Garnisonkirche

Aus Hamburg zurück: Potsdamer Linke besetzt Fachhochschule

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Noch ganz beseelt von den Hamburger Krawallen haben Potsdamer Linksextremisten um André Tomczak den DDR-Bau der Fachhochschule besetzt. Sie wollen verhindern, dass der Monumentalbau, in ihren Augen „bedeutende DDR-Architektur“, abgerissen wird und zwei Stadtquartiere mit Wohn- und Geschäftshäusern (wieder) aufgebaut werden. Sie wollen ihn als ein weiteres Kultur-, Kunst- und Kommunikationshaus erhalten wissen.

Das ist Tomczak schon einmal gelungen, beim DDR-Rechenzentrum, ebenfalls, wie er meint, bedeutende DDR-Architektur. Das Gebäude wird jetzt von Kreativschaffenden genutzt. Es wird den Wiederaufbau der Garnisonkirche zumindest erheblich erschweren.

Linksextremisten interessieren parlamentarische Beschlüsse nicht. Schon Dr. Rosa Luxemburg hatte erkannt, dass Parlamentarismus eine Geisteskrankheit wäre.

Der natürlich auch anwesende sozialistische Bundestagsabgeordnete Norbert Müller begrüßte die Besetzung. Müller scheint das parlamentarische Standbein der Potsdamer Linksextremisten zu sein. Auch der wichtigste Potsdamer Linkspolitiker, Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg, Ex-IM, Ex-SED, Ex-OB-Kandidat, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament, begrüßt die Besetzung, hält sie aber für nicht erfolgversprechend.

Am Abend räumte die Polizei überraschend das Gebäude. Auch das ist wohl eine Folge der Hamburger Krawalle. Denn zu erwarten gewesen wäre das sonst übliche Szenario: runder Tisch mit den Besetzern, Nutzungsverträge für eine Interimszeit, die nach und nach verlängert würde, städtische Investitionen ins Gebäude, damit es die Besetzer warm haben und aufs Klo gehen können. Die Besetzer/-innen bedauerten, dass man ihre „ausgestreckte Hand“ nicht ergriffen hätte.

Ganz vergebens war die Aktion nicht. Sie haben schon einmal geübt, wie sie im Herbst vorgehen werden, wenn mit dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche begonnen werden soll.

(nach pnn.de)

Update: Sie wollen weiter machen: jede Woche neue Aktionen, immer wieder neu besetzen. Emily Laquer und Claudius Seidl wird´s freuen.

Man muss anerkennen, dass Herr Tomczak und Genossen gute PR-Arbeit leisten. Der Medienzirkus wird über Wochen gehen. Stufe 1 war die Besetzung, Stufe 2 ist das „Bürgerfest“ mit Hüpfburg, Stufe 3 die Wortmeldung einer linken Gruppierung in der Fachhochschule, die die repressiven Maßnahmen der FH-Leitung, der Polizei, der Stadt usw. verurteilt. Stufe 4 ist das „Kaufangebot“ einer der linken „Bürgerinitiativen“ gegen den Barockfaschismus. Mit dem Kaufangebot will eine Aktivistin, begleitet von den Medien, ins Zimmer des OB stürmen. Die Stadt lehnt ab, das Angebot hätte gemacht werden müssen, bevor die parlamentarischen Beschlüsse gefallen sind. Stufe 5: Die Aktivist/-innen triumphieren. Die Stadt wäre doch gar nicht zuständig. Jetzt werden sie es dem Finanzministerium abkaufen wollen. Das Geld für den Schnäppchenpreis, den sie bieten haben sie noch nicht zusammen, aber das interessiert nicht. Es geht um die Inszenierung.

