Städtebau

Potsdams Alter Markt wird immer schöner

Gepostet am Aktualisiert am

Nikolaikirche
Nikolaikirche auf dem Alten Markt

Der Alte Markt in Potsdam wird immer schöner. Der gewaltige Trumm der Fachhochschule ist endlich verschwunden. Er verdeckt die Kirche nicht mehr.

Wenn die alten Stadtquartiere mit historischen Leitbauten und modernen Gebäuden in der alten Kubatur bebaut sein werden, ist der Platz wieder komplett mit zueinander passenden Gebäuden umrahmt.

Advertisements

Gruß aus Potsdam an die neue Frankfurter Altstadt

Gepostet am Aktualisiert am

In meiner Geburtsstadt Frankfurt am Main ist die historische Altstadt neu entstanden. Die Einweihung wird nächste Woche mit einem bombastischen Fest gefeiert werden.

Sie war im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört worden.

Frankfurt wurde das wirtschaftliche Zentrum der Bundesrepublik und ist es bis heute geblieben. Wenn eine Stadt Mainhattan genannt wird, dürfte klar sein, woran sie sich orientiert. In die Altstadt wurde ein Technisches Rathaus gebaut, ein Klotz, der mit der Fachhochschule in Potsdam vergleichbar ist. Allerdings fand ich ihn architektonisch etwas interessanter. Aber das Gebäude passte an seinen Ort wie die Faust aufs Auge. Zum Glück wurden die beiden Gebäude in Potsdam und in Frankfurt inzwischen abgerissen.

Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, war der Wiederaufbau der Frankfurter Altstadt – als Mix aus originalgetreuen und modernen Häusern – nicht unumstritten. Kunsthistoriker und Architekten waren wenig begeistert, dass Altes wieder auferstehen sollte. Die FAZ wetterte, genauso wie sie es in Potsdam tat. Sie gab dankbar wieder, was ein Architekturprofessor herausgefunden hat: Ähnlich wie bei der Potsdamer Garnisonkirche soll es ein Nationalsozialist gewesen sein, der die Initiative ergriffen hatte.

Wobei bemerkenswert ist: Wie wenig Ahnung die antifaschistischen Eiferer haben: Hitler wäre an ihrer Seite gewesen. Er mochte keine mittelalterlichen oder frühneuzeitlichen Altstädte. Ebenso wenig wie die Fraktur-Schrift, die er verbot. Auch das zeigt die Dummheit linker Eiferer, wenn sie die Frakturschrift oder die Wiederherstellung mittelalterlicher Städte mit Nationalsozialismus gleichsetzen. Dass der Nationalsozialismus jenseits von Blut und Boden-Ideologie sehr modern war, ist wenig bekannt. Die Nationalsozialisten verstanden ihre Herrschaft als Revolution. Sie waren technikaffin, Hitler führte einen Wahlkampf mit dem Flugzeug als Transportmittel. Die Waffen-SS war eine Armee ohne preußische Standesdünkel. (Ob das ihre späteren Verbrechen erleichtert hat?) Da konnten Bürgerliche Karriere machen. Die Reiseorganisation „Kraft durch Freude“ sollte auch Kleinverdienern einen Urlaub ermöglichen. (Auch wenn dann, wie in der DDR, doch nur die Bonzen an die Schiffsreisen in die Karibik kamen.)

Anders als in Potsdam wurde die städtebauliche Diskussion in Frankfurt nicht von  Linksextremisten und mit ihnen sympathisierenden Journalisten dominiert. Was verwunderlich ist, denn bei der EZB-Einweihung legte Blockupy die Stadt lahm, bei der Bebauung des Westends mit Hochhäusern gab es Krawalle, der spätere Außenminister Joschka Fischer mischte mit seiner „Putztruppe“ mit, beim Bau der Startbahn West wurden sogar Polizisten erschossen.

Zurzeit wird ein drittes Flughafenterminal gebaut (anders als in Berlin ohne Steuergelder), neue Hochhäuser gibt es viele. Manche sind äußerst sehenswert und könnten auch in Shanghai oder London stehen.

Nun hat Mainhattan auch noch eine reizvolle Altstadt, die begeistert. Für Linke gibt es nur ein Entweder-Oder: Entweder bist du für das Alte, Du faschistischer Reaktionär oder Du liebst die bunte, offene, grenzenlose, gendergerechte, vegetarisch-vegane Multikulti-Gesellschaft.

