Schule

Neue Fakten aus der Bildungsforschung: Gute Lehrer sorgen für gute Schüler

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In meinem früheren Blog Basedow1764 ging es auch um Bildungspolitik. PISA kam oft vor. Nicht nur meine Skepsis gegenüber den OECD-Bildungsforschern war groß. Die Wissenschaftler selbst wiesen immer darauf hin, dass sie nur einen Zustand messen würden. Erklären könnten sie mit ihren Ergebnissen aber nicht, wie das Gemessene – die Schulleistungen – zustande gekommen wäre. Sie könnten mit ihren Ergebnissen nicht sagen, was richtig oder falsch in Schule und Unterricht wäre.

Letzteres stand aber nur im Kleingedruckten und wurde daher gern überlesen. Aber auch die PISA-Erklärer übersahen es. Allen voran der deutsche PISA-Repräsentant Andreas Schleicher. Für ihn war Deutschland das, was Israel für den UN-Menschenrechtsrat ist: schlimmer als alles andere in der Welt.

Auch vor PISA war allerdings nicht unbekannt, dass Investitionen in frühkindliche Erziehung sinnvoll sind, dass Lerngruppen mit einer gewissen Bandbreite unterschiedlich leistungsstarker Schüler günstiger sind als eine völlig homogene oder völlig heterogene Lerngruppe.

Ranglisten sind aber nun mal faszinierend, ob es um Goldmedaillen oder das Schulwesen geht. Da war es auch egal, ob in manchen Staat ein Jahr früher eingeschult wurde und dessen Schüler daher ein Jahr länger beschult worden waren als deutsche. Jedes Mal gab es Veränderungen bei den Tests, so dass langjährige Vergleiche problematisch wurden. In Sachsen schickte man mehr Kinder auf Sonderschulen als in Hessen. Das wirkte sich mindestens nicht ungünstig auf die PISA-Ergebnisse aus.

Die Nation schämte sich, dass sie nur im Mittelfeld der Nationen lag, 498 Punkte statt 513 und Katastrophe war perfekt. (Die Zahlen sind exemplarisch gemeint.) Über Jahrzehnte wird hektisch reformiert, ein Projekt jagte das nächste. Eigens wurde ein Bundesinstitut  für  schulisches Testen gegründet. Die Testindustrie boomt, außer PISA gibt es weitere Testprojekte (TIMMS, LAU, VERA, IGLU).

Besonders laut getrommelt wurde vom OECD-Prof. Schleicher gegen das gegliederte Schulwesen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) und gegen die Benachteiligung von Schülern aus sozial schwachen Familien in deutschen Schulen.

Dabei können die PISA-Wissenschaftler noch nicht einmal erklären, ob das Schulwesen oder das Elternhaus die Ungleichheit erzeugt. Den Rest des Beitrags lesen »

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Bildung und Elternhaus, OECD und empirische Bildungsforschung

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Die OECD-Bildungsexperten schießen seit 40 Jahren gegen das deutsche Bildungssystem. Einer der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Vorwürfe: Nirgendwo anders auf der Welt wäre der Schulerfolg so sehr vom Elternhaus abhängig wie in Deutschland.

Nun nimmt sich Bildungsforscher Klaus Bölling die jüngste Studie von OECD und Vodaphone (von 2015) vor. (Es war eine Sonderauswertung von PISA-Daten.)

Die Forscher benutzen den Fachausdruck Resilienz für ihr Fach und meinen damit, dass Schüler trotz eines benachteiligten Sozialstatus in den PISA-Tests Komptenzstufen erreichen, die ihnen aktive gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. In Deutschland wurde eine Verbesserung von einem Viertel der betroffenen Schülergruppe auf ein Drittel festgestellt. Deutschland liegt damit über dem OECD-Durchschnitt. Innerhalb von 9 Jahren eine beachtliche Steigerung bei der Bildungsgerechtigkeit.

Die OECD wäre aber nicht die OECD, wenn sie nicht darauf hinweisen würde, dass bei aller Verbesserung der Zusammenhang von Schulleistung und sozialer Herkunft in Deutschland immer noch „sehr ausgeprägt“ wäre. Obwohl die neue Auswertung eher das Gegenteil nahelegt.

