Städtebau

Moderner Städtebau in Potsdam: das Schwimmbad „blue“

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Meist geht es anders herum: Nicht nur die Linken kritisieren die städtebauliche Entwicklung in Potsdam als „Barockfaschismus“. Auch Architekten melden sich zu Wort und beklagen, dass zu viel restauriert und zu wenig zeitgenössisch gebaut würde.

Wenn das Aussehen Potsdams mit seinen Schlössern und Villen im klassizistischen, neo-klassizistischen, barocken oder Rokokostil Faschismus sein soll, kann Faschismus so schlimm nicht sein.

Nun hatten moderne Architekten Gelegenheit modern zu bauen: das Groß-Schwimmbad am Hauptbahnhof. Schon in der Bauzeit war es zu erahnen. Der Bau schottet sich nach außen ab. Er wirkt wuchtiger als der benachbarte Bahnhof, der jahrelang dafür kritisiert wurde.Man könnte ihn auch für das Bahnhofs-Parkhaus halten.

(Reden wir jetzt nicht über die Bau- und Unterhaltskosten für ein Bad an dieser Stelle. Die Stadtverwaltung hatte gescheitere Standort- und Finanzierungspläne. Die direkte Demokratie brockte der Stadt für die Zukunft sehr viel höhere Kosten ein und weniger Gegenfinanzierung durch eigentlich geplante Grundstücksverkäufe.)

Jetzt ist es ausgerechnet ein Architekt, der den modernen Bau vom Büro Gerkhan, Merk und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin) als langweiliges Gebäude kritisiert.

 

Das Kino International in Berlin

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Es gibt sie, die Beispiele der architektonischen Ostmoderne. Hier ein weiteres: Das Kino International in Berlin, eröffnet 1963 in der 1961 von Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannten Straße in der Nähe des Alexanderplatzes.

Kino International Berlin
Foto: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe

In Monumente, der schönen Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, steht mehr darüber.

 

Hausbesetzung soll Abriss der Potsdamer FH verhindern

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Regenbogen Potsdam
Doppelter Regenbogen über Potsdam

Die Potsdamer Linksextremisten, gut vernetzt in Bündnissen, Aktionskreisen, Parteien, Antifa und Kulturzentren, geben noch lange nicht auf. Da auch ihre (fehlerhafte) Unterschriftensammlung gegen die Neugestaltung der Potsdamer Mitte nicht zu einer Revision zwanzigjähriger Debatten und Entscheidungen führte, wollen sie jetzt den alten Bau der Fachhochschule besetzen, um den Abriss und die Neugestaltung des unter dem DDR-Bau begrabenen Stadtquartiers zu verhindern.

Wenn man bedenkt, wie erfolgreich in Potsdam und Berlin Hausbesetzungen sind, muss man schlimmes befürchten.

In Berlin hatte eine Handvoll extremistischer Geflüchteter eine Schule besetzt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin gab weit über eine Million € aus, damit die Schule für die Besetzer wohnlich blieb (Hausmeister, Security, Heizung) und widersetzte sich der Aufforderung aus dem Senat, das Gebäude zu räumen.

Die Hausbesetzer in der Berliner Rigaer Straße belästigen und bedrohen ihre Nachbarn, verletzen Polizisten, sorgen jährlich am 1. Mai für Krawalle. (Wenn das Rechte machen würden, gäbe es einen ARD-Brennpunkt, Leitartikel, Bibelarbeit gegen Rechts von Frau Käßmann und Gesetzesnovellen von Herrn Maas.) Linke und grüne Politiker*innen wollen nichts von Räumung wissen und plädieren für Gespräche mit den Straftäter*innen.

In Potsdam gelang es, die Wiederaufbaupläne für das Kirchenschiff der Garnisonkirche zu erschweren, weil das Rechenzentrum, das auf dem Gelände von der SED errichtet wurde, als „Zwischennutzung“ zum Haus für Kunstschaffende wurde. Inzwischen wurde die Zwischennutzung verlängert. Die Kunstschaffenden fordern von der Stadtverwaltung, das marode Haus instandzusetzen, damit es bewohnbar bleibt. Natürlich ist das Haus Agitationszentrum gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche geworden.

