Schule

Bertelsmann Education Group gibt bekannt

Gepostet am Aktualisiert am

Eigentlich wollte ich gerade fragen, wo die neueste Bertelsmann-Studie bleibt. Schon seit einer Woche gibt es keine neue Bertelsmannstudie. Denkste! Kurz bevor ich mit dem Schreiben anfange, höre, sehe, lese ich: Es gibt eine neue Bertelsmannstudie! Was haben die Meinungsforscher herausgefunden? Zu wenig Computer in den Schulen. Zu wenig Lehrer setzen sie ein. Schüler wollen mehr Computer. Zu wenig W-LAN in den Schulen. Zu wenig EDV-Support. Die Chancen des besseren Lernens mit Computern werden nicht genutzt.

Kein Wunder: Bertelsmann ist geschäftlich in Digitalem Lernen engagiert: Bertelsmann Education Group

Zum selben Thema: Eine Metastudie über vierzig Studien zum Unterschied von Lesen auf Papier und auf digitalen Medien hält fest, dass keine das digitale Lesen favorisiert.

Das israelische Erziehungsministerium hat neun Experten verschiedener Disziplinen befragt, wie sie zur Abschaffung gedruckter Schulbücher und Einführung digitaler Lehrbücher stehen. Alle Experten rieten ab. Das Ministerium macht es dennoch.

Leseforscher empfehlen, das Lesen auf verschiedenen digitalen Medien, E-Reader, Smartphone, Tablet, Desktop-Computer und Laptop zu untersuchen. Möglicherweise lassen sich Unterschiede fetstellen. Ganz verdammen will kein Forscher das digitale Lesen.

Nach: Fridtjof Küchemann, „Ist das nun mutig oder dumm?“, Bericht von einer Tagung in Vilnius, FAZ v. 9.10.17, p 9. Ein ähnlicher Artikel von Küchemann v. 22.3.17 hier.

Die in Vilnius versammelten Forscher sind vor allem an digitalen Medien interessiert. Die Hälfte des Programms beschägtigt sich mit allen Aspekten des E-Books. Ein bisschen tun sie mir schon leid. Denn der E-Book-Hype ist wohl vorüber.

Advertisements

Links reden, rechts leben

Gepostet am Aktualisiert am

Man kennt das aus Hessen: Die linke SPD-Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt schickte ihr Kind in den 90er Jahren auf eine Privatschule. Das war in der Zeit, in der die SPD in Hessen die Gesamtschule durchsetzen wollte und diese Schulform umfassend förderte. Sie war nicht das einzige SPD-Mitglied. Ich war deswegen sauer, weil ich, wie viele Kollegen, intensiv daran arbeitete, die Gesamtschule attraktiv zu machen.

Unschwer ließe sich die Liste verlängern: ein baden-württembergischer SPD-Kultusminister, Hannelore Kraft, zahlreiche grüne und linke (d. h. Linkspartei-) Politiker*

Jetzt schickt die linke SPD-Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ihr Kind auf eine Privatschule.

Selbstredend geht es ihr nur um den kürzeren Schulweg.

Niedlich sind die Pirouetten, die Parteifreunde drehen: Die SPD will das längere gemeinsame Lernen an staatlichen Regionalschulen durchsetzen. Aber Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) sagt auch, die Schulen in freier Trägerschaft seien Bestandteil des Schulsystems und eine sinnvolle Ergänzung. Das hört man aus SPD-Kreisen, auch hier in Brandenburg, eher selten. SPD-Fraktionschef Thomas Krüger behauptet, die Entscheidung für die eine oder andere Schulart bedeute nicht die Bewertung der „Unterrichtungsqualität“ an der Einrichtung.

(nach ndr.de)

Rainer Hank wundert sich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 10.9.17, dass Frau Schwesig deswegen mit Vorwürfen konfrontiert wird. Wo doch seit Jahren immer mehr Kinder in die Privatschulen drängen würden.

Was an dem Journalisten Hank anscheinend völlig vorbeizugehen scheint, ist die Schulpolitik der SPD, die darauf aus ist, ein egalitäres Schulsystem zu schaffen.

Nun ist Hank eine hochintellektuelle Edelfeder bei FAZ/FAS. Es kann also sein, dass mir, der ich mich nicht zu den Intellektuellen, geschweige denn den Hochintellektuellen zähle, der tiefere Sinn seiner Sätze entgeht.

