GULag

Der Stacheldraht – Zeitschrift der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft

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Auch wenn ich kein von der SED-Verfolgter bin, lese ich das Verbandsblatt mit Gewinn (und spende gelegentlich).

Es findet sich viel zur Aufarbeitung des Geschehens in der DDR und natürlich sind auch die Informationen über die Unzulänglichkeiten und Benachteiligungen bei der Linderung des materiellen und psychischen Leids der von der SED-Verfolgten aufschlussreich.  So geschah es kürzlich, dass sich nur ein linker Bundestagsabgeordneter bereit fand, mit Verbandsvertretern zu sprechen. Der sprach auch offen aus, dass es bemerkenswert sei, dass sich ausgerechnet die Nachfolgepartei der SED für ein Anliegen der von der SED-Verfolgten einsetze.

In der Ausgabe 4/2017 finde ich wiederum viele Informationen:

Der chinesische Dissident Harry Wu ist gestorben

Wus Vater war Bankier, er verlor in der Kulturrevolution Stellung und Vermögen und starb im Gefängnis. Wus jüngerer Bruder wurde von Maos Rotgardisten erschlagen, seine Mutter beging Selbstmord.

Wu galt als „Rechtsabweichler“ und wurde zu 25 Jahren Lagerhaft verurteilt. 19 Jahre saß er ab. Er wurde gefoltert. Dann erhielt er seinen Arbeitsplatz an einer Pekinger Universität zurück. Er emigrierte in die USA und bekam deren Staatsbürgerschaft.

1995 reiste er inkognito in die Volksrepublik. Er deckte den Handel mit menschlichen Organen auf. In China werden Gefangene getötet und deren Organe verkauft.

(Der Spiegel hatte in diesem Fall auch kurz berichtet.)

Nachtrag GS: Wus Ruf als Menschenrechtler und Dissident wurde beschädigt, als Yahoo Millionen Dollar Entschädigung an chinesische Dissidenten zahlte, da sie der Pekinger Regierung E-Mail-Accounts zur Verfügung gestellt hatten. Das führte in China zu zahlreichen Verhaftungen. Im Zusammenhang mit diesen Geldzahlungen gab es Vorwürfe von Dissidenten gegen Wu wegen angeblicher finanzieller Ungereimtheiten.

Andererseits weiß man, dass Dissidenten gerne etwas vorgeworfen wird, um sie unglaubwürdig zu machen.

aus: Der Stacheldraht 4/2017, p 6, von Peter E. Müller

„Universität“ Workuta

Erschütternd ist auch die Geschichte des Althistorikers Peter Musiolek. Er war mit seinen Eltern aus der Tschechoslowakei vertrieben worden und landete in der Nähe von Brandenburg a. d. Havel. Er studierte Textilchemie in Cottbus. Dort wurde er vom NKWD verhaftet und verurteilt wegen Zersetzung der DDR. Staatsfeindliche Handlungen, so der Verfasser des Berichts, Wilhelm K. H. Schmidt, konnten ihm nicht nachgewiesen werden. Musiolek kam nach Workuta. Vor der Entlassung im Vorfeld des Adenauerschen Staatsbesuchs 1955 wurden er und andere deutsche Gefangene noch wochenlang 8.000 km mit Zügen durch Sibirien gefahren. Kein Mensch weiß bis heute warum. Er war einer wenigen, die nicht nach Westdeutschland wollten. Er machte, nach einem Geschichtsstudium, Karriere als Historiker an der Humboldt-Universität.

Seiner ersten akademischen Förderin und Chefin, einer Westdeutschen, die als Anhängerin Stalins in die DDR übergewechselt war, nahm er durch seine Lebensgeschichte den Glauben an Stalin und den Kommunismus.

Er war zunehmend enttäuscht von der Hochschulpolitik der SED. Bei Prof. Kuczynski im Institut für Wirtschaftsgeschichte fand er eine Nische, die Wirtschaftsgeschichte der Antike.