Neues von der Potsdamer Mitte

Sozialistischer Städtebau

Gepostet am Aktualisiert am

Stalinallee Spielzeug

Bürger Potsdams, sowohl Alteingesessene als auch Neubürger, werden von ostalgischen Linksextremisten und überheblichen FAZ-Journalisten als Dumpfbacken denunziert, weil sie DDR-Baukultur nicht zu würdigen verstehen.

Was es mit sozialistischem Städtebau, den die o.a. Extremisten so toll finden, auf sich hat, darüber informiert ein immer noch aktueller Beitrag von 2012.

Ein, wegen sehr geringer Auflage prohibitiv teures Buch informiert mit Text und Fotos. Einen Einblick gibt Spiegel-Schatzkiste einestages. Zum Thema auch erwähnenswert: Roman Bezjak/Hatje Cantz Verlag Socialist Modernism – Archäologie einer Zeit; ebenfalls nicht gerade billig.

Der Spiegel hat immer wieder lesenswerte Stücke. Es ist schade, dass die Politikredaktion so abgrundtief schlecht geworden ist.

Die Schönheit der Stadt

Gepostet am Aktualisiert am

FH_Klotz maz-webcam.jpg

Klotz der Fachhochschule Potsdam, errichtet als Ersatz für zwei im Krieg teilweise zerstörte Altstadtquartiere. Gilt als DDR-Unikat; Bild: maz-webcam

 

Vor einiger Zeit machte ich meinem Unverständnis Luft, weil Kunsthistoriker und FAZ-Journalisten uns, dem einfachen Potsdamer Bürger, weismachen wollen, wie eine Stadt auszusehen hat. „Sie gönnen uns nicht, in einer schönen Stadt zu leben“, schrieb ich damals.

Jetzt höre ich davon, dass in amtlichen Papieren der mittelalterlichen Stadt Siena von der Schönheit der Stadt gesprochen wurde. Schönheit war in Siena eine Kategorie des Städtebaus, die ernst genommen werden musste:

siena

 

Aus: Michael Stolleis/Ruth Wolf (Hrsg), La bellezza della città: Stadtrecht und Stadtgestaltung im Italien des Mittelalters und der Renaissance, p 17. (Schönheit hat ihren Preis. Das Buch kostet 109,95 €)

Der Potsdamer Verein „Mitteschön“, der sich für eine Wiederherstellung der Potsdamer Mitte einsetzt, trägt seinen Namen zu Recht.

Beruhigt sehe ich, dass auch Fachleute, „Architekten und Stadtplanerinnen“ diskutieren, was unter Schönheit der Stadt zu verstehen wäre; Jedenfalls ein äußerst komplexes Thema mit vielen Facetten. Die Ausgabe 24/2017 der Planungsrundschau hat des Thema „Die schöne Stadt“. Die Einführung ist so erschöpfend umfassend, dass ich nicht mehr durch die zahlreichen Beiträge mit ihren interessanten Titeln blättern mag.

Ich lasse mich ablenken und achte im Einführungstext mit wachsender Begeisterung auf die genderistischen Einsprengsel. Zwar sagen die Autorin/der Autor, dass das generische Maskulinum bei ihnen für alle Geschlechter stehe. Dann aber tauchen hin und wieder die ausgewogen klingenden „Architekten und Stadtplanerinnen“ oder „Investoren und Developerinnen“ auf. Nur die Bauherren bleiben konsequent männlich. Stadtproduzenten, was immer das auch sein mag, sind ebenfalls nur männlich. Fünf Zeilen später tauchen aber „Akteurinnen der Stadtproduktion“ auf, was im Vergleich zu Stadtproduzent weniger gewichtig klingt. Inkonsequent ist es, von „Akteurskonstellation“ zu schreiben. Müsste es im Kontext dieses sprachlich elaborierten Textes nicht Akteur*Innenkonstellation heißen?

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

Gepostet am Aktualisiert am

Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den linken Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar. Trüby weiß wenig vom Nationalsozialismus. Hitler war von den engen, dunklen, schmutzigen Gassen mittelalterlicher Städte keineswegs fasziniert. Es ist der beliebte Irrtum der Marxisten, dass die deutsche Geschichte ein geradliniger Weg vom Feudalismus über den Absolutismus und Kapitalismus zum Nationalsoszialismus wäre.

Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Eiche! Sonst fackelt die Antifa unter Berufung auf Prof. Trüby euer Häuschen ab.

