Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

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Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar.

Trüby schäumt seit Jahren gegen „Blut-und-Boden-Architektur“. Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Deutsche Eiche! Sonst fackelt die Antifa euer Häuschen ab. Prof. Dr. Stefan Trüby liefert die Adressen.

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Zeitungslektüre beim Sonntagsfrühstück

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Weinmeisterhaus auf dem Winzerberg gegenüber von Schloss Sanssouci; Bild: Potsdam-Merketing

Ich liebe die Zeitungslektüre beim ausgedehnten Sonntagsfrühstück. Wann immer möglich, genoss ich in den USA die dicke Wochenendausgabe der New York Times (NYT). Einmal brachte meine Frau ein Überraschungsgeschenk aus den USA mit: Weil die NYT am Kiosk ausverkauft war, hatte sie vor einem Rückflug aus Miami Teile aus Papierkörben für mich zusammengesucht. In Frankfurt am Main gab es einen Buchladen, in dem man die Wochenendausgabe am Montag nach dem Wochenende zu einem sündhaft teuren Preis kaufen konnte.

2009 brachte der Schriftsteller Dave Eggers einmalig eine Zeitungs-Wochenendausgabe heraus: das San Francisco Panorama. Es war doppelt so schwer und noch dicker als die dicke Wochenendausgabe der NYT. Es enthielt ein Magazin, eine 400seitige Literaturbeilage, Wochenend-Ausgeh- und Reisetipps,  erstklassige literarische Texte, Fotoreportagen, einen Comic von Art Spiegelman. Jedes einzelne Produkt war umfangreicher als eine gewöhnliche Tageszeitung.

Dave Eggers wollte zeigen, dass auch im Internetzeitalter eine gedruckte Zeitung immer noch ihr  Potential entfalten könne. 5 Dollar kostete sie bei Erscheinen. Bei Amazon wird sie heute antiquarisch zwischen 55 und 140 € gehandelt. Ich besitze ein Exemplar!

Bis jetzt war für mich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) ein leidlicher Ersatz. Den Rest des Beitrags lesen »

Katarina Witt wohnt jetzt in Potsdam

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Mit Katarina Witt, der mehrfachen Olympiasiegerin und Weltmeisterin im Eiskunstlauf, Schauspielerin und Buchautorin, zieht weitere Prominenz nach Potsdam.

Anlass genug für den in Prenzlauer Berg wohnenden Potsdam-„Experten“ Claudius Seidl, den journalistischen Universalgelehrten (rbb-online) und Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, die Neu-Potsdamerin zu interviewen.

Sie beweist wieder einmal, dass sie realistisch ist und selbstständig denkt. Von Seidl lässt sie sich nicht aufs Glatteis führen.

Er will wissen, warum die Ostdeutschen rassistisch sind. Frau Witt versteht es nicht, aber weiß, dass sie in der DDR als Auslandskader privilegiert war, aber auch gelernt hat, Leistungen zu respektieren, egal welche Hautfarbe der Sportler hatte. Sie versteht die materiellen Sorgen und Ängste der Ostdeutschen in der Zeit nach der Friedlichen Revolution. Vor allem aber schätzt sie das Glück, dass mit der Wende die Demokratie kam.

Seidl fasst nach: Könnte es sein, dass die Ostdeutschen sich in der neuen Bundesrepublik nicht repräsentiert fühlten mit ihrer DDR-Vorgeschichte? Wäre die DDR nur Irrtum und das Falsche gewesen?

Frau Witt bleibt dabei: Es könnte sein, dass man sich zu wichtig nähme. „Die Idee, dass die DDR das bessere Deutschland wäre, hat nicht funktioniert.“ Den Mauerfall sieht sie als Glücksfall. Vielleicht brauche es mehr Menschen, die das den Leuten noch besser erklärten.

