ARD

ARD sucht nach Fake-News

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„faktenfinder“ nennt sich das Portal, das die ARD gerade gestartet hat, um „gezielte Falschmeldungen“ und ihre Urheber ausfindig zu machen.

Zuerst dachte ich, die überprüfen ihre Nachrichtensendungen und Magazine und was sie von dpa kriegen. Etwa das Narrativ des ARD-Nahost-Korrespondenten über die Wasserversorgung auf der Westbank. Oder sie überprüfen den Wahrheitsgehalt von „Studien“ über Pay Gap oder wachsende Armut, bevor sie deren Inhalt verkünden. Oder die dpa-Mitteilung, dass Juden Trumps Wahl finanziert hätten.

Aber nein, es geht nicht um das eigene Schaffen. Es geht – natürlich – um Lügen, Halbwahrheiten und Gerüchte im Netz. Das ZDF plant das gleiche. Die ARD produziert keine Fake-News, sondern höchstens „handwerkliche Fehler“.

Update: Die FAZ spricht inzwischen von der „Fake-News-Suche“ als neuem Big Business. Es gäbe

  • ARD-faktenfinder
  • Correctiv (finanziert von G. Soros, BILD, Spiegel, Deutsche Bank)
  • Deutschland sicher im Netz
  • Deutsches Internet-Institut
  • Stiftung digitale Chancen
  • Hoaxmap (Will Fake-News gegen Geflüchtete aufspüren)
  • Clicksafe (EU)
  • in Vorbereitung: ZDF-Faktenfinder
  • Jeff Jarvis, der Internet-Nerd, will gar weltweit die Fake-News-Produktion erforschen. (Jarvis informiert sich über das Weltgeschehen durch Twitter und Facebook und meint, wenn BILD den Lesern Kameras schenke, sei das die Zukunft des Journalismus; GS)

Bemerkenswert ist, dass zahlreiche Querverbindungen zur Kahane-Stiftung bestehen und manche Fake-Expert*innen an mehreren Stellen präsent sind. Jedenfalls gibt es neue Arbeitsplätze für alle, die etwas mit Medien und Kommunikation machen wollen.

Weitere Fake-News-Beiträge im Blog

Die Parteilichkeit der öff.-rechtl. Medien

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Christoph Lövenich, Redakteur bei Novo. Argumente für den Fortschritt, zeigt an Beispielen aus den Themenbereichen Ernährung, Energie, Verkehr und Wölfe, wie einseitig TV-Redakteure und -Reporter Sachverhalte darstellen und damit ihre Weltsicht verbreiten.

Der WDR zeigte den Beitrag „Strahlendes Erbe, teuer bezahlt – Wie Atomkonzerne den Staat schröpfen“. Sachverständige sind ein MdB der Grünen, ein Greenpeace-Atomexperte, der grüne Präsident des Bundesamts für Strahlenschutzes und die Energiewende-Befürworterin Professorin Claudia Kemfert.

Dass die Subventionierung der Kernenergie nicht preisgünstiger war als die Subventionen der erneuerbaren Energien, die in die Taschen von Herstellerfirmen, Hauseigentümern (Solarpanels) und Grundbesitzern (Windräder) fließen, wird nicht erörtert.

Die WDR-Verbrauchersendung „Markt“ propagiert: „Alle Autos raus aus der Stadt!“. Expertin ist die Grüne Lerke Tyra vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), hauptberuflich Referentin im NRW-Umweltministerium. Hauptargument sind die Emissionen. Ob Umweltzonen wirklich nützen und der Feinstaub durch Verbot von Dieselautos abnimmt, wird nicht erörtert.

Dann geht es noch um die „mächtige“ Milchwirtschaft, vegane Ernährung und um Wölfe. 3Sat widmet sich der zunehmenden Ansiedlung der Wölfe in Mitteleuropa: Der Mensch habe sich mit dem Wolfsbefall „abzufinden“ und „zu arrangieren“. Ein Sozialpsychologe sagt, es wäre „Zeichen einer gewissen höheren Intelligenz, Wölfe zu behalten“.

