Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung

Der Wahrheit eine Gasse: die Polizei war schuld!

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Allmählich kommt die „Wahrheit“ ans Licht.

Was NDR-Panorama schon von Beginn an wusste, resümiert die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS): Die Polizei hat´s vermasselt in Hamburg.

Das ZDF verhilft mit manipulierten Filmchen, in denen die entscheidenden Sekunden mit angreifenden Demonstranten herausgeschnitten sind, der „Wahrheit ans Licht“: Es wurden nur knüppelnde Polizisten gezeigt.

ARD-Aktivist/-innen werfen der Polizei vor, rechtswidrig gegen Demonstranten in Protest-Camps, die gerichtlich erlaubt worden waren, vorgegangen zu sein. Panorama-Chef Volker Steinhoff vermutet eine Verschwörung der Polizei, einen Plan, nach dem Hamburg in Schutt und Asche versinken soll. Die Demonstranten hätten an den Rechtsstaat erinnern müssen.

In der FAS v. 23.7.17, p 8, liefert Polizeiexperte Peter Carstens seinen Untersuchungsbericht ab. Die Polizei hätte Fehler über Fehler gemacht.

Der Erkenntnisfortschritt der klugen Köpfe aus Frankfurt ist beeindruckend. Letzten Sonntag hatte Feuiletonchef Claudius Seidl über die zu Unrecht verteufelte Linke gejammert und gemeint, es herrsche Unklarheit über das, was in Hamburg wirklich geschehen sei. eine woche später besteht zumindest für die FAS-Mitarbeiter Klarheit.

Linksextremisten beklagten ja von Anfang an, dass die böse Polizei einfach auf die vermummten Aktivist/-innen des Schwarzen Blocks losgegangen wäre, die inmitten friedlich demonstrierender, bunter und diverser Menschen ebenfalls friedlich demonstrierten. Journalist Carstens nun beklagt, dass die Polizei nicht sogleich in das Schanzenviertel eingedrungen sei. Der Einsatzleiter hätte 14 der besten deutschen Polizeieinheiten befehligt. Der Leser wird über alle Details ihrer Rüstung, Beinschienen, Armprotektoren usw., informiert. Stattdessen wurde abgewartet, bis eine – erst nach 90 Minuten eintreffende – hochgerüstete Antiterroreinheit eingetroffen war. Sie schießen Türen auf, markieren mit ihren roten Laserpunkten Menschen, die sich auf den Dächern aufhalten. Darunter vier russische „Medienaktivisten“ („angeblich harmlos“, hat der Journalist gehört). „Dies war der riskanteste Augenblick“ der Krawalltage, findet er. Es war eine „massive Gegendrohung“. „Nach Angaben der Einsatzleitung“ wären die Beamten von den Dächern beworfen worden.

Polizeifachmann Carstens wäre also ohne Antiterroreinheit losgestürmt. Man stelle sich seine Schlagzeile vor, wenn zu Beginn der Demonstrationen Antiterror-Eliteeinheiten in den Seitenstraßen aufmarschiert gewesen wären. Den Rest des Beitrags lesen »

Der kommende Aufstand

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Man kann sich gut vorstellen, wie der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, einen Kelch teuren Pétrus-Weines schwenkend, in der Bar des Empire Riverside Hotels im 20. Stock sitzend, gleich unter sich die brennenden Autos betrachtend, in Augenhöhe mit dem Piloten des Polizeihubschraubers, sich Notizen machend für den Artikel über verkannte, verteufelte Linke in seinem Blatt: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, v. 16.7.17, p41, „Diese verteufelte Linke“.

Seidl ist dagegen, dass jetzt von Linksextremismus geredet wird, von einfachen Schuldzuweisungen. Er weiß, dass unklar ist, was in diesen Hamburger Horrornächten, „wirklich geschehen ist“. Er erklärt es in seinem Aufsatz.

Wie so viele Intellektuelle ist Seidl fasziniert von kategorischen Verweigerern, die einen Ausweg aus dem alles zerstörenden Kapitalismus, die eine „Tür nach draußen“ suchen. Man kennt das aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Liste der Intellektuellen, die angetan waren (oder es noch sind) von Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Fidel Castro ist lang.