Nun haben die OECD-Bildungforscher einen Durchschnittswert für die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom Sozialstatus errechnet, der bei 13% liegt. D. h. 13% der Unterschiede im Schulerfolg können durch den häuslichen Sozialstatus erklärt werden. Werte zwischen 11 und 15% sind statistisch nicht signifikant abweichend. Länder, die einen Wert zwischen 16 und 26 haben, hätten demnach einen auffälligen Zusammenhang von Schulerfolg und Sozialstatus. Deutschlands Schulwesen steht bei 16. (Zur Erinnerung: bis zum Wert 15 erstreckt sich der Durchschnitt. 16 wäre also allenfalls schwach signifikant.

Rainer Bölling zeigt, was die OECD über Deutschland alternativ hätte schreiben können: „In Deutschland waren 84% der Leistungsunterschiede zwischen Schülern unabhängig von der sozialen Herkunft. Deutschland steht damit besser dar als PISA-Gesamtsieger Singapur“

Rainer Bölling, Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit, in: FAZ vom 20.5.18, p 7

Politikunterricht früher wie heute: Gelaber?

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Das Online-Magazin Novo Argumente ging aus einer linken Studentenzeitschrift hervor. Es unterscheidet sich aber wohltuend von den alt-, neu- oder grünlinken Publikationen. Sehr oft gibt es lesenswerte Texte.

Jetzt setzt sich Robert Benkens mit dem Politikunterricht an den Schulen auseinander. Das passiert äußerst selten, aber es ist berechtigt. Benkens konstatiert:

  •  In Deutschland bestünde Politikunterricht häufig immer noch aus Auswendiglernen oder moralisierenden Appellen. Die aktuelle politische Situation erfordere jedoch kontroverse Debatten
  • Trockener und wirklichkeitsfremder ginge es kaum
  • In der Schule würden heftige Debatten über den Islam oder die Einwanderung meist vermieden.

Er fordert: „Wir brauchen deshalb eine politische Bildung in den Schulen, die weder Institutionenlernen noch „beliebiges Gelaber“ oder moralisierenden Unterricht in den Vordergrund stellt, sondern die offene Debatte über aktuelle politische Probleme und die hinter den jeweiligen Positionen stehenden ideellen Fundamente.“

Benkens`Kritik gilt seit mehr als fünfzig Jahren! Eigentlich seit Gründung der Bundesrepublik.

Ich schrieb Anfang der 70er meine Arbeit für das Erste Staatsexamen zum Thema „Kontroversität und Konflikt als Kategorien des Politikunterrichts“. Aus diesem Konzept wurde aber nichts. Es folgten Jahrzehnte, in den viel versprechende Ansätze der Konfliktdidaktik (Hessische Rahmenrichtlinien) „entschärft wurden. Die Konfliktdidaktik, ein genuin liberaler Ansatz, wurde als Sozialismus diffamiert. Politikunterricht wurde allmählich entpolitisiert.

Wenn es stimmt, was Benkens schreibt, wäre der Stand der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts wieder erreicht.

Ganz scheint es nicht zu stimmen. Noch nie gab es so viele Projekte zur Erforschung des Nationalsozialismus. Schulen für Europa und Schulen gegen Rassismus zeigen stolz dasjeweilige Kampgnenlogo am Eingang. Schüler halten auf Kundgebungen Plakate hoch und demonstrieren für Umweltschutz und gegen Nazis. Aber das ist die Oberfläche. An einer Berliner Schule gegen Rassismus wurde ein jüdischer Schüler über Monate gemobbt. Die Schulleitung wirkte auch nach Bekanntwerden des Skandals nicht sonderlich erschüttert. Benkens erkennt mit Recht: Es gibt moralisierenden, oberflächlichen Unterricht.

Er verlangt, dass die hinter den jeweiligen Positionen stehenden ideellen Fundamente im Unterricht aufgedeckt werden. Da hat er meine volle Zustimmung. Das wäre ein im Wortsinne radikaler, an die Wurzeln gehender Ansatz. Wenn heute überhaupt über tagesaktuelle Themen im Unterricht diskutiert wird, bleibt das Gerede darüber genauso oberflächlich, wie es in den Mainstreammedien stattfindet. Nur selten vertieft ein Politiklehrer ein aktuelles Thema in die dahinter stehenden Haltungen, Ideologien, Konzepte. Das aber wäre politische Bildung.

Allerdings, und das kommt mir bei Benkens zu kurz: Er überfordert Schule und hier den Politikunterricht, wenn der etwas leisten soll, was in der Gesellschaft nicht möglich ist: eine radikale, kontroverse Debatte.

