Städtebau

Seit 30 Jahren wird die Rettung der historischen Potsdamer Altstadt von Parlamentsbeschlüssen begleitet. Für Linksalternative und die FAZ führt das zur Spaltung der Stadt

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Stadtverordnetenbeschluss Potsdam

Dies ist der erste Städtebau-Beschluss der frei gewählten Potsdamer Stadtverordnetenversammlung von 1990. Es folgen bis heute elf weitere und ein Landtagsbeschluss. Sie waren jeweils Ergebnis von Entwürfen, Gutachten, Beratungen und öffentlichen Diskussionen.

Schon vor dem Untergang der DDR gab es erste Überlegungen zur Wiederherstellung der historischen Stadtmitte.

Es ist bezeichnend, dass dieser parlamentarische Prozess aus fast 30 Jahren einigen Kunsthistorikern, Journalisten und den Potsdamer Linksextremisten völlig gleichgültig ist. (Siehe dazu frühere Blogbeiträge!)

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Missglückte FAZ-Ferndiagnose

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garnisonkirche_in_potsdam-zeno-org-contumax-gmbh-co-kg-im-maerkischen-museum-berlinZum Städtebau Potsdams hatten sich unlängst schon die FAZ-Mitarbeiter Niklas Maak und Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41) kritisch geäußert. Jetzt setzt Kunsthistoriker und FAZ-Mitarbeiter Dr. Arnold Bartetzky den Verriss fort.

Dr. Bartetzky übernimmt das von Dr. Goebbels inszenierte Narrativ, dass die Garnisonkirche für die Versöhnung von Adel und Nazis stünde. Er verlässt sich auf das „sorgfältig recherchierte Buch“ des Journalistenkollegen und Garnisonkirchengegners Matthias Grünzig. Der trägt seit Jahren seine These vor, dass die evangelische Kirche in der DDR den Wiederaufbau nicht wollte. Dem wurde von Kirchenrepräsentanten widersprochen. Erst kürzlich setzte sich der Potsdamer Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow kritisch mit Grünzig auseinander.

Bartetzky stört sich am „martialischen“ Schmuck des Garnisonkirchenturms. Was ihn nicht stört, ist das Mosaikband um das Rechenzentrum, das die SED teilweise auf das Kirchengelände baute. Das zeigt sowjetische Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Radarstellungen.

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Kunst am Bau: Sowjetische Jagdbomber

Es gelingt ihm sogar, in dem Artikel eine Kritik der westdeutschen Zerstörungen von denkmalgeschützten Gebäuden unterzubringen. Dass die SED ganze Straßenzüge abriss, in einer Länge von mehr als fünf Kilometern, bleibt dagegen unerwähnt. „Brachial“ ist für ihn der heutige Potsdamer Stadtumbau. So werde u. a. die Fachhochschule, ein „zartgliedriger“ Bau der DDR-Moderne, abgerissen.

Die Chuzpe, mit der Dr. Bartetzky die SED-Abrissorgie unerwähnt lässt und von heutigem brachialem Abriss heute spricht, ist erstaunlich. Er moniert, dass für den Schlossnachbau eine mehrspurige Straße verlegt werden musste. Was er anscheinend nicht weiß, ist, dass die SED-Stadtplaner über das Schlossgrundstück bewusst eine Fernverkehrsstraße legten. Er bedauert, dass der „schon vollendete“ Rohbau eines Stadttheaters auf dem Schlossplatz dem „brachialen“ Stadtumbau der Nachwendezeit zum Opfer fiel. Was Dr. Bartetzky unerwähnt lässt: Die Planung des Neubaus des Schauspielhauses als Schlossersatz begann 1947. Und 1989 war es erst ein Rohbau. (Sogar der Flughafen BER dürfte schneller fertigwerden.)

Der monströse, „zartgliedrige“ FH-Bau begrub zwei Stadtquartiere unter sich! Rauten, mit denen an einigen Stellen die Fassade verdeckt worden war, sah man in den 60ern an Horten-Kaufhäusern in Westdeutschland. Jetzt gelten sie als erhaltenswerte DDR-Baukunst.

