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Auch die FAZ im Lager der Israelkritiker

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hamas.JPGDie Berichte des Nahostkorrespondenten Jochen Stahnke finde ich irritierend. Er schreibt verständnisvoll über die Einschränkungen der Pressefreiheit im Gebiet der arabischen Palästinenser. Auf Twitter lässt er sich kaum eine Missetat der israelischen Besatzer entgehen. Er spricht wie selbstverständlich von palästinensischer Kultur und dem palästinensischen Volk.

Noch nie habe ich von ihm etwas gelesen, was dem Inhalt des Films „Eyeless in Gaza“ entspräche. Dass arabische homosexuelle Palästinenser Schutz in Israel suchen, das finde ich in der FAZ nicht.

Die Berichterstattung ist von vornehmer Zurückhaltung geprägt. Lässt es sich nicht vermeiden, einmal etwas Missliches über Hamas oder Abbas zu vermelden, wird es als Aussage von Dritten kolportiert. Breiten Raum nehmen die Darstellungen und Rechtfertigungen der arabischen Offiziellen ein.

Vielleicht sollte Herr Stahnke seinen Wohnsitz nach Ramallah verlegen, um näher am Geschehen zu sein. Bei aller Reserviertheit gegenüber Israel, als Wohnsitz bevorzugt er dann doch Tel Aviv.

Gerne überlässt man die Nahostberichterstattung der für ihre Unvoreingenommenheit berühmten dpa. Von der übernimmt die FAZ dann die Meldung, dass Israel zur Eskalation beitrüge, weil die Armee einen Hamas oder IS-Tunnel sprengt, der auf israelisches Staatsgebiet führt. Der Hinweis, dass das ausgerechnet kurz vor der Übergabe der Grenzkontrolle in Gaza an die Autonomiebehörde passiert, darf nicht fehlen. Anderswo lese ich, dass der Iran die neue Einigkeit von Hamas und PLO hintertreibe. Für die FAZ ist es allein Israel.

Heute kommentiert FAZ-Redakteur Rainer Herrmann: „Hundert Jahre Unfrieden“.

Für ihn sind Engländer, die die Rechte des palästinensischen Volkes missachten und ihr Land den Juden geben, die Urheber der Ursünde. Aber seither sind die Juden an allem schuld. Israel wolle keine Zweistaatenlösung liest man. Es verweigert dem palästinensischen Volk, dessen jahrhundertealte Geschichte und Kultur auch für Herrmann eine Realität zu sein scheint, das Recht auf einen Staat.

Man kann durchaus vermuten, dass Israel kein gesteigertes Interesse an einem Hamas/IS/PLO-Staat hat, einem erwartbaren weiteren nahöstlichen Failed State. Vor allem deswegen, weil nichts dafür spricht, dass dann weniger Tunnel nach Israel gegraben würden oder weniger Raketen die israelischen Städte bedrohen würden.

Was aber bei dem FAZ-Redakteur verblüfft: An keiner Stelle wird erwähnt, dass die palästinensischen Araberführer zig Gelegenheiten verstreichen ließen, um in der Staatsgründung weiterzukommen oder gar den Staat zu gründen. Es ist allein Israel, das für Unfrieden in der Region sorgt.

Kann es sein, dass die Araberführer gar keinen eigenen Parallelstaat wollen? Dass ihr Ziel die Vernichtung Israels ist und bleibt. Das haben in diesen Tagen sowohl Abbas als auch der Regierungschef der Hamas in Gaza wieder bekräftigt.

Einen besonders miesen Satz formuliert Herrmann: Das Prinzip der zionistischen Landnahme: sich das Land nicht durch Kämpfen anzueignen, sondern durch Siedlungen.

Dass Israel sich in 70 Jahren mehrmals gegen zahlenmässig überlegene arabische Armeen zur Wehr setzen musste und siegte, dafür war im Kommentar auf Seite 1 der FAZ kein Platz mehr.

