Kommunismus

Der verlogene Systemvergleich

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Der in Zeiten des Kalten Krieges beliebte Systemvergleich stellte die kommunistischen Diktaturen des Ostblocks in Augenhöhe neben die westlichen Staaten. Das heißt, die soziale Marktwirtschaft und den liberalen Rechtsstaat neben Planwirtschaft und Herrschaft einer Partei ohne Meinungsfreiheit, freie Wahlen und unabhängige Gerichtsbarkeit.

Was ich allerdings gerne im Politikunterricht gemacht habe war, zuerst die SED-Konzeption einer „Demokratischen Republik“ vorzustellen und dann mit der Bundesrepublik Deutschland zu vergleichen. Um Systemkonkurrenz ging es dabei nicht!

Das LISUM, das Lehrerfortbildungsinstitut der Bundesländer Berlin und Brandenburg, empfahl Systemvergleiche noch nach dem Zusammenbruch der DDR.

Ich besuchte heute eine kleine Ausstellung im Landtag von Brandenburg. Dort wurde erinnert an den Kampf der Polen gegen die kommunistische Diktatur.

Auf den Posten war zu lesen von Demonstrationen, Aufständen, Streiks in Polen in den Jahren 1956, 1968, 1970 1976, 1980 und 1982.

Womit soll diese Konstante des östlichen Systems im westlichen System verglichen werden?

 

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Frank Trentmann: Die Herrschaft der Dinge

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Der in Groß-Britannien lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat eine faszinierende Weltgeschichte geschrieben: Die Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Es ist eine enzyklopädische Geschichte des Konsums rund um die Welt.

Das von mir benutzte Taschenbuch umfasst 850 Seiten, davon 700 Seiten Text. Es geht um Konsum, um die Lust auf Dinge, auf kostbare Kleidung, schöne Möbel, exotische Früchte und Waschmaschinen. Lust auf Konsum beginnt nicht erst in der Renaissance, schon die Frachtschiffe der Römer schafften die Dinge heran, die die Bewohner der Hauptstadt begehrten. Man erfährt viel Neues, z. B. über die ersten Warenhäuser, über erste Werbung, Marketing und Konsumentenkredite oder über das Luxusgut Kakao.

Es ist nicht der westliche Kapitalismus, der zum Konsum verführt. Trentmann erzählt gut lesbar vom Konsum in Japan, China, in Hitlerdeutschland und in kommunistischen Diktaturen. Letzteres interessiert mich natürlich besonders. Trentmann macht deutlich, dass die kommunistischen Herrscher in mehrfacher Hinsicht mit dem Bedürfnis ihrer Untertanen nach Konsumgütern nicht klarkamen. Die Ideologie ging davon aus, dass in einer sozialistischen Gesellschaft die Entfremdung der Menschen von der Arbeit aufgehoben sei. Der Mensch verwirkliche sich in der nicht mehr entfremdeten Arbeit. Eine Flucht in das Privatleben, in die Freizeit und eben den Konsum wäre nicht mehr notwendig. Die Proletarier folgten dem nicht.

Es war nicht allein die Verlockung der westlichen Konsumgesellschaft, die den Kommunismus kollabieren ließ. Den Rest des Beitrags lesen »

Zum Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus (8): kleine Verschiebung

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„Wenn Links nicht mit GULag, stalinistischen Schauprozessen und Exekutionskommandos, „Rechts“ aber mit KZ und Judenverfolgung assoziiert wird, dann ist das eine psychologische Meisterleistung der Verschiebung, die an die Stelle der Gleichwertigkeit ein moralisches Wertungsgefälle durchsetzt…

Rudolf Brandtner, Analytik des Gutmenschen, Heft Sommer 2016, Tumult – Vierteljahresschrift für Konsensstörung

Ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland

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Stephan Hilsberg plädierte 2013 für ein zentrales Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland.

Alternativen zum Kapitalismus?

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Gestern Abend sprach der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe bei der Stiftung Aufarbeitung im Rahmen der Reihe „Was bleibt vom Kommunismus?“

Er arbeitete klar die strukturellen Probleme kommunistischen Wirtschaftens heraus. Das wird in diesem Blog gelegentlich angesprochen, so dass ich hier nicht alles referieren möchte, was Prof. Plumpe erwähnte. (Die Stiftung wird auch demnächst, wie üblich, eine Audio-Datei des Vortrags online stellen.)