Auch die stadtsoziologischen Erkenntnisse Bartetzkys sind fragwürdig: Vor allem junge, gebildete Leute fühlten sich dem DDR-Bauerbe näher als den Barockfassaden, schreibt er. Wer in Potsdam lebt, sieht immer wieder dieselben zwei Dutzend Aktivisten aus den linksalternativen Netzwerken, die Veranstaltungen stören und den Nachrichtenjournalisten Bilder und griffige Parolen liefern. Beim Gottesdienst zum Beginn des Wiederaufbaus schrieen sie „Halt´s Maul, Du Nazischlampe“, als die Pfarrerin das Vaterunser betete.

Update 2.12.17: Erfreulich ist wenigstens, dass die FAZ am 2.12. einen ausgezeichneten Leserbrief der Kunsthistorikerin und Potsdamer Stadtverordneten Saskia Hüneke veröffentlicht, in dem Dr. Bartetzkys fehlende Kompetenz deutlich wird.

 

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

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In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägeralle sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. auch das Holländische Viertel blieb dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.

Potsdam: Spielwiese für Kunsthistoriker

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Laut PNN (2.9.17, p 16) ist er Experte für DDR-Architektur, der emeritierte Professor Thomas Topfstedt, Professor für sozialistische Gegenwartskunst und Mitglied der Bauakademie der DDR, nach der sog. Wende Professor für Kunstgeschichte des 19. und 20 .Jahrhunderts und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau. Er gehört zu den Kunsthistorikern, die auch 5 nach 12 der DDR-Architektur-Ikone Fachhochschule Potsdam noch eine Chance geben wollen.

Wenn es in den vergangenen 25 Jahren 20 gegenläufige Beschlüsse des Stadtparlaments zur neuen Mitte gegeben hat, nun ja, das könne man so sehen, meint er. Prof. Topfstedt hat nichts gegen das Landtagsschloss und das Palais Barberini. Aber das Monstrum Fachhochschule wäre doch ein spannender Kontrast dazu und sollte stehen bleiben.

Wieder einer, der es uns nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern in einem Museum der kontrastreichen Architekurgeschichte. Wieder einer, dem es völlig egal ist, wer Unterhalt und Renovierung des Monstrums bezahlt, damit wieder Ateliers für Kunstschaffende und Begegnungszentren für die Zivilgesellschaft oder gleich linksautonome Kulturzentren einziehen.

Selbst wohnt der Professor Topfstedt ganz sicher nicht in Leipzig-Grünau in einer Dreizimmerplattenbauwohnung Typ Erfurt. Eher wohl im renovierten Altbau in der angesagten Leipziger Südvorstadt.

Die Potsdamer Linken springen auf den fahrenden Zug und sind jetzt wieder mal gegen den Abriss. Sie fordern das in solchen Fällen übliche: eine Bürgerbefragung.

Siehe auch hier!

Auch der Architekt des benachbarten Landtagsschlosses, Peter Kulka, führt 5 nach 12 das große Wort: Der Gewinner räume immer alles ab, meint er im Hinblick auf die deutsche Einheit, die er demnach als Kolonisierung durch die Westdeutschen begreift, wie eben auch die bauliche Rekonstruktion Potsdams. (Dass er selbst sein Geld mit der Wiedererrichtung von Schlössern verdient, sei ihm verziehen. Von irgendetwas muss auch ein Architekt leben.) Dass anstelle des FH-Monstrum wieder kleinteiliger gebaut und Läden und Wohnungen entstehen sollen, ist für den Stararchitekten „politisch-populistisch“. Auch in die FH hätte man Wohnungen einbauen können. (nach MAZ v. 9.8.17)

Aus dem Baukasten der Städtebaukritik: Besänftigungslandschaft

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Gegen die Wiedergewinnung eines harmonisch gestalteten (Innen-)Stadtraumes in Potsdam wird eingewandt, dass Bauwerke der DDR-Moderne abgerissen und „diskursiv delegitimiert“ würden.

Die linke Potsdamer Szene, die erbittert und mit immer neuen Kampagnen gegen den Abriss von DDR-Bauten kämpft, kann sich sicher sein, dass sie von Journalisten und Kunsthistorikern diskursiv begleitet wird. Das war schon mehrfach Thema dieses Blogs.

In diesen Tagen, in denen der Abriss der angeblichen Architekturikone Fachhochschule endlich beginnt, ist das wieder zu beobachten.