Zwei Altbauten in der Potsdamer Zeppelinstraße hatte die Stadt an linke Mieterinitiativen zu einem Tiefpreis vermietet. Die Aktivisten versprachen dafür, die Häuser in Eigenleistung zu renovieren. Nach zehn Jahren wollte die Stadt den Mietpreis geringfügig anheben. Da gestanden die legalisierten Hausbesetzer, dass sie für die Renovierung nochmal so lange brauchen würden und lieber die alte Miete zahlen möchten. (Einige Räume hatten die linken Kapitalist*innen zu marktüblichen Preisen untervermietet.)

Die Besetzung der alten FH dürfte also erfolgversprechend sein: Wer Räumung fordern wird, gilt als rechtspopulistisch. Von der Stadt würde erwartet, die FH mit einem Millionenbetrag instandzuhalten. Eine neue Querfront entstünde: Die FAZ, in der der Bau als Ikone der Ostmoderne gepriesen wurde, wäre genauso glücklich wie die Hausbesetzer*innen.

Der Bedarf an Kunsthäusern ist scheinbar weiterhin groß, so dass der Bau als Kunst- und Kommunikationszentrum genutzt werden könnte. Ich würde ja eher dafür plädieren, den FH-Bau direkt neben der Nikolaikirche unseren muslimischen Mitbürger*innen als Moschee anzubieten. Sie suchen schon lange.

Modernes Bauen in Potsdam 2017

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Wohnhäuser im viel gelobten Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld

Siehe auch hier!

Gesamtkunstwerk Potsdam

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PotsdamDer Potsdamer Maler und Autor Olaf Thiede hat beschrieben, wie und warum die Stadt Potsdam zu einem Gesamtkunstwerk wurde. Er erklärt Gestaltungsprinzipien klassischer Architektur und Stadtplanung, die in der Stadt angewandt wurden.

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern (der spätere „Große Kurfürst“) regierte im 17. Jahrhundert ein Brandenburg, das durch den Dreißigjährigen Krieg auf einen „erbarmungswürdigen Zustand“ (Thiede) zurückgeworfen wurde. Er war eine Katastrophe, die auch nach 200 Jahren noch nicht vollständig überwunden worden war. Mit diesem Kurfürsten beginnt aber der Aufstieg Brandenburg-Preußens zu einem modernen Staat und einer europäischen Großmacht.

Zusammen mit Johann Moritz von Nassau-Siegen entwickelt er den Plan für die Residenzstadt Potsdam. Jener tat den berühmten Spruch: „Das gantze Eylandt muß ein paradis werden“. Dies wurde von den Hohenzollern in den nächsten 200 Jahren konsequent umgesetzt.

Thiede schreibt den Kritikern der Rekonstruktion Potsdams ins Stammbuch: „Was ist modern? Warum und wie lange? Die Qualität ist entscheidend! Die „Moderne“ steckt in einer Krise. Auf der rein intelektuellen Ebene und durch die Geschichte der letzten Jahrzehnte sind die … architektonischen Überzeugungen der Moderne sicherlich nachzuvollziehen. Nur, mit menschlichen Gefühlen und Erwartungen haben sie leider wenig zu tun, und doch füllen diese Bauwerke unsere Welt bis zum Überdruss mit Beliebigkeit, Langeweile und Kälte und somit unsere Lebenszeit… Es besteht kein Grund, gerade hier in Potsdams außergewöhnlichem Stadtzentrum irgendwelche Experimente und Selbstdarstellungen von Stararchitekten hineinpressen zu müssen, ob aus kurzsichtigen politischen Gründen oder gar nur, um trotzig „gegen alles Historische“ zu sein. Dafür ist das Gesamtensemble der Stadt zu wichtig und in seiner Einheitlichkeit, bei aller Berücksichtigung historischer Brüche, zu wertvoll. 

Olaf Thiede, Gesamtkunstwerk Potsdam. Sichtachsen, Geometrie, Rhythmus. Beobachtungen und Überlegungen zu den Gestaltungsprinzipien der barocken Stadt, 48 S., Potsdam 2009, Eigenverlag des Autors

Vom selben Autor: 1701 – Krönungs-Ritual und Stadtplanung Potsdam

Lesetipp:

Vom Gesamtkunstwerk ist nur im ersten Satz der Einleitung die Rede in dem Buch Städtebau und Herrschaft. Potsdam: Von der Residenz zur Landeshauptstadt, von Erich Konter und Harald Bodenschatz, Berlin: DOM Publishers 2011

Es zeichnet die Stadtentwicklung vom Aufstieg nach dem 30jährigen Krieg bis kurz nach dem Zusammenbruch der DDR nach. Es geht um Städtebau als Zeichen von absolutistischer Herrschaft, die Prägung durch Kasernen und Behörden, die Planung der DDR-Zeit.