Jetzt bin ich gespannt, was im Herbst wird, wenn es an den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche geht. Vielleicht dies?: Stufe 1: Friedliche Blockade der Baustellenzufahrt. Stufe 2: Friedliche Besetzung der Baustelle. Stufe 3: Großes Antifaschistisches Rockkonzert im benachbarten Lustgarten. Stufe 4: Kaufangebot für den Turm durch den Humanistischen Verband Brandenburgs. Stufe 5: Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren zur Übereignung des Grundstücks in Volkseigentum. Stufe 6 Vorstellung der Vorüberlegungen für ein Konzept „Religiöse und antifaschistische Vielfalt im Turm“. Stufe 7: Martin-Niemöller-Stiftung fordert vom Land Brandenburg die Finanzierung eines Untergeschosses als Gedenkstätte „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, im vergleichbaren Umfang wie die Berliner „Topographie des Terrors“ (31 Mitarbeiter/-innen). Stufenplan vorab an die Medien.

Bundesschule Bernau und Garnisonkirche

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Spolien der Garnisonkirche

Wenn ich lese, was sich in der Bundesschule Bernau alles ereignet hat, wundere ich mich, warum die Antifa so verbissen ausschließlich gegen die Garnisonkirche ankämpft.

Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde 1928 gebaut. Sie ist ein Musterbeispiel für die Baukunst der Bauhaus-Architekten. Gerade wurde es UNESCO-Weltkulturerbe.

Ab 1933 zogen nacheinander Dienststellen der NSDAP und des NS-Staates ein. hier soll der Antisemit Julius Streicher 1935 erstmals von der Tötung aller Juden gesprochen haben. Hier war ein Ausbildungzentrum der Gestapo, hier wurde der Überfall auf den Sender Gleiwitz einstudiert. Das alles hat eine studentische AG an der TU zusammengetragen. (Warum dann Prof. em. Wolfgang Benz in PNN/Tagesspiegel v. 13.7.17, p 19, als Autor genannt wird, erschließt sich mir nicht.)

Jetzt frage ich mich: wie viel wiegt eine tiefe Verbeugung A. Hitlers als Abschiedsgeste im März 1933 vor der Potsdamer Garnisonkirche gegenüber dem Tötungsverlangen eines Antisemiten? Müsste nicht schleunigst ein Abrissverlangen der Antifaschisten durch die Medien gehen, eine Bürgerinitiative gegen dieses faschistische Gebäude gegründet werden, eine Unterschriftensammlung gestartet werden?

Nichts dergleichen passiert. Warum wohl?

Potsdam ist das Zentrum der militanten Antifaschisten Brandenburgs. Die Szene sitzt, von Stadtverwaltung und städtischen Firmen alimentiert, in ihren „alternativen“ Zentren, in Potsdam gibt es zwei Zeitungsredaktionen und einen ARD-Sender. Hier können ganz schnell ein paar tausend Student/-innen für Demos und Unterschriftensammlungen mobilisiert werden.

Bernau liegt an der Peripherie, das Architekturjuwel Bundesschule kennen nur ein paar Fachleute, der einst prächtige Barockbau der „gotteslästerlichen Kirche“ (Christoph Dieckmann in Die Zeit) ist in ganz Deutschland bekannt.

 

Rechenzentrum gegen Garnisonkirche

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Die Aktivisten gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche wollen das vollenden, was die SED 1968 beabsichtigt hatte: Mit dem Bau eines Rechenzentrums den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu verhindern.

Es war ein Coup, das zum Abriss vorgesehene Rechenzentrum als Haus für Kreativschaffende (früher: Kunstschaffende) zu nutzen. Zuerst interimsweise bis zum Abriss. Inzwischen lautet das Ziel: dauerhafte Nutzung.

Die Kreativschaffenden beginnen schon mit der Stufe zwei der Verhinderungskampagne: Der Lärm einer zukünftigen Turm-Baustelle würde ihr kreatives Schaffen beeinträchtigen. Sollte der Turm gebaut werden, müssten gar Fenster im Rechenzentrum zugemauert werden. Sicher ein Fall für den europäischen Menschenrechtsgerichtshof.

Begleitet wird die Inszenierung in den Medien: Der Garnisonkirchengegner Grünzig hat in einem Buch alle militaristischen, absolutistischen Scheußlichkeiten zusammengetragen, die der Kirche angelastet werden. Über tausend Fußnoten hätte das Werk, wie die PNN anerkennend notieren. Die brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung stellt in diesen Tagen das Buch vor. Die Zentrale hatte dem Autor vor einiger Zeit schon einmal Gelegenheit gegeben, seine Fakten darzustellen. Etwa einen Beweis, dass die evangelische Kirche in der DDR gegen den Wiederaufbau gewesen wäre. Dem wurde damals widersprochen. Jetzt darf er seine Thesen wieder vortragen. Die Vorstellung eines ausgewogeneren Buches über die Garnisonkirche findet nicht statt.

