Potsdam

Moderner Städtebau in Potsdam: das Schwimmbad „blue“

Gepostet am Aktualisiert am

Meist geht es anders herum: Nicht nur die Linken kritisieren die städtebauliche Entwicklung in Potsdam als „Barockfaschismus“. Auch Architekten melden sich zu Wort und beklagen, dass zu viel restauriert und zu wenig zeitgenössisch gebaut würde.

Wenn das Aussehen Potsdams mit seinen Schlössern und Villen im klassizistischen, neo-klassizistischen, barocken oder Rokokostil Faschismus sein soll, kann Faschismus so schlimm nicht sein.

Nun hatten moderne Architekten Gelegenheit modern zu bauen: das Groß-Schwimmbad am Hauptbahnhof. Schon in der Bauzeit war es zu erahnen. Der Bau schottet sich nach außen ab. Er wirkt wuchtiger als der benachbarte Bahnhof, der jahrelang dafür kritisiert wurde.Man könnte ihn auch für das Bahnhofs-Parkhaus halten.

(Reden wir jetzt nicht über die Bau- und Unterhaltskosten für ein Bad an dieser Stelle. Die Stadtverwaltung hatte gescheitere Standort- und Finanzierungspläne. Die direkte Demokratie brockte der Stadt für die Zukunft sehr viel höhere Kosten ein und weniger Gegenfinanzierung durch eigentlich geplante Grundstücksverkäufe.)

Jetzt ist es ausgerechnet ein Architekt, der den modernen Bau vom Büro Gerkhan, Merk und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin) als langweiliges Gebäude kritisiert.

 

Hausbesetzung soll Abriss der Potsdamer FH verhindern

Gepostet am Aktualisiert am

Regenbogen Potsdam
Doppelter Regenbogen über Potsdam

Die Potsdamer Linksextremisten, gut vernetzt in Bündnissen, Aktionskreisen, Parteien, Antifa und Kulturzentren, geben noch lange nicht auf. Da auch ihre (fehlerhafte) Unterschriftensammlung gegen die Neugestaltung der Potsdamer Mitte nicht zu einer Revision zwanzigjähriger Debatten und Entscheidungen führte, wollen sie jetzt den alten Bau der Fachhochschule besetzen, um den Abriss und die Neugestaltung des unter dem DDR-Bau begrabenen Stadtquartiers zu verhindern.

Wenn man bedenkt, wie erfolgreich in Potsdam und Berlin Hausbesetzungen sind, muss man schlimmes befürchten.

In Berlin hatte eine Handvoll extremistischer Geflüchteter eine Schule besetzt. Die grüne Bezirksbürgermeisterin gab weit über eine Million € aus, damit die Schule für die Besetzer wohnlich blieb (Hausmeister, Security, Heizung) und widersetzte sich der Aufforderung aus dem Senat, das Gebäude zu räumen.

Die Hausbesetzer in der Berliner Rigaer Straße belästigen und bedrohen ihre Nachbarn, verletzen Polizisten, sorgen jährlich am 1. Mai für Krawalle. (Wenn das Rechte machen würden, gäbe es einen ARD-Brennpunkt, Leitartikel, Bibelarbeit gegen Rechts von Frau Käßmann und Gesetzesnovellen von Herrn Maas.) Linke und grüne Politiker*innen wollen nichts von Räumung wissen und plädieren für Gespräche mit den Straftäter*innen.

In Potsdam gelang es, die Wiederaufbaupläne für das Kirchenschiff der Garnisonkirche zu erschweren, weil das Rechenzentrum, das auf dem Gelände von der SED errichtet wurde, als „Zwischennutzung“ zum Haus für Kunstschaffende wurde. Inzwischen wurde die Zwischennutzung verlängert. Die Kunstschaffenden fordern von der Stadtverwaltung, das marode Haus instandzusetzen, damit es bewohnbar bleibt. Natürlich ist das Haus Agitationszentrum gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche geworden.

Zwei Altbauten in der Potsdamer Zeppelinstraße hatte die Stadt an linke Mieterinitiativen zu einem Tiefpreis vermietet. Die Aktivisten versprachen dafür, die Häuser in Eigenleistung zu renovieren. Nach zehn Jahren wollte die Stadt den Mietpreis geringfügig anheben. Da gestanden die legalisierten Hausbesetzer, dass sie für die Renovierung nochmal so lange brauchen würden und lieber die alte Miete zahlen möchten. (Einige Räume hatten die linken Kapitalist*innen zu marktüblichen Preisen untervermietet.)