Neues von der neuen Potsdamer Mitte

Gepostet am Aktualisiert am

Der Abriss der ehemaligen Fachhochschule macht Fortschritte. Ein letzter Blick darauf, wie der Bau die Nikolaikirche verdeckte:

Potsdam_FH_Abriss

Der Klotz der Stadt- und Landesbibliothek (s. u.) wurde nicht abgerissen, sondern renoviert. Die Wohn- und Geschäftshäuser, die auf dem FH-Areal (wieder) errichtet werden, wird dieser Klotz überragen. Das ist auf dem linken Plakat an der Außenwand zu erkennen (im roten Kreis; größeres Foto durch Anklicken!).

SLB Potsdam

 

Die Neubauten an der Alten Fahrt:

Potsdam_Alte_Fahrt

Das Palais Barberini von der Flußseite

Palais_Barberini

Seit 30 Jahren wird die Rettung der historischen Potsdamer Altstadt von Parlamentsbeschlüssen begleitet. Für Linksalternative und die FAZ führt das zur Spaltung der Stadt

Gepostet am Aktualisiert am

Stadtverordnetenbeschluss Potsdam

Dies ist der erste Städtebau-Beschluss der frei gewählten Potsdamer Stadtverordnetenversammlung von 1990. Es folgen bis heute elf weitere und ein Landtagsbeschluss. Sie waren jeweils Ergebnis von Entwürfen, Gutachten, Beratungen und öffentlichen Diskussionen.

Schon vor dem Untergang der DDR gab es erste Überlegungen zur Wiederherstellung der historischen Stadtmitte.

Es ist bezeichnend, dass dieser parlamentarische Prozess aus fast 30 Jahren einigen Kunsthistorikern, Journalisten und den Potsdamer Linksextremisten völlig gleichgültig ist. (Siehe dazu frühere Blogbeiträge!)

Missglückte FAZ-Ferndiagnose

Gepostet am Aktualisiert am

garnisonkirche_in_potsdam-zeno-org-contumax-gmbh-co-kg-im-maerkischen-museum-berlinZum Städtebau Potsdams hatten sich unlängst schon die FAZ-Mitarbeiter Niklas Maak und Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41) kritisch geäußert. Jetzt setzt Kunsthistoriker und FAZ-Mitarbeiter Dr. Arnold Bartetzky den Verriss fort.

Dr. Bartetzky übernimmt das von Dr. Goebbels inszenierte Narrativ, dass die Garnisonkirche für die Versöhnung von Adel und Nazis stünde. Er verlässt sich auf das „sorgfältig recherchierte Buch“ des Journalistenkollegen und Garnisonkirchengegners Matthias Grünzig. Der trägt seit Jahren seine These vor, dass die evangelische Kirche in der DDR den Wiederaufbau nicht wollte. Dem wurde von Kirchenrepräsentanten widersprochen. Erst kürzlich setzte sich der Potsdamer Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow kritisch mit Grünzig auseinander.

Bartetzky stört sich am „martialischen“ Schmuck des Garnisonkirchenturms. Was ihn nicht stört, ist das Mosaikband um das Rechenzentrum, das die SED teilweise auf das Kirchengelände baute. Das zeigt sowjetische Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Radarstellungen.

mosaik1
Kunst am Bau: Sowjetische Jagdbomber

Es gelingt ihm sogar, in dem Artikel eine Kritik der westdeutschen Zerstörungen von denkmalgeschützten Gebäuden unterzubringen. Dass die SED ganze Straßenzüge abriss, in einer Länge von mehr als fünf Kilometern, bleibt dagegen unerwähnt. „Brachial“ ist für ihn der heutige Potsdamer Stadtumbau. So werde u. a. die Fachhochschule, ein „zartgliedriger“ Bau der DDR-Moderne, abgerissen.

Die Chuzpe, mit der Dr. Bartetzky die SED-Abrissorgie unerwähnt lässt und von heutigem brachialem Abriss heute spricht, ist erstaunlich. Er moniert, dass für den Schlossnachbau eine mehrspurige Straße verlegt werden musste. Was er anscheinend nicht weiß, ist, dass die SED-Stadtplaner über das Schlossgrundstück bewusst eine Fernverkehrsstraße legten. Er bedauert, dass der „schon vollendete“ Rohbau eines Stadttheaters auf dem Schlossplatz dem „brachialen“ Stadtumbau der Nachwendezeit zum Opfer fiel. Was Dr. Bartetzky unerwähnt lässt: Die Planung des Neubaus des Schauspielhauses als Schlossersatz begann 1947. Und 1989 war es erst ein Rohbau. (Sogar der Flughafen BER dürfte schneller fertigwerden.)

