Potsdam

DDR-Spitzenleistung: 5 km Barockfassaden in Potsdam beseitigt!

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Es sollte eine moderne sozialistische Großstadt entstehen. Dazu brauchte man den Hochhausklotz des Interhotels und den massigen Gebäudekomplex von Institut für Lehrerbildung (Fachhochschule), Staudenhofwohnblock und Stadtbibliothek, unter dem ganze Quartiere der Altstadt verschwanden.

Es gab auch in der DDR Phasen, in denen kriegsbeschädigte Häuser phantasievoll eine barockisierende Fassade erhielten. Hinter erhaltenen Barockfassaden wurden moderne Wohnungen eingerichtet. Es gab auch eine Denkmalschutzliste und Denkmalschutzgesetze.

Im Interhotel konnten Devisengäste eine Knobelsdorff-Suite mieten, benannt nach dem Architekten von Sanssouci und der Französischen Kirche. Auch wurden die Lamellen an der Außenfassade der Fachhochschule, die die Wucht des Gebäudes mildern sollten, in „Potsdam-Gelb“ gestrichen. Aber überwiegend wurde abgerissen, u. a. die Garnisonkirche, die Heiliggeistkirche und das Stadtschloss. Das Theodor-Storm-Haus fiel im Spätsommer 1989 der Spitzhacke zum Opfer. Der Künstler Bob Bahra und andere hatten vergeblich protestiert. Das schon halb verfallene Holländische Viertel erblühte nach der Friedlichen Revolution zu neuem Leben.

Ca. 5 Kilometer barocke Hausfassaden ließ die SED in Potsdam abreißen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es sich in einer Diktatur leichter regieren lässt. Denn der Protest dagegen war in der Deutschen Demokratischen Republik sehr überschaubar und brachte den Protestierenden mindestens die Überwachung durch die Stasi.

Wenn heute in Potsdam über den Abriss des Hotelhochhauses oder Fachhochschule aus DDR-Zeiten diskutiert oder er gar beschlossen wird, erhebt sich ein vielstimmiger Aktivistenchor. Dazu zählen Architekten, die lieber modern bauen wollen, d. h. Waschbeton und fassadenlose Wohn- oder Büroquader mit französischen Fenstern, oder Kunsthistoriker und Journalisten, die Potsdamern vorwerfen, dass sie nicht so gebildet sind wie sie, und daher die Schönheit der DDR-Bauten nicht goutieren könnten. Der Vollständigkeit halber nenne ich noch die DDR-Nostalgiker und die Alt- und Neukader der Linkspartei, die mit der Kritik am „Barockfaschismus“ auch gleich den aus Westdeutschland importierten Kapitalismus geißeln können.

Siehe auch Märkische Allgemeine: „Der Fall des Theodor-Storm-Hauses“.

Anm.: Von den 5 km Abrisslänge habe ich gelesen, finde aber keinen Beleg mehr. Für Hinweise bin ich dankbar.

Potsdamer Fachhochschulbau als islamisches Kulturzentrum!

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Muhammad-Amin-Moschee in BeirutGerade ließen wir uns von FAZ-Kunst- und Architektur-Sachverständigen belehren, dass wir, die wir Cola statt teurem Petrus-Rotwein trinken, Neuschwanstein als schön empfinden und über die städtebauliche Gestaltung von Wendehämmern nicht hinausdenken könnten. Deswegen müsse der DDR-Bau der Fachhochschule als Meisterwerk der Ostmoderne erhalten bleiben, schreiben Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Niklas Maak und Claudius Seidl, „Make Potsdam great again“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41)

Da der Bau leersteht, gibt es Nutzungsvorschläge, z. B. ein weiteres Kunst- und Kommunikationszentrum. Davon hat Potsdam schon drei Dutzend. Da greife ich lieber den Vorschlag von Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) auf und führe ihn weiter. Dr. Münch hat angeregt, das zukünftige Kirchenschiff der Garnisonkirche als Moschee zu gestalten.