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Es hat ein bisschen lange gedauert

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Aber jetzt hat auch Michael Hansen in der FAZ erkannt, was vielen Gebührenzahlern schon lange missfällt:

Wenn die Unbelangbaren über die AfD und ihre Wähler berichten, hat das etwas von einer Exkursion von Völkerkundler/-innen zu einem exotischen Stamm. Die idealtypische Sendung, wie sie seit Jahren und auch jetzt nach der Wahl stattfindet, geht so: Zuerst erzählt eine Grünen-Politikerin, was sie von der AfD hält und wie sie mit ihr im Parlament umgehen will, nämlich ausgrenzen. Dann ist die ARD-Hauptstadtkorrespondentin mit einer Einschätzung der Lage dran und zum Schluss kommt der Politologe und Rechtsextremismusforscher, der von den Nazis, den Holocaustleugnern und Rechtsextremisten in der Partei redet.

Vor kurzem klang es bei den klugen Köpfen in Frankfurt/M noch ganz anders.

PNN/Tagesspiegel können sich am selben Tag (5.10.17, p 14, „Rechts in Tracht“) noch nicht von der ethnographischen Betrachtungsweise lösen.

Siehe auch hier im Blog!

Nach der Wahl geht das AfD-Bashing erst richtig los

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Es gibt wohl kein wichtigeres Thema als die AfD, wenn man unseren Medien glauben schenken darf.

Nun zeigt sich, was Auguren vorhergesagt haben: Die Umfragewerte für die AfD waren zu niedrig. Die Partei ist plötzlich zweistellig. Im Osten werden Ergebnisse um die 20% vermutet.

Es war zu erwarten, dass man mit einer Präferenz für die AfD hinterm Berg hält. Es könnten das Auto abgefackelt, der Arbeitgeber informiert, Adresse und Telefonnummer in linksextremen Medien veröffentlicht werden.

(Wie immer bei solchen Beiträgen: Ich wähle die Partei nicht, aber ich bin entsetzt, wie von den linksgrünen Medien alles, was rechts von rot-rot-grün ist, als Dunkeldeutschland diffamiert wird und unser Außenminister nicht mehr nur „Pack“, sondern „echte“ Nazis in den Bundestag einziehen sieht.)

Was wird sein, wenn demnächst 80 „echte Nazis“ in den Bundestag einziehen? Den Rest des Beitrags lesen »

Ach, die Politik!

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Was mich anödet, sind die gestanzten Parolen unserer politischen Elite.

Da höre ich von drei verschiedenen Grünen denselben Satz: „Jedesmal, wenn ich ein Windrad sehe, freue ich mich.“

Vom in Moskau in marxistischer Ökonomie promovierten Dr. Bartsch höre ich kurz hintereinander in drei verschiedenen Veranstaltungen seinen Lieblingssatz vom armen Rentner, der Flaschen sammeln muss.

Mir scheint, alle haben in ihren Wahlkreisen einen Taxifahrer oder einen, der Busse fährt (M. Schulz), eine Alleinerziehende, einen zwergwüchsigen siebenjährigen Sohn, dem die tödlichen Dieselauspuffgase direkt ins Gesicht geblasen werden (Cem Özdemir) oder sie selbst stammen aus einem Arbeiterhaushalt und wissen genau deshalb, was Armut bedeutet.

Man sieht die Spin-Doktoren und Kreativdirektoren der Werbeagenturen vor sich, wie sie ihr Mantra predigen: immer konkret bleiben, immer personalisieren, Human Interest ist besser als präzise Zahlen und Konzepte.

Ansonsten immer wolkig und unangreibar bleiben: „weltoffen und gerecht“, „Zeit für Gerechtigkeit“, „Mehr Geld für Bildung“, „Mehr Geld für Kinder“, „Für Frieden“, „Mehr Respekt für …“

Nur in einem Fall ist alles erlaubt, Hetze, Hass, Fakes, falsche Zahlen, Spott und Häme: Wenn es um die AfD geht. Man muss kein Freund der AfD sein, aber die Schlammschlacht der ZDF-„Moderatorin“ Slomka im Einklang mit nahezu allen parteipolitischen Kontrahenten der AfD und dem johlenden Publikum gegen die AfD-Politikerin Alice Weidel war ein Tiefpunkt des politisch-medialen Kampfes gegen die AfD. Den Rest des Beitrags lesen »

Haya (11) übt das Anlegen des Schleiers

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Henryk Broder sieht fern. (Auch die Kommentare sind lesenswert)

Was sieht er?

