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Wie ein Absolvent des Roten Klosters heute ehemalige DDR-Dissidenten denunziert

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FAZ-Journalist Frank Pergande schrieb einst an der SED-Journalistenschule Rotes Kloster  in Leipzig eine Diplomarbeit über eine Zeitung des Klassenfeindes, die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Das qualifizierte ihn anscheinend, ausgerechnet bei ihr Arbeit zu suchen. Er schrieb bisher fundierte Texte über Politik und Alltag in Norddeutschland, nebenbei auch Krimis und Reiseführer.

Jetzt ist er Redakteur in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Da empfiehlt er sich mit einem Text über ehemalige DDR-Dissidenten, die er psychisch instabil sieht, weil sie mit AfD oder Pegida sympathisieren.

Pergande war seinerseits in der DDR cleverer. Er hat sich angepasst oder zumindest verstellt. Während er damals der SED in den Hintern kroch, um Journalist werden zu können, denunziert er heute die, die damals aufrecht gingen und sich nicht anpassten, als psychisch gestört, weil sie mit der AfD sympathisieren.

Arnold Vaatz schrieb ihm einen Offenen Brief.

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FAZ-Edelfeder wütet erneut gegen Potsdam

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Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat nachgetreten.

Vor nicht ganz einem Jahr hat er, der Genießer teuren französischen Rotweins die Cola-trinkenden provinziellen Potsdamer (so Seidl in jenem Text) dafür niedergemacht, dass sie aus dem Alten Markt einen missglückten Wendehammer gemacht hätten und den „filigranen und eleganten“ Bau der Fachhochschule, für ihn ein Meisterwerk der Ostmoderne, abreißen würden. Genauer: Die „Obrigkeit und die Zugezogenen“, die „Gesinnungspotsdamer“ hätten das bewirkt. (Zitierte Worte aus dem aktuellen Artikel)

Die UnbelangbarenJetzt hat er nachgetreten. Wie er selbst gesteht, war sein damaliges Werk nicht nur auf Zustimmung gestoßen. Claudius Seidl ist der Prototyp des unbelangbaren Journalisten. Die verstehen sich als Schleusenwärter im Nachrichtenstrom. Sie entscheiden, was sie durchlassen. Sie entscheiden,  was der Leser erfahren darf.

In „Besuchen Sie Potsdam, solange es noch steht“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 1.7.18, p 69, holt er zur Totalvernichtung Potsdams aus.

Da geht es nicht mehr nur um das filigrane und elegante Betonmonstrum der Fachhochschule. Des Journalisten Verdikt trifft auch den Ruinenberg, eine Kulissenarchitektur aus antiken Ruinen, die ein Wasserreservoir für die Fontäne im Park Sanssouci verdecken sollte. Anders als romantische Kulissenarchitektur in anderen Fürstenparks wäre diese zu groß geraten und offenbare die Sehnsucht der preußischen Herrscher nach einer Vergangenheit, die sie niemals hatten. Abgerissen wird der Ruinenberg allerdings nicht. Warum er ihn dann erwähnt, wenn es um die Entsorgung der sozialistischen Architekturgeschichte Potsdams geht, wird nicht ersichtlich. Aber immerhin hat er so Gelegenheit, Friedrich den Zweiten als „sogenannten Großen“ zu apostrophieren. Auch das Palais Berberini ist sogenannt, eine „ärmliche Replik“ des prächtigen gleichnamigen Palazzos in Rom.

Dann stößt er auf das DDR-Rechenzentrum, das teilweise auf dem Grundstück der Garnisonkirche steht und durch einen Coup der linken parlamentarischen und außerparlamentarischen Szene jetzt als von der Stadt zu renovierendem Haus für Kunstschaffende den Wiederaufbau der Kirche erschwert. Auch dies angeblich ein Werk der Ostmoderne. Als Kunst am Bau verherrlicht hier ein Mosaik sowjetische Raumfahrt und Militärtechnik. Zu Recht wird dieses Mosaik als Erinnerung an DDR-Kunst und -Architektur erhalten bleiben. Was der Autor verschweigt.

Flaneur Seidl wandert zum Brauhausberg, wo ein durchaus architektonisch anerkennenswertes DDR-Hallenbad abgerissen wird. Es war in die Jahre gekommen. In der Nachbarschaft entstand ein modernes Bad. Es sollte finanziert werden durch die Bebauung des restlichen Brauhausberges mit Wohnhäusern.