Die leer stehende Fachhochschule aber wäre eine sofortige Lösung! Die Hörsäle böten sich den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als Predigt- und Gebetsorte an. Es gäbe ausreichend Räume für Treffpunkte, Unterricht und Feiern. Eine gastronomische Einrichtung kann auch genutzt werden.

 

Frankfurter „Edelfedern“ rezensieren Potsdamer Städtebau

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Fachhochschule Potsdam

„Make Potsdam great again“ heißt ein Text in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Niklas Maak und Claudius Seidl (FAS v. 2.4.17, p 41).

Die beiden „Edelfedern“, von Haus aus Feuilletonchef der eine, Kunst- und Architekturhistoriker der andere, wissen, was gut ist für Potsdam. Und was schlecht ist.

Schlecht wäre der abwaschbare Plastikbau des Berberini-Museums, gut das monströse Gebäude der Fachhochschule (FH), der Nachbau eines Gebäudes des berühmten Architekten Mies van der Rohe.

Die Wiederherstellung des preußischen Potsdams wäre das Werk reicher Westdeutscher, auch der Oberbürgermeister sei von dort zugewandert. Der Unternehmung fehle die demokratische Legitimation, behaupten sie.

Vielleicht sollte die Redaktion zukünftig einen Faktencheck einführen, bevor die Zeitung in Druck geht.

Der OB und die reichen Wessis hätten „biederes westdeutsches Wendehammer-Dasein“ nach Potsdam gebracht.

Dann belehren die beiden kunstsinnigen Intellektuellen das dumme Potsdamer Publikum: Wer immer nur Cola und Apfelsaft trinke, der würde einen Pétrus-Rotwein oder einen guten Whisky ungenießbar finden. So ginge es auch im Potsdamer Städtebau zu. Wer bei schöner Architektur nur an Neuschwanstein denke, könne mit einem Meisterwerk der Moderne, mit lisenenhaften Längselementen rhythmisierten Fassaden und Op-Art-haften Sichtblenden nichts anfangen.

Das Plätzchen zwischen Fachhochschule und einem Plattenbauwohnhochhaus erinnert die Rotweinexperten an Lucio Costa, den Schüler von Oscar Niemayer. Costa entwarf den Grundriss von Brasilia. Ich hätte diese mit Büschen, Bänken und Spalieren möblierte Schneise, die, zugegeben, etwas vernachlässigt wirkt, als Eingang zu einer Schrebergartenkolonie in Frankfurt-Zeilsheim vermutet. Auf Brasilia wäre ich beim Durchqueren nicht gekommen.

Mir sei nach diesem hämischen Artikel auch ein wenig Häme erlaubt: Den Vorgänger des Feuilletonchefs Seidl, den verstorbenen Frank Schirrmacher, zog es nach Potsdam. Er wohnte in Sacrow. Die FH kann man von dort nicht sehen.

Das Gebäude Mies van der Rohes in Des Moines/USA, dem die Fachhochschule nachempfunden sein soll, habe ich auf einem Foto im Internet gefunden. Es ist ein quadratischer schwarzer Bau mit großen Fenstern, nur das Erdgeschoss, das von den beiden oberen Stockwerken überwölbt wird, ist mit hellem Sandstein verkleidet. Es erinnert entfernt an die Neue Nationalgalerie. Auf diese Idee kommt man bei der FH nicht.

In Des Moines, in dem typischen quadratischen Straßennetz der US-Städte und den unterschiedlich hohen Hochhäusern drum herum, wirkt das Gebäude fast filigran. Der angebliche Nachbau in Potsdam ist dagegen ein massiger Fremdkörper. Aber ich bin halt kein Kenner von Pétrus-Weinen.

Wenn der Potsdamer Architekt es wenigstens 1:1 nachgebaut hätte. Der Nachbau entspricht mindestens drei Quadraten des Originals, an einem Ende war noch die Stadtbibliothek angebaut. Im Vergleich zu Des Moines ein monströses Gebäude, errichtet nicht zuletzt, um die preußische Nikolaikirche zu verdecken. (Gibt es bei Architekten nicht einen sehr rigiden Urheberrechtsschutz?)

