Schule

Stasiakten in der Abiturprüfung

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Im Friedrich-Ebert-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf werden im Rahmen der Abiturprüfung Stasi-Akten genutzt. Die sogenannte 5. Prüfungskomponente ist eine Präsentationsprüfung, in der die Schüler ein selbst gewähltes Thema erarbeiten und vorstellen. An diesem Gymnasium wird dafür in Zusammenarbeit mit der BStU die Recherche in den Stasi-Unterlagen angeboten.

Jetzt hatte das Stasi-Museum in der Normannenstraße Abiturienten eingeladen, ihre Arbeiten vor Fachpublikum noch einmal zu präsentieren. Die Fachleute konnten feststellen, dass nicht einfach aus dem Internet abgeschrieben worden war, sondern wissenschaftspropädeutisch gearbeitet wurde.

Die Themen waren: Die Pharma-Tests westlicher Firmen, der Einfluss westlicher Rockmusik auf DDR-Gruppen, die Tauglichkeit der deutschen Einheit für die beiden Koreas. Frühere Themen waren u. a. die Verwendung radioaktiver Substanzen zur Markierung von Personen (Dies wurde bei Westreisen von Wirtschaftsvertretern eingesetzt.)

(nach einem Bericht in: Der Stacheldraht 8/2016, p 12, Zeitschrift des Bundes der Stalinistisch Verfolgten e.V., Landesverband Berlin-Brandenburg)

Grundschulen in Berlin: schlimmer gehts nimmer

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Im Blog Science Files: „Berliner Modell: Wie man Grundschulen zerstört und ein Bildungssystem ruiniert“

Update: Die neue rot-rot-grüne Landesregierung Rot-Rot-Grün will an den  Schulen die Sprachangebote für Arabisch, Türkisch und Kurdisch ausbauen. Damit werde die Integration gefördert, informierte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Außerdem stärke Zweisprachigkeit das Denkvermögen.

Deutschpflicht auf dem Schulhof?

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Vor zehn Jahren gab es einen Aufstand in den sog. sozialen Medien, weil in einer Berliner Schule vereinbart worden war, nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Pause auf dem Schulhof Deutsch zu sprechen.

In der multikulturellen Schule mit einigen Dutzend Muttersprachlern war dies von Schülervertretung, Elternbeirat und Kollegium einvernehmlich beschlossen worden.

Pädagogen, Eltern der Schule mit Migrationshintergrund und der aus Pakistan stammende Schulsprecher mussten den eigentlich selbstverständlichen Beschluss der Öffentlichkeit erklären. Die Wutbürger/-innen und die Medien, die sich über die angebliche Deutschtümelei aufgeregt hatten, fanden bald danach anderswo andere Geschehnisse, über die sie sich aufregten.

Lautstark hatte vor zehn Jahren auch ein türkischer Verein gegen Deutsch in der Pause gewettert. Er sieht seine Zeit jetzt gekommen und verlangt von dem zukünftigen Berliner Senat, er solle die Schulen „anweisen“, eine Deutschpflicht auf dem Schulhof zu verhindern.

(nach FAZ v. 11.10.16, p 9, „Man sprach Deutsch“ von Regina Mönch)

Soziologische Bestätigungsforschung

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Vor einem Jahr schrieb ich mir (im Blog „Basedow1764“) meinen Frust über die überflüssig gewordenen akademischen Fächer Sozial- und Politikwissenschaften von der Seele. Die Soziologie bestehe heute in weiten Teilen aus Armuts- und Frauen- bzw. Genderforschung, schrieb ich. Die sozialwissenschaftlichen Lieblingsvokabeln seien: rassistisch, rechtspopulistisch, islamophob, neoliberal, sexistisch, benachteiligt, unterprivilegiert, frauenfeindlich. Die müsse man nicht mehr definieren. Sie zu verwenden zeige, dass man auf der richtigen Seite stünde.

Gerald Wagner macht in seinem Bericht vom Deutschen Soziologentag 2016 (FAZ v. 5.10.16, p N3, „Soziale Ungleichheit ist nicht das Böse“) einen einfachen Vorschlag, den umzusetzen vielen Soziologen aber schwerfallen wird.

