Garnisonkirche

Niemöller-Stiftung will Geschichtsmuseum statt Garnisonkirche

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GarnisonkircheVor einigen Monaten kritisierte der Journalist Matthias Grünzig, Aktivist gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, das Konzept der Befürworter, im wieder aufzubauenden Turm auch die Geschichte der Kirche zu dokumentieren, als völlig unzureichend. Sein Maßstab war die Berliner „Topographie des Terrors“, Gedenkstätte und Dokumentationszentrum am historischen Ort des SS-Hauptquartiers.

Es gibt dort eine große Bibliothek, es wird geforscht, es werden Bücher publiziert, es gibt einen Pressespiegel zu NS-Themen, es finden Sonderausstellungen und Seminare für Schulklassen und Erwachsene statt, es gibt einen Rundbrief und einen Newsletter und eine Caféteria.

Das Dokumentationszentrum beschäftigt 31 Mitarbeiter/-innen, 1 Auszubildende sowie Praktikanten, studentische Hilfskräfte und das Freiwillig- Soziale-Jahr-Ableistende.

Letztlich soll durch den Vergleich der geplanten Garnisonkirchen-Dokumentation im wieder zu errichtenden Turm mit der Topographie des Terrors und überzogenen Raum-, Personal- und Themenforderungen der Wiederaufbau verhindert werden.

Gerade erst haben die Gegner/-innen das ehemalige DDR-Rechenzentrum, das in das Garnisonkirchengrundstück hineinragt zum Haus für Kunstschaffende umwidmen können. Noch nicht einmal diesen Platz würde ein Dokumentationszentrum über den Nationalsozialismus auf dem Kirchengrundstück kriegen.

Jetzt setzt die Niemöller-Stiftung e. V. ihren Kampf gegen den Garnisonkirchen-Wiederaufbau als Versöhnungskirche mit einem „Gutachten“ fort, das Grünzigs Ausführungen wiederholt. Rechtzeitig zum Beginn des Evangelischen Kirchentages sorgt sie damit für Gesprächsstoff, zumal im Veranstaltungsraum auf dem Garnisonkirchengrundstück Kirchentagsveranstaltungen stattfinden sollen. (Hoffen wir, dass die Antifa nicht aufmarschiert und wieder handgreiflich gegen die Pfarrerin wird.)

Vor ein paar Wochen hatte der Verein schon eine Tagung gegen den Wiederaufbau durchgeführt, auf der die Befürworter nicht sprechen durften. (Schon Niemöller kannte nur Freund oder Feind.)

Die Martin-Niemöller-Stiftung ist eine Organisation, die in einschlägigen digitalen Plattformen zur antifaschistischen Szene gezählt wird.

Der evangelische Pfarrer Niemöller war deutsch-national eingestellt und Gegner der Nationalsozialisten. Den Ideen von Rasse und Volkstum gegenüber war er aufgeschlossen, Juden fand er nicht sympathisch. 1921 kämpft er als Freikorpsführer im Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik. Er lobte 1935 die Einführung der Wehrpflicht und den Dienst an der Waffe als Christenpflicht. Er bat Hitler, ihn im Zweiten Weltkrieg als U-Boot-Kommandanten zu verwenden. Das war er schon im WK I gewesen.

Dann organisiert er die evangelische Widerstandsbewegung „Bekennende Kirche“. Sein Widerstand gegen Hitler speist sich aus theologischen, nicht politischen Gründen.

Der Vorwurf, den manche Nachgeborenen gegen die Offiziere des Widerstands von 1938 und 44 einwenden, sie wären keine Demokraten gewesen, trifft jedenfalls auf Niemöller zu.

In der Bundesrepublik habe er mehr gelitten als im Dritten Reich, sagt er später. (Hitler ließ ihn zwar in ein KZ sperren, aber es war eine Ehrenhaft. Er durfte Besuch empfangen und Bücher lesen. Die Bundeswehr war für ihn die „Hohe Schule für Berufsverbrecher“.

