SED

Was wurde aus der SED? Eine mdr-Dokumentation

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In dieser Woche erstmals gezeigt. Steht danach vier Wochen in der ARD-Mediathek.

Man kann aber auch bei Youtube gucken.

Sehr sehenswert!

Die Dokumentation erinnert an die ersten fünf Jahre nach der Wende: Wie es den Protagonisten Dr. Gysi, Dr. Bartsch, Prof. Dr. Bisky und anderen gelang, die Partei, die 40 Jahr lang Staaatspartei war, als Opposition, als Vertretung der Benachteiligten und Wendeverlierer zu verkaufen. Wie ihnen gelang, das Vermögen der Partei zu retten und wie sie es schafften, die Schuld von der allmäc htigen SED auf das nachgeordnete MfS zu verschieben.

Jagd und Macht

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So heißt eine sehr gelungene Ausstellung im Jagdschloss Groß-Schönebeck in der Schorfheide.

Biosphärenreservat_Schorfheide_-_Chorin.U.Feser.jpgWer sich für Jagd interessiert, schaut weniger auf Geschichte, auf Politik und auf Macht. Wer sich für letzteres interessiert, fragt sich, was das mit Jagd zu tun haben soll. Die Ausstellung macht es deutlich: Kaiser, Weimarer Reichskanzler, Nazigrößen, Sowjets und SED-Bonzen nutzten die Schorfheide als Jagdrevier der Mächtigen. Die Jagd wurde als Gelegenheit für Repräsentation genutzt, für Staatsbesuche, aber auch als Möglichkeit für Geheimgespräche.

Über die gemeinsame Liebe zur Jagd fanden manche Gesprächspartner leichter zusammen. Nichtjäger wie Hitler und Ulbricht hatten es schwer, neben Jagdfan Honecker oder Reichsjägermeister Göring zu bestehen.

Erstaunlich, dass die sozialdemokratischen Kanzler der Weimarer Republik und der Reichspräsident Ebert die Tradition aus dem Kaiserreich fortsetzten. Allerdings ließen die im Amt gebliebenen kaiserlichen Forstbeamten sie spüren, dass sie ungeliebte Emporkömmlinge waren. Da halfen auch fortschrittliche Jagd- und Naturschutzgesetze nicht.

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Eingang zu Carinhall

Göring baute seinen Jagdsitz Carinhall zu einem pompösen Schloss aus, in das er in ganz Europa, insbesondere den Juden geraubte Kunstschätze bringen ließ. Wäre der 8. Mai nicht dazwischengekommen, hätte er bis 1953 weiter gebaut. Das sahen die Umbaupläne vor.

Egal, wer regierte, aus dem nahen Berlin wurden tonnenweise Luxusgüter herangeschafft, denn neben dem Schießen war das Dinieren respektive Fressen und Saufen die Hauptsache.

Gänzlich aus dem Ruder lief das Jagdgeschehen erst nach 1945, als die Sowjets und dann die deutschen Kommunisten die Macht innehatten. Die Generäle gingen auf die Pirsch, die Sowjetarmee ließ in großem Umfang Holz einschlagen, sowjetische Soldaten wilderten (und ließen die einheimische Bevölkerung an der Beute teilhaben, wenn die mitgeholfen hatte). Honecker wurde 1951 angezeigt, weil er mit Scheinwerfern  Wild gejagt hatte. Das wurde nicht weiter verfolgt. Er schoss auch weibliches Rotwild, was die Förster nicht so gerne sahen.

Unter der SED-Herrschaft vervierfachte sich der Wildbestand. Er war schon immer, zum Leidwesen der Forstverwaltungen, höher als vertretbar gewesen, um auch ungeübten Schützen das Trophäensammeln leicht zu machen. Die Jagdmethoden wurden vereinfacht: Die Förster mussten Tage vor Jagdbeginn die Tiere an günstig gelegene Futterstellen bringen, an denen sie von den Jagdgenossen mühelos abgeknallt werden konnten.

