Russland

Der erste totale Krieg: der russische Bürgerkrieg 1918 – 22

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Man kennt die Memoiren russischer Adliger und den Film Doktor Schiwago, vielleicht noch Michail Ossorgin, Eine Straße in Moskau, und Michail Bulgakow, Die weiße Garde.

Der Bürgerkrieg spielt aber im historischen Rückblick keine große Rolle. Dabei war er brutal und grausam und vor allem: total.

Der russische Bürgerkrieg war ein epochaler Dammbruch der Gewalt, von Nikolaus Katzer, Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Moskau und Professor für osteuropäische Geschichte, NZZ, 23.7.2018

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Die Aktivitäten eines russischen Geheimdienstlers

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Er ist in der DDR als Sohn eines sowjetischen Generals geboren. Seine erste „Großtat“ war der Abschuss einer Passagiermaschine mit einer russischen Rakete über der Ukraine.

Er half, Südossetien von Georgien abzutrennen, und war dort Minister. Er gründete ein „Forschungsinstitut“, das für Russland PR-Strategien entwirft und er ist der Schöpfer der Privatarmee „Wagner“. die Söldner waren und sind in Südossetien, Abchasien, auf der Krim, in der Ostukraine und in Syrien aktiv.

Die Strategie ist immer gleich: Kleine grüne Männchen sichern Russland ein Stück des Territoriums und zündeln ein bisschen, aber nur so viel, dass der betroffene Staat zwar dadurch gebunden wird, aber der Rest der Welt sich daran nicht weiter stört. So geschehen in Georgien, in Moldawien und in der Ukraine. (Im Baltikum hat das nicht funktioniert. Dort ging der Beitritt zu EU und NATO sehr schnell. Dort gibt es stattdessen Cyberkriege, Scheinangriffe der russischen Luftflotte und Bodenmanöver, in denen der Durchmarsch zur Ostsee geübt wird. Auch ist die Abhängigkeit von russischen Energielieferungen groß. Im Gegensatz zu Deutschland wird sie allerdings verringert.)

Wenn diese Biographie nicht von Bellingcat recherchiert worden wäre, könnte man glauben, John Le Carré übertreibt in einem neuen Buch ein wenig.

Der Schattenmann hinter dem Abschuss von MH17

Am Rande bemerkt: Im Vergleich zu Belingcat fällt umso mehr auf, was für kleine Würtstchen die Rechercheverbünde und Faktenfindereien deutscher Qualitätsmedien sind. Dabei profitieren sie von den Milliarden des Herrn Soros, während Bellingcat von Fundraising lebt.

Update 2.8.18: In der Zentralafrikanischen Republik sind drei russische Journalisten getötet worden. Sie waren im Auftrag von Michail Chodorkowki für eine Recherche über die Söldnertruppe Wagner eingereist. (PNN v. 2.8.18, p4)

Deutsche Medien fassen Putin mit Samthandschuhen an

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Putins Fürsprecher bekommen… hierzulande regelmäßig eine große Bühne. (Russlandkenner und -liebhaber Boris Reitschuster)

Reitschuster nennt Beispiele: Die Zusammensetzung von Talkshows zugunsten Putins, die Zusammenarbeit ÖRR und RT. Kreml-Lobbyisten werden als Experten vorgestellt.

Und Namen: Platzeck, Krone-Schmalz, Verheugen, Theveßen, Illner, Maischberger, Lanz.

EU-Juncker fordert Ende des Russland-Bashings

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juncker_putin

Russia Today (RT) ist begeistert und im Kreml wird man mindestens schmunzeln: EU-Kommissionspräsident Juncker fordert ein Ende des Russland-Bashings.

Wahrscheinlich informiert sich Herr Juncker ausschließlich bei RT über das Weltgeschehen. Vor einer Woche wurde der Abschlussbericht über den Abschuss der MH17 mit 200 Toten durch Russland vorgelegt. Im Krieg mit der Ukraine gibt es nahezu täglich Tote, vorgestern war es eine 14jährige. Unliebsame Oppositionelle und Journalisten werden ermordet. Die meisten Nachbarstaaten, natürlich nicht Nordkoreas, haben Probleme mit Putins Russland.