Da schert man sich nicht darum, dass das erste frei gewählte Potsdamer Stadtparlament nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 eine „behutsame Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ beschlossen hatte. Dieser Beschluss wurde in den folgenden 20 Jahren in breit diskutierten Planungen schrittweise umgesetzt. Potsdamer Linksextreme scheren sich nicht um Parlamentsbeschlüsse und glauben, mit immer neuen Unterschriftensammlungen und Volksbefragungen den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Bemerkenswert ist, dass ich in der Regionalzeitung immer nur von umstrittenen Vorhaben lese, wenn es um Abriss sozialistischer oder Restaurierung „vorsozialistischer“ Bauten geht. Die Kampagnen zur Rettung sozialistischer Bauten werden nie umstritten genannt.

Ich kann gut verstehen, dass nicht nur aus Berlin(W) und Westdeutschland zugezogene Bürger, sondern auch Ostdeutsche nicht auf Schritt und Tritt an die SED-Diktatur erinnert werden wollen. Millionen Geflüchtete, tausend an den Grenzen Erschossene, unterdrückte Meinungsfreiheit, gefälschte Wahlen können nicht von Schmuckstücken der Ostmoderne vergessen gemacht werden.

Passend dazu gab der „Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität“ im Juni ein Buch heraus: „Gebaute Geschichte. Historische Authenzität im Stadtraum“. Es geht dem weltweiten Bedürfnis nach Authentizität im Städtebau nach, u. a. auf der Arabischen Halbinsel und im Ruhrgebiet.

Potsdam darf nicht fehlen. Die im Potsdamer Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung (ZZF) arbeitende Historikerin Kathrin Zöller greift darin auf ihre 2014 abgeschlossene Dissertation über das zumindest äußerlich wieder erstandene Stadtschloss zurück.

Wenn ich die Besprechung von Jan Kixmüller in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), einem Kopfblatt es Berliner Tagesspiegels, lese (23.8.17, p21), fällt mir auf, dass Dr. Kathrin Müller alle möglichen linken Narrative nutzt.

Sie erkennt in der Restauration des Stadtschlosses eine geschichtspolitisch intendierte symbolische Restitution glorreicher vorsozialistischer Vergangenheit. Mit dem Bau des Landtagsschlosses sei die Hoffnung auf einen Stimmungsumschwung im Land Brandenburg verbunden gewesen(?), auf eine positive Brandenburger Identität und Stolz auf das Eigene.

Aber es kommt noch dicker. Der Weltgeist steckt dahinter. Die Verunsicherung der Menschen durch „Globalisierung und Mobilitätsdruck und Auflösung bekannter Orientierungsmuster“ führe zur Schaffung einer städtischen „Besänftigungslandschaft“, schreibt die Wissenschaftlerin.

Die utopische Besänftigungslandschaft werde künstlich erzeugt und lasse sich gut ökonomisch verwerten, für den Tourismus nämlich. Mit dem neuen Stadtschloss wäre „Geschichte als plastische Verfügungsmasse geformt“ worden.

Es wäre eine ahistorische, selektive und instrumentelle Geschichtsaneignung zu zukunftsorientierten Zwecken betrieben worden. (Achtung: obwohl es so klingt, ist das keine Analyse der Geschichtsnarration des SED-Zentralkomitees!)

 

Nachtrag zum Begriff „Besänftigungslandschaft“: Der Volkskundler/Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger benannte so die Sehnsucht des Biedermeier-Zeitalters nach einer schönen Heimat als Gegenwelt zum Obrigkeitsstaat, in dem die Bürger zur Unmündigkeit verurteilt waren.

Dies scheint ziemlich der einzige nicht-linke Begriff zu sein, den Dr. Zöller zur Beschreibung der Potsdamer städtebaulichen Entwicklung benutzt.

Allerdings war der Begriff in der frühen Nachkriegszeit verpönt. Die romantische Verklärung von Heimat wurde damals als Vorstufe zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis gesehen. In der Wissenschaft wird er inzwischen unbefangen verwendet. Man erkennt ein Grundbedürfnis nach Heimat und sprachlich-kultureller Gemeinschaft

Wenn da mal nicht durch die Masseneinwanderung arabischer Geflüchteter etwas ins Rutschen geraten ist.