Es gehe in immer wieder neuen Studien darum, dass Armut und Arbeitslosigkeit die Bildungverläufe von Kindern negativ beeinflussten. Es würden Armutskarrieren aus Hartz-IV-Familien untersucht und immer wäre die Schule unfähig, Ungleichheit abzubauen. Die Norm für die Soziologie wäre Gleichheit. Sie erforsche Ungleicheit, was zu einer „völlig überraschungsfreien Bestätigungsforschung“ führe. Die herrschende empirische Sozialforschung, so Wagner, bestätige, was man schon vorher gewusst habe. Diese Art der Forschung könne man eigentlich lassen und das gesparte Geld in die Pädagogik geben.

Wagner schlägt nun vor, statt auf immer dieselben sozialstatistischen Daten zurückzugreifen und mit jeder neuen Studie die vorhergehenden Studien über soziale Ungleichheit und Benachteiligung in Schule und Arbeitswelt zu bestätigen, doch einmal zu untersuchen, wie es passieren kann, dass manchen Kindern aus bildungsfernen Schichten ein Bildungaufstieg gelingt.

Ich frage mich schon bei Gelegenheit ganz unwissenschaftlich, was da passiert ist: Wenn ich eine türkischstämmige Abiturientin bei „Wetten dass…“ glänzen sehe oder ein türkischstämmiger Jurist in einer Nachrichtensendung zu hören ist. Dass nicht nur die Schule am mangelnden Bildungserfolg Schuld hat und Ungleichheit produziert, wie Studien immer wieder herausgefunden haben wollen, zeigen mir die Bildungsverläufe von Kindern anderer Herkunft. Früher galt das für die Einwanderer aus Portugal oder Griechenland, oder es ist die hohe Zahl der Abiturienten in (christlichen) vietnamesischen Familien.

Schrecken Soziolog/-innen davor zurück, Ursachen von Ungleichheit auch in der familiären Erziehung zu erforschen?

Nicht zuletzt Schule könnte, so Wagner, davon profitieren, wenn ein Paradigmenwechsel der soziologischen Forschung dazu führen würde, nicht immer neu von ihr Unmögliches einzufordern.

Auch in Frankreich wird gegendert. Und wie!

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Wer nicht einverstanden ist mit genderistischen Behauptungen, etwa dass das Geschlecht frei wählbar wäre und die Heteronormativität der Gesellschaft abgeschafft werden müsse, da es weit mehr als zwei Geschlechter gäbe, gilt hierzulande als rechts. So kann man das u. a. bei der Bundeszentrale für politische Bildung lesen.

In Frankreich scheint ist die Auseinandersetzung noch heftiger. Dort gab es einige Jahre lang das Schulbuch „ABC der Gleichheit“, in dem nach Meinung von Gegnern Ehe und Familie entwertet wurden. Es musste zurückgezogen werden. Ebenso erging es einem Biologiebuch, in dem es ein Kapitel „Mann oder Frau werden“ gibt.

Die Bildungsministerin Vallaud-Belkacem hatte in ihrer Zeit als Frauenministerin dafür plädiert, Gender Studies in Frankreich zu etablieren. Jetzt, nach der Kritik des Papstes an der französischen Ehe für alle, sagt sie, die Gender-Theorie gäbe es gar nicht.

Sie machte kürzlich von sich reden, als sie die bilingualen Klassen abschaffen wollten, weil diese die Ungleichheit förderten. (Sie residiert übrigens in einem Pariser Stadtschloss.)

Verschärfend kommt in Frankreich hinzu, dass Präsident Hollande steuerliche Vergünstigungen für Familien gestrichen hat und die künstliche Befruchtung in lesbischen Ehen erlaubt. Sozialisten reden ganz offen davon, dass mit dem Gender Mainstreaming ein Zivilisationswandel eintreten würde. Dazu passt aus Sicht christlicher Franzosen, dass die Hollande-Regierung im Unterricht das christliche Mittelalter zum Wahlpflichthtema heruntergestuft hat, den Islam dagegen zum Pflichtthema gemacht hat.

Anders als in Deutschland wird der Genderismus nicht als Thema der Rechten gesehen. Es ist eine Allianz von katholischen und islamischen Eltern, die z. Teil gegen die Homosexuellen-Ehe ist, zum Teil die Entwertung der traditionellen Familie und Ehe beklagt. Als neuer Faschismus wird das anders als in Deutschland aber nicht gesehen.

