Ukraine

Im russischen TV: Wie man den Ukraine-Konflikt beendet

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Der ukrainische Schriftsteller Andrej Kurkow schreibt in der FAZ v. 14.2.17, p 13, „Zwei, drei Millionen Menschen töten“, was er in russischen TV-Talkshows geboten bekommt:

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Wissenschaftler der Moskauer Universität und der Diplomatenhochschule erörtern, wie man die Ukraine endgültig besiegt. Man müsse die Zentren der proeuropäischen Ukraine im Stile Aleppos bombardieren. Dann sollten die „Freiheitskämpfer“ der Ostukraine vorrücken. Zwei bis drei Millionen Menschen würden dabei vertrieben oder getötet werden, aber dann sei das Problem Ukraine erledigt. Der Westteil könne an Polen gehen, der Ostteil würde russisch, die Zentralukraine von den Faschisten befreit werden.

Mich würde interessieren, ob die Russlandversteher*innen Platzeck, Käßmann, Mario Adorf u. a. einen Offenen Brief an russische TV-Sender beabsichtigen, in dem sie zu mehr Ausgewogenheit und Beachtung der Minsker Vereinbarungen aufrufen. Man muss ja den Gesprächsfaden mit Russland nicht gleich abreißen lassen.

Die Stadt ukrainische Awdijiwka wurde von russischen und Volksrepublik-Soldaten in den letzten Tagen mit ca. 3.000 Artilleriegeschossen und Raketen angegriffen. Strom, Heizung und Wasserversorgung sind unterbrochen.

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Linkspartei und Ukraine erneut

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MdB Inge Höger, eine der linkesten Linken der Linksparteifraktion, arbeitet in Sachen Desinformation Hand in Hand mit den russischen Informationskriegern. So verbreitet sie Unterstellungen gegen den ukrainischen Parlamentspräsidenten. (Stop Fake ist die Online-Initiative ukrainischer Journalisten gegen den russischen Propagandakrieg.)

Höger ist auf der Liste der Antisemiten und Israelfeinde der Simon-Wiesenthal-Stiftung. Sie hat zusammen mit anderen Israelfeinden ihrer Fraktion Dr. Gysi einmal bis aufs Klo verfolgt, wo er sich einschloss. Parteigenossen haben sich folgenlos dagegen gewehrt, dass die Extremistin international für die Linke spricht.

Lesetipp: Kerstin S. Jobst, Geschichte der Ukraine

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Die Neuauflage ist um ein Kapitel „Die Ukraine-Krise und ihre Vorgeschichte“ ergänzt worden. Aber nicht nur dieses einleitende Kapitel, sondern das ganze preiswerte Büchlein im wunderbaren Reclam-Format wünscht man sich als Pflichtlektüre vor allem bei Deutschlands Russland-Versteher/-innen, denen unverständlich ist, dass es schon lange ein Bewusstsein von einer eigenständigen Ukraine gibt. So sehr sich die ukrainischen Länder unterscheiden, vor allem wegen der langjährigen, oft wechselnden politischen Zugehörigkeit zu Rumänien, k.u.k.-Österreich, Polen, dem Zarenreich oder der UdSSR, Ukrainer waren nie die unzivilisierten Verwandten vom Lande, auf die die überlegenen russischen Brüder und Schwestern so gerne herabsehen.
Das Buch geht weit zurück, um die Entstehung ukrainischer Identität zu erklären. Das fürchterliche 20. Jahrhundert fehlt nicht, in dem Ukrainer polonisiert wurden, aber auch Positives von Polen lernten. Die Verbrechen Stalins haben ihre Spuren im kollektiven Gedächtnis hinterlassen: die Millionen Toten der Zwangskollektivierung, die Deportationen nach Sibirien, die Ansiedlung von Russen, aber auch das Wüten der Nazis auf dem Territorium der Ukraine. Dabei hatten Ukrainer von den Deutschen die Befreiung von der bolschewistischen Herrschaft erhofft. Sie wurden furchtbar enttäuscht. Millionen wurden als Zwangsarbeiter nach Deutschland geschickt oder starben als sowjetische Soldaten.

Es wäre zu wünschen, dass die Autorin, die Historikerin Kerstin S. Jobst, einmal in eine Talkshow oder auf ein Podium evangelischer Akademien eingeladen wird und nicht nur Russland-Versteher/-innen wie Frau Kässmann, Herr Teltschick, Frau Vollmer oder Herr Berberowski. Dass die Genannten ein so klares, präzises Buch über die Geschichte der Ukraine in die Hand nehmen, würde ich mir wünschen.