Antikommunistischer Militarist und Nationalist war er auch nach dem Zweiten Weltkrieg, hätte gerne an der Seite der USA gegen Russland gekämpft, wurde dann in der Zeit des Kalten Krieges Pazifist und trat auf zahlreichen, von der UdSSR finanzierten Friedensdemonstrationen und Friedenskongressen auf und erhielt Orden der DDR und UdSSR.

Die nach ihm benannte Stiftung sieht ihre Aufgabe u. a. darin, Bundeswehreinsätze im Ausland zu verurteilen, Kirchenasyl für Flüchtlinge zu gewähren, Abschiebungen von abgelehnten Asylsuchenden zu verhindern und gegen alles, was es rechts von der linken Mitte im politischen Spektrum gibt, zu kämpfen.

Vorstandsmitglied Dr. Margot Käßmann ist bekannt dafür, NATO und EU-„Aggressionen“ gegenüber Russland zu brandmarken, aber kein kritisches Wort über russische Aggressionen in der Ukraine und auf der Krim zu finden.

Man wundert sich angesichts des Eifers, mit dem nachgeborene Jakobiner/-innen jeder nationalistischen und judenfeindlichen Bemerkung von Dichtern und Geschichtsprofessoren des 19. Jahrhunderts nachspüren und nach ihnen benannte Straßen umbenennen, wenn sie Niemöller so nachsichtig behandeln.

Update 2.6.17: Der US-Amerikaner mit armenischen Wurzeln Noubar Afeyan beabsichtigt, der Garnisonkirchen-Stiftung eine größere Summe zu stiften. Afeyan ist Ph.D. in Bioverfahrenstechnik (biochemical engineering). Er ist Unternehmer, finanziert Start-ups, hat einen Lehrauftrag am MIT und ist Gründer einer Stiftung, die an Armenien erinnert.

Der Großvater von Noubar Afeyan wurde während des türkischen Massenmords an den armenischen Mitbürgern von deutschen Offizieren gerettet. Sie steckten ihn in eine deutsche Uniform.

Afeyan will als Stifter eines Menschenrechts-Preises Personen ehren, die sich weltweit für Notleidende engagieren.

Zu Potsdam und zum Wiederaufbau der Garnisonkirche würde dieses Engagement gut passen.

Es gibt hier ein kleines Museum in dem Haus, in dem der Theologe Johannes Lepsius wohnte.

Lepsius hielt sich lange im Nahen Osten auf. Er wurde Zeuge von Pogromen und Massakern der Osmanen an den Armeniern. Diese begannen um 1894 und gipfelten in dem Massenmord von 1915.  Er schrieb darüber und hielt Vorträge, um auf diese Verbrechen aufmerksam zu machen. Die Reichsregierung hielt sich zurück, sie wollte es mit dem Bündnispartner Osmanisches Reich nicht verderben.

Zur Garnisonkirche passt die Geste von Noubar Afeyan, weil sie auch die Kirche für die Offiziere des Widerstandes und ihre Familien war.

Potsdamer Fachhochschulbau als islamisches Kulturzentrum!

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Muhammad-Amin-Moschee in BeirutGerade ließen wir uns von FAZ-Kunst- und Architektur-Sachverständigen belehren, dass wir, die wir Cola statt teurem Petrus-Rotwein trinken, Neuschwanstein als schön empfinden und über die städtebauliche Gestaltung von Wendehämmern nicht hinausdenken könnten. Deswegen müsse der DDR-Bau der Fachhochschule als Meisterwerk der Ostmoderne erhalten bleiben, schreiben Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Niklas Maak und Claudius Seidl, „Make Potsdam great again“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41)

Da der Bau leersteht, gibt es Nutzungsvorschläge, z. B. ein weiteres Kunst- und Kommunikationszentrum. Davon hat Potsdam schon drei Dutzend. Da greife ich lieber den Vorschlag von Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) auf und führe ihn weiter. Dr. Münch hat angeregt, das zukünftige Kirchenschiff der Garnisonkirche als Moschee zu gestalten.

Die leer stehende Fachhochschule aber wäre eine sofortige Lösung! Die Hörsäle böten sich den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als Predigt- und Gebetsorte an. Es gäbe ausreichend Räume für Treffpunkte, Unterricht und Feiern. Eine gastronomische Einrichtung kann auch genutzt werden.

