DDR im Unterricht

Nur das Politbüro tanzte den Lipsi

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Die SED kopierte – meist notgedrungen – westliche Moden und Produkte:

SPON-einestages

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Spielfilme zum Thema DDR

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Ein Freund hat eine Liste nach 1990 entstandener Spielfilme zusammengestellt und annotiert. Sie können auch für Unterricht von Interesse sein.

Hans Günther Brée weist darauf hin, dass die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes eine bis zu 15%ige Verwendung im Untericht ohne Lizenz erlaubt.

Die Liste stellt eine aktuelle Ergänzung meiner Medienliste zum Unterrichtsthema DDR dar.

Das Jugendwiderstandsmuseum in Berlin

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Jugendwiderstandsmuseum

In der Galiläakirche in Berlin-Friedrichshain gibt es eine kleine ständige Ausstellung zum Jugendwiderstand in der DDR.

Die Kirche ist heute Museum und Veranstaltungsort vor allem für Konzerte. In der DDR war sie eine der Kirchen, in denen die Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang nahm. „Schwerter zu Pflugscharen“ war ein erfolgreicher Slogan. Eine Plastik dieses Namens war ein Geschenk der UdSSR an die UNO und stand vor dem New Yorker UNO-Hauptgebäude. Das Symbol gab es als Lesezeichen. Als Aufnäher prangte es auf den Jacken Jugendlicher.

Es wurde zum Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Das veranlasste die SED dazu, dagegen vorzugehen. Wer mit dem Aufnäher angetroffen wurde, musste ihn je nach Freundlichkeit der Polizisten entweder sofort abtrennen, die Jacke herausgeben oder ins Polizeirevier mitkommen, wo nicht selten weitere Schikanen drohten. Viele Jugendliche wurden wegen des Aufnähers von der Schule verwiesen oder von Lehre und Studium ausgeschlossen. Das MfS notierte am 1. August 1982 insgesamt 3.676 Personen mit diesem Aufnäher festgestellt zu haben. Laut einer Schätzung sollen ihn jedoch fast 100.000 Menschen getragen haben.

schwerterMehr dazu im Buch von Anke Silomon, „Schwerter zu Pflugscharen“ und die DDR. Die Friedensarbeit der evangelischen Kirchen in der DDR im Rahmen der Friedensdekaden 1980-1982. Göttingen 1999. (Frau Silomon hat auch hervorragend über die Potsdamer Garnisonkirche geschrieben.)

Auf der Webseite gibt es nähere Informationen über die kleine Ausstellung. Für Schulklassen gibt es Führungen.

Weiterführende Informationen zu oppositionellen Jugendlichen gibt es auf der multimedialen Plattform jugendopposition.de

In der Ausstellung gefunden: zwei „Nachrichten“ des Neuen Deutschland vom 10. November 1989. Man beachte das Datum! Am 9.11. war die Mauer gefallen.

Neues Deutschland

Siehe auch:

Dirk Moldt, Jugendwiderstand im letzten Jahrzehnt der DDR-Hauptstadt, in: 150 Jahre Metropole Berlin, hrsg. von Susanne Kähler, Wolfgang Krogel, Manfred Uhlig, Berlin 2015, pp 231-246

Moldt schreibt in seiner Studie, dass die evangelische Kirche in den 70er Jahren die Jugendbetreuung intensivierte, um sich von der SED nicht länger auf Alten- und Krankenbetreuung reduzieren zu lassen. Dass sich daraus ein Jugendwiderstand gegen das Regime entwickelte, war nicht beabsichtigt. die Kirchenleitung hat denn auch eher gebremst als ermuntert.

„Feindliche Jugend?“, Fallsammlung aus den Akten der BStU

Neues Kartenspiel zur Vermittlung von Wissen über die DDR

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Mit den Karten des Spiels „Wendepunkte“ können Schüler der oberen Mittelstufe, aber nicht nur die, das Leben in der DDR und in der Zeit nach der Friedlichen Revolution kennenlernen.

Das Spiel entwickelt sich anhand von biographischen Elementen – Engagement in der Kirche, Eintritt in die SED, Studium in Moskau oder heimlich Flugblätter verteilen.

Die DDR ist nicht auf Statistik, Organigramm, Gesetzestext oder Mauerfoto reduziert, sondern es werden Lebensläufe und persönliche Entscheidungen mit dem kommunistischen System verschränkt und damit das Leben in diesem Staat konkret und nachvollziehbar.

Natürlich darf ein Lehrerheft nicht fehlen. Es enthält die nötigen Informationen zum Spiel, aber vor allem Anregungen, Materialien und Links zu sechs Themenblöcken, die wiederum der Verschränkung von Ideologie und individuellen Biographien treu bleiben.

Es ist ein großer Wurf!

