Holocaust

FU Berlin setzt israelfeindlichen Kurs fort

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Die Berliner FU lässt sich nicht beirren. Wieder hat sie eine Israelhasserin zum Vortrag eingeladen, Susan Slyomovics.

Prof Slyomovics gehört zu der Gruppe der Israel-hassenden Juden. Sie unterstützt selbstredend die Israel-Boykott-NGO BDS. Zionisten, die sie für rechts hält(!), hätten die Idee mit den deutschen Entschädigungszahlungen für Holocaustopfer gehabt. Sie hat eine Lücke entdeckt: Internierte Juden in Nordafrika wurden von der Jewish Claims Conference im Vergleich zu KZ-Insassen vernachlässigt.

Prof. Slyomovics setzt den Massenmord der Deutschen an europäischen Juden dem gleich, was jetzt auf der Westbank und in Gaza passiert. Die jüdische Kolonialmacht müsste die Palästinenser mit Wiedergutmachungszahlungen entschädigen, wie das die Deutschen getan hätten: Was die Deutschen den Juden angetan haben, ist das, was die Israelis den Palästinensern angetan haben.“

Gerne wird sie nach Deutschland eingeladen, so etwa in die Uni Mainz, jetzt nach Berlin. Die Anthropologie- und Gender-Professorin mit Nahost-Schwerpunkt trägt über den Holocaust vor, den die Juden an den palästinensischen Arabern begehen würden.

Kritik prallt an der FU-Leitung ab: Die Freie Universität Berlin sei „ein Ort, an dem Antisemitismus grundsätzlich nicht geduldet wird“, sagt der Pressesprecher. Jegliche Diskriminierung von Menschen werde an der Universität nicht toleriert. „Die Freie Universität ist ein weltanschaulich neutraler und unparteiischer Ort, an dem der wissenschaftliche Diskurs und die akademische Freiheit im Mittelpunkt stehen…“

„Eine moralische Katastrophe“ von Judith Sevinc Basad

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Warum Raoul Hillbergs Buch über den Holocaust in Deutschland 20 Jahre lang verhindert wurde

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Es ist Götz Aly wieder einmal, der dokumentiert, wie das Münchner Institut für Zeitgeschichte Standardwerke über den Nationalsozialismus in Deutschland am Erscheinen hinderte, Raoul Hilbergs „Vernichtung der europäischen Juden“ und H. G. Adlers „Der verwaltete Mensch.

Im Institut hatte man klar erkannt, dass Hilbergs Buch herausragend war und die Publikationen der Instituts-Community Krausnick, Scheffler, Broszat, Jacobsen hinter sich ließ. Der Cheflektor Fritz Bolle des Droemer-Knaur-Verlags, bei dem das Buch 1963 erscheinen sollte, lehnte es ebenfalls ab. Bolle saß in der Firmenleitung eines Steinbruchs in dem Hunderte von jüdischen KZ-Insassen zu Tode gekommen waren. Diesen Ort hatte Hilberg in seinem Buch erwähnt.

Die Ablehnung hinderte die Instituts-Wissenschaftler nicht, sich intern Kapitel aus dem Buch übersetzen zu lassen und Erkenntnisse Hilbergs in ihre eigenen Bücher zu übernehmen.

1982 hatte sich ganz kleiner, sehr linker Verlag entschlossen, Hilberg auf Deutsch herauszubringen. Die Auflage von 4.000 Exemplaren war im Nu verkauft. Die historischen Fachzeitschriften ignorierten das Erscheinen. 30 Jahre, seit dem Erscheinen der englischen Ausgabe, nahm die deutsche Historikerzunft davon nicht Kenntnis. Erst 1991, bei Erscheinen der deutschen Taschenbuchausgabe, änderte sich das.

