Potsdam

Matrosenstation Kongsnaes wieder hergestellt

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Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es am Jungfernsee, gegenüber von Sacrow und unweit der Glienicker Brücke eine Matrosenstation. Sie diente als Ausgangspunkt für Ausflugsfahrten der Hohenzollern. Der marinebegeisterte Wilhelm II. segelte lieber als zu regieren. Von einer Nordlandreise brachte er die Idee mit, die Matrosenstation im norwegischen Stil, dem Drachenstil, umzugestalten. Das Vorbild war ein Restaurant in Oslo. Das Ensemble bestand aus einer Empfangshalle, der Ventehalle, einem Matrosenheim, einem Schiffsführerhaus und einem Bootshaus. Die Baumaterialien kamen aus Norwegen.

In den letzten Kriegstagen 1945 wurden Ventehalle und Bootshaus in Brand geschossen. 1961 ließ die SED die Reste beseitigen, da hier der Todesstreifen gegenüber West-Berlin verlief.

Heute ist die hier verlaufende Schwanenallee eine der teuersten Wohngebiete Potsdams.

In der Ventehalle soll ein kleines Restaurant entstehen. Dagegen liefen zwei Anwohner der Schwanenallee, darunter der ehemalige Bild-Chefredakteur Dieckmann, Sturm. Sie verloren allerdings sechs Jahre lang in sämtlichen Instanzen.

Zum Glück gab der Investor Michael Linckersdorff nicht auf.

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Besuch aus der norwegischen Botschaft:

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Die Kongsnaes-Webseite

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Die Schönheit der Stadt

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Klotz der Fachhochschule Potsdam, errichtet als Ersatz für zwei im Krieg teilweise zerstörte Altstadtquartiere. Gilt als DDR-Unikat; Bild: maz-webcam

 

Vor einiger Zeit machte ich meinem Unverständnis Luft, weil Kunsthistoriker und FAZ-Journalisten uns, dem einfachen Potsdamer Bürger, weismachen wollen, wie eine Stadt auszusehen hat. „Sie gönnen uns nicht, in einer schönen Stadt zu leben“, schrieb ich damals.

Jetzt höre ich davon, dass in amtlichen Papieren der mittelalterlichen Stadt Siena von der Schönheit der Stadt gesprochen wurde. Schönheit war in Siena eine Kategorie des Städtebaus, die ernst genommen werden musste:

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Aus: Michael Stolleis/Ruth Wolf (Hrsg), La bellezza della città: Stadtrecht und Stadtgestaltung im Italien des Mittelalters und der Renaissance, p 17. (Schönheit hat ihren Preis. Das Buch kostet 109,95 €)

Der Potsdamer Verein „Mitteschön“, der sich für eine Wiederherstellung der Potsdamer Mitte einsetzt, trägt seinen Namen zu Recht.

Beruhigt sehe ich, dass auch Fachleute, „Architekten und Stadtplanerinnen“ diskutieren, was unter Schönheit der Stadt zu verstehen wäre; Jedenfalls ein äußerst komplexes Thema mit vielen Facetten. Die Ausgabe 24/2017 der Planungsrundschau hat des Thema „Die schöne Stadt“. Die Einführung ist so erschöpfend umfassend, dass ich nicht mehr durch die zahlreichen Beiträge mit ihren interessanten Titeln blättern mag.

Ich lasse mich ablenken und achte im Einführungstext mit wachsender Begeisterung auf die genderistischen Einsprengsel. Zwar sagen die Autorin/der Autor, dass das generische Maskulinum bei ihnen für alle Geschlechter stehe. Dann aber tauchen hin und wieder die ausgewogen klingenden „Architekten und Stadtplanerinnen“ oder „Investoren und Developerinnen“ auf. Nur die Bauherren bleiben konsequent männlich. Stadtproduzenten, was immer das auch sein mag, sind ebenfalls nur männlich. Fünf Zeilen später tauchen aber „Akteurinnen der Stadtproduktion“ auf, was im Vergleich zu Stadtproduzent weniger gewichtig klingt. Inkonsequent ist es, von „Akteurskonstellation“ zu schreiben. Müsste es im Kontext dieses sprachlich elaborierten Textes nicht Akteur*Innenkonstellation heißen?

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

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Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar.

Trüby schäumt seit Jahren gegen „Blut-und-Boden-Architektur“. Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Deutsche Eiche! Sonst fackelt die Antifa euer Häuschen ab. Prof. Dr. Stefan Trüby liefert die Adressen.

Das Research Center Sanssouci

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Park Sanssouci

„Friederisiko“ – die grandiose Ausstellung zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen 2012 war der Auslöser für die Gründung des Research Centers Sanssouci für Wissen und Gesellschaft (RECS). Bei der Ausstellung hatten Wissenschaftler der Universität Potsdam und die Experten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erfolgreich zusammengearbeitet.  Das gab den Ausschlag für das Institut, das 2016 unter dem Dach der Schlösserstiftung gegründet wurde und in ein Gebäude im Park Sanssouci einzog. Forschungsgegenstände sind der Nachlass Friedrichs des Großen, darunter auch die Ausgaben für den königlichen Haushalt, die Schlösser und Gärten der Hohenzollern und die Geschichte Brandenburg-Preußens bis hin zur europäischen Aufklärung.