Die Besetzung der alten FH dürfte also erfolgversprechend sein: Wer Räumung fordern wird, gilt als rechtspopulistisch. Von der Stadt würde erwartet, die FH mit einem Millionenbetrag instandzuhalten. Eine neue Querfront entstünde: Die FAZ, in der der Bau als Ikone der Ostmoderne gepriesen wurde, wäre genauso glücklich wie die Hausbesetzer*innen.

Der Bedarf an Kunsthäusern ist scheinbar weiterhin groß, so dass der Bau als Kunst- und Kommunikationszentrum genutzt werden könnte. Ich würde ja eher dafür plädieren, den FH-Bau direkt neben der Nikolaikirche unseren muslimischen Mitbürger*innen als Moschee anzubieten. Sie suchen schon lange.

Niemöller-Stiftung will Geschichtsmuseum statt Garnisonkirche

Gepostet am Aktualisiert am

GarnisonkircheVor einigen Monaten kritisierte der Journalist Matthias Grünzig, Aktivist gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, das Konzept der Befürworter, im wieder aufzubauenden Turm auch die Geschichte der Kirche zu dokumentieren, als völlig unzureichend. Sein Maßstab war die Berliner „Topographie des Terrors“, Gedenkstätte und Dokumentationszentrum am historischen Ort des SS-Hauptquartiers.

Es gibt dort eine große Bibliothek, es wird geforscht, es werden Bücher publiziert, es gibt einen Pressespiegel zu NS-Themen, es finden Sonderausstellungen und Seminare für Schulklassen und Erwachsene statt, es gibt einen Rundbrief und einen Newsletter und eine Caféteria.

Das Dokumentationszentrum beschäftigt 31 Mitarbeiter/-innen, 1 Auszubildende sowie Praktikanten, studentische Hilfskräfte und das Freiwillig- Soziale-Jahr-Ableistende.

Letztlich soll durch den Vergleich der geplanten Garnisonkirchen-Dokumentation im wieder zu errichtenden Turm mit der Topographie des Terrors und überzogenen Raum-, Personal- und Themenforderungen der Wiederaufbau verhindert werden.

Gerade erst haben die Gegner/-innen das ehemalige DDR-Rechenzentrum, das in das Garnisonkirchengrundstück hineinragt zum Haus für Kunstschaffende umwidmen können. Noch nicht einmal diesen Platz würde ein Dokumentationszentrum über den Nationalsozialismus auf dem Kirchengrundstück kriegen.

Jetzt setzt die Niemöller-Stiftung e. V. ihren Kampf gegen den Garnisonkirchen-Wiederaufbau als Versöhnungskirche mit einem „Gutachten“ fort, das Grünzigs Ausführungen wiederholt. Rechtzeitig zum Beginn des Evangelischen Kirchentages sorgt sie damit für Gesprächsstoff, zumal im Veranstaltungsraum auf dem Garnisonkirchengrundstück Kirchentagsveranstaltungen stattfinden sollen. (Hoffen wir, dass die Antifa nicht aufmarschiert und wieder handgreiflich gegen die Pfarrerin wird.)

Vor ein paar Wochen hatte der Verein schon eine Tagung gegen den Wiederaufbau durchgeführt, auf der die Befürworter nicht sprechen durften. (Schon Niemöller kannte nur Freund oder Feind.)

Die Martin-Niemöller-Stiftung ist eine Organisation, die in einschlägigen digitalen Plattformen zur antifaschistischen Szene gezählt wird.

Der evangelische Pfarrer Niemöller war deutsch-national eingestellt und Gegner der Nationalsozialisten. Den Ideen von Rasse und Volkstum gegenüber war er aufgeschlossen, Juden fand er nicht sympathisch. 1921 kämpft er als Freikorpsführer im Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik. Er lobte 1935 die Einführung der Wehrpflicht und den Dienst an der Waffe als Christenpflicht. Er bat Hitler, ihn im Zweiten Weltkrieg als U-Boot-Kommandanten zu verwenden. Das war er schon im WK I gewesen.

Dann organisiert er die evangelische Widerstandsbewegung „Bekennende Kirche“. Sein Widerstand gegen Hitler speist sich aus theologischen, nicht politischen Gründen.