Beim WDR-Schulfunk „Planet Wissen“ vermisst er den Faktencheck, für den der Sender inzwischen berühmt ist.

Die FAZ setzt in ihrem Hochglanzmagazin, das dem Blatt gelegentlich beiliegt, die Verschleierungsgrenze nochmals herab. Das Lifestylemagazin lässt sechs junge, gut aussehende Musliminnen die von Islamisten seit ca. 30 Jahren forcierte Verschleierung als feministischen und modischen Gewinn für Frauen preisen. Eine von ihnen, von Beruf Kopftuch-Stylistin, erzählt: „Als meine Tochter neun Jahre alt war, wollte sie auch ein Kopftuch tragen. Ich fand das nicht gut… Aber sie wollte es von Herzen, und ich wollte es ihr nicht verbieten. Es macht sie glücklich, es zu tragen (Frankfurter Allgemeine Magazin, September 2017, p 56f).

Das Blatt findet Gefallen am islamischen Verschleierungsgebot. Im Feuilleton v. 29.9.17: „Schleier machen Frauen“ wird das Buch einer britischen Theologin rezensiert: Elizabeth Bucar, Pious Fashion, How Muslim Women Dress. Fazit: Das religiöse Verschleierungsgebot ist nun einmal in der Welt und die Frauen eignen es sich auf spezifische Weise an. Es wird zum modischen Accessoire. Frömmigkeit und Mode sind kein Widerspruch mehr, es gibt High-Tech-Kopftücher, Designer-Ganzkörperschleier und stylish-modische Outfits. Nachdem 1992 das Kopftuchverbot des Schahs aufgehoben wurde, sind Schleier wieder schick geworden. Der Tschador ist das bevorzugte Kleidungsstück bei festlichen Anlässen, ähnlich einem Kostüm im Westen, sie sind das bevorzugte Kleidungsstück. Zwar wird erwähnt, dass es „vielleicht“ Sanktionen der Sittenpolizei gibt. Viel schlimmer aber wäre die Kritik anderer Frauen, wenn man bei der Verschleierung daneben greift, etwa zu viel Haar zeigt, aber auch zu viel bedeckt, altmodisch oder zu westlich gekleidet wäre. Der von Frauen internalisierte Mäßigungsdruck auf ihr Geschlecht zeige sich vor allem in der Kleidung.

Im Westen ist es für Frauen doch viel schlimmer, schreibt die Rezensentin Felicia Englmann. Da zeige er sich beim Lohnniveau und der Vergabe von Führungspositionen. (Ob sie da den Buchinhalt referiert, kann ich nicht sagen.)

Jetzt bin ich gespannt auf ein Buch über Gender Pay Gap und Gender-Mainstreaming in muslimischen Ländern.

Bemerkenswert ist, dass Frau Bucar nur aus Teheran, Istanbul und Yogiakarta, Indonesien berichtet. Ein arabisches Land ist nicht dabei. Dabei wäre es doch spannend gewesen, von coolen Modetrends moderner Frauen bei Ganzkörperverschleierung in Saudi-Arabien zu erfahren.

 

 

Ahnungslos ausgewogen: Patrick Bahners, FAZ

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Jetzt, wo sogar die selten israelfreundliche Süddeutsche Zeitung den Umgang von Arte und WDR mit dem Antisemitismusfilm für unglücklich hält, wird es Zeit für eine Gegenbewegung. An der Spitze der Bewegung steht Patrick Bahners, Feuilletonchef der FAZ, früher in der Süddeutschen Zeitung tätig. Er sieht die Meinungsfreiheit gefährdet, wenn man nicht ausgewogen über Hamas und Abbas berichtet und Kritik an Israel weglässt.

So setzt er neue Akzente in der Kritik am Antisemitismusfilm: Der Antisemit Abbas (Dissertation lesen, Herr Bahners!) werde mit NSDAP-Streicher verglichen, unausgewogener ginge es kaum mehr.

Da übe ein arabischer Student Kritik an den in Gaza Herrschenden. Aber es gäbe im ganzen Film keine Kritik an den in Israel Herrschenden.

Über Israel werde berichtet, dass in den Krankenhäusern auch arabische Palästinenser behandelt würden.

