Potsdam

Zweierlei Baukultur

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Arnimsche KapelleDie Arnim´sche Kapelle auf dem Alten Friedhof in Potsdam ist ein Meisterwerk des Klassizismus. Sie wurde 1851 eingeweiht. Der Architekt, Schinkelschüler Ferdinand von Arnim, war preußischer Hofbaurat. Er hat an einer ganzen Reihe berühmter preußischer Bauwerke mitgearbeitet.

Die Kapelle, eine der ganz wenigen klassizistischen, glänzt durch architektonische Besonderheiten. Der Mosaikfußboden besteht aus Tonfliesen in Rosettenform. Zwischen den Dachsparren ist bemalte Leinwand gespannt. Die Holzvertäfelung in der Trauerhalle imitiert das seinerzeit zu teure Eichenholz. Die Maserung ist handgemalt.

Die Restaurierung der Trauerhalle wurde in diesem Jahr, nach dreieinhalb Jahren vollendet. Auch sie ist eine Meisterleistung der beteiligten Gewerke.

Wesentlichen Anteil an der Wiederherstellung der Trauerhalle hat der Leiter der Verwaltung der 15 Potsdamer Friedhöfe, Gunther Butzmann. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat die Wiederherstellung des Mosaikfußbodens mitfinanziert.

Am gestrigen Tag des offenen Denkmals haben der Friedhofsleiter und das Ortskuratorium der Denkmalstiftung die Trauerhalle der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Ich erwähne die gestrige Veranstaltung nicht nur, weil ich selbst im Ortkuratoium der Stiftung ehrenamtlich mitarbeite, sondern vor allem aus diesem Grund:

In letzter Zeit erlebt die Architektur der DDR eine bisher unbekannte Wertschätzung. Es gibt die Wortschöpfung „Ostmoderne“. Westdeutsch sozialisierte Kunsthistoriker und Journalisten haben sie entdeckt und schreiben sie hoch.

So werden profane Bauten wie ein viereckiger Kasten, der ein Rechenzentrum war, oder ein (angeblicher) Nachbau eines Hauses von Mies van der Rohe als Paradebeispiel der DDR-Architektur gepriesen. Zwei Dutzend Linksextreme verstehen sich auf Guerilla-Marketing und unterhalten die Medien mit wöchentlich neuen Aktionen für den Erhalt  hässlicher DDR-Bauten und Ausfällen gegen die parlamentarische Demokratie.

Unerwähnt bleibt, dass sich die SED-Diktatur gegenüber missliebiger Architektur wie die Taliban verhalten haben. Es wurde gesprengt, es zerfiel, es wurde kaputt genutzt, es wurde abgerissen.

Ich respektiere Leistungen von DDR-Architekten. Es gibt einige repektable Bauten. Sie werden ja auch erhalten und gepflegt, z. B. das Kino International in Berlin. Ich bewundere auch den Mut, kleinbürgerliche kommunistische Funktionäre von gutem Bauen zu überzeugen. Auch die Versuche, eine Architektur für den neuen sozialistischen Menschen zu schaffen, wie das sozialistische Musterdorf Mestlin oder die Kulturhäuser und ja auch die Stalinallee, werden respektiert, erhalten oder restauriert. Auch die biedere Regierungssiedlung Wandlitz steht unter Denkmalschutz.

Aber was ist mit dem anderen Gesicht dieses Staates? Dafür gibt die Arnim´sche Kapelle ein Beispiel. Dieses Gebäude wurde bis zur Unkenntlichkeit ausgeweidet. In der Trauerhalle wurde eine Zwischendecke einzogen. Die bemalten Deckenleinwände wurden in dem feuchten, luftdichten Dachraum schimmelig. Über den großartigen Mosaikfußboden wurden Grabsteinplatten und Schutt gelegt, um die Raumhöhe für die neuen Büros in der Trauerhalle zu verringern. Die Apsis wurde zugemauert, nur ein Durchgang zum Klo blieb.

