DDR

Weißer Schimmel Staatssozialismus

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In Die neue Zweiklassengesellschaft – Die Politik der Westöffnung und der innere Zerfall der SED-Parteibasis (Deutschland Archiv, 19.3.2018, www.bpb.de/266361) rekonstruiert Sabine Pannen die Schwächung der SED, die mit der Westöffnung Honeckers begonnen hätte.

In ihrem Fazit beschreibt sie das so: „Durch die Legalisierung der Westmark, den Ausbau der Intershops und die Lockerung der Westreiserestriktionen verlor die Parteiführung ihre Hoheit über den Zugang zu Ressourcen. Politische Loyalität wurde materiell wie ideell entwertet und SED-Mitglieder waren zunehmend weder fähig noch willens, die janusköpfige Politik der Parteiführung im Alltag zu vertreten. Unter denjenigen, die auch wegen ihres Berufs das Feindbild der SED zu vertreten hatten, führte die Herausbildung einer neuen Zweiklassengesellschaft zu einer regelrechten Sinnkrise. Diese Entwicklung des inneren Rückzugs, die den inneren Zerfall im Herbst 1989 vorbereitete, steht ganz in Kontrast zur mobilisierenden Kraft der SED und ihrer Gesellschaftskonzeption, die in den 1950er und 1960er Jahren von ihr ausging.“ Den Rest des Beitrags lesen »

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Linkspartei: Wie die Alten sungen…

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Die Partei Die Linke. gilt inzwischen als normaler Teil des Parteienspektrums der Mitte. Dass der SED-Nachfolger so schnell zum geachteten Mitspieler avancieren würde, hätte keiner erwartet. Die Partei Die Grünen/Bündnis90 sehen sich ihr näherstehend als allen anderen Parteien. Die Brandenburger CDU sieht in ihr (sicher notgedrungen) einen zukünftigen Koalitionspartner. In mehreren Bundesländern haben sie mitregiert oder tun es gerade.

Siehe dazu auch: Die DDRisierung Deutschlands

Die Sozialisten können mit der linksgrünen Politik im Großen und ganzen zufrieden sein. Sie müssen nur immer ein wenig mehr, z. B. Rente, Steuer oder Verständnis für Putin fordern. Mehrmals in der Woche erklären uns ihre Kader in der Tagesschau, wie sie die Welt sehen.

Schade, dass Honecker und Co das nicht mehr erleben dürfen.

Auch was Geschichtsrevisionismus angeht, schwimmen sie im grünlinken Mainstream: Linken-MdB Jan Korte will die Spionage des BND in der DDR aufarbeiten.

Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte: Es sollte einmal erforscht werden, wie viele Nazis die HVA des MfS aufgebaut haben.

Dazu passt: Linke und Grüne wollen die Nazi-Vergangenheit der BRD aufarbeiten.

 

Design in der DDR?

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1972 wurde das Amt für industrielle Formgestaltung gegründet. Die Behörde sollte nach Vorgaben der SED und ihren Parteitagsbeschlüssen die Formgestaltung in der DDR steuern und kontrollieren.

Wenn heute beklagt wird, dass Design made in GDR nicht gebührend gewürdigt würde, muss man berücksichtigen, dass es keine Designentwicklung gab, die der in kapitalistischen Marktwirtschaften entsprach. Es gab keine Vielfalt an Produktionsfirmen, die untereinander konkurrierten und durch ansprechendes Design ihre Marktchancen erhöhen wollten.

Die Designer konnten sich Anregungen auf allen Kontinenten holen, konnten Modetrends aufgreifen, die sich bei Jugendlichen, in Subkulturen, bei Reichen entdecken ließen. Mit Mode, Möbeln, Geschirr und Autokarosserien konnte man sich im Westen von den Mitmenschen unterscheiden. Umgekehrt konnte Design Konsumwünsche hervorrufen.