Die Zeit hat Platz für einen Artikel gegen das „gotteslästerliche Bauwerk“.

Der Wortführer der Wiederaufbaugegner organisiert Stadtführungen zu dem angeblich bedeutenden Denkmal der Ostmoderne, dem Rechenzentrum.

Während ich das schreibe, haben die Aktivisten wahrscheinlich schon eine dritte Bürgerinitiative gegründet, das nächste Volksbegehren gestartet oder den nächsten Antrag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. (Nachtrag:) Inzwischen spricht sich ein Linkspartei-MdL, die ehemalige Sozialministerin Tack, für den Erhalt des Gebäudes aus. Sie hat die 25 Jahre der Planung des Geländes, an dem ihre Partei mitgearbeitet hat, wohl verschlafen.

Auf die Stadt kommen jetzt die Mehrkosten zu: Das Rechenzentrum behindert den Turmbau. Der Bau kostet deshalb mehr und die Evangelische Kirche weigert sich, diese Kosten zu übernehmen. Vereinbarungsgemäß hätte das Rechenzentrum schon längst abgerissen werden sollen. Die Sicherung der Nutzbarkeit durch die Kreativschaffenden wird weitere Millionen kosten.

Mich erinnert das Rechenzentrum daran, dass die Kommunisten große Hoffnungen auf die Kybernetik gesetzt hatten. Sie glaubten, dass ihre monströse Zentralverwaltungswirtschaft, an der sie ständig herumlaborierten (z. B. NÖSPL), durch Computersteuerung endlich funktionieren könnte. Das bewahrheitete sich nicht. Die DDR produzierte aber den größten und teuersten Mikrochip der Welt, wie Spötter feststellten. Eines der zahlreichen Rechenzentren errechnete in den späten Achtzigern einmal eine 120%ige Wahlbeteiligung. Insofern ist es doch schade, dass das Rechenzentrum nicht Museum der DDR-Wirtschaft wurde.

Siehe im Blog: Die Legende von der Nazikirche

Es gab 1968 mehrere mutige Proteste gegen den Abriss der im Krieg beschädigten Kirche.

Nachtrag: Der Buchautor Matthias Grünzig soll in der Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung vom Historiker Martin Sabrow ziemlich auseinander genommen worden sein. Meine Befürchtungen waren demnach unbegründet. (Ich wollte mir die Tiraden des Aktivisten nicht schon wieder zumuten.)

Nachtrag: Das Rechenzentrum soll bis 2023 als Haus für Künstler genutzt und erst dann abgerissen werden. Da das Gebäude den Bau des Turms der Garnisonkirche erschwert, entstehen Mehrkosten. Die wird die Stadt übernehmen müssen. Auch die Kosten der Renovierung des Rechenzentrums, damit es für die Interimszeit benutzbar bleibt.

Dauerhaft könnten die Künstler später im noch zu bauenden Kirchenschiff untergebracht werden. (Die Nutzung als Moschee, die die Wissenschaftsministerin Münch vorgeschlagen hatte, war wohl eine Eintagsfliege). Die Garnisonkirchenstiftung ist damit einverstanden.

Die Aktivisten gegen den Wiederaufbau der Kirche sind entsetzt.

Aber sie haben doch jetzt eine Aktion für 2023: Die Besetzung des Rechenzentrums.

 

 

Niemöller-Stiftung will Geschichtsmuseum statt Garnisonkirche

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GarnisonkircheVor einigen Monaten kritisierte der Journalist Matthias Grünzig, Aktivist gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, das Konzept der Befürworter, im wieder aufzubauenden Turm auch die Geschichte der Kirche zu dokumentieren, als völlig unzureichend. Sein Maßstab war die Berliner „Topographie des Terrors“, Gedenkstätte und Dokumentationszentrum am historischen Ort des SS-Hauptquartiers.

