DDR-Aufarbeitung

Die Bände der Enquete-Kommissionen zur DDR sind online!

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Die Protokolle der beiden Enquetekommissionen

Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland (1992-1994) und Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit (1995-1998)

sind online recherchierbar.

Der Inhalt verteilt sich auf die einzelnen Bände wie folgt (vgl. das Gesamtin-
haltsverzeichnis in diesem Band):

 

12. Legislaturperiode: Aufarbeitung von Geschichte…

Band I: Die Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag – Anträge
der Fraktionen/Gruppen und Debatten des Deutschen Bundestages, Bericht der Enquete-Kommission vom 31.Mai 1994;
Band II: Machtstrukturen und Entscheidungsmechanismen im SED-
Staat und die Frage der Verantwortung – Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten, Vorträge;
Band III: Rolle und Bedeutung der Ideologie, integrativer Faktoren
und disziplinierender Praktiken in Staat und Gesellschaft der
DDR – Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten;
Band IV: Recht, Justiz und Polizei im SED-Staat – Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten;
Band V: Deutschlandpolitik, innerdeutsche Beziehungen und internationale Rahmenbedingungen – Protokolle, Berichte, Expertisen,
Gutachten;
Band VI: Rolle und Selbstverständnis der Kirchen in den verschiedenen
Phasen der SED-Diktatur – Protokolle, Berichte, Expertisen,
Gutachten, Vortrag;
Band VII: Möglichkeiten und Formen abweichenden und widerständigen
Verhaltens und oppositionellen Handelns, die friedliche Revolution im Herbst 1989, die Wiedervereinigung Deutschlands
und Fortwirken von Strukturen und Mechanismen der Diktatur – Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten, Vorträge;
Band VIII: Das Ministerium für Staatssicherheit – Protokoll, Berichte,
Expertisen, Gutachten. – Seilschaften, Altkader, Regierungs-
und Vereinigungskriminalität – Protokoll, Studie;
Band IX: Formen und Ziele der Auseinandersetzung mit den beiden
Diktaturen in Deutschland – Protokolle.

 

13. Legislaturperiode: Überwindung der Folgen…

Band I: Die Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag: Anträge der
Fraktionen/der Gruppe, Beschlußempfehlungen von Ausschüs-
sen und Debatten des Deutschen Bundestages, Zwischenbericht
und Schlußbericht der Enquete-Kommission. – Besondere Ver-
anstaltungen: Protokolle;
Band II: Strukturelle Leistungsfähigkeit des Rechtsstaats Bundesrepublik
Deutschland bei der Überwindung der Folgen der SED-Diktatur
im Prozeß der deutschen Einheit – Opfer der SED-Diktatur/Elitenwechsel im öffentlichen Dienst/justitielle Aufarbei-
tung: Protokolle, Berichte, Expertisen;
Band III: Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik: Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten;
Band IV: Bildung, Wissenschaft, Kultur: Protokolle, Expertisen;
Band V: Alltagsleben in der DDR und in den neuen Ländern: Protokolle,
Expertisen;
Band VI: Gesamtdeutsche Formen der Erinnerung an die beiden deutschen
Diktaturen und ihre Opfer: Protokolle, Berichte, Expertisen.
– Archive: Berichte, Expertisen, Gutachten;
Band VII: Herausforderungen für die künftige Aufarbeitung der SED-
Diktatur: Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten. – Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung totalitärer Diktaturen: Protokoll;

 

Großartig! Das hätte ich mir schon früher gewünscht.

Jede Sekundarstufenschule in Deutschland hätte die Bände schon vor 20 Jahren bekommen müssen. Sie sind eine Fundgrube von Materialien. Vieles ist heute schon fast vergessen. Das erleichtert natürlich die Verniedlichung der DDR.

Fett: Hervorhebung von mir

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Wiedervereinigung: Unzucht mit Abhängigen

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Zur Zeit hat die Weichzeichnung der DDR wieder einmal Konjunktur. Ein besonders krasses Beispiel: Der Deutschlandfunk will „Die DDR neu erzählen“. Zu Wort kommen altbekannte Weichzeichner wie die linke britische Historikerin Fulbrook oder Günter Grass. Die westdeutsche Verharmlosung der SED-Diktatur im Zuge der Brandt-Bahrschen Ostpolitik wird als Norm gesetzt und für das, was nach 1989 „erzählt“ wird, stünde exemplarisch die Agitation eines Hubertus Knabe. Der hätte die Deutungshoheit über die DDR-Erzählung gehabt. Und dann durfte auch noch ein Zeitzeuge mit Nazi-Sympathie sein Unwesen bei Knabe in Hohenschönhausen treiben. Das kommt davon, wenn man die umstrittene Totalitarismustheorie auf die DDR anwendet. In der DDR hätte es keine Gaskammern gegeben, die DDR hätte nicht Polen überfallen. (Aber gerne beim Einmarsch 1968 in CSSR mitgemacht und 500.000 Tellerminen für die Eroberung von Südvietnam gespendet; GS)

Man rede nur über Stasi, Unrecht und Repression, nicht über das normale Leben in der DDR. Bei der Darstellung der BRD gehe es ja auch nicht allein um Berufsverbot, die Fortwirkung der NS-Elite, die Jagd auf Homosexuelle.

