Fachhochschule

Highlight der Ostmoderne: die Waben vom FH-Bau

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Der Bau der Potsdamer Fachhochschule wird endlich abgerissen. (Das Land als Träger der FH hatte den Auszug der FH um zwei Jahre verzögert. Der Grund ist mir nicht bekannt.)

Die unendliche Geschichte um die Neugestaltung des Alten Marktes und die annähernde Wiederherstellung des Viertels, das von dem FH-Bau überwölbt wurde, hat hoffentlich bald ein Ende. Die Potsdamer Linksextremen können sich jetzt ganz der Garnisonkirche widmen.

Der Bau, so wird uns von vielen Seiten, von Potsdamer Linksalternativen bis zu Edelfedern der FAZ weisgemacht, wäre eine Ikone der DDR-Architektur.

Dabei ist er eine aus den Fugen geratene Nachempfindung eines Baus von Mies van der Rohe.

Wabenelemente FH PotsdamVor einige Fassadenteile sind Wabenelemente aus Aluminium montiert. Man machte das, um monumentale, eintönige Fassaden zu kaschieren.

Potsdamer Wabenteile wurden jetzt an Museen und die Fachhochschule, aber auch private Sammler übergeben.

„Fassadenelemente wie die viereckigen Formsteine oder Waben fanden sich allerdings ebenfalls an ähnlichen DDR-Bauten oder Warenhäusern aus der Zeit (70er Jahre; GS) wieder. Denn solche „Betonstrukturelemente“ wurden in der DDR häufig genutzt, um monotone Fassaden, wie zum Beispiel an Plattenbauten, optisch aufzuwerten“, schreibt die PNN-Journalistin Valerie Barsig.

Womit wir bei einem systemübergreifenden Architekturphänomen wären. Also wieder kein Alleinstellungsmerkmal außergewöhnlicher DDR-Architektur. Wabenfasssaden überzogen in den 70er Jahren im Westen die Fassaden von Horten-, Saturn- und Galeria-Kaufhof-Warenhäusern. Aus demselben Grund wie in der DDR: um eintönige Fassaden aufzulockern. Im Westen haben sie auch einen Namen: Hortenkacheln. (Steht sogar in Wikipedia!).

Als ich von den Potsdamer Kacheln las, fiel mir auch das Horten-Kaufhaus in Wiesbaden ein. Es dominierte seinerzeit seine Umgebung. Die Fassadenverkleidung mit Beton-Kacheln änderte daran gar nichts, sondern verstärkte die Eintönigkeit. Das Haus wurde längst abgerissen. Der Nachfolgebau ist ebenfalls keine architektonische Meisterleistung.

horten_fassade.jpgDas nebenstehende Foto ist der Nachbau des Stuttgarter Horten-Kaufhauses durch einen Modellbauer. Genau so sah aber auch Horten in Wiesbaden aus.

Das Stuttgarter Haus wurde nach Abriss des Schrocken-Kaufhauses, einem von Erich Mendelsohn entworfenen Bau, gebaut. Der Abriss war heftig umstritten. (Ein Spiegel-Bericht von 1959 dazu)

 

Update 16.11.17: Die Betonwaben machen Geschichte! Bei den Entwürfen für die kleinteilige Bebauung des Areals des abgerissenen FH-Gebäudes werden die Waben „zitiert“: Sie zieren eine Hauswand.

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Potsdamer Dinner-Demo

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Potsdamer Dinner Demo 2017Nach 2007 zum zweiten Mal lud die Initiative Mitteschön zur „Dinner-Demo“ auf den Alten Markt ein. Es galt das Erreichte zu feiern und das Zukünftige kritisch zu begleiten. Dazu saß man an langen, weiß gedeckten Tischen, hörte den Redner/-innen zu, sah einen hervorragenden Film zum Wiederaufbau der historischen Mitte und feierte anschließend bei Musik und Wein.