Die genannten Sendungen stehen für Lövenich exemplarisch für die Berechenbarkeit des öffentlichen-rechtlichen Rundfunks, bei einer Vielzahl von Themen überwiegend aus einem einseitigen Blickwinkel Stimmungen zu machen. „Sie reflektieren und verbreiten die Anschauungen und Vorurteile der Kreise, in denen die Journalisten privat und beruflich sozialisiert worden sind. Öko-Denken, Gutmenschentum, politische Korrektheit, Regulierungswahn oder auch Ernährungsobsessionen gehören dort zum guten Ton.“ (Lövenich)

Während die Medienmenschen ständig auf die postfaktischen, Fake-News-produzierenden Rechten zeigen und sich dafür gegenseitig loben und mit Preisen behängen, pfeifen sie auf eine ausgewogene, auf Fakten beruhenden Berichterstattung.

Sie sehen sich als die „Unbelangbaren“, die über die Produktionsmittel verfügen, mit denen man die öffentliche Meinung beeinflusst. An ihnen kommt keiner vorbei.

Daher der Hass – anders kann ich das nicht mehr nennen -, mit dem gegen konservative Blogs wie die von Roland Tichy und Henryk M. Broder angeschrieben wird. Man hat Angst, die Deutungshoheit über die Politik zu verlieren.

Buchcover; Die Unbelangbaren

Weitere Lügen, Zeitungsenten, postfaktische Nachrichten:

  • Die beiden ZDF/ARD-Nahost-Korrespondenten und die gemeinsame MOMA-Sendung (Dunja Hayali) sind anti-israelisch.
  • Der WDR gräbt einen britischen Film über den niederländischen Politiker Geert Wilders aus, verweist auf seine jüdische Großmutter, seine jüdische Frau und einen einjährigen Aufenthalt in einem Kibbuz. Es werden Rechtsextremisten und Muslime als Kronzeugen gegen den Philosemiten Wilders interviewt, darunter ein homophober Scheich. Die Terroranschläge von Paris, Brüssel, Nizza, Berlin kommen in dem acht Jahre alten Film nicht vor. (Quelle) Nachtrag: Der WDR sieht keinen Grund, den Film zu beanstanden:wdr.JPG

Dennoch stellt er einen um vier Minuten gekürzten Beitrag in die Mediathek.