Der WDR krönte diese unsägliche Handlungsweise: Als Anfang der 80er Jahre die Aufsehen erregende US-amerikanische Holocaust-Serie zum zweiten Mal gezeigt werden sollte, gab es den Vorschlag, Hilberg in die schon damals unvermeidliche anschließende Diskussionsrunde einzuladen. Der WDR lehnte mit der Begründung ab, dass man keine Ausländer dabei haben wolle. (Hilberg war aus Österreich vor den Nazis geflohen.) In der WDR-Expertenrunde saß aber der britische Holocaustleugner David Irving.

Das erinnert an den Umgang des WDR-TV-Direktors Schönenborn mit dem Antisemitismusfilm von Sophie Hafner und Joachim Schröder.

Götz Aly schließ mit diesem Satz: „Ihre (der Historiker des Instituts) interessengeleitete Urteilsschwäche gegenüber Hilberg dokumentiert intellektuelle Inferiorität, einen Mangel an geistiger Souveränität und Offenheit.“

Link zu Götz Aly auf perlentaucher.de

Der Holocaust und die deutschen Frauen

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Die US-amerikanische Holocaustforscherin Wendy Lower hat ein schludriges Buch über die angeblich 500.000 Frauen geschrieben, die mit dem Militär, der SS und der NS-Bürokratie gen Osten gezogen sind und mitgemordet hätten:

Hitler’s Furies: German Women in the Nazi Killing Fields,

deutsch etwas weniger reißerisch: Hitlers Helferinnen: Deutsche Frauen im Holocaust.

Sie hat 13 repräsentative Biographien, wie sie sagt, ausgesucht und versucht, fünf dieser Frauen nachzuweisen, dass sie mitgemordet hätten. Den Rest des Beitrags lesen »

Götz Aly, Europa gegen die Juden

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Kürzlich nannte ich Gründe, warum die EU und die EU-Staaten antiisraelisch sind. Auch historisch lässt sich der europäische Antisemitismus verstehen:

Aly, Europa gegen die JudenGötz Aly, Europa gegen die Juden, 1880 – 1945, Frankfurt 2017

Götz Aly schildert akribisch, wie der wachsende Nationalismus in europäischen, vor allem ost- und mittelosteuropäischen Staaten dazu führte, Juden auszugrenzen und zu entrechten, in Rumänien, Ungarn, Polen, Litauen, der Tschechoslowakei oder Griechenland und den aus dem Königreich Jugoslawien hervorgegangenen Serbien und Kroatien.

Im Russischen Reich waren Pogrome an der Tagesordnung. Mit der Wiedergeburt der polnischen Republik nach dem Ersten Weltkrieg ging eine Welle antisemitischer Pogrome und Plünderungen einher, etwa das Massaker bei der Eroberung des ukrainischen Lemberg durch polnische Soldaten im November 1918. Die Plünderungen dort hatten einen Wert von 50 Millionen österreichischer Kronen.

Aussiedlungen, Umsiedlungen, Bevölkerungsaustausch wurden zu legitimen Mitteln der Politik der Nationalstaaten. „Völkische Flurbereinigung“ wird Hitler das ein Jahrzehnt später nennen.

Die Juden fielen durch alle Raster, sie waren keine nationale Minderheit, sie waren nicht territorial zu verorten, sie hatten kein Vaterland. Den Rest des Beitrags lesen »

„Freund“ Abbas

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Honestly Concerned e. V. : Das Auswärtige Amt gibt Antwort auf die Frage, wie man Präsident Abbas seinen Freund nennen kann. Wie es Außenminister Gabriel getan hat.

Mehr über Abbas´Dissertation

Nachtrag 27.8.17: Gabriels Freund lässt den Bewohnern des Gaza-Streifens den Strom abdrehen und verweigert ihnen medizinische Hilfe. Aber er schickt LKWs mit medizinischem Material nach Venezuela und gratuliert dem nordkoreanischen Diktator zu einem „Liberation Day“, der Befreiung Koreas von der japanischen Beatzung. (Glückwünsche gingen auch an Südkorea.)

Noch mehr über „Freund“ Abbas.