Seidl gibt nicht auf: „Kolonisiert, dominiert vom Westen fühlten Sie sich nie?“

Witt: „Nein, null, wieso sollte ich?“

Dann spricht der Potsdam-Experte: „… in Potsdam fällt doch auf, wie radikal alles, was an die DDR erinnern könnte, aus dem Stadtbild entfernt wird.“

Witt: „Na, ein Glück.“ Und dann der K.o. für Seidl: „Und Potsdam, ich finde, das ist wunderschön geworden.“

Der Journalist geht zu anderen Themen über, der Schauspielerei und Trumps Telefonnummer. (Sie hat nicht zurückgerufen!)

Claudius Seidl, „Eine Frau muss ja mal den Anfang machen“, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 18.2.2018, p 53

Alexander Osang über Katarina Witt auf Spiegel Online 2002.

Frau Witt lässt sich weder von der Stasi noch von Edelfeder Seidl die Butter vom Brot nehmen.

 

 

Wagenknechts Traumland Venezuela

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Verrostetes SchiffDie Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) stellt die venezolanische Katastrophe in den richtigen historischen Zusammenhang (6.8.17, p 29, von Sebastian Baltzter). Anderenorts lese ich seit Jahren nur, dass der Verfall des Ölpreises die wirtschaftlichen Schwierigkeiten verursacht hätte. Der war zu Beginn der sozialistischen Revolution niedriger als heute!

In Venezuela regieren seit 20 Jahren Sozialisten. Die deutschen Kommunisten Dr. Sahra Wagenknecht und der verstorbene Prof. Lothar Bisky waren voll des Lobes. All die angeblichen marxistischen Wundermittel wurden angewandt: Enteignung, Verstaatlichung, Umverteilung, Preisfestsetzungen und ein Sozialstaat vom Feinsten.

Es passierte, was immer passiert, wenn das sozialistische Paradies auf Erden errichtet wird. Verstaalichung und Planwirtschaft führten zu Produktionsrückgang, zu ausbleibenden Investitionen, Preis- und Devisenkontrollen zu Schwarzmarkt. Im ölreichsten Land der Erde wird Benzin jetzt aus den Nachbarländern importiert! Trotz der üppigen, auch von den UN gelobten Sozialprogrammen sind mehr Leute arm als zu Beginn der sozialistischen Revolution: Statt wie früher 45% gelten jetzt 70% der Bevölkerung als arm. Nur der Oberschicht der Bonzen um Diktator Maduro und den Spitzen des Militärs geht es bestens. Man verdient am Schmuggel, man lenkt die Hilfsprogramme um und bringt das Vermögen im Ausland in Sicherheit.

In der FAS dürfen regelmäßig Kommunisten wie Wagenknecht und Zizek schreiben, über Goethe, Gedichte, Ludwig Erhard und alles Mögliche sonst noch. Fragt sie doch mal nach Venezuela!

Obwohl, was werden sie sagen? Die CIA war´s, die Bilderberger, die Ölkonzerne…

Nachtrag Dezember 2017: Chile hat die Kurve vom Kommunismus eines Salvador Allende zum Kapitalismus hinbekommen.

Der Wahrheit eine Gasse: die Polizei war schuld!

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Allmählich kommt die „Wahrheit“ ans Licht.

Was NDR-Panorama schon von Beginn an wusste, resümiert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS): Die Polizei hat´s vermasselt in Hamburg.

Das ZDF verhilft mit manipulierten Filmchen, in denen die entscheidenden Sekunden mit angreifenden Demonstranten herausgeschnitten sind, der „Wahrheit ans Licht“: Es wurden nur knüppelnde Polizisten gezeigt.

ARD-Aktivist/-innen werfen der Polizei vor, rechtswidrig gegen Demonstranten in Protest-Camps, die gerichtlich erlaubt worden waren, vorgegangen zu sein. Panorama-Chef Volker Steinhoff vermutet eine Verschwörung der Polizei, einen Plan, nach dem Hamburg in Schutt und Asche versinken soll. Die Demonstranten hätten an den Rechtsstaat erinnern müssen.