Welcher Lehrer dürfte sich trauen, kontrovers über Zuwanderung diskutieren zu lassen. Er sieht, was „draußen“, außerhalb des Klassenzimmers passiert: Wenn ein arabischer Schutzsuchender seine deutsche Ex-Freundin ersticht, wird sofort eine Demonstration gegen Ausländerhass organisiert. Regierungsmitglieder nehmen qua Amt gegen eine rechte Partei Stellung, die sie nicht mögen, oder reden von Pack, wenn gegen unkontrollierte Einwanderung demonstriert wird. Welcher Lehrer dürfte sich trauen, eine von BDS, Siegmar Gabriel und den FAZ-Nahost-Experten abweichende, pro-israelische Sicht auf Palästina in den Unterricht einzuführen? Wenn er Glück hat, werden nur die Reifen seines Pkws zerstochen. (Ich rede aus Erfahrung, allerdings war es ein anderes Thema.) Wenn ein Schriftsteller seinen begründeten Unmut über die Umwandlung Deutschlands in eine grenzenlose multiethnische und multikulturelle Entität äußert, distanziert sich sein Verlag, distanziert sich die Kulturministerin seines Bundeslandes und die FAZ schreibt gönnerhaft, er dürfe doch seine Meinung frei sagen. Die Einheitsmeinung von taz über dlf bis Tagesspiegel muss aber auch frei geäußert werden dürfen.

Benkens hat im Grunde recht mit seiner Kritik am gegenwärtigen Politikunterricht. Freundlicherweise gibt er den Lehrern nicht die Alleinschuld. Aber radikal ist er bei seiner Beschreibung nicht. Eine Gesellschaft, deren wichtigste Medien und Politiker keine Debattenkultur kennen, die unbequeme Meinungen ausgrenzen und löschen, wird keine Schulkultur dulden oder gar herbeiführen wollen, in der es anders zugeht.

Wenige Tage zuvor fand ich zufällig in meinen Unterlagen eine Unterrichtseinheit, die ich vor fast genau zwanzig Jahren, im Zusammenhang mit der deutschen Vereinigung, durchführte. Es ging um nationale Identität, um Nation und Nationalstaat. Ausgangspunkt war ein Satz der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, dass „nationale Identität“ das Schwerpunktthema ihres Bundestagswahlkampfes werden würde. Das sei kein rechtes Thema. Der hessische Ministerpräsident Koch forderte, dass Schüler Respekt vor der Fahne haben sollten und das Deutschlandlied kennen müssten. Er hatte einige Zeit zuvor schon gegen doppelte Staatsangehörigkeit Stellung genommen. Das trägt ihm eine FAZ-Journalistin auf Twitter noch heute nach und nennt ihn „Hessenhitler“.

Gelesen haben wir in Auszügen die Rede des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker über „Die Deutschen und ihre Identität“, gehalten auf dem Evangelischen Kirchentag von 1985.

Wohl überflüssig zu sagen, dass es mir damals weder um NPD- noch um CDU-Werbung oder gar Blut-und-Boden-Romantik ging.

Heute, fast zwanzig Jahre später, würde ich es mir dreimal überlegen, einen solchen Unterricht zu halten. Zum „Hessenhitler“ würde es zwar nicht reichen, aber wenn das Lokaljournalisten und örtliche Aktivisten von Solid, der Grünen Jugend oder den Jungsozialisten und GEW-Kollegen mitbekämen, dürfte ich kaum mit der Solidarität der schulischen Gremien oder der Schulaufsicht rechnen. Niemand würde sich die Hände wegen des Nazis schmutzig machen wollen, der seine Schüler mit Unwörtern wie nationale Identität und Nation indoktriniere.

Auch Richard von Weizsäcker dürfte, wenn er noch lebte, heute mit dieser Rede nicht mehr auf einem Kirchentag willkommen sein.

