Katyn

Der kausale Nexus

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Stalin ließ 1940, nachdem Polen zwischen ihm und Hitler aufgeteilt worden war, 25.000 polnische Offiziere und hohe Beamte erschießen, darunter in Katyn, in der Nähe von Smolensk, allein 4.000. Die Russen, vor allem Stalin selbst, hatten nicht vergessen, dass Polen noch Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegen die Sowjetunion gekämpft und Teile der Ukraine polonisiert hatte, die Russland als  russische Erde betrachtete.

Die Deutschen, nachdem sie im Krieg gegen die Sowjetunion das Gebiet 1941 besetzt hatten, entdeckten die Massengräber. Sie ließen eine internationale Kommission unter Leitung des Roten Kreuzes einfliegen. Die wies nach, dass unzweifelhaft die Bolschewisten den Massenmord begangen hatten. In den Fälscherwerkstätten des NKWD wurde jetzt fieberhaft daran gearbeitet, zu beweisen, dass die Deutschen 1941 die Mordaktion durchgeführt hätten.

Um Stalin nicht zu verärgern, stimmten die britischen und amerikanischen Allierten 1945 in der Potsdamer Konferenz, wider besseres Wissen zu, den Deutschen die Schuld anzulasten. Alle russischen Regierungen bis hin zu Gorbatschow blieben dabei. Erst spät gab Gorbatschow zu, was alle Welt längst wusste. Putin wiederum meint, frei übersetzt: „Habt euch nicht so, im Wald bei Katyn liegen mehr tote Russen als Polen.“

Nun legt eine deutsche Historikerin Claudia Weber ein Buch vor („Der Krieg der Täter“), in dem sie die steile These vertritt, die Russen hätten das nachgemacht, was die Deutschen ein halbes Jahr vorher in ihrem Teil Polens genauso gemacht hätten. Direkt nachweisen kann sie nicht, dass Geheimdienstchef Berija, der Stalin die Mordaktion vorgeschlagen hatte, sich von den Deutschen inspirieren ließ. Musste er das überhaupt? In der kurzen Spanne der sowjetischen Herrschaft über Ostpolen 1940/41 waren ca 150.000 polnische Soldaten in sowjetischer Gefangenschaft gestorben. Stalin ließ 1937 800.000 Russen erschießen, Anfang der 30er Jahre Millionen Bauern verhungern. Lenin hatte schon zu Beginn der bolschewistischen Herrschaft tausende Priester erschießen lassen. Das mussten die Russen nicht von den Deutschen lernen. Was die Zahl der Toten angeht, lag Stalin 1940 um den Faktor 100 vor Hitler. Wenn man Kriegstote außer Acht lässt, ist es das Viertausendfache.

Professor Webers Versuch, letztlich doch den Deutschen den Massenmord von Katyn in die Schuhe zu schieben, ist die Umkehrung des kausalen Nexus` Ernst Noltes. Der hatte vor ca, 40 Jahren geschrieben, den faschistischen Verbrechen sei die Oktoberrevolution vorangegangen. Die Machtergreifung der Bolschewisten sei der eigentliche Auslöser gewesen. Dem „Rassenmord“ der Nazis sei der „Klassenmord“ der Bolschewisten vorangegangen.

Marx zitierte einmal Hegel und ergänzte ihn sogleich: Alle großen weltgeschichtlichen Tatsachen und Personen würden sich zweimal ereignen. Hegel habe vergessen, hinzuzufügen: das eine Mal als Tragödie, das andere Mal als Farce.

Auch wenn Nolte für seinen „Nexus“ von Bolschewismus und Faschismus als Wissenschaftler und Mensch zur Unperson gemacht wurde, gäbe es einiges unter dieser Prämisse zu erforschen, bei der Nolte-Wiedergängerin Weber ist er eine Farce.

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