 

 

Moderner Städtebau in Potsdam: das Schwimmbad „blue“

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Meist geht es anders herum: Nicht nur die Linken kritisieren die städtebauliche Entwicklung in Potsdam als „Barockfaschismus“. Auch Architekten melden sich zu Wort und beklagen, dass zu viel restauriert und zu wenig zeitgenössisch gebaut würde.

Wenn das Aussehen Potsdams mit seinen Schlössern und Villen im klassizistischen, neo-klassizistischen, barocken oder Rokokostil Faschismus sein soll, kann Faschismus so schlimm nicht sein.

Nun hatten moderne Architekten Gelegenheit modern zu bauen: das Groß-Schwimmbad am Hauptbahnhof. Schon in der Bauzeit war es zu erahnen. Der Bau schottet sich nach außen ab. Er wirkt wuchtiger als der benachbarte Bahnhof, der jahrelang dafür kritisiert wurde.Man könnte ihn auch für das Bahnhofs-Parkhaus halten.

(Reden wir jetzt nicht über die Bau- und Unterhaltskosten für ein Bad an dieser Stelle. Die Stadtverwaltung hatte gescheitere Standort- und Finanzierungspläne. Die direkte Demokratie brockte der Stadt für die Zukunft sehr viel höhere Kosten ein und weniger Gegenfinanzierung durch eigentlich geplante Grundstücksverkäufe.)

Jetzt ist es ausgerechnet ein Architekt, der den modernen Bau vom Büro Gerkhan, Merk und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin) als langweiliges Gebäude kritisiert.

 

Das Kino International in Berlin

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Es gibt sie, die Beispiele der architektonischen Ostmoderne. Z. B. das Kino International in Berlin, eröffnet 1963 in der 1961 von Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannten Straße in der Nähe des Alexanderplatzes.

Kino International Berlin
Foto: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe

In Monumente, der schönen Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, steht mehr darüber. (Schöne Fotos!)

Nachtrag 10.9.17: Ich geriet zufällig in eine Führung durch das Kino. An dieser Stelle der Stalinallee war ein Kulturzentrum geplant worden: Es gab hinter dem Kino ein Hotel, gegenüber das Café Moskau. Das Kino enthielt eine öffentliche Bibliothek und den Oktober-Jugendclub. ein Relief an den Seitenwänden und der Rückwand zeigt „Menschen im Sozialismus“.

Nicht zuletzt waren in dem Gebäude die Repräsentationsbedürfnisse des Politbüros realisiert worden: Es gab einen getrennten Empfangsraum für die Kader. Er hat mit der biederen 60er Jahre Gestaltung die Anmutung eines Partykellers in einer westdeutschen Reihenhaussiedlung. Allerdings hatte die Elite ihren eigenen Aufzug und im aufwändig gestalteten Kinosaal eine eigene Sitzreihe, die Nr. 8. Der Fußabstand war größer. Ein Gerücht besagt, das sei nötig gewesen, damit vor der Vorstellung die Sitzreihe leichter nach Sprengstoff abgesucht werden konnte.

Die Technik des Hauses war aufwändig. Der sachkundige Guide erzählte, dass der Erwerber 1990, eine westdeutsche Kinokette, entsetzt war über den Wasserverbrauch und die Stromkosten der Klimaanlage. Die Umwälzung der Luft im Kinosaal verursachte starke Geräusche, so dass nur zwischen zwei Vorstellungen die Luft ausgetauscht werden konnte. Es wurden neueste Projektoren eingestzt, so dass auch 70mm-Filme gezeigt werden konnten

 

Hausbesetzung soll Abriss der Potsdamer FH verhindern

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Regenbogen Potsdam
Doppelter Regenbogen über Potsdam

Die Potsdamer Linksextremisten, gut vernetzt in Bündnissen, Aktionskreisen, Parteien, Antifa, AStA und Kulturzentren, geben noch lange nicht auf. Da auch ihre (fehlerhafte) Unterschriftensammlung gegen die Neugestaltung der Potsdamer Mitte nicht zu einer Revision zwanzigjähriger Debatten und Entscheidungen führte, wollen sie jetzt den alten Bau der Fachhochschule besetzen, um den Abriss und die Neugestaltung des unter dem DDR-Bau begrabenen Stadtquartiers zu verhindern.