  • Im mdr sah ich eine Sendung über Häftlingsarbeit in DDR-Gefängnissen. Die SED verkaufte von Häftlingen hergestellte Produkte an westdeutsche Firmen wie Ikea, Salamander und Quelle. Während der 45-Minuten-Dokumentarsendung wurden alle paar Minuten in Black-und-Decker-Manier die Namen der Westkonzerne eingeblendet. Die Botschaft: Schuld an der Ausbeutung der Häftlinge haben vor allem die Kapitalisten
  • Christof Scheid vom ARD-Hauptstadtstudio: „80% der Arbeitnehmer schlafen schlecht.“ Der Journalist beruft sich auf den Gesundheitsreport der DAK. Dort ist von 9,4% die Rede. (Quelle)
  • Aus Angst vor der Phalanx der deutschen Putin-Trolle in Politik und den sog. sozialen Medien wird die Berichterstattung über den Ukrainekrieg in der Tagesschau frisiert.
  • Die Oktoberfestlüge, zuerst im Berliner Regionalblatt Tagesspiegel
  • Die Hitler-Tagebücher im Stern
  • Die Süddeutsche Zeitung behauptet, Tausende Israelis seien vor Netanjahus Politik nach Deutschland geflohen
  • Der WDR-Wirtschaftsjournalist Beckmann wollte im April 2016 errechnet haben, dass 2030 50% der Rentner in Armut leben würden. (Der WDR gehört einem Rechercheverbund für investigativen Journalismus an!). Seine „Rechnung“ lief stundenlang durch alle Medien; auch Ministerin Nahles, die es besser wissen musste, hat es stehen lassen und sofort Vorschläge zur Verhinderung der prognostizierten Altersarmut angekündigt. Der WDR schob nach: Seine Projektion erhöbe nicht den Anspruch, eine wissenschaftliche Studie zu sein. Aber der (linke; GS) Wirtschaftswissenschaftler Hickel hätte sie für plausibel gehalten.
  • Die Tagesschau übersetzt ein Statement der neuen UN-Botschafterin Nikki Haley irreführend. Frau Haley kritisiert den UN-Sicherheitsrat dafür, dass er sich ständig einseitig mit Israel befasse und zählt auf, was den UN-Sicherheitsrat in Nahost alles nicht interessieren würde. NDR-Mitarbeiter Georg Schwarte übersetzt so: Frau Haley kritisiere, dass sich der Sicherheitsrat ständig mit dem Friedensprozess in Nahost beschäftige, als ob es keine anderen Probleme in der Welt gäbe. (Quelle)
  • Nachtrag: Das passt auch hierher: Ein zufällig(?) anwesender Redakteur des mdr gestaltete einen TV-Beitrag so, dass die Störer einer Veranstaltung gar nicht ins Bild kamen, die Geschädigten, die AfD, aber als Störenfriede dastanden. Der Blogger, der das aufdeckte, erhielt vom mdr eine gebührenbewehrte Unterlassungsaufforderung, der er aber erfolgreich widersprach (via Science Files).
  • Nachtrag: Die Sprachregelungen bei Attentaten sind auffällig: Was ist gemeint, wenn es heißt „Deutscher sticht Schweizer nieder“?

Was mich beunruhigt: Wie sehr Antisemitismus nicht nur rechts- und linksaußen verbreitet ist, sondern auch in den Mainstreammedien: bei WDR, dpa, SZ, Spiegel-Augstein.

Früher war alles anders?

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Früher war die Tagesschau für mich DIE Instanz für solide, korrekte Information. Woran liegt es, dass ich inzwischen der Tagesschau misstraue. Denn ich frage mich : „Was lassen die weg?“, „Wen lassen sie als Experten vor die Kamera?“, „Stimmt das, was da verlesen wird?“

War die Tagesschau früher besser? War ich schlechter informiert? Konnte ich mir kein Urteil über die Güte der Tagesschau erlauben?

Oft sind es nur Kleinigkeiten. Ein Satz hätte schon gereicht. Wenn z. B. bei der Verkündung einer neuen Studie nicht nur die Pressemeldung des herausgebenden Instituts verlesen wird oder der Verfasser der Studie interviewt wird. Hätte da nicht auch die Zeit gereicht für einen kritischen Satz? Wieso wird nicht zumindest erwähnt, dass die Studie umstritten ist? Etwa beim Verlesen der Pressemeldung über eine Studie, die nachweisen will, dass die bürgerliche Mitte inzwischen rechtspopulistisch geworden wäre.

Wofür gibt es eigentlich den häufig erwähnten „Rechercheverbund“ von Süddeutscher und WDR, NDR usw.?

Wieso sind Blogger wie z. B. die von Science Files, in der Lage nachzuweisen, dass in zahlreichen, angeblich wissenschaftlichen Studien statistische Verfahren fehlerhaft sind, dass die angewandte Methode nicht erläutert wird, dass das Erkenntnisinteresse nicht ganz unabhängig vom Auftraggeber ist. (Von wachsender Armut und Verelendung ist fast immer in Studien von Wohlfahrtsverbänden und linken Gewerkschaften oder Parteistiftungen die Rede.)