Jeder Geschichtslehrer weiß, dass das, wozu Kartenspiel und vertiefende Arbeitsanregungen im Lehrerheft auffordern, im Regelunterricht zeitlich nicht zu leisten ist. Da stellt man mit Schrecken fest, dass das Schuljahr schon bald vorbei ist und man im Geschichtsunterricht beim Nationalsozialismus hängen geblieben ist. (Über Politikunterricht, den es in Berlin in der Mittelstufe so gut wie nicht gibt, und die Kompetenzorientierung von Unterricht, durch die Inhalte austauschbar werden, will ich gar nicht erst reden.) Aber man kann Projekttage und -wochen damit gestalten. Auch ist in Vergessenheit geraten, dass man Themenelemente auch schon in früheren Jahrgängen behandeln kann oder exemplarisch vorgeht.

Michael Geithner, Social Media Manager des Berliner DDR-Museums, das ich in diesem Blog schon mehrmals gelobt habe, ist einer der beiden Autoren des Kartenspiels. Dank der Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung kann es Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Dieses DDR-Museum leistet eine großartige Arbeit, eben weil es sich nicht als bloße Devotionaliensammlung von DDR-Alltagsgegenständen wie etwa das Museum in Eisenhüttenstadt versteht. (Wobei Alltagsleben und seine Objekte in Berlin keineswegs zu kurz kommen. Es gibt eine Objekt-Datenbank!) Es ist ein aktives Museum, das u. a. Veranstaltungen anbietet und einen Wissenschaftler Fragen zur DDR beantworten lässt.

 

Was man über die DDR gelesen haben sollte

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Die Liste hatte ich 2011 veröffentlicht und 2016 um einen Titel aktualisiert. Man kann nicht oft genug auf gute Bücher zur DDR hinweisen. Zu den meisten gibt es im Blog einen Beitrag. Die ursprüngliche Liste wurde leicht gekürzt. Die fett Gedruckten mag ich besonders. Die Reihenfolge ist zufällig:

Kurzübersicht zur Verwendung der Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“

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Mir fällt gerade auf, dass ich die hier gezeigte Präsentation digital nie öffentlich gemacht habe. Sie war vor drei Jahren für eine Vorstellung auf der Geschichtsmesse der Stiftung Aufarbeitung entstanden.

Am besten zu verstehen ist sie allerdings, wenn man die gleichnamige Handreichung und die dazu gehörigen Medien kennt.

Handreichung und Medienliste wurden seit 2009 über 10.000mal aufgerufen und 100mal heruntergeladen.

Rückmeldungen bekam ich leider nie.

Außer diesen beiden: Ein Brandenburger Geschichtslehrer wollte meine letzte reale Medienkiste erst haben, holte sie dann aber, ohne abzusagen zum vereinbarten Termin nicht ab. Und die für Schule zuständige Mitarbeiterin der Brandenburgischen Diktaturbeauftragten erblickte in der Handreichung einen Verstoß gegen den Beutelsbacher Konsens und riet mir zu einer Überarbeitung.

Was ich wohl nie erfahren werde: Was haben die gemacht, die die Seite aufgerufen haben? Haben sie vor Schreck gleich weitergeklickt, haben sie eigentlich eine Handreichung zum Angeln gesucht, waren sie dankbar, dass sie keine eigene Unterrichtsvorbereitung mehr schreiben mussten?

Nachtrag: Zufällig sehe ich, dass die Präsentation auf drei Plattformen ohne Herkunftsnachweis unter drei verschiedenen Namen hochgeladen hochgeladen wurde.

Der Film und die DDR im Unterricht

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Der Vortragssaal der Gedenkstätte Lindenstraße in Potsdam war in der Nazizeit und in der Zeit als Stasi-Untersuchungsgefängnis Gerichtssaal. Am vergangenen Wochenende stand da ein großer Käfig. Er stellte die Zelle dar, in der Manfred Lenz nach seiner missglückten Flucht einsaß. Klaus Kordon erzählt in „Das Krokodil im Nacken“ den DDR-Teil seiner Biographie unter dem Namen Manfred Lenz. Die Schilderung seines Verhörs durch einen MfS-Vernehmer habe ich nie mehr vergessen. Zumindest darin war die DDR den Methoden der Nazis ebenbürtig.

Aufgeführt wurde in dem Käfig als Zweipersonenstück die Haft- und Vernehmungssituation, eingebettet waren Erinnerungen an Kindheit und Jugend, an die Mutter, eine kurze Besuchszeit der ebenfalls eingesperrten Ehefrau.

In dem leider für Schulzwecke mit 90 Minuten zu langen Stück konnten die menschenverachtenden Haftbedingungen und Verhörpraktiken eindringlich dargestellt werden.

So oft es ging, habe ich Kordons „Krokodil“ als Schullektüre empfohlen; es gibt eine gekürzte Schulausgabe bei Beltz. Das Buch kann der Einstieg in eine Betrachtung der SED-Diktatur sein oder diese sogar zum Teil ersetzen, weil darin alles vorkommt, was einen Unrechtsstaat ausmacht, aber gleichzeitig verständlich wird, dass man in der DDR nicht von vornherein unglücklich aufwachsen oder leben muss. Fluchtgründe lagen oft, wie bei den Kordons, nicht in den materiellen Mangelsituationen, sondern in der geistigen Enge des Landes, der Verlogenheit der Propaganda, der fehlenden Freiheit des Denkens und des Reisens.