Musiolek starb am 16.11.1989.

aus: Der Stacheldraht 4/2017, p 7

Ältere Ausgaben sind als pdf abrufbar

 

Die DDR und der sowjetische GULag

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Der Stalinismus und der Aufbau von Partei und Staat nach stalinistischem Muster sind in der DDR nicht aufgearbeitet worden. Eine Debatte über Stalins Verbrechen und die stalinistischen Strukturen in Partei, Staat und Gesellschaft ließ die SED nicht zu. In anderen Ostblockstaaten dagegen war die Stalinismuskritik ein öffentliches Thema. In der DDR beschränkte sich die Diskussion auf einen kleinen Kreis Kulturschaffender und Intellektueller, allen voran der Chemieprofessor Robert Havemann.

Hier gäbe es noch ein Betätigungsfeld für die Geschichtsprofessor_innen, die die DDR für überforscht halten.

„Entstalinisierung wie in Polen und Ungarn kommt bei uns nicht in Frage!“ sagte Walter Ulbricht auf einer Parteikonferenz 1956. Zwar übte er Kritik am Personenkult um Stalin, da es aber so etwas in der DDR nicht gegeben hätte, brauche es auch keine Entstalinisierung. Über die Verbrechen Stalins, darunter auch die Inhaftierung und Ermordung Tausender europäischer und deutscher Kommunisten, die geglaubt hatten in der UDSSR vor Hitler sicher zu sein, wurde in der Sowjetunion und in der DDR geschwiegen.

1976 wendet sich eine alte Dame, Dorothea Garai, an den ostdeutschen Schriftsteller Karl-Heinz Jakobs. Sie will ihm ihre Lebensgeschichte erzählen. Frau Garai, eine gläubige Kommunistin, war vor den Nationalsozialisten in die Sowjetunion geflohen. Sie unterrichtete in der Moskauer Militärakademie Deutsch. Auf dem Höhepunkt des roten Terrors 1937 ließ Stalin die Offiziere der Akademie erschießen. Da auch das nicht-militärische Personal in den Augen der Staatssicherheit verdächtig war – üblich waren Vorwürfe der Spionage und Sabotage – wurde die Ausländerin Garai für zehn Jahre in den sibirischen GULag geschickt. Sie zermarterte sich das Gehirn, welche Schuld sie auf sich geladen hätte, ob sie einmal vom von der Partei vorgegebenen Kurs abgewichen wäre oder einmal Zweifel an der Weisheit der Partei gehabt habe. Sie findet nichts, aber unterschreibt ein Geständnis und wird nach Sibirien geschickt.

Das linientreue SED-Mitglied Karl-Heinz Jakobs hört ungläubig zu, wie Mäd, so nennt er sie, ihm ihr Leben in den sowjetischen Konzentrationslagern auf der sibirischen Halbinsel Kolyma erzählt. Den Rest des Beitrags lesen »

Webseite „workuta.de“

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Eingangstor zu Schacht 40 in Workuta. Das kommunistische Staatswappen blieb erhalten. Foto v. 1.8.13 (c) Stefan Krikowski

Ungefähr 35.000 deutsche Staatsbürger wurden von 1945 bis 1953 in der Sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR von sowjetischen Militärtribunalen abgeurteilt. Meist wurden sie zu 25 Jahren Arbeitslager in Workuta, im Norden Russlands, verurteilt. Mindestens 1.000 Menschen verloren allein zwischen 1950 und 53 durch Hinrichtungen ihr Leben. (Nach „Erschossen in Moskau. Die deutschen Opfer des Stalinismus auf dem Moskauer Friedhof Donskoje 1950 -1953, Metropol-Verlag, 3. Aufl. 2008

An sie will das Portal workuta.de von Stefan Krikowski erinnern. Die sehr ansprechend und übersichtlich gestaltete Seite enthält Biographien deutscher Häftlinge und Informationen zu GULag und Workuta.

Danke an Stefan Krikowski für das Foto und die Informationen im Text.

Petition zum Erhalt der GULag-Gedenkstätte „Perm 36“

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Bitte unterstützen Sie die Petition!