Arnimsche Kapelle DDR-Zustand
Zustand der Trauerhalle 1990

Wie kann man die Baukultur der SED-Diktatur loben, ohne ihre fanatische Vernichtung überkommener Baukultur zu erwähnen? Wie kann man die Bemühung um Wiederherstellung vernichteter Baukultur als Barockfaschismus denunzieren?

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Potsdam: Spielwiese für Kunsthistoriker

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Laut PNN (2.9.17, p 16) ist er Experte für DDR-Architektur, der emeritierte Professor Thomas Topfstedt, Professor für sozialistische Gegenwartskunst und Mitglied der Bauakademie der DDR, nach der sog. Wende Professor für Kunstgeschichte des 19. und 20 .Jahrhunderts und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau. Er gehört zu den Kunsthistorikern, die auch 5 nach 12 der DDR-Architektur-Ikone Fachhochschule Potsdam noch eine Chance geben wollen.

Wenn es in den vergangenen 25 Jahren 20 gegenläufige Beschlüsse des Stadtparlaments zur neuen Mitte gegeben hat, nun ja, das könne man so sehen, meint er. Prof. Topfstedt hat nichts gegen das Landtagsschloss und das Palais Barberini. Aber das Monstrum Fachhochschule wäre doch ein spannender Kontrast dazu und sollte stehen bleiben.

Wieder einer, der es uns nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern in einem Museum der kontrastreichen Architekurgeschichte. Wieder einer, dem es völlig egal ist, wer Unterhalt und Renovierung des Monstrums bezahlt, damit wieder Ateliers für Kunstschaffende und Begegnungszentren für die Zivilgesellschaft oder gleich linksautonome Kulturzentren einziehen.

Selbst wohnt der Professor Topfstedt ganz sicher nicht in Leipzig-Grünau in einer Dreizimmerplattenbauwohnung Typ Erfurt. Eher wohl im renovierten Altbau in der angesagten Leipziger Südvorstadt.

Die Potsdamer Linken springen auf den fahrenden Zug und sind jetzt wieder mal gegen den Abriss. Sie fordern das in solchen Fällen übliche: eine Bürgerbefragung.

Siehe auch hier!

Zombie-Provokation auf der Dinner-Demo hat sich gelohnt

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Die ewiggestrigen Linksextremisten, die die Dinner Demo auf dem Alten Markt mit ihrem Zombie-Auftritt beehrten, können triumphieren. Ihre Rechnung geht auf: Die Zeitungen sind voll mit Zombie-Fotos, eine Zombiefrau ließ sich fotografieren, als sie mit gequältem Gesicht am Boden liegt, nachdem sie von Polizisten von der Rednertribüne weggebracht worden war.

Die friedlichen Demonstrant*innen hatten sich zwischen Zuschauer und Redner gestellt, um die Sicht zu verdecken, oder sich mit ihren verschmierten Körpern zwischen die Anwesenden gesetzt. Eine Aktivistin verschmutzte mit ihrer Paste meinen Pullover.

Jetzt haben die Verteidiger*innen der DDR-Architektur einen neuen Beweis, dass sie auf der richtigen Seite der Geschichte stehen: Ein belästigter Gast soll nach Aussage einer Zombifrau gesagt haben: „Du gehörst vergast“. Es folgen laut Zeitung Anzeige wegen Volksverhetzung, erneute empörte Demonstration auf dem Alten Markt und erneut Schlagzeilen in der Presse. Vielleicht findet sich auch ein Zombie, der sich von der Polizei zu hart angefasst fühlt und Anzeige erstattet.

Mal sehen, was noch kommt. Die Zombinummer können sie nicht ewig aufführen.

Abstimmen für Kulturstadt Potsdam e.V.

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Die Stadtwerke Potsdam sind nicht nur bekannt für ihre hohen Strom- und Wasserpreise. Sie unterstützen auch ehrenamtliche Potsdamer Initiativen.