Seidl blättert in einem Manifest linksradikaler Franzosen: „Vom kommenden Aufstand“. (Klingt nach dem vergessenen Franz Fanon.) Sie beklagen die Entfremdung, die Kolonisierung, die Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen, die Enteignung der Sprache durch die Schule, der Stadt durch die Polizei.

Darf es noch ein Glas Pétrus sein? Er sieht gleichwohl, dass die Gegner des Systems noch weit entfernt sind von einer Gesellschaft der Freien und Gleichen. Aber, und das scheint die noch zu klärende Frage der Hamburger Gewaltnächte zu sein: Die Menschen da unten schauen mit Neugier und mit Sympathie auf jene Menschen in der Roten Flora, die sich den herrschenden Verhältnissen verweigern. Die Verweigerung wäre manchmal kindisch und hilflos. aber es ginge doch um eine offene Tür (nein, nicht die zum geplünderten Rewe-Laden) zur Welt der Autonomen.

Nicht dass Claudius Seidl noch mehr brennende Autos, verletzte Polizisten und geplünderte Läden will. Nein, er vermisst eine einige Linke, die Imagination, Mut und Optimismus zeigt, um ihr Nichteinverstandensein in Politik zu übersetzen.

Damit ist er beim Bundestagswahlkampf. Führten früher bei der CDU alle Wege des Marxismus nach Moskau, führten sie jetzt zum Schanzenviertel. Die „geschichtsvergessene“ SPD leugne den Zusammenhang von links und Gewalt. Er wirft ihr vor, im Laufe ihrer Geschichte immer das Land gegen linksextreme Aufstände und Rebellionen verteidigt zu haben.

Dabei gäbe es doch eben dieses bis in die bürgerliche Mitte hineinragende Unbehagen an Erdogan, Temer und Trump, an Hunger in der Welt und Armut in Afrika. Was bei ihm noch fehlt, aber von der Interventionistischen Linken, die die den Kampf gegen G20 in Hamburg mit vorbereitet hat, ergänzt wird: die Toten im Mittelmeer, die Klimageflüchteten, die Atommülltransporte und die nach Afghanistan Abgeschobenen. Selbst Polizisten verstünden die Wut der Linksextremisten.

Werden demnächst autonome, alternative, interventionistische Linke die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lesen? Oder liest Seidl die Pressemitteilungen der Interventionistischen Linken?

In Potsdam hat seine Solidaritätserklärung schon erfolgreich gewirkt. Zusammen mit Patrick Bahners hatte er eine Eloge auf einen DDR-Bau geschrieben, der nach zwanzig Jahren der öffentlichen Beratung, Diskussion und parlamentarischen Beschlussfassung abgerissen werden soll. Dort ist ein dem ursprünglichen Stadtquartier nachempfundenes Ensemble geplant, das die SED platt gemacht hatte.

Die Potsdamer Linken (von der Linkspartei bis zu Antifa und Autonomen; nicht: die Grünen!) rennen unaufhörlich dagegen an. Gerade hatten ein paar Dutzend Aktivist/-innen das Gebäude besetzt. Für mich überraschend wurde es noch am selben Tag, nach achtstündigen Verhandlungen, geräumt. Unverdrossen kündigen die „Nichteinverstandenen“, wie Seidl sagen würde, weitere Besetzungen an.

Dem Potsdamer Publikum billigt er aber keine klammheimliche Sympathie für die Besetzer/-innen zu. Im Gegenteil, die liebten Cola (statt Pétrus) und Plastikfassaden.

Nun, was Umerziehung angeht, können Linke auf ein Jahrhundert realisierter Imagination zurückgreifen.

 

Frankfurter „Edelfedern“ rezensieren Potsdamer Städtebau

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Fachhochschule Potsdam

„Make Potsdam great again“ heißt ein Text in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung von Niklas Maak und Claudius Seidl (FAS v. 2.4.17, p 41).

Die beiden „Edelfedern“, von Haus aus Feuilletonchef der FAS der eine, Kunst- und Architekturhistoriker der andere, wissen, was gut ist für Potsdam. Und was schlecht ist.