Wie sähe Ausgewogenheit an diesem Punkt aus? Woher soll Herr Bahners auch wissen, dass die Oberschicht von Gaza, darunter die Familien der Hamas-Führer, sich in israelischen Krankenhäusern besser aufgehoben fühlen und dafür auch gerne Bakschisch für die Erlaubnisscheine der arabischen Verwaltung bezahlen.

Vielleicht meint Herr Bahners, dass neben die Aussage des arabischen Studenten die Erklärung eines Hamas-Sprechers über die bedingungslose Achtung von Menschen- und Bürgerrechten in Gaza hätte gezeigt werden müssen, als Zeichen ausgewogener Berichterstattung.

Ich empfand den Film schon als Beitrag zur ausgewogenen Berichterstattung über Nahost. Wo sonst in ARD/ZDF/Deutschlandfunk erfahren wir etwas über Luxushotels und Funktionärsvillen mit eigener Moschee in Gaza? Wo sehen wir eine kritische Berichterstattung über Homophobie im arabischen Palästina, über die Verfolgung kritischer arabischer Journalist*innen und das Zusammenschlagen von Demonstranten durch Hamas-Miliz. Dass seit zehn Jahren nicht mehr gewählt wird? Petitesse im Vegleich zur israelischen Apartheidspolitik.

Ich würde mir auch einmal eine ausgewogene Berichterstattung wünschen angesichts der ständigen Wiederholung der Rede vom palästinensischen Volk: Seit wann gibt es das? Wem nahmen die Juden 1947 das Land weg? Dem damals existierenden palästinensischen Volk? Wem gehört die Westbank? Wieso spricht ein ö.-r. Nahost-Reporter von Christen, Arabern und „jüdischen Siedlern“ in Jerusalem? Fände ich die Unterstützung von Patrick Bahners, wenn ich Ausgewogenheit forderte, also eine „Gegen“-Darstellung, dass Jerusalem immer in der Geschichte eine jüdische Stadt war, in der auch Araber und Christen leben, aber keine „jüdischen Siedler“, also Besatzer?

Der FAZ-Journalist sieht die Israel-Lobby am Werk. So bedauert er, dass es Proteste und  Verbotsdrohungen gegen Veranstaltungen wie die Frankfurter Tagung zu 50 Jahren israelischer Besatzungspolitik gekommen ist. Er zählt andere Veranstaltungen auf, die die Israel-Lobby verhindert hätte. Was Bahners unterschlägt: Da tummelte sich in Frankfurt sich alles, was in der antizionistischen, antiimperialistischen, antirassistischen, antikapitalistischen und israelhassenden Szene Rang und Namen hat: Brigitte Groth, Linkspartei, die zu Beginn des Films auf dem evangelischen Kirchentag ein Statement dazu abgeben darf, dass die Israelis mit ihrem Abwasser das Mittelmeer vergiften würden. Oder Prof. Dr. Norman Paech, Linkspartei, dessen Homepage vermuten lässt, dass der Professor außer Hass auf Israel nichts anderes mehr kennt. Oder Inge Günther, „Journalistin“ für Frankfurter Rundschau und Berliner Zeitung, man könnte auch sagen Hamas-Propagandistin. Der Veranstalter – KOPI – wirbt auf seiner Webseite für die Hamas-NGO BDS, die weltweit israelische Waren boykottiert, mit einer „Kaufhauspolizei“ Händler einschüchtert, Künstler am Auftritt in Israel hindert und Israel insgesamt delegitimiert.

Bahners ist bekannt dafür, sich vehement für den Islam einzusetzen und Islamkritiker herabzusetzen. Daher ist es kein Wunder, dass er für Juden und Israel keine Empathie empfindet.

Monika Maron und Henrik Broder über Bahners´Buch gegen Islamkritiker/-innen. Bettina Röhl: „Das Buch ist eine Bedrohung der wenigen vernehmlichen Kritiker des Islam in Deutschland. Es ist eine Hetzschrift.

Den Bahners-Text „Die Angst vor dem A-Wort“, 23.6.17, hat die FAZ bisher nicht online gestellt, dafür aber Texte von Michael Hanfeld und Jörg Altwegg, die sich positiv von jenem unterscheiden.

Siehe zur zensierten Antisemitismusdoku im Blog auch hier!