Von den Potsdamer Lokalblättern ist die MAZ begeistert von der furiosen Kritik, die PNN berichtet und hat auch Raum für die Korrektur, dass das Stadtparlament seit über 20 Jahren mit der Wiedergewinnung der alten Mitte beschäftigt ist und damit an Ansätze aus der Bürgerschaft der DDR anknüpft, also keineswegs, wie Seidl/Maak suggerieren, die Potsdamer von einem westdeutschen Oberbürgermeister kolonisiert werden.

Zum Städtebau in Potsdam siehe auch hier im Blog!

Unentwegt gegen Faschismus und Garnisonkirche

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Die Partei Die Linke. lässt sich in ihrem Kampf gegen den Faschismus von niemandem übertreffen. Die sozialistische Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bemüht das Bundesinnenministerium unablässig um die neuesten Statistiken über rechte Straftaten. Linksparteimitglieder kämpfen in den Reihen der Amadeu-Antonio-Stiftung der Ex-IM Anetta Kahane gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus. Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping kooperiert mit den Gewalttäter*innen der Antifa. (Thierse, SPD, und manche grüne Parteigliederungen stehen ihr nicht nach.)

Ein Symbol des Faschimus ist in den Augen der Sozialisten die Potsdamer Garnisonkirche. Verbissen versuchen sie, auf allen Kanälen den Wiederaufbau zu verhindern, nachdem ihre kommunistischen Vorväter sie gesprengt hatten. Was sie und ihre Vorfeldorganisationen in Potsdam alles unternehmen, steht u. a. hier im Blog. Jetzt hat die Bundestagsfraktion der Linken (vergeblich) versucht, im Bundestag die Streichung der Bundesmittel für den Wiederaufbau durchzusetzen.

Wie stark die unaufhörliche Propaganda wirkt, kann man am Beispiel der Garnisonkirche zeigen. Es interessiert nicht, dass der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche ein Nazi war, nicht der der Garnisonkirche. Es gibt Garnisonkirchen in Deutschland, die eher die Bezeichnung „Nazikirche“ verdienen. Wer die Wochenschauaufnahmen vom Tag der Parlamentseröffnung 1933 sieht, erkennt, dass die Begeisterung der Menschen dem Generalfeldmarschall von Hindenburg galt, dass HItler, zumal im „bürgerlichen“ Frack in der Öffentlichkeit eher unterging.

Wenn man unbedingt Gebäude als faschistisch verdorben ansehen will, warum reißt man nicht das Olympiastadion mit Hitlers Ehrenloge ab, oder die Villa Wahnfried in Bayreuth? In Berlin ließen sich viele weitere Gebaude finden.

Das zufällige Foto eines britischen Pressefotografen vom tiefen Diener, mit dem Hitler sich von Hindenburg verabschiedete, wird heute als Versöhnung zwischen dem konservativen Deutschland und den Nationalsozialisten gedeutet. Dabei hatte Hindenburg nur Verachtung für den böhmischen Gefreiten übrig. Goebbels erkannte allerdings schnell, dass die Veranstaltung, die ohne sein Zutun in der Potsdamer Kirche stattfand, für die Nationalsozialisten ein Propagandacoup sein würde.

Wo ist der Riss? Neues Buch über Potsdam in der Friedlichen Revolution

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Über Potsdam Ende der 80er Jahre gibt es ein neues Buch:

Buchcover: Im Riss zweier Epochen

Es war die Zeit, die die einen, nach Egon Krenz (SED), die „Wende“ nennen, andere – eher die Minderheit – sprechen von Friedlicher Revolution. Jetzt gibt es ein neues Buch über diese Jahre. Es hat den manierierten Titel: „Im Riss zweier Epochen“. Was da reißt, erschließt sich mir nicht. Zwei Epochen? Können Epochen reißen? Können Epochen auseinandergerissen werden? Zerreißt es die Menschen, die sozusagen mit dem einen Bein in der einen, dem anderen in der anderen Epoche stehen? Ein zu theatralisch geratener, schwer verständlicher Titel.