 

Update 5.3.15: Das einzige GULag-Museum Russlands schließt. Der Druck der Staatsmacht war so groß geworden, dass die Bürgerinitiative jetzt aufgibt.

Zuletzt hatten regierungstreue Medien das Narrativ verbreitet, das Museum wäre eine Filiale der Kiewer Faschisten. Strom und Wasser waren schon vor einiger Zeit abgestellt worden.

Mehr als die Hälfte der russischen Bevölkerung sieht Stalin positiv. Da stört ein solches Museum.

 

Jetzt bin ich mal gespannt, wie Herr Platzeck, Frau Vollmer oder Herr Teltschik darauf reagieren.

Neues Webportal zum GULag

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Die Stiftung Aufarbeitung widmet sich diesem Thema auf einer neuen Webseite. Sie enthält kommentierte Medienlisten (Internetadressen, Video, Audio, Bücher, soweit möglich mit Link zum Dokument), die schon an anderer Stelle im Blog erwähnte GULag-Ausstellung.

Das ist sehr verdienstvoll, angesichts der „Abwicklung“ der einzigen russischen GULag-Gedenkstätte „Perm 36“ durch den „Demokraten“ (Altkanzler Schröder und Ex-Ministerpräsident Plsatzeck) Putin.

Vor 60 Jahren: Aufstand in Workuta

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Die Stiftung Aufarbeitung hat eine Tagung dazu veranstaltet.

Gedenkstätte Leistikowstraße: Die geschichtspolitischen Fronten bleiben verhärtet

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Der Brandenburger Landeszentrale für politische Bildung und ihrer Leiterin, Dr. Martina Weyrauch, gelingen immer wieder gute Veranstaltungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung der SED-Diktatur. So griff sie jetzt den anscheinend unlösbaren Streit um die Ausstellung im ehemaligen KGB-Gefängnis Leistikowstraße in Potsdam auf.

Fünfzehn Jahre hatte eine Zeitzeugeninitiative aus ehemaligen Häftlingen dieses Gefängnisses, gemeinsam mit Memorial Deutschland e. V., für den Erhalt dieser Gedenkstätte gekämpft. Erst dann wurde eine staatliche Stiftung gegründet, die Gedenkstätte der Landes-Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten unterstellt und 800.000 € flossen in die neue Ausstellungskonzeption.

Die Zeitzeugeninitiative fühlte sich von Anfang an ausgrenzt aus der Erarbeitung der Konzeption. Die alten Herren, die die Zuchthäuser der SED und den GULag Stalins überlebt haben, sind verbittert, weil sie jahrzehntelang die Erfahrung gemacht hatten, Opfer zweiter Klasse zu sein. Ihre Leidenszeit steht im Schatten des Gedenkens der Opfer der Naziherrschaft. Sie mögen keine einfachen Gesprächspartner sein. Vor allem auch dann nicht, wenn sie sich mit einer Gedenkstättenleiterin konfrontiert sehen, die vorher in der Gedenkstätte Sachsenhausen für das sowjetische Speziallager zuständig war, an dem sich derselbe Konflikt wie in Potsdam entzündet hatte: Die Opferverbände mussten feststellen, dass den Gedenkstättenleiter in Sachsenhausen, Prof. Dr. Morsch, gleichzeitig auch Chef aller brandenburgischen Gedenkstätten, das stalinistische Speziallager wenig interessiert, das NS-KZ dafür umso mehr. Ähnlich war es auch in Buchenwald gewesen. Dort gab es heftigen Widerstand gegen die Aufarbeitung des sowjetischen Speziallagers.

Für die linksextreme VVN, für die Stalinisten in der Linkspartei, für Antifa-Aktivisten, für alle, die nicht müde werden, lautstark der Leiden von Kommunisten in NS-KZs zu gedenken, ist es eine Zumutung, wenn an den stalinistischen Terror erinnert wird. Auch Wissenschaftler, die gegen die Totalitarismustheorie sind und den Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus vehement ablehnen, setzen gerne West und Ost in der Zeit des Kalten Krieges gleich und attestieren der UdSSR das Recht, Spione, Nazis und Werwölfe einzusperren. Da hätte es auch schon einmal einen Unschuldigen erwischt. Die Westalliierten hätten das schließlich auch getan.