Muslimische Mütter demonstrieren gegen Terror?

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Hier ist das Making of!

CNN sagt, die Frauen wären schon dagewesen. Man hätte sie nur ein wenig kameragerecht aufgestellt.

Nachtrag: FAZ-Mitarbeiter Michael Hanfeld weist alle Unterstellungen der Blogs zurück. (Sie werden immerhin gelesen!) Natürlich hätten die Muslime die Presse gesucht, um auf ihren Protest aufmerksam zu machen. Sie hätten sich dazu einen Weg durch die anderen Demonstranten gebahnt.

Dass sie sich einen Weg bahnen mussten, ist auf dem „rechtspopulistischen“ Videoclip nicht zu erkennen. Die Straße ist völlig leer.

Wenn von einer Million Londoner Muslime (Schätzung Zensusbüro 2011) ein Dutzend Trauer wegen der Morde von Islamisten bekunden, ist das anzuerkennen, man muss es aber nicht gleich groß inszenieren.

Das erinnert mich an eine Lesung von Thilo Sarrazin im Potsdamer Nikolaisaal. Die unvermeidliche Potsdamer Antifa hatte sich vor dem Saal aufgebaut und ein Aktivist hielt ein Pappschild mit der Aufschrift „Hals Maul Sarrazin“ in die Kameras. Das Pappschild war am nächsten Tag das Foto zur Veranstaltung. Der Tenor des Berichts: Potsdam protestiert gegen Sarrazin.

Die ARD leiht ihren Faktenfinder an CNN aus. Herr Wichmann weist nach: Alles ist wahr. Der Blogger, der den Clip über die Vorbereitung des CNN-Beitrags ins Netz gestellt hatte ist ein Rechter. (via Science Files)

Die ARD ist vertrauenswürdiger als CNN? Hier zum Vergleich: Moscheereport ursprüngliche Version und Moscheereport (überarbeitete Version )

(Letzteres via philosophia perennis)

Update: Demonstranten, die Gedenkveranstaltungen für Manchester störten, mussten nicht medial aufbereitet werden.

Der schlimme Ruheständler Egon Flaig

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Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich in den End-60ern und den 70er Jahren keinesfalls mit der FAZ in der Hand über den Campus der Goethe-Uni gelaufen wäre. Das Blatt verkörperte so ziemlich alle Übel der Welt: Verteidigung der US-Intervention gegen den Vietcong, Verteidigung der kapitalistischen Wirtschaftsform, Gegnerschaft zur ständischen Hochschulreform. Die Leitartikel der Herausgeber, einer von ihnen soll Anhänger der NSDAP gewesen sein, ließen keine Gelegenheit aus, der SPD am Zeug zu flicken. einer von ihnen half dem Hitler-Freund Albert Speer, seine Legende vom unpolitischen Architekten zu stricken.

Dass 40 Jahre später im selben Blatt die Kommunistin Dr. Sara Wagenknecht quasi zur Hausautorin würde, der (verstorbene) Feuilletonchef sich als Sozialist bezeichnete, noch nicht einmal im Wirtschaftsteil die kommunistische wirtschaftspolitk in Venezuele als Ursache des niegegangs genannt und das genderkritische Buch eines Naturwissenschaftlers ohne sachliche Begründung polemisch verrissen wird, hätte ich damals nicht einmal zu träumen gewagt.

Heute lese ich die Rezension von Karsten Fischer über das neue Buch von Egon Flaig: „Der Niedergang der politischen Vernunft“. die auffällige Überschrift lautet: „Ein Ruheständler fordert Opferbereitschaft.“ Das kann nicht gutgehen! Ein Ruheständler, also ein alter, weißer Mann, zudem von Beruf Althistoriker. Dann Opferbereitschaft! Das klingt nach Reichsparteitag oder Sportpalast.

Polemisch geht es weiter: Paranoiker, Gebetsmühle der Gegenaufklärung. klischeehafte Dekadenzkritik, abgeschmackt. Ein Sprachstil, den man von links- und rechtsextremen Postillen kennt. Da hilft dem Autor nicht, dass er auch den Neoliberalismus verdammt.