In einer (angeblich) klassenlosen Gesellschaft, in der es keine sozialen Unterschiede geben sollte, war das, zumindest in der Theorie, zum Absterben verurteilt. Sozialistisches Design musste der Beschlusslage des Parteitages entsprechen. Sogar Bauhaus-Design von dem Kommunismus nicht abgeneigten Künstlern galt als dekadent. Im Vordergrund standen die Anforderungen des Produktionsprozesses, nicht die Bedürfnisse oder Wünsche der Verbraucher.

Dass dennoch auch ansprechendes Design entstand, kann im DDR-Museum in Berlin-Mitte und in der Zweigstelle des Deutschen Historischen Museums in der Berliner Kulturbrauerei besichtigt werden. Letztere ist im Besitz von ca, 80.000 Objekten, die in Berlin-Tegel gelagert werden.

Siehe auch hier!

Objekte

Karl Clauss Dietel hat die „Erika“-Schreibmaschine und den Wartburg 353 entworfen. Er erhielt 2014 den deutschen Designpreis für sein Lebenswerk.

Wo sind die SED-Kader geblieben?

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Zu den medialen Lieblingsthemen gehören Gender-Pay-Gap, Frauenquote, #MeToo, die Bereicherung des Territoriums durch gebildete Geflüchtete. Dazu gehört auch: die fehlende ostdeutsche Elite. Was nicht diskutiert wird: Gehört der Islam zu Deutschland? (Nein, wird nicht diskutiert. Es wird lediglich ein sofortiges Ende der Debatte gefordert.) Bleiben wir bei Ostdeutschland: Ich habe gelegentlich im Blog darauf hingewiesen, dass manche Kader weich gelandet sind: MfS-Ofiziere wurden Rechtsanwälte. Sie hatten ja an einer „Juristischen Hochschule“ ihren Doktor erworben. LPG-Leiter übernahmen ihre LPG als Agrar GmbH. Mit Unterstützung von geneigten Landesregierungen konnten sie die Genossen ausbooten und erfreuen sich des Mitleids ostdeutscher Medien, wenn die EU ihnen jetzt Subventionen kürzen will. Die Linkspartei sorgte dafür, dass Genossen in die Ministerien der ostdeutschen Länder einrückten usw. Das alles wird unter dem Getöse um Spitzenämter für Ostdeutsche begraben.

Heute fragt Michael Klein auf seinem Science Files Blog nach dem Verbleib von Zehntausenden Absolventen der Parteihochschule Karl Marx und der FDJ-Jugendhochschule Wilhelm Pieck.

Der BND, Bonn und die DDR

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Friedrich Schlomann gratuliert dem früheren BND-Chef Hans-Georg Wieck zum 90. Geburtstag in: Der Stacheldraht, Zeitschrift der Union der Opferverbände Kommunistischer Gewaltherrschaft, Heft 2/2018, p 9.

Schlomann berichtet von seinen Gesprächen mit Dr. Wieck, in denen er, mit diplomatischer Zurückhaltung, seine Sicht auf die UdSSR und die DDR zu erkennen gibt, 1978 hatte er in Gesprächen mit dem damaligen KGB-Leiter und späteren Generalsekretär Andropow erfahren, dass der, ähnlich schon Berija Ende der 50er, für die nötige Reform der kommunistischen Planwirtschaft auf die Hilfe der wirtschaftlich starken Bundesrepublik setze und dafür eines Tages auch die DDR opfern würde.

In Bonn schätzte man die Lageberichte des BND allerdings nicht. Die SPD-Entspannungspolitiker und dann auch Kohl schätzten dagegen die Expertise der Ständigen Vetretung in Ostberlin. Die bekam bis zuletzt nichts von der wachsenden Unzufriedenheit und den Bürgerrechtlern mit und sah die DDR brav als zehntstärkste Wirtschaftsmacht der Welt.