Ukraine: Barberowski und Schlögel in Potsdam

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Die Tafelrunde Sanssouci lädt zu interessanten politischen Podien ein. Diesmal war es: „Entscheidung in Kiew. Die Ukraine zwischen Hoffnung und Zerfall“  mit den Historikern Jörg Baberowski und Karl Schlögel.

Ich gebe hier keinen Bericht der Veranstaltung, sondern nur Blitzlichter.

Meine Enttäuschung über Prof. Baberowski ist groß. Ich hatte nicht erwartet, dass die Unterschiede zwischen beiden so groß sind. Während Schlögel erzählt, wie beeindruckt er vom Maidan ist, konstatiert Barberowski kühl, dass der Maidan keineswegs alle politischen Einstellungen und Konzepte in der ukrainischen Bevölkerung wiedergäbe. Es gäbe viele Menschen, die geschwiegen oder andere Vorstellungen gehabt hätten.

Ich übertrage dieses Argument einmal auf die Friedliche Revolution in der DDR. Wie viele der 15 Millionen Ostdeutschen waren Bürgerrechtler? Die best besuchte Demo auf dem Berliner Alexanderplatz soll eine Million Menschen umfasst haben. Es gibt Statistiker, die anhand der Luftbilder sagen, dass der Platz und die Seitenstraßen so viel nicht aufnehmen könnten. Wobei diese Demo auch noch von mit der SED verbundenen Kunstschaffenden organisiert worden war. Abgesehen davon: die fünf Millionen SED-Mitglieder und ihre Angehörigen haben gewiss nicht gegen die SED demonstriert. Es waren bestenfalls wenige Hunderttausend, die die DDR zu Fall brachten.

Ähnlich argumentiert Barberowski, was das russländische Narrativ angeht: Russland werde gedemütigt. Russland werde nicht auf Augenhöhe begegnet. Russland trauere der imperialen UdSSR nach, die NATO hätte Russlands Interessen nicht respektiert. Mexico dagegen müsse machen, was die USA wollten. Polen aber dürfe in die NATO eintreten.

(Das wäre aber nicht seine Meinung, sondern die russländische Sicht. Er will bloß Verständnis für die russische Politik wecken. Er zieht sich regelmäßig darauf zurück, dass das nicht seine Meinung wäre, sondern dass er nur berichte, was er in Russland höre.) Wenn Russland kollektiv unter einem Minderwertigkeitskomplex leidet, ist das dann die Schuld von NATO, EU, USA, CIA oder nicht eher die Unfähigkeit der politischen Elite des Landes aus einem Rohstoffexporteur einen modernen Wirtschaftsstandort zu machen?

Darf ich Barberowskis Verständnisbemühungen auf Deutschland übertragen?

Deutschland war nach dem Ersten Weltkrieg durch den Versailler Vertrag gedemütigt. Es wurden Gebiete abgetrennt, teilweise durch gefälschte Abstimmungen. Es gab gigantische Reparationsforderungen. Es gab einen umstrittenen Kriegsschuldparagraphen. Die Rückkehr der unter fremder Herrschaft lebenden Volksdeutschen wurde abgelehnt. Die ehemaligen Alliierten lehnten alle Forderungen der gedemütigten Deutschen ab. Polen schikanierten deutsche Reisende auf dem Weg durch den Korridor und man verweigerte trotz vieler Konzessionen eine Transitregelung. Wird Prof. Barberowski sein Erkenntnisinteresse einmal darauf richten, dass man den Überfall Hitlers auf Polen verstehen kann?

Am Schluss kam Barberowski damit, dass die USA schließlich den Irak überfallen hätten. Meinte er damit, dass Putin jetzt auch einmal loslegen dürfe? Als Therapie des Minderwertigkeitskomplexes.

Das Potsdamer Publikum war geteilt, die Putinversteher, angeführt von einer Trollin, die wusste, dass der Maidan vom CIA finanziert worden war, und Herrn Alexander Gauland von der AfD erhielten kräftigen Beifall.

Wenn man liest, wie die Evangelische Akademie in Tutzing das Podium bei einer Ukraine-Tagung besetzt, konnten wir bei der Tafelrunde Sanssouci in Potsdam zufrieden sein.

Die Ukraine auf WordPress

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Da packt einen das schiere Grausen. Fest in der Hand der Trolle.

