DDR

Ines Geipel über die NSU-Morde

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Aus gegebenem Anlass erinnere ich an ihre Dresdner Rede von 2012.

Ein Auszug: „Im Hinblick auf deutsche Realpolitik könnte nach und nach an  Kontur erhalten,  dass  das geduldete  Killerkommando aus Jena  in  nicht unerheblichem Maß auch das Ergebnis korrumpierender Politik und damit von Machtmissbrauch nach 1989  ist.  Es  ist  eine  Geschichte  von  Abspaltungssystemen,  Dekadenzen und Entgrenzungen, eine Symbol-Geschichte endlos verzahnter Grausamkeiten, die nach Operationen am blinden Herzen rufen.“

Siehe hier im Blog: Jeder schweigt von etwas anderem. Ines Geipel über die Nazimorde und die DDR

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Neuer historischer Reiseführer für Brandenburg

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Brandenburg-DDR-Staetten
Martin Kaule, Jürgen Danyel, Irmgard Zündorf:
Das heutige Brandenburg umfasst die einstigen DDR-Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus. Der historische Reiseführer beschreibt Gebäude und deren Nutzung zu DDR-Zeiten.
Beispiele sind:
Militärgefängnis Schwedt
Glienicker Brücke
KGB-Gefängnis Potsdam
Eisenhüttenstadt
SED-Siedlung Wandlitz
FDJ-Hochschule Bogensee

Ausstellung: Dunkelkammer Torgau

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Katrin Büchel war als Jugendliche in dem Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau. Dort wurden 4.000 Jugendliche seelisch und körperlich misshandelt. Von den 70 „Spezialheimen für „Schwererziehbare“ war Torgau der berüchtigste.

Sie war vier Jahre in mehreren DDR-Heimeinrichtungen
u.a. auch in Torgau. Die dort erlebten Gewalterfahrungen verarbeitet sie in Bildern.

Die  Ausstellung ist vom 3.7. bis 11.9.18 in der Potsdamer Gedenkstätte Lindenstraße,
Lindenstraße 54, zu sehen.

Wie NS-Pgs die westdeutsche Demokratie aufbauten

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Es wird unablässig über die „refaschisierte“ (SED- und Linken-Jargon) Nachkriegs-Bundesrepublik geforscht. Inzwischen werden sogar Kirchenglocken in Dorfkirchen daraufhin untersucht, ob sie noch nicht entnazifiziert sind und ein Hakenkreuz aufweisen. Großes Aufsehen erregte eine Studie über das Auswärtige Amt (AA), die eine besonders große politische Kontinuität des Amtes zur NS-Zeit festgestellt haben wollte. Während sich das Amt selbst zum Hort des Widerstands stilisiert hatte. Was nicht zuletzt am ehemaligen Bundespräsidenten von Weizsäcker lag, dem daran gelegen war, seinen Vater, Staatssekretär in Hitlers AA, zu exkulpieren.

Eine neue Studie über das Bundesinnenministerium bis zu den 70 er Jahren stellt nun eine personelle Kontinuität fest: 50 bis 66% der leitenden Beamten waren Mitglied der NSDAP.  Das kann nicht überraschen, wenn man weiß, dass für Karrieren in der NS-Zeit die Mitgliedschaft in der NSDAP Bedingung war. Wie hätte man nach 1945 Ministerien aufbauen können, ohne auf die Generation der noch im Kaiserreich geborenen, die in der Weimarer Zeit sozialisierten oder die im Dritten Reich ausgebildeten Juristen zu verzichten?

Genau dieses Argument gebrauchten übrigens SED-Funktionäre, als ihre eigenen Genossen dagegen protestierten, dass NS-Parteigenossen z. B. in der Kriminalpolizei, rekrutiert wurden: „Wir brauchen erfahrene Männer.“

Die Studie unterscheidet zwischen der hohen personellen Kontinuität und der politischen Linie des Ministeriums. Man stellte fest, was ja vorher schon nicht gänzlich unbekannt war, dass keine faschistischen Tendenzen verfolgt wurden. Es gab Antisemitismus, aber den gab es auch schon vor 1933 im Beamtentum. Die Einstellung zu Zigeunern war die alte geblieben, es gab weiterhin restriktive Regeln im Ausländerrecht..

Neu an der Studie ist auch, dass man zum Vergleich das DDR-Innenministerium herangezogen hat. Es wird gerne vernachlässigt, dass es auch in der DDR personelle Kontinuitäten aus dem oben genannten Grund gab. Bei manchen Spezialisten verschloss die SED auch belastende Akten, andere wiederum, wie nicht zuletzt manche Journalisten, passten sich an: Ging es vor 1945 gegen die Juden, schrieben sie jetzt gegen den Zionismus. Der Wandel vom Nationalsozialisten zum Sozialisten war leichter als der zum Demokraten.

Im DDR-Innenministerium betrug der Prozentsatz der Pgs 20%.