In einem Blog werden Forschungsvorhaben und -Ergebnisse vorgestellt sowie Veranstaltungen angekündigt.

 

Neues von der neuen Potsdamer Mitte

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Der Abriss der ehemaligen Fachhochschule macht Fortschritte. Ein letzter Blick darauf, wie der Bau die Nikolaikirche verdeckte:

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Der Klotz der Stadt- und Landesbibliothek wurde nicht abgerissen, sondern renoviert. Die Wohn- und Geschäftshäuser, die auf dem FH-Areal (wieder) errichtet werden, wird der Klotz überragen. Das ist auf dem linken Plakat an der Außenwand zu erkennen (im roten Kreis; größeres Foto durch Anklicken!).

SLB Potsdam

 

Die Neubauten an der Alten Fahrt:

Potsdam_Alte_Fahrt

Das Palais Barberini von der Flußseite

Palais_Barberini

Wenn´s dem Esel zu wohl ist, geht er aufs Eis tanzen

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Potsdam war nach der Friedlichen Revolution die Jammer-Hauptstadt des Ostens. In Potsdam kämpft die gut organisierte, von der Stadt subventionierte und von der Presse dankbar begleitete linke Szene gegen Sichtachsen, „Barockfaschismus“ und die Rückkehr des Faschismus, wenn die Garnisonkirche wieder aufgebaut werden würde.

Bürgerinitiativen kämpfen für den Erhalt eines verwilderten Hundeauslaufplatzes, wenn Privatleute dort einen Park restaurieren wollen.

Als die Stadtverwaltung in einer Straße abgestorbene Bäume fällen ließ, gründeten die Anwohner, deren Autos mit ihrem heraustropfenden Motorenöl die Baumwurzeln geschädigt hatten, eine Bürgerinitiative zum Erhalt der Bäume.

Die Firma SAP ist m. W. der einzige deutsche Global Player im IT-Bereich. Hasso Plattners Firma betreibt in Potsdam mehrere Forschungs- und Lehreinrichtungen, zum Teil in enger Kooperation mit der Universität. Nicht zuletzt durch SAP ist Potsdam zur bedeutenden Forschungsstadt geworden.

Nun soll ein SAP-Campus neben der Universität noch einmal erweitert werden. Es geht, so liest man, um eine Art Stanford in Potsdam. Stanford liegt in Kalifornien, nahe dem Silicon Valley, und ist eine der angesehensten Universitäten der Welt.

Der Charakter eines Campus im Grünen soll erhalten werden, aber einige Bäume müssen gefällt werden. (Ersatzaufforstungen sind in Deutschland Vorschrift.) Die Stadtverwaltung weist darauf hin, dass sie auf dem vorgesehenen Baugelände schon mehrere marode Bäume hat fällen müssen. (Sie liegen noch dort. Man kann sich davon überzeugen, dass sie im Innern abgestorben sind.)

Die in Potsdam starke Linkspartei und die kleine grüne Truppe schreien Zeter und Mordio wegen des Plans.

Nun kommt vom nordrhein-westfälischen Wirtschaftsminister die Einladung, den neuen Campus ins Ruhrgebiet zu verlegen. Es wäre den grünlinken und linksextremen Potsdamer Schreiern zu wünschen, dass Plattners Stanford woanders gebaut wird.

2012 bekam Plattner schon einmal mit, welches Meinungsklima in Potsdam herrscht. Er wollte eine Kunsthalle für seine Gemäldesammlung zu errichten. Er ließ sich vom Oberbürgermeister überreden, deswegen den Abriss eines DDR-Hotelhochhauses aus den 70er Jahren zu bezahlen und auf dem Gelände zu bauen.  Ich habe miterlebt, wie Plattner und die sich für den Bau aussprechenden Potsdamer auf einer Kungebung von Linksextremist/-innen niedergeschrien wurden. Plattner wurde als übler Kapitalist beschimpft. (In den Medien heißt es dann immer, ein Projekt wäre umstritten und spalte die Stadt.)

Er zog danach seine Zusage zurück, konnte aber dafür gewonnen werden, das Palais Barberini als Kunstmuseum wieder zu rekonstruieren. Das wurde in kürzester Zeit zu einer bundesweit beachteten Institution.

 

Katarina Witt wohnt jetzt in Potsdam

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Mit Katarina Witt, der mehrfachen Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Eiskunstlauf, Schauspielerin und Buchautorin, zieht weitere Prominenz nach Potsdam.

Anlass genug für den in Prenzlauer Berg wohnenden Potsdam-„Experten“ Claudius Seidl, den journalistischen Universalgelehrten (rbb-online) und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die Neu-Potsdamerin zu interviewen.

Sie beweist wieder einmal, dass sie realistisch ist und selbstständig denkt. Von Seidl lässt sie sich nicht aufs Glatteis führen.