Es ist zweifellos verdienstvoll, über diese Jahre ein Buch zu schreiben. Noch längst ist nicht alles erforscht. Längst gibt es zweckdienliche Narrative, die weglassen, was stören würde.

Warum sind die Potsdamer Bürgerrechtler so schnell verschwunden? Sie hatten in Potsdam eines der besten Wahlergebnisse der ganzen DDR, über 16%. Waren die kommunistischen Kader im roten Potsdam anpassungsfähiger? Es gab die marxistischen Hochschulen, darunter die für Staat und Recht und die der Stasi, tausende MfSler, 900 konspirative Wohnungen, die Bezirksverwaltung, die NVA- und Grenztruppenkader. Wie war die Stasi-Überprüfung in der Stadtverwaltung? Nach dem, was man inzwischen über die Stasi-Überprüfung auf Landesebene weiß, lässt das nichts Gutes hoffen.

Es dauerte lange, bis nach dem Bürgerrechtler Tschäpe ein kleiner Platz benannt werden durfte. Einen Platz der Friedlichen Revolution gibt es bis heute nicht. Die Umbenennung des Platzes der Einheit (von KPD und SPD) in Platz der Deutschen Einheit wurde von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt.

Die SED-Kader der letzten Stunde, etwa Heinz Vietze und Rolf Kutzmutz, waren die PDSler der ersten Stunde. Der Stasi-Aufpasser in der Hochschule für Staat und Recht, Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg, bis heute Linkspartei-MdL und Linkspartei-Stadtverordneter, konnte mehrmals nur knapp als Potsdamer OB verhindert werden. (Er will demnächst wieder kandidieren.)

Die Buchvorstellung wurde von der SPD-Stiftung „Friedrich Ebert“ durchgeführt. Daher saß wohl auf dem Podium ein SPD-Vertreter und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aber kein Bürgerrechtler.

Die Märkische Allgemeine geht ausführlich auf den Inhalt ein und zollt dem Buch verhaltenes Lob.

Im Buchhandel ist das Buch erst ab 22.3. erhältlich. (Eine Woche nach der Podiumsveranstaltung am 16.3. )

 

Der lange Marsch der Linken gegen ein konservatives Stadtbild

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Sozialistischer Städtebau
Sozialistischer Städtebau in Ostberlin

Das Potsdamer Stadtparlament hatte nach jahrelangen Debatten, Workshops und Befragungen einen Plan zur Wiedergewinnung der historischen Mitte beschlossen. Das beinhaltete auch den Abriss des Hochhaushotels im ehemaligen Lustgarten, den Abriss der Fachhochschule und des Plattenbauwohnquartiers Staudenhof.

Was gestern beschlossen wurde, kann heute durch Bürgerentscheide wieder gekippt werden. So sah das eine von der linksextremen Stadtratsfraktion Die Andere initiierte Unterschriftensammlung für ein Bürgerbegehren, das das Quorum von 15.000 Unterschriften erreichte. Das Parlament verneinte aus juristischen Gründen die Zulässigkeit eines Bürgerentscheids, aber entschied sich gleichzeitig für einen Kompromiss: Das nicht ins Stadtbild passende Hotelhochhaus, an dem das Herz der Ostalgiker hängt, soll stehen bleiben, dafür aber das Gebäude der Fachhochschule (FH) abgerissen werden. Außerdem gab es noch ein paar kleinere Konzessionen beim Wiederaufbau der unter der FH begrabenen Quartiere.

Die linken Bürger*innenentscheid-Initiator*innen sind empört, dass die Linkspartei diesen Kompromiss mitträgt. Sie klagten gegen den Parlamentsbeschluss. Alles oder nichts, bloß keinen Kompromiss.

Siehe auch hier!

Jetzt wurde vom Verwaltungsgericht entschieden, dass die Ablehnung zu Recht erfolgt sei, da das Begehren die Bürger falsch informiert habe.

