DDR im Unterricht

Was man über die DDR gelesen haben sollte

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Die Liste hatte ich 2011 veröffentlicht und 2016 um einen Titel aktualisiert. Man kann nicht oft genug auf gute Bücher zur DDR hinweisen. Zu den meisten gibt es im Blog einen Beitrag. Die ursprüngliche Liste wurde leicht gekürzt. Die fett Gedruckten mag ich besonders. Die Reihenfolge ist zufällig:

Kurzübersicht zur Verwendung der Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“

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Mir fällt gerade auf, dass ich die hier gezeigte Präsentation digital nie öffentlich gemacht habe. Sie war vor drei Jahren für eine Vorstellung auf der Geschichtsmesse der Stiftung Aufarbeitung entstanden.

Am besten zu verstehen ist sie allerdings, wenn man die gleichnamige Handreichung und die dazu gehörigen Medien kennt.

Handreichung und Medienliste wurden seit 2009 über 10.000mal aufgerufen und 100mal heruntergeladen.

Rückmeldungen bekam ich leider nie.

Außer diesen beiden: Ein Brandenburger Geschichtslehrer wollte meine letzte reale Medienkiste erst haben, holte sie dann aber, ohne abzusagen zum vereinbarten Termin nicht ab. Und die für Schule zuständige Mitarbeiterin der Brandenburgischen Diktaturbeauftragten erblickte in der Handreichung einen Verstoß gegen den Beutelsbacher Konsens und riet mir zu einer Überarbeitung.

Was ich wohl nie erfahren werde: Was haben die gemacht, die die Seite aufgerufen haben? Haben sie vor Schreck gleich weitergeklickt, haben sie eigentlich eine Handreichung zum Angeln gesucht, waren sie dankbar, dass sie keine eigene Unterrichtsvorbereitung mehr schreiben mussten?

Nachtrag: Zufällig sehe ich, dass die Präsentation auf drei Plattformen ohne Herkunftsnachweis unter drei verschiedenen Namen hochgeladen hochgeladen wurde.

„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt.“ Die Dokumentation

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Die etwa 15minütige Dokumentation zeigt Unterrichtsprojekte aus vier hessischen Schulen. Die Schüler setzten sich ganz unterschiedlich, aber jeweils sehr kreativ mit dem Thema DDR auseinander.

  • Schüler einer Förderschule bauten mit Schuhkartons ein Stück Mauer auf dem Marktplatz von Herborn auf. Jeder Schuhkarton enthielt überdies eine nachgestellte Szene aus dem Alltag an der Zonengrenze oder im Zuchthaus. Ai Weiwei kann es mit dem Miniatur-Nachbau seiner Zelle in China nicht besser.

 

  • Über die Liebesgeschichte einer jungen Ostdeutschen zu einem Italiener dreht eine Klasse einen Film. Er basiert auf dem Besuch der Zeitzeugin in der Schule.
  • Der Schulalltag wird nachgespielt.
  • Eine Musik-AG erforscht Musik der DDR

 

Note 1 für jedes Projekt!

Wann sehe ich so etwas im rbb oder mdr?

 

„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt“. Unterrichtsprojekte in Hessen

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„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt“, Dokumentation des Hessischen Rundfunks, 3. TV-Programm, Di 26.07. 2016, 10:50 – 11:05 Uhr.

„(Das geteilte) Deutschland ist für Schüler von heute so weit weg wie der Dreißigjährige Krieg. Wie also sich der Geschichte des geteilten Deutschlands nähern? Einige Schülerinnen und Schüler aus Hessen sind ungewöhnliche und kreative Wege gegangen und haben sich die DDR ins Klassenzimmer geholt – so die Schüler der Kirchbergschule aus Herborn. Um ein Leben am Todesstreifen besser zu verstehen, haben sie die Mauer aus Schuhkartons nachgebaut, darin eingelassen: Modelle der Unterdrückung – vom Stasigefängnis bis zur Grenzanlage. Neu-Anspacher Schüler von der Adolf-Reichwein-Schule hingegen wollten durch ein Rollenspiel erfahren, wie der Alltag einer Schulklasse in der DDR aussah. Eine unmögliche, aber reale Liebesgeschichte zwischen Ost und West haben Schüler der August-Bebel-Gesamtschule aus Wetzlar nachgespielt. Das Drehbuch dazu lieferte ihnen Tatjana Sterneberg, die den Schülern ihre tragische Geschichte erzählte. Und die Schülerinnen und Schüler der Adam-von-Trott-Schule aus Sontra haben den musikalischen Teil der DDR erkundet. Um herauszufinden, wie er war, der typische Sound der DDR, haben sie Interviews geführt und selbst alte Songs gecovert.“ (Pressemitteilung des HR)

Die Dokumentation

Deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte im Unterricht

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Die Stiftung Aufarbeitung lädt am 22./23.4.16 zu einer Tagung mit diesem Titel nach Hamburg ein. Die Themen der Vorträge und Workshops hören sich gut an. Es sind Praktiker/-innen aus den Schulen eingeladen, die ihren Unterricht präsentieren.

