MfS

Das Buch der DDR-Opfer

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Dr. Hubertus Knabe, Leiter der Gedenkstätte „Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen“ und unerbittlicher Gegner der Weichzeichnung von SED und DDR, will eine Datenbank erstellen, in der alle Opfer der SED namentlich erfasst sind.

Man kann ihm nur die Daumen drücken und viel Erfolg wünschen.

Es wird eine schwierige Sache werden. Nicht nur, weil das Interesse an der Aufarbeitung der SED-Diktatur nicht sehr ausgeprägt ist. Die Zusammenführung einer Vielzahl von Statistiken mit unterschiedlichen Erfassungskriterien muss gemeistert werden. Defintionsfragen sind zu klären. Wie lassen sich die Geschädigten der subtilen Zersetzungsmethoden des Mfs erfassen? Die SED verwischte die Unterschiede zwischen kriminellen und politischen Handlungen. Gehören Familienangehörige, die unter der Verfolgung der Opfer zu leiden hatten, die psychisch erkrankten, die berufliche Nachteile erlitten, ebenfalls zu den Opfern? Zwangsadoptierte Kinder? Gedopte Sportlerinnen und Sportler? Was ist mit Flüchtlingen? Wie viele Selbsttötungen aus repressiven Gründen gab es? Kinder von Stasi-Tätern, die mit der Rolle ihrer Eltern nicht klarkommen?

Aber allein schon eine breite Diskussion des Themas wäre nach fast 30 Jahren stetig abnehmender Aufarbeitung ein wichtiges Ereignis.

Literatur: Ansger Borbe, Die Zahl der Opfer des SED-Regimes, Landeszentrale f. pol. Bildung Thüringen 2010

Hubertus Knabe über die mangelnde deutsche Erinnerungskultur

 

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Korruption in der DDR

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Selbstverständlich war die DDR-Gesellschaft keine Gesellschaft der Gleichen. Darüber redet man verständlicherweise nicht gerne.

Als da sind:

Die Parteimitglieder (1987 2,3 Millionen)

Sie haben bessere Berufs- und Karrierechancen, kommen schneller an eine moderne Wohnung und ein neues Auto.

Dazu gehört die Nomenklatura, die leitenden Kader. Sie haben einen Telefonanschluss, den sie nicht mit dem Nachbarn teilen müssen. Auch für die Datsche gibt es ein Telefon. Sie kriegen die Plätze auf dem Kreuzfahrtschiff und im Flieger nach Kuba. Sie haben ihre eigenen Kankenhäuser, Gaststätten und Feriensiedlungen.

Dazu gehören die 90.000 hauptamtlichen MfS-Mitarbeiter. Sie verdienen mindestens doppelt so viel wie der DDR-Durchschnitt.

Die Handwerker, Kellner, Gaststättenleiter, Verkäufer/-innen

Sie hatten eine Machtposition. Sie konnte man mit DM kaufen oder sie verkauften „Bückware“ unter der Hand.

Die staatstreuen Kunstschaffenden

Sie durften in Clubhäusern in bester Lage kreativ werden. Auch ins Ausland durften sie.

Es dürfte wohl alles in allem, die Familienmitglieder mitgezählt, ein Drittel der ostdeutschen Bevölkerung gewesen sein, das privilegiert war.

 

Nur selten gelingt es einmal, einen Blick hinter die Kulissen der Gesellschaft mit dem großen Zusammenhalt und der sozialen Gleichheit zu werfen. Einen solchen Blick ermöglicht der Fall Wurm. Wikipedia berichtet:

„Günter Wurm, geboren 1935, gestorben am 10. September 1983, war Oberstleutnant des MfS, Träger des Vaterländischen Verdienstordens, Ehrentschekist der Sowjetunion und verantwortlich für den schwersten Korruptionsfall der DDR. Er war als studierter Finanzwirt im MfS zuständig für Devisenbeschaffung im Ausland. (Daneben gabe es die ungleich größere Koko des MfS-Obristen Schalck-Golodkowski.)