Zunächst zählt er die Vorwürfe der Kapitalismusgegner auf: Ausbeutung, Profitgier, soziale Ungerechtigkeit, zyklische Krisen. Dass es das im K. gibt, bestreitet er nicht. Aber, so fragt er, war das in vorkapitalistischen Zeiten anders? Es sei doch, im Gegenteil, sehr vieles sehr viel besser geworden im K. Die genannten Vorwürfe seien jedenfalls nicht konstitutiv für den K.

Anders als der Kommunismus sei der K. keine Wirtschaftstheorie. Kapitalismus sei die Wirklichkeit des wirtschaftlichen Handelns, auch der kleinen Leute. Er bestehe aus unendlich vielen einzelnen Handlungen. Er sei aber kein System.

Im Grunde mussten Kommunisten genauso wie Kapitalisten das Kapital erwirtschaften, mit dem sie die gewaltigen Investitionen finanzieren, die die Industrialisierung eines Landes ermöglichen. („Ursprüngliche Akkumulation“ nannte das Marx.) Während das im Kapitalismus über Jahrhunderte geschah, standen die kommunistischen Staaten vor dem Problem, ihre vorindustriellen Gesellschaften in kürzester Zeit zu Industriestaaten zu machen, um darauf das marxistische Wirtschaftssystem errichten zu können. Stalin und Mao gelang das mit äußerster Härte und Brutalität, mit millionenfachen Menschenopfern.(Siehe u. a. hier, zum von Mao herbeigeführten millionenfachen Hungertod in China; in Englisch)

Während bei Stahl, Kohle und Schwerindustrie ein Verzicht auf preisbildende Märkte und staatliche Preisfestsetzung noch einigermaßen funktioniere, sei eine zentrale Planungsbehörde aber nicht in der Lage, die sich ausdifferenzierende, kleinteilige Konsumgüterindustrie vorausschauend zu lenken, bis ins kleinste Detail zu organisieren und Innovationen vorauszusehen.

Da das auch Kommunisten erkannt haben, gab es immer wieder Phasen, in denen mit marktwirtschaftlichen Elementen (NÖSPL in der DDR, NEP in der UdSSR) experimentiert wurde. Das wurde aber immer abgeblasen, da es dem System der Zentralverwaltungswirtschaft widersprach.

Zuletzt hatten die kommunistischen Ökonomen die Hoffnung, dass ein Supercomputer ihre Lenkungsprobleme lösen würde. Der TV-Journalist Paul Mason spinnt diese Hoffnung 2016 weiter: Im „Postkapitalismus“ würde dank IT das marxistische Reich der Freiheit endlich anbrechen. Die Arbeit erledigten die Computer. Der Anarchist David Graeber dagegen sieht in der Steinzeit die einzige Alternative zur kapitalistischen Ausbeutergesellschaft. (Dazu fällt mir Kambodscha ein.)

Es hieße die strukturellen Probleme des Kommunismus zu verkennen, wenn man das Versagen des Realsozialismus mit der Gerontokratie des Ostblocks erkläre oder mit Fehlern Stalins und Maos.

Der Auffassung, dass Gosplan, die sowjetische Planbehörde, der Anarchie der kapitalistischen Märkte überlegen wäre, waren in den 30er Jahren auch die meisten Ökonomieprofessoren in Cambridge. Nur der Student Ronald Coase, dem Sozialismus auch nicht abgeneigt, erkannte 1937, dass zwar Unternehmen durchaus erfolgreich planwirtschaftlich organisiert sind, dass aber ab einer bestimmten Unternehmensgröße und vor allem im Austausch auf dem Markt planwirtschaftliche Strukturen hinderlich sind. Wenn Flexibilität, Innovation und Wettbewerb fehlten, seien die Kosten (Transaktionskosten) zu hoch. 1991 erhielt Coase den Nobelpreis für dieses Theorem, das er nach 1937 noch ausgearbeitet hatte.

(Lenin konnte Coase nicht mehr lesen. Er hat die Sowjetwirtschaft nach dem Vorbild der Deutschen Reichspost organisiert; GS)

In der Diskussionsrunde wurde die Frage aufgeworfen, warum trotz des Versagens der kommunistischen Zentralwirtschaft, die Kapitalismuskritik so beliebt ist.