In der FAS v. 23.7.17, p 8, liefert Polizeiexperte Peter Carstens seinen Untersuchungsbericht ab. Die Polizei hätte Fehler über Fehler gemacht.

Der Erkenntnisfortschritt der klugen Köpfe aus Frankfurt ist beeindruckend. Letzten Sonntag hatte Feuiletonchef Claudius Seidl über die zu Unrecht verteufelte Linke gejammert und gemeint, es herrsche Unklarheit über das, was in Hamburg wirklich geschehen sei. eine woche später besteht zumindest für die FAS-Mitarbeiter Klarheit.

Linksextremisten beklagten ja von Anfang an, dass die böse Polizei einfach auf die vermummten Aktivist/-innen des Schwarzen Blocks losgegangen wäre, die inmitten friedlich demonstrierender, bunter und diverser Menschen ebenfalls friedlich demonstrierten. Journalist Carstens nun beklagt, dass die Polizei nicht sogleich in das Schanzenviertel eingedrungen sei. Der Einsatzleiter hätte 14 der besten deutschen Polizeieinheiten befehligt. Der Leser wird über alle Details ihrer Rüstung, Beinschienen, Armprotektoren usw., informiert. Stattdessen wurde abgewartet, bis eine – erst nach 90 Minuten eintreffende – hochgerüstete Antiterroreinheit eingetroffen war. Sie schießen Türen auf, markieren mit ihren roten Laserpunkten Menschen, die sich auf den Dächern aufhalten. Darunter vier russische „Medienaktivisten“ („angeblich harmlos“, hat der Journalist gehört). „Dies war der riskanteste Augenblick“ der Krawalltage, findet er. Es war eine „massive Gegendrohung“. „Nach Angaben der Einsatzleitung“ wären die Beamten von den Dächern beworfen worden.

Polizeifachmann Carstens wäre also ohne Antiterroreinheit losgestürmt. Man stelle sich seine Schlagzeile vor, wenn zu Beginn der Demonstrationen Antiterror-Eliteeinheiten in den Seitenstraßen aufmarschiert gewesen wären. Den Rest des Beitrags lesen »

Der kommende Aufstand

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Man kann sich gut vorstellen, wie der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, einen Kelch teuren Pétrus-Weines schwenkend, in der Bar des Empire Riverside Hotels im 20. Stock sitzend, gleich unter sich die brennenden Autos betrachtend, in Augenhöhe mit dem Piloten des Polizeihubschraubers, sich Notizen machend für den Artikel über verkannte, verteufelte Linke in seinem Blatt: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, v. 16.7.17, p41, „Diese verteufelte Linke“.

Seidl ist dagegen, dass jetzt von Linksextremismus geredet wird, von einfachen Schuldzuweisungen. Er weiß, dass unklar ist, was in diesen Hamburger Horrornächten, „wirklich geschehen ist“. Er erklärt es in seinem Aufsatz.

Wie so viele Intellektuelle ist Seidl fasziniert von kategorischen Verweigerern, die einen Ausweg aus dem alles zerstörenden Kapitalismus, die eine „Tür nach draußen“ suchen. Man kennt das aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Liste der Intellektuellen, die angetan waren (oder es noch sind) von Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Fidel Castro ist lang.

Seidl blättert in einem Manifest linksradikaler Franzosen: „Vom kommenden Aufstand“. (Klingt nach dem vergessenen Franz Fanon.) Sie beklagen die Entfremdung, die Kolonisierung, die Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen, die Enteignung der Sprache durch die Schule, der Stadt durch die Polizei.

Darf es noch ein Glas Pétrus sein? Er sieht gleichwohl, dass die Gegner des Systems noch weit entfernt sind von einer Gesellschaft der Freien und Gleichen. Aber, und das scheint die noch zu klärende Frage der Hamburger Gewaltnächte zu sein: Die Menschen da unten schauen mit Neugier und mit Sympathie auf jene Menschen in der Roten Flora, die sich den herrschenden Verhältnissen verweigern. Die Verweigerung wäre manchmal kindisch und hilflos. aber es ginge doch um eine offene Tür (nein, nicht die zum geplünderten Rewe-Laden) zur Welt der Autonomen.