Für die Aktivist_innen um den Oberaktivisten André Tomczak ist das das Signal zum Aufbruch in eine neue Dimension des Kampfes gegen den Barockfaschismus in Potsdam. Jetzt entstand ein „breites Bündnis“ der gesellschaftlichen Gruppen, Vereine, Initiativen, die irgendwie links sind: die aus der DDR stammende Volkssolidarität, eine Art sozialistisches Rotes Kreuz, der Verein zur Förderung antimilitaristischer Traditionen, das Stadtteilnetzwerk Potsdam-West, die „Kulturlobby“ usw.

(Noch) nicht dabei: der Humanistische Verband, der die DDR-Tradition der Jugendweihe pflegt, der Bauernverband, die Interessenvertretung der aus den DDR-Kolchosen hervorgegangenen Agrarfirmen, die Deutsch-Russische Freundschaftsgesellschaft, der Nachfolger der Deutsch-Sowjetischen Freundschaftsgesellschaft der DDR, der Verein der Bundestagsfraktion der Linkspartei, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Prussian(!) Fat Cats, eine linksextreme, Rollschuhsport treibende Damengruppe, die den Wiederaufbau der Garnisonkirche bekämpft.

Das erinnert an die DKP-Taktik in Westdeutschland: Es gab immer wieder Kampagnen, die von „breiten Bündnissen“ getragen wurden. Wenn man genauer hinschaute, waren die Antifa-, Friedens-, Antikriegs-, Menschenrechts-Initiativen, die Vielfalt und Buntheit vorspiegelten, in Wirklichkeit Vorfeldorganisationen der DKP.

Tomczak und seine Mitkämpfer planen ein Happening auf dem Alten Markt, ein „farbenfrohes Fest“. Sicher sind noch Schaumstoffsteine übrig vom Werfen auf das Stadtschloss in Erinnerung an den 48er Revolutionär Max Dortu. Jetzt könnte man sie auch auf das Barberini werfen.

Die RetterInnen der Potsdamer „DDR-Moderne“ sprechen nicht mehr vom „Barockfaschismus“, den die zugezogenen westdeutschen Reichen errichten würden, sondern von einem „konservativen Stadtbild“, das sie bekämpfen.

(unter Verwendung eines PNN-Berichts v. 7.3.17)

Interessant ist ein Vergleich mit Dresden. Ähnlich wie heute die linke Szene die angeblich feudale Baukultur Potsdams bekämpft, hat die SED versucht, beim Wiederaufbau des kriegszerstörten Dresdens, eine sozialistsche Großstadt erstehen zu lassen. die hutigen Potsdamer auseinandersetzungen geschahen dort währende der DDR-Existenz. Denkmalschützer und Bürger setzten sich für den Erhalt und die Rekonstruktion historischer Gebäude ein, während die Kommunisten breite Straßen und Großkomplexe für Essen und Einkaufen planten und teilweise auch realisierten: Tanja Scheffler, Vom schnellen Scheitern der sozialistischen Städtebaukonzepte. Der Weg zurück zur historischen Stadt, Deutschland-Archiv 29.11.2012, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/147752/dresden-das-scheitern-der-sozialistischen-stadt  (8.3.17)

 

Platzecks Geschichtsklitterung (wiedergelesen)

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Der Beitrag stand 11/2009 auf Basedow1764. Ich habe ihn wiedergelesen, weil er im Zusammenhang mit Platzecks Sicht auf Russland zeigt, dass er sich treu geblieben ist.

SED-Wappen„Wir wollen nicht verklären“, sagt Ministerpräsident Platzeck (Stand 2009!; GS). Das unterschreibt auch sein neuer Koalitionspartner, die Linkspartei. Man will nur sagen, wie es wirklich war. Und zukünftig dafür sorgen, dass die Landeszentrale für politische Bildung auch die „Wende“version der Linkspartei verbreitet. Die geht so:  „Wir wussten, dass sich was ändern muss.“ (Originalton Dr. Enkelmann, PDS). „Wir haben unsere Leute nicht schießen lassen und dadurch ein Blutvergießen verhindert“ (Dr. Gysi u. a.). „Mit einem 5-Mrd.-Kredit hätten wir das Land weiter regieren können“ (Originalton DDR-Wirtschaftsministerin Dr. Luft). „Erst die Treuhand hat die im Grunde gesunde Substanz der Wirtschaft zerstört“ (Originalton G. Grass, D. Dahn u. v. a.).