Auf dem Podium im überfüllten Veranstaltungsraum der Landeszentrale sitzen Dr. Anna Kaminsky, Geschäftsführerin der Bundesstiftung Aufarbeitung und Mitglied im Stiftungsbeirat der Leistikowstraße, Horst Schüler, Vorsitzender der Lagergemeinschaft Workuta,  Prof. Dr. Wolfgang Benz, Zeitgeschichtsforscher und ehemaliger Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung, TU Berlin, Dr. Ines Reich, Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße.

Wolfgang Benz hat ein Buch zur Auseinandersetzung um die Ausstellung herausgegeben – zumindest suggeriert das der Titel: Wolfgang Benz (Hrsg.): Ein Kampf um Deutungshoheit. Politik, Opferinteressen und historische Forschung. Die Auseinandersetzungen um die Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße Potsdam. Metropol Verlag. Berlin, 2013.  Wer aber erwartet hat, dass ein renommierter Historiker sozusagen aus der Außensicht ein klärendes Wort beisteuert, sieht sich getäuscht. Man erlebt vielmehr einen peinlichen Auftritt. Schon der erste Satz von Prof. Benz irritiert, denn da spricht er von DDR und BRD. Der Verlag hatte ihn gebeten, ein Buch zu machen und dann hat er eben ein Buch gemacht. Als Herausgeber möchte er nicht verantwortlich gemacht werden für die Inhalte seiner Autoren. Den Verfasser des Beitrages, in dem die ideologische Übereinstimmung und personelle Verflechtung von Rechtsextremisten und antistalinistischen Vereinigungen untersucht wird, kennt er gar nicht. Horst Schüler findet den Beitrag empörend. Ein grundlegender Artikel, in dem die Gedenkstättenkonzeption vorgestellt wird, fehlt.

Prof Benz rudert zurück: Das Buch sei ein Diskussionsbeitrag, ein Blitzlicht in einer längeren Debatte, ein Gesprächsangebot. Er wird an diesem Abend keinen sachlichen Beitrag leisten, sondern mit Vorliebe auf polemische Bemerkungen polemisch antworten und noch einmal die Nazikeule schwingen. Ein peinlicher Auftritt, der seinen Höhepunkt in einer höchst überflüssigen philologischen Übung hat.

Der Streit entzündet sich vor allem auch an den Ausstellungstexten. Anna Kaminsky sagt, nach der Kritik des Gedenkstättenbeirates an den Texten seien diese überarbeitet worden. Dr. Ines Reich bestreitet, dass inhaltliche Korrekturen vorgenommen wurden. Beiläufig weist sie darauf hin, dass Brandenburg eine rot-rote Landesregierung habe. Wie meint sie das?

Man kann noch beim Lesen der überarbeiteten Texte auf den Gedanken kommen, dass ihnen ein gewisses Understatement eigen ist. So wird hervorgehoben, dass die Gefangenen keinen Rechtsbeistand hatten. Das war sicher nicht das Schlimmste im KGB-Gefängnis. Auch erfährt man, dass die deutsche Armee in Polen eingefallen ist. Dass da noch jemand dasselbe gemacht hat, fehlt! Dafür steht da der merkwürdige Satz, dass die nach Westen vorrückenden Rotarmisten von den Erfahrungen des stalinistischen Terrors gleichermaßen geprägt waren wie von den Auswirkungen des rassistischen und antisemitischen Vernichtungsfeldzuges der Nazis. Welcher Terror? Der fehlende Rechtsbeistand? Dass mancher Gefahr lief, den GULag nicht zu überleben?

