Schule

Der Traum vom Ausnahmezustand

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Ich sitze am Computer und will beschreiben, was mir bei der Causa „Chemnitz“ aufgefallen ist: Es wird von Zusammenrottungen und Hetzjagden berichtet, von überforderter und unterbesetzter Polizei, ja von Gewaltexplosion, Gewaltorgien und Pogromen.

Ich finde dazu aber nichts!

Anders als bei der EZB-Einweihung in Frankfurt, bei G 20 in Hamburg, den traditionellen 1.-Mai-Krawallen in Hamburg und Berlin gibt es in Chemnitz keine Barrikaden, keine eingeworfenen Fensterscheiben, keine geplünderten Läden, keine brennenden Autos, 2 verletzte Polizisten.

Aber die Mainstreammedien „schreiben den Ausnahmezustand herbei“ (Vera Lengsfeld).

So auch ein Frontberichterstatter der FAZ, der heute, Freitag, von „ungehemmten Ausschreitungen“ der Rechten redet. Die Demonstration aus Anlass des Besuchs des Ministerpräsidenten am gestrigen Donnerstag würde begleitet von einer „zunächst friedlichen Demonstration“. Er unterlässt es, zu beschreiben, ob es gewalttätig weiterging. Aber er hat es mit seiner Wortwahl insinuiert. (Frau Schwesig:  „pogromartige Ausschreitungen“; Frau Illner, ZDF, ausgebildet in der DDR-Journalisten-Kaderschmiede Rotes Kloster, lässt die Justizministerin Barley die AntifaSA loben. Die FAZ zeigt ein Foto mit einem Transparent, auf dem Terror steht. Das vollständige Transparent besagt: „Kein Platz für Terror“.

Nach der Erwähnung von Gewaltexzessen und Zusammenrottungen steht in den Qualitätsmedien dann im nächsten Satz: Man werde den gezeigten Hitlergruß nicht dulden. Dagegen werde der Rechtsstaat mit voller Härte einschreiten. Genau so äußert sich auch der sächsische Ministerpräsident. Da kommt nichts mehr! Wenn es viele verletzte Demonstranten und Polizisten gegeben hätte, Barrikadenbau, Plünderungen, Brandstiftungen, Hetzjagden. hätte das doch vor dem HItlergruß erwähnt werden müssen. (Es gab Flaschenwürfe, einer von einem Antifaschisten, einer von einem Rechten, die zu Verletzungen führten.)

Vera Lengsfeld, Wie man den Ausnahmezustand herbeischreibt

 

„Die Wahrheit ist, es ist jemand gestorben und zwei wurden abgestochen. Und das Schlimmste, so kommt es mir rüber was am Wochenende anscheinend passiert ist, war ein Hitlergruss.“

Satz eines Chemnitzer Bürgers, zitiert von einem Schweizer Journalisten; Hinweis bei Peter Grimm auf AchGut.

Nachtrag 9.9.18: Außer der „Hetzjagd“auf einem 19-Sekunden-Clip, den die Tagesschau von einer Antifa-Truppe zur Verfügung gestellt bekam, hat jetzt eine SPD-Reisegruppe aus Westdeutschland gemeldet, dass sie von Chemnitzer Nationalsozialisten gehetzt und geschlagen wurde.

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Nur kapitalistische Neutronenbomben sind schlecht

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Was passierte, als Schüler 1977 in der DDR gegen die Neutronenbombe protestierten? Wahrer Pazifismus

DDR: Allzeit bereit! Auch nachts auf dem Schulhof

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Auf der Webseite „einestages“ des Spiegels gibt es, anders als im wöchentlichen Magazin und online immer wieder etwas Lohnenswertes zu entdecken, nicht zuletzt über den DDR-Alltag.

Hier berichtet Rainer Schinzel von einem Erlebnis bei der nächtlichen Ehrenwache für den verstorbenen Wilhelm Pieck auf dem Schulhof.

Lehrerversorgung: Keine Gleichung mit Unbekannten

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Gleich noch ein zweiter Beitrag zum Thema „Schule heute“. Schließlich habe ich in diesem Betrieb in verschiedenen Funktionen mein Arbeitsleben verbracht und war über die Einzelschule hinaus bemüht, Schule besser zu machen.

Autor Josef Kraus erklärt das System der Lehrerbedarfsplanung, das nahezu flächendeckend nicht in der Lage ist, eine zufrieden stellende Lehrerversorgung zu garantieren, geschweige denn eine gute.