Update 2.5.18: „Freund“ Abbas hat wieder einmal eine antisemitische Rede gehalten. diesmal: Die Juden sind selbst schuld am Holocaust. Neu ist immerhin, dass er Israel nicht auslöschen will.

Gegen die Hitlerei der Ränder

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trump billboard
Images via Facebook page of Action News Now, Chico, CA

Der Publizist Parviz Amoghli über den Irrsinn, in der Tagespolitik ständig von Auschwitz und dem Holocaust zu reden.

Die Rechten wollen die Befreiung vom „Schuldkult“ und die nationale Wiedergeburt, den aufrechten Gang, nicht selten garniert mit biologistischem Drall. Das alles ergibt eine schaurige Demagogie aus ver- und untergegangenen Zeiten.

Die Linken treiben jeden Tag eine neue braune Sau durchs Dorf. Dann kann es schon mal passieren, dass der Holocaust durch die inflationäre Bezugnahme darauf relativiert wird. Gleichzeitig wird der Staat Israel zum faschistischen Übel, eine palästinensische Terrororganisation hingegen, deren einzige Kritik an Hitler die Nichtvollendung des Holocausts ist, zum Heils- und Friedensbringer erklärt.

Und was ist mit der Mitte, also jener politischen Kraft, die eigentlich derlei unausgegorenen Flachsinnigkeiten von links und rechts Einhalt gebieten und für Stabilität und Kontinuität sorgen sollte?

Parviz Amoghli, „Schluss mit der Hitlerei!“

Axel Feuerherdt, „Das Gehirn, der Holocaust und die leidigen Analogien“

David Berger, „Glaubwürdigen Stolz auf die Heimat gibt es nicht ohne Erinnerung an die Schuld!“

Nikolas Fest, „Wer über Katrin Göring-Eckardt nicht reden will, sollte über Trump schweigen“

Gerd Buurmann über „Hitler beim Karneval“, mit einer Liste von haarsträubenden Holocaust-Vergleichen.

Update März 2017: Die Empörung ist groß, wenn Erdogan Frau Merkel mit Hitler vergleicht. Dabei ist man in Deutschland selbst freigebig mit Hitler-Vergleichen. Wie war das etwa im Karneval mit Trump und Hitler?

Trump als HitlerDass der Linguist und Linksextremist Noam Chomsky Trump mit Hitler vergleicht, überrascht nicht. Dabei zeigt Chomsky durchaus Sympathien für Massenmörder, sie müssen aber links sein.

Hugo Chavez hat Venezuela mit seiner sozialistischen Politik ruiniert. Er fand noch Zeit, die Bundeskanzlerin und die CDU in die Nähe der NSDAP zu rücken. Frau Dr. Wagenknecht lobte nicht nur Chavez´ruinöse Politik. Sie findet auch korrekt, dass die CDU mit der NSDAP in Verbindung gebracht wird. Weil die Zentrumspartei dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt hat, somit die Faschisten unterstützt hätte, und die CDU aus der Zentrumspartei hervorgegangen wäre.

Bei kommunistischen Geschichtsnarrativen muss man genau hinschauen. Die katholische Zentrumspartei wurde nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründet und bestand neben der neuen überkonfessionellen Christlich-Demokratischen Union. Es kann also keine Rede davon sein, dass diese aus jener hervorgegangen wäre. (Bei sich selbst bestehen Nach-Wende-Kommunisten aber sogar darauf, dass die Linkspartei eine gänzlich neue Partei wäre und nichts mit der SED zu tun hätte.) Aber für Antifaschisten ist jede andere Partei faschistisch.

Es gab in Weimar wohl keine Partei, die den Nationalsozialisten ferner stand als das Zentrum. Den Hitler-Gegner Reichskanzler Brüning (Zentrum) in die Nähe von Hitler zu rücken, wie das Dr. Wagenknecht und die sozialistische Bundestagsfraktion tun, ist widerlich.

