Städtebau

Die Schönheit der Stadt

Gepostet am Aktualisiert am

FH_Klotz maz-webcam.jpg

Klotz der Fachhochschule Potsdam, errichtet als Ersatz für zwei im Krieg teilweise zerstörte Altstadtquartiere. Gilt als DDR-Unikat; Bild: maz-webcam

 

Vor einiger Zeit machte ich meinem Unverständnis Luft, weil Kunsthistoriker und FAZ-Journalisten uns, dem einfachen Potsdamer Bürger, weismachen wollen, wie eine Stadt auszusehen hat. „Sie gönnen uns nicht, in einer schönen Stadt zu leben“, schrieb ich damals.

Jetzt höre ich davon, dass in amtlichen Papieren der mittelalterlichen Stadt Siena von der Schönheit der Stadt gesprochen wurde. Schönheit war in Siena eine Kategorie des Städtebaus, die ernst genommen werden musste:

siena

 

Aus: Michael Stolleis/Ruth Wolf (Hrsg), La bellezza della città: Stadtrecht und Stadtgestaltung im Italien des Mittelalters und der Renaissance, p 17. (Schönheit hat ihren Preis. Das Buch kostet 109,95 €)

Der Potsdamer Verein „Mitteschön“, der sich für eine Wiederherstellung der Potsdamer Mitte einsetzt, trägt seinen Namen zu Recht.

Beruhigt sehe ich, dass auch Fachleute, „Architekten und Stadtplanerinnen“ diskutieren, was unter Schönheit der Stadt zu verstehen wäre; Jedenfalls ein äußerst komplexes Thema mit vielen Facetten. Die Ausgabe 24/2017 der Planungsrundschau hat des Thema „Die schöne Stadt“. Die Einführung ist so erschöpfend umfassend, dass ich nicht mehr durch die zahlreichen Beiträge mit ihren interessanten Titeln blättern mag.

Ich lasse mich ablenken und achte im Einführungstext mit wachsender Begeisterung auf die genderistischen Einsprengsel. Zwar sagen die Autorin/der Autor, dass das generische Maskulinum bei ihnen für alle Geschlechter stehe. Dann aber tauchen hin und wieder die ausgewogen klingenden „Architekten und Stadtplanerinnen“ oder „Investoren und Developerinnen“ auf. Nur die Bauherren bleiben konsequent männlich. Stadtproduzenten, was immer das auch sein mag, sind ebenfalls nur männlich. Fünf Zeilen später tauchen aber „Akteurinnen der Stadtproduktion“ auf, was im Vergleich zu Stadtproduzent weniger gewichtig klingt. Inkonsequent ist es, von „Akteurskonstellation“ zu schreiben. Müsste es im Kontext dieses sprachlich elaborierten Textes nicht Akteur*Innenkonstellation heißen?

Advertisements

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

Gepostet am Aktualisiert am

Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar.

Trüby schäumt seit Jahren gegen „Blut-und-Boden-Architektur“. Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Deutsche Eiche! Sonst fackelt die Antifa euer Häuschen ab. Prof. Dr. Stefan Trüby liefert die Adressen.

Neues von der neuen Potsdamer Mitte

Gepostet am Aktualisiert am

Der Abriss der ehemaligen Fachhochschule macht Fortschritte. Ein letzter Blick darauf, wie der Bau die Nikolaikirche verdeckte:

Potsdam_FH_Abriss

Der Klotz der Stadt- und Landesbibliothek wurde nicht abgerissen, sondern renoviert. Die Wohn- und Geschäftshäuser, die auf dem FH-Areal (wieder) errichtet werden, wird der Klotz überragen. Das ist auf dem linken Plakat an der Außenwand zu erkennen (im roten Kreis; größeres Foto durch Anklicken!).