Der Vorwurf, den manche Nachgeborenen gegen die Offiziere des Widerstands von 1938 und 44 einwenden, sie wären keine Demokraten gewesen, trifft jedenfalls auf Niemöller zu.

In der Bundesrepublik habe er mehr gelitten als im Dritten Reich, sagt er später. (Hitler ließ ihn zwar in ein KZ sperren, aber es war eine Ehrenhaft. Er durfte Besuch empfangen und Bücher lesen. Die Bundeswehr war für ihn die „Hohe Schule für Berufsverbrecher“.

Antikommunistischer Militarist und Nationalist war er auch nach dem Zweiten Weltkrieg, hätte gerne an der Seite der USA gegen Russland gekämpft, wurde dann in der Zeit des Kalten Krieges Pazifist und trat auf zahlreichen, von der UdSSR finanzierten Friedensdemonstrationen und Friedenskongressen auf und erhielt Orden der DDR und UdSSR.

Die nach ihm benannte Stiftung sieht ihre Aufgabe u. a. darin, Bundeswehreinsätze im Ausland zu verurteilen, Kirchenasyl für Flüchtlinge zu gewähren, Abschiebungen von abgelehnten Asylsuchenden zu verhindern und gegen alles, was es rechts von der linken Mitte im politischen Spektrum gibt, zu kämpfen.

Vorstandsmitglied Dr. Margot Käßmann ist bekannt dafür, NATO und EU-„Aggressionen“ gegenüber Russland zu brandmarken, aber kein kritisches Wort über russische Aggressionen in der Ukraine und auf der Krim zu finden.

Man wundert sich angesichts des Eifers, mit dem nachgeborene Jakobiner/-innen jeder nationalistischen und judenfeindlichen Bemerkung von Dichtern und Geschichtsprofessoren des 19. Jahrhunderts nachspüren und nach ihnen benannte Straßen umbenennen, wenn sie Niemöller so nachsichtig behandeln.

Update 2.6.17: Der US-Amerikaner mit armenischen Wurzeln Noubar Afeyan beabsichtigt, der Garnisonkirchen-Stiftung eine größere Summe zu stiften. Afeyan ist Ph.D. in Bioverfahrenstechnik (biochemical engineering). Er ist Unternehmer, finanziert Start-ups, hat einen Lehrauftrag am MIT und ist Gründer einer Stiftung, die an Armenien erinnert.

Der Großvater von Noubar Afeyan wurde während des türkischen Massenmords an den armenischen Mitbürgern von deutschen Offizieren gerettet. Sie steckten ihn in eine deutsche Uniform.

Afeyan will als Stifter eines Menschenrechts-Preises Personen ehren, die sich weltweit für Notleidende engagieren.

Zu Potsdam und zum Wiederaufbau der Garnisonkirche würde dieses Engagement gut passen.

Es gibt hier ein kleines Museum in dem Haus, in dem der Theologe Johannes Lepsius wohnte.

Lepsius hielt sich lange im Nahen Osten auf. Er wurde Zeuge von Pogromen und Massakern der Osmanen an den Armeniern. Diese begannen um 1894 und gipfelten in dem Massenmord von 1915.  Er schrieb darüber und hielt Vorträge, um auf diese Verbrechen aufmerksam zu machen. Die Reichsregierung hielt sich zurück, sie wollte es mit dem Bündnispartner Osmanisches Reich nicht verderben.

Zur Garnisonkirche passt die Geste von Noubar Afeyan, weil sie auch die Kirche für die Offiziere des Widerstandes und ihre Familien war.

Modernes Bauen in Potsdam 2017

Gepostet am Aktualisiert am

Wohnhäuser im viel gelobten Entwicklungsgebiet Bornstedter Feld

Siehe auch hier!

Fürst-Pückler-Ausstellung im Schloss Babelsberg

Gepostet am Aktualisiert am

Park Babelsberg
Park Babelsberg: Lafette, mit der Gartenarchitekt Pückler große Bäume verpflanzte.