Die SED-Propaganda verkündete: „Die Jagd gehört dem Volk“, die Führung machte auch entsprechende Gesetze. In der Realität wurden aber immer mehr Gebiete der Schorfheide zu Sperrgebieten für die SED-Bonzen. Honecker, Mittag und Sindermann bekamen überdies eigene Reviere. Honecker hatte englische Land-Rover und Mecedes-Benz als Jagdfahrzeuge. Für nächtliche Einsätze lagen im Wagen lichtstarke japanische Batteriescheinwerfer. Honecker, die Security und die Jadgehilfen waren durch – seinerzeit – voluminöse japanische Funksprechgeräte verbunden.

 

Die Ausstellungstafeln sind knapp und präzise. Die Dokumentation der Ausstellung ist in der hausinternen Mediathek zu sehen. Sie soll demnächst, so sagen die hilfsbereiten Damen im Informationszentrum, ins Internet gestellt werden.

Auch ein Buch „Jagd und Macht. Die Geschichte des Jagdreviers Schorfheide“ von Burghard Ciesl und Helmut Suter gibt es. Dem reich bebilderten Buch gelingt es über die schon beeindruckende Ausstellung hinaus, die Geschichte der Haupt- und Staatsaktionen mit der Schorfheide und der Jagd zu verbinden. Diplomaten aus aller Welt schätzten die Bankette und Kamingespräche in Görings Carinhall. Hier hat Ulbricht den Mauerbau gestartet, hier haben sich Breschnew und Honecker beim Jagen angefreundet. Ersterer half ihm, Ulbricht abzusägen. Hier, in Groß-Dölln, war der größte sowjetische Militärflughafen außerhalb der UdSSR. Hier waren zeitweise Atomraketen stationiert.

Es gibt noch ein Schmankerl: Eine kleine Ausstellung über den Boxweltmeister und leidenschaftlichen Jäger Max Schmeling.

Das MfS ein frühes Amazon?

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Kürzlich lief eine TV-Dokumentation über die Insel Rügen. Gezeigt wurde auch die im Süden vorgelagerte kleine Insel Vilm. Sie ist heute Vogelschutzgebiet. In der DDR wurde sie für Normalbürger gesperrt und verschwand aus den Landkarten. Dort ließ sich die SED-Prominenz nämlich Ferienhäuser bauen. In der TV-Dokumentation wurde das erwähnt und auch das Innere einer Wohnung gezeigt, die heute Büro von Tierschützern ist. „Wie man sieht“, so der TV-Kommentar, „keine goldenen Wasserhähne.“ Das war schon wahr. Was die Fernsehschaffenden aber nicht sagten: Das ganze Fertighaus, die gesamte Einrichtung, die Badezimmerarmaturen, der Kühlschrank, der seinerzeit supermoderne Herd: Alles war aus dem Westen und alles war vom Feinsten und Neuesten.

Bei der Siedlung Wandlitz, in die sich die Politbüro-Bonzen nach dem 17. Juni 1953 zurückzogen, war es ähnlich. Das MfS versorgte die Bewohner/-innen mit allem Erdenklichen, vorzugsweise aus dem Westen.

Nachdem in der Zeit der Friedlichen Revolution aus dem Wandlitz-Supermarkt die Luxuswaren verschwunden waren, durfte ein Kamerateam den verbliebenen, bescheidenen Wohlstand in der Siedlung abfilmen und so die Bevölkerung über das Leben der ehemaligen Elite „informieren“. Damals entstand der Mythos vom kleinbürgerlichen Wohlstand der kommunistischen Elite. Er hält sich bis heute.

Man hätte es anders wissen können, wenn man die Protokolle der Enquetekommission zur Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur gelesen hätte. Nun liegt ein Buch zu einer Ausstellung in Wandlitz vor. Das gibt einen Einblick in die Versorgung der Nomenklatura durch das MfS, den Stasi-Oberst und Stasi-Doktor Schalck-Golodkowski. Sein Etat dafür lag zuletzt bei 8,6 Mio DM.