Immerhin entdecke ich in derselben Ausgabe einen Text von Lydia Rosenfelder, die sich ganz anders mit Schwesigs Schulwahl auseinandersetzt als Hank. Allein schon die Begründung mit dem kürzeren Schulweg sei eine Provokation anderer Eltern, deren Kindern bis zu zweistündige Schulwege zugemutet würden.

Die Schule des Sohnes sei bilingual und böte Segeln als Schulsport an; 2.400 € koste sie im Jahr. All das nimmt sie in Kauf wegen eines kürzeren Schulwegs? Sie verkaufe ihre Bürger für dumm.

Weil es gerade um Schwesig geht: Sie reist mit einer hundertköpfigen Wirtschaftsdelegation nach St. Petersburg. Das stünde im Einklang mit der Bundesregierung. Nun ja, unser Außenminister fordert die Aufhebung der Russland-Sanktionen. Er besteht noch nicht einmal mehr auf der Erfüllung des Minsker Abkommens. (Die Kontrolle der Grenze zu Russland durch KZSE verlangt er nicht mehr.)

Wie wär´s mit einer Einladung an die russischen Kommandeure der gerade in der Ostsee, in Weißrussland und dem Königsberger Gebiet stattfindenden Manöver?

Marina Weisband bringt Demokratie in die Schulen

Gepostet am Aktualisiert am

Marina Weisband stellt sich in ihrem Wikipedia-Eintrag als Politikerin vor. Sie war einmal für elf Monate Bundesgeschäftsführerin der Piratenpartei.

Mir ist nie klar geworden, ob sie das von vornherein als Karrierebaustein angelegt hatte oder ob sie diese frühe Berühmtheit erst angefixt hat. Sie stieg medienwirksam bei den Piraten aus und schrieb ein Buch mit dem Motto „Ich  war Piratin und warum ich es nicht mehr bin“. In der FAZ gab es einen Vorabdruck.

Bei ihren nachfolgenden demokratietheoretischen Gedanken zeigt Frau Weisband allerdings, dass sie sich noch nicht ganz von den Vorstellungen einer liquiden digitalen Demokratie gelöst hat. Sie plaudert naiv daher. Da man „noch“(!) Parlamente brauche, will sie die Parlamentarier mit Liquid-Democracy-Verfahren vernetzen.

Frau Weisband konnte man es auf Grund ihres jugendlichen Alters nachsehen, dass sie sich nicht mit älteren Formen direkter Demokratie, vom antiken Scherbengericht über die Räteexperimente in Kronstadt, in Jugoslawien, Rotchina und Deutschland 1918/19 oder den parlamentarischen Rotationsmodellen der Grünen befasst hat, auch nicht mit dem, was bei Liquid Democracy alles passieren kann und warum dessen Programmierer nicht davon begeistert waren, dass die Piratenpartei mit dieser Software den Parlamentarismus übertreffen wollte. Der Spiegel-Reporter war Weisbands Buch begeistert.

Danach hatte sie erst einmal alle Hände voll zu tun: Talkshows und Interviews,  Auch wenn sie es von sich weist, dass alles, was sie tut, eine coole Selfmarketingstrategie ist: Während man die Piraten allmählich vergaß, war sie in aller Munde.

Es dauerte nicht lange, da ließ sie die Software wieder aufleben: Sie will mit Liquid Democracy die Schulen demokratisieren. Die Bundeszentrale für politische Bildung half ihr, die Kampagne zu starten.

An all dies erinnere ich mich, weil ich heute im Tagesspiegel von jemandem, den die Zeitung nicht vorstellt, ein begeisterter Kommentar zu Weisbands Projekt lese: Wie Verantwortung in Schulen gelernt werden kann. Hintergedanke: eine Welt ohne Populisten schaffen. Eine bemerkenswerte Bilanz attestiert ein Sidney Gennies der Frau Weisband.

Es war an einer Projektschule über Fahrradständer im Schulhof gestritten worden, mit Plakaten und Durchsagen. Oder: Lehrer verpflichtetenn sich, Smartphones im Unterricht einzusetzen. „Daraus erwuchs die nächste Idee: schulweites W-LAN.“

Wow! Endlich, dank Marina Weisband und ihrer Liquid Democracy, kommt Demokratie in die Schulen!

Das erinnert mich an die Journalistin Karin Storch. Sie hielt 1967 eine Aufsehen erregende Rede als Abiturientin. Die ging durch alle Zeitungen der Republik. Einer Karriere als Journalistin stand nichts mehr im Wege (u. a. ZDF-Korrespondentin in den USA). Sehr viel später konnte man erfahren, dass die Abiturrede genau dafür von einer PR-Agentur geplant war.