Er will wissen, warum die Ostdeutschen rassistisch sind. Frau Witt versteht es nicht, aber weiß, dass sie in der DDR als Auslandskader privilegiert war, aber auch gelernt hat, Leistungen zu respektieren, egal welche Hautfarbe der Sportler hatte. Sie versteht die materiellen Sorgen und Ängste der Ostdeutschen in der Zeit nach der Friedlichen Revolution. Vor allem aber schätzt sie das Glück, dass mit der Wende die Demokratie kam.

Seidl fasst nach: Könnte es sein, dass die Ostdeutschen sich in der neuen Bundesrepublik nicht repräsentiert fühlten mit ihrer DDR-Vorgeschichte? Wäre die DDR nur Irrtum und das Falsche gewesen?

Frau Witt bleibt dabei: Es könnte sein, dass man sich zu wichtig nähme. „Die Idee, dass die DDR das bessere Deutschland wäre, hat nicht funktioniert.“ Den Mauerfall sieht sie als Glücksfall. Vielleicht brauche es mehr Menschen, die das den Leuten noch besser erklärten.

Seidl gibt nicht auf: „Kolonisiert, dominiert vom Westen fühlten Sie sich nie?“

Witt: „Nein, null, wieso sollte ich?“

Dann spricht der Potsdam-Experte: „… in Potsdam fällt doch auf, wie radikal alles, was an die DDR erinnern könnte, aus dem Stadtbild entfernt wird.“

Witt: „Na, ein Glück.“ Und dann der K.o. für Seidl: „Und Potsdam, ich finde, das ist wunderschön geworden.“

Der Journalist geht zu anderen Themen über, der Schauspielerei und Trumps Telefonnummer. (Sie hat nicht zurückgerufen!)

Claudius Seidl, „Eine Frau muss ja mal den Anfang machen“, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.2.2018, p 53

Alexander Osang über Katarina Witt auf Spiegel Online 2002.

Frau Witt lässt sich weder von der Stasi noch von Edelfeder Seidl die Butter vom Brot nehmen.

 

 

30 Jahre Deutsche Einheit wird in Potsdam gefeiert werden

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Das ist doch einmal eine Nachricht! Die Einheitsfeier 2019 wird in Potsdam stattfinden. Und die Stadt kommt in die Gänge. Das Einheitsdenkmal, das ich schon lange vermisse, soll nach 30 Jehren endlich realisiert werden.

Vielleicht sogar auf dem „Platz der Einheit“. Den Namen gab es schon vor 30 Jahren. Gemeint ist die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei.

Kunstausstellung „Hinter der Maske“: Weder Fisch noch Fleisch

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Das neue Potsdamer Kunstmuseum, das Palais Barberini, mag ich sehr. Es ist ein wunderschöner Bau geworden. Es ist hervorragend organisiert. Es hat eine Caféteria; im Sommer kann man draußen, an der wieder entstandenen Flußpromenade, sitzen.

Sogar mit der Potsdamer Stadtentwicklung notorisch unzufriedene Linksaußen und Linksalternative, die die Stadtmitte am liebsten mit Sozialwohnungen, selbst verwalteten Kunsthäusern und Begegnungszentren der Zivilgesellschaft zustellen würden, trauen sich wegen der überwältigenden Bewunderung für das Haus nicht, es mit Graffiti zu „schmücken“.

Zur Zeit ist dort die Ausstellung „Hinter Maske. Künstler in der DDR“ zu sehen. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Sacrower Heilandskirche – Kirche im Niemandsland

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Heilandskirche

Der rbb zeigt eine hervorragende Serie von Dokumentarfilmen mit dem Titel „Geheimnisvolle Orte“; der neueste: die Sacrower Heilandskirche (bis 19.12.17 gültiger Link).

Erinnert wird an das Schicksal der Kirche direkt auf der Grenze zu Berlin-West.

Ein Jahr nach Errichtung des Stacheldrahtzauns 1961 meldeten die DDR-Grenztruppen, dass die Kirche angeblich von Bundesbürgern demoliert worden wäre. Wie die an diesen scharf bewachten Ort gekommen wären und wie sie in die Kirche gelangen konnten, ohne die Eingangstür aufzubrechen, erklärten sie nicht. Das Innere der Kirche war verwüstet worden, aber sicher nicht vom Klassenfeind.

Die Grenztruppen forderten den Abriss, aber als der Westberliner Regierende Bürgermeister von Weizsäcker der SED 1 Million D-Mark für die äußere Restaurierung bot, nahm die das Geld und ließ eine Potsdamer Baubrigade täglich über den Todesstreifen anreisen. Nur bei Nebel fielen die Arbeiten aus. Die Fluchtgefahr war zu groß.

Schade, dass solche Filme, die von unseren Zwangsgebühren bezahlt und wie dieser von der Stiftung Aufarbeitung mit Steuergeldern gefördert werden, nach einer Woche wieder aus der Mediathek (am 19.12.17) verschwinden. Die Produktionsfirma hofft darauf, den Film noch den anderen ARD-Sendern verkaufen zu können.