Der monströse, „zartgliedrige“ FH-Bau begrub zwei Stadtquartiere unter sich! Rauten, mit denen an einigen Stellen die Fassade verdeckt worden war, sah man in den 60ern an Horten-Kaufhäusern in Westdeutschland. Jetzt gelten sie als erhaltenswerte DDR-Baukunst.

Auch die stadtsoziologischen Erkenntnisse Bartetzkys sind fragwürdig: Vor allem junge, gebildete Leute fühlten sich dem DDR-Bauerbe näher als den Barockfassaden, schreibt er. Wer in Potsdam lebt, sieht immer wieder dieselben zwei Dutzend Aktivisten aus den linksalternativen Netzwerken, die Veranstaltungen stören und den Nachrichtenjournalisten Bilder und griffige Parolen liefern. Beim Gottesdienst zum Beginn des Wiederaufbaus schrieen sie „Halt´s Maul, Du Nazischlampe“, als die Pfarrerin das Vaterunser betete.

Update 2.12.17: Erfreulich ist wenigstens, dass die FAZ am 2.12. einen ausgezeichneten Leserbrief der Kunsthistorikerin und Potsdamer Stadtverordneten Saskia Hüneke veröffentlicht, der Dr. Bartetzkys fehlende Kompetenz deutlich werden lässt.

 

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

Gepostet am Aktualisiert am

In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägerallee sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. Das Holländische Viertel blieb ebenfalls dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.

Potsdam: Spielwiese für Kunsthistoriker

Gepostet am Aktualisiert am

Laut PNN (2.9.17, p 16) ist er Experte für DDR-Architektur, der emeritierte Professor Thomas Topfstedt, Professor für sozialistische Gegenwartskunst und Mitglied der Bauakademie der DDR, nach der sog. Wende Professor für Kunstgeschichte des 19. und 20 .Jahrhunderts und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau. Er gehört zu den Kunsthistorikern, die auch 5 nach 12 der DDR-Architektur-Ikone Fachhochschule Potsdam noch eine Chance geben wollen.

Wenn es in den vergangenen 25 Jahren 20 gegenläufige Beschlüsse des Stadtparlaments zur neuen Mitte gegeben hat, nun ja, das könne man so sehen, meint er. Prof. Topfstedt hat nichts gegen das Landtagsschloss und das Palais Barberini. Aber das Monstrum Fachhochschule wäre doch ein spannender Kontrast dazu und sollte stehen bleiben.

Wieder einer, der es uns nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern in einem Museum der kontrastreichen Architekurgeschichte. Wieder einer, dem es völlig egal ist, wer Unterhalt und Renovierung des Monstrums bezahlt, damit wieder Ateliers für Kunstschaffende und Begegnungszentren für die Zivilgesellschaft oder gleich linksautonome Kulturzentren einziehen.

Selbst wohnt der Professor Topfstedt ganz sicher nicht in Leipzig-Grünau in einer Dreizimmerplattenbauwohnung Typ Erfurt. Eher wohl im renovierten Altbau in der angesagten Leipziger Südvorstadt.

Die Potsdamer Linken springen auf den fahrenden Zug und sind jetzt wieder mal gegen den Abriss. Sie fordern das in solchen Fällen übliche: eine Bürgerbefragung.

Siehe auch hier!

Auch der Architekt des benachbarten Landtagsschlosses, Peter Kulka, führt 5 nach 12 das große Wort: Der Gewinner räume immer alles ab, meint er im Hinblick auf die deutsche Einheit, die er demnach als Kolonisierung durch die Westdeutschen begreift, wie eben auch die bauliche Rekonstruktion Potsdams. (Dass er selbst sein Geld mit der Wiedererrichtung von Schlössern verdient, sei ihm verziehen. Von irgendetwas muss auch ein Architekt leben.) Dass anstelle des FH-Monstrums wieder kleinteiliger gebaut und Läden und Wohnungen entstehen sollen, ist für den Stararchitekten „politisch-populistisch“. Auch in die FH hätte man Wohnungen einbauen können. (nach MAZ v. 9.8.17)