Der Kommunismus sei eine romantische Fiktion, meint Prof. Plumpe. Die konkrete Ausgestaltung werde ausgeblendet. Demgegenüber fehle dem Kapitalismus ein Mythos, wie er den Marxismus umwehe.

Wohltuend war, dass im Publikum keine glühenden Verteidiger des Kommunismus Koreferate hielten. Kritisch wurde in einem Beitrag angemerkt, Plumpe habe vom globalen Siegeszug des Kapitalismus gesprochen. Das sei aber nicht der Fall, man denke an Afrika. Plumpe parierte: Manche afrikanischen Staaten besässen die Ressourcen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Das beste was ihnen passieren könnte, sei der Kapitalismus.

Nachtrag: Der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung kostenlos auf itunes

Immer bereit – Junge Pioniere in der DDR

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Dieser Dokumentarfilm von Lutz Pehnert wurde 2015 erstmals gezeigt und wird es im ZDF gerade wieder.

Er enthält viele Erinnerungen von Beteiligten.

Mit leuchtenden Augen und wehenden Fahnen sollten Kinder den Sozialismus in die Welt hinaustragen, begeistert in Reih und Glied marschieren und unermüdlich ihren Pioniergruß wiederholen: „Immer bereit“.

Für Unterrichtszwecke als Ganzes ist der Film natürlich viel zu lang, aber sehenswert. Man könnte sich die Mühe machen, die eine oder andere Sequenz als Gesprächs- oder „Forschungs“anlass zu zeigen.

Der naive Glaube von kommunistischen Sozialingenieuren, durch Indoktrination einen neuen Menschen herstellen zu können, erweist sich wieder einmal als Irrlehre.

Ausstellung: Der Kommunismus in seinem Zeitalter

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(c)  Bundesstiftung Aufarbeitung
(c) Bundesstiftung Aufarbeitung

Die Ausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“  der Bundesstiftung Aufarbeitung umfasst 25 Tafeln mit über 200 zeithistorischen Fotos, Dokumenten sowie QR-Codes, die zu Filmdokumenten im Internet führen. Die Poster stehen ab März 2017 im Format DIN A1 zur Verfügung und können ab sofort bestellt werden (30 €; Versand als gerollte Poster).

Flyer zur Ausstellung (pdf)

Autor ist Gerd Koenen (Text von ihm im Blog)

Auf seiner Homepage stehen mehrere seiner Texte und Rezensionen zu seinen Büchern.

 

Die Privilegien der kommunistischen Eliten

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Gerne wird über den verschwenderischen Lebenswandel der Reichen und Schönen im Kapitalismus gelästert. Wieso eigentlich macht man Kapitalisten zum Vorwurf, dass sie kapitalistisch leben? Müsste man ihnen nicht zugute halten, dass sie mehr Geld ausgeben als Arme und damit die Wirtschaft stärken? Sie sind konsumfreudiger, sie schaffen Arbeitsplätze für Chauffeure, Friseure, Gärtner, Köche. Sehr wahrscheinlich konsumieren sie nicht nur, sondern investieren auch, was ja für die Mehrheit der Bevölkerung auch nicht von Nachteil ist, weil es Arbeitsplätze schafft.

Müsste man dagegen nicht bei denen genauer hinsehen, die den Kapitalismus abschaffen (wollen), Kapitalisten enteignen, einsperren und totschlagen? Wie leben die eigentlich?

Das Eigentümliche ist, dass die kommunistischen Eliten, wenn sie an der Macht sind und die Reichen enteignet haben, nichts besseres wissen, als selbst Wein zu trinken, aber Wasser zu predigen. Den Rest des Beitrags lesen »

Lesetipp: Die Planwirtschaft der DDR

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Planwirtschaft ist das am meisten vernachlässigte Thema bei der DDR-Aufarbeitung und beim Unterricht über die DDR.

Über andere Aspekte der SED-Diktatur redet man eher: Schule, Kita, Frauenemanzipation, Leseland DDR, billige Mieten und Antifaschismus. Das verlangt weniger Sachkenntnis und manche können so die Diktatur schönreden. Die DDR wird in der Erinnerung immer schöner, kuschliger und sozialer, als sie es je war.