Urheber des Lamentos ist der Publizist Dr. Karsten Krampitz, Linksparteimitglied bis 2018, Aktivist der Hausbesetzerszene, laut Tagesspiegel einer der besten Kenner der DDR-Spätphase. Er wärmt für den ARD-Sender auf, was seit 30 Jahren erzählt wird: Die Wende wäre schuld, die Treuhand, die westdeutschen Führungskräfte, die die SED-Manager abgelöst haben.

Der Kapitalismus hat die heile Welt der DDR-Menschen zerstört: „Zu einem Volkseigenen Betrieb gehörte ein Kindergarten, eine Bibliothek, ein Sportverein, eine Ambulanz, oft genug auch eine Physiotherapie. Betriebseigene Kulturhäuser waren keine Seltenheit.“ Jetzt herrscht der Turbokapitalismus mit seinen hohen Mieten, niedrigen Löhnen und Renten. Was die westlichen Raubritter machten, wäre mit dem Schriftsteller Wolfgang Hilbig, „Unzucht mit Abhängigen“.

Krampitz weiß: „Im postulierten Geschichtsbild von der kommunistischen Gewaltherrschaft finden sich nur die allerwenigsten Ostdeutschen wieder. Ein Leben aber, das nicht erzählt werden kann, macht Menschen krank…

Ist es denkbar, dass der Hass in Ostdeutschland, der Rassismus und der Aufstieg der AfD auch auf die offizielle Geschichtspolitik zurückzuführen sind?“

Krampitz will die DDR nicht dämonisieren, aber auch nicht verklären. Da sind ihm dann doch die Maßstäbe ein wenig verrutscht: Unzucht mit Abhängigen eben.

 

28 Jahre später…

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Es gibt welche, die lamentieren, dass die Schäden durch 40 Jahre Planwirtschaft und Diktatur immer noch nicht restlos beseitigt wären.

Das, was geleistet wurde, ist schon großartig. Und dass es so schnell ging.

Klausberg-Belvedere 1990
Foto: Stefan Koppelkamm, Klausberg-Belvedere, Potsdam 1990, SPON einestages, 2010

Kritischer Blick auf die ostdeutsche Wirtschaft

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Joachim Ragnatz vom Dresdner Ifo-Institut äußert sich drastisch zu den Fehlern der Ost-Förderung. Er spricht ein paar unbequeme Wahrheiten aus.

Der Ökonom fordert eine Abkehr vom Prinzip der flächendeckenden, gleich guten Versorgung. Vierspurige Straßen in menschenleeren Regionen findet er übertrieben. Flächendeckende Breitbandversorgung, Schule, Feuerwehr, Ärzte, Busse und Bahnen in jedem Dorf seien nicht finanzierbar.

Andere Staaten wie Frankreich, Spanien und die USA hätten längst die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Landesteilen aufgegeben. Er rät dazu, gegebenenfalls Prämien für den Umzug in größere Städte und Gemeinden auszuloben.

Die Bevölkerungszahl würde weiter sinken, von jetzt 12,5 auf 9,5 Millionen in 30 Jahren. Die Studenten ostdeutscher Universitäten würden sich nach dem Studienabschluss dorthin orientieren, wo es die höheren Gehälter gäbe, nach Westdeutschland. Deshalb hält er neue Arbeitsplätze in Ostdeutschland gar nicht für wünschenswert. Angesichts der demographischen Entwicklung, wie er sie sieht, rät er davon ab, weitere Arbeitsplätze zu schaffen. In der Zeitung lese ich, dass in Berlin und Brandenburg 50.000 Arbeitsplätze unbesetzt sind.

Für die 16.000 demnächst in der Lausitz wegfallenden Arbeitsplätze wegen des Kohleausstiegs hat er wenig Hoffnung. In den hohen Erwartungen der Ostdeutschen an staatliche Industriepolitik sieht er ein Erbe der DDR-Sozialisation. Er ist da eher skeptisch und nennt als Beispiel die Förderung der Solarindustrie.