Deswegen soll auch das benachbarte Café Minsk abgerissen werden, ein „kantig-elegantes“ Terrassengebäude. Man kann den DDR-Architekten dankbar sein, dass sie den brutalistischen Beton-Baustil der ehemaligen Partnerstadt nur modifiziert übernommen hatten. Dass man in Westdeutschland ähnlich gebaut hat, kann aber doch nicht als Argument für den Erhalt gelten, wie Seidl zu meinen scheint.

Weiter geht es über Neuen Garten, der von „halbeleganten“ Villen des 19. Jahrhunderts gesäumt wird, zum Bertiniweg. Dort verfällt eine Architekturikone der Zwanziger Jahre. Es ist eine Villa im Bauhausstil, zu der sich der Bankier Louis Hagen einen Vorgängerbau umbauen ließ.

In der Weimarer Zeit besaß sie einen gläsernen Aussichtsturm, Dachterrassen, Veranden und Wintergärten, ein Kino. Fahrzeuge wurden mit einem Fahrstuhl nach unten in eine Tiefgarage gebracht! Im Bootshaus lag ein Elektroboot, darüber befand sich die Turnhalle.

In der DDR wurde der Bau für ein volkseigenes Rechenzentrum genutzt, teilweise um- und angebaut. Ein Architekt hatte den heruntergekommenen, zerfallenden Bau gemeinsam mit Freunden erworben. Der Architekturliebhaber erzählt, dass die Restaurierung an den widersprüchlichen Auflagen von Denkmal- und Brandschutz scheiterte. Seine Freunde sind längst ausgestiegen. Eine Renovierung des vom Schwamm befallenen Hauses würde Millionen kosten. Inzwischen hat er den Abriss beantragt. Was das mit dem fehlenden „geschichtsdidaktischen Verständnis“ des Oberbürgermeisters zu tun hat, erklärt der Feuilletonchef nicht.

Zwischendurch wird Claudius Seidl niederträchtig: Auf die Überwindung der SED-Herrschaft könnten die Potsdamer vielleicht zu Recht stolz sein.

Mir bleibt jetzt nur noch, auch gemein zu sein: Ich freue mich über den Auflagenschwund der FAS.

FH-Potsdam Abriss
Foto: GS; Abriss eines „filigranen“ Gebäudes

Das Narrativ von der Nakba als Urgrund der palästinensischen Nation

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Seit vielen Jahren arbeiten die palästinensischen Propagandaeinrichtungen am Narrativ der jahrtausendealten palästinensischen Nation und ihren kulturellen Schätzen. Unterstützt werden sie von der UN und ihren Unterorganisationen etwa dadurch, dass die jüdische Stadt Hebron als palästinensisches Weltkulturerbe gilt oder für den Tempelberg die arabische Bezeichnung verwendet wird. Auch die Bundesregierung befolgt das. Schriftrollen, die Funde vom Toten Meer, die bedeutsam für Juden- und Christentum sind, werden als palästinensisches Kulturerbe gesehen und ihre Herausgabe wird verlangt. Israel erlaubt nicht, sie in ausländischen Museen zu zeigen, weil damit zu rechnen ist, dass fremde Regierungen sie zugunsten der Palästinenser beschlagnahmen werden.

Eine wesentliche Rolle spielen, in Ermangelung eines weiter in die Vergangenheit reichende „nationalen“ Gedächtnisses, die Erzählungen von der Nakba, der Flucht und Vertreibung in den von Arabern geführten Kriegen gegen Israel.

Nun hat der Sozialwissenschaftler Abbad Yahya in Ramallah die Erinnerungen an die Nakba untersucht. Er stellt fest, dass sie sehr schablonenhaft sind, sich oft bis in den Wortlaut gleichen und alle den Opferstatus betonen.

Bei seinen eigenen Befragungen von Frauen eines arabischen Dorfes stieß er auf Abweichungen von der ideologisch gefestigten Linie. Die Frauen verklärten nicht die Vorkriegszeit, die Zeit vor dem 48er Überfall auf Israel. Das ist sonst üblich in den Nakba-Narrativen.