Das ist ein realistischer Ansatz. Sehr oft werden ja aufwändige, längerfristige Projekte zur DDR-Thematik vorgestellt, die im Rahmen des regulären Unterrichts gar nicht durchgeführt werden könnten.

Ich würde hinfahren, wenn ich noch im Dienst wäre.

Der Rote Kakadu

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In der Liste der Medien der „Ampelmännchen und Todesschüsse“ – Medienkiste wird ergänzend der Spielfilm „Der Rote Kakadu“ genannt:

2006, 128´, Regie Dominik Graf, FWU-04602383, bei Bildstellen/Medienzentren ausleihbar, freigegeben ab 12; ich hätte eher 16 empfohlen.

Im „Roten Kakadu“, einem legendären Tanzlokal in Dresden, wird zu westlicher Musik wild gefeiert und getanzt. Luise, eine junge Dichterin und überzeugte Sozialistin, und ihr lebenslustiger Ehemann Wolle gehören zur Rock ’n‘ Roll-Szene. Als die Volkspolizei einer Tanzveranstaltung im Park gewaltsam ein Ende setzt, lernt Luise den 20-jährigen Bühnenmaler Siggi kennen, der sich in die Lyrikerin verliebt. Siggi findet schnell Anschluss an die Kakadu-Clique, deren Treiben zunehmend ins Visier der Stasi gerät. Als es zum Prozess gegen die Kakadu-Clique kommt, stellt sich für die Freunde einmal mehr die Frage: Weggehen oder bleiben?

Rückblickend aus der Perspektive Jugendlicher schildert Regisseur Dominik Graf in seinem Film ein Stück Lebens­geschichte aus der DDR kurz vor dem Bau der Berliner Mauer 1961. Es geht auch um das Lebens­gefühl und die Zukunftspläne junger Menschen, so dass den heutigen Jugendlichen zahlreiche Identi­fikationsmöglichkeiten geboten werden und die Bereitschaft befördert wird, sich mit der DDR-Geschichte intensiver zu befassen.

Es gibt eine DVD „Der rote Kakadu – Filmausschnitte und Informationsmaterial für den Unterricht, 36´, FWU 04602384. Das Filmheft der Bundeszentrale liegt (nicht in allen Medienkisten) bei (http://www.bpb.de/publikationen/1B80MJ,0,Der_Rote_Kakadu.html ).

Besonders brauchbar im Film oder auf der Arbeits-DVD: Die Eingangsszene: Vopo knüppelt auf Rock´n Roll-Fans ein. (Clip VTS_01_1)

 

Im Zusammenhang mit dem Gebot der Ausgewogenheit und dem Verbot der Überwältigung bei der Behandlung der DDR im Unterricht fällt mir der Film wieder ein. Ob meine Empfehlung (der fett geschriebene letzte Satz oben im Zitat) Schüler überwältigt?

Jetzt gibt mir Hans Günther Brée seinen Stichwortzettel, den er für eine Filmanalyse mit Kollegen seiner ehemaligen Schule vorbereitet hat. Den finde ich so hilfreich, dass ich jetzt sogar empfehlen würde, den gesamten Spielfilm im Unterricht einzusetzen. Ich danke ihm für die Erlaubnis, das Papier hier einzufügen.

Damit gehört der Film, ähnlich wie Klaus Kordons Buch „Das Krokodil im Nacken“ für mich zu den Medien, mit denen exemplarischer Unterricht gelingen könnte. Das ist für das DDR-Thema von besonderer Bedeutung, da nur sehr wenige Stunden zur Verfügung stehen. Wochenlange Unterrichtseinheiten, in denen mehr oder weniger systematisch Stoffhuberei betrieben wird, verbieten sich alleine deswegen schon.

 

Pro und Contra Diktatur. Mehr Ausgewogenheit beim Unterricht über die DDR?