Von den Bürgerrechtlern, die sich in diesen Gedenktagen häufig auf Podien wiedersehen, kommen inzwischen selbstkritische Töne: „Wir sind über den Tisch gezogen worden.“ „Die haben uns (in die Potsdamer Stasizentrale) erst rein gelassen, als sie fertig mit dem Aktensäubern waren.“ „Während wir vorne am Runden Tisch, der paritätisch mit SED und Bürgerrechtlern besetzt war saßen (bei den Bürgerrechtlern saßen natürlich auch IMs), haben die hinten weiter Akten vernichtet.“ „Die Stasi-Besetzungen waren Nebenschauplätze.“ „Das Gute war, dass es bald freie Wahlen gab und dass diese Wahlen um einen Monat vorgezogen wurden. Denn die Restauration schritt voran.“

Das MfS/AfN, die Regierung Modrow, der Innenminister Diestel haben dafür gesorgt, dass nicht alles zerschlagen oder aufgelöst wurde, dass weiter Akten vernichtet wurden (Das zog sich bis in Regierung de Maizière hinein!), dass die MfS-Leute günstig Wohnungen und Häuser kaufen konnten, geschönte Lebensläufe bekamen und finanziell abgesichert in die neue Zeit gingen. Die SED-Juristen in den Verwaltungen und an den Runden Tischen hatten sehr schnell westdeutsches Recht gelernt und blockierten die mutigen, aber naiven Bürgerrechtler rechtsstaatlich einwandfrei, wo es ging.

In Westdeutschland interessiert das alles wenig, in Ostdeutschland eigentlich auch nicht.

Jetzt setzt Herr Platzeck noch eins drauf. Er instrumentalisiert die westdeutsche Nachkriegsgeschichte für die Legitimierung und Überhöhung seiner rot-roten Koalition. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Schwanenbrücke am Eingang zum Neuen Garten

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Schwanenbrücke PotsdamKlaus Büstrin stellt in der Lokalzeitung PNN das Buch zweier Architekturstudentinnen über die Geschichte der Schwanenbrücke in Potsdam vor.

Die Schwanenbrücke war ursprünglich (1790) eine hölzerne Drehbücke, wurde dann 1841 durch eine steinerne Bogenbrücke ersetzt, die von gußeisernen Schwänen bekrönt war.

Friedrich Wilhelm II., der Nachfolger und Neffe Friedrichs des Großen war, wie sein Onkel, Freimaurer. Der Park Neuer Garten beherbergt mehrere Gebäude (z. B. Blaue Grotte, Eremitage, ägyptische Pyramide), die für okkulte Treffen des Ordens der Rosenkreuzer, dem der König angehörte, genutzt wurden. Die Schwanenbrücke war das Tor zu diesem geheimnisvollen Park.

Heute steht nur eine Behelfsbrücke. Sie wurde in der DDR nachts angestrahlt, denn sie befand sich im Sperrgebiet gegenüber von Berlin-West. Für die Rekonstruktion der Steinbücke sammelt eine Bürgerinitiative.

Das Buch ist als kostenlose Onlineversion erhältlich!

(Foto aus dem Buch, Abdruck im o.a. PNN-Text)

Weißbuch „Zwangskollektivierung“ von 1960

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Ein Leser des Blogs hat mir freundlicher Weise eine CD mit dem Weißbuch der Bundesregierung zur Zwangskollektivierung 1959/60 zugeschickt.