Es gab in der Weimarer Zeit häufiger Ermächtigungsgesetze und Notverordnungen. Damit sollte die Exekutive in Krisenzeiten handlungsfähig bleiben. Dem fatalen Ermächtigungsgesetz vom 24.3.1933 stimmten mit Ausnahme der sozialistischen SPD die bürgerlichen Parteien im Vertrauen auf Hitlers Garantien zu. Zentrumsabgeordnete und ihre Familien hatten Morddrohungen erhalten, falls die Fraktion nicht zustimmen würde.

Genderismus und Holocaust

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Auch die Geschichtswissenschaft ist inzwischen vom genderistischen Virus befallen: Eine Historikerin einer britischen Universität, Anna Háiková, derzeit in Erfurt lehrend, bejubelt den Tod des hoch angesehenen Holocaustforschers Fritz Stern: „Die alten weißen straigthen Männer sterben. Jetzt können wir die Geschichte (sic!) revolutionieren.“ Fritz Sterns Pech: er war alt, anscheinend straight und nicht queer.

Frau Háiková ist Vorsitzende der tschechischen Gesellschaft für „Queer Memory“. (Siehe FAZ v. 30.6.16, p 9: „Die Greisenfresser kommen“, von Lorenz Jäger).

Es konnte nicht ausbleiben, dass sich die Genderwissenschaftler_Innen auch des Holocausts bemächtigen. Die US-amerikanische Historikerin Wendy Lower revolutioniert in Profx Háikovás Sinn die Geschichtswissenschaft: Sex und Gewalt, autoritäre weibliche Charaktere, sexuelle Projektionen weißer deutscher heterosexueller Frauen auf  Jüdinnen. Wie fast immer bei genderistischen Studien, so auch hier, rühmen sich die Autor*Innen, neue Forschungsfelder geöffnet zu haben. Das stimmt auch hier nicht. Es gibt Studien zur Rolle von Frauen im Nationalsozialismus (u. a. Helga Schubert, Judasfrauen; Jutta Mühlenberg, Das SS-Helferinnenkorps). Die genderistische Zuspitzung in Lowers Fall: „Hitlers Furien“ (so der US-Titel) hätten tausendfach an Erschießungen von Juden teilgenommen. (Sie errechnet aus einer Handvoll, z. T. zweifelhafter Fälle, diese Dunkelziffer. Die aktive Teilhabe von Frauen am Holocaustgeschehen hätte dem sozialen Aufstieg gedient. Frauen hätten den Massenmördern Erfrischungen gereicht und weibliche jüdische Häftling hätten bei wilden nächtlichen Partys von NS-Funktionären mit Wehrmachtshelferinnen den nackten Pärchen Delikatessen ans Bett bringen müssen.

Die Gendersekte ist in den Medien, in Ministerien und Hochschulen bestens vernetzt. Kein Wunder also, dass die Bundeszentrale für politische Bildung das Buch sofort ankauft und preisgünstig an Mittler*innen politischer Bildung abgibt. Der Besprechungsdienst H-Soz-Kult der Berliner Humboldt-Universität ist sehr angetan von dem Buch. Es bleibt der FAZ, die sich nur selten einen Hauch von Gender-Sympathie leistet, vorbehalten, zwei Holocaust-Fachpersonen Gelegenheit zu geben, nachzuweisen, dass Frau Lower ungenau zitiert, Quellen angibt, die nichts belegen, erst gar nicht belegt, was sie behauptet, Urteile unterschlägt und Gerichten, die wegen unklarer Zeugenaussagen zu Freisprüchen von „Hitlers Furien“ gelangten, Voreingenommenheit vorwirft.

(Ruth Bettina Birn und Volker Rieß, Sex, Crime und Frauen im Völkermord, FAZ v. 7.7.16, p. 14)

Update 13.7.16: Die Welterklärungsanspruch der Gendersekte zeigt sich auch beim Brexit. eine genderkompetente Mitarbeiterin des grünen Heinrich-Böll-Instituts sieht die Britinnen und sicher auch all die anderen, nicht-männlich weißen heterosexuellen Geschlechter gefährdet, weil sie bald des Schutzes der genderistischen Maßnahmen der EU entbehren müssen. (via Science Files)

Neuer Berlin-Brandenburger Lehrplan: Gesellschaftswissenschaften statt Geschichte

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Berlin und Brandenburg ändern den Lehrplan der gesellschaftswissenschaftlichen Fächer. Man kennt solche Reformen auch aus anderen Bundesländern.