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Dieser Text entstand, weil ich Handreichung und Literaturliste zur Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“ einmal der für Schule zuständigen Mitarbeiterin der Brandenburgischen Beauftragten für die Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur zum Lesen gab. Ich war so naiv zu glauben, dass das vom Hessischen Kultusministerium bezahlte Projekt auf Interesse stoßen würde. Auch auf ihre sachverständige Meinung hoffte ich.
Auf Nachfrage teilte sie mir per E-Mail mit, dass ich das überarbeiten müsste, denn es würde gegen das Überwältigungsverbot des Beutelsbacher Konsenses verstoßen. Außerdem hätte ich einmal die Abkürzung IM falsch erklärt.

 

Viele Jahre gab es den Vorwurf, das Thema DDR werde kaum unterrichtet und in den Köpfen vieler junger Schüler ­herrsche als DDR-Bild „die Vorstellung eines ärmlichen, skurrilen und witzigen Landes (vor), das aber irgendwie sehr sozial war”. So fasste Prof. Klaus Schroeder seine Studien zum Schülerwissen über die DDR vor allem in den neuen Bundesländern zusammen.[1]

Jetzt lautet der Vorwurf, dass die Repression im Vordergrund stünde und nicht das Fortschrittliche in der SED-Diktatur. Übersetzt heißt das wohl, zu viel Staatssicherheit, zu wenig Kita und Frauenemanzipation. Verlangt wird mehr Ausgewogenheit.

Dabei beruft man sich im Osten Deutschlands auf ein westdeutsches Dokument aus dem Jahre 1976, den Beutelsbacher Konsens.[2] Er ist – auf einer Seite zusammengefasst – das informelle Ergebnisprotokoll einer Tagung westdeutscher Politikdidaktiker: Politikunterricht darf nicht indoktrinieren. Er muss kontrovers und ausgewogen sein. Den Rest des Beitrags lesen »

Multimediaprojekt „Fluchthilfe“

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In der Gedenkstätte „Notaufnahmelager Berlin-Marienfelde“ gibt es eine Ausstellung über die verschiedenen Fluchtwege der DDR-Bewohner zwischen 1961 und 1989.

Jetzt gibt es das Ausstellungsthema als Multimediadokumentation: „Risiko Freiheit“.

In fünf Multimedia-Touren wird die Geschichte der deutsch-deutschen Fluchthilfe von 1961 bis 1989 exemplarisch erzählt. Zu jedem Abschnitt einer Tour gibt es Dokumente, Filme und Zeitzeugeninterviews.

Kategorialer Politikunterricht

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Im Politikunterricht habe ich gerne „kategorial“ unterrichtet: Was heißt Herrschaft, Partizipation, Demokratie usw. ? Wikipedia erklärt: Kategorie ist eine Klasse von Sachen, die gemeinsamen Bedingungen entsprechen, im Rahmen einer zusammenfassenden Klassifizierung. Anstatt der Fülle der Nachrichten hinterherzuhetzen oder in „Aktuellen Stunden“ an der Oberfläche des Geschehens zu kratzen, ging es mir darum, immer auf die Kategorien des Politischen zu stoßen und die Wahrnehmung der Schüler/-innen zu schärfen. Hilfreich war dafür u. a. die großartige Idee des Politikdidaktikers Wolfgang Hilligen, in seinem Sozialkundebuch für die Klassen 5 und 6 (Lang, lang ist´s her, am Beispiel der ersten europäischen Siedler in Nordamerika herauszufinden, welche Bedürfnisse sie hatten und wie sie sich organisierten, um zu (über-)leben. Auch Film und Buch „Herr der Fliegen“ helfen dabei. Das kann man selbstverständlich auf das Thema „DDR“ anwenden: Auch hier besteht die Neigung, vom Hölzchen auf´s Stöckchen zu kommen, Faktenhuberei zu betreiben und mit Arbeitsblättern Organigramme entziffern zu lassen.

Wer nicht begriffen hat, was Elemente eines Rechtsstaates sind oder dass es Unterschiede zwischen den Kategorien Diktatur und Demokratie gibt, findet die DDR nicht viel schlechter als die BRD. Um kategorial zu unterrichten, brauche ich keine sechswöchige Unterrichtseinheit, die die DDR erschöpfend durchnimmt.