Wenn man bedenkt, wie erfolgreich Hausbesetzungen in Hamburg und Berlin sind, muss man Schlimmes befürchten.

In Berlin hatte eine Handvoll extremistischer Geflüchteter eine Schule besetzt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin gibt weit über eine Million € jährlich aus, damit die Schule für die Besetzer wohnlich bleibt (Hausmeister, Security, Heizung, Reparaturen) und widersetzte sich der Aufforderung des Senats, das Gebäude zu räumen.

Die Hausbesetzer in der Berliner Rigaer Straße belästigen und bedrohen ihre Nachbarn, verletzen Polizisten, sorgen jährlich am 1. Mai für Krawalle. (Wenn das Rechte machen würden, gäbe es mindestens einen ARD-Brennpunkt) Linke und grüne Politiker/-innen wollen nichts von Räumung wissen und plädieren für Gespräche mit den Straftäter*innen.

In Potsdam gelang es, die Wiederaufbaupläne für das Kirchenschiff der Garnisonkirche zu erschweren, weil das Rechenzentrum, das auf dem Gelände von der SED errichtet wurde, als „Zwischennutzung“ zum Haus für Kunstschaffende wurde. Inzwischen wurde die Zwischennutzung verlängert. Die Kunstschaffenden fordern von der Stadtverwaltung, das marode Haus instandzusetzen, damit es bewohnbar bleibt. Natürlich ist das Haus Agitationszentrum gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche geworden. die Linksextremisten im Potsdamer Stadtparlament, die Gruppe „Die Andere“, will ungeachtet der längst gefassten Parlamentsbeschlüsse immer wieder neu abstimmen lassen, jetzt z. B. soll das Rechententrum als Denkmal der sozialistischen Baukunst erhalten bleiben.

Zwei Altbauten in der Potsdamer Zeppelinstraße hatte die Stadt an linke Mieterinitiativen zu einem Tiefpreis vermietet. Die Aktivisten versprachen dafür, die Häuser in Eigenleistung zu renovieren. Nach zehn Jahren wollte die Stadt den Mietpreis geringfügig anheben. Da gestanden die legalisierten Hausbesetzer, dass sie für die Renovierung nochmal so lange brauchen würden und lieber die alte Miete zahlen möchten. (Einige Räume hatten die linken Kapitalist*innen zu marktüblichen Preisen untervermietet.)

Die Besetzung der alten FH dürfte also erfolgversprechend sein: Wer Räumung fordern wird, gilt als rechtspopulistisch. Von der Stadt würde erwartet, die FH mit einem Millionenbetrag instandzuhalten. Eine neue Querfront entstünde: Die FAZ, in der der Bau als Ikone der Ostmoderne gepriesen wurde, wäre genauso glücklich wie die Hausbesetzer*innen.

Der Bedarf an Häusern für Kunstschaffende ist scheinbar weiterhin groß, so dass der Bau als Kunst- und Kommunikationszentrum genutzt werden könnte. Ich würde ja eher dafür plädieren, den FH-Bau direkt neben der Nikolaikirche unseren muslimischen Mitbürger*innen als Moschee anzubieten. Sie suchen schon lange. (Eine SPD-Ministerin will im zu errichtenden Turm der Garnisonkirche eine Moschee. Das verbietet sich schon aus dem Grund, dass der Platz für die Gläubigen nicht ausreichen dürfte.)

Was wäre eigentlich, wenn Fanatiker wie André Tomczak und Lutz Boede einmal die Macht ergreifen und die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie und der Gewaltenteilung Regierungspolitik wird? Der frühere SED-Mann Dr. Scharfenberg von der Potsdamer Linkspartei, MdL, schimpfte schon in Richtung der Linksextremisten: „Wenn ihr in Potsdam regieren würdet, gäbe es kurze Zeit später eine Versorgungkrise.“

Modernes Bauen in Potsdam 2017

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Wohnhäuser im viel gelobten Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld

Siehe auch hier!

Gesamtkunstwerk Potsdam

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PotsdamDer Potsdamer Maler und Autor Olaf Thiede hat beschrieben, wie und warum die Stadt Potsdam zu einem Gesamtkunstwerk wurde. Er erklärt Gestaltungsprinzipien klassischer Architektur und Stadtplanung, die in der Stadt angewandt wurden.