In 5/6 soll es statt der getrennten Fächer die „Gesellschaftswissenschaften“ geben. Das ist hoch gestapelt, denn im Unterricht wird keine Wissenschaft betrieben. Warum heißt das Fach Gesellschaftswissenschaften, aber Musik nicht Musikwissenschaft, Englisch nicht Anglistik? Eine Annäherung an wissenschaftliche Methoden wäre ganz im Gegenteil wünschenswert, also etwa ein Curriculum, in dem es vorrangig darum ginge,  (Vor-)Urteile zu revidieren, Gewissheiten in Frage zu stellen, Hypothesen zu bilden, zu untersuchen und zu überprüfen.

Historische Bezüge sind bei den 12 Themenvorschlägen nicht zwingend. Den Rest des Beitrags lesen »

Juden im besseren Deutschland

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auf Youtube (Erstsendung ZDF 2010)

Notizen zum Film:

1952: Politbüromitglied Merker – kein Jude – spricht sich für Entschädigungszahlungen an Holocaustopfer aus. 1955: M. wird zu 8 Jahren Zuchthaus verurteilt. Er wäre ein imperialistischer Agent. In Hohenschönhausen während der U-Haft schwer misshandelt. (1956 vom selben Richter begnadigt.)
1953: Panik unter den ostdeutschen Juden. Mehrere Gemeindevorsteher und Hunderte Gemeindemitglieder flüchten in den Westen.
Hintergrund: Stalins Judenhass führt Anfang der 50er Jahre zu einer antisemitischen Verfolgungswelle im gesamten Ostblock (Slansky-Prozess CSSR, Waldheim-Prozesse DDR)
8 Jahre nach dem Holocaust verfolgt wieder eine deutsche Regierung Juden!
Während des Eichmann-Prozesses 1961 verschickt das MfS scheinbar von westdeutschen Nazis geschriebene Drohbriefe gegen westdeutsche Juden.
Codename für die Verhaftung von 86.000 als Agenten und Provokateure verdächtigten Elementen in der DDR: „KZ“.
Ende der 80er: Honecker möchte nach Washington eingeladen werden. Er stellt Entschädigungszahlen in Aussicht, lässt Synagogen renovieren, schickt die FDJ zum Aufräumen des jüdischen Friedhofs Weißensee und empfängt Galinski und Bronfman (Jüd. Weltbund), weil er sich davon Unterstützung in uAS verspricht.
Anzahl jüdischer Gemeindemitglieder zum Ende der DDR: 300
– Siehe auch hier im Blog

Ergänzend dazu die hervorragende Dokumentation „Ausgeblendet. Der Holocaust in Film und Literatur der DDR“, hrsg. von der Amedeu-Antonio-Stiftung 2011.

Lesetipp: Timothy Snyder, Bloodlands. Europa zwischen Hitler und Stalin

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Snyder bricht ein seit der Historismusdebatte in Deutschland bestehendes Tabu. Er analysiert den Terror, den Nazis und Sowjets in Ostmitteleuropa, Polen, Ukraine, Weißrussland, dem westlichen Rand Russlands und im Baltikum ausübten, im Zusammenhang. Nichts ist wirklich neu, außer der Perspektive, in der es erzählt wird.

Er beschreibt das Verhungern der vor allem ukrainischen Bauern 1932/33 während der Kollektivierung der Landwirtschaft, den Großen Terror 1937/38, die deutsch-sowjetische Besatzung Polens, die Gräueltaten auf beiden Seiten der Demarkationslinie, die deutschen Verbrechen in der Sowjetunion, den Völkermord an den Juden sowie die ethnischen Säuberungen und Vertreibungen bei Kriegsende und die antisemitische Kampagne Stalins in den vier Jahren vor seinem Tod, die ihre Fortsetzung in Polen und der CSSR bis in die 70er Jahre fand.