Aber die Tagesschau ist inzwischen selbst parteilich: In einem Beitrag über angebliche Wasserknappheit im Westjordanland hält der ARD-Reporter einem „Experten“, einem hamasfreundlichen Aktivisten und GTZ-Mitarbeiter, das Mikrofon hin. Völlig klar daraufhin, dass die Israelis schuld sind. In einem anderen Beitrag werden in Gaza überlaufende Abwassergullys nach einem Starkregen gezeigt. Auch daran sind laut ARD-Reporter die Juden schuld. (Letzteres war wohl in einer Magazinsendung und nicht in der Tagesschau.)

Meine Frau tröstet mich dann immer mit dem Hinweis, dass die nur 15 Minuten hätten und doch darauf hinwiesen, dass mehr Informationen unter tagesschau.de gefunden werden könnten.

 

Arte sieht israelischen Landraub

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Der Israelhass unseres zwangsgebührenfinanzierten Fernsehens wird zur Routine. Will man kritische Interviews mit palästinensischen Funktionär/-innen sehen, muss man schon zu amerikanischen Sendern ausweichen. In Deutschland wird dagegen der israelische Botschafter zurechtgewiesen: „Die Fragen stelle ich hier!“ bellt der Deutschlandfunkmoderator. (Leider finde ich den MItschnitt bei DLF nicht.)

Klaus Kleber vom ZDF ist begeistert von der „kreativen“ Programmierkunst palästinensischer Mädchen. Die haben nämlich ein Spiel geschrieben, bei dem auf Tischen Trennwände aufgestellt werden, wegen der allfälligen Geschlechtertrennung an öffentlichen Orten.

Wenn Hamas-Sympathisanten über das von Israel so gebeutelte und unterdrückte Gaza im TV-Morgenmagazin reden, bestätigt Moderatorin Hayali: „Ja, Gaza, Ghetto mit Meerblick.“ anstatt kritische Rückfragen zu stellen , etwa warum der von Israel gelieferte Zement für die Befestigung unterirdischer Gänge und nicht etwa für Wohnungsbau verwendet wird.

Das ZDF interviewt eine linksextreme Aktivistin, die behauptet, israelische Kinder würden zum Hass auf Palästinenser erzogen.

Wie der Mord eines „gebürtigen Dänen“ an einem Juden in der Tagesschau „verkauft“ wird.

Diesen Text von Henryk M. Broder hatte ich zwei Jahre auf meiner Festplatte „geparkt“, weil ich ihn zu drastisch formuliert fand. Das finde ich zwei Jahre später angesichts der Hamas-Sympathisant/-innen in Politik und Medien nicht mehr.

Jetzt zeigte Arte eine Dokumentation über Siedler in der Westbank, die in dieses judenfeindliche Narrativ unserer öffentlich-rechtlichen Medien passt.

Ergänzend zum letzten Link ein Auszug aus einem Text von Axel Feuerherdt: Israel und die Siedlungen. Ein Hindernis für den Frieden?:

Das israelische Dilemma

Dass der Siedlungsbau ein grosses, wenn nicht sogar das grösste Friedenshindernis schlechthin im Nahen Osten darstellt, ist längst zu einer Art Mantra geworden, zu einer Selbstverständlichkeit, die keinerlei Begründung zu bedürfen scheint. Folgt man ihr, dann müsste Israel nur seine Exklaven, Aussenposten und Grenzorte abbauen und könnte fortan in trauter Harmonie mit seinen Nachbarn leben. Dass das nicht stimmt, hat sich spätestens 2005 gezeigt, als der damalige israelische Premierminister Ariel Sharon die israelischen Siedlungen im Gazastreifen auflösen liess und die Hamas daraufhin mit einem Raketenbeschuss begann, der bis heute nie dauerhaft zum Erliegen kam. Israel verschärfte schliesslich notgedrungen die Grenzkontrollen – und zog sich dafür den Vorwurf zu, das «grösste Freiluftgefängnis der Welt» errichtet zu haben.