(nach FAZ v. 5.10.16, p 3; „Seid fruchtbar und mehret Euch“ von Michaela Weigel)

Gespannt bin ich schon, wie die Umsetzung der neuen Sexualkunde-Lehrpläne, die jetzt nach und nach in den Bundesländern eingeführt werden, in Schulen mit überwiegend evangelikaler, katholischer oder muslimischer Klientel ankommen werden. Sie propagieren ja sexuelle Vielfalt anstatt der heteronormativen traditionellen Kleinfamilie und befassen sich ab der Mittelstufe mit unterschiedlichen sexuellen Orientierungen. (Die Aufnahme der Pädophilie als Element sexueller Vielfalt stand zwar bei einigen Grünen-Verbänden im Programm, hat sich aber bisher nicht durchgesetzt.)

Hat Finnland das DDR-Schulsystem übernommen?

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Den Narrativen von der fortschrittlichen DDR ist manchmal schwer beizukommen. Sei es, dass die DDR der zehntstärkste Industriestaat der Welt gewesen sein soll, der beste “antifaschistisch-demokratische” deutsche Staat mit der höchsten sozialen Gerechtigkeit gegenüber Witwen, Behinderten und Rentnern, mit den emanzipiertesten Frauen.

Man findet jenseits der Web 2.0-Kommentarkriege meist Belege für die Haltlosigkeit dieser Parolen. Wer das feststellt, beleidigt nicht 17 Millionen Deutsche, wie das von der Partei Die Linke. behauptet wird.

Es ist wie mit dem angeblich so hohen Eisengehalt beim Spinat, der auf einer falschen Kommastelle beruht: Die Weltbank hatte die DDR auf Grund eines Rechenfehlers ihrer Statistiker so wirtschaftsstark wie Italien gesehen. Die SED hatte kein Interesse, das von der Weltbank sogleich korrigierte Bild zu verbreiten. Es wird bis heute konserviert und auch mancher rbb-Moderator ist der Meinung, der Ruin der DDR sei von der Treuhandanstalt verursacht.

Auch die  Übernahme des DDR-Schulsytems durch Finnland ist so ein Mythos.

Es gibt kein Dokument, das die Wahrheit oder Unwahrheit eindeutig belegt oder es muss noch danach geforscht werden. Ich will versuchen, ein paar Überlegungen zusammenzustellen.

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Lehrer und Schule in der DDR. Ein Lesetipp

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mietznerIn ihrer Dissertation von 1993 rekonstruiert die Bildungshistorikerin Prof. Dr. Ulrike Mietzner die Geschichte einer Schule in Mecklenburg von 1945 bis zum Mauerbau 1961, vom Gymnasium zur sozialistischen Oberschule:

Enteignung der Subjekte – Lehrer und Schule in der DDR, Opladen: Leske und Budrich 1998, (Amazon)

 

Ganz konkret kann man anhand von Schulakten, Berichten der Schulaufsicht, Direktiven der Partei und Interviews nachvollziehen, wie der Aufbau des Sozialismus im Schulwesen aussah: Die Maßregelung oder Entlassung der gymnasial oder reformpädagogisch orientierten Lehrer. Der totale Zugriff der Kommunisten auf Lehrer und Schüler, die politisch-ideologische Indoktrination im Unterricht, im Schulleben, bis zu rigide durchgeplanten „antifaschistisch-demokratischen“ Schulfeiern, das Aufspüren von „feindlich gesinnten“ Schülern und Lehrern.

Sehr konkret und anschaulich wird das Buch durch die Zeitzeugen-Interviews. Man kann erkennen, wer im Nachhinein nachdenklich geworden ist, wer sich partout nicht mehr an seine damalige Handlungsweise erinnern will, wer bis heute Hardliner geblieben ist und alles zur Reaktion auf die Machenschaften des bösen Westens schiebt.

Lehrer wurden bespitzelt und verhöhnt, man hatte Angst vor Denunziation. „Wir liefen jedes Mal ans Fenster, wenn draußen ein Auto vorfuhr“, erinnert sich eine Lehrerin.

Man sollte annehmen, dass dieses Buch im brandenburgischen Verbundkatalog, nicht zuletzt in der Stadt- und Landesbibliothek im Wissenszentrum Potsdam auffindbar ist. Fehlanzeige! Immerhin ist es in der UB in Potsdam ausleihbar. Ein Exemplar reicht wohl für die (von mir geschätzt) 4.000 Lehramtsstudierenden.