Vom GULag, in den ab Potsdam Kurswagen fuhren, erfährt man wenig. Erstaunlich der Satz: Mancher überlebte ihn nicht. Prof. Benz versucht, mit einer semantischen Analyse die Ausstellungsmacherinnen zu verteidigen. Der Satz wäre empathischer als man meine. Einige Zuhörer können nur noch lachen.

Update 11.11.14: Die Leiterin der Gedenk- und Begegnungsstätte Leistikowstraße hat jetzt ihren eigenen Gedenkstätten-Förderverein gegründet. Sie selbst sitzt im Vorstand. Zeitzeugen soll der Förderverein nicht suchen. Das hast der ihrer Arbeit kritsch gegenüberstehende Verein der von der SEd-Verfolgten bisher getan. Dieser Verein hatte zwei Jahrzehnte dafür gesorgt, dass die Erinnerung an das KGB-Gefängnis erhalten blieb und für die Öffnung als Gedenkstätte gesorgt. Dem Förderverein von Frau Reich geht es um Unterstützung des Museums, nicht der Gedenkstättenarbeit.

Anne Applebaum: Geschichte des GULags

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Das Buch der Journalistin und Osteuropaspezialistin ist ein Standardwerk geworden. Auf der Rückseite der englischsprachigen Taschenbuchausgabe steht: Der sowjetische Holocaust.

Diese Rezension eines Amazon-Top-Rezensenten bekam von mir den „Gefällt mir-Button“.

Man wird im Buch wieder daran erinnert, dass es Lenin und Trotzki waren, die diese Konzentrationslager geschaffen haben, wenngleich Stalin den roten Terror auf die Spitze trieb.

Da in Potsdam demnächst erneut eine Diskussion um die Aufstellung einer Leninstatue, einer Hinterlassenschaft der Sowjetarmee, losgetreten werden wird, ist es gut sich daran zu erinnern.

Die Frauen von Workuta

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Ein Projekt der „Berliner Heimatfilm GbR“ ist die Interviewreihe mit Frauen, die von SMAD und SED nach Sibirien geschickt wurden.

Bundeskanzler Adenauer konnte 1955 nach seinem Moskau-Besuch die Freilassung Zehntausender deutscher GULag-Insassen bekanntgeben. Dazu gehörten nicht nur Kriegsgefangene, sondern auch Männer und Frauen, die in den 40er und 50er Jahren in der „Mitmach-“ und „Partizipationsdiktatur“ DDR nicht mitmachen wollten und sich in demokratischen Parteien engagiert hatten.

Der Trailer und weitere Informationen

KGB-Gefängnis Potsdam: Eine Ausstellung verfehlt ihr Thema

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Die Auseinandersetzung ist sogar schon handgreiflich und beleidigend geworden:  Überlebende des stalinistischen Terrors, Häftlinge im KGB-Gefängnis in der Potsdamer Leistikowstraße und ehemalige GULag-Gefangene haben über 15 Jahre für den Erhalt dieses Baus im noblen Viertel am Neuen Garten als Gedenkstätte gekämpft, bis sich dann eine Trägerschaft im Rahmen des Brandenburger Gedenkstättenkonzepts fand.

Es gab einen dezenten Kubus am Eingang mit Vortragsbereich und Informationstheke. Das Gefängnis wurde behutsam restauriert. Eine Ausstellung wurde (endlich) erarbeitet. An dieser Ausstellung haben die noch lebenden ehemaligen Häftlinge einiges auszusetzen.  Ministerpräsident Platzeck versprach ihnen bei der Einweihung Änderungen und Ergänzungen.

Ich versuche, den Konflikt zu verstehen. Die Forschungslage ist schwierig. Die sowjetischen Akten geben nicht viel her; jeder, der hier einsaß, war angeblich Nazi, Spion, Saboteur, Werwolf, russischer Deserteur. Überlebende Zeitzeugen werden von sachlich-distanziert forschenden Historikern mit Vorsicht betrachtet, das ist nicht nur in Brandenburg so. Wohl deshalb werden an der Informationstheke keine der zahlreichen Erinnerungsbücher und -hefte ehemaliger Insassen verkauft. Den Rest des Beitrags lesen »