Über seinen sogenannten Reptilienfond(sic!) flossen in das Revierförsterhaus Siehdichum im Schlaubetal 560.000 Mark, in das Fischerhaus 273.000 Mark zur Sanierung und zum Ausbau der Gebäude. Der am Ausbau führend beteiligte Staatliche Forstbetrieb Müllrose erhielt von Wurm Holzverarbeitungsmaschinen aus dem nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet im Wert von 50.000 D-Mark. Den Rat des Bezirkes Frankfurt (Oder) belohnte er für die schnelle „Freigabe“ von Materiallieferungen und Baugenehmigungen mit Büro- und Kopiertechnik aus dem Westen im Wert von 75.000 D-Mark. Stasi-Chef Erich Mielke war bereits im Sommer 1980 misstrauisch geworden, da die Ausstattung für die damaligen Verhältnisse ungewöhnlich luxuriös war, eine Revision wurde angeordnet und stellte fest, Wurm hatte sanieren lassen, ohne Belege vorweisen zu können. Man entzog ihm daraufhin die Verfügungsgewalt über das Forsthaus. Ende Januar 1981 wurde Wurms konspirative Wohnung in Berlin überprüft. Dabei fanden sich 160.000 D-Mark und 11,9 Kilogramm Gold. Am Wirchensee befand sich seine private Jagdhütte, auch hier hatte er Depots angelegt. Man fand bei Grabungen 43 Kilogramm Gold, in weiteren Verstecken mehr als tausend Flaschen Schnaps, Millionen von Westzigaretten, japanische Heimelektronik, Schmuck und wertvolle Münzen. Unter strengster Geheimhaltung wurde er am 3. Dezember 1981 vom Militärstrafsenat beim Obersten Gericht der DDR zu 15 Jahren Haft verurteilt.“ (Er starb 1983 während der Haft. Sein Tod ist auf eine allergische Reaktion auf ein Medikament zurückzuführen. Siehe dazu die Sammlung von Todesfällen durch die Gedenkstätte Hohenschönhausen. Eine Ermordung durch das MfS scheint ausgeschlossen; GS)

Wurm konnte sein „Geschäft“ ca. 16 Jahre unbehelligt betreiben. Nach dem Mauerbau, als die SED wieder einmal knapp an Devisen war, ließ sie 20.000 Bank-Schließfächer aufbrechen. Wurm musste den Inhalt im Westen zu Geld machen.

In dem teuer sanierten Forsthaus verwöhnte er die DDR-Elite und besorgte ihnen alle Luxusgüter, die sie haben wollten. Von den Westfirmen, denen er Lieferungen abkaufte, verlangte er Provision. Sein Vermögen belief sich auf 6,5 Mio DM und 2 Mio Ostmark. Dank seiner MfS-Firma und seines Netzwerks in der DDR konnte er durch Bestechung Grundstücke, Wohnungen und Telefonanschlüsse beschaffen.

Natürlich gönnte er sich und seiner Freundin, die später mitangeklagt wurde, auch manches. (Siehe dazu auch in Capital!)

Siehe zum DDR-Alltag auch hier und hier und hier!

„Sie sprechen mit der Stasi“

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In den Tonarchiven des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (BStU) lagern Mitschnitte von Telefonanrufen bei der Stasi und Mitschnitte von Verhören. Daraus hat Andreas Ammer für den WDR 2017 eine ca. einstündige Collage montiert, unterlegt von Trompeten- und Posaunenklängen eines Musikers, der sich FM Einheit nennt: „Sie sprechen mit der Stasi“. Da denunzieren Bürger ihre Nachbarn, Westdeutsche warnen besorgt vor illegalen Einfuhren von Geld und Pornos in die DDR, einer will mit seinen Anrufen die Leitung des Ministeriums blockieren.

Es ist keine Dokumentation, sondern vor allem wegen des elektronischen Klangteppichs ein Kunstwerk. Und gut für Unterricht geeignet.

Ein „Mosaik der Unmenschlichkeit“ nennt es Die Welt.

In der Mediathek des WDR ist das Hörspiel derzeit noch zu hören. Ansonsten bietet der Hörverlag (Randomhouse/Bertelsmann) für 10,95 € den Download, für 14,99 € die CD an.

Todesfälle im MfS-Gefängnis Hohenschönhausen

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Peter Erler, Tod im Gewahrsam der Staatssicherheit: Suizide und andere Sterbefälle am Haftort Berlin-Hohenschönhausen 1951 bis 1989. Eine vorläufige Übersicht.

Der Tod von Strafgefangenen wurde bei der Staatssicherheit anscheinend nicht erfasst. Das MfS war bemüht, derartige Vorkommnisse in seinen Untersuchungsgefängnissen zu verschleiern. So fehlen entsprechende Vermerke über den „Abgang“ der Häftlinge in den Registrierbüchern oder die Aktenablage der Betroffenen weist Lücken auf. Manchmal enthalten die überlieferten Unterlagen falsche Angaben zum Todesort.