Deutschland sei ein Land, das stark vom Export lebe. Im Osten gäbe es zu wenig exportierende Industrie.

Allerdings sieht er die positive Entwicklung, die ostdeutsche Städte genommen haben. Er nennt Leipzig, Jena, Berlin, auch Eisenach, Erfurt, Halle oder Rostock. Was ist mit Potsdam?

Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die ständige Rede vom abgehängten Osten, die Medien und Linkspartei pflegen, ist so falsch wie der Alarmismus der Grünlinken bei Feinstaub, CO2 und Stickoxid. Die Luftqualität hat sich über Jahrzehnte gewaltig verbessert, zumal in Ostdeutschland. Aber es wird so getan, als ob jährlich Tausende an schlechter Luft sterben würden. Was sich in noch den drei Jahrzehnten nach dem Untergang der DDR verbessert hat, wird genauso wenig geschätzt und kommuniziert. Sogar der Abbau der Arbeitslosigkeit kann sich sehen lassen.

Recht hat Herr Ragnatz beim Problem der flächendeckend gleichen Lebensbedingungen. Das stellt sich aber genauso in Westdeutschland. Man muss klar sagen, dass es für dünn besiedelte Landstriche nicht denselben Standard wie für Ballungsgebiete geben kann. Die Länder müssen realistischer werden und auch innovativer. Während der Straßen- und Radwegebau in Brandenburg in der Provinz vorbildlich ist, hat man im Berliner Speckgürtel den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs verschlafen. 

Aber wenn die Worte des Wirtschaftswissenschaftlers eine Debatte anstoßen würden, wäre das nicht schlecht.

Nach FAZ v. 26.9.18, p 17: „Manche Dörfer sollten wir desser schießen.“

Hilde Benjamin war eine starke Frau

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So schwerfällig ist die Berliner Bürokratie gar nicht:

Kay Ehrhardt macht auf eine Broschüre des Bezirksamtes von Berlin-Steglitz-Zehlendorf aufmerksam: „Starke Frauen“, in der die berüchtigte SED-Justizministerin Hilde Benjamin als „starke Frau“ gewürdigt wird.

Kurze Zeit später führt der Link zur Broschüre auf der Bezirksamt-Webseite ins Leere.

Benjamin besuchte in Steglitz die Schule.

Der sozialistische „Arbeitskreis kritischer Jurist*/-Innen an der Humboldt-Universität zu Berlin“ hat auf seiner Webseite 2004 eine einfühlsame Biographie eingestellt.

Nachtrag: Dankenswerter Weise hat mir die FDP-Fraktion der Bezirksverordnetenversammlung die Broschüre als pdf zugesandt. Bei vielen Würdigungen ist der Verfasser angegeben. Der Benjamin-Text gehört zu denjenigen, bei denen er fehlt(!).

Der Text der kritischen Juristen ist schon fast kritisch im Vergleich zum Text des Bezirksamtes. Die fortschrittliche, antifaschistische, feministische Genossin Benjamin wäre selbst Opfer gewesen: Die SED und die Sowjets hätten ihr die Urteile vorgeschrieben.

Da wäre es denn doch angebracht, dass die Bezirksverordnetenversammlung sie ehrt, mit einer Büste im Stadtpark oder einem Straßennamen. (Die Sedanstraße müsste doch schleunigst umbenannt werden.)

Update: Es ist zu hören, dass der Senat interveniert hätte. Die Broschüre soll neu gedruckt werden.

Genüsslich erzählt Journalist Boris Buchholz im linken Tagesspiegel, dass ein Linken-Politiker ein Buch über starke Steglitzer Frauen aus dem Jahr 1990 entdeckt habe, das ebenfalls Hilde Benjamin würdige. Ein CDU-Bezirksbürgermeister hatte damals, ohne daran Anstoß zu nehmen, ein Vorwort geschrieben.

Tempora mutantur…

Wo bleibt der Osten?

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Das fragt heute der Aufmacher von PNN/Tagesspiegel. Die Medien verlängern wieder einmal das beliebte Narrativ von den fehlenden Ost-Eliten im nachrevolutionären Deutschland.

Mich erinnert die wiederholte Kampagne an das Projekt einer Kunstschaffenden-Truppe, die „Dritte Generation Ost“ zu kreieren. Die Aktivisten ernannten die um die Friedliche Revolution herum Geborenen zu Spätgeborenen der DDR anstatt zur ersten postsozialistischen Generation. Unter reger Anteilnahme der Medien veranstalteten sie Theateraufführungen, Diskussionsrunden, Tagungen. Sie forderten die Schaffung einer Dritte Generation West. Der Austausch zwischen diesen Generationen hätte natürlich reichlich weiteren Stoff für Symposien, Studien und Projektwochen geliefert. Kein Wunder, dass die Geschäftsführerin für ihr Projekt Staatsknete forderte.