Die Preissumme für die zehn Projekte, die bei einer Online-Abstimmung die meisten Stimmen erhalten, beträgt zusammen 30.000 €.

Meine Stimme bekommt „Kulturstadt Potsdam e. V.“

Der Verein begrüßt Neubürger. Das war in meinem Fall vor 11 Jahren. Es besteht immer noch Kontakt. Die freundliche Begrüßung ist bis heute unvergessen.

Potsdamer Dinner-Demo

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Potsdamer Dinner Demo 2017Nach 2007 zum zweiten Mal lud die Initiative Mitteschön zur „Dinner-Demo“ auf den Alten Markt ein. Es galt das Erreichte zu feiern und das Zukünftige kritisch zu begleiten. Dazu saß man an langen, weiß gedeckten Tischen, hörte den Redner/-innen zu, sah einen hervorragenden Film zum Wiederaufbau der historischen Mitte und feierte anschließend bei Musik und Wein.

Mitteschön sind viele Impulse zu verdanken. So wurde kein Beton- und Glaspalast gebaut, wie das die Landesregierung wollte, sondern ein Schloss entstand wieder dort, wo vorher ein Schloss weggesprengt worden war. Die Politik revanchierte sich und ließ Mitteschön-Vertreter nicht zum Richtfest hinein.

In diesen Tagen wird der Koloss der Fachhochschule abgerissen. Er wird in letzter Minute von FAZ-Journalisten zur Ikone der DDR-Architektur hochgejubelt. Linksextremisten wollen ihn – wie immer in solchen Fällen – als alternatives Kulturhaus für die Zivilgesellschaft erhalten.

Leider entstehen die beiden für diesen DDR-Bau abgerissenen Stadtquartiere zu 90% nur als moderne Architektur wieder, mit historischen Einsprengseln.

In der Dunkelheit sieht der Alte Markt schon beeindruckend gut aus. Das Alte Rathaus mit der goldenen Fortuna leuchtet, daneben das Palais Barberini, die Nicolaikirche, das Landtagsschloss, der in rotes Licht getauchte Obelisk.

Es ist gut vorstellbar, wie auf diesem Platz ein Weihnachtsmarkt, den es vor dem Krieg hier gab, aussehen könnte. Auch Open-Air-Veranstaltungen werden nicht auf sich warten lassen.

Wie zu erwarten, präsentierten sich die linksextremen Aktivist/-innen in ihrer Schwarzweiß-Bemalung, bekannt von den Hamburger G20-Krawallen. Das war zu ertragen, solange die Eiferer die Tische und Bänke umkreisten. Es sah aus, als ob aus dem Gemauer der FH Untote der DDR herausgekrochen wären.

Dann aber beschlich mich das Gefühl, dass der Linksfaschismus nicht nur wie damals die SA als Schlägertruppe auftritt, sondern auch auf leisen Sohlen daherkommt: Die Schwarz-Weiß-Zombies schlichen durch die Sitzreihen, drückten sich neben die Veranstaltungsteilnehmer/-innen auf die Bänke, verdeckten die Redner, fläzten sich neben sie. Einer offenbarte sich. Er hielt ein Blatt Papier hoch, auf dem stand: „Kann mir einer die Demokratie erklären?“

Schließlich griff die Polizei ein und entfernte die Störer/-innen. Die gingen zufrieden nach Hause. Die Medienschaffenden hatten ihre Bilder im Kasten und eilten in die Redaktionen.

Die Schwarz-Weiß-Bemalung war ehrlich: Für diese Truppe gibt es nur Freund oder Feind, Gläubiger oder Ungläubiger. Wie sagen Freunde von mir, wenn es um die AfD geht: „Wir wissen, wo das endet, das gab es alles schon einmal.“ Nun, es gab Zeiten, da fuhren von Potsdam Züge nach Workuta.

Die Störer haben gegen das Versammlungsgesetz verstoßen. Aber, wie ein Freund von mir sagt: Es blieb doch alles friedlich.