Es gibt, wie Kraus zu Recht aufzählt, die harten Faktoren

  1. Stundenverpflichtung der Lehrer
  2. Klassengröße
  3. Stundentafel (Stunden pro Fach und Jahrgang)
  4. Gesamtzahl der im Land zur Verfügung stehenden Lehrer und der zu erwartenden Schüler.

Das alles zur Deckung zu bringen ist sicher nicht einfach. Die jeweiligen Kennziffern sind allerdings politische Setzungen. Man kann die Lehrerarbeitszeit verlängern, die Klassen größer machen, die Zahl der Unterrichtsstunden pro Fach kürzen.

Es gibt darüber hinaus Faktoren, die so gut wie nie hinterfragt werden: Den Rest des Beitrags lesen »

Berliner Schulleiterin kündigt

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Drei Kilometer Luftlinie vom Kanzleramt entfernt, steht die Spreewaldgrundschule. Früher 50% Migrantenanteil, heute über 80%. In Berlin umfasst die Grundschule die Klassen 1 – 6.

Die Schulleiterin, aus Österreich stammend, ist nach vier Jahren jetzt zurückgetreten. Sie fühlt sich von Schulverwaltung und Schulaufsicht im Stich gelassen. (Die Schulverwaltung ist zuständig für Gebäudeunterhaltung und Verwaltungspersonal, die Schulaufsicht für die Lehrerversorgung.)

95% der Eltern leben von Hartz IV, 80% der Lehrer sind Lehrerinnen, die Lehrerversorgung liegt bei 83% (Ich weiß aus leidvoller Erfahrung, dass Schulleitung und Schulaufsicht i. d. R. zu verschiedenen Werten kommen.) Die Hälfte des Kollegiums hat keine reguläre Lehrerausbildung.

Josef Kraus, ehem. Leiter eines bayerischen Gymnasiums und ehem. Vorsitzender eines konservativen Lehrerverbandes beschreibt die Lage an der Spreewaldschule. Wo er Recht hat, hat er Recht.

2.700 neue Lehrer in Berlin?

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Stolz vermeldet die Berliner Landesregierung, dass 2.700 neue Lehrkräfte zu Beginn des neuen Schuljahres alle bisherigen Lücken abdecken würden.

Nur Spielverderber prüfen das nach, nicht etwa Faktenchecker oder Rechercheverbünde der Qualitätsmedien. (Die suchen Steuersünder oder Verfehlungen von AfD-Politikern.)

Nur ein Drittel der 2.700 hat Lehramtsabschlüsse studiert.

Ein weiteres Drittel hatte noch nie irgendwie mit einem Lehramt Kontakt, erfüllt also keine Quereinsteigerbedingung. Wird aber trotzdem genommen.

Danke an meine Follower

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Ich schreibe ins Blaue hinein, da ich fast keine Rückmeldungen und Kommentare kriege. Abgesehen von Belehrungen, was ich falsch dargestellt hätte. Bei letzteren bereitet es mir immer wieder einmal Genugtuung, darum zu bitten, den Text noch einmal genau zu lesen. Da stünde nämlich genau das drin, was als fehlend beklagt wird.

Andererseits habe ich Follower, die von Anfang an dabei sind (2009) und meine Auswahl schätzen. Sie haben sich nicht verabschiedet, als ich begann, die Themenpalette zu erweitern und auch zu Israel/Palästina und Migrationskrise Fundstücke oder meine Meinung beisteuere.

Durchschnittlich gibt es 2.500 Klicks im Monat. Von Jahr zu Jahr gab es eine kleine Steigerung. Ca. 80 feste Leser/-innen gibt es.

Dafür bedanke ich mich.

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Neue Fakten aus der Bildungsforschung: Gute Lehrer sorgen für gute Schüler

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In meinem früheren Blog Basedow1764 ging es auch um Bildungspolitik. PISA kam oft vor. Nicht nur meine Skepsis gegenüber den OECD-Bildungsforschern war groß. Die Wissenschaftler selbst wiesen immer darauf hin, dass sie nur einen Zustand messen würden. Erklären könnten sie mit ihren Ergebnissen aber nicht, wie das Gemessene – die Schulleistungen – zustande gekommen wäre. Sie könnten mit ihren Ergebnissen nicht sagen, was richtig oder falsch in Schule und Unterricht wäre.

Letzteres stand aber nur im Kleingedruckten und wurde daher gern überlesen. Aber auch die PISA-Erklärer übersahen es. Allen voran der deutsche PISA-Repräsentant Andreas Schleicher. Für ihn war Deutschland das, was Israel für den UN-Menschenrechtsrat ist: schlimmer als alles andere in der Welt.