Die Ursprünge des Donezker Separatismus

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So lautet ein aufschlussreicher Artikel im Blog „Ukraine-Nachrichten“.

Ich halte ihn für schlüssig. Er deckt sich auch in manchem mit einer Nachricht, die ich kürzlich gelesen habe (Die Quelle müsste ich suchen.): Das Donbass sei keineswegs das Wirtschaftszentrum, von dem die gesamte Ukraine profitiert. Eher sei es umgekehrt. Kiew müsse die hoffnungslos veraltete Industrieregion teuer subventionieren.

Golineh Atai auf wdr2

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Die kluge und toughe ARD-Korrespondentin Golineh Atai, zuständig für Russland und die Ukraine, vorher für Nordafrika und Nahost, wird bei wdr2-Montalk gut interviewt. Zwei Stunden, von denen allerdings mehr als die Hälfte mit Musik gefüllt ist, wenngleich zum Teil mit Wunschmusik von Frau Atai. Ich habe abgebrochen, weil mich die ständigen Unterbrechungen störten. Jetzt gibt es den Podcast und man kann längere Zeit zuhören. Das lohnt sich!

Sie berichtet sehr reflektiert über ihre schwierige Arbeit in der Ukraine. Sie spricht mehrere Sprachen, ist weit herumgekommen, nimmt ihren Beruf ernst: Sie macht Reportagen, keinen Meinungsjournalismus. Natürich erlebt sie auch die Hetze der Putin-Trolle. Sie erzählt davon, dass finnische Kollegen eine Art „Trollfabrik“ in St. Petersburg entdeckt haben, ein bewachtes Regierungsgebäude, von dem aus Propagandakampagnen, Kommentarlawinen gestartet und Agenda Setting betrieben wird. Sie muss ihren Sender öfters darauf aufmerksam machen, dass das, wonach sie fragen, von Russia Today in die Welt gesetzt wurde, aber mit der Wirklichkeit, die sie erlebt, nichts zu tun.

Unbedingt reinhören! Es steht wohl ein paar Tage im Netz.

Update Oktober 2017: In einer Wahlsendung mit Vertretern kleiner Parteien war Moderatorin Atai allerdings, was den Umgang mit der AfD-Politikerin anging, nicht viel besser als die Kollegin Slomka. Von Auslandskorrepondenten ist zu hören, dass die Redaktionen ihnen Vorgaben machen, was sie sehen wollen und was nicht. Z. B. „Uns interessiert es erst, wenn Israel zurückschiesst!“. Kann es sein, dass es auch Direktiven im Umgang mit der AfD gibt? Nicht drannehmen, nicht ausreden lassen, sofort widersprechen, Statistiken vorbereiten, die beweisen, dass es keine nennenswerte Ausländerkriminalität gibt?

Es war so viel der Hetze, dass ich kurz davor war, der AfD meine Stimme aus Mitleid zu geben.

Flug MH 17

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Bei der Lektüre meiner Potsdamer Lokalzeitung „Märkische Allgemeine“ bin ich inzwischen sehr vorsichtig geworden. Eigentlich weiß ich ja: Man soll nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Aber es wäre einfacher, wenn man sich auf die Zeitung seiner Wahl verlassen könnte.

Heute Morgen lese ich in der MAZ: „Flugzeug über der Ostukraine abgestürzt.“ Auch wenn die anderen Medien noch nichts Genaues wussten, so viel Vorsicht machte mich dann doch misstrauisch. Dank Perlentaucher fand ich den Blog des Schweizer Journalisten Jörg Vollmer. Er machte Screenshots von Meldungen russischer Agenturen und Tweets des russischen Geheimdienstoffiziers, der in der Ost-Ukraine das Sagen hat. Glücklicherweise besitzt er diese Screenshots noch, denn die russischen Meldungen, die Minuten nach dem Abschuss der malayischen Maschine in die Welt gesetzt wurden, wurden sofort gelöscht, als sich der katastrophale Irrtum herausstellte: Eine Passagiermaschine hatten die Russen abgeschossen, keinen ukrainischen Truppentransporter. Bei allem Verständnis für eine ausgewogene, abwägende Berichterstattung, so viel Zurückhaltung hätte nicht sein müssen. Wenn ich selbst recherchieren muss, kann ich mir das Abonnement eigentlich sparen.