 

Aktive Potsdamer Zivilgesellschaft

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Der Begriff ist mir eigentlich unsympathisch, Zivilgesellschaft. Was wären andere Gesellschaften? Militärgesellschaft? Aber es ist leider Mainstream.

Die Potsdamer Linksextremisten veranstalten in diesen Tagen einen Nachruf(?)-Dauerlauf um den DDR-Bau der Fachhochschule, die jetzt endlich abgerissen wird.

Die Bürgerinitiative Mitteschön, ein wesentlicher Streiter für die Wiedererrichtung einer harmonischen Potsdamer Stadtlandschaft, veranstaltet am Sonntag, 27.8.17, auf dem Alten Markt eine Dinner-Demo. Sie feiert zehn Jahre erfolgreiche Arbeit, zu der vor allem die Wiedererrichtung des Stadtschlosses zählt. Dafür fand vor zehn Jahren die erste große Dinner-Demo statt.

Näheres hier.

Die Linkspartei hatte für den Abriss gestimmt. Jetzt glaubt sie, einen Stimmungsumschwung gespürt zu haben und will wieder einmal eine Bürgerbefragung zum Abriss.

Fachhochschule
DDR-Architektur-Ikone wird abgerissen

Gedenkstätte Leistikowstraße: tendenziös und unwissenschaftlich

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Vor vier Jahren hatte ich zuletzt über den Streit um die Konzeption der KGB-Gedenkstätte Leistikowstraße in Potsdam berichtet.

KGB-WappeDamals deutete die Leiterin Dr. Ines Reich an, dass die vor allem von Zeitzeugen beklagten Mängel durch die Erweiterung der Ausstellung behoben würden.

Jetzt lese ich, dass Dr. Reich ihrem Konzept treu geblieben ist: Es ist weiterhin ein KGB-Museum. Das größte Ausstellungsstück ist immer noch das KGB-Wappen.

„Man stelle sich vor, in einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus würde ein großes Hakenkreuz im Eingangsbereich stehen“, sagt Gisela Rüdiger, ehemalige Leiterin der Potsdamer Außenstelle der Birthler-Behörde. Sie hat große Bedenken gegen die Art der Geschichtsdarstellung des Hauses.

Dr. Reich besteht darauf: „Damals waren antikommunistische Einstellungen weit verbreitet. Sie knüpften nahtlos an nationalsozialistische Feindbilder an.“ Dieser Generalverdacht gegen die damaligen Insassen lässt die Maßnahmen der Sowjets in verständnisvollerem Licht erscheinen. Frau Rüdiger sieht in mehreren Formulierungen eine „Rechtfertigung des geschehenen Unrechts“.

Auch bei der Erweiterung wären weder Außenstehende noch die Vereinigung der Zeitzeugen beteiligt gewesen. Das Konzept der Gedenkstätte sei tendenziös und unwissenschaftlich.

(nach PNN v. 24.8.17, p 9, Jana Haase, Neuer Streit …)

Nachtrag 28.8.17: Im Streit um die Konzeption der Gedenkstätte Leistikowstraße erhalte die Leiterin Dr. Ines Reich Rückenstärkung, meldet PNN.

Die Unterstützung kommt von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten. Die Potsdamer Einrichtung gehört zu dem Verbund der Stiftungs-Gedenkstätten. Leiter ist Prof. Dr. Günter Morsch. Morsch sieht seine Aufgabe in der Aufklärung über die nationalsozialistischen Verbrechen. Das ist auch gut so. Kein Interesse hat er aber an der Aufarbeitung der sowjetischen Speziallager in einigen seiner Gedenkstätten. Dort wurden von 1945 bis Anfang der 50er Jahre Menschen eingesperrt, angeblich alles Nazis. Das Management der Lager war so miserabel, dass es viele Tote gab und sogar der KGB empfahl, die Lager aufzulösen.