Es gibt dort eine große Bibliothek, es wird geforscht, es werden Bücher publiziert, es gibt einen Pressespiegel zu NS-Themen, es finden Sonderausstellungen und Seminare für Schulklassen und Erwachsene statt, es gibt einen Rundbrie, einen Newsletter und eine Caféteria.

Das Dokumentationszentrum beschäftigt 31 Mitarbeiter/-innen, 1 Auszubildende sowie Praktikanten, studentische Hilfskräfte und das Freiwillige-Soziale-Jahr-Ableistende.

Letztlich soll durch den Vergleich der geplanten Garnisonkirchen-Dokumentation im wieder zu errichtenden Turm mit der Topographie des Terrors und überzogenen Raum-, Personal- und Themenforderungen der Wiederaufbau verhindert werden.

Gerade erst haben die Gegner/-innen das ehemalige DDR-Rechenzentrum, das in das Garnisonkirchengrundstück hineinragt, zum Haus für Kunstschaffende umwidmen können. Noch nicht einmal diesen Platz würde ein Dokumentationszentrum über den Nationalsozialismus auf dem Kirchengrundstück kriegen.

Jetzt setzt die Niemöller-Stiftung e. V. ihren Kampf gegen den Garnisonkirchen-Wiederaufbau als Versöhnungskirche mit einem „Gutachten“ fort, das Grünzigs Ausführungen wiederholt. Rechtzeitig zum Beginn des Evangelischen Kirchentages sorgt sie damit für Gesprächsstoff, zumal im Veranstaltungsraum auf dem Garnisonkirchengrundstück Kirchentagsveranstaltungen stattfinden sollen. (Hoffen wir, dass die Antifa nicht aufmarschiert und wieder handgreiflich gegen die Pfarrerin wird.)

Vor ein paar Wochen hatte der Verein schon eine Tagung gegen den Wiederaufbau durchgeführt, auf der die Befürworter nicht sprechen durften. (Schon Niemöller kannte nur Freund oder Feind.)

Die Martin-Niemöller-Stiftung ist eine Organisation, die in einschlägigen digitalen Plattformen zur antifaschistischen Szene gezählt wird.

Der evangelische Pfarrer Niemöller war deutsch-national eingestellt und Gegner der Nationalsozialisten. Den Ideen von Rasse und Volkstum gegenüber war er aufgeschlossen, Juden fand er nicht sympathisch. 1921 kämpft er als Freikorpsführer im Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik. Er lobte 1935 die Einführung der Wehrpflicht und den Dienst an der Waffe als Christenpflicht. Er bat Hitler, ihn im Zweiten Weltkrieg als U-Boot-Kommandanten zu verwenden. Das war er schon im WK I gewesen.

Dann organisiert er die evangelische Widerstandsbewegung „Bekennende Kirche“. Sein Widerstand gegen Hitler speist sich aus theologischen, nicht politischen Gründen.

Der Vorwurf, den manche Nachgeborenen gegen die Offiziere des Widerstands von 1938 und 44 einwenden, sie wären keine Demokraten gewesen, trifft jedenfalls auch auf Niemöller zu.

In der Bundesrepublik habe er mehr gelitten als im Dritten Reich, sagt er später. (Hitler ließ ihn zwar in ein KZ sperren, aber es war eine Ehrenhaft. Er durfte Besuch empfangen und Bücher lesen. Die Bundeswehr war für ihn die „Hohe Schule für Berufsverbrecher“.

Antikommunistischer Militarist und Nationalist war er auch nach dem Zweiten Weltkrieg, hätte gerne an der Seite der USA gegen Russland gekämpft, wurde dann in der Zeit des Kalten Krieges Pazifist und trat auf zahlreichen, von der UdSSR finanzierten Friedensdemonstrationen und Friedenskongressen auf und erhielt Orden der DDR und UdSSR.

Die nach ihm benannte Stiftung sieht ihre Aufgabe u. a. darin, Bundeswehreinsätze im Ausland zu verurteilen, Kirchenasyl für Flüchtlinge zu gewähren, Abschiebungen von abgelehnten Asylsuchenden zu verhindern und gegen alles, was es rechts von der linken Mitte im politischen Spektrum gibt, zu kämpfen.