SLB Potsdam

 

Die Neubauten an der Alten Fahrt:

Potsdam_Alte_Fahrt

Das Palais Barberini von der Flußseite

Palais_Barberini

Seit 30 Jahren wird die Rettung der historischen Potsdamer Altstadt von Parlamentsbeschlüssen begleitet. Für Linksalternative und die FAZ führt das zur Spaltung der Stadt

Gepostet am Aktualisiert am

Stadtverordnetenbeschluss Potsdam

Dies ist der erste Städtebau-Beschluss der frei gewählten Potsdamer Stadtverordnetenversammlung von 1990. Es folgen bis heute elf weitere und ein Landtagsbeschluss. Sie waren jeweils Ergebnis von Entwürfen, Gutachten, Beratungen und öffentlichen Diskussionen.

Schon vor dem Untergang der DDR gab es erste Überlegungen zur Wiederherstellung der historischen Stadtmitte.

Es ist bezeichnend, dass dieser parlamentarische Prozess aus fast 30 Jahren einigen Kunsthistorikern, Journalisten und den Potsdamer Linksextremisten völlig gleichgültig ist. (Siehe dazu frühere Blogbeiträge!)

Missglückte FAZ-Ferndiagnose

Gepostet am Aktualisiert am

garnisonkirche_in_potsdam-zeno-org-contumax-gmbh-co-kg-im-maerkischen-museum-berlinZum Städtebau Potsdams hatten sich unlängst schon die FAZ-Mitarbeiter Niklas Maak und Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41) kritisch geäußert. Jetzt setzt Kunsthistoriker und FAZ-Mitarbeiter Dr. Arnold Bartetzky den Verriss fort.

Dr. Bartetzky übernimmt das von Dr. Goebbels inszenierte Narrativ, dass die Garnisonkirche für die Versöhnung von Adel und Nazis stünde. Er verlässt sich auf das „sorgfältig recherchierte Buch“ des Journalistenkollegen und Garnisonkirchengegners Matthias Grünzig. Der trägt seit Jahren seine These vor, dass die evangelische Kirche in der DDR den Wiederaufbau nicht wollte. Dem wurde von Kirchenrepräsentanten widersprochen. Erst kürzlich setzte sich der Potsdamer Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow kritisch mit Grünzig auseinander.

Bartetzky stört sich am „martialischen“ Schmuck des Garnisonkirchenturms. Was ihn nicht stört, ist das Mosaikband um das Rechenzentrum, das die SED teilweise auf das Kirchengelände baute. Das zeigt sowjetische Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Radarstellungen.

mosaik1
Kunst am Bau: Sowjetische Jagdbomber

Es gelingt ihm sogar, in dem Artikel eine Kritik der westdeutschen Zerstörungen von denkmalgeschützten Gebäuden unterzubringen. Dass die SED ganze Straßenzüge abriss, in einer Länge von mehr als fünf Kilometern, bleibt dagegen unerwähnt. „Brachial“ ist für ihn der heutige Potsdamer Stadtumbau. So werde u. a. die Fachhochschule, ein „zartgliedriger“ Bau der DDR-Moderne, abgerissen.

Die Chuzpe, mit der Dr. Bartetzky die SED-Abrissorgie unerwähnt lässt und von heutigem brachialem Abriss heute spricht, ist erstaunlich. Er moniert, dass für den Schlossnachbau eine mehrspurige Straße verlegt werden musste. Was er anscheinend nicht weiß, ist, dass die SED-Stadtplaner über das Schlossgrundstück bewusst eine Fernverkehrsstraße legten. Er bedauert, dass der „schon vollendete“ Rohbau eines Stadttheaters auf dem Schlossplatz dem „brachialen“ Stadtumbau der Nachwendezeit zum Opfer fiel. Was Dr. Bartetzky unerwähnt lässt: Die Planung des Neubaus des Schauspielhauses als Schlossersatz begann 1947. Und 1989 war es erst ein Rohbau. (Sogar der Flughafen BER dürfte schneller fertigwerden.)

Der monströse, „zartgliedrige“ FH-Bau begrub zwei Stadtquartiere unter sich! Rauten, mit denen an einigen Stellen die Fassade verdeckt worden war, sah man in den 60ern an Horten-Kaufhäusern in Westdeutschland. Jetzt gelten sie als erhaltenswerte DDR-Baukunst.