 

Putins Seekrieg gegen die Ukraine

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Mit der Brücke über die Straße von Kertsch hat Putin nicht nur eine Landverbindung zur Krim geschaffen. Gleichzeitig schränken die Maße der Brücke die Durchfahrt großer Schiffe ein. Die ukrainischen Häfen von Mariupol und Berdyansk haben dadurch weniger Schiffsverkehr und geschätzt schon 20 Mio Dollar Verluste.

Die russische Marine hat ihre Präsenz im Asowschen Meer verstärkt. Sie kontrolliert Schiffe, die in die ukrainischen Häfen fahren und verursacht so stundenlange Verzögerungen. Internationale Reedereien meiden inzwischen die ukrainischen Häfen am Asowschen Meer.

Neue Sprachregelung in der Ukraine

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Wenn es nach dem Buchstaben des Gesetzes gegangen wäre, durfte die ukrainische Armee keinen Krieg auf dem eigenen Territorium führen. Deswegen sprach man immer von Terroristen, die in der Ostukraine aktiv wären. Dazu brauchte es keine Kriegserklärung gegen einen fremden Aggressor.

Der Krieg im Osten der Ukraine ist hierzulande etwas in den Hintergrund getreten. Beschworen wurde von unseren Politikern ständig der „Friedensprozess“ von Minsk und der Wille, das Gespräch mit Moskau zu suchen. (Es gibt seit Jahren allein in Deutschland mehrere Gesprächskanäle mit Russland und die Bundeskanzlerin telefoniert regelmäßig mit Putin. Es besteht wahrlich kein Mangel an Gesprächsgelegenheiten.) Während des Minsker „Waffenstillstands“ hat Russland das abtrünnige ostukrainische Gebiet um die Größe von Hessen erweitert.

Nicht zuletzt die Armeeführung drängte auf einen legalen Status ihres Kampfes gegen russische Soldaten und Söldner in der Ostukraine. Jetzt, nach gesetzlichen Änderungen, spricht man in Kiew offen vom Aggressor Russland. Die Armee hat ihre Führungsstruktur neu organisiert. Sie ist keine Parlamentsarmee mehr, sondern untersteht allein Präsident Poroschenko.

Russland reagiert verärgert.

Nach: Poroshenko redefines Donbas fighting so Kyiv can call things by their proper names

Noch etwas: Ukrainische Firmen und Privatpersonen haben Russland wegen der Enteignungen auf der Krim verklagt. Der Internationale Schiedsgerichtshof in Den Haag hat jetzt entschieden, dass Russland mit den Enteignungen nach der Krim-Annexion 2014 gegen einen bilateralen Vertrag mit der Ukrine verstoßen habe. Russland, das den Schiedsgerichtshof anerkennt und in anderen Fällen auch schon Urteile befolgte, will Berufung einlegen.

Putins Propagandasender öffnet neue Kanäle

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putin portal

Russia Today, seit einiger Zeit nur noch RT, ist der Auslandspropagandasender Putins, der ganz im Stil westlicher Nachrichtensendungen dazu beitragen soll, Fake-News zu verbreiten. Chefin Margarita Simonyan spricht nicht zufällig davon, dass ihr Nachrichtenststudio einem militärischen Gefechtsstand ähnele.

RT Deutsch hat seinen Sitz in Berlin. Ebenfalls in Berlin sitzt der Sender Ruptly. Er ist ein Klon von RT. Neuerdings hat RT auch zwei Kanäle, die vornehmlich auf Youtube und Facebook auftreten. Sie sollen die Jüngeren, die nicht mehr fernsehen, erreichen.

Neben RT, das 2005 auf Sendung ging, gibt es seit 2014 auch das Nachrichtenportal Sputnik. So hieß die Auslandszeitschrift der Sowjetunion. Sputnik hat in 34 Ländern 130 Redaktionen. Sputnik inszenierte u. a. die Kampagne „Unser Mädchen Lisa“ über einen angeblich von Migranten vergewaltigten russlanddeutschen Teenager in Berlin. Auch der russische Außenminister Lawrow scheute sich nicht, den Fall anzuheizen.

In St. Petersburg sitzen zudem vierhundert staatliche Angestellte, die täglich einige tausend Kommentare auf Blogs, in Facebook und Twitter verbreiten.

Jetzt hat RT zwei neue Kanäle:

ICYMI, In case you missed it, ist kaum noch als russische Propaganda erkennbar. Es geht um alles, was die Youtube-Generation mag, nur manchmal sind pro-russische Verlautbarungen eingestreut. Gelegentlich bekommen Themen am Schluss einen prorussischen, antiwestlichen Dreh. Etwa, wenn ein Metoo-Beitrag damit endet, dass sich der Westen aber nicht um Frauen im Jemen oder im Irak kümmere.