 

Unentwegt gegen Faschismus und Garnisonkirche

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Die Partei Die Linke. lässt sich in ihrem Kampf gegen den Faschismus von niemandem übertreffen. Die sozialistische Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bemüht das Bundesinnenministerium unablässig um die neuesten Statistiken über rechte Straftaten. Linksparteimitglieder kämpfen in den Reihen der Amadeu-Antonio-Stiftung der Ex-IM Anetta Kahane gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus. Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping kooperiert mit den Gewalttäter*innen der Antifa. (Thierse, SPD, und manche grüne Parteigliederungen stehen ihr nicht nach.)

Ein Symbol des Faschimus ist in den Augen der Sozialisten die Potsdamer Garnisonkirche. Verbissen versuchen sie, auf allen Kanälen den Wiederaufbau zu verhindern, nachdem ihre kommunistischen Vorväter sie gesprengt hatten. Was sie und ihre Vorfeldorganisationen in Potsdam alles unternehmen, steht u. a. hier im Blog. Jetzt hat die Bundestagsfraktion der Linken (vergeblich) versucht, im Bundestag die Streichung der Bundesmittel für den Wiederaufbau durchzusetzen.

Wie stark die unaufhörliche Propaganda wirkt, kann man am Beispiel der Garnisonkirche zeigen. Es interessiert nicht, dass der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche ein Nazi war, nicht der der Garnisonkirche. Es gibt Garnisonkirchen in Deutschland, die eher die Bezeichnung „Nazikirche“ verdienen. Wer die Wochenschauaufnahmen vom Tag der Parlamentseröffnung 1933 sieht, erkennt, dass die Begeisterung der Menschen dem Generalfeldmarschall von Hindenburg galt, dass HItler, zumal im „bürgerlichen“ Frack in der Öffentlichkeit eher unterging.

Wenn man unbedingt Gebäude als faschistisch verdorben ansehen will, warum reißt man nicht das Olympiastadion mit Hitlers Ehrenloge ab, oder die Villa Wahnfried in Bayreuth? In Berlin ließen sich viele weitere Gebaude finden.

Das zufällige Foto eines britischen Pressefotografen vom tiefen Diener, mit dem Hitler sich von Hindenburg verabschiedete, wird heute als Versöhnung zwischen dem konservativen Deutschland und den Nationalsozialisten gedeutet. Dabei hatte Hindenburg nur Verachtung für den böhmischen Gefreiten übrig. Goebbels erkannte allerdings schnell, dass die Veranstaltung, die ohne sein Zutun in der Potsdamer Kirche stattfand, für die Nationalsozialisten ein Propagandacoup sein würde.

Potsdam, Preußen und Hitler

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Vor 70 Jahren haben die Alliierten das Land Preußen aufgelöst.

Schweizerhaus in PotsdamAus ihrer Sicht war das konsequent, denn sie hielten Preußen für den Schurkenstaat, der zwei Weltkriege verursacht hätte. Das war schon damals nicht ganz richtig. Es gab hellsichtige Menschen, die bereits 1919 erkannten, dass es ein folgenreicher Fehler war, das deutsche Kaiserreich zum Alleinschuldigen am Ersten Weltkrieg zu erklären. Sie sagten voraus, dass das der erste Schritt hin zum nächsten Krieg wäre.

Es gab schon 95 Jahre vor Christopher Clark, Bücher, in denen beschrieben wurde, dass alle beteiligten Staaten, in diesen Krieg hineinschlidderten, ja sogar, dass Frankreich die treibende Kraft gewesen wäre.

Ohne das „Schanddiktat“ von Versailles wäre Hitler nicht möglich geworden. Hitler als Fortsetzung Preußens anzusehen, ist teleologische Geschichtsschreibung. Besonders gern verbreiten marxistische Geschichtsphilosphen ihr Narrativ: von Luther über Preußen zu Hitler, eine gerade Linie.