Vorstandsmitglied Dr. Margot Käßmann ist bekannt dafür, NATO und EU-„Aggressionen“ gegenüber Russland zu brandmarken, aber kein kritisches Wort über russische Aggressionen in der Ukraine und auf der Krim zu finden.

Man wundert sich angesichts des Eifers, mit dem nachgeborene Jakobiner/-innen jeder nationalistischen und judenfeindlichen Bemerkung von Dichtern und Geschichtsprofessoren des 19. Jahrhunderts nachspüren und nach ihnen benannte Straßen umbenennen, wenn sie Niemöller so nachsichtig behandeln.

Update 2.6.17: Der US-Amerikaner mit armenischen Wurzeln Noubar Afeyan beabsichtigt, der Garnisonkirchen-Stiftung eine größere Summe zu stiften. Afeyan ist Ph.D. in Bioverfahrenstechnik (biochemical engineering). Er ist Unternehmer, finanziert Start-ups, hat einen Lehrauftrag am MIT und ist Gründer einer Stiftung, die an Armenien erinnert.

Der Großvater von Noubar Afeyan wurde während des türkischen Massenmords an den armenischen Mitbürgern von deutschen Offizieren gerettet. Sie steckten ihn in eine deutsche Uniform.

Afeyan will als Stifter eines Menschenrechts-Preises Personen ehren, die sich weltweit für Notleidende engagieren. Zu Potsdam und zum Wiederaufbau der Garnisonkirche würde dieses Engagement gut passen. Es gibt hier ein kleines Museum in dem Haus, in dem der Theologe Johannes Lepsius wohnte.

Lepsius hielt sich lange im Nahen Osten auf. Er wurde Zeuge von Pogromen und Massakern der Osmanen an den Armeniern. Diese begannen um 1894 und gipfelten in dem Massenmord von 1915.  Er schrieb und hielt Vorträge, um auf diese Verbrechen aufmerksam zu machen. Die Reichsregierung hielt sich zurück, sie wollte es mit dem Bündnispartner Osmanisches Reich nicht verderben.

Zur Garnisonkirche passt die Geste von Noubar Afeyan, weil sie auch die Kirche für die Offiziere des Widerstandes und ihre Familien war.

Lesetipp: Anke Silomon, Pflugscharen zu Schwertern, Schwerter zu Pflugscharen Hinweis im Blog und bei Amazon

Potsdamer Fachhochschulbau als islamisches Kulturzentrum!

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Muhammad-Amin-Moschee in BeirutGerade ließen wir uns von FAZ-Kunst- und Architektur-Sachverständigen belehren, dass wir, die wir Cola statt teurem Petrus-Rotwein trinken, Neuschwanstein als schön empfinden und über die städtebauliche Gestaltung von Wendehämmern nicht hinausdenken könnten. Deswegen müsse der DDR-Bau der Fachhochschule als Meisterwerk der Ostmoderne erhalten bleiben, schreiben Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Niklas Maak und Claudius Seidl, „Make Potsdam great again“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41)

Da der Bau leersteht, gibt es Nutzungsvorschläge, z. B. ein weiteres Kunst- und Kommunikationszentrum. Davon hat Potsdam schon drei Dutzend. Da greife ich lieber den Vorschlag von Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) auf und führe ihn weiter. Dr. Münch hat angeregt, das zukünftige Kirchenschiff der Garnisonkirche als Moschee zu gestalten.

Die leer stehende Fachhochschule aber wäre eine sofortige Lösung! Die Hörsäle böten sich den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als Predigt- und Gebetsorte an. Es gäbe ausreichend Räume für Treffpunkte, Unterricht und Feiern. Eine gastronomische Einrichtung kann auch genutzt werden.