In einem Artikel in der Welt wird das MfS als eine Art Amazon für die Kader bezeichnet. Das mag weitestgehend zutreffen. Nur in einem Punkt nicht: Bei Amazon muss der Kunde zahlen.

Jürgen Danyel, Elke Kimmel: Waldsiedlung Wandlitz. Eine Landschaft der Macht„. Christoph Links Verlag, 2016

Vor 70 Jahren: Zwangsvereinigung KPD-SED

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Quelle: Wikipedia

Am 21./22. April 1946 wurde im Admiralspalast in Berlin-Mitte die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) aus der Taufe gehoben.

In Ostdeutschland erinnern zahlreiche Straßennamen daran: „Straße der Einheit“. In Potsdam sogar ein großer Innenstadtplatz: „Platz der Einheit“. (Dass Touristen bei diesem Wort an etwas anderes denken, ist nicht von Nachteil.)

Im Programm der Linkspartei, im Kapitel „Woher wir kommen, wer wir sind“, steht: „Die große Mehrheit der Mitglieder von KPD und SPD waren für diesen notwendigen Zusammenschluss.“

Bei einer Urabstimmung unter den SPD-Mitgliedern votierten im Westteil Berlins 82 Prozent dagegen. Im Ostteil waren die Wahllokale von der sowjetischen Kommandantur geschlossen worden.

Sozialdemokraten wurden bedroht, verhaftet, nach Moskau verschleppt und ermordet. Einige Jahre später gab es mehr ehemalige NSDAP-Mitglieder in der SED als ehemalige Sozialdemokraten.

Die Berliner Zeitung zum Thema

Die im Zeitungstext angesprochene Pressemitteilung der Sozialisten gibt es. Eine Entschuldigung bei den Opfern konnte ich nicht finden.

Es ist wie immer bei Kommunisten: Die Entscheidung war notwendig. Wir sind die Guten. Der Weg zum Kommunismus ist steinig. Kollateralschäden kommen vor. Oder wie marxistische Intellektuelle in der Vorlesung oder beim Glas Rotwein am Kamin zu sagen pflegen: „Die Vernunft hatte Fieber.“

Nachtrag 25.4.2017: Friedrich-Wilhelm Schlomann, Jurist und Publizist, ehemals Mitglied des Bundes Freiheitlicher Juristen und der Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit, meldet Bedenken gegen die These von der Zwangsvereinigung an. In einer Rezension zu einem Tagungsband über die Vereinigung von KPD mit der SPD schreibt er, dass die Zahl von 82% Gegenstimmen bei der West-Berliner Urabstimmung der SPD-Mitglieder ein falsches Bild ergäbe. Dabei wäre es um eine sofortige Vereinigung gegangen. Grundsätzliche Bedenken gegen ein späteres Bündnis mit den Kommunisten wären erheblich geringer gewesen. Nur 23,4% der SPD-Mitglieder in West-Berlin lehnten jegliches Bündnis ab. Terror gegen Sozialdemokraten und Verhaftungen hätte es in der Hauptsache erst nach der Vereinigung gegeben.

Er nennt Wolfgang Leonhardt als Zeugen. Der habe echte Begeisterung unter den Delegierten des Vereinigungsparteitages wahrgenommen. (Bei den SPD- oder den KPD-Mitgliedern?). Schlomann selbst hat auf dem Vereinigungsparteitag in Mecklenburg-Vorpommern nur „begeisterte, fanatisch-optimistische Gesichter“ gesehen. Über 200.000 Westzonen-Sozialdemokraten wären bereit gewesen, in die neue SED einzutreten. allerdings zitiert er Leonhard unvollständig. Der erwähnt durchaus die Repressalien gegen Sozialdemokraten, die schon 1945 begonnen hätten.

Friedrich-Wilhelm Schlomann, Wirklich zwangsvereinigt?, in: der stacheldraht, Mitteilungsblatt der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft e. V., 3/2017, p 18.

Stephan Hilsberg, Mitgründer SDP, der Sozialdemokratischen Partei der DDR, im Oktober 1989 erinnert sich an das Foto vom Händedruck Grotewohls und Ulbrichts im Admiralspalast 1946. Sein Vortrag auf der o.a. Tagung hier.