Nicht dass Claudius Seidl noch mehr brennende Autos, verletzte Polizisten und geplünderte Läden will. Nein, er vermisst eine einige Linke, die Imagination, Mut und Optimismus zeigt, um ihr Nichteinverstandensein in Politik zu übersetzen.

Damit ist er beim Bundestagswahlkampf. Führten früher bei der CDU alle Wege des Marxismus nach Moskau, führten sie jetzt zum Schanzenviertel. Die „geschichtsvergessene“ SPD leugne den Zusammenhang von links und Gewalt. Er wirft ihr vor, im Laufe ihrer Geschichte immer das Land gegen linksextreme Aufstände und Rebellionen verteidigt zu haben.

Dabei gäbe es doch eben dieses bis in die bürgerliche Mitte hineinragende Unbehagen an Erdogan, Temer und Trump, an Hunger in der Welt und Armut in Afrika. Was bei ihm noch fehlt, aber von der Interventionistischen Linken, die die den Kampf gegen G20 in Hamburg mit vorbereitet hat, ergänzt wird: die Toten im Mittelmeer, die Klimageflüchteten, die Atommülltransporte und die nach Afghanistan Abgeschobenen. Selbst Polizisten verstünden die Wut der Linksextremisten.

Werden demnächst autonome, alternative, interventionistische Linke die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lesen? Oder liest Seidl die Pressemitteilungen der Interventionistischen Linken?

In Potsdam hat seine Solidaritätserklärung schon erfolgreich gewirkt. Zusammen mit Patrick Bahners hatte er eine Eloge auf einen DDR-Bau geschrieben, der nach zwanzig Jahren der öffentlichen Beratung, Diskussion und parlamentarischen Beschlussfassung abgerissen werden soll. Dort ist ein dem ursprünglichen Stadtquartier nachempfundenes Ensemble geplant, das die SED platt gemacht hatte.

Die Potsdamer Linken (von der Linkspartei bis zu Antifa und Autonomen; nicht: die Grünen!) rennen unaufhörlich dagegen an. Gerade hatten ein paar Dutzend Aktivist/-innen das Gebäude besetzt. Für mich überraschend wurde es noch am selben Tag, nach achtstündigen Verhandlungen, geräumt. Unverdrossen kündigen die „Nichteinverstandenen“, wie Seidl sagen würde, weitere Besetzungen an.

Dem Potsdamer Publikum billigt er aber keine klammheimliche Sympathie für die Besetzer/-innen zu. Im Gegenteil, die liebten Cola (statt Pétrus) und Plastikfassaden.

Nun, was Umerziehung angeht, können Linke auf ein Jahrhundert realisierter Imagination zurückgreifen.

 

Rechenzentrum gegen Garnisonkirche

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Die Aktivisten gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche wollen vollenden, was die SED 1968 beabsichtigt hatte: Mit dem Bau eines Rechenzentrums den Wiederaufbau der Garnisonkirche verhindern.

Es war ein Coup, das zum Abriss vorgesehene Rechenzentrum als Haus für „Kreativarbeiter“ (PNN) zu nutzen. Zuerst interimsweise bis zum Abriss. Inzwischen lautet das Ziel: dauerhafte Nutzung.

Die Kreativarbeiter*Innen beginnen schon mit Stufe zwei der Verhinderungskampagne: Der Lärm einer zukünftigen Turm-Baustelle würde ihr kreatives Schaffen beeinträchtigen. Sollte der Turm gebaut werden, müssten gar Fenster im Rechenzentrum zugemauert werden. Sicher ein Fall für den europäischen Menschenrechtsgerichtshof. Der Verkehrslärm der B2 stört sie nicht.

