DDR

Geburtstagsständchen für den Retter der SED, Dr. Gregor Gysi

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Vera Lengsfeld erinnert daran, dass Dr. Gysi nicht nur der charmante Plauderer in Talkshows ist.

Siehe u. a. auch hier im Blog: Dr. Gysi überbringt Milosevic 1999 die Grüße der PDS

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60x Deutschland: Wochenschaubeiträge aus Ost und West

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Die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung hatte ich 2012 vorgestellt. Sie enthält eine Menge interessanter Filme zu den Themen DDR, Deutschlandpolitik und „Wende“.

Neben den damals empfohlenen Filmen erwähne ich heute die Produktion „60x Deutschland“ für jedes Jahr von 1949 bis 1990 (noch bis 2009 weitergeführt). Wochenschaubeiträge aus Ost- und Westdeutschland zusammenstellt. Die Länge ist jeweils 15 Minuten. Z. B. das Jahr 1964.

Es war eines der besten Jahre unter SED-Herrschaft. Die Flucht aus Ostdeutschland konnte Dank der Mauer 1961 weitestgehend gestoppt werden und führte vorübergehend zu einer Konsolidierung. Mit der Regentschaft Erich Honeckers, der Walter Ulbricht stürzte und ab 1971 Erster Sekretär des Zentralkomitees wurde, kam die Planwirtschaft endgültig an ihre Grenzen. Die Kosten der von H. forcierten Sozialpolitik waren von der Zentralverwaltungswirtschaft dauerhaft nicht zu erwirtschaften.

Lang ist´s her, dabei war´s eigentlich gestern.

Weiterer Fluchttunnel in Berlin entdeckt

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Der neu entdeckte Tunnel befindet sich praktischerweise im Berliner Mauerpark an der Bernauer Straße. Er und weitere Grabungsfunde wie eine Fahrzeugsperre können daher gut in das Ausstellungskonzept der Gedenkstätte eingebunden werden.

Tagesspiegel 12.1.18

Die DDR und die Juden

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Im Beitrag Die Juden und die DDR: Neue Linie ab 1988 und mehreren anderen ging es um Antisemitismus und Aufarbeitung des Massenmordes der Nazis an den europäischen Juden in Ostdeutschland.

Im Beitrag Antisemitismus in der DDR und die Folgen wurde auf eine westdeutsche Arbeit verwiesen. Deren Schwäche ist, dass sie Antisemitismus rechts verortet und in der DDR vor allem Antizionismus erkennt.

Hier habe ich jetzt eine umfassende Darstellung (bis 1967) zum Thema entdeckt:

Mario Keßler (1995), Die SED und die Juden – zwischen Repression und Toleranz. Politische Entwicklungen bis 1967

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Der Goldbroiler. Eine Fallstudie zur Planwirtschaft

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Eine Kundenbedürfnisse befriedigende Gastronomie war nicht Herzensangelegenheit der sozialistischen Wirtschaftsplaner. Im Vordergrund stand der Auf- und Ausbau der kollektiven Nahrungsaufnahme in Betriebskantinen, Schulen, Krankenhäusern, Kinderbetreuungseinrichtungen und FDGB-Ferienheimen. Das sollte auch dazu dienen, das individuelle Einkaufen von Lebensmitteln und den Besuch von Gaststätten einzuschränken. Die Versorgungsmängel, sichtbar in leeren Schaufenstern und Regalen wäre weniger erkennbar gewesen. Die Zahl der privaten Gaststätten ging in Berlin in den 60er Jahren um ein Drittel zurück. Die der staatlichen nahm aber nicht zu.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, vor allem frischen, war ein schwieriges Geschäft für die marxistischen Ökonomen.

Nach dem Vorbild der westdeutschen „Wienerwald-Restaurants“ eröffneten 1967 in Ostberlin drei „Goldbroiler“-Gaststätten, in denen gegrillte halbe Hähnchen angeboten wurden. Diese gastronomischen Einrichtungen wurden überrannt. Die industrielle Mastanlage in Königs-Wusterhausen konnte den Bedarf nicht erfüllen, eine weitere musste eingerichtet werden. Die aus England stammenden Grillgeräte brachen im Dauerbetrieb zusammen. Das Personal wechselte wegen der hohen Arbeitsbelastung häufig und reichte auch nicht aus.

Es war wohl nicht möglich, Hähnchen mit einer Standardgröße und einem Standardgewicht zu züchten. Aber es gab den Standardpreis von 3,50 Mark pro Hälfte. Der kostendeckende Preis hätte bei 6 Mark liegen müssen. Der staatliche Zuschuss für die drei ersten Berliner Gaststätten betrug 800.000 Mark. Man ging dazu über, die Hähnchen nach Gewicht zu verkaufen…

Patrice G. Poutrus, Die Erfindung des Goldbroilers. Über den Zusammenhang zwischen Herrschaftssicherung und Konsumentwicklung in der DDR

Köln 2002, digital erfasst in: Zeithistorische Studien / Die Erfindung des Goldbroilers. Über den Zusammenhang zw. Herrschaftssicherung und Konsumentwicklung in der DDR (Band 19)

Lese-Vorschlag: Die Seiten 201 – 226

Siehe auch u. a. im Blog: Tentmann, Die Herrschaft der Dinge und Suchergebnis „Planwirtschaft“

Kabarett im Sozialismus

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Für die wenigen Kabarettisten muss eine Sisyphusarbeit gewesen sein. Wie kann man den Sozialismus mit Satire befördern? Für die SED waren Satire und Kabarett kein willkommener Begleiter auf dem Weg zum Kommunismus.