Aufgemuntert hat mich ein Eintrag im Blog von Michael Klonovsky unter dem 12.3.2018, den ich mit Zustimmung des Autors zitieren darf. Er erhielt dieses Schreiben: „Sehr geehrter Herr Klonovsky, Sie haben vor zwei Jahren, als ich noch Oberstufenschülerin an einem linken Berliner Gymnasium war, auf Ihrem Blog die Sommerakademie der Hayek-Gesellschaft erwähnt und beworben – in einer Weise, die sowohl meine Mutter als auch meine Tante, beide regelmäßige Leser, dazu bewog, mir eine Teilnahme nahezulegen. Die Woche, die ich auf dieser Akademie verbrachte, stellte sich, ohne zu übertreiben, als mein jetziges Leben bestimmend heraus. Auf den dortigen Vorträgen über Ökonomie, Philosophie und Politik hörte ich das erste Mal in meinem Leben Thesen und Erklärungen, die mir einleuchteten und konnte darüber hinaus zum ersten Mal frank und frei mit den anderen Teilnehmern über alle Themen diskutieren, die mich bewegten. Seitdem bin ich nach und nach begeisterte (wertkonservative) Liberale geworden und versuche nun im zweiten Jahr mittels der Organisation der ‚Akademie der Freiheit‘ Gleichaltrigen ein ebenso prägendes und begeisterndes Erlebnis zur ermöglichen.

Doch die Sommerakademie läuft uns leider nicht leicht von der Hand – es interessieren sich (bekannterweise) bedrückend wenige junge Erwachsene für Liberalismus (und Kapitalismus). Ich wende mich an Sie mit der Frage, ob Sie bereit wären, erneut eine Erwähnung unserer Akademie der Freiheit auf Ihrem Blog einfließen zu lassen? Es ist nicht unwahrscheinlich, dass sich die glückliche Abfolge an Ereignissen, die mich zur Sommerakademie führte, wiederholen ließe.“

Aber mit Vergnügen! Interessenten klicken bitte hier.“

 

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde verfilmt

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In Medienkiste über die DDR ist auch das Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ enthalten. Es freut mich, dass mein vor zehn Jahren abgegebener Lesetipp jetzt verfilmt wurde.

Die Kritik der FAZ ist verhalten positiv. Am besten findet der Filmkritiker, dass bei der Ausstattung (Bekleidung, Möbel usw.) das Ambiente der DDR exakt getroffen wurde. (Für Cineasten eine fast schon vernichtende Kritik.)

Den Vogel schießt wieder einmal der linke Berliner Tagesspiegel ab. Tagesspiegel-Filmexpertin Kerstin Decker wacht darüber, dass der DDR kein Unrecht angetan wird.

Journalistin Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Bei der hervorragenden Serie „Weißensee“ lobte sie, dass endlich einmal der Stasi Gerechtigkeit widerfahre. Den Kommunisten der ersten Stunde, wie im Film dem MfS-Oberst Kupfer, würde ihre Würde wiedergegeben.

Nachtrag 23.3.18: Jetzt endlich habe ich mir den Film angesehen. DDR-Sympathisantin Dr. Decker muss der Film masslos geärgert haben. Sie ist bis heute im Kalten Krieg stecken geblieben: Nicht nur, dass der Westen, konkret: der RIAS, die jungen Leute verführt hat. Sie legt in einem zweiten(!) Text nach: Die verführten Abiturienten wären im Westen hoch willkommene Flüchtlinge gewesen, während Flüchtlinge heute… Damals waren die Schüler Helden im Kalten Krieg, heute im Kino. Im Kalten Krieg dürfen die Sieger von 1933 einmal über die Verlierer lachen.

Es wäre doch der RIAS gewesen, der die Ostler aufgehetzt hätte, der die Falschmeldung vom Tod des ungarischen Fußballhelden erfunden hätte. Und doch geht der gute Ostblock unter. Wie ungerecht!

Wer nur sieht, dass die Freiheit über die Diktatur triumphiert hätte, ist in Dr. Deckers Augen geistig schlicht. Die Kommunisten waren die Besseren. Sie haben nie einen Fehler gemacht. Sie waren „strukturell“ unfähig zum Verrat. Sie besaßen die „höhere Moral“. Sie wollten für ihre Kinder ein besseres Leben. Wenn da nicht der böse Westen wäre…

Sogar den Schulbau der DDR bringt sie lobend unter: Die Kurt-Steffelbauer-Oberschule in Storkow, der Originalschauplatz, „… der erste Schulneubau der DDR nach dem Krieg, … gut versteckt hinter märkischen Kiefern. Vor allem aber am See. Eine Schule direkt am See, kein strenges Gebäude, sondern vier Pavillons mit Freiluftinseln und einem überdachten Wandelgang dazwischen. Man konnte im Sommer draußen unterrichten, das Gegenteil einer Erziehungskaserne.“ Was waren das für undankbare Schüler, die das nicht würdigen konnten, sondern Konterrevolutionäre wurden!  Was Decker unterschlägt: Dieses Gebäude war noch im Geist der Reformpädagogik gebaut worden. Die Reformpädagogik war mit Beginn der 50er Jahre dem DDR-Schulsystem gründlich ausgetrieben worden. Die sozialistische Einheitsschule wurde durchgesetzt.