Noch bis 15. Oktober 2017 bleibt die Ausstellung „Der grüne Fürst und die Kaiserin“ im Schloss Babelsberg geöffnet. Hermann von Pückler-Muskau, der geniale Gartenarchitekt (Branitz, Muskau) und exzentrische Lebenskünstler, hat ab 1833 den Park um das Babelsberger Schloss, der von Josef Peter Lenné angelegt worden war, weiter entwickelt und vor allem durch ein raffiniertes Bewässerungssystem den trockenen Hügel zu dem prächtigen Park gemacht, der er heute ist. Die Wasserleitungen werden heute wieder benutzt!

Der blühende Pleasure Ground, das Schwarze Meer, der Wasserfall, die Fontänen, die Terrassen rund um das Schloss sind ihm zu verdanken. In der englischen Prinzessin Augusta, der Frau des Prinzen und späteren Kaisers Wilhelm I., fand er eine kongeniale Förderin.

Wer den Park beim Ende der DDR gesehen hat, hätte sich nicht vorstellen können, dass die Gärtner das am Havelufer zur „modernen“ Grenze umgepflügte Gelände mit Betonwegen, Stacheldrahtzäunen, Scheinwerfern, freiem Schussfeld und den Kasernenbauten je wieder herstellen könnten. (Siehe „Gärtner führen keine Kriege“!)

Das Schloss ist von außen prächtig restauriert. Die nicht weniger prächtigen Innenräume mit grandiosen Ausblicken auf den Park und die Havel – alle sorgfältig geplant und keineswegs Zufall – werden in den nächsten Jahren restauriert.

 

Gesamtkunstwerk Potsdam

Gepostet am Aktualisiert am

PotsdamDer Potsdamer Maler und Autor Olaf Thiede hat beschrieben, wie und warum die Stadt Potsdam zu einem Gesamtkunstwerk wurde. Er erklärt Gestaltungsprinzipien klassischer Architektur und Stadtplanung, die in der Stadt angewandt wurden.

Kurfürst Friedrich Wilhelm von Hohenzollern (der spätere „Große Kurfürst“) regierte im 17. Jahrhundert ein Brandenburg, das durch den Dreißigjährigen Krieg auf einen „erbarmungswürdigen Zustand“ (Thiede) zurückgeworfen wurde. Er war eine Katastrophe, die auch nach 200 Jahren noch nicht vollständig überwunden worden war. Mit diesem Kurfürsten beginnt aber der Aufstieg Brandenburg-Preußens zu einem modernen Staat und einer europäischen Großmacht.

Zusammen mit Johann Moritz von Nassau-Siegen entwickelt er den Plan für die Residenzstadt Potsdam. Jener tat den berühmten Spruch: „Das gantze Eylandt muß ein paradis werden“. Dies wurde von den Hohenzollern in den nächsten 200 Jahren konsequent umgesetzt.

Thiede schreibt den Kritikern der Rekonstruktion Potsdams ins Stammbuch: „Was ist modern? Warum und wie lange? Die Qualität ist entscheidend! Die „Moderne“ steckt in einer Krise. Auf der rein intelektuellen Ebene und durch die Geschichte der letzten Jahrzehnte sind die … architektonischen Überzeugungen der Moderne sicherlich nachzuvollziehen. Nur, mit menschlichen Gefühlen und Erwartungen haben sie leider wenig zu tun, und doch füllen diese Bauwerke unsere Welt bis zum Überdruss mit Beliebigkeit, Langeweile und Kälte und somit unsere Lebenszeit… Es besteht kein Grund, gerade hier in Potsdams außergewöhnlichem Stadtzentrum irgendwelche Experimente und Selbstdarstellungen von Stararchitekten hineinpressen zu müssen, ob aus kurzsichtigen politischen Gründen oder gar nur, um trotzig „gegen alles Historische“ zu sein. Dafür ist das Gesamtensemble der Stadt zu wichtig und in seiner Einheitlichkeit, bei aller Berücksichtigung historischer Brüche, zu wertvoll. 

Olaf Thiede, Gesamtkunstwerk Potsdam. Sichtachsen, Geometrie, Rhythmus. Beobachtungen und Überlegungen zu den Gestaltungsprinzipien der barocken Stadt, 48 S., Potsdam 2009, Eigenverlag des Autors

Vom selben Autor: 1701 – Krönungs-Ritual und Stadtplanung Potsdam

Lesetipp:

Vom Gesamtkunstwerk ist nur im ersten Satz der Einleitung die Rede in dem Buch Städtebau und Herrschaft. Potsdam: Von der Residenz zur Landeshauptstadt, von Erich Konter und Harald Bodenschatz, Berlin: DOM Publishers 2011

Es zeichnet die Stadtentwicklung vom Aufstieg nach dem 30jährigen Krieg bis kurz nach dem Zusammenbruch der DDR nach. Es geht um Städtebau als Zeichen von absolutistischer Herrschaft, die Prägung durch Kasernen und Behörden, die Planung der DDR-Zeit.