Es scheint, als ob eine mit der letzten Druckertinte gedruckte Papierkopie eingescannt worden wäre. Unangenehm zu lesen!

Die Grünen und die DDR

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Die Grünen hatten mit der Vereinigung nach dem Fall der Mauer nichts am Hut.
Dass sie sich anschließend mit dem Beinamen „Bündnis 90“ schmückten, fand ich als Marketing-Gag, um in Ostdeutschland Stimmen zu bekommen.
Eine Studie untersucht den Einfluss des DDR-Staatssicherheitsdienstes auf die Öko-Partei.

Franz Fühmann

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Von Franz Fühmann kenne ich nur eine einzige Erzählung: „Das Judenauto“. Diese Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Ich denke, ich stieß auf sie Ende der 70er Jahre als Lektürevorschlag für die Schule.

Zur Inhaltsangabe verlinke zu Dieter Wunderlichs Film- und Buchtipps-Seite.

Was mich seinerzeit beeindruckte, war, dass dieser Text eines DDR-Schriftstellers von Juden und Antisemitismus, von der Entstehung eines Vorurteils handelte. Er macht deutlich, dass die Entstehung eines Vorurteils ein komplexer, psychologischer, sozialer Prozess ist. Das, was wirklich ist, und das, was vernünftig ist, spielen dabei keine wesentliche Rolle. Fantasie und Einbildung überlagern oder verfälschen die Realität. Deswegen ist es so schwer, über Vorurteile aufzuklären und sie mit Argumenten und Tatsachen zu widerlegen.

Dass ein solch subtiler Text aus der DDR kam, das fiel mir damals schon auf. Denn der SED war nicht sehr an Juden gelegen, Antisemitismus und Holocaust waren kein Thema. (Jurek Becker – Jakob, der Lügner, Bronsteins Kinder – sind kein Gegenbeweis. Becker war selbst Jude. Sein Drehbuch „Jakob der Lügner“ wurde zuerst einmal von den Kultur-Aufpassern abgelehnt.) Aber es machte mich auch nicht neugierig auf mehr Fühmann. Was er sonst noch geschrieben hatte, war mir nicht bekannt, ich hörte auch nichts darüber.

Was ich wusste, war, dass er einst glühender Nationalsozialist, dann glühender Stalinist und auch später noch überzeugter Sozialist und DDR-Bürger war.

Jetzt stoße ich auf das Buch „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann, hrsg. von Peter Braun und Martin Straub, Göttingen: Wallstein 2016. Es enthält Beiträge mehrerer Autor/-innen zu Begegnungen mit ihm, zu seinem Leben und einzelnen Werken. Sie machen bekannt mit einem großartigen Menschen.

Der ehemalige Jesuitenschüler war wohl ein sehr religiöser Mensch. Seine Hingabe an die links- und rechtsextremen Ideologien ist für mich kein Widerspruch, eher ein Beweis.

Als Kriegsgefangener darf er eine sowjetische Antifa-Schule besuchen. In ihnen sollen Nazis zu Marxisten umerzogen werden. Fühmann wird Lehrgruppenleiter. Ihm wird bescheinigt, für eine leitende Tätigkeit in der SED-Kulturbürokratie oder im Journalismus befähigt zu sein.

Trotz allmählicher Enttäuschung von der (Kultur-)politik der SED, bleibt er Sozialist und versucht, durch konstruktive Kritik, die DDR zu verbessern. Dadurch gerät er ins Visier des MfS. Allein die Devise Mielkes, die Feinde der DDR nicht wegzusperren, sondern sie zu zersetzen und unglaubwürdig zu machen, rettet ihn vor dem Zuchthaus. Der Chef des Hinstorff-Verlages und andere aus Fühmanns Umgebung schreiben Berichte über ihn. Bonzen aus der Kulturbürokratie versuchen, ihn zu beeinflussen.

Fühmann wurde zum Fremdling in seiner Wahlheimat DDR. So formuliert es einer der Autoren des Erinnerungsbandes. Er wurde 1957 Nationalpreisträger, ab 1958 flog er aus allen Ämtern.

Es überrascht nicht, dass die SED auch über „Das Judenauto“ nicht begeistert war. Das entsprach nicht dem holzschnittartigen Narrativ vom antifaschistischen Staat, in dem man wenig für Juden und für Israel übrig hatte und die Erinnerung an den Holocaust den Westdeutschen überließ. Eine solche individuelle, sehr persönliche Annäherung an ein Thema, das in der DDR tabuisiert war, konnte der SED nicht gefallen.