Begleitet wird die Inszenierung in den Medien: Der Garnisonkirchengegner Matthias Grünzig hat in einem Buch alle militaristischen und absolutistischen Scheußlichkeiten zusammengetragen, die der Kirche angelastet werden. Über tausend Fußnoten hätte das Werk, wie die PNN anerkennend notieren. Die brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung stellt in diesen Tagen das Buch vor. Die Zentrale hatte dem Autor vor einiger Zeit schon einmal Gelegenheit gegeben, seine Fakten darzustellen. Etwa einen Beweis, dass die evangelische Kirche in der DDR gegen den Wiederaufbau gewesen wäre. Dem wurde damals widersprochen. Jetzt darf er seine Thesen wieder vortragen. Die Vorstellung eines ausgewogeneren Buches über die Garnisonkirche findet nicht statt.

Die Zeit hat Platz für einen Artikel gegen das „gotteslästerliche Bauwerk“.

Der Wortführer der Wiederaufbaugegner organisiert Stadtführungen zu dem angeblich bedeutenden Denkmal der Ostmoderne, dem Rechenzentrum.

Während ich das schreibe, haben die Aktivisten wahrscheinlich schon eine dritte Bürgerinitiative gegründet, das nächste Volksbegehren gestartet oder einen neuen Antrag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. (Nachtrag🙂 Inzwischen spricht sich ein Linkspartei-MdL, die ehemalige Sozialministerin Tack, für den Erhalt des Plattenbaus aus. Sie hat die 25 Jahre der Planung für das Gelände, an dem ihre Partei mitgearbeitet hat, wohl verschlafen.

Auf die Stadt kommen jetzt die Mehrkosten zu: Das Rechenzentrum behindert den Turmbau. Der Bau kostet deshalb mehr und die Evangelische Kirche weigert sich, diese Kosten zu übernehmen. Vereinbarungsgemäß hätte das Rechenzentrum schon längst abgerissen werden sollen. Die Sicherung der Nutzbarkeit durch die Kreativschaffenden wird weitere Millionen kosten.

Mich erinnert das Rechenzentrum daran, dass die Kommunisten große Hoffnungen auf die Kybernetik gesetzt hatten. Sie glaubten, dass ihre monströse Zentralverwaltungswirtschaft, an der sie ständig herumlaborierten (z. B. NÖSPL), durch Computersteuerung endlich funktionieren könnte. Das bewahrheitete sich nicht. Die DDR produzierte aber den größten und teuersten Mikrochip der Welt, wie Spötter feststellten. Eines der Rechenzentren errechnete in den späten Achtzigern einmal eine 120%ige Wahlbeteiligung. Insofern ist es doch schade, dass das Rechenzentrum nicht Museum der DDR-Wirtschaft wurde.

Siehe im Blog: Die Legende von der Nazikirche

Es gab 1968 mehrere mutige Proteste gegen den Abriss der im Krieg beschädigten Kirche.

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Frankfurter „Edelfedern“ rezensieren Potsdamer Städtebau

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Fachhochschule Potsdam

„Make Potsdam great again“ heißt ein Text in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Niklas Maak und Claudius Seidl (FAS v. 2.4.17, p 41).

Die beiden „Edelfedern“, von Haus aus Feuilletonchef der FAS der eine, Kunst- und Architekturhistoriker der andere, wissen, was gut ist für Potsdam. Und was schlecht ist.

Schlecht wäre der abwaschbare Plastikbau des Berberini-Museums, gut das monströse Gebäude der Fachhochschule (FH), der Nachbau eines Gebäudes des berühmten Architekten Mies van der Rohe.

Die Wiederherstellung des preußischen Potsdams wäre das Werk reicher Westdeutscher, auch der Oberbürgermeister sei von dort zugewandert. Der Unternehmung fehle die demokratische Legitimation, behaupten sie, entgegen den Tatsachen.