Auch die stadtsoziologischen Erkenntnisse Bartetzkys sind fragwürdig: Vor allem junge, gebildete Leute fühlten sich dem DDR-Bauerbe näher als den Barockfassaden, schreibt er. Wer in Potsdam lebt, sieht immer wieder dieselben zwei Dutzend Aktivisten aus den linksalternativen Netzwerken, die Veranstaltungen stören und den Nachrichtenjournalisten Bilder und griffige Parolen liefern. Beim Gottesdienst zum Beginn des Wiederaufbaus schrieen sie „Halt´s Maul, Du Nazischlampe“, als die Pfarrerin das Vaterunser betete.

Update 2.12.17: Erfreulich ist wenigstens, dass die FAZ am 2.12. einen ausgezeichneten Leserbrief der Kunsthistorikerin und Potsdamer Stadtverordneten Saskia Hüneke veröffentlicht, der Dr. Bartetzkys fehlende Kompetenz deutlich werden lässt.

 

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

Gepostet am Aktualisiert am

In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägerallee sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. Das Holländische Viertel blieb ebenfalls dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.

Potsdam: Spielwiese für Kunsthistoriker

Gepostet am Aktualisiert am

Laut PNN (2.9.17, p 16) ist er Experte für DDR-Architektur, der emeritierte Professor Thomas Topfstedt, Professor für sozialistische Gegenwartskunst und Mitglied der Bauakademie der DDR, nach der sog. Wende Professor für Kunstgeschichte des 19. und 20 .Jahrhunderts und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau. Er gehört zu den Kunsthistorikern, die auch 5 nach 12 der DDR-Architektur-Ikone Fachhochschule Potsdam noch eine Chance geben wollen.

Wenn es in den vergangenen 25 Jahren 20 gegenläufige Beschlüsse des Stadtparlaments zur neuen Mitte gegeben hat, nun ja, das könne man so sehen, meint er. Prof. Topfstedt hat nichts gegen das Landtagsschloss und das Palais Barberini. Aber das Monstrum Fachhochschule wäre doch ein spannender Kontrast dazu und sollte stehen bleiben.

Wieder einer, der es uns nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern in einem Museum der kontrastreichen Architekurgeschichte. Wieder einer, dem es völlig egal ist, wer Unterhalt und Renovierung des Monstrums bezahlt, damit wieder Ateliers für Kunstschaffende und Begegnungszentren für die Zivilgesellschaft oder gleich linksautonome Kulturzentren einziehen.

Selbst wohnt der Professor Topfstedt ganz sicher nicht in Leipzig-Grünau in einer Dreizimmerplattenbauwohnung Typ Erfurt. Eher wohl im renovierten Altbau in der angesagten Leipziger Südvorstadt.

Die Potsdamer Linken springen auf den fahrenden Zug und sind jetzt wieder mal gegen den Abriss. Sie fordern das in solchen Fällen übliche: eine Bürgerbefragung.

Siehe auch hier!

Auch der Architekt des benachbarten Landtagsschlosses, Peter Kulka, führt 5 nach 12 das große Wort: Der Gewinner räume immer alles ab, meint er im Hinblick auf die deutsche Einheit, die er demnach als Kolonisierung durch die Westdeutschen begreift, wie eben auch die bauliche Rekonstruktion Potsdams. (Dass er selbst sein Geld mit der Wiedererrichtung von Schlössern verdient, sei ihm verziehen. Von irgendetwas muss auch ein Architekt leben.) Dass anstelle des FH-Monstrums wieder kleinteiliger gebaut und Läden und Wohnungen entstehen sollen, ist für den Stararchitekten „politisch-populistisch“. Auch in die FH hätte man Wohnungen einbauen können. (nach MAZ v. 9.8.17)

Aus dem Baukasten der Städtebaukritik: Besänftigungslandschaft

Gepostet am Aktualisiert am

Gegen die Wiedergewinnung eines harmonisch gestalteten (Innen-)Stadtraumes in Potsdam wird eingewandt, dass Bauwerke der DDR-Moderne abgerissen und „diskursiv delegitimiert“ würden.

Die linke Potsdamer Szene, die erbittert und mit immer neuen Kampagnen gegen den Abriss von DDR-Bauten kämpft, kann sich sicher sein, dass sie von Journalisten und Kunsthistorikern diskursiv begleitet wird. Das war schon mehrfach Thema dieses Blogs.