Vorbild und Zerrbild: wie wirkt die DDR-Schule nach?

Gepostet am Aktualisiert am

Veranstaltungen der Bundesstiftung Aufarbeitung in Berlin besuche ich recht häufig. Sie lohnen sich fast immer. Hochkarätige Referenten und mit ausgewiesenen Experten besetzte Podien sind die Regel. Im Publikum sitzen überwiegend ältere Jahrgänge, fast immer mit Erfahrungen und Wissen zum Thema.

Jedes Mal wäge ich ab: Bleibe ich im schönen Potsdam auf dem Balkon sitzen, rauche eine Zigarre, trinke einen Rosé oder mache ich mich auf den Weg nach Berlin-Mitte?

Dieses Mal hieß die Veranstaltung „Vorbild oder Zerrbild? Die DDR-Schule in der gesamtdeutschen Bildungsdebatte“.

Die Formulierung gefiel mir nicht. In der deutschen Bildungsdebatte spielt die Ostschule keine große Rolle. Das Wort „gesamtdeutsch“ gehört in die Zeit der Teilung. „Vorbild oder Zerrbild?“ taugt allenfalls als provozierende Schlagzeile. Die beiden Pole, um die eine Diskussion über die Ostschule kreisen sollte, sind sie für mich nicht.

Die eingeladenen Referenten sagten mir, abgesehen von Prof. Geißler und Frau Teuteberg nichts. Als Moderator wurde David Ensikat genannt. Vor drei Jahren hatte sein (Jugend-)buch über das kleine Land mit der großen Mauer gemischte Gefühle bei mir hinterlassen.

Das, was ich hier aufschreibe, spielt sich in Sekunden im Kopf oder eher im Bauch ab: Ich fahre nicht hin.

Den Rest des Beitrags lesen »

PISA-König Finnland: Eine Legende?

Gepostet am Aktualisiert am

Manches, an das ich mein Leben lang geglaubt habe, wenn auch immer von Zweifeln irritiert, stellt sich inzwischen als Fehleinschätzung heraus: Die Sicht auf den Vietnamkrieg, auf die Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg, auf die westdeutsche Friedensbewegung, auf die 68er. Meist habe ich darüber im Blog geschrieben.

Jetzt gerät der PISA-Sieger Finnland unter Verdacht.

Mir war von Anfang an klar, dass bei der Erklärung des herausragenden PISA-Ergebnisses die Rolle der finnischen Lehrerinnen und Lehrer unterbewertet wurde. Das Ansehen finnischer Lehrer ist sehr groß, ganz anders als in Deutschland. Die Lehrerausbildung ist anspruchsvoll. Die Bezahlung ist außerordentlich gut. Wegen des Ansturms auf den Beruf kann sich das Land leisten, nur die Besten auszuwählen, ganz anders als in Deutschland. Lehrer unterrichten sehr selbstständig, werden nur wenig von verbindlichen Lehrplänen, Standards, Kompetenzrastern oder gar standardisierten Tests gegängelt. Das Land hat wenig Immigranten.

Trotz allem hingen wir Lehrer in Hessen an den Lippen des Generaldirektors des finnischen National Board of Education, Jukka Sarjala, und des deutschen Mitarbeiters im Erziehungsministerium, Rainer Domisch. (Der als hessischer Kultusminister im Gespräch war.) Sie erklärten uns auf Tagungen, wie wie man in Finnland behutsam und unaufgeregt die Schulen reformiert habe.

Auch vom flächendeckenden, hervorragenden System der Schulbibliotheken schwärmten die damalige hessische Kultusministerin und deutsche Bibliothekare. Während mir die Vorsitzende des finnischen Schulbibliotheksverbandes schrieb, dass es das gar nicht nicht gibt.

Heute lese ich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung („Ein Märchen aus dem hohen Norden“ von André Kieserling, p 62, 28.5.17), dass es mit der PISA-Supermacht Finnland nicht weit her ist.

In den PISA-Jahren 2001 bis 2005 lag Finnland, zusammen mit den südostasiatischen Pauk- und Drillschulen an der Spitze des – umstrittenen – Länderrankings. Seither geht es bergab. Finnlands Platz verschlechtert sich von Mal zu Mal.

Nun hat ein schwedischer Wissenschaftler in frühen Schulleistungsvergleichen herausgefunden, dass der Anstieg im Lernniveau finnischer Schüler lange vor den Schulreformen (Gesamtschule, Dezentralisierung, schülerorientierte Arbeitsformen) begonnen hatte.