Es hätte Dr. Goebbels Freude bereitet, dass die Alliierten seiner Preußenfolklore ebenso auf den Leim gingen wie heutzutage die linken Preußenhasser in Potsdam, die in der Garnisonkirche und ihrem Wiederaufbau die Wiederauferstehung des militaristischen Preußen und folglich des Hitlerfaschismus zu erkennen glauben. Der „Barockfaschismus„, den sie in Potsdam wieder entstehen zu sehen glauben, wäre schon der erste Schritt dahin.

Es ist traurig, dass uns gebetsmühlenhaft eingetrichtert wird, wie undemokratisch, reaktionär und militaristisch Preußen gewesen wäre. Übersehen wird dabei, dass Kadavergehorsam, Klassengesellschaft und Standesdünkel in anderen europäischen Staaten größer waren. Englische und französische Könige haben mehr Kriege geführt, als das „militaristische“ Preußen; der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. führte gar keinen. Das allgemeine (Männer-)Wahlrecht des Norddeutschen Bundes von 1866 war fortschrittlicher als das englische Klassenwahlrecht.

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler schreibt über das Kaiserreich: „… ein hohes Maß an Rechtssicherheit, politische Teilhaberechte wie nur wenige westliche Staaten, sozialpolitische Leistungen wie sonst nur in Österreich und der Schweiz, Freiräume für entschiedene Kritik, Erfolgerlebnisse für die Opposition, Meinungsfreiheit mit seltenen Zensureingriffen, Bildungschancen, Aufstiegsmobilität, Wohlstandsanstieg.“ (in: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4, p 203; zitiert bei Ulrich Herbert, Das Dritte Reich. Geschichte einer Diktatur)

Vor allem aber verwunderlich ist, dass anscheinend keiner mehr weiß, dass der Freistaat Preußen in der Weimarer Republik bis zum „Preußenschlag“ 1932 ein Bollwerk gegen die NSDAP gewesen war. Die Sozialdemokraten modernisierten die Verwaltung. Das Land war das stabilste der Republik.

Zu Beginn der 30er Jahre gab es ein Verbot der SA. Ein preußischer Haftbefehl für Hitler wurde von der Reichsregierung boykottiert. Dagegen versuchten die Nationalsozialisten, die Kommunisten und Rechtskonservative die sozialdemokratische preußische Regierung abzusetzen.

Vor zehn Jahren schon gab es ein Interview von N24/Die Welt mit dem Urenkel Kaiser Wilhelms II., Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, der auf den grotesken Umgang mit der Geschichte Preußens hinwies.

Ich lese mit Hochachtung, dass Christina Peters in der PNN, dem Potsdamer Kopfblatt des linken Berliner Tagesspiegels, unter der zwiespältigen Schlagzeile „Renaissance eines Gespensts“ mit Zitaten des Potsdamer Historikers Manfred Görtemaker das Klischee von der Pickelhaube zurechtrückt.

Der Mensch bezwingt den Kosmos. Ein Potsdamer Lehrstück

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Der erste Satz ist der Titel einer Reihe großflächiger Mosaike, die das nicht zu einem Höhepunkt der DDR-Baukultur gehörende Rechenzentrum in Potsdams Dortustraße schmücken. Der Bau ragt ein wenig in das Grundstück der gesprengten Garnisonkirche, vulgo „Nazikirche“, hinein und wird damit zum Problem beim geplanten Wiederaufbau des Turms.

Mit einem geglückten Coup wurde das leerstehende Gebäude bis zum vereinbarten Abriss zum Haus für Kunstschaffende umgewidmet. Die wollen aber gar nicht mehr ausziehen. Sie hängen Laken mit Anti-Garnisonkirchen-Parolen aus dem Fenster und verlangen von der Stadt, das Gebäude zu sanieren und zu modernisieren.

Als Kunst am Bau schuf der DDR-Künstler Fritz Eisel den Bilderzyklus über die sowjetische Raumfahrt. Es besteht Einigkeit darüber, dieses Kunstwerk zu erhalten. Sowohl die Garnisonkirchengemeinde sieht das so als auch die Stadtverwaltung. Nun kommt aber Spannung auf, weil die Freund_innen der DDR-Baukultur unermüdlich den Eindruck erwecken, das Kunstwerk solle vernichtet werden (So z. B. auf dem Podium der Lea Rosh Ende Januar in Berlin). Sie bestehen darauf, dass es dort, wo es steht, erhalten werden muss.