 

Unentwegt gegen Faschismus und Garnisonkirche

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Die Partei Die Linke. lässt sich in ihrem Kampf gegen den Faschismus von niemandem übertreffen. Die sozialistische Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau bemüht das Bundesinnenministerium unablässig um die neuesten Statistiken über rechte Straftaten. Linksparteimitglieder kämpfen in den Reihen der Amadeu-Antonio-Stiftung der Ex-IM Anetta Kahane gegen die Wiederkehr des Nationalsozialismus. Linkspartei-Vorsitzende Katja Kipping kooperiert mit den Gewalttäter*innen der Antifa. (Thierse, SPD, und manche grüne Parteigliederungen stehen ihr nicht nach.)

Ein Symbol des Faschimus ist in den Augen der Sozialisten die Potsdamer Garnisonkirche. Verbissen versuchen sie, auf allen Kanälen den Wiederaufbau zu verhindern, nachdem ihre kommunistischen Vorväter sie gesprengt hatten. Was sie und ihre Vorfeldorganisationen in Potsdam alles unternehmen, steht u. a. hier im Blog. Jetzt hat die Bundestagsfraktion der Linken (vergeblich) versucht, im Bundestag die Streichung der Bundesmittel für den Wiederaufbau durchzusetzen.

Wie stark unaufhörliche Propaganda wirkt, kann man am Beispiel der Garnisonkirche zeigen. Es interessiert nicht, dass der Pfarrer der Potsdamer Nikolaikirche ein Nazi war, nicht der der Garnisonkirche. Es gibt Garnisonkirchen in Deutschland, die eher die Bezeichnung „Nazikirche“ verdienen. Wer die Wochenschauaufnahmen vom Tag der Parlamentseröffnung 1933 sieht, erkennt, dass die Begeisterung der Menschen dem Generalfeldmarschall von Hindenburg galt, dass HItler, zumal im „bürgerlichen“ Frack in der Öffentlichkeit eher unterging.

Wenn man unbedingt Gebäude als faschistisch verdorben ansehen will, warum reißt man nicht das Olympiastadion mit Hitlers Ehrenloge ab oder die Villa Wahnfried in Bayreuth? In Berlin ließen sich viele weitere Gebaude finden.

Das zufällige Foto eines britischen Pressefotografen vom tiefen Diener, mit dem Hitler sich von Hindenburg verabschiedete, wird heute als Versöhnung zwischen dem konservativen Deutschland und den Nationalsozialisten gedeutet. Dabei hatte Hindenburg nur Verachtung für den böhmischen Gefreiten übrig. Goebbels erkannte allerdings schnell, dass die Veranstaltung, die ohne sein Zutun in der Potsdamer Kirche stattfand, für die Nationalsozialisten ein Propagandacoup sein würde. Und er ist damit bis heute erfolgreich.

Potsdam, Preußen und Hitler

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Vor 70 Jahren haben die Alliierten das Land Preußen aufgelöst.

Schweizerhaus in PotsdamAus ihrer Sicht war das konsequent, denn sie hielten Preußen für den Schurkenstaat, der zwei Weltkriege verursacht hätte. Das war schon damals nicht ganz richtig. Es gab hellsichtige Menschen, die bereits 1919 erkannten, dass es ein folgenreicher Fehler war, das deutsche Kaiserreich zum Alleinschuldigen am Ersten Weltkrieg zu erklären. Sie sagten voraus, dass das der erste Schritt hin zum nächsten Krieg wäre.

Es gab schon 95 Jahre vor Christopher Clark, Bücher, in denen beschrieben wurde, dass alle beteiligten Staaten, in diesen Krieg hineinschlidderten, ja sogar, dass Frankreich die treibende Kraft gewesen wäre.

Ohne das „Schanddiktat“ von Versailles wäre Hitler nicht möglich geworden. Hitler als Fortsetzung Preußens anzusehen, ist teleologische Geschichtsschreibung. Besonders gern verbreiten marxistische Geschichtsphilosphen ihr Narrativ: von Luther über Preußen zu Hitler, eine gerade Linie.

Es hätte Dr. Goebbels Freude bereitet, dass die Alliierten seiner Preußenfolklore ebenso auf den Leim gingen wie heutzutage die linken Preußenhasser in Potsdam, die in der Garnisonkirche und ihrem Wiederaufbau die Wiederauferstehung des militaristischen Preußen und folglich des Hitlerfaschismus zu erkennen glauben. Der „Barockfaschismus„, den sie in Potsdam wieder entstehen zu sehen glauben, wäre schon der erste Schritt dahin.