Bei Franz Fühmanns Beerdigung 1984 hatte die Stasi vor der Zeremonie Kränze, die vom Ständigen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland und westdeutschen Verlagen niedergelegt worden zu den Gartenabfällen bringen lassen.

Nachtrag, zwei Stunden später: Ich stehe vor dem Bücherregal und will „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann einsortieren.

Oh, wie peinlich! Da steht „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel. Ein Sprachspielbuch für Kinder von Franz Fühmann“. Wie konnte ich das vergessen. ein wundervolles Buch über Sprache, 1978 im Ostberliner Kinderbuchverlag erschienen. eine Fundgrube für Ideen zum Kreativen Schreiben. Lang ist´s her…

 

Die Liquidation des Wolfgang Welsch missglückte der Stasi

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Wolfgang Welsch
(c) obs/ZDFinfo/ZDF/Vita Spieß

Vor einigen Jahren wies ich schon auf das Buch hin: Wolfgang Welsch, Ich war Staatsfeind Nr. 1.

Der Schauspieler und Schriftsteller Wolfgang Welsch geriet wegen systemkritischer Gedichte mit der SED in Konflikt. Nach einem missglückten Fluchtversuch verbrachte er mehrere Jahre in SED-Zuchthäusern. Dabei durchlitt er u. a.  Misshandlungen, Folter und eine Scheinhinrichtung. Seinen Beruf als Schauspieler gab er auf.

Nach dem Verkauf an die Bundesrepublik wurde Welsch Fluchthelfer und schleuste 220 Menschen aus dem SED-Staat.

Er überlebte drei Mordanschläge des MfS. Dass er den letzten, den Giftanschlag (radioaktives Thallium) eines vermeintlichen Freundes, überlebte, grenzt an ein Wunder. Als er von der Einsichtnahme in die Stasiakten nach Hause kommt, hat sich seine Frau erschossen. Sie war vom bulgarischen Geheimdienst gezwungen worden, ihren Mann zu bespitzeln.

Ein Detail aus der unglaublichen Geschichte muss ich noch berichten. Es zeigt, dass das MfS keine Kosten und Mühe scheute, wenn es darum ging, Gegner zu liquidieren. Wolfgang Welsch schreibt: „Man stelle sich den Aufwand vor, ein in Darmstadt gekauftes Motorhome via Seeweg acht Wochen über Nordsee durchs Mittelmeer nach Haifa zu schippern, dort den Wagen mir als Mietwagen anzudienen, noch mit Darmstädter Nummer. Und genau dieses Fahrzeug war zu dem Zweck beschafft worden, dass man dort ein Essen zubereitet, wo man das Schwermetall Thallium dann untermischen kann.“

Seine Geschichte wurde als Spielfilm „Der Stich des Skorpion“ verfilmt. (Trailer)

Wolfgang Welsch, inzwischen promovierter Politologe, erzählt seine Geschichte in dem Dokumentarfilm von Angelika Schmidt-Biesalski an den Original-Schauplätzen (2015).

Anmerkung: Ich war unentschieden, ob ich im Titel statt Stasi nicht SED hätte schreiben sollen. Fachleute halten es für sehr wahrscheinlich, dass die Morde des MfS vom Politbüro abgesegnet wurden. Aber wie so oft, gibt es keine Belege. Das erlaubt der Linkspartei und anderen DDR-Verherrlicher*innen bis heute, das Unterdrückungssystem nicht der SED anzulasten, sondern „nur“ dem MfS.

Der ehemalige Dresdner Oberbürgermeister Berghofer erzählte einmal, dass in der SED Untergrundpraktiken herrschten: Befehle wurden zwar auch schriftlich übermittelt. Aber der Adressat musste die schriftliche Anweisung nach Lektüre wieder zurückgeben. Auf diese Weise bekam er z. B. den Auftrag, dass bei Wahlen die Auszählungsergebnisse mit Bleistift notiert werden sollten.

 

Wie verkommen ist die Berliner politische Kultur?

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„Für eine neue Gedenkkultur suchen wir den Dialog mit Opfergruppen.“ So steht es in der Koalitionsvereinbarung von Rot-Dunkelrot-Grün in Berlin. Und sie fangen gleich damit an.

