der der Nazis, sondern dem Versuch, ehrenwerte Ideale von sozialer Gerechtigkeit durchzusetzen. Und auch wenn diese Ideale bis zur Absurdität pervertiert werden mußten, weil Zwang und Gewalt sie im Ansatz diskreditierten, so haftet dem Scheitern dieses schrecklichen Experimentes doch eine gewisse Tragik an, die auch vielen Repräsentanten des DDR-Staates und der DDR-Kultur nicht abzusprechen ist: Das Wahnhafte dieses Machtgebildes war kein bloßer Paroxysmus von Dummheit und Brutalität wie der Terrorstaat der Nazis, sondern gewissermaßen ein Fieberanfall der Vernunft, verstehbar aus der Dialektik der Aufklärung. Sobald die Vernunft aufhört, ein kritisches Instrument der Wahrheitssuche zu sein, die Wahrheit gefunden zu haben meint und sie planerisch durchsetzen will, dient sie nicht mehr der Freiheit, sondern schafft Sklaverei.“

Stalins und Maos Verbrechen werden ausgeblendet. Das scheint unter Linksintellektuellen Konsens zu sein. Auch ostalgische Leserbriefschreiber in Potsdam, die die Gefechte von gestern nachkämpfen, haben Stalin aus ihrem Gedächtnis gestrichen. Und die Häftlinge, die in Bautzen, Hohenschönhausen und Hoheneck gefoltert wurden, können sich damit trösten, dass es keine kranken, dummen und brutalen Nazischergen waren. Es war ein Fieberanfall der Vernunft. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Re-Nazifizierung von Adenauer-Deutschland als Entlastung für die Eliten-Kontinuität im Osten

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Nicht nur der linke Justizminister Brandenburgs, Dr. Schöneburg, macht es. In Dutzenden von Kommentaren in Web2.0-Medien und in Leserbriefen geschieht es. Das Argumentationsmuster lautet: Was regt ihr Euch auf über die Kontinuität in Brandenburgs Politik, Justiz  und Verwaltung nach der Revolution? In der Alt-BRD haben die Nazis doch auch nach 20 Jahren noch überall gesessen. Folgen exakte Stellenbeschreibungen und Namen.

Dass ein NS-Mediziner, der an Strafgefangenen Experimente durchgeführt hat, in der DDR Nationalpreisträger wird und nach ihm eine Straße benannt wird, passt da so gar nicht ins Weltbild der Hauptverwaltung Ewige Wahrheiten.

Der Vergleich der SED-Diktatur mit der Nazizeit ist offiziell verpönt. Wenn von den Stasi-Seilschaften in Brandenburg die Rede ist, wird aber gerne auf die Nazis in der Alt-BRD verwiesen.

Man muss sich das nur einmal vorstellen: 1966 hätte ein Gauleiter als Geschäftsführer einer Nazi-Nachfolgepartei im hessischen Landtag gesessen.

Und 30% der Wähler/-innen und 75% der Leserbriefschreiber/-innen würden das für gut befinden. In Brandenburg finden es nur die laut SPD „unseriösen“ Gutachter der Enquetekommission und die ewig nörgelnden SED-Opfer für anstößig, wenn der ehemalige SED-Chef des Bezirks Potsdam, Heinz Vietze, 20 Jahre im Landtag sitzt und Geschäftsführer der PDS/Linkspartei-Landtagsfraktion ist. Auch wenn er angeblich geläutert und Duzfreund des Ministerpräsidenten ist, dass er nach der sog. Wende noch zwanzig Jahre im selben Haus weiter residiert, ist Elitenkontinuität, die der Enquetekommissionsgutachter aber vor allem bei den anderen Parteien erkennt.

Nachtrag Januar 2014: Die kommunistische Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) ist empört, dass durch ein Denkmal in der Potsdamer Gedenkstätte Lindenstr. 54 der SED- und NS-Opfer gleichermaßen gedacht wird.

Unzulässiger Vergleich: Stalin = Hitler?

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Der ehemalige Kommunist und spätere hoch verehrte West-Berliner Regiernde Bürgermeister Ernst Reuter hat Stalin mit Hitler verglichen.

Auf dem Berliner Platz der Republik fand im Herbst 1948 eine Protestkundgebung mit rund 300.000 Teilnehmern gegen die Berlin-Blockade statt, auf der Oberbürgermeister Ernst Reuter eine eindringliche Rede hielt. Er erinnerte an die Opfer des Faschismus und Bolschewismus

Als Stabü-Lehrer in Brandenburg müsste er damit vorsichtig sein.

Brandenburg arbeitet auf. Aber wie?

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Drei Beispiele für die besondere Art der DDR-Aufarbeitung in Brandenburg:

1. Im Südosten Berlins müsste wegen des Baues einer Zufahrtsstrecke zum neuen Metropolenflughafen der um ganz Berlin führende Mauer-Rundweg durch konservatorische Maßnahmen geschützt werden.