Es ruft in Erinnerung, wie im angeblichen Rechtsstaat DDR Bauern mit Hilfe der Gerichte, der Volkspolizei und der Gemeindeverwaltung, mit psychischem Druck und mit Terror zum „freiwilligen“ Eintritt in die so genannten Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) gezwungen wurden. (Es gab vorübergehend die Typen I bis III mit unterschiedlichem Grad der Enteignung; darauf gehe ich hier nicht ein.)

Unter den Geflüchteten dieser Jahre war die Zahl der Bauern groß. Da die LPGen trotz militaristischer Propaganda wie „Kampfproduktion“ und „Ernteschlacht“ weniger produzierten als die freien Bauern kam es zur Versorgungskrise.

Dies alles führte zum Mauerbau 1961.

Im Weißbuch der Bundesregierung, vorgelegt vom Gesamtdeutschen Minister Ernst Lemmer. sind ostdeutsche Zeitungsausschnitte, Gerichts- und Verwaltungsakten sowie Berichte geflüchteter Landwirte, aus denen man Einzelheiten von der Terrorkampagne 1960 erfährt. Es enthält auch einen Überblick über der Kollektivierung 1952 bis 1960.

bauernfibel

 

Bezirk Potsdam vollgenossenschaftlich
Brandenburgische Neueste Nachrichten v. 18.3.60

Nachdem die Kampagne zum freiwilligen Eintritt in die LPGen nicht zum 100prozentigen Erfolg  geführt hatte, setzte die SED 1960 mit der Terrorkampagne alles daran, endlich die Landwirtschaft total zu kollektivieren. Den Rest des Beitrags lesen »

Der Mensch bezwingt den Kosmos. Ein Potsdamer Lehrstück

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Der erste Satz ist der Titel einer Reihe großflächiger Mosaike, die das nicht zu einem Höhepunkt der DDR-Baukultur gehörende Rechenzentrum in Potsdams Dortustraße schmücken. Der Bau ragt ein wenig in das Grundstück der gesprengten Garnisonkirche, vulgo „Nazikirche“, hinein und wird damit zum Problem beim geplanten Wiederaufbau des Turms.

Mit einem geglückten Coup wurde das leerstehende Gebäude bis zum vereinbarten Abriss zum Haus für Kunstschaffende umgewidmet. Die wollen aber gar nicht mehr ausziehen. Sie hängen Laken mit Anti-Garnisonkirchen-Parolen aus dem Fenster und verlangen von der Stadt, das Gebäude zu sanieren und zu modernisieren.

Als Kunst am Bau schuf der DDR-Künstler Fritz Eisel den Bilderzyklus über die sowjetische Raumfahrt. Es besteht Einigkeit darüber, dieses Kunstwerk zu erhalten. Sowohl die Garnisonkirchengemeinde sieht das so als auch die Stadtverwaltung. Nun kommt aber Spannung auf, weil die Freund_innen der DDR-Baukultur unermüdlich den Eindruck erwecken, das Kunstwerk solle vernichtet werden (So z. B. auf dem Podium der Lea Rosh Ende Januar in Berlin). Sie bestehen darauf, dass es dort, wo es steht, erhalten werden muss.

Jetzt hat sich ein prominenter Historiker, Prof. Sabrow, dafür ausgesprochen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre im Rechenzentrum ein DDR-Alltagskulturzentrum eingerichtet worden. (Da er beklagt, dass die DDR nur als Repressionsstaat gesehen würde und das Fortschrittliche an ihr vernachlässigt werde, kann man sich die didaktische Konzeption des Museums unschwer vorstellen.)

mosaikWas mich immer ein wenig erheitert beim Anblick des letzten Mosaiks: Das zeigt Juri Gagarin Alexej Leonow, im prallen Raumanzug wie ein Michelin-Männchen aussehend, wie er von einem Weltraumausflug in die Raumkapsel zurückkehrt.

Irgendjemand, vielleicht ein Stadtführer, erzählte, dass die Rückkehr für Leonow lebensgefährlich gewesen war. Sein Raumanzug hätte sich im luftleeren All aufgebläht und er passte anfänglich nicht mehr durch die Luke…