Schlecht wäre der abwaschbare Plastikbau des Berberini-Museums, gut das monströse Gebäude der Fachhochschule (FH), der Nachbau eines Gebäudes des berühmten Architekten Mies van der Rohe.

Die Wiederherstellung des preußischen Potsdams wäre das Werk reicher Westdeutscher, auch der Oberbürgermeister sei von dort zugewandert. Der Unternehmung fehle die demokratische Legitimation, behaupten sie.

Vielleicht sollte die Redaktion zukünftig einen Faktencheck einführen, bevor die Zeitung in Druck geht.

Der OB und die reichen Wessis hätten „biederes westdeutsches Wendehammer-Dasein“ nach Potsdam gebracht.

Dann belehren die beiden kunstsinnigen Intellektuellen das dumme Potsdamer Publikum: Wer immer nur Cola und Apfelsaft trinke, der würde einen Pétrus-Rotwein oder einen guten Whisky ungenießbar finden. So ginge es auch im Potsdamer Städtebau zu. Wer bei schöner Architektur nur an Neuschwanstein denke, könne mit einem Meisterwerk der Moderne, mit lisenenhaften Längselementen rhythmisierten Fassaden und Op-Art-haften Sichtblenden nichts anfangen.

Das Plätzchen zwischen Fachhochschule und einem Plattenbauwohnhochhaus erinnert die Rotweinexperten an Lucio Costa, den Schüler von Oscar Niemeyer. Costa entwarf den Grundriss von Brasilia. Ich hätte diese mit Büschen, Bänken und Spalieren möblierte Schneise, die, zugegeben, etwas vernachlässigt wirkt, als Eingang zu einer Schrebergartenkolonie in Frankfurt-Zeilsheim vermutet. Auf Brasilia wäre ich beim Durchqueren nicht gekommen.

Mir sei nach jenem hämischen Artikel auch ein wenig Häme erlaubt: Den verstorbenen Feuilletonchef Frank Schirrmacher zog es nach Potsdam. Er wohnte in Sacrow. Die FH kann man von dort nicht sehen.

Das Gebäude Mies van der Rohes in Des Moines/USA, dem die Fachhochschule nachempfunden sein soll, habe ich auf einem Foto im Internet gefunden. Es ist ein quadratischer schwarzer Bau mit großen Fenstern, nur das Erdgeschoss, das von den beiden oberen Stockwerken überwölbt wird, ist mit hellem Sandstein verkleidet. Es erinnert entfernt an die Neue Nationalgalerie. Auf diese Idee kommt man bei der FH nicht.

In Des Moines, in dem typischen quadratischen Straßennetz der US-Städte und den unterschiedlich hohen Hochhäusern drum herum, wirkt das Gebäude fast filigran. Der angebliche Nachbau in Potsdam ist dagegen ein massiger Fremdkörper. Aber ich bin halt kein Kenner von Pétrus-Weinen.

Wenn der Potsdamer Architekt es wenigstens 1:1 nachgebaut hätte. Der Nachbau entspricht mindestens drei Quadraten des Originals, an einem Ende war noch die Stadtbibliothek angebaut. Im Vergleich zu Des Moines ein monströses Gebäude, errichtet nicht zuletzt, um die preußische Nikolaikirche zu verdecken. (Gibt es bei Architekten nicht einen sehr rigiden Urheberrechtsschutz?)

Von den Potsdamer Lokalblättern ist die MAZ begeistert von der furiosen Kritik, die PNN berichtet und hat auch Raum für die Korrektur, dass das Stadtparlament seit über 20 Jahren mit der Wiedergewinnung der alten Mitte beschäftigt ist und damit an Ansätze aus der Bürgerschaft der DDR anknüpft, also keineswegs, wie Seidl/Maak suggerieren, die Potsdamer von einem westdeutschen Oberbürgermeister kolonisiert werden.