Das Buch ist ein unentbehrliches Kompendium zum Städtebau und der Stadtentwicklung Potsdams. Dass Potsdam im Vorwort wegen seiner vielen Konfessionen mit dem postmodernen Wort als multikulturelle Stadt bezeichnet wird, nimmt man in Kauf.

Bei der Stadtentwicklung im sozialistischen Potsdam glauben die Autoren herausgefunden zu haben, dass entgegen der herrschenden Meinung, kontroverse Diskussionen stattfinden konnten. Als Kronzeugin nennen sie ausgerechnet die Broschüre eines Museums, in der vorsichtige Kritik daran geübt wurde, dass eine Flaniermeile direkt am Stadtschloss zur Magistrale einer modernen Großstadt werden sollte (und wurde).

Wie der Verfasser der Broschüre einmal erzählte, war er erstaunt, dass das Heftchen gedruckt werden durfte. Wenn auch vorsichtig und verklausuliert hatte man punktuell Kritik geübt. Als willkommenen und gleichberechtigten Diskussionsbeitrag im Ringen um eine sozialistische Stadtentwicklung kann man das nicht ansehen.

 

DDR-Spitzenleistung: 5 km Barockfassaden in Potsdam beseitigt!

Gepostet am Aktualisiert am

Es sollte eine moderne sozialistische Großstadt entstehen. Dazu brauchte man den Hochhausklotz des Interhotels und den massigen Gebäudekomplex von Institut für Lehrerbildung (Fachhochschule), Staudenhofwohnblock und Stadtbibliothek, unter dem ganze Quartiere der Altstadt verschwanden.

Es gab auch in der DDR Phasen, in denen kriegsbeschädigte Häuser phantasievoll eine barockisierende Fassade erhielten. Hinter erhaltenen Barockfassaden wurden moderne Wohnungen eingerichtet. Es gab auch eine Denkmalschutzliste und Denkmalschutzgesetze.

Im Interhotel konnten Devisengäste eine Knobelsdorff-Suite mieten, benannt nach dem Architekten von Sanssouci und der Französischen Kirche. Auch wurden die Lamellen an der Außenfassade der Fachhochschule, die die Wucht des Gebäudes mildern sollten, in „Potsdam-Gelb“ gestrichen. Aber überwiegend wurde abgerissen, u. a. die Garnisonkirche, die Heiliggeistkirche und das Stadtschloss. Das Theodor-Storm-Haus fiel im Spätsommer 1989 der Spitzhacke zum Opfer. Der Künstler Bob Bahra und andere hatten vergeblich protestiert. Das schon halb verfallene Holländische Viertel erblühte nach der Friedlichen Revolution zu neuem Leben.

Ca. 5 Kilometer barocke Hausfassaden ließ die SED in Potsdam abreißen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es sich in einer Diktatur leichter regieren lässt. Denn der Protest dagegen war in der Deutschen Demokratischen Republik sehr überschaubar und brachte den Protestierenden mindestens die Überwachung durch die Stasi.

Wenn heute in Potsdam über den Abriss des Hotelhochhauses oder Fachhochschule aus DDR-Zeiten diskutiert oder er gar beschlossen wird, erhebt sich ein vielstimmiger Aktivistenchor. Dazu zählen Architekten, die lieber modern bauen wollen, d. h. Waschbeton und fassadenlose Wohn- oder Büroquader mit französischen Fenstern, oder Kunsthistoriker und Journalisten, die Potsdamern vorwerfen, dass sie nicht so gebildet sind wie sie, und daher die Schönheit der DDR-Bauten nicht goutieren könnten. Der Vollständigkeit halber nenne ich noch die DDR-Nostalgiker und die Alt- und Neukader der Linkspartei, die mit der Kritik am „Barockfaschismus“ auch gleich den aus Westdeutschland importierten Kapitalismus geißeln können.

Siehe auch Märkische Allgemeine: „Der Fall des Theodor-Storm-Hauses“.