In der Gedenkstätte Sachsenhausen bei Oranienburg war Dr. Reich für das Speziallager zuständig gewesen. Es kam zu einem ähnlichen Konflikt wie in Potsdam. Die Opfer der Kommunisten fühlten sich bei der Ausstellungserarbeitung ausgegrenzt. Chef von Frau Reich in Sachsenhausen war Prof. Morsch.

Aus dem Baukasten der Städtebaukritik: Besänftigungslandschaft

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Gegen die Wiedergewinnung eines harmonisch gestalteten (Innen-)Stadtraumes in Potsdam wird eingewandt, dass Bauwerke der DDR-Moderne abgerissen und „diskursiv delegitimiert“ würden.

Die linke Potsdamer Szene, die erbittert und mit immer neuen Kampagnen gegen den Abriss von DDR-Bauten kämpft, kann sich sicher sein, dass sie von Journalisten und Kunsthistorikern diskursiv begleitet wird. Das war schon mehrfach Thema dieses Blogs.

In diesen Tagen, in denen der Abriss der angeblichen Architekturikone Fachhochschule endlich beginnt, ist das wieder zu beobachten.

Da schert man sich nicht darum, dass das erste frei gewählte Potsdamer Stadtparlament nach dem Zusammenbruch der DDR 1990 eine „behutsame Wiederannäherung an das charakteristische, historisch gewachsene Stadtbild“ beschlossen hatte. Dieser Beschluss wurde in den folgenden 20 Jahren in breit diskutierten Planungen schrittweise umgesetzt. Potsdamer Linksextreme scheren sich nicht um Parlamentsbeschlüsse und glauben, mit immer neuen Unterschriftensammlungen und Volksbefragungen den Lauf der Dinge aufzuhalten.

Bemerkenswert ist, dass ich in der Regionalzeitung immer nur von umstrittenen Vorhaben lese, wenn es um Abriss sozialistischer oder Restaurierung „vorsozialistischer“ Bauten geht. Die Kampagnen zur Rettung sozialistischer Bauten werden nie umstritten genannt.

Ich kann gut verstehen, dass nicht nur aus Berlin(W) und Westdeutschland zugezogene Bürger, sondern auch Ostdeutsche nicht auf Schritt und Tritt an die SED-Diktatur erinnert werden wollen. Millionen Geflüchtete, tausend an den Grenzen Erschossene, unterdrückte Meinungsfreiheit, gefälschte Wahlen können nicht von Schmuckstücken der Ostmoderne vergessen gemacht werden.

Passend dazu gab der „Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität“ im Juni ein Buch heraus: „Gebaute Geschichte. Historische Authenzität im Stadtraum“. Es geht dem weltweiten Bedürfnis nach Authentizität im Städtebau nach, u. a. auf der Arabischen Halbinsel und im Ruhrgebiet.

Potsdam darf nicht fehlen. Die im Potsdamer Zentrum für Zeitgeschichtliche Forschung (ZZF) arbeitende Historikerin Kathrin Zöller greift darin auf ihre 2014 abgeschlossene Dissertation über das zumindest äußerlich wieder erstandene Stadtschloss zurück.

Wenn ich die Besprechung von Jan Kixmüller in den Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN), einem Kopfblatt es Berliner Tagesspiegels, lese (23.8.17, p21), fällt mir auf, dass Dr. Kathrin Müller alle möglichen linken Narrative nutzt.

Sie erkennt in der Restauration des Stadtschlosses eine geschichtspolitisch intendierte symbolische Restitution glorreicher vorsozialistischer Vergangenheit. Mit dem Bau des Landtagsschlosses sei die Hoffnung auf einen Stimmungsumschwung im Land Brandenburg verbunden gewesen(?), auf eine positive Brandenburger Identität und Stolz auf das Eigene.