Warum die Schüler sich seit fast zehn Jahren verschlechtern, obwohl am reformierten Schulsystem nichts geändert wurde, blieb rätselhaft.

Nun kann ein einzelner Forscher nicht nicht alle Faktoren, die bei erziehungswissenschaftlichen Fragestellungen eine Rolle spielen, in einer einzelnen Studie, die zudem auf Sekundäranalysen beruht, umfassend untersuchen.

Aber seine Vermutung klingt vertraut: Die finnischen Lehrer unterrichteten lehrerzentriert, im Frontalunterricht. Das änderte sich in den Reformjahren erst allmählich. Die PISA-Erfolge der ersten Jahre sind wohl eher dem alten System und dem retardierenden Unterrichtsstil der Lehrer zu verdanken. Interviews mit finnischen Lehrern, die sich kritisch über Gruppenarbeit und selbstbestimmtes Lernen äußerten, dienen ihm als Zeugen.

Real Finnish Lessons von Gabriel Heller-Sahlgren

Längere DDR-Dokumentationen und Spielfilme

Gepostet am Aktualisiert am

Die Klasse – 1961, Dokumentation mit Spielszenen.

Schüler, denen in Ostberlin der Besuch der EOS, der zum Abitur führenden Oberstufe, versagt wurde, gehen in Berlin (West) aufs Gymnasium. Es gab eigens eingerichtete „Ostklassen“. 1961, kurz vor dem Abitur, werden sie vom Mauerbau überrascht.

Die Kritik (FAZ) lobt das Dokudrama von 2015.


Romeo – DDR-Spionage in Westdeutschland, mit Martina Gedeck

Nicht verwechseln mit Timothy Gorton Ashs Buch gleichnamigen Buch!


Der heimliche Blick – Wie die DDR sich selbst beobachtete 2015, 44 Min.

Aufnahmen aus dem DDR-Alltag, die nicht veröffentlicht wurden.


Stasi-Mediathek der Stasi-Unterlagenbehörde


Der Filmemacher Gerd Keil hat alle seine Filme, die meisten haben den Schwerpunkt DDR, auf einen Youtube-Kanal gestellt: über Spionage, Zwangsadoption, Stasi, Honecker und Genossen, Vereinigung, Unterricht über die DDR.

Unbedingt Gerd Keils Webseite ansehen! Sein Fluchtversuch wurde der Stasi von seinem Vater und seinem Bruder verraten.


Siehe auch die Literatur- und Medienliste „Ampelmännchen und Todesschüsse“!

Stasiakten in der Abiturprüfung

Gepostet am Aktualisiert am

Im Friedrich-Ebert-Gymnasium in Berlin-Wilmersdorf werden im Rahmen der Abiturprüfung Stasi-Akten genutzt. Die sogenannte 5. Prüfungskomponente ist eine Präsentationsprüfung, in der die Schüler ein selbst gewähltes Thema erarbeiten und vorstellen. An diesem Gymnasium wird dafür in Zusammenarbeit mit der BStU die Recherche in den Stasi-Unterlagen angeboten.

Jetzt hatte das Stasi-Museum in der Normannenstraße Abiturienten eingeladen, ihre Arbeiten vor Fachpublikum noch einmal zu präsentieren. Die Fachleute konnten feststellen, dass nicht einfach aus dem Internet abgeschrieben worden war, sondern wissenschaftspropädeutisch gearbeitet wurde.

Die Themen waren: Die Pharma-Tests westlicher Firmen, der Einfluss westlicher Rockmusik auf DDR-Gruppen, die Tauglichkeit der deutschen Einheit für die beiden Koreas. Frühere Themen waren u. a. die Verwendung radioaktiver Substanzen zur Markierung von Personen (Dies wurde bei Westreisen von Wirtschaftsvertretern eingesetzt.)

(nach einem Bericht in: Der Stacheldraht 8/2016, p 12, Zeitschrift des Bundes der Stalinistisch Verfolgten e.V., Landesverband Berlin-Brandenburg)

Grundschulen in Berlin: schlimmer gehts nimmer

Gepostet am Aktualisiert am

Im Blog Science Files: „Berliner Modell: Wie man Grundschulen zerstört und ein Bildungssystem ruiniert“

Update: Die neue rot-rot-grüne Landesregierung Rot-Rot-Grün will an den  Schulen die Sprachangebote für Arabisch, Türkisch und Kurdisch ausbauen. Damit werde die Integration gefördert, informierte die bildungspolitische Sprecherin der Grünen. Außerdem stärke Zweisprachigkeit das Denkvermögen.