Mitteschön sind viele Impulse zu verdanken. So wurde kein Beton- und Glaspalast gebaut, wie das die Landesregierung wollte, sondern ein Schloss entstand wieder dort, wo vorher ein Schloss weggesprengt worden war. Die Politik revanchierte sich und ließ Mitteschön-Vertreter nicht zum Richtfest hinein.

In diesen Tagen wird der Koloss der Fachhochschule abgerissen. Er wird in letzter Minute von FAZ-Journalisten zur Ikone der DDR-Architektur hochgejubelt. Linksextremisten wollen ihn – wie immer in solchen Fällen – als alternatives Kulturhaus für die Zivilgesellschaft erhalten.

Leider entstehen die beiden für diesen DDR-Bau abgerissenen Stadtquartiere zu 90% nur als moderne Architektur wieder, mit historischen Einsprengseln.

In der Dunkelheit sieht der Alte Markt schon beeindruckend gut aus. Das Alte Rathaus mit der goldenen Fortuna leuchtet, daneben das Palais Barberini, die Nicolaikirche, das Landtagsschloss, der in rotes Licht getauchte Obelisk.

Es ist gut vorstellbar, wie auf diesem Platz ein Weihnachtsmarkt, den es vor dem Krieg hier gab, aussehen könnte. Auch Open-Air-Veranstaltungen werden nicht auf sich warten lassen.

Wie zu erwarten, präsentierten sich die linksextremen Aktivist/-innen in ihrer Schwarzweiß-Bemalung, bekannt von den Hamburger G20-Krawallen. Das war zu ertragen, solange die Eiferer die Tische und Bänke umkreisten. Es sah aus, als ob aus dem Gemauer der FH Untote der DDR herausgekrochen wären.

Dann aber beschlich mich das Gefühl, dass der Linksfaschismus nicht nur wie damals die SA als Schlägertruppe auftritt, sondern auch auf leisen Sohlen daherkommt: Die Schwarz-Weiß-Zombies schlichen durch die Sitzreihen, drückten sich neben die Veranstaltungsteilnehmer/-innen auf die Bänke, verdeckten die Redner, fläzten sich neben sie. Einer offenbarte sich. Er hielt ein Blatt Papier hoch, auf dem stand: „Kann mir einer die Demokratie erklären?“

Schließlich griff die Polizei ein und entfernte die Störer/-innen. Die gingen zufrieden nach Hause. Die Medienschaffenden hatten ihre Bilder im Kasten und eilten in die Redaktionen.

Die Schwarz-Weiß-Bemalung war ehrlich: Für diese Truppe gibt es nur Freund oder Feind, Gläubiger oder Ungläubiger. Wie sagen Freunde von mir, wenn es um die AfD geht: „Wir wissen, wo das endet, das gab es alles schon einmal.“ Nun, es gab Zeiten, da fuhren von Potsdam Züge nach Workuta.

Die Störer haben gegen das Versammlungsgesetz verstoßen. Aber, wie ein Freund von mir sagt: Es blieb doch alles friedlich.

 

Aus Hamburg zurück: Potsdamer Linke besetzt Fachhochschule

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Noch ganz beseelt von den Hamburger Krawallen haben Potsdamer Linksextremisten um André Tomczak den DDR-Bau der Fachhochschule besetzt. Sie wollen verhindern, dass der Monumentalbau, in ihren Augen „bedeutende DDR-Architektur“, abgerissen wird und zwei Stadtquartiere mit Wohn- und Geschäftshäusern (wieder) aufgebaut werden. Sie wollen ihn als ein weiteres Kultur-, Kunst- und Kommunikationshaus erhalten wissen.

Das ist Tomczak schon einmal gelungen, beim DDR-Rechenzentrum, ebenfalls, wie er meint, bedeutende DDR-Architektur. Das Gebäude wird jetzt von Kreativschaffenden genutzt. Es wird den Wiederaufbau der Garnisonkirche zumindest erheblich erschweren.