Der BND erkannte im letzten Lebensjahrzehnt, dass die Freunde, die UdSSR, mehr und mehr auf Distanz zur DDR gingen.

Hier sei verwiesen auf meinen Beitrag vom November 2012: Der BND zur Lage in der DDR 1985-90.

 

Erinnerung: Lesetipps zur DDR

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Im vorhergehenden Interview über Monika Marons neues Buch wird die Wiederkehr einer Verhaltensweise aus der DDR angesprochen: das Abtasten, d. h. herausfinden, ob man der Person, mit der man gerade redet, vertrauen kann, ob man ihr gegenüber offen reden kann.

(Hervorragend zu beobachten in einer Szene im Film „Barbara“: Die in die Provinz strafversetzte Ärztin taxiert ihren neuen Kollegen. Ist er ein Stasi-Spitzel, der über sie berichten muss. Muss sie vorsichtig sein oder kann sie ihm vertrauen?

Bei so viel Buch und DDR fällt mir meine Leseliste zur DDR wieder ein. Sie wurde 2011/12 zusammengestellt. Es sind Bücher, die ich mit großem Gewinn gelesen habe. Einige wenige vergriffene oder nicht mehr ganz aktuelle habe ich jetzt heraus genommen (Die Originalliste hier).

SB meint: Für Schulbibliotheken empfohlen; hervorgehoben: besonders empfohlen

Und dann gibt es noch den Bestand der Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“ mit Anna Funder, Claudia Rusch, Erika Riemann, Stefan Wolle u. a.

Man kann auch im Blog unter „Lesetipp“ Nachträge zu suchen.

Spielfilme zur DDR

Spielfilme zum Thema DDR

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Ein Freund hat eine Liste nach 1990 entstandener Spielfilme zusammengestellt und annotiert. Sie können auch für Unterricht von Interesse sein.

Hans Günther Brée weist darauf hin, dass die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes eine bis zu 15%ige Verwendung im Untericht ohne Lizenz erlaubt.

Die Liste stellt eine aktuelle Ergänzung meiner Medienliste zum Unterrichtsthema DDR dar.

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde verfilmt

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In Medienkiste über die DDR ist auch das Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ enthalten. Es freut mich, dass mein vor zehn Jahren abgegebener Lesetipp jetzt verfilmt wurde.

Die Kritik der FAZ ist verhalten positiv. Am besten findet der Filmkritiker, dass bei der Ausstattung (Bekleidung, Möbel usw.) das Ambiente der DDR exakt getroffen wurde. (Für Cineasten eine fast schon vernichtende Kritik.)

Den Vogel schießt wieder einmal der linke Berliner Tagesspiegel ab. Tagesspiegel-Filmexpertin Kerstin Decker wacht darüber, dass der DDR kein Unrecht angetan wird.

Journalistin Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Bei der hervorragenden Serie „Weißensee“ lobte sie, dass endlich einmal der Stasi Gerechtigkeit widerfahre. Den Kommunisten der ersten Stunde, wie im Film dem MfS-Oberst Kupfer, würde ihre Würde wiedergegeben.

Nachtrag 23.3.18: Jetzt endlich habe ich mir den Film angesehen. DDR-Sympathisantin Dr. Decker muss der Film masslos geärgert haben. Sie ist bis heute im Kalten Krieg stecken geblieben: Nicht nur, dass der Westen, konkret: der RIAS, die jungen Leute verführt hat. Sie legt in einem zweiten(!) Text nach: Die verführten Abiturienten wären im Westen hoch willkommene Flüchtlinge gewesen, während Flüchtlinge heute… Damals waren die Schüler Helden im Kalten Krieg, heute im Kino. Im Kalten Krieg dürfen die Sieger von 1933 einmal über die Verlierer lachen.

Es wäre doch der RIAS gewesen, der die Ostler aufgehetzt hätte, der die Falschmeldung vom Tod des ungarischen Fußballhelden erfunden hätte. Und doch geht der gute Ostblock unter. Wie ungerecht!