Wie ideologisch verbohrt die Tagesspiegel-Journalistin ist, erkennt man, wenn man im Vergleich zu ihren Einlassungen die Inhaltsangabe des Buches bzw. des Films auf http://www.jugendopposition.de liest.

Tagesspiegel-Filmexperte Joachim Huber kritisierte einmal, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR.

Was der Journalist Huber anscheinend nicht weiß: Die ihm so sympathisch erscheinende Frühphase der DDR war die brutalste. Da wurden Menschen von der Straße weggeholt, zum Tod „verurteilt“ und in Moskau erschossen. Die Sozialdemokratie wurde mit der KP zwangsvereinigt, SPD-Mitglieder aber auch ins Zuchthaus geworfen und Bauern durch Zwangsenteignung in die Republikflucht, den Selbstmord oder in die LPG getrieben. Schön war die Zeit!

Journalistin Dr. Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Filmfrau Decker kennt sich im Sozialismus aus: Sie glaubt, dass das „Experiment Sozialismus“ wegen der Demontage der Russen nicht klappen konnte. (Warum klappt der Sozialismus auch da nicht, wo die Russen nicht demontiert haben?)

Dr. Decker ist Absolventin des berühmt-berüchtigten „Roten Klosters“, der SED-Journalistenschule an der Leipziger Universität. Bei vielen, die nach der Friedlichen Revolution Karriere gemacht haben, hinterließ die Rotlichtbestrahlung keine Wirkung. Bei Decker schon.

Es war nicht die erste Flucht einer Schulklasse aus der DDR. Bereits im Juni 1950 baten 25 Schüler der Potsdamer Einstein-Oberschule in West-Berlin um politisches Asyl. Sie hatten sich u.a. geweigert, der FDJ beizutreten. Daraufhin wurde die gesamte Oberstufe der Schule aufgelöst. (Quelle: jugendopposition.de)

Das neue Schul-Curriculum der arabischen Palästinenser

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Seit 2000 wurde im Gebiet der Palästinensischen Administration nach einem eigenen, mit den Osloer Vereinbarungen abgestimmten Lehrplan unterrichtet. Vorher gab es ägyptische und jordanische Lehrplänen. Jetzt gibt es neue. Sie sind, so eine Studie der Hebräischen Universität in Jerusalem, noch judenfeindlicher als die früheren.

Israel werde dämonisiert, Märtyrer und Aufständische würden glorifiziert. Das neue Curriculum bereite die Schüler auf den nächsten Krieg gegen Israel vor. Auch die Naturwissenschaften werden in die Kriegsvorbereitung einbezogen: Rund um Schleudern und Steinewerfen werden Aufgaben zur Schwerkraft gestellt. Neu ist, dass Religion im islamistischen Sinn propagiert wird. Christen werden als dhimmies geduldet. Die neu erfundene palästinensische Nation wird nicht überbetont, es ist Platz für transnationale Identitäten: Pan-Arabismus, Groß-Syrien, Osmanen.

via Gatestone-Institut

Bertelsmann Education Group gibt bekannt

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Eigentlich wollte ich gerade fragen, wo die neueste Bertelsmann-Studie bleibt. Schon seit einer Woche gibt es keine neue Bertelsmannstudie. Denkste! Kurz bevor ich mit dem Schreiben anfange, höre, sehe, lese ich: Es gibt eine neue Bertelsmannstudie! Was haben die Meinungsforscher herausgefunden? Zu wenig Computer in den Schulen. Zu wenig Lehrer setzen sie ein. Schüler wollen mehr Computer. Zu wenig W-LAN in den Schulen. Zu wenig EDV-Support. Die Chancen des besseren Lernens mit Computern werden nicht genutzt.

Kein Wunder: Bertelsmann ist geschäftlich in Digitalem Lernen engagiert: Bertelsmann Education Group

Zum selben Thema: Eine Metastudie über vierzig Studien zum Unterschied von Lesen auf Papier und auf digitalen Medien hält fest, dass keine das digitale Lesen favorisiert.