(nach: Die Welt vom 4.11.15;  für den Deutschlandfunk dagegen typisch: Für die Mitarbeiterin steht die faschistische Kontinuität, etwa in der Asylpolitik, im Vordergrund)

Das Fazit der Forschung über die NS-Vergangenheit bundesdeutscher Behörden und Ministerien steckt in diesem Satz: „Obwohl die Hälfte der leitenden Beamten des Bundesinnenministeriums ehemalige NSDAP-Mitglieder waren und im DDR-Innenministerium nur 20%, wurde aus der westdeutschen Bundesrepublik ein demokratischer Staat und aus der ostdeutschen DDR eine Diktatur.“

Vor 70 Jahren: Berliner Luftbrücke

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Luftbruecke
Quelle: US Air Force Historical Research Agency via Cees Steijger (1991), „A History of USAFE“, Voyageur, ISBN: 1853100757; USAF photo 070119-F-0000R-101 [1], Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4559179
Vor 70 Jahren, am 26.6.1948, begann die „Luftbrücke“, durch die Berlin-West von westdeutschen Flugplätzen über ein Jahr lang (bis September 1949) mit Lebensmitteln, Arzneimitteln, Treibstoff und Kohle versorgt wurde.

Es war eine logistische Meisterleistung. Alle drei Minuten landete eine Maschine. Die Briten setzten sogar Wasserflugzeuge ein, die auf Havel und Wannsee aufsetzten.

Die Sowjets hatten die Land- und Wasserwege zwischen Westdeutschland und Berlin-West gekappt, weil sie verärgert über die Einführung der D-Mark in den Westzonen waren. Schikanen und Einschränkungen gab es schon ein halbes Jahr, bis dann der gesamte Verkehr gestoppt wurde. (Siehe Wikipedia!)

Die DDR-Propaganda machte sich lustig über die Blockade. Man glaubte nicht daran, dass die Versorgung von über 2 Millionen Menschen aus der Luft zu schaffen wäre.

Bekannt kommt einem vor, dass die Sowjets und die SED Fake-News streuten: Auf dem Rückflug würden die alliierten Piloten Wertgegenstände, Teppiche und Möbel ausfliegen. (Dieses Narrativ wird heute noch gern in linksextremen Kreisen aufgewärmt.) Ausgeflogen wurden allerdings Kinder, die in Westdeutschland Ferien machen durften, und Ostzonenflüchtlinge, die nicht auf dem Landweg nach Westdeutschland reisen konnten.

Zurückhaltung übte die Bonner Bundesregierung. Sie trat nicht sehr engagiert für die Deutschen in Berlin-West ein. Das überließ sie den Alliierten.

Alles schon mal dagewesen: Einseitige Berichterstattung der Medien 1988/89

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Was zurzeit in den Medien passiert, die einseitige Berichterstattung über die Flüchtlingskrise oder die israelkritischen Berichte, gab es vergleichbar schon einmal: die Berichte über die Ereignisse in der DDR gegen Ende der 80er Jahre, vor allem Oktober/November 1989. Wobei es damals weniger an den Korrespondenten vor Ort lag, als an den politischen Rücksichten der Heimatredaktionen.

Karl-Heinz Baum war Korrespondent der Frankfurter Rundschau in der DDR. In der Fachzeitschrift „Horch und Guck“ hat er über Erfahrungen von DDR-Korrespondenten mit ihren Zeitungen geschrieben: „Berichtet doch mal was anderes“, Horch und Guck , Heft 67, 2010, pp 26ff.

Hans-Jürgen Börner erinnert sich an seine Vorgesetzten von der Tagesschau-Redaktion: „Sagen Sie mal, wer um Himmels willen ist eigentlich dieser Herr Eppelmann? Berichtet doch mal über was anderes als über diesen Pfarrer. Macht doch auch mal schöne Filme über die DDR!“ Schließlich sei Intendant Plog, wahrscheinlich von SPD-Leuten im Rundfunkrat, gedrängt worden, Börner abzulösen. Üblich war bisher gewesen, Verträge mit Korrespondenten zu verlängern, wenn sie das wünschten. Börner hatte darauf hingewiesen, dass die nächsten Monate (Oktober/November 1989) besonders „heiß“ würden. Es half nichts, er wurde abgelöst.

Baums Vertrag mit der Westdeutschen Allgemeinen wurde gekündigt. Er hatte zu ausführlich über Wahlfälschungen bei den DDR-Kommunalwahlen geschrieben: „Wenn ein Staat ein Wahlergebnis bekannt gegeben hat, dann haben das auch Sie zu akzeptieren.“

Der Spiegel-Korrespondent Ulrich Schwarz erhielt 1988 nicht mehr die gewohnte  Weihnachtsgratifikation für gute Arbeit. Warum? Er kümmere sich zu viel um die Bürgerrechtler, zu wenig um die Funktionäre.

Die Kundgebung vom 4.11.1989 auf dem Berliner Alexanderplatz wurde von keinem ARD-Sender live übertragen, wohl aber vom DDR-Fernsehen. Baum zitiert einen Ost-Berliner: „Während wir hier deutsche Geschichte schreiben, überträgt das Westfernsehen Boris Becker.“

Peter Wensierski erinnert sich, wie schwierig es war, mit verdeckter Kamera gedrehte, spannende Filme mit DDR-Bürgerrechtlern in den ARD-Tagesthemen unterzubringen.