Vielleicht sollte die Redaktion zukünftig einen Faktencheck einführen, bevor die Zeitung in Druck geht.

Der OB und die reichen Wessis hätten „biederes westdeutsches Wendehammer-Dasein“ nach Potsdam gebracht.

Dann belehren die beiden kunstsinnigen Intellektuellen das dumme Potsdamer Publikum: Wer immer nur Cola und Apfelsaft trinke, der würde einen Pétrus-Rotwein oder einen guten Whisky ungenießbar finden. So ginge es auch im Potsdamer Städtebau zu. Wer bei schöner Architektur nur an Neuschwanstein denke, könne mit einem Meisterwerk der Moderne, mit lisenenhaften Längselementen rhythmisierten Fassaden und Op-Art-haften Sichtblenden nichts anfangen.

Das Plätzchen zwischen Fachhochschule und einem Plattenbauwohnhochhaus erinnert die Rotweinexperten an Lucio Costa, den Schüler von Oscar Niemeyer. Costa entwarf den Grundriss von Brasilia. Ich hätte diese mit Büschen, Bänken und Spalieren möblierte Schneise, die, zugegeben, etwas vernachlässigt wirkt, als Eingang zu einer Schrebergartenkolonie in Frankfurt-Zeilsheim vermutet. Auf Brasilia wäre ich beim Durchqueren nicht gekommen.

Mir sei nach jenem hämischen Artikel auch ein wenig Häme erlaubt: Den verstorbenen FAZ-Feuilletonchef Frank Schirrmacher zog es nach Potsdam. Er wohnte in Sacrow. Die FH kann man von dort nicht sehen.

Das Gebäude Mies van der Rohes in Des Moines/USA, dem die Fachhochschule nachempfunden sein soll, habe ich auf einem Foto im Internet gefunden. Es ist ein quadratischer schwarzer Bau mit großen Fenstern, nur das Erdgeschoss, das von den beiden oberen Stockwerken überwölbt wird, ist mit hellem Sandstein verkleidet. Es erinnert entfernt an van der Rohes Neue Nationalgalerie. Auf diese Idee kommt man bei der FH nicht.

In Des Moines, in dem typischen quadratischen Straßennetz der US-Städte und den unterschiedlich hohen Hochhäusern drum herum, wirkt das Gebäude fast filigran. Der angebliche Nachbau in Potsdam ist dagegen ein massiger Fremdkörper. Aber ich bin halt kein Kenner von Pétrus-Weinen.

Wenn der Potsdamer Architekt es wenigstens 1:1 nachgebaut hätte. Der Nachbau entspricht mindestens drei Quadraten des Originals, an einem Ende war noch die Stadtbibliothek angebaut. Im Vergleich zu Des Moines ein monströses Gebäude, errichtet nicht zuletzt, um die preußische Nikolaikirche zu verdecken. (Gibt es bei Architekten nicht einen sehr rigiden Urheberrechtsschutz?)

Und: Was ist eigenständig an der DDR-Architekturmoderne, wenn sie westliches Bauen kopiert?

Von den Potsdamer Lokalblättern ist die MAZ begeistert von der furiosen Kritik, die PNN berichtet und hat auch Raum für die Korrektur, dass das Stadtparlament seit über 20 Jahren mit der Wiedergewinnung der alten Mitte beschäftigt ist und damit an Ansätze aus der Bürgerschaft der DDR anknüpft, also keineswegs, wie Seidl/Maak suggerieren, die Potsdamer von einem westdeutschen Oberbürgermeister kolonisiert werden.

Was anstelle des Fachhochschulbaus entstehen soll:

Bebauung Alter Markt Potsdam
Visualisierung Bebauung Alter Markt Areal Fachhochschule (c) Sanierungsträger Potsdam GmbH: „Biederes westdeutsches Wendehammerdasein“

Zum Städtebau in Potsdam siehe auch hier im Blog!

Unweit des Verlagsgebäudes der FAZ im Frankfurter Gallusviertel sieht es übrigens so aus.