Die Einheit von Partei und Staat gilt auch heute

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Für die SED galt die Parole von der Einheit von Partei und Staat. Das Modell der parlamentarischen Demokratie mit konkurrierenden Parteien, die die Chance haben, durch Wahlen zeitlich begrenzt regieren zu dürfen, ist für Kommunisten eine Art Geisteskrankheit. Den Rest des Beitrags lesen »

Bei aller Freude über 25 Jahre Mauerfall: Wo sind eigentlich die SED-Milliarden geblieben?

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Marco Martin fragt in der Welt und in einem Buch, wo die SED-Milliarden und die SED-Kader geblieben sind. Er nennt einige erstaunliche Karrieren.

Man muss genau hinhören

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… wofür sich Dr. Gysi entschuldigt.

Er behauptet, die Partei hätte sich schon 1989 beim Volk entschuldigt „für Unrecht und Leid“ entschuldigt. Der Journalist, dem er diese Lüge wieder einmal auftischte, hat in den Protokollen des SED-Parteitages vom Dezember 1989 nachgeschaut. Da heißt es: „… aufrichtig dafür zu entschuldigen, dass die ehemalige Führung der SED unser Land in diese existenzgefährdende Krise geführt hat.“

Verdanken wir die „Wende“ einem Reformstau in der SED?

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„Die gestaute Republik. Missglückter Generationswechsel und Reformstau als Voraussetzungen der Friedlichen Revolution“. So heißt ein Essay des Journalisten Christian Booß, ehemaliger BStU-Pressesprecher und derzeitige Projektkoordinator in der Forschungsabteilung.

Die Bundeszentrale für politische Bildung schreibt dazu: „Das Gelingen der Friedlichen Revolution ist nicht allein dem mutigen Engagement der oppositionellen Gruppen in der DDR zu verdanken. Ermöglicht wurde es vor allem auch durch das Zögern und Zurückweichen der SED, wie Christian Booß in seinem Essay darlegt.“

Die Erinnerung an Männer und Frauen, die den politischen Umbruch 1989 angestoßen haben, hält Christian Booß zwar aus geschichtspädagogischen Gründen für richtig. Als dominante Ursache für das Gelingen der Friedlichen Revolution griffe der Blick auf die Bürgerrechtsbewegung aber zu kurz. Das Protestpotenzial sei doch überschaubar gewesen. Die SED sei auf 175.000 Verhaftungen vorbereitet gewesen. „Rein numerisch hätte das durchaus ´ausgereicht`, um die Volksbewegung zu unterdrücken.“  Die Protestbewegung sei immer dann stärker geworden, wenn die SED Schwächen gezeigt hätte. (Ausnahme Leipzig, wo der Protest schon anfänglich groß war.) Ist das so erstaunlich, dass eine Protestbewegung vorwärtsdrängt, wenn die Staatsmacht zurückweicht? Gorbatschows Perestroika lässt grüßen. Gleichwohl sei der Staat aber auch nicht implodiert. Es läge auf der Hand, dass gerade die Agonie der Staatspartei, ihr Zögern und widersprüchliches Handeln, eine der wichtigsten Grundvoraussetzungen für den Erfolg der Revolution war. Das erscheint mir etwas irrlichternd zu sein.

Dann kommt die Hauptthese: Den Rest des Beitrags lesen »

Dr. Gysi ließ die SED-Mitgliederkartei vernichten

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Die PDS behauptet von sich, sich brutalstmöglichst mit der DDR auseinandergesetzt zu haben und einen Neuanfang gewagt zu haben. Dazu gehörte anscheinend auch die unter Gregor Gysi vollzogene, bis heute beschwiegene Vernichtung der SED-Kaderakten im Jahr 1990, im Keller des Hauses der Parlamentarier. So ließ sich unbelastet anfangen.

45 Jahre zuvor hatten Funktionäre dasselbe mit der NSDAP-Mitgliederkartei machen wollen. Das wurde von amerikanischen Soldaten vereitelt.