Die Frauen berichteten von den regelmäßigen Überfällen von Banden und Familienclans aus anderen arabischen Dörfern. Durch die israelischen Soldaten wurden diese Räuber dezimiert. Für die Frauen brachten die Israelis größere Freiheiten, als ihnen vorher gewährt wurde. Die Verklärung von Land und Grundbesitz und deren Verlust durch  Flucht und Vertreibung verdeckt gegenläufige Entwicklungen. Landlose Araber lebten vor 1948 als eine Art Leibeigene.

Abbad Yahya, Oral History and Dual Marginalization: Palestinian Peasant Women and Nakba Narratives, in: Jerusalem Quarterly 70

(nach FAZ[!] v. 23.5.18, p N3)

Die deutsche Nakba: FAZ-Interview mit einem palästinensischen Menschenrechtler

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Twitter-Screenshot: Foto vom „Friedensmarsch“

FAZ-Israelexperte Jochen Stahnke stellt einem Mudar Kassis von der Universität Birzeit/Westbank Fragen zu Hamas, Israel und dem „Friedensmarsch.

Die Fragen und Antworten stehen im Feuilleton der FAZ v. 22.3.18, auf Seite 13, neben Texten zu den Filmfestspielen in Cannes und der Würdigung eines Literaturwissenschaftlers. Sie stehen nicht im Politikteil. Beim ersten Überfliegen von „Dann bleibt den Palästinensern nur noch der Mars“ fragte ich mich, ob Mudar Kassis an der palästinensischen Universität als Wissenschaftler oder als Kantinenpächter arbeitet. Erst auf den zweiten Blick entdeckte ich die Unterzeile der Überschrift. Der Herr ist Direktor des Instituts für Demokratie und Menschenrechte an besagter Alma Mater. Wenn er den Titel seines Instituts ernst nähme, wäre er voll ausgelastet mit der Menschenrechtssituation im palästinensischen Gebiet. Die Hamas wirft bekanntlich Gegner aus den Reihen der Fatah von Hochhäusern. Um die Pressefreiheit ist es nicht nur in Gaza, sondern auch im Gebiet der Palästinensischen Administration schlecht bestellt. Homosexuelle fliehen vor Gefängnis und Hinrichtung nach Israel. Abbas regiert seit zehn Jahren, ohne dass er gewählt wurde. Korruption ist allgegenwärtig.

All das interessiert den palästinensischen Wissenschaftler nicht. Den Rest des Beitrags lesen »

Zweimal Israel

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Heute Morgen darf FAZ-Israelexperte Jochen Stahnke wieder prominent von Israel erzählen. Er zeichnet ein düsteres Bild: Benachteiligung der nicht-europäischen Einwanderer, sie werden in den Negev verfrachtet, keiner von ihnen wäre bisher Ministerpräsident oder Verteidigungsminister geworden. Die Ungleichheit zwischen Reichen und Armen wüchse. Warum fehlt der Hinweis auf das Korruptionsverfahren gegen Nethanjahu?

Heute Morgen bleibe ich etwas länger an PNN/Tagesspiegel hängen. Das passiert selten. Sonst brauche ich keine fünf Minuten. Ich halte die linke Zeitung allein wegen der Lokal- und Regionalberichterstattung. Heute aber bekommt Richard C. Schneider eine halbe Seite für seine Sicht auf 70 Jahre Israel.

Schneider lässt nichts aus von dem, was Stahnke anführt. Er nennt den Rechtsruck in Regierung und Parlament und sogar die wuchernde Korruption, aber eben auch die außen- und wirtschaftspolitischen Erfolge. Wenn Stahnke von „Vertreibung“ der Araber schreibt, steht bei Schneider „Flucht und Vertreibung“. Wenn Schneider von der Verlegung der US-Botschaft nach Jerusalem schreibt, fehlt nicht der Satz, dass Trump bekräftigt hat, dass Israelis und palästinensische Araber über den Status und die Aufteilung Jerusalems selbst verhandeln müssten. Bei Stahnke fehlt er.

Aber auch Schneider sieht Israels Zukunft pessimistisch.

Schneider war Studioleiter der ARD in Tel Aviv. Er hat gerade ein Buch geschrieben: „Alltag im Ausnahmezustand. Mein Blick auf Israel“. Das werde ich jetzt bestellen.

Er war 2006 bis 2015 ARD-Studioleiter in Tel Aviv, danach zwei Jahre für die ARD in Rom. Jetzt ist er freier Journalist.