SPIEGEL-Journalisten haben ihn beim Erscheinen der deutschen Ausgabe des Buches sofort einer Befragung unterzogen, ob er nicht etwa dem Holocaust seine Singularität nehmen wolle. (Nachtrag: Eine Verteidigung – sowas ist nötig! – durch den Historiker Michael Wildt)

Snyder kommt zu einer Gesamtzahl von 14 Millionen Menschen, die in diesem Gebiet, das er Bloodlands nennt, ermordet wurden, Polen, Ukrainer, Juden, Weissrussen, Balten, Deutsche. Wohlgemerkt, nicht infolge von Kriegshandlungen.

Bevor sich die beiden Diktatoren auf Polen stürzten und vor allem die Akademiker umbringen ließen, hatte Stalin 1932/33 über drei Millionen vor allem ukrainischer Bauern in den Hungertod getrieben. Die selbstständigen Bauern mussten als Klasse zugunsten der Kollektivierung verschwinden. Im Großen Terror 1937/38 ließ er 800000 Menschen erschießen, alle mehr oder weniger, weil sie angeblich Sabotage oder Spionage betrieben hätten. Er halbierte den Generalstab durch Erschießen und fast Zweidrittel seines Zentralkomitees. Terroraktionen richteten sich meist gegen nationale Gruppen im Sowjetreich, Polen, Ukrainer, Juden, Balten. Hunderttausende verschwanden im sibirischen GULag. Der Geheimdienst NKWD bestand anfänglich zu Zweidritteln aus russischen Juden, nach den Säuberungen waren es noch 4%.

In dieser Zeit, den 30er Jahren, genoss Stalin das Ansehen westeuropäischer Intellektueller. (Es gab bei einigen allerdings schon seit den Zwanziger Jahren Ernüchterung über das große sozialistische Experiment.) Volksfrontregierungen in Spanien und Frankreich wurden von ihm unterstützt. Er gab die UdSSR als Retter Europas vor dem Faschismus aus. Hitlers Röhm-Putsch und der Novemberpogrom 1938 beunruhigten das Ausland. In der Zeit hatte Stalin schon 80000 russische Juden töten lassen und die erwähnten Aktionen durchgeführt. Um mit Hitler zu einer Vereinbarung zu kommen, wechselte er seinen jüdischen Außenminister Litwinow aus. Der Russe Molotow verhandelte mit den Deutschen. Der wurde später entlassen, weil er mit einer Jüdin verheiratet  war.

Als Hitler und Stalin Verbündete waren, ermordeten sie in ihren Teilen Polens jeweils ca. 100000 Angehörige der sog. Intelligenz.

Das Reframing historischer Ereignisse, das Snyder vornimmt, exkulpiert in keiner Weise die Naziverbrechen. Durch den Bericht der Gräueltaten, die angesichts der Dimension des Holocaust bisher eher unbeachtet blieben, hinter dem Eisernen Vorhang verschwiegen wurden, wird auch die Tragödie der Menschen in diesen Gebieten deutlich. Sie litten unter der doppelten Herrschaft. In manchen Familien wurde der eine Sohn von den Russen getötet, der andere von den Deutschen. Im östlichen Polen z. B. wüteten zuerst die Russen, dann die Deutschen, dann wieder die Russen. Als die Hitlerarmee 1941 in den russischen Teil Polens eindrang, stieß sie in den Gefängnissen auf Tausende Tote, die der NKWD noch kurz zuvor liquidiert hatte, damit sie nicht den Deutschen in die Hände fielen. Hunderttausende polnischer Deportierter trafen in Sibirien auf die Gräber oder die Überlebenden der 6 Jahre zuvor während der Eliminierung der Bauern Deportierten.

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