Meine politikdidaktischen Grundsätze finden sich auch in den hessischen Rahmenrichtlinien Gesellschaftslehre von 1972. Die gerieten unter Sozialismusverdacht und wurden bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben. Dabei war es ein erzliberales Politikverständnis, das da zum Ausdruck kam.

Platzeck praeceptor occidentis

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Zuerst auf Basedow1764 am 22.12.2009

„Was wir brauchen, sind endlich mal Filme über das wirkliche Leben (in der SED-Diktatur; G.S.), in denen sich die Leute wirklich widergespiegelt fühlen.“ Die Westdeutschen, die sich in aller Regel nicht für den Osten interessierten, könnten dann dazu gebracht werden, auch mal zu fragen, wie es denn wirklich war.  Die Debatte um die Rolle der Stasi verstelle den Blick auf die Lebenswirklichkeit der meisten Bewohner. So der Stolpe-Nachfolger Matthias Platzeck letzte Woche im Brandenburger Landtag.

Getreu der Devise „Im Angriff liegt die beste Verteidigung“ verteidigt er sein Versöhnungsprojekt mit der in Brandenburg immer noch oder schon wieder Ton angebenden DDR-Elite. Zuerst ließ er einen Text im „Spiegel“ veröffentlichen, in dem er die angebliche westdeutsche Versöhnung mit den Nazis zum Vorbild erklärte. Damit wurde er der westdeutschen Nachkriegsgeschichte nicht ganz gerecht. Jetzt mahnt er ein differenziertes DDR-Bild an, das er bei den Westdeutschen vermisst. Nun sollte man Herrn Platzeck nicht vorwerfen, dass er sich in westdeutscher Geschichte und Gegenwart wenig auskennt. Wenn aber einer mit dem Finger auf die anderen zeigt, weisen die restlichen Finger der Hand auf ihn selbst zurück.

Die Brandenburger SPD und Ministerpräsident Platzeck haben aus der Vergangenheitsbewältigung in Brandenburg nach dem Wort eines Historikers eine „Komödie“ gemacht.

Wenn ihn die Stasi-Debatte so nervt und sie die Diktaturwirklichkeit scheinbar verdeckt, warum liefert er sich ausgerechnet einer Partei aus, deren Brandenburger Repräsentanten überwiegend aus IMs, FDJ-Dozentin, Hochschullehrer, Bezirkssekretär, Hochschulrektor, in Moskau ausgebildeten Akademikern usw. bestanden und bestehen?

Jörg Schönbohm, ehemaliger Bundeswehr-General und Vorsitzender der CDU Brandenburgs sagt in einem Zeitungsinterview zu  „Wilde Schwermut“, seinen lesenswerten Erinnerungen: „…, dass meine Landsleute im Osten relativ schnell beleidigt sind, wenn etwas Kritisches über sie gesagt wird, aber selbst gern kräftig gegen die Menschen im Westen austeilen. Nach zwanzig Jahren Einheit könnte die Gelassenheit auf beiden Seiten wirklich größer sein, …“

Was DDR-Aufarbeitung in Schulen angeht, kann Herr Platzeck vom Westen nur lernen: Baden-Württemberg hat eine Website zum Thema, die zu den besten gehört. In Hessen finanziert das Kultusministerium zumindest Medienkisten für Schulen. Einen CDU-Vorschlag, so etwas auch in Brandenburg zu machen, hat die SPD-Landtagsfraktion vor zwei Jahren abgelehnt.

Nachtrag 1.3.10: Die Brandenburger SPD plant einen Geschichts-Parteitag. Alt-Ministerpräsident Stolpe, gegen den laut Generalsekretär Ness eine Hetzjagd stattgefunden haben soll, ist als Hauptredner vorgesehen. Damit will MP Platzeck in der Debatte um den Brandenburger Nachwende-Sonderweg wieder die Führungsrolle übernehmen. Die Linkspartei will vor allem die Rolle der Wessis untersucht wissen.

Update 31.8.10: Ministerpräsident Platzeck hat weiterhin mehr Problem mit den Westdeutschen als mit SED und Linkspartei: Im „Spiegel“ 35/2010 lässt er kein gutes Haar am Einigungsvertrag: „Gnadenlose Deindustrialisierung“ und bedient die Mythen von den Alternativen dazu. Manfred Stolpe (SPD) und Kerstin Kaiser (Linkspartei) sind begeistert.

Sich mit den Westdeutschen zu versöhnen, ist für Platzeck anscheinend unmöglich.

Update zum Geschichtswissen von Matthias Platzeck (8. Mai 2015)