Kontrolliert wurden die Texte und Lieder von der allerersten Ideenskizze bis zur Kontrolle in der Aufführung. Dabei hatten die Texter die Schere schon im Kopf. Ihnen war auch klar, dass die zuständigen Kader zuallererst an sich selbst und ihre Karriere dachten, wenn sie strichen oder Veränderungen verlangten. Deswegen lieferten die Kabarettisten passende Parteitagsbeschlüsse und Marxzitate mit, mit denen das Programm gerchtfertigt werden konnte.

Die zuständigen Kader saßen im Rat der Stadt, im Rat des Bezirks, in den jeweils parallelen Parteigremien und im lokalen MfS. Letzteres stützte sich auch auf Zuträger aus der jeweiligen Direktion.

Ganz verhindern konnte man Satire und Kabarett nicht, obwohl die Obrigkeit lieber Humor und Witze statt Satire gehabt hätte. Die Systemkonkurrenz verlangte es: In Berlin (West) gab es die „Stachelschweine“. Die Antwort des Ostens waren die „Stacheltiere“, eine kurzlebig DEFA-Filmreihe (Folge 41).

Wem das noch nicht reicht, hier die ausführliche Monographie dazu:

Sylvia Klötzer, Satire und Macht. Film, Zeitung, Kabarett in der DDR, Köln 2006

Im DDR-Museum gab es dazu 2014 eine Veranstaltung

Eine DDR-Biographie: Dr. Wolfgang Meyer

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Am 9.9.1988 besetzte Dr. Wolfgang Meyer zusammen mit 17 weiteren Ausreisewilligen die dänische Botschaft in Ostberlin.

Meyer hatte die Doppelqualifikation Facharbeiterausbildung und Abitur. Er wurde Diplom-Lehrer für Mathematik und Polytechnik.

1987 stellte er für seine Familie einen Ausreiseantrag. Er wurde sofort mit Berufsverbot belegt und aus dem Schuldienst entlassen. Sein Personalausweis wurde eingezogen.

Der dänische Botschafter benahrichtigte das MfS. Zwei Dutzend Stasileute marschierten in das exterritoriale Gebäude und verhafteten die 18 Besetzer. Die Erwachsenen wurden zu mehrjährigen Gefängnsistrafen auf Bewährung verurteilt und durften im März 1989 ausreisen.

Meyer schrieb zwei Bücher über seine Erfahrungen mit der Ausreise: „Dänen von Sinnen“ und „Die mit dem Storch zogen“. Darin vertritt er die These, dass die Besetzung der dänischen Botschaft den Anfang der Botschaftsfluchten markierte. Er ist davon überzeugt, dass die Ausreisebewegung die DDR mehr destabilisierte als die Bürgerrechtler. Leider werde sie aber in ihrer Bedeutung für die „Wende“ im Vergleich zu den Bürgerrechtlern völlig vernachlässigt.

Mit Unterzeichnung der KZSE-Schlussakte von Helsinki 1973 hatte die SED das Recht auf Freizügigkeit anerkannt. Aber Ausreisewillige wurden schikaniert und eingesperrt, in einigen Fällen abgeschoben, dann auch an die Bundesregierung verkauft. Von 1974 bis 1989 gab es unübersehbar viele öffentliche Aktionen von Ausreisewilligen. Geschätzt werden über 400.000 Ausreiseanträge. (Siehe dazu einen Auszug aus „Flucht und Ausreise“)

Meyer wurde in Bonn in Politikwissenschaft promoviert. Nach einem fünfmonatigen Sitzstreik stellte ihn das thüringische Kultusministerium wieder als Lehrer ein.

Im Internet öffnete er ein Diskussionsforum „Flucht und Ausreise“.

Dr. Meyer starb 2017 in Speyer.

Überwiegend nach „Abschied“ v. Jörg Bernhard Bilke, in: Der Stacheldraht, 9/2017, p16

Tripperburgen

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Tausende Frauen wurden zu DDR-Zeiten (bis 1989!; GS) wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten in Kliniken auf geschlossenen Venerologischen Stationen, sogenannte Tripperburgen, eingesperrt. (ZDF-Text zur Frontal 21 Sendung v. 21.1117; in der Mediathek bis 21.11.18)

Frauen in DDR-Tripperburgen (9 Min.)

Wie fast immer, hapert es mit der Aufarbeitung und Entschädigung des DDR-Unrechts. Auch von Feminist*Innen und Genderist*Innen ist nichts zu hören.

Wer sagt, in der BRD gab es das auch, übersieht wesentliche Unterschiede.

1989: Betrügerischer Bankrott der SED

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Im Blogbeitrag „Zentralverwaltungswirtschaft“ wiedergelesen:

Bei allen Fehlern, die der Bundesregierung und insbesondere der Treuhand nach der Friedlichen Revolution nachgesagt werden: Hier, in der Zentralverwaltungwirtschaft, und nicht bei der Treuhand liegt der Grund für den Zusammenbruch der DDR. Die SED war 1989 darüber informiert, dass ihr Staat nur durch eine drastische Reduzierung des Lebensstandards, eine Preissteigerung bei den Gütern des täglichen Bedarfs, realistische Mieten, Abbau der Sozialleistungen usw. zu retten gewesen wäre. „Das hätte 1989 zu einer gewaltsamen Explosion geführt. Also machte man den Laden dicht. Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Die Verantwortlichen schlichen sich davon und überließen die Probleme den Insolvenzverwaltern.“

Aus: DDR-Führer, Alltag eines vergangenen Staates in 22 Kapiteln, p. 69, Berlin 2008

Es ist das knappe, aber höchst informative Buch zur Dauerausstellung des DDR-Museums in Berlin. Es könnte ohne Weiteres Grundlage für Schulunterricht über die DDR werden. Inzwischen gibt es eine Neuauflage.