Das Buch ist ein unentbehrliches Kompendium zum Städtebau und der Stadtentwicklung Potsdams. Dass Potsdam im Vorwort wegen seiner vielen Konfessionen mit dem postmodernen Wort als multikulturelle Stadt bezeichnet wird, nimmt man in Kauf.

Bei der Stadtentwicklung im sozialistischen Potsdam glauben die Autoren herausgefunden zu haben, dass entgegen der herrschenden Meinung, kontroverse Diskussionen stattfinden konnten. Als Kronzeugin nennen sie ausgerechnet die Broschüre eines Museums, in der vorsichtige Kritik daran geübt wurde, dass eine Flaniermeile direkt am Stadtschloss zur Magistrale einer modernen Großstadt werden sollte (und wurde).

Wie der Verfasser der Broschüre einmal erzählte, war er erstaunt, dass das Heftchen gedruckt werden durfte. Wenn auch vorsichtig und verklausuliert hatte man punktuell Kritik geübt. Als willkommenen und gleichberechtigten Diskussionsbeitrag im Ringen um eine sozialistische Stadtentwicklung kann man das nicht ansehen.

 

DDR-Spitzenleistung: 5 km Barockfassaden in Potsdam beseitigt!

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Es sollte eine moderne sozialistische Großstadt entstehen. Dazu brauchte man den Hochhausklotz des Interhotels und den massigen Gebäudekomplex von Institut für Lehrerbildung (Fachhochschule), Staudenhofwohnblock und Stadtbibliothek, unter dem ganze Quartiere der Altstadt verschwanden.

Es gab auch in der DDR Phasen, in denen kriegsbeschädigte Häuser phantasievoll eine barockisierende Fassade erhielten. Hinter erhaltenen Barockfassaden wurden moderne Wohnungen eingerichtet. Es gab auch eine Denkmalschutzliste und Denkmalschutzgesetze.

Im Interhotel konnten Devisengäste eine Knobelsdorff-Suite mieten, benannt nach dem Architekten von Sanssouci und der Französischen Kirche. Auch wurden die Lamellen an der Außenfassade der Fachhochschule, die die Wucht des Gebäudes mildern sollten, in „Potsdam-Gelb“ gestrichen. Aber überwiegend wurde abgerissen, u. a. die Garnisonkirche, die Heiliggeistkirche und das Stadtschloss. Das Theodor-Storm-Haus fiel im Spätsommer 1989 der Spitzhacke zum Opfer. Der Künstler Bob Bahra und andere hatten vergeblich protestiert. Das schon halb verfallene Holländische Viertel erblühte nach der Friedlichen Revolution zu neuem Leben.

Ca. 5 Kilometer barocke Hausfassaden ließ die SED in Potsdam abreißen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es sich in einer Diktatur leichter regieren lässt. Denn der Protest dagegen war in der Deutschen Demokratischen Republik sehr überschaubar und brachte den Protestierenden mindestens die Überwachung durch die Stasi.

Wenn heute in Potsdam über den Abriss des Hotelhochhauses oder Fachhochschule aus DDR-Zeiten diskutiert oder er gar beschlossen wird, erhebt sich ein vielstimmiger Aktivistenchor. Dazu zählen Architekten, die lieber modern bauen wollen, d. h. Waschbeton und fassadenlose Wohn- oder Büroquader mit französischen Fenstern, oder Kunsthistoriker und Journalisten, die Potsdamern vorwerfen, dass sie nicht so gebildet sind wie sie, und daher die Schönheit der DDR-Bauten nicht goutieren könnten. Der Vollständigkeit halber nenne ich noch die DDR-Nostalgiker und die Alt- und Neukader der Linkspartei, die mit der Kritik am „Barockfaschismus“ auch gleich den aus Westdeutschland importierten Kapitalismus geißeln können.

Siehe auch Märkische Allgemeine: „Der Fall des Theodor-Storm-Hauses“.

Anm.: Von den 5 km Abrisslänge habe ich gelesen, finde aber keinen Beleg mehr. Für Hinweise bin ich dankbar.