Anm.: Von den 5 km Abrisslänge habe ich gelesen, finde aber keinen Beleg mehr. Für Hinweise bin ich dankbar.

Potsdamer Fachhochschulbau als islamisches Kulturzentrum!

Gepostet am Aktualisiert am

Muhammad-Amin-Moschee in BeirutGerade ließen wir uns von FAZ-Kunst- und Architektur-Sachverständigen belehren, dass wir, die wir Cola statt teurem Petrus-Rotwein trinken, Neuschwanstein als schön empfinden und über die städtebauliche Gestaltung von Wendehämmern nicht hinausdenken könnten. Deswegen müsse der DDR-Bau der Fachhochschule als Meisterwerk der Ostmoderne erhalten bleiben, schreiben Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Niklas Maak und Claudius Seidl, „Make Potsdam great again“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41)

Da der Bau leersteht, gibt es Nutzungsvorschläge, z. B. ein weiteres Kunst- und Kommunikationszentrum. Davon hat Potsdam schon drei Dutzend. Da greife ich lieber den Vorschlag von Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) auf und führe ihn weiter. Dr. Münch hat angeregt, das zukünftige Kirchenschiff der Garnisonkirche als Moschee zu gestalten.

Die leer stehende Fachhochschule aber wäre eine sofortige Lösung! Die Hörsäle böten sich den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als Predigt- und Gebetsorte an. Es gäbe ausreichend Räume für Treffpunkte, Unterricht und Feiern. Eine gastronomische Einrichtung kann auch genutzt werden.

 

Frankfurter „Edelfedern“ rezensieren Potsdamer Städtebau

Gepostet am Aktualisiert am

Fachhochschule Potsdam

„Make Potsdam great again“ heißt ein Text in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Niklas Maak und Claudius Seidl (FAS v. 2.4.17, p 41).

Die beiden „Edelfedern“, von Haus aus Feuilletonchef der eine, Kunst- und Architekturhistoriker der andere, wissen, was gut ist für Potsdam. Und was schlecht ist.

Schlecht wäre der abwaschbare Plastikbau des Berberini-Museums, gut das monströse Gebäude der Fachhochschule (FH), der Nachbau eines Gebäudes des berühmten Architekten Mies van der Rohe.

Die Wiederherstellung des preußischen Potsdams wäre das Werk reicher Westdeutscher, auch der Oberbürgermeister sei von dort zugewandert. Der Unternehmung fehle die demokratische Legitimation, behaupten sie.

Vielleicht sollte die Redaktion zukünftig einen Faktencheck einführen, bevor die Zeitung in Druck geht.

Der OB und die reichen Wessis hätten „biederes westdeutsches Wendehammer-Dasein“ nach Potsdam gebracht.

Dann belehren die beiden kunstsinnigen Intellektuellen das dumme Potsdamer Publikum: Wer immer nur Cola und Apfelsaft trinke, der würde einen Pétrus-Rotwein oder einen guten Whisky ungenießbar finden. So ginge es auch im Potsdamer Städtebau zu. Wer bei schöner Architektur nur an Neuschwanstein denke, könne mit einem Meisterwerk der Moderne, mit lisenenhaften Längselementen rhythmisierten Fassaden und Op-Art-haften Sichtblenden nichts anfangen.

Das Plätzchen zwischen Fachhochschule und einem Plattenbauwohnhochhaus erinnert die Rotweinexperten an Lucio Costa, den Schüler von Oscar Niemayer. Costa entwarf den Grundriss von Brasilia. Ich hätte diese mit Büschen, Bänken und Spalieren möblierte Schneise, die, zugegeben, etwas vernachlässigt wirkt, als Eingang zu einer Schrebergartenkolonie in Frankfurt-Zeilsheim vermutet. Auf Brasilia wäre ich beim Durchqueren nicht gekommen.

Mir sei nach diesem hämischen Artikel auch ein wenig Häme erlaubt: Den Vorgänger des Feuilletonchefs Seidl, den verstorbenen Frank Schirrmacher, zog es nach Potsdam. Er wohnte in Sacrow. Die FH kann man von dort nicht sehen.