Aber es kommt noch dicker. Der Weltgeist steckt dahinter. Die Verunsicherung der Menschen durch „Globalisierung und Mobilitätsdruck und Auflösung bekannter Orientierungsmuster“ führe zur Schaffung einer städtischen „Besänftigungslandschaft“, schreibt die Wissenschaftlerin.

Die utopische Besänftigungslandschaft werde künstlich erzeugt und lasse sich gut ökonomisch verwerten, für den Tourismus nämlich. Mit dem neuen Stadtschloss wäre „Geschichte als plastische Verfügungsmasse geformt“ worden.

Es wäre eine ahistorische, selektive und instrumentelle Geschichtsaneignung zu zukunftsorientierten Zwecken betrieben worden. (Achtung: obwohl es so klingt, ist das keine Analyse der Geschichtsnarration des SED-Zentralkomitees!)

 

Nachtrag zum Begriff „Besänftigungslandschaft“: Der Volkskundler/Kulturwissenschaftler Hermann Bausinger benannte so die Sehnsucht des Biedermeier-Zeitalters nach einer schönen Heimat als Gegenwelt zum Obrigkeitsstaat, in dem die Bürger zur Unmündigkeit verurteilt waren.

Dies scheint ziemlich der einzige nicht-linke Begriff zu sein, den Dr. Zöller zur Beschreibung der Potsdamer städtebaulichen Entwicklung benutzt.

Allerdings war der Begriff in der frühen Nachkriegszeit verpönt. Die romantische Verklärung von Heimat wurde damals als Vorstufe zur Blut-und-Boden-Ideologie der Nazis gesehen. In der Wissenschaft wird er inzwischen unbefangen verwendet. Man erkennt ein Grundbedürfnis nach Heimat und sprachlich-kultureller Gemeinschaft

Wenn da mal nicht durch die Masseneinwanderung arabischer Geflüchteter etwas ins Rutschen geraten ist.

 

 

Potsdam und Hiroshima

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hiroschima.jpg

Ein grüner Aktivist hat 2010 dafür gesorgt, dass vor dem Truman-Haus in Potsdam-Babelsberg eine Gedenkplatte zu den Atombombenabwürfen der USA über den japanischen Städten Hiroshima (6.8.45) und Nagasaki (9.8.45) aufgestellt wurde. Auf ihr liegt je ein Stein aus den Städten (strahlenmäßig unbedenklich). Eingraviert in die Platte ist dieser Text:

Im Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe
auf Hiroshima und Nagasaki
am 6. August und 9. August 1945

Während der Potsdamer Konferenz der alliierten Großmächte
vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 wohnte der damalige
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Harry S. Truman, in der gegenüberliegenden Villa.

Am 25. Juli 1945 wurde mit Zustimmung
des amerikanischen Präsidenten
aus Washington D.C. der militärische Befehl
zum Abwurf der Atombomben erteilt.

Die zerstörerische Kraft der Bomben brachte
hunderttausendfachen Tod und
entsetzliches Leid über die Menschen.

In Potsdam fand die letzte der drei Konferenzen statt, in der die Alliierten Beschlüsse über Nazideutschland fassten. Der von den Deutschen begonnene Krieg hat zu ca. 55 Millionen Kriegstoten geführt. Deutsche haben darüber hinaus ca. 13 Millionen Menschen in Lagern und in Mordaktionen getötet. 12 Millionen Menschen flüchteten aus Ost-Mitteleuropa oder wurden vertrieben. Hunderttausende von ihnen kamen um.

Die Atombombe haben die Amerikaner im – irrtümlichen – Wettlauf mit den Deutschen gebaut. Dem deutschen Physiker Otto Hahn war als erstem die Kernspaltung gelungen. Vor den Nazis geflohene deutsche Wissenschaftler halfen in den USA beim Bau der Atombombe. Vorgesehen war sie zum Abwurf über Deutschland.