Es ist traurig, dass uns gebetsmühlenhaft eingetrichtert wird, wie undemokratisch, reaktionär und militaristisch Preußen gewesen wäre. Übersehen wird dabei, dass Kadavergehorsam, Klassengesellschaft und Standesdünkel in anderen europäischen Staaten größer waren. Englische und französische Könige haben mehr Kriege geführt, als das „militaristische“ Preußen; der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. führte gar keinen. Das allgemeine (Männer-)Wahlrecht des Norddeutschen Bundes von 1866 war fortschrittlicher als das englische Klassenwahlrecht.

Der Historiker Hans-Ulrich Wehler schreibt über das Kaiserreich: „… ein hohes Maß an Rechtssicherheit, politische Teilhaberechte wie nur wenige westliche Staaten, sozialpolitische Leistungen wie sonst nur in Österreich und der Schweiz, Freiräume für entschiedene Kritik, Erfolgerlebnisse für die Opposition, Meinungsfreiheit mit seltenen Zensureingriffen, Bildungschancen, Aufstiegsmobilität, Wohlstandsanstieg.“ (in: Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 4, p 203; zitiert bei Ulrich Herbert, Das Dritte Reich. Geschichte einer Diktatur)

Vor allem aber verwunderlich ist, dass anscheinend keiner mehr weiß, dass der Freistaat Preußen in der Weimarer Republik bis zum „Preußenschlag“ 1932 ein Bollwerk gegen die NSDAP gewesen war. Die Sozialdemokraten modernisierten die Verwaltung. Das Land war das stabilste der Republik.

Zu Beginn der 30er Jahre gab es ein Verbot der SA. Ein preußischer Haftbefehl für Hitler wurde von der Reichsregierung boykottiert. Dagegen versuchten die Nationalsozialisten, die Kommunisten und Rechtskonservative die sozialdemokratische preußische Regierung abzusetzen.

Vor zehn Jahren schon gab es ein Interview von N24/Die Welt mit dem Urenkel Kaiser Wilhelms II., Friedrich Wilhelm Prinz von Preußen, der auf den grotesken Umgang mit der Geschichte Preußens hinwies.

Ich lese mit Hochachtung, dass Christina Peters in der PNN, dem Potsdamer Kopfblatt des linken Berliner Tagesspiegels, unter der zwiespältigen Schlagzeile „Renaissance eines Gespensts“ mit Zitaten des Potsdamer Historikers Manfred Görtemaker das Klischee von der Pickelhaube zurechtrückt.

Der Mensch bezwingt den Kosmos. Ein Potsdamer Lehrstück

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Der Satz ist der Titel einer Reihe großflächiger Mosaike, die das nicht zu einem Höhepunkt der DDR-Baukultur gehörende Rechenzentrum in Potsdams Dortustraße schmücken. Der Bau ragt ein wenig in das Grundstück der gesprengten Garnisonkirche, vulgo „Nazikirche“, hinein und wird damit zum Problem beim geplanten Wiederaufbau des Turms.

Mit einem geglückten Coup wurde das leerstehende, renovierungsbedürftige Gebäude bis zum vereinbarten Abriss zum Haus für Kunstschaffende umgewidmet. Die wollen aber gar nicht mehr ausziehen. Sie hängen Laken mit Anti-Garnisonkirchen-Parolen aus dem Fenster und verlangen von der Stadt, das Gebäude zu sanieren und zu modernisieren. Die Stadtverwaltung hat den Nutzungsvertrag schon verlängert.

Nachtrag Juni 2017: Das neueste Argument der im Rechenzentrum residierenden Kunstschaffenden gegen den Wiederaufbau ist, dass der zu erwartende Baulärm ihre Kreativität beeinträchtige.

(Noch Nachtrag) Die Landeszentrale f. pol. Bildung stellt ein Buch des Journalisten und Wiederaufbaugegners Matthias Grünzig vor. Grünzig ist seit Jahren aktiv gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche, dieser „gotteslästerlichen Bude“ (Grünzig-Kollege bei der Zeit, Christoph Dieckmann, unterwegs. Er will angeblich Mythen und Legenden zerstören, von denen sich herausstellt, dass sie gar keine sind. Vor zwei Jahren war er mit denselben Dokumenten schon einmal angetreten.