In diesen Tagen, in denen der Abriss der angeblichen Architekturikone Fachhochschule endlich beginnt, ist das wieder zu beobachten.

Da schert man sich nicht darum, dass das erste frei gewählte Potsdamer Stadtparlament nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 eine „behutsame Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ beschlossen hatte. Dieser Beschluss wurde in den folgenden 20 Jahren in breit diskutierten Planungen schrittweise umgesetzt. Potsdamer Linksextreme scheren sich nicht um Parlamentsbeschlüsse und glauben, mit immer neuen Unterschriftensammlungen und Volksbefragungen den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Bemerkenswert ist, dass ich in der Regionalzeitung immer nur von umstrittenen Vorhaben lese, wenn es um Abriss sozialistischer oder Restaurierung „vorsozialistischer“ Bauten geht. Die Kampagnen zur Rettung sozialistischer Bauten werden nie umstritten genannt.

Ich kann gut verstehen, dass nicht nur aus Berlin(W) und Westdeutschland zugezogene Bürger, sondern auch Ostdeutsche nicht auf Schritt und Tritt an die SED-Diktatur erinnert werden wollen. Millionen Geflüchtete, tausend an den Grenzen Erschossene, unterdrückte Meinungsfreiheit, gefälschte Wahlen können nicht von Schmuckstücken der Ostmoderne vergessen gemacht werden.

Passend dazu gab der „Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität“ im Juni ein Buch heraus: „Gebaute Geschichte. Historische Authenzität im Stadtraum“. Es geht dem weltweiten Bedürfnis nach Authentizität im Städtebau nach, u. a. auf der Arabischen Halbinsel und im Ruhrgebiet.

Potsdam darf nicht fehlen. Die im Potsdamer Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung (ZZF) arbeitende Historikerin Kathrin Zöller greift darin auf ihre 2014 abgeschlossene Dissertation über das zumindest äußerlich wieder erstandene Stadtschloss zurück.

Wenn ich die Besprechung von Jan Kixmüller in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), einem Kopfblatt es Berliner Tagesspiegels, lese (23.8.17, p21), fällt mir auf, dass Dr. Kathrin Müller alle möglichen linken Narrative nutzt.

Sie erkennt in der Restauration des Stadtschlosses eine geschichtspolitisch intendierte symbolische Restitution glorreicher vorsozialistischer Vergangenheit. Mit dem Bau des Landtagsschlosses sei die Hoffnung auf einen Stimmungsumschwung im Land Brandenburg verbunden gewesen(?), auf eine positive Brandenburger Identität und Stolz auf das Eigene.

Aber es kommt noch dicker. Der Weltgeist steckt dahinter. Die Verunsicherung der Menschen durch „Globalisierung und Mobilitätsdruck und Auflösung bekannter Orientierungsmuster“ führe zur Schaffung einer städtischen „Besänftigungslandschaft“, schreibt die Wissenschaftlerin.

Die utopische Besänftigungslandschaft werde künstlich erzeugt und lasse sich gut ökonomisch verwerten, für den Tourismus nämlich. Mit dem neuen Stadtschloss wäre „Geschichte als plastische Verfügungsmasse geformt“ worden.

Es wäre eine ahistorische, selektive und instrumentelle Geschichtsaneignung zu zukunftsorientierten Zwecken betrieben worden. (Achtung: obwohl es so klingt, ist das keine Analyse der Geschichtsnarration des SED-Zentralkomitees!)

 

Nachtrag zum Begriff „Besänftigungslandschaft“: Der Volkskundler/Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger benannte so die Sehnsucht des Biedermeier-Zeitalters nach einer schönen Heimat als Gegenwelt zum Obrigkeitsstaat, in dem die Bürger zur Unmündigkeit verurteilt waren.

Dies scheint ziemlich der einzige nicht-linke Begriff zu sein, den Dr. Zöller zur Beschreibung der Potsdamer städtebaulichen Entwicklung benutzt.

Allerdings war der Begriff in der frühen Nachkriegszeit verpönt. Die romantische Verklärung von Heimat wurde damals als Vorstufe zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis gesehen. In der Wissenschaft wird er inzwischen unbefangen verwendet. Man erkennt ein Grundbedürfnis nach Heimat und sprachlich-kultureller Gemeinschaft

Wenn da mal nicht durch die Masseneinwanderung arabischer Geflüchteter etwas ins Rutschen geraten ist.

 

 

Moderner Städtebau in Potsdam: das Schwimmbad „blue“

Gepostet am Aktualisiert am

Meist geht es anders herum: Nicht nur die Linken kritisieren die städtebauliche Entwicklung in Potsdam als „Barockfaschismus“. Auch Architekten melden sich zu Wort und beklagen, dass zu viel restauriert und zu wenig zeitgenössisch gebaut würde.

Wenn das Aussehen Potsdams mit seinen Schlössern und Villen im klassizistischen, neo-klassizistischen, barocken oder Rokokostil Faschismus sein soll, kann Faschismus so schlimm nicht sein.

Nun hatten Architekten Gelegenheit, modern zu bauen: das Groß-Schwimmbad „blue“ am Hauptbahnhof. Schon in der Bauzeit war es zu erahnen. Der Bau schottet sich nach außen ab. Er wirkt wuchtiger als der benachbarte Bahnhof, der jahrelang dafür kritisiert wurde.Man könnte ihn auch für das Bahnhofs-Parkhaus halten.

(Reden wir jetzt nicht über die Bau- und Unterhaltskosten für ein Bad an dieser Stelle. Die Stadtverwaltung hatte gescheitere Standort- und Finanzierungspläne. Die direkte Demokratie brockte der Stadt für die Zukunft sehr viel höhere Kosten ein und weniger Gegenfinanzierung durch eigentlich geplante Grundstücksverkäufe.)

Jetzt ist es ausgerechnet ein Architekt, der den modernen Bau vom Büro Gerkhan, Merk und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin) als langweiliges Gebäude kritisiert.

Während die Linksextremisten ihrem Hobby frönen und unaufhörlich auf den Barockfaschismus schimpfen, wird die Stadt in außerhalb der Innenstadt durch moderne Gebäude oder Siedlungen verschandelt

 

Das Kino International in Berlin

Gepostet am Aktualisiert am

Es gibt sie, die Beispiele der architektonischen Ostmoderne. Z. B. das Kino International in Berlin, eröffnet 1963 in der 1961 von Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannten Straße in der Nähe des Alexanderplatzes.

Kino International Berlin
Foto: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe

In Monumente, der schönen Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, steht mehr darüber. (Schöne Fotos!)

Nachtrag 10.9.17: Ich geriet zufällig in eine Führung durch das Kino. An dieser Stelle der Stalinallee war ein Kulturzentrum geplant worden: Es gab hinter dem Kino ein Hotel, gegenüber das Café Moskau. Das Kino enthielt eine öffentliche Bibliothek und den Oktober-Jugendclub. ein Relief an den Seitenwänden und der Rückwand zeigt „Menschen im Sozialismus“.

Nicht zuletzt waren in dem Gebäude die Repräsentationsbedürfnisse des Politbüros realisiert worden: Es gab einen getrennten Empfangsraum für die Kader. Er hat mit der biederen 60er Jahre Gestaltung die Anmutung eines Partykellers in einer westdeutschen Reihenhaussiedlung. Allerdings hatte die Elite ihren eigenen Aufzug und im aufwändig gestalteten Kinosaal eine eigene Sitzreihe, die Nr. 8. Der Fußabstand war größer. Ein Gerücht besagt, das sei nötig gewesen, damit vor der Vorstellung die Sitzreihe leichter nach Sprengstoff abgesucht werden konnte.

Die Technik des Hauses war aufwändig. Der sachkundige Guide erzählte, dass der Erwerber 1990, eine westdeutsche Kinokette, entsetzt war über den Wasserverbrauch und die Stromkosten der Klimaanlage. Die Umwälzung der Luft im Kinosaal verursachte starke Geräusche, so dass nur zwischen zwei Vorstellungen die Luft ausgetauscht werden konnte. Es wurden neueste Projektoren eingestzt, so dass auch 70mm-Filme gezeigt werden konnten