Flaig ist u. a. gegen Foucault, gegen Multikulturalismus und die kritische Theorie. Es gibt Rezensenten, die Flaig begrifflich Klarheit, präzise Sprache und klare Argumentation bescheinigen. Herr Fischer von der FAZ sieht nur Polemik und argumentative Schwächen. Warum welche Argumente ihn nicht überzeugen, erfährt der Leser nicht.

Das ist der Grund, der mir, dem lebenslangen, begeisterten Zeitungsleser die Lektüre inzwischen verleidet. Viele „Unbelangbare“ informieren nicht mehr, begründen nicht mehr, sondern polemisieren, predigen und verkünden ihre Meinung.

Prof. Flaig ist ein konservativer Autor, der gerne unkorrekte Thesen vertritt. Das war schon in „Gegen den Strom“ so. Dem Buch bescheinigte der Deutschlandfunk(!) immerhin Brillanz und eine „lesenswerte Polemik“, auch wenn der Rezensent nicht zustimmen konnte. Sein Buch über die konstitutive Bedeutung der Sklaverei in muslimischen Gesellschaften, im Osmanischen Reich und bei den nordafrikanischen Arabern wird in der Welt als maßlose Übertreibung gesehen. Im Geschichtsbuch meiner Schulzeit war nur von den britischen Sklavenhändlern und den amerikanischen Sklavenhaltern die Rede. Darüber hat sich bis heute m. W. niemand aufgeregt. Es wäre gewiss islamophob, wenn man das Missverhältnis anspräche.

Es mag sein, dass Flaig wirklich verbitterter und polemischer geworden ist. Das kann ich nicht beurteilen. Angesichts solcher Rezensionen kann ich es ihm nicht verdenken.

Dass es auch anders geht, ohne dass der Rezensent zum Fan von Egon Flaig werden muss, kann man im Perlentaucher nachlesen und auch hier hören: Wolfgang Herles interviewt Prof. Egon Flaig zu seinem Buch:

(Link via Jürgen Fritz Blog)

Die FAZ wird damit, dass ihre Leser kluge Köpfe wären. Aber nicht von allen FAZ-Autoren kann man das sagen.

Gabriels Eiertanz

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Als unser neuer Außenminister im Iran war, war nicht davon die Rede, dass er sich mit Menschenrechtsgruppen aus der iranischen Zivilgesellschaft getroffen hätte. Mit den regierenden Mullahs wollte er aber Menschenrechte erörtern und holte sich eine Abfuhr.

Anders in Israel. Da will er nicht mit der Regierung über angebliche Menschenrechtsverletzungen reden. Er besteht darauf, mit zwei linksextremistischen NGOs zu reden. Und tut es auch. Nun ist bekannt, dass Israel, anders als die palästinensische Autonomiebehörde, der Iran oder Saudi-Arabien ein demokratischer Rechtsstaat ist. Es gibt, anders als in Ramallah, eine Opposition, es gibt Pressefreiheit, es gibt eine ausgeprägte Debattenkultur, auch israel-feindliche israelische NGOs kommen im TV zu Wort. Ausgerechnet in Israel besteht Gabriel aber darauf und lehnt es ab, so ist zu hören, mit anderen, nicht antiisraelischen Menschenrechtsgruppen zu reden.

Es wäre üblich, so unser Außenminister, bei Staatsbesuchen mit regierungskritischen Vertretern der Zivilgesellschaft zu reden. Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn, wie es Christian Soeder auf Salonkolumnisten.de ironisch vorschlägt, demnächst US-Außenminister Tillerson bei der „jungen Nichtregierungsorganisation“ Pegida und der Hamburger Antifa vorbeischaut.

Mir ist kein Fall bekannt, bei dem deutsche Politiker im arabischen Palästina bei Gelegenheit eines Staatsbesuchs mit Vertreter*innen von Menschenrechtsgruppen geredet hätten. So weit die nicht gleich von der Hamas erschossen worden sind, residieren sie vorsichtshalber im israelischen Tel Aviv. Gabriel war jetzt auch in Ramallah, der Hauptstadt der palästinensischen Araber. Dass er dort mit Regierungskritikern geredet hätte, davon war nichts zu lesen. Das hätte Abbas auch wohl nicht erlaubt.