Als sie einsatzbereit war, hatte Deutschland bereits kapituliert. Japan dagegen dachte nicht an Kapitulation. Das Land hatte 1941 den Militärhafen Pearl Harbor auf Hawaii völkerrechtswidrig ohne vorausgehende Kriegserklärung überfallen.  Japanische Kriegsverbrechen sind in Wikipedia aufgelistet.

Die Alternative zum A-Bombenabwurf war für die US-Armee die Weiterführung des verlustreichen „Inselhüpfens“ und die Eroberung des japanischen Festlandes durch Bodentruppen. Allein beim Kampf um die Insel Okinawa waren 50.000 GIs gestorben. (Wenn ich richtig rechne, waren das ca. 15% der im Krieg eingesetzten US-Soldaten.)

Ende Juli 1945 sind die Japaner noch nicht bereit zu kapitulieren. Dann versucht der japanische Kaiser, über Stalin ein Kapitulationsangebot zu lancieren. Stalin war dabei, mit einem gewaltigen logistischen Aufwand Truppen nach Ostasien zu verlegen, denn er wollte sich Japan mit den USA teilen. Das wollte Truman keinesfalls.

An einer Atombombe bastelten die Sowjets auch schon. Über die geheimen Anlagen in Nevada war Stalin durch den in die USA emigrierten deutschen Kommunisten Klaus Fuchs auf dem Laufenden.

Den Potsdamer grünen Stadtverordneten Uwe Fröhlich interessieren geschichtliche Zusammenhänge nicht, er kennt sie wahrscheinlich gar nicht. Er hat auch kein Gespür dafür, dass es ein Geschmäckle hat, wenn ein Deutscher an dem Ort, an dem über ein Deutschland verhandelt wird, das schuld an 55 Millionen Kriegstoten ist und mehr als zehn Millionen Menschen ermordet hat, anprangert, dass ein Amerikaner hunderttausendfachen Tod und entsetzliches Leid über Menschen gebracht hat.

Die Löwenvilla in Potsdam

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LöwenvillaIn unserer Nachbarschaft steht die Löwenvilla. Das Haus wird so genannt wegen der beiden Löwen, die die Treppe zum Haupteingang flankieren. Allerdings verbirgt sich hinter dem (gefakten) Haupteingang das Treppenhaus, der Hauseingang befindet sich auf der linken Seite.

Der Reserveoffizier Fritz von der Lanken betrieb ab 1931 hier ein Alumnat, ein Jungenpensionat. Von der Lanken wurde im Krieg reaktiviert und im Oberkommando des Heeres eingesetzt. Er gehörte zu den Offizieren des Widerstandes. Die stammten zum großen Teil aus dem Potsdamer Infanterieregiment Nr. 9.

In der Löwenvilla trafen sich die Verschwörer häufig. Sie war auch der letzte Ort, an dem – im Treppenhaus – der Sprengstoff für das Attentat vom 20. Juli 1944 versteckt worden war.

Am 20. Juli 2017 veranstaltete die Stadt Potsdam in der Löwenvilla eine Gedenkstunde für den Mitverschwörer Kurt von Plettenberg. Der emeritierte Oldenburger Politikwissenschaftler Eberhard Schmidt las aus seiner Biografie. Plettenberg hatte auch selbst erwogen, Hitler zu töten. Da er der Vermögensverwalter des Hauses Hohenzollern war und fürchtete, dass die Familie nach einem Attentat womöglich mitverfolgt würde, sah er davon ab. Er tötete sich bei einem Verhör durch die Gestapo selbst; er sprang aus dem Fenster. Sein Grab ist auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam.

Zum ersten Mal konnten wir das Haus, an dem wir fast täglich vorbeigehen, betreten.

In ihm wurde auch eine Szene für den Film „Operation Walküre“, mit Tom Cruise als Graf Stauffenberg, gedreht: ein nächtliches Treffen der Verschwörer.

Löwenvilla Film
Die Feuerwehr sorgt 2007 für Gewitter und Regen für eine Szene am Originalschauplatz Löwenvilla: „Operation Walküre“ mit Tom Cruise