Rassismus

Ein Buch aus den 70ern macht linksgrüne Politik verstehbar

Gepostet am Aktualisiert am

Ayn Rand war russische Jüdin, die in den USA eine mäßig erfolgreiche Schriftstellerin wurde. Ihre Bekanntschaft mit dem Sowjetkommunismus führte sie zu einer Apotheose des Kapitalismus und der Freiheit des Individuums. Es gibt Kritiker, die überzeugt sind, dass sie mit ihren Romanen und wirtschaftspolitischen Schriften die Urheber des zügellosen Turbokapitalismus der US-amerikanischen Finanzwelt beeinflusst hat.

Das mag sein oder auch nicht. Ich würde Ayn Rand schon als als libertär einordnen.

Was mich faszinierte, war die Lektüre einiger ihrer wirtschafts- und gesellschaftspolitischer Aufsätze. Sie lesen sich wie ein Kommentar zur aktuellen deutschen Gesellschaftspolitik.

Ayn RandSie erschienen 1971 in einem Sammelband in den USA. Jetzt wurden sie ins Deutsche übersetzt.

Es ist verblüffend: Frau Rand sagt in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts gesellschaftspolitische (Fehl-)Entwicklungen voraus, die zum Teil noch heute nicht durchschaut und daher begrüßt werden.

Sie zeigt, veranschaulicht durch Beispiele, wie gesellschaftlicher Fortschritt durch Linke und Grüne verhindert wird. (In den 60ern waren es die Hippies, die Blumenkinder, die die sie umgebende  Gesellschaft ablehnten. Sie waren sozusagen der Ursumpf, aus dem die alternativen Bewegungen hervorgingen.)

Technische Erfindungen, medizinische Forschungen, industrielle Entwicklung werden nicht als nützlich und hilfreich gewürdigt, sondern kritisiert. Dagegen werde das einfache Leben verherrlicht.

Ihre fast 50 Jahre alten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten. Schritt für Schritt wird die Deindustrialisierung des Landes vorangebracht (zumindest in Deutschland): die Abschaffung der Atomkraftwerke, die Abschaltung konventioneller Kraftwerke, das Verbot der Genforschung, das geplante Verbot von Verbrennungsmotoren.

Gefördert wird die Deindustrialisierung von der Umweltbewegung. Viele Menschen glaubten, der Umweltbewegung ginge es um reine Luft und sauberes Wasser für die Menschen. Wenn es aber zu Konflikten zwischen den Interessen der Menschen und der Natur käme, würden die ersteren von den Umweltschützern den letzteren geopfert. Der Staudamm wird nicht gebaut, wenn der Chinook-Lachs dadurch gefährdet würde. Neue Wohnungen würden nicht gebaut, wenn das Nest der Tüpfeleule beschädigt würde. Mir fällt dazu die Kontroverse um die Biber ein, die die brandenburgischen Oderdeiche zerstören.

Aus der Rinde der Pazifischen Eibe wurde in den 60ern ein Krebs-Medikament gewonnen, das Forscher für das bedeutendste Medikament des Jahrzehnts hielten. Die Produktion wurde gestoppt, weil, die Eibe der Heimatbaum der Tüpfeleule ist.

Das Verbot von Tierversuchen in der Pharmaforschung wird damit begründet, dass es kein Menschenrecht gäbe, nicht von natürlichen Krankheiten befallen zu werden. Das sei nun mal so.

Den Konzernen wirft sie vor, nicht standfest zu sein und dagegen zu halten. Im Gegenteil, McDonalds und andere würden darin wetteifern, die besten Umweltschützer zu sein.

Frau Rand zitiert einen Umweltschützer, der analog zu Tierrechten auch das Recht von Pockenviren anerkennt, nicht vernichtet zu werden. Sie würden bloß Menschen befallen.

Die Umweltbewegung benutze Wissenschaft um zu verwirren: Katastrophenszenarien, Halbwahrheiten, Fakten ohne Kontext.

Die nicht bekämpften Absurditäten von heute, schreibt sie, sind die akzeptierten Parolen von morgen. Wem fiele dazu nicht die gendergerechte Sprache, das Profx, oder der Unterricht zur sexuellen Vielfalt im 6. Schuljahr ein? Oder der Bildungswissenschaftler, der in einer Anhörung im saarländischen Landtag für die Öffnung der Gymnasien für geistig behinderte Kinder fordert. Diversity at its best!