Auch die Planwirtschaft inzwischen nicht allzu negativ gesehen. Petersen, Institut für Demoskopie Allensbach hat herausgefunden, dass das Image der Marktwirtschaft kaum besser als das der Planwirtschaft ist. 42% der Ostdeutschen glauben nicht, dass es ihnen in einer staatlich gelenkten Wirtschaft schlechter ginge als in einer Marktwirtschaft.

Das Unterrichtsthema Planwirtschaft ist schwierig. Man muss als Referenzsystem schon vorab die Funktionsweise der Marktwirtschaft kennen: die Rolle des Preises, die Funktion des Wettbewerbs, die Rolle des Staates, die Bedeutung des Unternehmers.

Dabei gäbe es genügend Beispiele: Es muss etwas falsch sein, wenn Brot als Viehfutter benutzt wird, weil es so billig. Oder wenn der LPG-Mitarbeiter den Broiler beim Metzger billiger einkauft, als die LPG für das Schlachthuhn erhält. Oder die Miete so billig ist, weil der Staat Bau, Renovierung und Modernisierung von Wohnungen finanziert. Er erhält aber keine Einkünfte aus Vermietung, sondern muss unaufhörlich Geld ausgeben.

Für die Betriebe gibt es keine Anreize, innovativ, ressourcen- oder umweltschonend zu produzieren. Sie liefern Stückzahlen, Abnahme ist garantiert, Konkurrenz gibt es nicht. Etwaige Gewinne aus dem Verkauf kassiert der Staat. Fabrikdirektoren entscheiden nicht über Investitionen, das macht die Planbürokratie

Die marxistische Produktionsweise ohne Wettbewerb und Kostenbewusstsein, aber mit zentraler Lenkung und Planung bis zum Schnürsenkel und der Zahnbürste bedingt einen gigantischen, teuren Staatsapparat, führt zu Korruption und Misswirtschaft.

Irgendwo habe ich dieses treffende Bild gelesen: Planwirtschaft ist so, wie wenn man einen Maikäfer zerlegt, dann versucht, seine Einzelteile wieder zusammenzufügen und sich wundert, dass er nicht mehr lebt.

Prof. André Steiner hat mit „Von Plan zu Plan“ eine Geschichte der DDR-Planwirtschaft geschrieben. Jetzt gibt es von ihm eine Darstellung, die wegen ihrer Kürze für die politische Bildung besonders gut geeignet ist: Die Planwirtschaft der DDR, von André Steiner, hrsg. von der Landeszentrale für politische Bildung, Thüringen, 2016

Siehe u. a. auch hier im Blog: Planspiel „Planwirtschaft und Zentralverwaltungswirtschaft

Die Aufarbeitung kommunistischer Verbrechen in Ostmitteleuropa

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Die Prager Europäische Plattform „Gedenken und Gewissen“ setzt sich für die juristische Aufarbeitung der Verbrechen der kommunistischen Regimes im ehemaligen Ostblock ein.

In Polen, den baltischen Staaten, Ungarn und neuerdings auch in Rumänien findet das statt, In Slowenien, der Slowakei und in Bulgarien nicht.

Als Verbrechen der Regimes gelten: Tötungen entlang des Eisernen Vorhangs,, ethnische Säuberungen, Massenmord, Deportationen, Versklavung, außergerichtliche Tötungen, Entführungen, Folter, erzwungene Sterilisierung, Zwangsprostitution, Missbrauch der Psychiatrie, pseudomedizinische Experimente an Gefangenen.

In Tschechien wurden bisher 40 Täter verurteilt. Andererseits verherrlichen tschechische Altkommunisten bis heute die Zeit des Kommunismus und verteidigen auch Gewaltanwendung.

Allein auf dem tschechischen Abschnitt des Eisernen Vorhangs gab es mindestens 320 Tote. Dort waren auch Kampfhunde eingesetzt. In Bulgarien sollte die türkische Minderheit zwangsassimiliert werden, z. B. durch das Verbot türkisch zu sprechen. Fast die Hälfte der ca. 850.000 Türken flohen in die Türkei. Bei Demonstrationen wurden Dutzende Türken erschossen, einig tausend wurden zwangsumgesiedelt.

(nach Karl-Peter Schwarz, Späte Aufarbeitung, FAZ v. 28.04.14)