Deutschpflicht auf dem Schulhof?

Gepostet am Aktualisiert am

Vor zehn Jahren gab es einen Aufstand in den sog. sozialen Medien, weil in einer Berliner Schule vereinbart worden war, nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Pause auf dem Schulhof Deutsch zu sprechen.

In der multikulturellen Schule mit einigen Dutzend Muttersprachlern war dies von Schülervertretung, Elternbeirat und Kollegium einvernehmlich beschlossen worden.

Pädagogen, Eltern der Schule mit Migrationshintergrund und der aus Pakistan stammende Schulsprecher mussten den eigentlich selbstverständlichen Beschluss der Öffentlichkeit erklären. Die Wutbürger/-innen und die Medien, die sich über die angebliche Deutschtümelei aufgeregt hatten, fanden bald danach anderswo andere Geschehnisse, über die sie sich aufregten.

Lautstark hatte vor zehn Jahren auch ein türkischer Verein gegen Deutsch in der Pause gewettert. Er sieht seine Zeit jetzt gekommen und verlangt von dem zukünftigen Berliner Senat, er solle die Schulen „anweisen“, eine Deutschpflicht auf dem Schulhof zu verhindern.

(nach FAZ v. 11.10.16, p 9, „Man sprach Deutsch“ von Regina Mönch)

Soziologische Bestätigungsforschung

Gepostet am Aktualisiert am

Vor einem Jahr schrieb ich mir (im Blog „Basedow1764“) meinen Frust über die überflüssig gewordenen akademischen Fächer Sozial- und Politikwissenschaften von der Seele. Die Soziologie bestehe heute in weiten Teilen aus Armuts- und Frauen- bzw. Genderforschung, schrieb ich. Die sozialwissenschaftlichen Lieblingsvokabeln seien: rassistisch, rechtspopulistisch, islamophob, neoliberal, sexistisch, benachteiligt, unterprivilegiert, frauenfeindlich. Die müsse man nicht mehr definieren. Sie zu verwenden zeige, dass man auf der richtigen Seite stünde.

Gerald Wagner macht in seinem Bericht vom Deutschen Soziologentag 2016 (FAZ v. 5.10.16, p N3, „Soziale Ungleichheit ist nicht das Böse“) einen einfachen Vorschlag, den umzusetzen vielen Soziologen aber schwerfallen wird.

Es gehe in immer wieder neuen Studien darum, dass Armut und Arbeitslosigkeit die Bildungverläufe von Kindern negativ beeinflussten. Es würden Armutskarrieren aus Hartz-IV-Familien untersucht und immer wäre die Schule unfähig, Ungleichheit abzubauen. Die Norm für die Soziologie wäre Gleichheit. Sie erforsche Ungleicheit, was zu einer „völlig überraschungsfreien Bestätigungsforschung“ führe. Die herrschende empirische Sozialforschung, so Wagner, bestätige, was man schon vorher gewusst habe. Diese Art der Forschung könne man eigentlich lassen und das gesparte Geld in die Pädagogik geben.

Wagner schlägt nun vor, statt auf immer dieselben sozialstatistischen Daten zurückzugreifen und mit jeder neuen Studie die vorhergehenden Studien über soziale Ungleichheit und Benachteiligung in Schule und Arbeitswelt zu bestätigen, doch einmal zu untersuchen, wie es passieren kann, dass manchen Kindern aus bildungsfernen Schichten ein Bildungaufstieg gelingt.

Ich frage mich schon bei Gelegenheit ganz unwissenschaftlich, was da passiert ist: Wenn ich eine türkischstämmige Abiturientin bei „Wetten dass…“ glänzen sehe oder ein türkischstämmiger Jurist in einer Nachrichtensendung zu hören ist. Dass nicht nur die Schule am mangelnden Bildungserfolg Schuld hat und Ungleichheit produziert, wie Studien immer wieder herausgefunden haben wollen, zeigen mir die Bildungsverläufe von Kindern anderer Herkunft. Früher galt das für die Einwanderer aus Portugal oder Griechenland, oder es ist die hohe Zahl der Abiturienten in (christlichen) vietnamesischen Familien.

Schrecken Soziolog/-innen davor zurück, Ursachen von Ungleichheit auch in der familiären Erziehung zu erforschen?

Nicht zuletzt Schule könnte, so Wagner, davon profitieren, wenn ein Paradigmenwechsel der soziologischen Forschung dazu führen würde, nicht immer neu von ihr Unmögliches einzufordern.