Vor 14 Jahren noch lehnte die Berliner SPD den PDS-Vorschlag ab, IM Anetta Kahane, die erfolgreich in der DDR u.a. Ausländer bespitzelt hatte, zur Ausländerbeauftragten des Senats zu ernennen. Jetzt akzeptiert der, der damals Kahane ablehnte, der jetzige OB Müller, den Vorschlag seines Koalitionspartners Linkspartei, Dr. Andrej Holm zum Wohnungsbau-Staatssekretär zu machen.

Holm, Sohn eines MfS-Kaders, beginnt sechs Wochen vor dem Fall der Mauer als hauptamtlicher Mitarbeiter in der Staatssicherheit, in der Abteilung des Papas, in einem Büro, in dem Spitzelberichte über die Ostberliner Bürgerrechtler ausgewertet wurden. Er will damit aber nichts zu tun gehabt haben, vor allem Radio gehört haben und froh gewesen sein, dass die „Wende“ kam. (Nachtrag:) Auch wenn  er sich an vieles nicht mehr erinnern kann, eines weiß er genau: Er hätte niemandem geschadet.

Er arbeitet in einer Zeit bei Mielke, in der die Oppositionellen, die Bürgerrechtler, nicht mehr hinter Kirchenmauern Zuflucht suchen. Sie gehen auf die Straße, lassen sich von Vopo und MfS-Leuten zusammenschlagen und einsperren. Andrej Holm steht dagegen fest zur Arbeiter- und-Bauernmacht.

Wer in der DDR seinen Kriegsdienst nicht bei der NVA ableistete sondern beim Wachbataillon der Staatssicherheit ableistete, signalisierte damit, dass er dem Regime nahe stand und eine staatsnahe Karriere plante. Dass er Offiziersschüler war und mehr Geld als normale Wehpflichtige bekam, war ihm wohl nicht aufgefallen. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie die DDR den Rechtsterrorismus in Westdeutschland förderte

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Die Neonazi-Gruppe um Odfried Hepp verübte verübte in Frankfurt/M einen Anschlag auf eine US-Wohnsiedlung und in Gießen, Eschborn, Darmstadt, Frankfurt und Butzbach jeweils Anschläge auf Privatautos von US-Militärangehörigen. Das MfS wusste darüber in allen Details Bescheid, denn er wurde vom MfS als zuverlässiger, vertrauenswürdiger Mensch geschätzt, der die gleichen Ziele wie die SED verfolgte: Gegen NATO, gegen USA, Destabilisierung der Bundesrepublik. Hepp wurde vom MfS eine Wohnung in Ostberlin gestellt und er ließ sich mehrfach in der DDR medizinisch behandeln, Auch die Ausreise in den Nahen Osten und die Zusammenarbeit mit der PLO wurde durch das MfS ermöglicht.

Hepps Kumpan Kexel sympathisierte mit der RAF. Eine Rechtsterroristin hatte sich im Gefängnis mit der RAF-Terroristin Verena Becker angefreundet und bahnte einen Kontakt an. Grundsätzlich gab es auf Seiten der RAF keine Einwände, man hatte ja dieselben Ziele. Dazu kam es aber dann nicht, die „Führungsebene“ der RAF wurde 1982 verhaftet.

Quelle: Samuel Salzborn, Die Stasi und der westdeutsche Rechtsterrorismus. Drei Fallstudien (Teil II), In: Deutschland Archiv, 19.4.2016, Link: www.bpb.de/224934

Teil I (Manfred Roeder und Arnulf-Winfried Priem)

Stasi kommt in der Literatur nicht vor

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Der Literaturfachmann der BStU, Matthias Braun, kennt zwar viele Erzählungen – Hans-Joachim Schädlichs „Tallhover“, Wolfgang Hilbigs „Ich“, Günter Grass‘ „Ein weites Feld“, Erich Loests „Nikolaikirche“, Christa Wolfs „Stadt der Engel“, Brigitte Burmeisters „Unter dem Namen Norma“. Aber in fast keiner erkennt er ein realistisches Bild der Stasi. In DDR-Krimis verkörpere sie stets das Wahre und Gute. Auch nach der Friedlichen Revolution gäbe es keine nennenswerte literarische Auseinandersetzung mit der Stasi.

Einzig in Uwe Johnsons „Mutmaßungen über Jakob“ von 1959 sei ein realistisches Bild gezeichnet. Und das, obwohl Johnson zu diesem frühen Zeitpunkt die wahre Dimension des Unterdrückungsapparates noch nicht kennen konnte.

(Frank Pergande in der FAZ)