Es ist nachvollziehbar, dass Auslandskorrespondenten nicht ewig in einem Land bleiben sollen oder bleiben wollen. Gleichwohl hinterlässt sein Weggang aus Tel Aviv eine Lücke. Die ARD aber wird froh sein, dass sie keine Hass-Kommentare mehr bekommt, in denen gefragt wird, warum ausgerechnet ein Jude über Israel berichten darf.

FAZ-Salonkommunist Dath: Der liberale Marx

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Die Feder des FAZ-Redakteurs und Salonkommunisten Dietmar Dath dürfte glühen in diesen Tagen, falls er mit ihr und nicht mit der Computertastatur schreiben würde. Es gelingt ihm in diesen Tagen mehrfach, Marx frisch und unverbraucht, voller erfrischender Ideen, offen nach allen Seiten zu präsentieren. Gestern, am Samstag, dem 5. Mai, durfte er sogar den Leitartikel auf Seite 1 verfassen. Tenor: Marx, der Liberale, der der FDP zu neuem Schwung verhelfen könnte.

Schließlich begann Marx seine Karriere in einer liberalen Zeitung. Er ist für Dath der Gralshüter des Individualismus. Die von ihm propagierten Gruppenidentitäten von Proletariern und Ausbeutern, die Ausmerzung der letzteren, der Kampf der Klassen, die Vergesellschaftung, die gesellschaftliche Arbeit, was immer auch das ist, die Befürwortung von Gewalt beim kommunistischen Umsturz, das alles dient, wenn man Dath Glauben schenkt, letztlich der Entfaltung des Individuums. Der „Vulgärliberalismus“ hätte das nicht erkannt.

Was fehlt? Eigentlich nur eine Schwerpunktausgabe „Marx“ des FAZ-Hochglanzmagazins, das der Zeitung alle paar Monate beiliegt und in dem hochpreisige Uhren und modische Kopftücher für Muslimininnen abfotographiert werden. Editorial von Dr. Dietmar Dath, Aufsätze von Dr. Gregor Gysi, „Warum Marx der bessere Staatsratsvorsitzende gewesen wäre“, Dr. Sara Wagenknecht: „Was Ludwig Erhard von Marx gelernt hat“, Bischof Marx: „Die katholische Kirche sollte mehr auf Marx hören“, Fotostrecke: Die Entwürfe für die Karl-Marx-Briefmarke…

Die alle haben Marx falsch verstanden: Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Castro, Ho Chi Minh, Honecker, Chávez. Nur FAZ-Redakteur Dath hat Marx richtig verstanden. Und natürlich Dr. Gysi.

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N.B.: Dath muss am Wochenende durchgearbeitet haben. Am Montag hat er schon wieder etwas Interessantes an Marx entdeckt. Nämlich dass auch seine Kapitalismusanalysen aktueller denn je wären. Schon Guevara hätte in seiner Zeit als kubanischer Wirtschaftsminister seine Wirtschaftspolitik daran orientiert.

Wie war das noch, Frau Dreyer? Die Erben von Marx haben mit Marx nichts zu tun?

Muss man Marx feiern?

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Fr. Zone Rheinland-Pfalz 1948 21 Karl Marx
Briefmarke der Französischen Zone Rheinland-Pfalz 1948

Zurzeit wird Karl Marx gefeiert. Seine Denkfehler scheinen vergessen. Die gescheiterten Experimente, von der Sowjetunion bis Venezuela, haben nichts mit ihm zu tun, auch die Millionen Tote im GULag, in Maos Revolutionen, in kambodschanischen Killing Fields waren bloß realer Sozialismus und kein Marxismus.

Salonkommunist Diethmar Dath ist in der FAZ wieder einmal fasziniert vom Denker Marx und das ÖR-TV inszeniert eine Schulfunksendung mit Mario Adorf.

Reiner Zitelmann sieht keinen Grund zum Feiern.

Die Sümpfe der Angst

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Nationalistische Führertypen fahren die Ernte ein, in Räumen der Angst breitet sich Nationalismus aus.

FAS-Journalist Konrad Schuller schwingt die Metaphernkeule. (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 29.3.18, p 10, „Linke, Hört die Signale!“) Er plädiert, ähnlich darin Wagenknecht/Lafontaine, für eine Linke, die die Spaltung von 1919 überwindet.

Vom Gencode her könnte die Linke (Er meint sicherlich die vereinigte Linke und nicht die Linkspartei) die Räume der Angst füllen.