Was anstelle des Fachhochschulbaus entstehen soll:

Bebauung Alter Markt Potsdam
Visualisierung Bebauung Alter Markt Areal Fachhochschule (c) Sanierungsträger Potsdam GmbH: „Biederes westdeutsches Wendehammerdasein“

Zum Städtebau in Potsdam siehe auch hier im Blog!

Werbeboykott zeigt Wirkung

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Gerald Hensel, der studierte Politologe und „Digital-Stratege“ der Werbeagentur Scholz und Friends hatte der werbenden Kundschaft empfohlen, einem Anzeigenboykott rechter Medien („Kein Geld für rechts!“) zu folgen. Der Schuss ging nach hinten los. Hensel, der glaubt, dass ihn eine Hälfte der Deutschen als Gott, die andere als Teufel sieht, ist wohl eher ein durchgeknallter Werber, der sich und seine Zunft für den Nabel der Welt hält.

Rewe und Innogy haben sogleich ihre Werbung bei Achse des Guten zurückgezogen. Henryk Broders Blog ist kein rechtsextremistisches Produkte, nicht einmal national oder rechtskonservativ. Aber oft regierungskritisch. Für Linke ist jeder rechts, der nicht ihrer Meinung ist.

Versuche, Blogs als rechtspopulistisch zu denunzieren gibt es ständig. So auch von den Eiferern in Frau Kahanes Amadeu-Antonio-Stiftung. Die haben liberale, radikaldemokratische, konservative Blogs in eine Hass-Liste rechter digitaler Medien aufgenommen. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein charmanter Plauderer, der Dr. Gysi

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Ein sonntäglicher Höhepunkt ist das Frühstück mit begleitender Lektüre der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Manchmal zieht sich die Lektüre über mehrere Tage hin. Dabei sortiere ich viele Produkte schon gleich aus: Sport, Reise, Immobilien, Beruf und Chance.

Heute hat eine ganzseitige Eloge über Dr. Gregor Gysi den Genuss etwas getrübt. Die Journalistin Lydia Rosenfelder hat Dr. Gysi als charmanten, witzigen, schlagfertigen, altersweisen Gastgeber in einer seiner sonntäglichen Talkshows in einem Theater in Berlin-Mitte erlebt. Zugegeben, fast die Hälfte der Seite ist gefüllt mit sieben Porträtfotos vom nachdenklichen, lachenden, den Zeigefinger hebenden, den Brillenbügel zum Mund führenden Helden; fast wie in Zeiten des Neuen Deutschlands: Honecker auf jeder Seite.

Für mich bleibt Gysi ein SED-Kader. Er durfte jederzeit ausreisen, während Mitbürger wegen dieses Vorhabens eingesperrt oder erschossen wurden. In seiner Dissertation hat er eine Verschärfung des politischen Strafrechts der DDR vorgeschlagen. Die BStU belegt, dass er als IM seine Mandanten bespitzelt hat. Er bestreitet das und erklärt, er habe nicht MfS-Führungsoffizieren berichtet, sondern direkt an das Zentralkomitee. (Damit ist er im juristischen Sinn kein IM.) Er hat zusammen mit seinem Parteifreund Dr. Bartsch, heute ebenfalls MdB, Milliarden Mark an Parteivermögen für die Nachfolgeparteien der SED beiseite geschafft. Er hat geweint, als die DDR zu existieren aufhörte.

Frau Rosenfelder erwähnt, dass Gysi auch darüber plauderte, dass er in der DDR einmal einen Farbfernseher gekauft habe. Wenn sie sich wenigstens gefragt hätte, ob er den Preis für SED-Bonzen gezahlt hat oder den vierfachen, den die Arbeiter und Bauern hinlegen mussten.

Wenn man, wie ich hier Potsdam, Menschen trifft, die in Gysis Vaterland bespitzelt, verfolgt, zersetzt wurden, wünscht man sich, dass Bonzen wie er so viel Anstand gehabt hätten, sich nach der Revolution zurückzuziehen. Aber dafür ist er zu eitel. Und für die Medien ist er allemal interessanter als die, die seine alte Partei unterdrückt hat.

Ich hatte eingangs von einer Trübung meiner Stimmung geschrieben. Um ehrlich zu sein, ich fand den Artikel widerlich.