Dass sich die Palästinenser mit einem Abzug der Siedler nicht zufrieden geben würden, war aber schon früher deutlich geworden. Im Jahr 2000 beispielsweise bot der israelische Premierminister Ehud Barak während der Verhandlungen von Camp David unter anderem an, zahlreiche Siedlungen zu räumen; zudem wollte er die nahe der «Grünen Linie» liegenden Siedlungsblöcke – in denen die grosse Mehrheit der Siedler lebt – ins israelische Staatsgebiet eingliedern und diese Massnahme durch einen territorialen Austausch mit den Palästinensern abgelten. Die palästinensische Seite unter Yassir Arafat lehnte diesen so grosszügigen wie praktikablen Vorschlag jedoch ab und blies stattdessen zur zweiten «Intifada» mit ihren zahllosen Selbstmordattentaten. Arafats Nachfolger Mahmud Abbas wies im Jahr 2008 ein noch weiter gehendes Angebot des israelischen Premierministers Ehud Olmert ebenfalls zurück.

Es gäbe mehr zu sagen über die rechtliche und politische Situation der Westbank und Palästinas überhaupt. Jedenfalls taugt die Verkürzung auf israelischen Landraub nur für linke und rechte Hassprediger. Hier erst einmal ein Link zu einer weitestgehend unbekannten Facette der Pläne am Ende des Ersten Weltkriegs, der Zeit des Zusammenbruchs des Osmanischen Reiches, zu dem der Landstrich Palästina gehörte.

Die Auflösung des DDR-Rundfunks

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Der Intendant des Senders Freies Berlin von 1989 bis 1997, Günther von Lojewski,  erinnert sich an das Jahr 1990, als es darum ging, das Rundfunkwesen der untergehenden DDR neu zu ordnen.

Was sollte mit dem 10.000 Mitarbeiter/-innen starken Gebilde, dem Propagandaapparat der DDR, geschehen? Es bot sich an, die föderale Rundfunkstruktur der Bundesrepublik zu übernehmen, d. h. Landesrundfunkanstalten zu gründen.

1990 sah es aber für Momente anders aus. Das Angebot des SFB, dem (Ost-)Berliner Rundfunk mit Technik und Personal zu helfen, wurde abgewiesen. Ja, man spottete sogar über den „Regionalsender Charlottenburg“. Was war da passiert?

Der französische Staatspräsident Mitterand hatte, als einziger westlicher Staatschef, die untergehende DDR besucht und gehofft, sie mit einem Milliardenkredit am Leben zu erhalten. Er hatte den Genossen geraten, nicht vorschnell mit den westlichen Landsleuten ins Geschäft zu kommen. So interessierte sich der französische Rundfunk – vorübergehend – für den Jugendsender DT 64 und seine Frequenzen.

Die westdeutsche IG Metall fand, genauso wie der ARD-Intendant Kelm, Gefallen an der Weiterexistenz des DDR-Rundfunksystems. Im Einigungsvertrag war der Rundfunk nicht explizit angesprochen worden. Es hieß im § 35, zentrale kulturelle Einrichtungen sollten von den neuen Ländern übernommen werden.

Die PDS versuchte noch in letzter Sekunde, „ihren“ Berliner Rundfunk zu retten. Dessen Auflösung wurde am 2.10.1990 von den Ostberliner Stadtverordneten beschlossen. Der PDS-Antrag war nicht mehr auf die Tagesordnung gekommen.

Die Rundfunkleute selbst, unter denen sich, wie man annehmen kann, nicht wenige überzeugte SED/PDS-Mitglieder und Agitprop-Fachleute befanden, kämpften um ihr Überleben. Sie überschlugen sich mit kritischen Berichten über die alte SED-Führung. Sie warben damit, dass sie besser als ARD und ZDF wüssten, worauf es jetzt im Osten ankäme.