Das israelische Erziehungsministerium hat neun Experten verschiedener Disziplinen befragt, wie sie zur Abschaffung gedruckter Schulbücher und Einführung digitaler Lehrbücher stehen. Alle Experten rieten ab. Das Ministerium macht es dennoch.

Leseforscher empfehlen, das Lesen auf verschiedenen digitalen Medien, E-Reader, Smartphone, Tablet, Desktop-Computer und Laptop zu untersuchen. Möglicherweise lassen sich Unterschiede fetstellen. Ganz verdammen will kein Forscher das digitale Lesen.

Nach: Fridtjof Küchemann, „Ist das nun mutig oder dumm?“, Bericht von einer Tagung in Vilnius, FAZ v. 9.10.17, p 9. Ein ähnlicher Artikel von Küchemann v. 22.3.17 hier.

Die in Vilnius versammelten Forscher sind vor allem an digitalen Medien interessiert. Die Hälfte des Programms beschägtigt sich mit allen Aspekten des E-Books. Ein bisschen tun sie mir schon leid. Denn der E-Book-Hype ist wohl vorüber.

Links reden, rechts leben

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Man kennt das aus Hessen: Die linke SPD-Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt schickte ihr Kind in den 90er Jahren auf eine Privatschule. Das war in der Zeit, in der die SPD in Hessen die Gesamtschule durchsetzen wollte und diese Schulform umfassend förderte. Sie war nicht das einzige SPD-Mitglied. Ich war deswegen sauer, weil ich, wie viele Kollegen, intensiv daran arbeitete, die Gesamtschule attraktiv zu machen.

Unschwer ließe sich die Liste verlängern: ein baden-württembergischer SPD-Kultusminister, Hannelore Kraft, zahlreiche grüne und linke (d. h. Linkspartei-) Politiker*

Jetzt schickt die linke SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ihr Kind auf eine Privatschule.

Selbstredend geht es ihr nur um den kürzeren Schulweg.

Niedlich sind die Pirouetten, die Parteifreunde drehen: Die SPD will das längere gemeinsame Lernen an staatlichen Regionalschulen durchsetzen. Aber Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sagt auch, die Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Das hört man aus SPD-Kreisen, auch hier in Brandenburg, eher selten. SPD-Fraktionschef Thomas Krüger behauptet, die Entscheidung für die eine oder andere Schulart bedeute nicht die Bewertung der „Unterrichtungsqualität“ an der Einrichtung.

(nach ndr.de)

Rainer Hank wundert sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 10.9.17, dass Frau Schwesig deswegen mit Vorwürfen konfrontiert wird. Wo doch seit Jahren immer mehr Kinder in die Privatschulen drängen würden.

Was an dem Journalisten Hank anscheinend völlig vorbeizugehen scheint, ist die Schulpolitik der SPD, die darauf aus ist, ein egalitäres Schulsystem zu schaffen.

Nun ist Hank eine hochintellektuelle Edelfeder bei FAZ/FAS. Es kann also sein, dass mir, der ich mich nicht zu den Intellektuellen, geschweige denn den Hochintellektuellen zähle, der tiefere Sinn seiner Sätze entgeht.

Immerhin entdecke ich in derselben Ausgabe einen Text von Lydia Rosenfelder, die sich ganz anders mit Schwesigs Schulwahl auseinandersetzt als Hank. Allein schon die Begründung mit dem kürzeren Schulweg sei eine Provokation anderer Eltern, deren Kindern bis zu zweistündige Schulwege zugemutet würden.

Die Schule des Sohnes sei bilingual und böte Segeln als Schulsport an; 2.400 € koste sie im Jahr. All das nimmt sie in Kauf wegen eines kürzeren Schulwegs? Sie verkaufe ihre Bürger für dumm.

Weil es gerade um Schwesig geht: Sie reist mit einer hundertköpfigen Wirtschaftsdelegation nach St. Petersburg. Das stünde im Einklang mit der Bundesregierung. Nun ja, unser Außenminister fordert die Aufhebung der Russland-Sanktionen. Er besteht noch nicht einmal mehr auf der Erfüllung des Minsker Abkommens. (Die Kontrolle der Grenze zu Russland durch KZSE verlangt er nicht mehr.)