Frankfurter „Edelfedern“ rezensieren Potsdamer Städtebau

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Fachhochschule Potsdam

„Make Potsdam great again“ heißt ein Text in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Niklas Maak und Claudius Seidl (FAS v. 2.4.17, p 41).

Die beiden „Edelfedern“, von Haus aus Feuilletonchef der eine, Kunst- und Architekturhistoriker der andere, wissen, was gut ist für Potsdam. Und was schlecht ist.

Schlecht wäre der abwaschbare Plastikbau des Berberini-Museums, gut das monströse Gebäude der Fachhochschule (FH), der Nachbau eines Gebäudes des berühmten Architekten Mies van der Rohe.

Die Wiederherstellung des preußischen Potsdams wäre das Werk reicher Westdeutscher, auch der Oberbürgermeister sei von dort zugewandert. Der Unternehmung fehle die demokratische Legitimation, behaupten sie.

Vielleicht sollte die Redaktion zukünftig einen Faktencheck einführen, bevor die Zeitung in Druck geht.

Der OB und die reichen Wessis hätten „biederes westdeutsches Wendehammer-Dasein“ nach Potsdam gebracht.

Dann belehren die beiden kunstsinnigen Intellektuellen das dumme Potsdamer Publikum: Wer immer nur Cola und Apfelsaft trinke, der würde einen Pétrus-Rotwein oder einen guten Whisky ungenießbar finden. So ginge es auch im Potsdamer Städtebau zu. Wer bei schöner Architektur nur an Neuschwanstein denke, könne mit einem Meisterwerk der Moderne, mit lisenenhaften Längselementen rhythmisierten Fassaden und Op-Art-haften Sichtblenden nichts anfangen.

Das Plätzchen zwischen Fachhochschule und einem Plattenbauwohnhochhaus erinnert die Rotweinexperten an Lucio Costa, den Schüler von Oscar Niemayer. Costa entwarf den Grundriss von Brasilia. Ich hätte diese mit Büschen, Bänken und Spalieren möblierte Schneise, die, zugegeben, etwas vernachlässigt wirkt, als Eingang zu einer Schrebergartenkolonie in Frankfurt-Zeilsheim vermutet. Auf Brasilia wäre ich beim Durchqueren nicht gekommen.

Mir sei nach diesem hämischen Artikel auch ein wenig Häme erlaubt: Den Vorgänger des Feuilletonchefs Seidl, den verstorbenen Frank Schirrmacher, zog es nach Potsdam. Er wohnte in Sacrow. Die FH kann man von dort nicht sehen.

Das Gebäude Mies van der Rohes in Des Moines/USA, dem die Fachhochschule nachempfunden sein soll, habe ich auf einem Foto im Internet gefunden. Es ist ein quadratischer schwarzer Bau mit großen Fenstern, nur das Erdgeschoss, das von den beiden oberen Stockwerken überwölbt wird, ist mit hellem Sandstein verkleidet. Es erinnert entfernt an die Neue Nationalgalerie. Auf diese Idee kommt man bei der FH nicht.

In Des Moines, in dem typischen quadratischen Straßennetz der US-Städte und den unterschiedlich hohen Hochhäusern drum herum, wirkt das Gebäude fast filigran. Der angebliche Nachbau in Potsdam ist dagegen ein massiger Fremdkörper. Aber ich bin halt kein Kenner von Pétrus-Weinen.

Wenn der Potsdamer Architekt es wenigstens 1:1 nachgebaut hätte. Der Nachbau entspricht mindestens drei Quadraten des Originals, an einem Ende war noch die Stadtbibliothek angebaut. Im Vergleich zu Des Moines ein monströses Gebäude, errichtet nicht zuletzt, um die preußische Nikolaikirche zu verdecken. (Gibt es bei Architekten nicht einen sehr rigiden Urheberrechtsschutz?)

Von den Potsdamer Lokalblättern ist die MAZ begeistert von der furiosen Kritik, die PNN berichtet und hat auch Raum für die Korrektur, dass das Stadtparlament seit über 20 Jahren mit der Wiedergewinnung der alten Mitte beschäftigt ist und damit an Ansätze aus der Bürgerschaft der DDR anknüpft, also keineswegs, wie Seidl/Maak suggerieren, die Potsdamer von einem westdeutschen Oberbürgermeister kolonisiert werden.

Zum Städtebau in Potsdam siehe auch hier im Blog!