Linksextremisten interessieren parlamentarische Beschlüsse nicht. Schon Dr. Rosa Luxemburg hatte erkannt, dass Parlamentarismus eine Geisteskrankheit wäre.

Der natürlich auch anwesende sozialistische Bundestagsabgeordnete Norbert Müller begrüßte die Besetzung. Müller scheint das parlamentarische Standbein der Potsdamer Linksextremisten zu sein. Auch der wichtigste Potsdamer Linkspolitiker, Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg, Ex-IM, Ex-SED, Ex-OB-Kandidat, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament, begrüßt die Besetzung, hält sie aber für nicht erfolgversprechend.

Am Abend räumte die Polizei überraschend das Gebäude. Auch das ist wohl eine Folge der Hamburger Krawalle. Denn zu erwarten gewesen wäre das sonst übliche Szenario: runder Tisch mit den Besetzern, Nutzungsverträge für eine Interimszeit, die nach und nach verlängert würde, städtische Investitionen ins Gebäude, damit es die Besetzer warm haben und aufs Klo gehen können. Die Besetzer/-innen bedauerten, dass man ihre „ausgestreckte Hand“ nicht ergriffen hätte.

Ganz vergebens war die Aktion nicht. Sie haben schon einmal geübt, wie sie im Herbst vorgehen werden, wenn mit dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche begonnen werden soll.

(nach pnn.de)

Update: Sie wollen weiter machen: jede Woche neue Aktionen, immer wieder neu besetzen. Emily Laquer und Claudius Seidl wird´s freuen.

Man muss anerkennen, dass Herr Tomczak und Genossen gute PR-Arbeit leisten. Der Medienzirkus wird über Wochen gehen. Stufe 1 war die Besetzung, Stufe 2 ist das „Bürgerfest“ mit Hüpfburg, Stufe 3 die Wortmeldung einer linken Gruppierung in der Fachhochschule, die die repressiven Maßnahmen der FH-Leitung, der Polizei, der Stadt usw. verurteilt. Stufe 4 ist das „Kaufangebot“ einer der linken „Bürgerinitiativen“ gegen den Barockfaschismus. Mit dem Kaufangebot will eine Aktivistin, begleitet von den Medien, ins Zimmer des OB stürmen. Die Stadt lehnt ab, das Angebot hätte gemacht werden müssen, bevor die parlamentarischen Beschlüsse gefallen sind. Stufe 5: Die Aktivist/-innen triumphieren. Die Stadt wäre doch gar nicht zuständig. Jetzt werden sie es dem Finanzministerium abkaufen wollen. Das Geld für den Schnäppchenpreis, den sie bieten haben sie noch nicht zusammen, aber das interessiert nicht. Es geht um die Inszenierung.

Jetzt bin ich gespannt, was im Herbst wird, wenn es an den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche geht. Vielleicht dies?: Stufe 1: Friedliche Blockade der Baustellenzufahrt. Stufe 2: Friedliche Besetzung der Baustelle. Stufe 3: Großes Antifaschistisches Rockkonzert im benachbarten Lustgarten. Stufe 4: Kaufangebot für den Turm durch den Humanistischen Verband Brandenburgs. Stufe 5: Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren zur Übereignung des Grundstücks in Volkseigentum. Stufe 6 Vorstellung der Vorüberlegungen für ein Konzept „Religiöse und antifaschistische Vielfalt im Turm“. Stufe 7: Martin-Niemöller-Stiftung fordert vom Land Brandenburg die Finanzierung eines Untergeschosses als Gedenkstätte „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, im vergleichbaren Umfang wie die Berliner „Topographie des Terrors“ (31 Mitarbeiter/-innen). Stufenplan vorab an die Medien.

Potsdamer Fachhochschulbau als islamisches Kulturzentrum!