Wie wär´s mit einer Einladung an die russischen Kommandeure der gerade in der Ostsee, in Weißrussland und dem Königsberger Gebiet stattfindenden Manöver?

Marina Weisband bringt Demokratie in die Schulen

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Marina Weisband stellt sich in ihrem Wikipedia-Eintrag als Politikerin vor. Sie war einmal für elf Monate Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.

Mir ist nie klar geworden, ob sie das von vornherein als Karrierebaustein angelegt hatte oder ob sie diese frühe Berühmtheit erst angefixt hat. Sie stieg medienwirksam bei den Piraten aus und schrieb ein Buch mit dem Motto „Ich  war Piratin und warum ich es nicht mehr bin“. In der FAZ gab es einen Vorabdruck.

Bei ihren nachfolgenden demokratietheoretischen Gedanken zeigt Frau Weisband allerdings, dass sie sich noch nicht ganz von den Vorstellungen einer liquiden digitalen Demokratie gelöst hat. Sie plaudert naiv daher. Da man „noch“(!) Parlamente brauche, will sie die Parlamentarier mit Liquid-Democracy-Verfahren vernetzen.

Frau Weisband konnte man es auf Grund ihres jugendlichen Alters nachsehen, dass sie sich nicht mit älteren Formen direkter Demokratie, vom antiken Scherbengericht über die Räteexperimente in Kronstadt, in Jugoslawien, Rotchina und Deutschland 1918/19 oder den parlamentarischen Rotationsmodellen der Grünen befasst hat, auch nicht mit dem, was bei Liquid Democracy alles passieren kann und warum dessen Programmierer nicht davon begeistert waren, dass die Piratenpartei mit dieser Software den Parlamentarismus übertreffen wollte. Der Spiegel-Reporter war Weisbands Buch begeistert.

Danach hatte sie erst einmal alle Hände voll zu tun: Talkshows und Interviews,  Auch wenn sie es von sich weist, dass alles, was sie tut, eine coole Selfmarketingstrategie ist: Während man die Piraten allmählich vergaß, war sie in aller Munde.

Es dauerte nicht lange, da ließ sie die Software wieder aufleben: Sie will mit Liquid Democracy die Schulen demokratisieren. Die Bundeszentrale für politische Bildung half ihr, die Kampagne zu starten.

An all dies erinnere ich mich, weil ich heute im Tagesspiegel von jemandem, den die Zeitung nicht vorstellt, ein begeisterter Kommentar zu Weisbands Projekt lese: Wie Verantwortung in Schulen gelernt werden kann. Hintergedanke: eine Welt ohne Populisten schaffen. Eine bemerkenswerte Bilanz attestiert ein Sidney Gennies der Frau Weisband.

Es war an einer Projektschule über Fahrradständer im Schulhof gestritten worden, mit Plakaten und Durchsagen. Oder: Lehrer verpflichtetenn sich, Smartphones im Unterricht einzusetzen. „Daraus erwuchs die nächste Idee: schulweites W-LAN.“

Wow! Endlich, dank Marina Weisband und ihrer Liquid Democracy, kommt Demokratie in die Schulen!

Das erinnert mich an die Journalistin Karin Storch. Sie hielt 1967 eine Aufsehen erregende Rede als Abiturientin. Die ging durch alle Zeitungen der Republik. Einer Karriere als Journalistin stand nichts mehr im Wege (u. a. ZDF-Korrespondentin in den USA). Sehr viel später konnte man erfahren, dass die Abiturrede genau dafür von einer PR-Agentur geplant war.

Vorbild und Zerrbild: wie wirkt die DDR-Schule nach?

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Veranstaltungen der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin besuche ich recht häufig. Sie lohnen sich fast immer. Hochkarätige Referenten und mit ausgewiesenen Experten besetzte Podien sind die Regel. Im Publikum sitzen überwiegend ältere Jahrgänge, fast immer mit Erfahrungen und Wissen zum Thema.

Jedes Mal wäge ich ab: Bleibe ich im schönen Potsdam auf dem Balkon sitzen, rauche eine Zigarre, trinke einen Rosé oder mache ich mich auf den Weg nach Berlin-Mitte?

Dieses Mal hieß die Veranstaltung „Vorbild oder Zerrbild? Die DDR-Schule in der gesamtdeutschen Bildungsdebatte“.