Das Gebäude Mies van der Rohes in Des Moines/USA, dem die Fachhochschule nachempfunden sein soll, habe ich auf einem Foto im Internet gefunden. Es ist ein quadratischer schwarzer Bau mit großen Fenstern, nur das Erdgeschoss, das von den beiden oberen Stockwerken überwölbt wird, ist mit hellem Sandstein verkleidet. Es erinnert entfernt an die Neue Nationalgalerie. Auf diese Idee kommt man bei der FH nicht.

In Des Moines, in dem typischen quadratischen Straßennetz der US-Städte und den unterschiedlich hohen Hochhäusern drum herum, wirkt das Gebäude fast filigran. Der angebliche Nachbau in Potsdam ist dagegen ein massiger Fremdkörper. Aber ich bin halt kein Kenner von Pétrus-Weinen.

Wenn der Potsdamer Architekt es wenigstens 1:1 nachgebaut hätte. Der Nachbau entspricht mindestens drei Quadraten des Originals, an einem Ende war noch die Stadtbibliothek angebaut. Im Vergleich zu Des Moines ein monströses Gebäude, errichtet nicht zuletzt, um die preußische Nikolaikirche zu verdecken. (Gibt es bei Architekten nicht einen sehr rigiden Urheberrechtsschutz?)

Von den Potsdamer Lokalblättern ist die MAZ begeistert von der furiosen Kritik, die PNN berichtet und hat auch Raum für die Korrektur, dass das Stadtparlament seit über 20 Jahren mit der Wiedergewinnung der alten Mitte beschäftigt ist und damit an Ansätze aus der Bürgerschaft der DDR anknüpft, also keineswegs, wie Seidl/Maak suggerieren, die Potsdamer von einem westdeutschen Oberbürgermeister kolonisiert werden.

Zum Städtebau in Potsdam siehe auch hier im Blog!

Unentwegt gegen Faschismus und Garnisonkirche

Gepostet am Aktualisiert am

Die Partei Die Linke. lässt sich in ihrem Kampf gegen den Faschismus von niemandem übertreffen. Die sozialistische Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bemüht das Bundesinnenministerium unablässig um die neuesten Statistiken über rechte Straftaten. Linksparteimitglieder kämpfen in den Reihen der Amadeu-Antonio-Stiftung der Ex-IM Anetta Kahane gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus. Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping kooperiert mit den Gewalttäter*innen der Antifa. (Thierse, SPD, und manche grüne Parteigliederungen stehen ihr nicht nach.)

Ein Symbol des Faschimus ist in den Augen der Sozialisten die Potsdamer Garnisonkirche. Verbissen versuchen sie, auf allen Kanälen den Wiederaufbau zu verhindern, nachdem ihre kommunistischen Vorväter sie gesprengt hatten. Was sie und ihre Vorfeldorganisationen in Potsdam alles unternehmen, steht u. a. hier im Blog. Jetzt hat die Bundestagsfraktion der Linken (vergeblich) versucht, im Bundestag die Streichung der Bundesmittel für den Wiederaufbau durchzusetzen.

Wie stark die unaufhörliche Propaganda wirkt, kann man am Beispiel der Garnisonkirche zeigen. Es interessiert nicht, dass der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche ein Nazi war, nicht der der Garnisonkirche. Es gibt Garnisonkirchen in Deutschland, die eher die Bezeichnung „Nazikirche“ verdienen. Wer die Wochenschauaufnahmen vom Tag der Parlamentseröffnung 1933 sieht, erkennt, dass die Begeisterung der Menschen dem Generalfeldmarschall von Hindenburg galt, dass HItler, zumal im „bürgerlichen“ Frack in der Öffentlichkeit eher unterging.

Wenn man unbedingt Gebäude als faschistisch verdorben ansehen will, warum reißt man nicht das Olympiastadion mit Hitlers Ehrenloge ab, oder die Villa Wahnfried in Bayreuth? In Berlin ließen sich viele weitere Gebaude finden.

Das zufällige Foto eines britischen Pressefotografen vom tiefen Diener, mit dem Hitler sich von Hindenburg verabschiedete, wird heute als Versöhnung zwischen dem konservativen Deutschland und den Nationalsozialisten gedeutet. Dabei hatte Hindenburg nur Verachtung für den böhmischen Gefreiten übrig. Goebbels erkannte allerdings schnell, dass die Veranstaltung, die ohne sein Zutun in der Potsdamer Kirche stattfand, für die Nationalsozialisten ein Propagandacoup sein würde.