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Muhammad-Amin-Moschee in BeirutGerade ließen wir uns von FAZ-Kunst- und Architektur-Sachverständigen belehren, dass wir, die wir Cola statt teurem Petrus-Rotwein trinken, Neuschwanstein als schön empfinden und über die städtebauliche Gestaltung von Wendehämmern nicht hinausdenken könnten. Deswegen müsse der DDR-Bau der Fachhochschule als Meisterwerk der Ostmoderne erhalten bleiben, schreiben Mitarbeiter der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. (Niklas Maak und Claudius Seidl, „Make Potsdam great again“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41)

Da der Bau leersteht, gibt es Nutzungsvorschläge, z. B. ein weiteres Kunst- und Kommunikationszentrum. Davon hat Potsdam schon drei Dutzend. Da greife ich lieber den Vorschlag von Wissenschaftsministerin Dr. Martina Münch (SPD) auf und führe ihn weiter. Dr. Münch hat angeregt, das zukünftige Kirchenschiff der Garnisonkirche als Moschee zu gestalten.

Die leer stehende Fachhochschule aber wäre eine sofortige Lösung! Die Hörsäle böten sich den verschiedenen islamischen Glaubensrichtungen als Predigt- und Gebetsorte an. Es gäbe ausreichend Räume für Treffpunkte, Unterricht und Feiern. Eine gastronomische Einrichtung kann auch genutzt werden.

 

DVD zur Potsdamer Bürgerbewegung 1989

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Wenn man sich die heutige politische Situation in Potsdam anschaut, die in Brandenburg besonders auffällige Elitenkontinuität, die immer noch starke Linkspartei, die zahlreichen linksalternativen Projekte, die linksextremen Splittergruppen wie „Die Andere“ und die unermüdliche, gegen folkloristische preußische Rekrutenvereidigungen und „Barockfaschismus“ protestierende Antifa, glaubt man gar nicht, dass auch in Potsdam der Protest gegen die SED-Herrschaft 1989 manifest geworden war. Waren andere Städte, Leipzig, Jena, Plauen z. B., früher und breiter oppositionell, so darf man nicht vergessen, dass Potsdam eine starke deutsch-russische Garnisonsstadt war, einen KGB-Stadtteil hatte, Sitz von SED-Hochschulen und der SED-Bezirksverwaltung war. Außerdem war sie die einzige DDR-Stadt, die direkt an einer unübersichtlichen Grenze zum „“ Klassenfeind“ Berlin (West) war, gegen den man sich mit einer antifaschistischen Mauer zu schützen versuchte. Nicht vergessen darf man die Drohung des späteren, letzten SED-Bezirkssekretärs, Heinz Vietze, im September 1989, die Gewehre aus dem Waffenschrank zu holen. Er ließ auf Beelitzer Militärgelände die Potsdamer Polizei üben, Demonstranten festzunehmen.

Es ist dennoch beeindruckend, was Studenten der Fachhochschule Potsdam unter Leitung von Frau Prof. Dr. Susanne Freund, gefördert von der Brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung 2010 auf einer DVD zusammengetragen haben: Den Protest gegen die Wahlfälschungen, die Proteste gegen den Zerfall der Innenstadt und die Abrisse historischer Bauten, die Arbeit der Umweltgruppe „ARGUS“. Basis der DVD ist die gleichnamige Ausstellung, die die Studenten 2009 erarbeitet hatten.

Für die Potsdamer Schulen (ab Klasse 9 empfohlen) und Schulbibliotheken ein Muss.

Die Pressemitteilung der FH Potsdam v. 20.11.2010

Die Stadt- und Landesbibliothek hat die DVD nicht in ihrem Katalog, auch die Landeszentrale nicht (mehr?).

Ob die Sozialpädagogen, die die „linksalternative“ Potsdamer Jugendszene organisieren, sie in ihrem Kommunismusseminar einsetzen, war nicht zu erfahren.