Es war der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung und Kooperationspartnrn zu verdanken, dass das Stück ohne Eintrittskosten den Potsdamern gezeigt wurde. Der Saal war leider nur nicht ganz gefüllt.

Zur anschließenden Podiumsdiskussion blieb nur ein Dutzend Zuhörer.

Das Thema „Film und DDR im Unterricht“ leuchtete mir im Zusammenhang mit dem Theaterstück nicht ganz ein. Es sollte um die Rolle des Films als Medium bei der Aufarbeitung der DDR gehen. Zwischendurch war auch vom Beitrag der Kunst überhaupt die Rede. Eröffnet wurde das Gespräch mit der Feststellung der Diskussionsleiterin, dass Schüler den Unterschied zwischen Diktatur und Demokratie nicht wüssten.

In der Einladung hieß es: Beteiligen Sie sich an der Diskussion! Bringen Sie Ihre Erfahrungen ein! Das ließ die Diskussionsleiterin, die neue Leiterin der Gedenkstätte Lindenstraße, aber nicht zu, warum auch immer. Was die Veranstaltung mit dem Thema „Der Film und die DDR im Unterricht“ zu tun hatte, erschloß sich mir nicht.

Es war das erste Mal in zehn Jahren nach ca. 60 Veranstaltungen zur DDR, dass ich enttäuscht wurde.

„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt.“ Die Dokumentation

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Die etwa 15minütige Dokumentation zeigt Unterrichtsprojekte aus vier hessischen Schulen. Die Schüler setzten sich ganz unterschiedlich, aber jeweils sehr kreativ mit dem Thema DDR auseinander.

  • Schüler einer Förderschule bauten mit Schuhkartons ein Stück Mauer auf dem Marktplatz von Herborn auf. Jeder Schuhkarton enthielt überdies eine nachgestellte Szene aus dem Alltag an der Zonengrenze oder im Zuchthaus. Ai Weiwei kann es mit dem Miniatur-Nachbau seiner Zelle in China nicht besser.

 

  • Über die Liebesgeschichte einer jungen Ostdeutschen zu einem Italiener dreht eine Klasse einen Film. Er basiert auf dem Besuch der Zeitzeugin in der Schule.
  • Der Schulalltag wird nachgespielt.
  • Eine Musik-AG erforscht Musik der DDR

 

Note 1 für jedes Projekt!

Wann sehe ich so etwas im rbb oder mdr?

 

„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt“. Unterrichtsprojekte in Hessen

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„Wenn die DDR ins Klassenzimmer kommt“, Dokumentation des Hessischen Rundfunks, 3. TV-Programm, Di 26.07. 2016, 10:50 – 11:05 Uhr.

„(Das geteilte) Deutschland ist für Schüler von heute so weit weg wie der Dreißigjährige Krieg. Wie also sich der Geschichte des geteilten Deutschlands nähern? Einige Schülerinnen und Schüler aus Hessen sind ungewöhnliche und kreative Wege gegangen und haben sich die DDR ins Klassenzimmer geholt – so die Schüler der Kirchbergschule aus Herborn. Um ein Leben am Todesstreifen besser zu verstehen, haben sie die Mauer aus Schuhkartons nachgebaut, darin eingelassen: Modelle der Unterdrückung – vom Stasigefängnis bis zur Grenzanlage. Neu-Anspacher Schüler von der Adolf-Reichwein-Schule hingegen wollten durch ein Rollenspiel erfahren, wie der Alltag einer Schulklasse in der DDR aussah. Eine unmögliche, aber reale Liebesgeschichte zwischen Ost und West haben Schüler der August-Bebel-Gesamtschule aus Wetzlar nachgespielt. Das Drehbuch dazu lieferte ihnen Tatjana Sterneberg, die den Schülern ihre tragische Geschichte erzählte. Und die Schülerinnen und Schüler der Adam-von-Trott-Schule aus Sontra haben den musikalischen Teil der DDR erkundet. Um herauszufinden, wie er war, der typische Sound der DDR, haben sie Interviews geführt und selbst alte Songs gecovert.“ (Pressemitteilung des HR)

Die Dokumentation

Deutsch-deutsche Nachkriegsgeschichte im Unterricht

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Die Stiftung Aufarbeitung lädt am 22./23.4.16 zu einer Tagung mit diesem Titel nach Hamburg ein. Die Themen der Vorträge und Workshops hören sich gut an. Es sind Praktiker/-innen aus den Schulen eingeladen, die ihren Unterricht präsentieren.

Das ist ein realistischer Ansatz. Sehr oft werden ja aufwändige, längerfristige Projekte zur DDR-Thematik vorgestellt, die im Rahmen des regulären Unterrichts gar nicht durchgeführt werden könnten.

Ich würde hinfahren, wenn ich noch im Dienst wäre.