Der Deutschlandfunk verschlief die Nacht des 9.11., als die Mauer geöffnet wurde. Während weltweit, auch in Westdeutschland, pausenlos live gesendet wurde, war beim DLF klassische Musik zu hören.

Die besten Fake-News verbreitete Christoph Dieckmann in Die Zeit. Er wollte 1986 in der DDR beobachtet haben, dass „Bewegung statt Stagnation herrsche… das Grau weicht überall freundlichen Farben, die niederdrückende Trübsal ist verflogen. Keine Spur von Kontaktscheu bei den Funktionären.“ Übrigens ein typischer Text für Zeit-Edelfeder Dieckmann. Er war die Hauptursache dafür, dass ich Die Zeit 2014 gekündigt habe.

Auch Göring-Eckardt war FDJ-Sekretärin für Propaganda

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Auch Katrin Göring-Eckardt war FDJ-Sekretärin für Propaganda und findet auch nichts dabei.

Es wäre zu viel verlangt, von der in der EKD tätigen Christin und abgebrochenen Theologiestudentin das Reflexionsniveau eines Jürgen Fuchs zu erwarten. Über ihn gibt es, ausgerechnet bei der grünen Heinrich-Böll-Stiftung, einiges zu lesen.

Hilde Benjamin war eine starke Frau

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So schwerfällig ist die Berliner Bürokratie gar nicht:

Kay Ehrhardt macht auf eine Broschüre des Bezirksamtes von Berlin-Steglitz-Zehlendorf aufmerksam: „Starke Frauen“, in der die berüchtigte SED-Justizministerin Hilde Benjamin als „starke Frau“ gewürdigt wird.

Kurze Zeit später führt der Link zur Broschüre auf der Bezirksamt-Webseite ins Leere.

Benjamin besuchte in Steglitz die Schule.

Der sozialistische „Arbeitskreis kritischer Jurist*/-Innen an der Humboldt-Universität zu Berlin“ hat auf seiner Webseite 2004 eine einfühlsame Biographie eingestellt.

Nachtrag: Dankenswerter Weise hat mir die FDP-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung die Broschüre als pdf zugesandt.

Bei vielen Würdigungen ist der Verfasser angegeben. Der Benjamin-Text gehört zu denjenigen, bei denen er fehlt.

Der Text der kritischen Juristen ist schon fast kritisch im Vergleich zum Text des Bezirksamtes. Die fortschrittliche, antifaschistische, feministische Genossin Benjamin war selbst ein Opfer: Die SED und die Sowjets hätten ihr die Urteile vorgeschrieben.

Da wäre es doch angebracht, dass die Bezirksverordnetenversammlung sie ehrt, mit einer Büste im Stadtpark oder einem Straßennamen. (Die Sedanstraße müsste doch schleunigst umbenannt werden.)

Update: Es ist zu hören, dass der Senat interveniert hätte. Die Broschüre soll neu gedruckt werden.

Genüsslich erzählt Journalist Boris Buchholz im Tagesspiegel, dass ein Linken-Politiker ein Buch über starke Steglitzer Frauen aus dem Jahr 1990 entdeckt habe, das ebenfalls Hilde Benjamin würdige. Ein CDU-Bezirksbürgermeister hatte damals, ohne daran Anstoß zu nehmen, ein Vorwort geschrieben.

Tempora mutantur…

Betonkommunistin Dr. Wagenknecht

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„Die DDR war das friedfertigste und menschenfreundlichste Gemeinwesen, das sich die Deutschen im Gesamt ihrer bisherigen Geschichte geschaffen haben.“

zit. nach Spiegel Online („Betonkommunistin“ steht in der Spiegel-Schlagzeile)

Weißer Schimmel Staatssozialismus

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In Die neue Zweiklassengesellschaft – Die Politik der Westöffnung und der innere Zerfall der SED-Parteibasis (Deutschland Archiv, 19.3.2018, www.bpb.de/266361) rekonstruiert Sabine Pannen die Schwächung der SED, die mit der Westöffnung Honeckers begonnen hätte.

In ihrem Fazit beschreibt sie das so: „Durch die Legalisierung der Westmark, den Ausbau der Intershops und die Lockerung der Westreiserestriktionen verlor die Parteiführung ihre Hoheit über den Zugang zu Ressourcen. Politische Loyalität wurde materiell wie ideell entwertet und SED-Mitglieder waren zunehmend weder fähig noch willens, die janusköpfige Politik der Parteiführung im Alltag zu vertreten. Unter denjenigen, die auch wegen ihres Berufs das Feindbild der SED zu vertreten hatten, führte die Herausbildung einer neuen Zweiklassengesellschaft zu einer regelrechten Sinnkrise. Diese Entwicklung des inneren Rückzugs, die den inneren Zerfall im Herbst 1989 vorbereitete, steht ganz in Kontrast zur mobilisierenden Kraft der SED und ihrer Gesellschaftskonzeption, die in den 1950er und 1960er Jahren von ihr ausging.“ Den Rest des Beitrags lesen »