(Der Eindruck, der erweckt worden war, dass ohne das Projekt die DDR-Aufarbeitung unzureichend wäre, traf nicht zu.) Glücklicherweise ist es still geworden um die Gruppe.

Jetzt also, 29 Jahre nach der Friedlichen Revolution will die SPD einen ostdeutschen SPD-Bundesminister. (Das Thema war auch schon 2016 und 2017 beliebt.)

Klappt es mit dem angeblich ausbleibenden Aufschwung Ost deshalb nicht, weil in der Bundesregierung ein ostdeutscher Minister fehlt? Von den diversen Ost-Beauftragten der Bundesregierung hörte man nie viel und wenn, nicht nur Lobenswertes. Zur Erinnerung:

  • Bisherige ostdeutsche Bundesminister: Günter Krause, Claudia Nolte, Manuela Schwesig, Manfred Stolpe, Wolfgang Tiefensee, Johanna Wanka
  • Bisherige ostdeutsche Bundeskanzler: Angela Merkel
  • Bisherige ostdeutsche Bundespräsidenten: Joachim Gauck

Wieso eigentlich ostdeutsch? Es müsste doch heißen: thüringisch! sachsen-anhaltinisch! mecklenburg-vorpommerisch! brandenburgisch! sächsisch! Warum soll ein Sachse einem Mecklenburger vorgezogen werden? Da sollte man an ein Rotationsmodell denken.

Es ist überheblich, eine ostdeutsche Repräsentanz im Bundeskabinett für die SPD zu beanspruchen. Bei der Bundestagswahl 2017 lag die Partei in Ostdeutschland an vierter Stelle, hinter CDU, AfD und Linkspartei!

Sind wir genderpolitisch und multikulturell nicht auch schon weiter? Müsste es nicht eher einen sachsen-anhaltinischen Transgendermann geben statt einer heterosexuellen brandenburgischen SPD-Politikerin? Der Tagesspiegel enttäuscht, weil er kein kritisches Wort dazu findet. Schließlich hat er eine Gender-Redaktion, die sonst die Interessen Andersgeschlechtlicher zu wahren weiß.

Hinter dem Ruf nach einem Ostdeutschen mit dazugehöriger Mentalität(!) steht das Gefühl, Ostdeutsche würden bei der Besetzung ostdeutscher Führungspositionen übersehen.

Der hohe Anteil Westdeutscher an Führungspositionen in den neuen Bundesländern lässt sich begründen: Wenn man, sagen wir 1980, in Ostdeutschland geboren wurde, könnte man jetzt die beiden juristischen Staatsexamina bestanden, schon mehrere Jahre Berufspraxis haben und verbeamtet sein. Der Zeitpunkt, an eine Bewerbung als Gerichtspräsident, gar als Bundesrichter, zu denken, rückt näher. So viel zum westdeutschen „Kolonialismus“.

Die letzten in der DDR ausgebildeten Kader gehen jetzt nach 25 bis 30 Jahren in den Ruhestand. Erst danach beginnt eine postsozialistisch ausgebildete Generation die Berufspraxis.

Wie hätte es anders laufen sollen? Der Leiter der Oberfinanzdirektion Dresden? Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Neuruppin, der Präsident des brandenburgischen Landesrechnungshofes? Es galt, die Jahrhundertaufgabe der Übertragung des westdeutschen Rechts-, Steuer- und Wirtschaftssystems zu stemmen. Lag es da nicht nahe, westdeutsche Fachleute für diesen Aufbau zu holen? (Auch mit dem Risiko, dass es darunter Versager gibt.)

Was wir nicht vergessen sollten: die Elitenkontinuität im Osten, nicht zuletzt in Brandenburg.

 

Stasi-Unterlagen gehören ins Bundesarchiv, meint Jochen Staadt

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Der Historiker Jochen Staadt setzt sich in einem Artikel in der FAZ vom 22.1.18, p 6, „Die Schwarzmaler. Erfahrungsbericht mit der Stasi-Unterlagenbehörde“ sehr kritisch mit der Arbeit der Behörde auseinander.

Aus seiner Sicht, der des Historikers, der die Stasi-Unterlagen als Quelle benutzen will, gibt es erhebliche Defizite.