Auch vor PISA war allerdings nicht unbekannt, dass Investitionen in frühkindliche Erziehung sinnvoll sind, dass Lerngruppen mit einer gewissen Bandbreite unterschiedlich leistungsstarker Schüler günstiger sind als eine völlig homogene oder völlig heterogene Lerngruppe.

Ranglisten sind aber nun mal faszinierend, ob es um Goldmedaillen oder das Schulwesen geht. Da war es auch egal, ob in manchen Staat ein Jahr früher eingeschult wurde und dessen Schüler daher ein Jahr länger beschult worden waren als deutsche. Jedes Mal gab es Veränderungen bei den Tests, so dass langjährige Vergleiche problematisch wurden. In Sachsen schickte man mehr Kinder auf Sonderschulen als in Hessen. Das wirkte sich mindestens nicht ungünstig auf die PISA-Ergebnisse aus, da sonderschüler nicht getestet werden.

Die Nation schämte sich, dass sie nur im Mittelfeld der Nationen lag, 498 Punkte statt 513 und Katastrophe war perfekt. (Die Zahlen sind exemplarisch gemeint.) Über Jahrzehnte wird hektisch reformiert, ein Projekt jagte das nächste. Eigens wurde ein Bundesinstitut  für  schulisches Testen gegründet. Die Testindustrie boomt, außer PISA gibt es weitere Testprojekte (TIMMS, LAU, VERA, IGLU).

Besonders laut getrommelt wurde vom OECD-Prof. Schleicher gegen das gegliederte Schulwesen (Hauptschule, Realschule, Gymnasium) und gegen die Benachteiligung von Schülern aus sozial schwachen Familien in deutschen Schulen.

Dabei können die PISA-Wissenschaftler noch nicht einmal erklären, ob das Schulwesen oder das Elternhaus die Ungleichheit erzeugt. Den Rest des Beitrags lesen »

Bildung und Elternhaus, OECD und empirische Bildungsforschung

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Die OECD-Bildungsexperten schießen seit 40 Jahren gegen das deutsche Bildungssystem. Einer der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Vorwürfe: Nirgendwo anders auf der Welt wäre der Schulerfolg so sehr vom Elternhaus abhängig wie in Deutschland.

Nun nimmt sich Bildungsforscher Klaus Bölling die jüngste Studie von OECD und Vodaphone (von 2015) vor. (Es war eine Sonderauswertung von PISA-Daten.)

Die Forscher benutzen den Fachausdruck Resilienz für ihr Fach und meinen damit, dass Schüler trotz eines benachteiligten Sozialstatus in den PISA-Tests Komptenzstufen erreichen, die ihnen aktive gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. In Deutschland wurde eine Verbesserung von einem Viertel der betroffenen Schülergruppe auf ein Drittel festgestellt. Deutschland liegt damit über dem OECD-Durchschnitt. Innerhalb von 9 Jahren eine beachtliche Steigerung bei der Bildungsgerechtigkeit.

Die OECD wäre aber nicht die OECD, wenn sie nicht darauf hinweisen würde, dass bei aller Verbesserung der Zusammenhang von Schulleistung und sozialer Herkunft in Deutschland immer noch „sehr ausgeprägt“ wäre. Obwohl die neue Auswertung eher das Gegenteil nahelegt.

Nun haben die OECD-Bildungforscher einen Durchschnittswert für die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom Sozialstatus errechnet, der bei 13% liegt. D. h. 13% der Unterschiede im Schulerfolg können durch den häuslichen Sozialstatus erklärt werden. Werte zwischen 11 und 15% sind statistisch nicht signifikant abweichend. Länder, die einen Wert zwischen 16 und 26 haben, hätten demnach einen auffälligen Zusammenhang von Schulerfolg und Sozialstatus. Deutschlands Schulwesen steht bei 16. (Zur Erinnerung: bis zum Wert 15 erstreckt sich der Durchschnitt. 16 wäre also allenfalls schwach signifikant.

Rainer Bölling zeigt, was die OECD über Deutschland alternativ hätte schreiben können: „In Deutschland waren 84% der Leistungsunterschiede zwischen Schülern unabhängig von der sozialen Herkunft. Deutschland steht damit besser dar als PISA-Gesamtsieger Singapur“

Rainer Bölling, Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit, in: FAZ vom 20.5.18, p 7