Der lange Marsch der Linken gegen ein konservatives Stadtbild

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Sozialistischer Städtebau
Sozialistischer Städtebau in Ostberlin

Das Potsdamer Stadtparlament hatte nach jahrelangen Debatten, Workshops und Befragungen einen Plan zur Wiedergewinnung der historischen Mitte beschlossen. Das beinhaltete auch den Abriss des Hochhaushotels im ehemaligen Lustgarten, den Abriss der Fachhochschule und des Plattenbauwohnquartiers Staudenhof.

Was gestern beschlossen wurde, kann heute durch Bürgerentscheide wieder gekippt werden. So sah das eine von der linksextremen Stadtratsfraktion Die Andere initiierte Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, das das Quorum von 15.000 Unterschriften erreichte. Das Parlament verneinte aus juristischen Gründen die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids, aber entschied sich gleichzeitig für einen Kompromiss: Das nicht ins Stadtbild passende Hotelhochhaus, an dem das Herz der Ostalgiker hängt, soll stehen bleiben, dafür aber das Gebäude der Fachhochschule (FH) abgerissen werden. Außerdem gab es noch ein paar kleinere Konzessionen beim Wiederaufbau der unter der FH begrabenen Quartiere.

Die linken Bürger*innenentscheid-Initiator*innen sind empört, dass die Linkspartei diesen Kompromiss mitträgt. Sie klagten gegen den Parlamentsbeschluss. Alles oder nichts, bloß keinen Kompromiss.

Siehe auch hier!

Jetzt wurde vom Verwaltungsgericht entschieden, dass die Ablehnung zu Recht erfolgt sei, da das Begehren die Bürger falsch informiert habe.

Für die Aktivist_innen um den Oberaktivisten André Tomczak ist das das Signal zum Aufbruch in eine neue Dimension des Kampfes gegen den Barockfaschismus in Potsdam. Jetzt entstand ein „breites Bündnis“ der gesellschaftlichen Gruppen, Vereine, Initiativen, die irgendwie links sind: die aus der DDR stammende Volkssolidarität, eine Art sozialistisches Rotes Kreuz, der Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen, das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West, die „Kulturlobby“ usw.

(Noch) nicht dabei: der Humanistische Verband, der die DDR-Tradition der Jugendweihe pflegt, der Bauernverband, die Interessenvertretung der aus den DDR-Kolchosen hervorgegangenen Agrarfirmen, die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft, der Nachfolger der Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft der DDR, der Verein der Bundestagsfraktion der Linkspartei, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Prussian(!) Fat Cats, eine linksextreme, Rollschuhsport treibende Damengruppe, die den Wiederaufbau der Garnisonkirche bekämpft.

Das erinnert an die DKP-Taktik in Westdeutschland: Es gab immer wieder Kampagnen, die von „breiten Bündnissen“ getragen wurden. Wenn man genauer hinschaute, waren die Antifa-, Friedens-, Antikriegs-, Menschenrechts-Initiativen, die Vielfalt und Buntheit vorspiegelten, in Wirklichkeit Vorfeldorganisationen der DKP.

Tomczak und seine Mitkämpfer planen ein Happening auf dem Alten Markt, ein „farbenfrohes Fest“. Sicher sind noch Schaumstoffsteine übrig vom Werfen auf das Stadtschloss in Erinnerung an den 48er Revolutionär Max Dortu. Jetzt könnte man sie auch auf das Barberini werfen.

Die RetterInnen der Potsdamer „DDR-Moderne“ sprechen nicht mehr vom „Barockfaschismus“, den die zugezogenen westdeutschen Reichen errichten würden, sondern von einem „konservativen Stadtbild“, das sie bekämpfen.