Als Kunst am Bau schuf der DDR-Künstler Fritz Eisel den Bilderzyklus über die sowjetische Raumfahrt. Es besteht Einigkeit darüber, dieses Kunstwerk zu erhalten. Sowohl die Garnisonkirchengemeinde sieht das so als auch die Stadtverwaltung. Nun kommt aber Spannung auf, weil die Freund_innen der DDR-Baukultur unermüdlich den Eindruck erwecken, das Kunstwerk solle vernichtet werden (So z. B. auf dem Podium der Lea Rosh Ende Januar in Berlin). Sie bestehen darauf, dass es dort, wo es steht, erhalten werden muss.

mosaikJetzt hat sich ein prominenter Historiker, Prof. Sabrow, dafür ausgesprochen. Wenn es nach ihm gegangen wäre, wäre im Rechenzentrum ein DDR-Alltagskulturzentrum eingerichtet worden. (Da er beklagt, dass die DDR nur als Repressionsstaat gesehen würde und das Fortschrittliche an ihr vernachlässigt werde, kann man sich die didaktische Konzeption des Museums unschwer vorstellen.)

Was mich immer ein wenig erheitert beim Anblick des letzten Mosaiks: Das zeigt Juri Gagarin Alexej Leonow, im prallen Raumanzug wie ein Michelin-Männchen aussehend, wie er von einem Weltraumausflug in die Raumkapsel zurückkehrt.

Irgendjemand, vielleicht ein Stadtführer, erzählte, dass die Rückkehr für Leonow lebensgefährlich gewesen war. Sein Raumanzug hätte sich im luftleeren All aufgebläht und er passte anfänglich nicht mehr durch die Luke…

Die Legende von der Nazi-Kirche in Potsdam

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Am besten, man liest zuerst, was ich vor drei Jahren zu den geschichtspolitischen Narrativen zur Potsdamer Garnisonkirche geschrieben habe. (Es gibt weitere )Garnisonkirchen-Beiträge: Garnisonkirche 2 – 4)

In Berlin hat die ehemalige Journalistin Lea Rosh, inzwischen achtzigjährig, aber immer noch sehr aktiv, zu ihrem monatlichen „Salon“ eingeladen, dem ersten im Jahr 2017. Das Podiumsgespräch handelte dieses Mal von der Potsdamer Garnisonkirche. Das Thema ist gerade wieder aktuell, da durch eine Spende von Günther Jauch der Wiederaufbau des Turms realistischer geworden ist.

Also fuhren viele Potsdamer nach Berlin-Wilmersdorf in die Kommunale Galerie.

Ich schreibe jetzt kein Protokoll der Veranstaltung. Es geht mir um zwei Sachen, die ich von dort mitgenommen habe:

Einer der eingeladenen Garnisonkirchengegner, der Architekturjournalist Matthias Grünzig, ist für den Wiederaufbau des Turms. Aber nur, wenn daraus ein Dokumentationszentrum gegen Rechtsextremismus würde. Er findet die Ausstellungsfläche im Turm, auf der die Geschichte der Kirche dokumentiert werden soll, zu mickrig und auch die lächerlich geringe Zahl der dafür vorgesehenen Personalstellen. Er vergleicht mit der Fläche und der Personalstärke der Topographie des Terrors in Berlin.

Das entspricht der neuen Linie der regionalen Linkspartei: Garnisonkirchenturm, na ja, aber bitte als Dokumentationszentrum gegen…

Der Einwand, man könne im Turm der Garnisonkirche doch nicht eine komplette Ausstellung des deutschen Rechtsextremismus in Geschichte und Gegenwart plus Aufklärungs- und Präventionskursräume unterbringen, beeindruckt Grünzig nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues von der Garnisonkirche

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Der in Potsdam wohnende TV-Showmaster und -Produzent Günther Jauch spendet 1,5 Millionen € für den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche.