Jekaterinburg

Ausstellung „Der große Terror in Potsdam“

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Im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte wurde gestern Abend die Foto-Ausstellung „Der Große Terror 1937-1938“ eröffnet, eine Dokumentation des polnischen Fotografen Tomasz Kizny. Sie soll nach Polen, Frankreich und der Schweiz jetzt zum ersten Mal in Deutschland zu sehen sein.

Die Brandenburger Wissenschaftsministerin Kunst begrüßte, dass die Ausstellung gerade in Potsdam gezeigt werde. Für Ostdeutschland sei die Aufarbeitung des stalinistischen Terrors wichtig. Nicht nur in Russland, auch in der sowjetisch besetzten Zone Deutschlands hat es Lager gegeben. Das Potsdam der DDR-Zeit war mit dem MfS-Untersuchungsgefängnis in der Lindenstraße und dem KGB-Gefängnis in der Leistikowstraße eng mit dem sowjetischen Terror verbunden. Der Direktor des Museums erzählte von den Bedenken im Vorfeld. So sei gefragt worden, ob sie gerade jetzt sein müsse, wo man der Befreiung von Auschwitz durch die Rote Armee gedenke und überhaupt, angesichts des Holocausts verbiete sich der Verweis auf Schandtaten anderer. Er verwies darauf, dass es nicht Opfer erster und zweiter Klasse geben könne. Auch ob es die Aufgabe eines Regionalmuseums wäre, an den Terror in der UdSSR zu erinnern, sei er gefragt worden.

Es heißt, dass die Ausstellung zum ersten Mal in Deutschland gezeigt würde. Das stimmt nicht ganz. Das Verdienst gebührt der Stiftung Neuhardenberg. Dort wurde sie zum ersten Mal in Deutschland gezeigt.

Die Porträtfotos der durch den NKWD Ermordeten sind bewegend, deren Lebensende ist schrecklich. Die Fotos wurden vom NKWD kurz vor der Ermordung aufgenommen. Dank der vorübergehenden Öffnung der Archive in der Zeit der Perestroika war es möglich, sie zu finden. Gezeigt werden auch Fotos von Orten, wo man Massengräber Erschossener gefunden hat oder vermutet: Müllkippen, verwahrloste Grundstücke, Wälder und in einer Endlosschleife ein Videoclip vom Verkehr auf einer Autobahn bei Jekaterinburg im Ural, die über ein Massengrab gelegt wurde.

Ministerin Kunst hatte sich ein Zitat von Warlam Schalamov in ihre Rede schreiben lassen, aber seinen Namen falsch ausgesprochen. Das erinnerte mich an den neuen Geschichts-Lehrplan in Berlin und Brandenburg. Da sollen zwar der Herero-Aufstand und der türkische Massenmord an den Armeniern zu Beginn des Jahrhunderts unterrichtet werden, aber von den Massenmorden der Kommunisten im letzten Jahrhundert ist im Lehrplan nicht die Rede. Obwohl das einen größeren Gegenwartsbezug hätte als der Herrero-Aufstand von 1907. Gegenwartsbezug ist angeblich die wichtigste Kategorie des neuen Lehrplans, wenn ich den Zeitungen glauben darf.

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