Wir müssen uns heute belehren lassen, wie gut die DDR-Schule gewesen sein soll und hören vom Mythos des Vorbilds DDR-Schule für Finnland. Kritische Darstellungen werden abgewehrt. Bei der DDR-Aufarbeitung ginge es vor allem um Repression belehren uns Potsdamer Historiker. Potsdamer Politologen warnen vor einer Überwältigung durch Zeitzeugen in Gedenkstätten und im Unterricht.

Dann gibt es heute noch die kritisch-linken Geister, die von der Anfangszeit der SED-Diktatur schwärmen, wo man noch mit Begeisterung den Weg zum Sozialismus gepflastert hätte und es besser machen wollte als die Nationalsozialisten.

Eigentlich müsste das Buch Pflichtlektüre für Brandenburger Lehrer und Bildungspolitiker sein.

Ergänzend siehe auch Freya Klier, Lüg Vaterland

Dagegen der Unsinn, den der sonst so kritische Götz Aly über die Wärme und Geborgenheit schreibt, die die DDR-Schule den Kindern gegeben hätte; ganz anders als die westdeutschen Schulen der Adenauerzeit. (Vielleicht ist es auch Satire und ich habe es nicht gemerkt.)

Es handelt sich im Buch von Frau Prof. Mietzner übrigens um die Schule, die Uwe Johnson besuchte.

Einige Zitate und Stichworte daraus:

Statt der (reformpädagogischen) Arbeitsschule wurde die Leistungsschule eingeführt: „Wenn der Klassenverband ständig in Gruppen aufgelöst wird oder im Unterrichtsprozess einzelne Gruppen mit unterschiedlichen Zielen und Aufgaben arbeiten, führt das zur Auflösung und Zersplitterung des Klassenverbandes im Sinne des Gruppenunterrichts der bürgerlichen Reformpädagogik, zur Negierung der führenden Rolle des Lehrers und hat eine Senkung des Bildungs- und Erziehungsniveaus unserer Schule zur Folge.“ (S. 283)

„Wir müssen alle Erziehungs- und Bildungsmöglichkeiten ausnutzen, um die Menschen zu schaffen, die in der Lage sind, die gesellschaftlichen Zusammenhänge klar zu erkennen und zu begreifen, und die Entwicklung bewusst vorantreiben helfen. diese neuen Menschen zu formen, muss beim Kinde beginnen.“ (Protokoll der Landestagung der sozialistischen Lehrer und Erzieher Mecklenburgs 1949; S. 111 im Buch)

Der Schulleiter wurde auf der Kreislehrerkonferenz ermahnt, mit der FdJ-Gruppe zu beraten, wie die Mitglieder der (christlichen; GS) Jungen Gemeinde voll auszuschalten sind. (S. 200)

Eine Interviewpartnerin erinnert sich: Der Hauswirt habe gesagt: „Immer, wenn Sie weg sind, kommen Leute und gehen in ihre Wohnung.“ Man sorgte sich, wenn der Ehemann nicht zur gewohnten Zeit nach Hause kam. Es gab eine Flucht in den Witz, aber man schaute sich vorher um. (S. 271ff)

 

Beschluss der Brandenburger Enquetekommission wird konterkariert

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2014 empfahl die Enquetekommission des brandenburgischen Landtags „Aufarbeitung der Geschichte und Bewältigung von Folgen der SED-Diktatur und des Übergangs in einen demokratischen Rechtsstaat im Land Brandenburg“,  die Gedenkstättenbesuche von Schulklassen auszubauen und die Gedenkstättenlehrer zu stärken.

Stattdessen verlautbart Bildungsminister Baaske, das er die Gedenkstättenlehrer reduziert oder abschafft, falls er Lehrer braucht.

So lustlos wie Rot-Rot mit der Enquetekommission umgingen, war es nicht anders zu erwarten gewesen.