(unter Verwendung eines PNN-Berichts v. 7.3.17)

Interessant ist ein Vergleich mit Dresden. Ähnlich wie heute die linke Szene die angeblich feudale Baukultur Potsdams bekämpft, hat die SED versucht, beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Dresdens, eine sozialistsche Großstadt erstehen zu lassen. die hutigen Potsdamer auseinandersetzungen geschahen dort währende der DDR-Existenz. Denkmalschützer und Bürger setzten sich für den Erhalt und die Rekonstruktion historischer Gebäude ein, während die Kommunisten breite Straßen und Großkomplexe für Essen und Einkaufen planten und teilweise auch realisierten: Tanja Scheffler, Vom schnellen Scheitern der sozialistischen Städtebaukonzepte. Der Weg zurück zur historischen Stadt, Deutschland-Archiv 29.11.2012, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/147752/dresden-das-scheitern-der-sozialistischen-stadt  (8.3.17)

 

Potsdam vor und nach 1945

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Die Aufnahmen wurden zwischen 1910 und 1959 gemacht:

Neues Bauen in Potsdam (und Berlin)

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Architekten und Linksextreme in Potsdam finden die hier gepflegten und gehegten Baustile Barock, Rokoko, Klassizismus, Jugendstil zu dominant. Für die Linken ist das alles „Barockfaschismus“. Die Architekten wollen lieber Neues bauen als zu renovieren.

Ich habe mich einmal in der Stadt umgesehen. Modernes Bauen ist sehr uniform. Quadratische oder schmale bis auf den Fußboden gezogene Fenster, quadratische Häuser. Überall gleich, egal, ob Studentenwohnheim, gehobene Eigentumswohnungen oder Bürogebäude. Anderswo sehen auch moderne Jugendstrafanstalten und Kasernen so aus.

Das Hauptmerkmal: Es gibt keine Fassaden mehr. Jede Seite des Gebäudewürfels sieht gleich aus: glatte Wand und endlose Fensterraster.

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Dann vielleicht doch lieber „Barockfaschismus?

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Nachtrag 1.9.16: Vor sechs Tagen schrieb ich – endlich – diesen Text. Jetzt lese ich mit Freude in der FAZ v. 1.9., dass der renommierte Frankfurter Architekt und Direktor des Instituts für Stadtbaukunst, Christoph Mäckler, auf einer ganzen Seite beklagt, dass Architekten keine schönen und bewohnbaren Städte mehr bauen könnten.

Das Problem der Gentrifizierung habe hier seine Ursache. Es gäbe keine attraktiven Straßen,  Plätze und Gebäude in Neubaugebieten. die alten Wohnviertel würden als „zeitgemäße Wohnumgebung von allerhöchster Qualität“ gesehen werden.

Link zu Mäckler-Beiträgen in der FAZ. (Der o.a. ist noch nicht enthalten.)

Christoph Mäckler hat den Terminal 3 auf dem Frankfurter Flughafen entworfen, der 2022 eröffnet werden soll.

Nachtrag 10.10.16: Die Phase attraktiven Städtebaus scheint in Berlin schon lange vorbei zu sein. Sogar das, was nach der Wende als besonders gelungen bezeichnet wurde, hatte schon Schwächen. In das sterile, zugige Hochhausviertel am Potsdamer Platz zieht es mich überhaupt nicht. Am Hauptbahnhof fällt mein Blick immer gleich auf die von Mehdorn gekürzten östlichen Bahnsteigröhren. Die sind jetzt Stummel.

Immerhin beeindruckt das Gebäude noch. Aber schlimm ist, was inzwischen um den Bahnhof herum entstanden ist. Der Platz auf der Südseite, zur Spree hin ist von Neubauten gesäumt. einer so langweilig wie der andere. Von der Nordseite, hochtrabend Europaplatz genannt, reden wir lieber gar nicht.

        Welches Foto wurde nicht am Berliner Hauptbahnhof, sondern am Potsdamer gemacht?

In Potsdam schießen um die Innenstadt herum Neubaugebiete ins Kraut. Wenn man sie sieht, kann man verstehen, warum Viertel wie der Prenzlauer Berg oder das Frankfurter Nordend so attraktiv sind. Man sehe sich im Bornstedter Feld den Johan-Bouman-Platz an. Er soll, wenn es nach der Architektin geht, die gute Stube des Viertels werden:

Potsdam, Johan-Bouman-Platz

Wenn man sich umsieht, fühlt man sich, wie man sich in einer sibirschen Pionierstadt der Sowjetzeit gefühlt haben muss. Mag sein, wenn etwas Abstandsgrün gepflanzt worden ist und hinter den Fenstern Gardinen hängen, sieht es sicher nicht mehr ganz so schrecklich aus. Die „gute Stube“ ist von einem Parkplatz, der drei Viertel des Platzes einnimmt, durch eine sehr lange Holzbank abgetrennt, die die Attraktion des Platzes werden soll.

 

(Das Foto ganz rechts stammt aus Potsdam)