Die Formulierung gefiel mir nicht. In der deutschen Bildungsdebatte spielt die Ostschule keine große Rolle. Das Wort „gesamtdeutsch“ gehört in die Zeit der Teilung. „Vorbild oder Zerrbild?“ taugt allenfalls als provozierende Schlagzeile. Die beiden Pole, um die eine Diskussion über die Ostschule kreisen sollte, sind sie für mich nicht.

Die eingeladenen Referenten sagten mir, abgesehen von Prof. Geißler und Frau Teuteberg nichts. Als Moderator wurde David Ensikat genannt. Vor drei Jahren hatte sein (Jugend-)buch über das kleine Land mit der großen Mauer gemischte Gefühle bei mir hinterlassen.

Das, was ich hier aufschreibe, spielt sich in Sekunden im Kopf oder eher im Bauch ab: Ich fahre nicht hin.

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PISA-König Finnland: Eine Legende?

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Manches, an das ich mein Leben lang geglaubt habe, wenn auch immer von Zweifeln irritiert, stellt sich inzwischen als Fehleinschätzung heraus: Die Sicht auf den Vietnamkrieg, auf die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg, auf die westdeutsche Friedensbewegung, auf die 68er. Meist habe ich darüber im Blog geschrieben.

Jetzt gerät der PISA-Sieger Finnland unter Verdacht.

Mir war von Anfang an klar, dass bei der Erklärung des herausragenden PISA-Ergebnisses die Rolle der finnischen Lehrerinnen und Lehrer unterbewertet wurde. Das Ansehen finnischer Lehrer ist sehr groß, ganz anders als in Deutschland. Die Lehrerausbildung ist anspruchsvoll. Die Bezahlung ist außerordentlich gut. Wegen des Ansturms auf den Beruf kann sich das Land leisten, nur die Besten auszuwählen, ganz anders als in Deutschland. Lehrer unterrichten sehr selbstständig, werden nur wenig von verbindlichen Lehrplänen, Standards, Kompetenzrastern oder gar standardisierten Tests gegängelt. Das Land hat wenig Immigranten.

Trotz allem hingen wir Lehrer in Hessen an den Lippen des Generaldirektors des finnischen National Board of Education, Jukka Sarjala, und des deutschen Mitarbeiters im Erziehungsministerium, Rainer Domisch. (Der als hessischer Kultusminister im Gespräch war.) Sie erklärten uns auf Tagungen, wie wie man in Finnland behutsam und unaufgeregt die Schulen reformiert habe.

Auch vom flächendeckenden, hervorragenden System der Schulbibliotheken schwärmten die damalige hessische Kultusministerin und deutsche Bibliothekare. Während mir die Vorsitzende des finnischen Schulbibliotheksverbandes schrieb, dass es das gar nicht nicht gibt.

Heute lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung („Ein Märchen aus dem hohen Norden“ von André Kieserling, p 62, 28.5.17), dass es mit der PISA-Supermacht Finnland nicht weit her ist.

In den PISA-Jahren 2001 bis 2005 lag Finnland, zusammen mit den südostasiatischen Pauk- und Drillschulen an der Spitze des – umstrittenen – Länderrankings. Seither geht es bergab. Finnlands Platz verschlechtert sich von Mal zu Mal.

Nun hat ein schwedischer Wissenschaftler in frühen Schulleistungsvergleichen herausgefunden, dass der Anstieg im Lernniveau finnischer Schüler lange vor den Schulreformen (Gesamtschule, Dezentralisierung, schülerorientierte Arbeitsformen) begonnen hatte.

Warum die Schüler sich seit fast zehn Jahren verschlechtern, obwohl am reformierten Schulsystem nichts geändert wurde, blieb rätselhaft.

Nun kann ein einzelner Forscher nicht nicht alle Faktoren, die bei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen eine Rolle spielen, in einer einzelnen Studie, die zudem auf Sekundäranalysen beruht, umfassend untersuchen.

Aber seine Vermutung klingt vertraut: Die finnischen Lehrer unterrichteten lehrerzentriert, im Frontalunterricht. Das änderte sich in den Reformjahren erst allmählich. Die PISA-Erfolge der ersten Jahre sind wohl eher dem alten System und dem retardierenden Unterrichtsstil der Lehrer zu verdanken. Interviews mit finnischen Lehrern, die sich kritisch über Gruppenarbeit und selbstbestimmtes Lernen äußerten, dienen ihm als Zeugen.

Real Finnish Lessons von Gabriel Heller-Sahlgren