Nun ja, ein sprachgewaltiger linker Botho Stauß ist er deswegen noch lange nicht. Ein wenig Geschichtsklitterung darf auch nicht fehlen.

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Gefunden auf Twitter

In den Räumen der Angst richtet man sich darauf ein, eine Armlänge Abstand zu halten, nicht abends alleine zu joggen, mit dem Taxi von der Disco nach Hause zu fahren, am Eingang zum Einkaufszentrum arabischen Jungen den Vortritt zu lassen. Es bedarf nicht der „Botschaft der Internationale“ und einer geeinten antinationalistischen neuen Linken, wie Herr Schuller glaubt.

Es reichte schon, wenn die SPD statt über mehr Familiennachzug und weniger Abschiebung zu reden, eine realistische Einwanderungspolitik befürworten würde.

 

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

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Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar.

Trüby schäumt seit Jahren gegen „Blut-und-Boden-Architektur“. Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Deutsche Eiche! Sonst fackelt die Antifa euer Häuschen ab. Prof. Dr. Stefan Trüby liefert die Adressen.

FAZ: Die „Zivilgesellschaft“ von Gaza

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Foto von der zweiten „friedlichen“ Demonstration der palästinensischen „Zivilgesellschaft“: Quelle: IDF

Die Israelkritik in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ/FAS) ist nicht so deftig wie bei Augstein, wo sie ins Antisemitische übergeht, oder bei Dunja Hayali, die ihr Wissen über Palästina von Todenhöfer und arabischen Propaganda-Landkarten bezieht.

In der FAZ geht es subtiler zu: Rainer Hermann zeigt die historische Ungerechtigkeit der Staatsgründung Israels auf. Sie störe die „bürgerliche Ordnung“ des Nahen Ostens.  Aber schon das Balfour-Versprechen der Engländer wäre ein Vergehen am palästinensischen Volk gewesen. Von dessen jahrhundetealter Existenz scheint der Redakteur auszugehen. Hermann darf seinen historischen „Lückentext“ auf Seite 1 der FAZ verbreiten.

Für das antiisraelische Tagesgeschäft ist Jochen Stahnke zuständig. Er lässt, vor allem auf Twitter, keine Sünde der israelischen Regierung und der Armee aus. Ich werde bestens über die Korruptionsvorwürfe gegen Nethanjahu und über die hohen Mietpreise in Tel Aviv informiert. (Warum residiert Stahnke nicht im billigeren Ramallah?) Über die Millionäre von Gaza, die Einschränkung der Pressefreiheit im arabischen Palästina, die Misswirtschaft und Korruption der Hamas- und Fatah-Elite muss ich mich anderswo informieren.

Heute, am 1. April, liefert Stahnke in der Sonntagszeitung ein kleines Meisterstück ab.  Er kommentiert die Demonstrationen am Grenzzaun zu Israel in Gaza. (Einen Bericht, gar eine Reportage fand ich in der Sonntagszeitung nicht.) In deutschen Zeitungen heißt es über Antifa-Demos gerne: „weitgehend“ friedlich. Das weitgehend lässt Stahnke weg. Den Frieden stören aus seiner Sicht allein die jüdischen Scharfschützen.

Worum es geht, müssen wir uns zusammenreimen. Das soll laut Stahnke zum einen die endgültige US-amerikanische Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt sein. Dann geht es um die Erinnerung an eine Vertreibung von Arabern aus israelischen Gebieten der Westbank. Was bei Stahnke fehlt: die Forderung, sieben Millionen Flüchtlinge auf israelisches Staatsgebiet zu lassen. „Marsch der Rückkehr“ nennen die Aktivisten das. Der Name fehlt im Text.

Stahnke gibt der Sache einen anderen Dreh: Die Menschen in Gaza fühlten sich von der Welt und von der palästinensischen Autonomiebehörde verlassen. Dann zählt er auf: keine Arbeit, wenig Strom, wenig Wasser. Die Jungen bekämen keine Ausreisegenehmigung. Also geht es beim „Marsch der Rückkehr“ um die Verbesserung der Lebensbedingungen ? Um Protest gegen die Misswirtschaft von Hamas und Autonomiebehörde? Die Steine, die Böller, die Pallywood-Inszenierungen? Der Missbrauch von Kleinkindern als Schutzschild?

Für den Leser wird klar: die Israelis sind schuld. Überdies, ergänzt Stahnke: kein Israeli wurde verletzt. Den Rest des Beitrags lesen »