Jetzt hat sich ein prominenter Historiker, Prof. Sabrow, dafür ausgesprochen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre im Rechenzentrum ein DDR-Alltagskulturzentrum eingerichtet worden. (Da er beklagt, dass die DDR nur als Repressionsstaat gesehen würde und das Fortschrittliche an ihr vernachlässigt werde, kann man sich die didaktische Konzeption des Museums unschwer vorstellen.)

mosaikWas mich immer ein wenig erheitert beim Anblick des letzten Mosaiks: Das zeigt Juri Gagarin Alexej Leonow, im prallen Raumanzug wie ein Michelin-Männchen aussehend, wie er von einem Weltraumausflug in die Raumkapsel zurückkehrt.

Irgendjemand, vielleicht ein Stadtführer, erzählte, dass die Rückkehr für Leonow lebensgefährlich gewesen war. Sein Raumanzug hätte sich im luftleeren All aufgebläht und er passte anfänglich nicht mehr durch die Luke…

Die Legende von der Nazi-Kirche in Potsdam

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Am besten, man liest zuerst, was ich vor drei Jahren zu den geschichtspolitischen Narrativen zur Potsdamer Garnisonkirche geschrieben habe. (Es gibt weitere )Garnisonkirchen-Beiträge: Garnisonkirche 2 – 4)

In Berlin hat die ehemalige Journalistin Lea Rosh, inzwischen achtzigjährig, aber immer noch sehr aktiv, zu ihrem monatlichen „Salon“ eingeladen, dem ersten im Jahr 2017. Das Podiumsgespräch handelte dieses Mal von der Potsdamer Garnisonkirche. Das Thema ist gerade wieder aktuell, da durch eine Spende von Günther Jauch der Wiederaufbau des Turms realistischer geworden ist.

Also fuhren viele Potsdamer nach Berlin-Wilmersdorf in die Kommunale Galerie.

Ich schreibe jetzt kein Protokoll der Veranstaltung. Es geht mir um zwei Sachen, die ich von dort mitgenommen habe:

Einer der eingeladenen Garnisonkirchengegner, der Architekturjournalist Matthias Grünzig, ist für den Wiederaufbau des Turms. Aber nur, wenn daraus ein Dokumentationszentrum gegen Rechtsextremismus würde. Er findet die Ausstellungsfläche im Turm, auf der die Geschichte der Kirche dokumentiert werden soll, zu mickrig und auch die lächerlich geringe Zahl der dafür vorgesehenen Personalstellen. Er vergleicht mit der Fläche und der Personalstärke der Topographie des Terrors in Berlin.

Das entspricht der neuen Linie der regionalen Linkspartei: Garnisonkirchenturm, na ja, aber bitte als Dokumentationszentrum gegen…

Der Einwand, man könne im Turm der Garnisonkirche doch nicht eine komplette Ausstellung des deutschen Rechtsextremismus in Geschichte und Gegenwart plus Aufklärungs- und Präventionskursräume unterbringen, beeindruckt Grünzig nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues von der Garnisonkirche

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gemeinfreies Foto

Der in Potsdam wohnende TV-Showmaster und -Produzent Günther Jauch spendet 1,5 Millionen € für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche.

Potsdamer Miniaturen

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(Zugegeben, ein etwas anspruchsvoller Titel.) Was ich bloß erzählen möchte:

  • Gestern gab es eine Demonstration linksextremer Wutbürger gegen einen Gottesdienst der Garnisonkirchengemeinde (Nagelkreuzgemeinde), der vom ZDF übertragen wurde. Ein solches öffentlichkeitswirksames Ereignis lassen sich die Eiferer nicht entgehen. Sie sehen im Wiederaufbau der Garnisonkirche oder auch nur des Turmes die erneute Machtergreifung des Faschismus, des Militarismus, der preußischen Junker. Ich bin zufällig mit dem Auto in der Nähe und sehe ein Endzwanzigerpärchen. Er mit Bart und Hipstermützchen, sie mit Hund. Sie verabschieden sich. Er läuft, den Rucksack geschultert, in Richtung Demonstranten, sie kehrt um und führt den Hund Gassi.
  • Am selben Tag sehe ich einen Amateur-Schmalfilm, der Impressionen vom Potsdam der 70er Jahre festhält, Parks, Seen, Sehenswürdigkeiten, die Wohnhäuser der sozialistischen Komplexwettbewerbe, ein Denkmal gegen des Faschismus und viel, viel Autoverkehr. Der Autoverkehr im Potsdam der 70er Jahr steht dem heutigen, zumindest ist er so gefilmt worden, in nichts nach. Ich äußere mich erstaunt darüber. „Na, ihr Wessis glaubt wohl, in der DDR konnte man nicht autofahren.“ Eigentlich wollte ich anmerken, dass mich nur erstaunt, dass die Sozialisten, die doch den Anspruch hatten, alles besser zu wissen und zu können als die Kapitalisten, keine Alternative zum massenhaften Individualverkehr entwickelten, sondern es dem Westen nachmachten.

 

Potsdam: Antifa bekämpft überall Rechtsabweichler

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1. Potsdamer Linksextremist/-innen (sogar die PNN verwenden das Wort am 24.8.16, p 18!) haben ein Treffen von elf AfD-Anhängern in einem Privathaus unterbunden. Die Personen konnten das Haus schließlich unter Polizeischutz verlassen. Die 60 Antifaschist/-innen warfen Mülltonnen auf die Straße, blockierten eine Ausfahrt und beschimpften die Personen. Die Polizei war mit 14 Einsatzwagen am Tatort.

2. Die Garnisonkirchenstiftung will mit dem ZDF zusammen am 11. September auf dem Gelände der Ruine einen „Fernsehgottesdienst“ durchführen. Dagegen wollen die linken Gegner des Wiederaufbaus der von der SED gesprengten, im Zweiten Weltkrieg beschädigten Kirche zeitgleich demonstrieren.

GarnisonkircheDie Garnisonkirche gilt Linken als Nazikirche. Gegen Inanspruchnahme durch die Nazis hatte sich die Gemeinde in den 30er Jahren, bisweilen erfolgreich, gewehrt. Nazi war der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche, nicht der der Garnisonkirche. Die Nazis feierten die Reichstagseröffnung, die notgedrungen in Potsdam stattfand, weil der Berliner Reichstag durch Brandstiftung unbrauchbar geworden war, post festum als Tag der Versöhnung Preußens mit dem Nationalsozialismus. Da passte es, dass die Garnisonkirche auch die Särge von Hohenzollern beherbergte und sie Kirche für die Familien Potsdamer Regimenter war. Man kann mit der gnadenlosen Feindschaft gegen den Wiederaufbau gleich mehrere Fliegen auf einen Schlag treffen: die Nazifaschisten, die Klerikalfaschisten und die Adelsfaschisten.

3. Das am 1.9. stattfindende OSZE-Treffen in Potsdam nahmen linke Aktivist*innen zum Anlass, gegen die OSZE zu protestieren. Sie hissten kurzzeitig ein Transparent auf der Kuppel der Nikolaikirche: „Fuck OSZE!“. Zum Treffen selbst wird es in Potsdam sicher hoch hergehen.

Zur OSZE durchaus brauchbar: der Wikipedia-Artikel.

Die Vorläufer-Organisation KSZE trug maßgeblich dazu bei, den Ostblock „aufzuweichen“. Die um internationale Anerkennung und bessere Handelsbeziehungen kämpfenden Ostblockstaaten, allen voran die DDR, akzeptierten nur widerwillig die KSZE-„Körbe“, in denen es u. a. um die Gewährung von Menschenrechten und um Umweltstandards ging. Die „Schlussakte von Helsinki“ unterschrieben Vertreter von 57 Staaten in Ost und West. Immer mehr Menschen in der DDR beriefen sich in ihren Ausreiseanträgen und ihren politischen Aktivitäten darauf.