Zum Blog Jörg Vollmers

Meine Vorsicht gegenüber der MAZ hat diesen Hintergrund: Kürzlich berichtete ein Journalist über eine Veranstaltung der Garnisonkirchenbefürworter. In dem Artikel stand, dass der rbb, die regionale ARD-Anstalt, einen Garnisonkirchenfilm, der in allen anderen Dritten Programmen gelaufen wäre, noch nie gezeigt hätte. Ich konnte nicht erkennen, dass es sich um die Wiedergabe einer Information aus der Veranstaltung handelt; es stand im Indikativ da. Ich war irritiert. Die Stadt, die SPD, stehen zum Wiederaufbau. Der SPD-Vorsitzende Gabriel hatte schon im letzten Jahr eine gute Rede zur Garnisonkirche gehalten. Andererseits erweckt die Berichterstattung der beiden Lokalzeitungen und des rbb den Eindruck, dass „die Bürger“ den Wiederaufbau verhindern wollen. Bei den Abstimmungsknöpfen der Zeitungen wird der „Nein“-Button öfter gedrückt als der „Ja“-Button. Danach muss sich eine Zeitung wohl ein bisschen richten.
Seit den Putin-Trollen weiß man, was man von der veröffentlichten Volksmeinung zu halten hat. Über Aktivitäten der lautstarken Garnisonkirchenbekämpfer wird das kleinste Detail berichtet: Über eine Unterschriftensammlung wurde fast täglich berichtet. Dass eine linke „Friedensinitiative“ eine Demonstration vor dem Laden eines Geschäftsmannes macht, der es gewagt hat, ein Modell der Kirche aufzustellen.
Also ich hielt es für plausibel, dass jemand die Ausstrahlung einer sachlichen Dokumentation zur Garnisonkirche verhindert habe könnte. Vom rbb erfahre ich, dass der Film vom rbb-Vorgänger sfb produziert worden und mehrfach im rbb-Programm gelaufen sei. „Meine“ Zeitung hatte auf meine Mail nicht geantwortet.

Nachtrag: Am nächsten Tag geht die MAZ dann in die Vollen: Da fordert der Kommentator eine Verschärfung der Sanktionen gegen Putins Russland. Jetzt sind wohl die investigativen Experten von ARD-ZAPP gefragt, denen die überbordende Putinkritik in Deutschland nicht gefällt. Jakob Augstein hält die Schuldfrage für sinnlos. (Beim Gazakrieg bleibt es für ihn aber beim Schuldigen Israel.)

Ein vergessenes Kapitel der Bloodlands

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Konrad Schuller erinnert in der Zeit v. 3.2.2013 an die „Aktion Weichsel“ von 1947, in der die kommunistische polnische Regierung 140.000 Ukrainer aus dem polnischen Galizien und Wolhynien in die ehemaligen deutschen Ostgebiete, Pommern und Masuren, umsiedelten und die angeblich besonders Gefährlichen dieser ukrainischen Minderheit in Polen in ein Arbeitslager, ein ehemaliges Außenlager des KZ Auschwitz, steckten. Das Oberhaus des Parlaments hat sich 1990 für diese Aktion entschuldigt, im Sejm, der Abgeordnetenkammer, gelang dies wegen anhaltender schmerzhafter Debatten zwischen Nationalisten und Liberalen bis heute nicht. Die Bloodlands, wie der Historiker Timothy Snyder das Gebiet zwischen Oder und Ural nennt, litten vor allem unter den Verbrechen Hitlers und Stalin, dem Holocaust, den Massendeportationen und „Säuberungen“. Aber auch die kleineren Ethnien gingen gegeneinander, wenn auch in geringerem Ausmaß als die Deutschen und die Russen, nicht viel anders vor. Den Rest des Beitrags lesen »

Linkspartei: Mit Brecht gegen die Grünen

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Die für ihre linksextremen Ausfälle bekannte Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdalen redet seit Monaten  von den in Kiew regierenden Faschisten und Antisemiten. Die Grünen-Abgeordnete Göring-Eckardt, die das nicht so sieht, ist für sie eine Verbrecherin: „Wer die Wahrheit nicht weiß, der ist bloß ein Dummkopf. Aber wer sie weiß und eine Lüge nennt, der ist ein Verbrecher“, hatte Brecht gesagt. Die Sympathisanten der Neokommunisten bei SPD und Grünen sind irritiert. Dr. Gysi, Riexinger und Kipping denken in der Sache nicht viel anders, aber sie distanzierten sich eilig von der Beschimpfung der grünen Abgeordneten. Sie brauchen SPD und Grüne ja, wenn sie regieren wollen.