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern (der spätere „Große Kurfürst“) regierte im 17. Jahrhundert ein Brandenburg, das durch den Dreißigjährigen Krieg auf einen „erbarmungswürdigen Zustand“ (Thiede) zurückgeworfen wurde. Er war eine Katastrophe, die auch nach 200 Jahren noch nicht vollständig überwunden worden war. Mit diesem Kurfürsten beginnt aber der Aufstieg Brandenburg-Preußens zu einem modernen Staat und einer europäischen Großmacht.

Zusammen mit Johann Moritz von Nassau-Siegen entwickelt er den Plan für die Residenzstadt Potsdam. Jener tat den berühmten Spruch: „Das gantze Eylandt muß ein paradis werden“. Dies wurde von den Hohenzollern in den nächsten 200 Jahren konsequent umgesetzt.

Thiede schreibt den Kritikern der Rekonstruktion Potsdams ins Stammbuch: „Was ist modern? Warum und wie lange? Die Qualität ist entscheidend! Die „Moderne“ steckt in einer Krise. Auf der rein intelektuellen Ebene und durch die Geschichte der letzten Jahrzehnte sind die … architektonischen Überzeugungen der Moderne sicherlich nachzuvollziehen. Nur, mit menschlichen Gefühlen und Erwartungen haben sie leider wenig zu tun, und doch füllen diese Bauwerke unsere Welt bis zum Überdruss mit Beliebigkeit, Langeweile und Kälte und somit unsere Lebenszeit… Es besteht kein Grund, gerade hier in Potsdams außergewöhnlichem Stadtzentrum irgendwelche Experimente und Selbstdarstellungen von Stararchitekten hineinpressen zu müssen, ob aus kurzsichtigen politischen Gründen oder gar nur, um trotzig „gegen alles Historische“ zu sein. Dafür ist das Gesamtensemble der Stadt zu wichtig und in seiner Einheitlichkeit, bei aller Berücksichtigung historischer Brüche, zu wertvoll. 

Olaf Thiede, Gesamtkunstwerk Potsdam. Sichtachsen, Geometrie, Rhythmus. Beobachtungen und Überlegungen zu den Gestaltungsprinzipien der barocken Stadt, 48 S., Potsdam 2009, Eigenverlag des Autors

Vom selben Autor: 1701 – Krönungs-Ritual und Stadtplanung Potsdam

Lesetipp:

Vom Gesamtkunstwerk ist nur im ersten Satz der Einleitung die Rede in dem Buch Städtebau und Herrschaft. Potsdam: Von der Residenz zur Landeshauptstadt, von Erich Konter und Harald Bodenschatz, Berlin: DOM Publishers 2011

Es zeichnet die Stadtentwicklung vom Aufstieg nach dem 30jährigen Krieg bis kurz nach dem Zusammenbruch der DDR nach. Es geht um Städtebau als Zeichen von absolutistischer Herrschaft, die Prägung durch Kasernen und Behörden, die Planung der DDR-Zeit.

Das Buch ist ein unentbehrliches Kompendium zum Städtebau und der Stadtentwicklung Potsdams. Dass Potsdam im Vorwort wegen seiner vielen Konfessionen mit dem postmodernen Wort als multikulturelle Stadt bezeichnet wird, nimmt man in Kauf.

Bei der Stadtentwicklung im sozialistischen Potsdam glauben die Autoren herausgefunden zu haben, dass entgegen der herrschenden Meinung, kontroverse Diskussionen stattfinden konnten. Als Kronzeugin nennen sie ausgerechnet die Broschüre eines Museums, in der vorsichtige Kritik daran geübt wurde, dass eine Flaniermeile direkt am Stadtschloss zur Magistrale einer modernen Großstadt werden sollte (und wurde).

Wie der Verfasser der Broschüre einmal erzählte, war er erstaunt, dass das Heftchen gedruckt werden durfte. Wenn auch vorsichtig und verklausuliert hatte man punktuell Kritik geübt. Als willkommenen und gleichberechtigten Diskussionsbeitrag im Ringen um eine sozialistische Stadtentwicklung kann man das nicht ansehen.