Das Land Berlin und die Gemeinde Mahlow beteiligen sich finanziell. Das Land Brandenburg zögert noch.

Wowereit hat, was Gedenkstätten angeht, trotz rot-roter Koalition, einen sehr viel entspannteren, positiveren Umgang mit DDR-Gedenkstätten als die Brandenburger SPD. (Den neo-kommunistischen Kultursenator Flierl gibt es nicht mehr.)

2. Ein Brandenburger Politiker, bis vor kurzem Finanz-, dann Innenminister, müsste mehrere undurchsichtige Immobilientransaktionen des Landes erklären, bei denen Privatleute profitierten und das Land weniger oder gar nichts erlöste. Die Transaktionen beschränkten sich im Wesentlichen auf Personen im Vorstand eines Fußballvereins, dem auch der Minister angehört.

Dass er auch noch ein uneheliches Kind gezeugt hat und die Mutter 13 Jahre lang Unterhalt vom Staat bekam, weil der Vater angeblich unbekannt war, kommt dazu. Beides interessiert uns nicht, wir sind ja nicht bei Wikileaks.

Besagter Minister hat laut Zeitung dafür gesorgt, dass bei einer  Überarbeitung der Richtlinien für die DDR-Aufarbeitung im Unterricht der Vorschlag gestrichen wurde, Sozialismus und Nationalsozialismus zu vergleichen. Wohlgemerkt, er war Innen-, nicht Bildungsminister, als er das veranlasste.

Dabei war bisher nicht festzustellen, dass er ein Freund der Kommunisten ist. Im Gegenteil, für die brandenburgische Linkspartei wird sein Sturz ein Gewinn sein. Er war der einzige SPD-Politiker von Gewicht in Landtag und Regierung. Andererseits gibt es Meinungen, die besagen, dass er die treibende Kraft zur Bildung der rot-roten Koalition war.

Dieser „Aufarbeitungsspezialist“ wurde von der Brandenburger SPD-Landtagsfraktion in die Enquetekommission zur Aufarbeitung des Umgangs des Landes Brandenburg mit den DDR-Hinterlassenschaften geschickt. (Nachtrag 13.12.10: Inzwischen hat er sein Landtagsmandat niedergelegt.) Dass der Ministerpräsident ihm weiterhin großen Respekt erweist, die Partei von einer Pressekampagne spricht, der Landessportbund befürchtet, dass durch die Untersuchung der Immobiliengeschäfte der Sport in Brandenburg beschädigt werde und ein Pressesprecher der Partei sich an griechische Tragödien erinnert fühlt, entstammt keinesfalls dem politischen Kabarett, sondern Brandenburger Alltag.

3. In der Enquetekommission traten kürzlich zwei Althistoriker als Referenten auf. Ob das Kaminfeuer knisterte und es Weihnachtsgebäck gab, konnte ich noch nicht herausfinden.

Nachtrag: Ich muss gestehen, dass ich bei 3., Althistoriker in der Enquetekommission, etwas voreilig war. Zu schnell war ich bei der – gewöhnlich zutreffenden – Meinung, dass hier wieder Nebelkerzen geworfen würden, wie das in Brandenburg nicht selten der Fall ist. In der Leserbriefspalte der FAZ ergriff der gemeinte Althistoriker Prof. Christian Meier die Gelegenheit zu erläutern, was er meint:

So wie Thukydides als Athener die Niederlage seiner Stadt gegen die Spartaner aufgearbeitet habe, in dem er die Schwächen Athens und die daraus zu erwartende Niederlage analysiert, so müsse es auch in Ostdeutschland passieren.

Wenn man ein bisschen sucht, ist das alles allerdings schon beim Thema DDR-Aufarbeitung zu finden. Es gibt zahlreiche ostdeutsche Schriftsteller und Wissenschaftler, die die DDR kritisch aufarbeiten. Dazu kommen die ebenfalls zahlreichen Initiativen und Stiftungen, die Materialien und Periodica herausgeben. Günter Schabowski gehört für mich auch in diese Reihe. (Mich wundert, dass er nicht durch einen Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist.)

Christian Meier meint ja wohl nicht die Schriften einer Journalistin des „Freitag“, die den „westlichen Siegern“ die Kolonisierung der DDR vorwirft oder die Publikation aus den Verlagen der früheren Nomenklatura, die nachzuweisen versucht, dass die kriminelle Treuhand einen blühenden Industriestaat zu Fall gebracht hätte.

Es ist auch nicht bewiesen, das Thukydides seinen besiegten Mitbürgern aus dem Herzen sprach.

Ein Thukydides der DDR dürfte es schwer haben angesichts der Verklärung der SED-Diktatur in der ostdeutschen Gesellschaft. Das liegt nicht nur an opportunistischen Politiker/innen und Medien, die sich als Sachwalter ostdeutscher Befindlichkeiten betrachten.

Das altgriechische Beispiel beeindruckt, bringt uns aber auch nicht wirklich weiter.