Die Grünen hatten für den Doppelhaushalt 2015/16, mit der Begründung, dass Konsens darüber bestünde, dass Schüler/-innen zu wenig über die DDR in der Schule erfahren würden (2015!; GS), beantragt, Fahrten zu Gedenkstätten der SED-Diktatur zu bezuschussen und die Anrechnungsstunden für die Gedenkstättenlehrer zu erhöhen. Beides wurde von Rot-Rot abgelehnt! (Rot-Rot hat gleichwohl einen neuen Gedenktag eingeführt!)

Für Fahrtkosten ist zwar der Schulträger zuständig. Es verstößt aber nicht gegen geltendes Recht, wenn das  Land sich beteiligt. Fahrten nach Auschwitz.werden z. B. von der Landesregierung bezuschusst.

Update 27.6.15: Die Teilabordnungen der 14 Gedenkstättenlehrer bleiben bestehen. Für Schul-Minister Baaske ist der Lehrermangel wichtiger als die Umstzung von froderungend er Enquetekommission. Aber er ist bereit, darüber nachzudenken, ob nicht-pädagogisches Personal die Gedenkstättenarbeit übernehmen könnte.

War es Notwehr? 25% einer 10. Klasse wählen NPD

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Bei einer Wahlübung in einer 10. Realschulklasse kam die NPD auf 25%- die Lehrer sind entsetzt.

Science Files erklärt es: Das war Reaktanz!

Aus dem Schulleben vor und nach der Wende

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1986: Die Potsdamer Nadeshda-Krupskaja-Schule meldet dem MfS Schüler, die sich weigern, am Handgranatenzielwurf teilzunehmen.

1990: SED-Ministerpräsident Modrow (heute: Linkspartei) verschafft etwa 1.000 Kadern aus Stasi, SED, FDGB und FDJ Stellen in DDR-Schulen.

1992 wird bekannt, dass eine Lehrerin ein Poesiealbum an das MfS gegeben hat. Wegen eines unerlaubten Eintrages im Tagebuch wurde die Schülerin verhaftet. Die Lehrerin sollte eigentlich zum Schuljahresende einen Gruß hineinschreiben.

Die Brandenburger Enquetekommission, die den DDR-freundlichen „Brandenburger Weg“ nach der Friedlichen Revolution untersuchte, hatte herausgefunden, wie großzügig mit belasteten Personen bei der Einstellung in den Staatsdienst umgegangen wurde. Im vereinigten Berlin war man aber noch großzügiger, wie ein Bericht in der PNN vom 1.11.14, pp 13/14, zeigt.  Das lag vor allem daran, dass es in manchen Ostberliner Bezirken, wie etwa Hellersdorf, PDS-Stadträte waren, die dafür sorgten, dass ihre Leute Lehrer/-innen und Schulleiter/-innen blieben. In anderen Bezirken war man strenger. Aber auch diejenigen, die die Großzüggigkeit kritisch sehen, sind der Meinung, dass zwar manche durchgerutscht sind, auch manche ungeeignete mit Schmalspurausbildung bleiben durften, dass man aber sozialverträglich handelte. Es gab eine linke Kampagne gegen drohende „Berufsverbote“. In Sachsen gab es Morddrohungen gegen die Bildungsministerin, die schärfer gegen SED-Lehrer/-innen vorging. Man nahm in Berlin in Kauf, dass noch jahrelang die DDR im Unterricht verklärt und als starke Volkswirtschaft dargestellt wurde. Man hoffte auf selbst denkende Schüler und anders denkende Elternhäuser.

In einem Fall geht es um den stellvertretenden Direktor der EOS Max Planck in Berlin-Mitte. Die Schule war bei DDR-Kadern besonders beliebt. Der Stellvertreter war zuständig für Berufslenkung, d. h. er musste dafür sorgen, dass es möglichst viele Verpflichtungen zur NVA gab und entsprechend Schüler mit durchaus besseren Noten oder aus Arbeiter- und Bauern-fernen Elternhäusern nicht studieren durften. Er galt als harter Hund. 1990 wurde er Direktor einer anderen Schule, die mit der EOS, jetzt Max-Planck-Gymnasium genannt, zusammengelegt wurde. Er wurde auch Leiter dieser Schule. Heute ist er beliebt und geachtet, im Vorstand des Berliner Oberstudiendirektorenverbandes. Seine harte Hand bei der EOS-Berufslenkung sieht er als damaligen Systemzwang an. Ein Kollege sieht in seinem Wandel eine Stärke des Rechtsstaates, der ihm eine Chance gab.