Es sei nicht gelungen, die Materialien fachgerecht zu erschließen, die Behörde wisse selbst nicht, was sie besitze. Als Beispiel nennt er die Kurras-Akte. Frau Birthler hatte den späten Fund damit entschuldigt, dass niemand die Behörde danach gefragt hätte. Das lässt Staadt nicht gelten. Ein Archiv müsse wissen, was es habe und selbst aktiv werden, wenn in der Öffentlichkeit Namen genannt würden.

Angefragte Akten existieren angeblich nicht, obwohl auf sie in externen Quellen hingewiesen wird. Das Bundesarchiv teile mit, welche Akten neu erschlossen wurden. Einen solchen Dienst gäbe es nicht. Forscher müssten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor sie an Akten herandürfen.

Der Nachfolger einer Aktenverwalterin findet zu einer Suchanfrage eines Wissenschaftlers weitaus mehr Quellen als diese. Bei Aktenkopien hätten die Bestelldaten gefehlt, so dass der Bezug erneut herausgesucht werden musste. Es hätte Ablehnungen der Herausgabe gegeben, die erst mit der Behördenleitung geklärt werden mussten.

Im Bundesarchiv und im Archiv des Auswärtigen Amtes dürften Forscher Archivgut mit dem Handy fotografieren. Als eine Forscherin das bei der Stasibehörde machte, erhielt sie Hausverbot.

Am schlimmsten aber wäre die „Schwarzmalerei“. Über 400 Angestellte seien damit beschäftigt, Stellen zu schwärzen, die nicht öffentlich werden dürften. Staadt zählt genüsslich auf, was darunter fällt: Das Geburtsdatum von Helmut Schmidt, die Namen von bei der DDR akkreditierten Botschaftern, der Nachname von Horst Mahler, 70 Jahre alte DDR-KfZ-Kennzeichen. In manchen frei gegebenen Kopien sei fast alles schwarz. Manche Schwärzungen seien in externen Quellen aber im Klartext lesbar.

Die herausgegebenen geschwärzten Kopien kopiert die Behörde noch einmal für ihre Unterlagen.

Staadt plädiert dafür, die Stasiakten den Archivprofis des Bundesarchivs zu übergeben.

Bisher wird m. W. von Seiten der Behörde dagegen eingewandt, dass eine zwar abnehmende, aber immer noch erhebliche Zahl von Antragstellern Einsicht in ihre Akte nehmen wollen. Diese Arbeit gehöre nicht ins Bundesarchiv. Außerdem müsse Rücksicht genommen werden auf Persönlichkeitsrechte und denkbare juristische Auseinandersetzungen.Die Akten seien, anders als die Akten des Bundesarchivs, illegal, durch geheimdienstliche Bespitzelung zustandegekommen.

Die Stasi-Unterlagen seien vor allem für Betroffene da und nicht wie die Staatsarchive für jedermann.

Der Text wurde durch Inromationen aus Leserbriefen zum Thema am 3.2.18, p 25, ergänzt.

 

Brandenburg und der tote GSG-9-Oberst Wegener

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Der erste Chef der GSG 9, der Brandenburger Ulrich Wegener, ist tot. Er beendete in Mogadischu mit seiner Truppe 1977 erfolgreich die Entführung eines Flugzeuges durch arabische Palästinenser. In Kooperation mit den deutschen RAF-Terroristen sollten deren einsitzende Spitzenleute frei gepresst werden. Als das nicht gelang, brachten sich die RAFler selbst um.

Während bundesweit des Toten gedacht wird, verloren die rot-rote Koalition und an der Spitze SPD-Ministerpräsident Dietmar Woidke kein Wort.

Liegt es daran, dass Wegener in Stasi-Haft saß und bekannt dafür war, kein Freund von Kommunisten zu sein? Und Brandenburg „kleine DDR“ die Wende nur zögerlich anging. Die SED gewährte RAF-Terroristen in Brandenburg Rückzugsstützpunkte für Einsätze in Westdeutschland und hat ihnen später beim Untertauchen in zivile Tätigkeiten geholfen.

(nach Jouwatch)

Podium mit Politikdarstellern

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Weil nicht alle Parteien Vertreter zu einem Podium der Union der Opferverbände der Kommunistischen Diktatur (UOKD) auf ihrem jährlichen Kongress schickten, liess der Veranstalter hinter Plakaten mit dem jeweiligen Politikerkopf Sprecher die Statements der Parteien verlesen.

Es ging um die bis heute aus Sicht der Betroffenen noch nicht zufriedenstellend gelösten Fragen der Opferbetreuung, der Opferrenten, der Haftentschädigung.

Für einige Parteien ist das ein lästiges Thema.

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

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In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägerallee sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. Das Holländische Viertel blieb ebenfalls dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.