Dass ICYMI zu RT gehört wird auch daran erkennbar, dass RT-Moderatoren auftreten.

The Now ging aus einer RT-Talkshow hervor. Es ist ebenfalls auf Youtube und Facebook aktiv. The Now ist höchst unterhaltsam. Die russische Sicht auf das Weltgeschehen kommt kaum vor. Dafür werden angebliche westliche Fake-News entlarvt und vor allem gibt es Vermischtes über Computerspiele oder einen Mann, der Hunde küsst. Nur wenn es um das Gedenken an die sowjetischen Opfer des Zweiten Weltkrieges geht, wird erkennbar, wo der Sender zu Hause ist.

nach EU vs Disinfo

Die russischen Söldner in Syrien

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Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet über den Einsatz russischer Söldner in Syrien. Ähnlich wie in der Ost-Ukraine versucht Putin tote russische Soldaten möglichst zu vermeiden. (Bisher offiziell ca. 40 tote russische Militärs in Syrien.) Die Mietsoldaten gehören zu einer „Wagner“ genannten Organisation und werden in der Nähe von Rostow ausgebildet. Es sind sie, die in der Regel die von Assad-Gegnern gehaltenen Städte einnehmen. Anschließend rollten die mit Fahnen geschmückten syrischen Panzer die Stadt. Das würde dann im Fernsehen gezeigt werden. 2 bis 3.000 sollen ständig in Syrien kämpfen. Einige hundert Tote hätte es bei ihnen gegeben.

Die Wagner-Truppen werden von Rostow am Don nach Syrien geflogen. Auf dem Flughafen in Rostow werden Flüge nicht angezeigt, sie finden nachts statt. Aber auf Flight-Tracking-Webseiten sind sie zu sehen. Da russische Militärmaschinen nicht ausreichen, werden sie von iranischen und syrischen Zivilflugzeugen transportiert. Da es westliche Sanktionen gegen die beteiligten Staaten gibt, sind die benutzten Maschinen westlicher Bauart auf verschlungenen Wegen über diverse Leihfirmen und nationale Flugregister, etwa in Irland und der Ukraine, im Iran bzw. Syrien gelandet. Von Reuters angefragte Manager der beteiligten Firmen geben sich ahnungslos oder antworten nicht.

Ich hätte mir gewünscht, das hier Beschriebene wäre vom Rechercheverbund WDR, ndr und Süddeutsche Zeitung recherchiert worden. Aber unsere Presseagenturen, Redaktionsnetzwerke, Rechercheverbünde und Faktenchecker verschreiben sich lieber dem Kampf gegen Rechtspopulisten, Steuersünder und Israel.

How Russian mercenaries travel to Syria on secret flights – Business Insider

(via Gunnar Heinsohn auf AchGut)

Siehe auch: russische Militärfirmen (Nachtrag)

Putin hat was

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Es gibt ca. 40 Mordanschläge, die der russischen Regierung angelastet werden. Ein Kennzeichen ist, dass die russische Regierung so gut wie nie hundertprozentig überführt werden kann. Sie hat an Aufklärung kein Interesse, bietet immer mehrere Versionen des Tathergangs und der Täter an, im aktuellen Fall Skripal sind es bis jetzt zwanzig.

Diese klassische Desinformationspolitik, die schon zur Zeit der UdSSR üblich war, wird bierernst vom russländischen Außenminister vorgetragen und ebenso feierlich von unseren Medien wiederholt. Unsere Trolle rufen: „Keine Vorverurteilung!“, als ob Kommentare und Diskussionen über die mutmassliche Täterschaft im Dunstkreis Putins strafbar wären.

In Moskau macht man sich lustig über den Westen. Man hat dort seine Fünfte Kolonne, die Linkspartei, die Moskaus „Fragen“ an die britische Regierung als Bundestagsdrucksache übernimmt. Die Trolle in Politik und Gesellschaft wollen reden, im Gespräch bleiben, Brücken bauen und Vertrauen schaffen, auch wenn Putin das Gegenteil macht.

Wie verrückt es in Russland zugeht, zeigt eine Szene auf dem Roten Platz, die Jan C. Berends auf Salonkolumnisten schildert.

Über die Liebe der Deutschen zu Putin