Man muss wissen,  wer diese Aktivist*innen sind. Sie werden von europäischen Staaten und der EU bezahlt. Einige kooperieren mit Hamas. BDS-Aktivisten boykottieren nicht nur Waren aus israelischer Produktion auf der Westbank, wie das hierzulande meist berichtet wird, sondern alle israelischen Produkte. Zusammen mit Hamas werben sie für die Auslöschung Israels. Über die umstrittene „Breaking the Silence“-Gruppe (BtS), mit der sich der Bundesaußenminister getroffen hat, siehe hier im Blog! Zusammen mit B’Tselem ist es die extremste und umstrittenste israelische NGO. Die Boykottbewegung BDS ist eine Hamas-Gründung, in der auch Juden mitarbeiten.

Deutsche Sympathisanten von BtS sind u. a. die Linken Paech und Groth, der „Israelexperte“ Grass und Norbert Blüm.

Gabriel macht sich damit in Deutschland bei den Linken und den Parteilinken beliebt. Innenpolitisch ist das ein geschickter Schachzug.

Wenn er gleichzeitig Deutschlands historische Verpflichtung gegenüber Israel beschwört, Abbas seinen Freund nennt und die Israel delegitimierenden NGOs besucht, mag er zwar ein mit allen Wassern gewaschener „Hund“ sein, wie man in Bayern sagt, aber ein ernstzunehmender seriöser Politiker ist er in meinen Augen nicht.

Jan-Philipp Hein schreibt auf salonkolumnisten.de: „Um den Eklat des Jahres zu verstehen, genügen eine Landkarte und ein Geschichtsbuch. Die Landkarte zeigt, dass der knapp 8,5 Millionen Einwohner zählende Staat Israel an seiner schmalsten Stelle rund 15 Kilometer misst. Aus dem Geschichtsbuch geht hervor, dass das Verhältnis zu seiner insgesamt hunderte Millionen Menschen zählenden Nachbarschaft seit der Staatsgründung im Jahr 1948 durch Gewalt und Terror geprägt ist.

Noch in der Gründungsnacht erklärten Syrien, der Irak, Libanon, Ägypten, Saudi-Arabien und Transjordanien dem jüdischen Staat den Krieg. Es folgten der Sechs-Tage-Krieg (1967), der Jom-Kippur-Krieg (1973) und die Libanonkriege von 1982 und 2006, dazu kamen noch die verschiedenen „Intifadas“. Im Gegensatz zur Bundesrepublik Deutschland, deren Existenz nie bedroht war und deren Bundeswehr niemals Rückgrat der Gesellschaft sein musste, ist die IDF (Israel Defense Force) die Überlebensgarantie Israels. Macht man sich das klar, versteht man besser, warum Premierminister Benjamin Netanjahu ein Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel absagte…“

Links:

Herr Gabriel, reden Sie mit Ihrem Freund, dem Holocaustleugner Abbas doch einmal über dessen Umgang mit kritischen palästinensischen Autoren!

Gabriels Presseprecher kritisiert Israel wegen seines Umgangs mit NGOs.

Hetzen? Kann auch die Frankfurter Rundschau!

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Die Frankfurter Rundschau (FR) wurde 1945 von Kommunisten und Sozialdemokraten gegründet.

Von 1973 bis 1992 war der vielfach ausgezeichnete Publizist Werner Holzer Chefredakteur. Unter ihm steigerte sich die Auflage von 150.000 auf über 200.000. Von 1962 bis 1973 arbeitete auch der sozialliberale FDP-Politiker und Journalist Karl-Hermann Flach für die Zeitung.

Die FR galt damals neben Süddeutscher Zeitung, Welt und FAZ als Blatt von nationaler Bedeutung, mit linksliberaler, wirtschaftspolitisch mit streng gewerkschaftstreuer Ausrichtung.

Mit der FR habe ich in den frühen 50er Jahren lesen gelernt, als Student war sie für mich unverzichtbar.

Die Krise der Zeitung begann um das Jahr 2000. Es kam viel zusammen. Das zeitungseigene Druckhaus war eine Nummer zu groß, durch Internetplattformen brach in den nächsten Jahren das Anzeigengeschäft zusammen. Fremde Druckaufträge gingen verloren.

Aber die FR durfte nicht sterben. Den Rest des Beitrags lesen »