Anscheinend haben Multikulturalisten schon in den 60er Jahren dafür gesorgt, dass in den US-Universitäten auf „Diversität“ und die Gleichwertigkeit von Kulturen geachtet wurde. Jede Formulierung, mit der eine Kultur positiver als eine andere gesehen wurde, galt als ethnozentrisch, heute würde man sagen rassistisch.

Multikulturalismus werde Individualität und Wertmaßstäbe abschaffen. Wer Goethes Faust gut findet, diskriminiert durch diese Wertung einen javanischen Regentanz. Wer einen guten Mathematiker einstellt, diskriminiert schlechte Rechner.

Kultur wird Gruppen, gerne Minderheiten, zugeordnet. Ayn Rand spricht von Tribalismus. Nicht das Individuum zähle, sondern der Stamm: Das Individuum ist z. B. definiert durch seine Zugehörigkeit zu einem homosexuellen Kulturkreis oder zu einer schwarzen Kultur. Multikulturalisten verstoßen aber selbst gegen das Gebot der Nichtwertung und Nichtdiskriminierung. Kritisiert würden ausschließlich Amerikaner, Weiße und Kapitalisten für ihren Ethnozentrismus. Sie hielten ihre Gesellschaftsordnung, ihre Wissenschaft, ihre Werte für besser. Das verstoße gegen den Multikulturalismus.

Multikulti macht Integration unmöglich. Früher habe man vom Melting Pot USA gesprochen. Da haben Menschen ein gemeinsames Wertesytem akzeptiert. Der Einzelne hatte Rechte, konnte sich entfalten, konnte (und musste) etwas leisten. Für Multikulturalisten zählt allein die Zugehörigkeit zum „Stamm“: die Quote für Schwarze, für Frauen und Behinderte. Ein neuer Rassismus von links?

Ein faszinierendes, prophetisches Buch.

Es mag manches übertrieben klingen, aber Ayn Rand denkt konsequent zu Ende. Wer Tierrechte im Grundgesetz verankern will, denkt der auch an die Rechte der Tsetsefliege oder nur an den Wolf?

Heute-Show „entdeckt“ Rassismus in der CSU

Gepostet am Aktualisiert am

Die Heute-Show soll eine Satire-Sendung sein. Ich sehe sie nicht, weil mir darin zu viel geschrien und oft der Holzhammer geschwungen wird. Aber manche Mitbürger_innen nehmen sie als seriöse Information, nach denen sie sich ihre Meinung bilden.

Die Heute-Show hat sich gerade die Anwartschaft auf einen weiteren Grimme-Preis gesichert:

 

Entwicklungsminister Gerd Müller ist gewiss kein politischer Shooting Star. Er hat aber Ahnung von Afrika und setzt sich für sehr Afrika ein.

Müller liebt prägnante, bildhafte Formulierungen, um etwas zu verdeutlichen. Kürzlich gebrauchte er in einer längeren, kenntnisreichen Rede über den afrikanischen Kontinent einen anschaulichen Vergleich (s. Videoclip!): „Wenn afrikanische Frauen 100 Dollar verdienen, bringen sie 90 nach Hause.“ Dann fragt er: „Wie viel bringt ein afrikanischer Mann davon nach Hause? Dreißig Dollar! Was er mit dem Rest macht? Alkohol, Suff, Drogen, Frauen natürlich.“

Müller setzt, wie alle Entwicklungsexperten, auf die Macherqualitäten der afrikanischen Frauen. So wurde auch dieses Mal seine Rede verstanden. Es regte sich kein Protest, auch nicht von anwesenden nichtweißen Nichteuropäerinnen.

Die preisgekrönten KabarettistInnen lassen den ersten Teil weg und schon haben sie einen weißen, xenophoben Rassisten. Den Satz verbreiten sie unter dem Hashtag CSU und dem Stichwort Rassismus. Und erreichen zwei Gutmenschen, die sich twitternd empören: SPD-Geschäftsführerin Barley und einen Entwicklungspolitiker der Grünen.

(nach einem Bericht von Lydia Rosenfelder in der FAS v. 20.11., p 12)

Wie heutzutage üblich, muss sich Müller entschuldigen.

Wie lautet ein in der Heute-Show beliebter Satz?: „Halt die Fresse, jetzt rede ich!“ so geht Satire heute.