Es kam zur bekannten Gründung der Dreiländeranstalt Mitteldeutscher Rundfunk. Der NDR wurde für Mecklenburg -Vorpommern (M-V) zuständig. Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hätte von Lojewski gerne unter seinen Hut gebracht. Die Hamburger gewannen M-V gegen Lojewski. Der bekam noch nicht einmal Brandenburg. Der kommende brandenburgische Ministerpräsident Stolpe und dann auch der Landtag waren der Ansicht, zur Identitätsbildung des neuen Bundeslandes sei ein eigener Rundfunk unerlässlich. So entstand der – finanzschwache – Ostdeutsche Rundfunk Brandenburg, der 2003 mit dem SFB zum Rundfunk Berlin-Brandenburg fusionierte.

Beim Radio allerdings blieb ein DDR-Sender bestehen: DS-Kultur, noch zu DDR-Zeiten aus dem Auslandspropagandasender der SED und dem Jugendradio DT 64 fusioniert. Es gibt heute drei national verbreitete Hörfunkprogramme, die beiden Deutschlandfunk und DRadio Wissen in Köln sowie aus DS-Kultur hervorgegangen Deutschlandradio Kultur in Berlin. Von Lojewski bedauert, dass man sich auf diesen – teuren – Kompromiss eingelassen habe. Die Chance, bei der Vereinigung das Rundfunkwesen neu zu ordnen, sei vertan worden.

Quelle: Günther von Lojewski, Der letzte Walzer, FAZ v. 24.12.2010, p 9

 

 

Wahltheater in Neurussland

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ARD und ZDF sind in ihrer Ukrainekrieg-Berichterstattung noch vorsichtiger geworden, seit sie von den Putin-Trollen gnadenlos überwacht werden und die Putin-Versteher/-innen in den Fernsehräten Kommentare, die sich auf ukrainische oder NATO-Quellen beziehen, nicht akzeptieren.

Wenn Putin wieder einmal mitteilen lässt, dass er seine Truppen von der ukrainischen Grenze abzieht, geht das tagelang durch die deutschen Medien. Dass die NATO feststellt, das stimme nicht, geht danach unter.

Als ein TV-Redakteur ein paar Stunden lang fälschlich vorliest, Putin hätte gesagt, er ziehe seine Truppen aus der Ostukraine ab, statt von der Grenze, entschuldigen sich die TV-Gewaltigen. Dass seine Truppen längst in der Ostukraine stehen und sie permanent Nachschub aus Russland erhalten, war ja nur als Behauptung der Kiewer „Faschisten“ vermeldet worden, gilt aber als nicht bestätigt. Wie kann das böse, angeblich Putin-feindliche deutsche Fernsehen also unterstellen, dass russisches Militär in der Ostukraine wäre? (Vielleicht wird es Putin später einmal, wie im Falle der Krim, beiläufig bestätigen.) Dass die Sowjetflotte vor dem ukrainischen Mariupol ankert, dem nächsten Ziel der prorussischen Banden, ist wohl auch ein Hirngespinst der Kiewer.

Das Wahltheater in Neurussland ist eine perfekte Inszenierung, auf die die SED selig neidisch sein könnte. Man führt kein Wählerverzeichnis, dann kann jeder so oft wählen, wie er will. Gastwähler aus Russland sind willkommen. Die Wahlbeteiligung wird erhöht durch die Drohung, jeden zu erschießen, der nicht wählt (Von den Separatisten nicht bestätigte Behauptung von einheimischen Beobachtern, daher nicht nachrichtentauglich.) Billiges Gemüse und Obst im Überfluss vor den Wahllokalen. Durchsichtige Wahlurnen, handverlesene Kandidaten und Parteien. Und der Kommandant entledigt sich vorübergehend des russischen Kampfanzugs, wirft sich in staatsmännischen Zwirn, eine Frau im Kostüm im Schlepptau, fehlen nur noch die Kinderchen. Wem fiele bei diesen Bildern das Wort „Unrechtsstaat“ ein?

Das ZDF entschuldigt sich inzwischen sogar, wenn ein Moderator ein olivgrünes Hemd trägt, das von einem Zuschauer als braun wahrgenommen wird.

Eine taz-Reportage über einen in der Ukraine schwer verletzten russischen Soldaten.