Werbeboykott zeigt Wirkung

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Gerald Hensel, der studierte Politologe und „Digital-Stratege“ der Werbeagentur Scholz und Friends hatte der werbenden Kundschaft empfohlen, einem Anzeigenboykott rechter Medien („Kein Geld für rechts!“) zu folgen. Der Schuss ging nach hinten los. Hensel, der glaubt, dass ihn eine Hälfte der Deutschen als Gott, die andere als Teufel sieht, ist wohl eher ein durchgeknallter Werber, der sich und seine Zunft für den Nabel der Welt hält.

Rewe und Innogy haben sogleich ihre Werbung bei Achse des Guten zurückgezogen. Henryk Broders Blog ist kein rechtsextremistisches Produkte, nicht einmal national oder rechtskonservativ. Aber oft regierungskritisch. Für Linke ist jeder rechts, der nicht ihrer Meinung ist.

Versuche, Blogs als rechtspopulistisch zu denunzieren gibt es ständig. So auch von den Eiferern in Frau Kahanes Amadeu-Antonio-Stiftung. Die haben liberale, radikaldemokratische, konservative Blogs in eine Hass-Liste rechter digitaler Medien aufgenommen. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein charmanter Plauderer, der Dr. Gysi

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Ein sonntäglicher Höhepunkt ist das Frühstück mit begleitender Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Manchmal zieht sich die Lektüre über mehrere Tage hin. Dabei sortiere ich viele Produkte schon gleich aus: Sport, Reise, Immobilien, Beruf und Chance.

Heute hat eine ganzseitige Eloge über Dr. Gregor Gysi den Genuss etwas getrübt. Die Journalistin Lydia Rosenfelder hat Dr. Gysi als charmanten, witzigen, schlagfertigen, altersweisen Gastgeber in einer seiner sonntäglichen Talkshows in einem Theater in Berlin-Mitte erlebt. Zugegeben, fast die Hälfte der Seite ist gefüllt mit sieben Porträtfotos vom nachdenklichen, lachenden, den Zeigefinger hebenden, den Brillenbügel zum Mund führenden Helden; fast wie in Zeiten des Neuen Deutschlands: Honecker auf jeder Seite.

Für mich bleibt Gysi ein SED-Kader. Er durfte jederzeit ausreisen, während Mitbürger wegen dieses Vorhabens eingesperrt oder erschossen wurden. In seiner Dissertation hat er eine Verschärfung des politischen Strafrechts der DDR vorgeschlagen. Die BStU belegt, dass er als IM seine Mandanten bespitzelt hat. Er bestreitet das und erklärt, er habe nicht MfS-Führungsoffizieren berichtet, sondern direkt an das Zentralkomitee. (Damit ist er im juristischen Sinn kein IM.) Er hat zusammen mit seinem Parteifreund Dr. Bartsch, heute ebenfalls MdB, Milliarden Mark an Parteivermögen für die Nachfolgeparteien der SED beiseite geschafft. Er hat geweint, als die DDR zu existieren aufhörte.

Frau Rosenfelder erwähnt, dass Gysi auch darüber plauderte, dass er in der DDR einmal einen Farbfernseher gekauft habe. Wenn sie sich wenigstens gefragt hätte, ob er den Preis für SED-Bonzen gezahlt hat oder den vierfachen, den die Arbeiter und Bauern hinlegen mussten.

Wenn man, wie ich hier Potsdam, Menschen trifft, die in Gysis Vaterland bespitzelt, verfolgt, zersetzt wurden, wünscht man sich, dass Bonzen wie er so viel Anstand gehabt hätten, sich nach der Revolution zurückzuziehen. Aber dafür ist er zu eitel. Und für die Medien ist er allemal interessanter als die, die seine alte Partei unterdrückt hat.

Ich hatte eingangs von einer Trübung meiner Stimmung geschrieben. Um ehrlich zu sein, ich fand den Artikel widerlich.