Wer nur sieht, dass die Freiheit über die Diktatur triumphiert hätte, ist in Dr. Deckers Augen geistig schlicht. Die Kommunisten waren die Besseren. Sie haben nie einen Fehler gemacht. Sie waren „strukturell“ unfähig zum Verrat. Sie besaßen die „höhere Moral“. Sie wollten für ihre Kinder ein besseres Leben. Wenn da nicht der böse Westen wäre…

Sogar den Schulbau der DDR bringt sie lobend unter: Die Kurt-Steffelbauer-Oberschule in Storkow, der Originalschauplatz, „… der erste Schulneubau der DDR nach dem Krieg, … gut versteckt hinter märkischen Kiefern. Vor allem aber am See. Eine Schule direkt am See, kein strenges Gebäude, sondern vier Pavillons mit Freiluftinseln und einem überdachten Wandelgang dazwischen. Man konnte im Sommer draußen unterrichten, das Gegenteil einer Erziehungskaserne.“ Was waren das für undankbare Schüler, die das nicht würdigen konnten, sondern Konterrevolutionäre wurden!  Was Decker unterschlägt: Dieses Gebäude war noch im Geist der Reformpädagogik gebaut worden. Die Reformpädagogik war mit Beginn der 50er Jahre dem DDR-Schulsystem gründlich ausgetrieben worden. Die sozialistische Einheitsschule wurde durchgesetzt.

Wie ideologisch verbohrt die Tagesspiegel-Journalistin ist, erkennt man, wenn man im Vergleich zu ihren Einlassungen die Inhaltsangabe des Buches bzw. des Films auf http://www.jugendopposition.de liest.

Tagesspiegel-Filmexperte Joachim Huber kritisierte einmal, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR.

Was der Journalist Huber anscheinend nicht weiß: Die ihm so sympathisch erscheinende Frühphase der DDR war die brutalste. Da wurden Menschen von der Straße weggeholt, zum Tod „verurteilt“ und in Moskau erschossen. Die Sozialdemokratie wurde mit der KP zwangsvereinigt, SPD-Mitglieder aber auch ins Zuchthaus geworfen und Bauern durch Zwangsenteignung in die Republikflucht, den Selbstmord oder in die LPG getrieben. Schön war die Zeit!

Journalistin Dr. Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Filmfrau Decker kennt sich im Sozialismus aus: Sie glaubt, dass das „Experiment Sozialismus“ wegen der Demontage der Russen nicht klappen konnte. (Warum klappt der Sozialismus auch da nicht, wo die Russen nicht demontiert haben?)

Dr. Decker ist Absolventin des berühmt-berüchtigten „Roten Klosters“, der SED-Journalistenschule an der Leipziger Universität. Bei vielen, die nach der Friedlichen Revolution Karriere gemacht haben, hinterließ die Rotlichtbestrahlung keine Wirkung. Bei Decker schon.

Es war nicht die erste Flucht einer Schulklasse aus der DDR. Bereits im Juni 1950 baten 25 Schüler der Potsdamer Einstein-Oberschule in West-Berlin um politisches Asyl. Sie hatten sich u.a. geweigert, der FDJ beizutreten. Daraufhin wurde die gesamte Oberstufe der Schule aufgelöst. (Quelle: jugendopposition.de)

Kippt jetzt das NetzDG?

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Das Bundesverfassungsgericht hat zu Gunsten eines ehemaligen Stasi-Obristen entschieden. Der hatte sich beklagt, dass ein von der SED hingerichteter Regimegegner rehabilitiert worden war:

Die Meinungsfreiheit gelte unabhängig davon, ob die Äußerungen sich als wahr oder unwahr erweisen, ob sie begründet oder grundlos, emotional oder rational sind.

Mehr dazu hier!

Kippt jetzt das NetzDG?