Möglicherweise haben die Linksextremist*innen nicht vergessen, dass die KSZE/OSZE ein Sargnagel für den Sozialismus in Europa war. Nicht nur die Potsdamer Antifaschist*innen und die diversen linksalternativen Friedensgruppen sind gegen die OSZE. Auch Moskau kritisiert die OSZE ständig. Ihr Einsatz zum Schutz von Minderheiten, für Menschenrechte und freie Medien, gegen Antisemitismus und ihre Polizeimissionen z. B. in der Ost-Ukraine. sind nicht erwünscht.

3. Keine Aktion gegen Faschisten ist (oder vielleicht doch? Ist doch die geschädigte Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Bewahrerin des „barockfaschistischen“ Erbes) der illegale Bau einer Skateranlage auf einem Randstück des Parks Babelsberg, unmittelbar neben einem „linksalternativen“ Kulturzentrum, das kostenlos ein städtisches Grundstück benutzen darf. (In Potsdam gibt es mehrere linksextremistische Kulturzentren, die die finanzielle Förderung durch die Stadt und ihre Firmen und die Gastfreundschaft auf städtischem Gelände genießen.)

Die Linksextremisten benutzten zum Bau sogar stiftungseigene Materialien. Das Gelände wäre ungenutzt gewesen, sagen sie. Das haben Grünflächen, die nicht landwirtschaftlich genutzt werden, so an sich.

Wie immer in Fällen antifaschistischer Aktionen in Potsdam, findet die Sache den ungeteilten Beifall der linken Parteien „Die Andere“ und „Die Linke.“

Potsdamer Garnisonkirchenstreit (4)

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Der Architekturjournalist Matthias Grünzig hat in Archiven gesucht und zu Tage gefördert, dass die evangelische Kirche in der DDR gar kein Interesse am Wiederaufbau der Potsdamer Garnisonkirche gehabt hätte. Für die Garnisonkirchengegner ist das ein gefundenes Fressen. Über seinen Fund berichten seit über einem Jahr die Zeitungen; jetzt war er Redner auf einer von der brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung geförderten Veranstaltung „Zwischen Mythenbildung und wissenschaftlicher Forschung„. Dort trug er seine These vor: Die evangelische Kirche hätte die Garnisonkirche nicht in ihrer Prioritätenliste gehabt, sondern lieber neue, helle, moderne Gemeinderäume in den DDR-Neubaugebieten favorisiert. Ihr sei anderes wichtiger gewesen als der Wiederaufbau der Garnisonkirche. In der Bevölkerung wäre die Ruine als Schandfleck wahrgenommen worden. Im Übrigen wäre es der Zeitgeist – in Ost und West gleichermaßen – gewesen, der die überkommenen Gotteshäuser als Ballast gesehen hätte.

Der Potsdamer Historiker Martin Sabrow findet es gut, dass eine Geschichtslegende entlarvt werde. Aber er weist dann doch darauf hin, dass es zwischen kirchlichen und staatlichen Akteuren einen Unterschied gegeben habe, was wohl übersetzt heißt, die SED habe die Kirche sprengen lassen und nicht die Evangelische Kirche der DDR.

Ex-Ministerpräsident Stolpe, in der DDR Jurist beim Bund der Evangelischen Kirchen in der DDR, versucht, das zurechtzurücken. Er widerspricht Grünzigs Vorwurf, er hätte Gemeinderäume in den Neubau-Plattensiedlungen bevorzugt. Es sollte aber verhindert werden, dass die Kirche dort gar nicht mehr vorgekommen wäre. Man hätte mit wenig Geld viel erreichen wollen. Daher sei auch die Potsdamer Nikolaikirche, die weniger beschädigt war, als erste wieder aufgebaut worden. (Im Gegensatz zur Garnisonkirche war der Prediger der Nikolaikirche ein Nazi; GS)

Was ich nicht ganz verstehe: Bei allem Respekt vor der Forschung des Journalisten Matthias Grünzig, die angeblich Mythen und Legenden zerstöre. (Welche eigentlich?) Aber wieso soll der Zeitgeist der 60er Jahre und die Prioritätensetzung der Evangelischen Kirche in der DDR ein Argument gegen den Zeitgeist des 21. Jahrhunderts sein, der den Wiederaufbau und die Restaurierung von Schlössern und Kirchen präferiert?