Deutschland Archiv online

Gepostet am

Das Deutschland Archiv beschäftigt sich mit der deutschen Nachkriegs- und Teilungsgeschichte sowie zum deutschen Einigungsprozess seit 1990. Es erscheint zweimonatlich im W. Bertelsmann-Verlag.

Online sind die Beiträge der abgeschlossenen Jahrgänge zugänglich und downloadbar. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt die Beiträge der jeweils aktuellen Ausgabe online.

Advertisements

Wessis sind solidarischer als Ossis, sagt ein Magdeburger Spieltheoretiker

Gepostet am Aktualisiert am

in der „Zeit“.

Daraus ein Zitat:

Forscher Weimann: Es ist ja auch ein Klischee, dass Menschen in der Marktwirtschaft besonders harte Ellenbogen hätten und nur an sich denken würden. Grundfalsch! Erst freier Handel sorgt dafür, dass Menschen einen Sinn für Fairness bekommen; für Vertrauen. Sie geben dem Bäcker nur deshalb zwei Euro, weil Sie sich darauf verlassen, dass sein Kuchen schmeckt. Würden Sie ihm nicht vertrauen, gäben Sie ihm kein Geld.

ZEIT: Der Sozialismus hätte uns doch die Egoismen austreiben sollen.

Weimann: Er bewirkte das Gegenteil. In der DDR war man zwar innerhalb der Familie, unter Freunden sehr solidarisch. Schon in den Betrieben aber gab es diese Solidarität nicht mehr. Jeder schaute, dass er seine eigenen Knappheitsprobleme gelöst bekam.

Die fleißigen Kommentatoren dieses Artikels sind fassungslos. Der Journalist hätte m. E. über Sinn und Zweck von Spieltheorie ein Wort verlieren müssen.

Und auch Ihnen der Tipp: Nehmen Sie den Untergang der DDR nicht allzu persönlich!

Gepostet am Aktualisiert am

Die Lust auf Meinung kommt in den Social Media erst so richtig zum Tragen. Da kann man die Sau rauslassen. Zu den Social Media zähle ich auch die Kommentarspalten in den Online-Ausgaben der Pressemedien. Was waren die Leserbriefspalten der gedruckten Zeitungen zahm. Bei Spiegel online und  Tagesspiegel online etwa geht´s zur Sache. Da werden Sätze zerpflückt, zertreten, zerschmettert. Die Pseudonyme sind Kampfnamen, Wortklaubereien winden sich zum endlosen thread. Einsame Verkünder der endgültigen Wahrheit stehen gegen die Verdummung durch gleich geschaltete Parteien und Medien. Oder ist das die Spaßguerilla aus dem Büro der Katja Kipping (MdB), die sich sich unter multiplen Pseudonymen (rosalein, karlchen, fidelche, solowezki, teddi) im Web 2.0 tummelt?

Mich interessiert vor allem die DDR-Aufarbeitung, eine wundervolle Bühne für meinungsstarke Aktivisten. Es ist ja so einfach: Alles, was in der Diktatur schlimm war, ist im Westen noch schlimmer: CIA, Guantanamo, Berufsverbote, Menschenrechtsverletzungen, Altersarmut. Die Unterdrückung ist ein wenig subtiler, dafür kannte man im Osten seine Pappenheimer und arrangierte sich.

Den Redaktionen ist ein „Best of“ der gelungensten Volten und der dialektischsten Antworten zu empfehlen. Ein Schlusssatz könnte der Rat von „hannibal“ an „atom“ sein: „Nehmen Sie den Untergang der DDR nicht allzu persönlich!“

Anlass für diesen Beitrag waren die Kommentare zur Rede des Bundespräsidenten aus Anlass der Eröffnung einer neuen Dauerausstellung in der BStU in Berlin.

Tagesspiegel besucht Lötzschland

Gepostet am Aktualisiert am

Der Berliner Tagesspiegel berichtet von einem Kinderrechteverein, der im Wahlkreisbüro der Frau Lötzsch sitzt, in dem sie Vorsitzende ist, und dessen Kinderzeitung von städtischen Einrichtungen subventioniert wird.

Sehr lesenswert wie so oft sind die Kommentare: Das machen doch alle Parteien, die Bundeskanzlerin verteilt doch auch Fanpostkarten, was ist denn an einem Bastelbogen schlecht?, es sollten sich mehr Leute für Kinder engagieren, die FDP-Frau ist in einem Tierschutzverein engagiert. Köstlich.

Ein ähnlicher Fall:

Der Büroleiter der kommunistischen Bundestagsabgeordneten Kipping organisierte kürzlich unter falschem Namen ein Happening, mit dem er einen Wahlkampfauftritt des SPD-Bezirksbürgermeisters Buschkowsky störte. Frau Kipping wusste von nichts, sagt sie, und will sich nicht zum Privatleben ihres Mitarbeiters äußern.

Schreiben wir mal die Kommentare dazu: Deutschland ist ein freies Land, Buschkowsky steht doch nicht unter Naturschutz. Lachen ist gesund. Die CDU hatte doch in unserem Kiez sogar einen Wahlkampfstand.

Projekttag mit „Ampelmännchen und Todesschüsse“

Gepostet am Aktualisiert am

Alle Schüler/-innen der Johann-Textor-Schule in Haiger haben sich an einem Projekttag mit der DDR befasst. Materialbasis war u. a. die LAG-Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“. Hier ein Bericht.

Pressemitteilung der kubanischen Botschaft

Gepostet am Aktualisiert am

Der Weg zum Kommunismus führt über Kuba, sagten sich die Führer der Linken, Lötzsch und Ernst. Sie sandten an Fidel Castro Geburtstagsglückwünsche, die bei Erich Honecker abgeschrieben sind.

Der Linke Bodo Ramelow aus Thüringen findet laut Spiegel etwas zu viel Pathos im Glückwunschtelegramm. Er und andere sog. Reformer in der LINKEN stellen es so dar, als ob es sich um eine Entgleisung von Ewiggestrigen handelte. Zeigt es nicht eher umgekehrt den Markenkern der LINKEN: Sitzenbleiben, wenn der israelische Staatspräsident den Bundestag betritt, sitzenbleiben, wenn es um Gedenken der Maueropfer geht, den Bundespräsidentenkandidaten Gauck verächtlich machen (Dr. Bartsch), mit einer ehemaligen RAF-Terroristin diskutieren wollen, Wege zum Kommunismus suchen. Die stv. Parteivorsitzende Wagenknecht rechtfertigt Stalins Diktatur (Dazu habe ich keinen Aufschrei der „Reformer“ gehört.)

Ist es nicht denkbar, dass die sog. Reformer eine verträumte Minderheit sind?

Gab es da nicht noch einen Fidel Castro in Nordkorea? Er und seine Kader haben den Kommunismus für sich schon realisiert. Kim besitzt mehrere Paläste. Die Kader leben im Wohlstand, die Bevölkerung hungert. Alles wie in Kuba. Das Glückwunschtelegramm der Linkspartei gibt es in Pjöngjang sicher auch.
 

Der Brandenburger Weg – superdemokratisch oder demokratieschädlich?

Gepostet am Aktualisiert am

Erhard Neubert wies eher beiläufig heute in der Sitzung der Enquetekommission darauf hin: Der viel zitierte und gerühmte „Brandenburger Weg“ ist demokratietheoretisch betrachtet ein Problem.

Wenn man Politik konsensual, überparteilich, gemeinschaftlich, ohne Parteiegoismen, über Parteigrenzen hinaus, alle Bürgerinnen und Bürger einbeziehend usw. usw. betreibt,  ist das eine Abwertung des parlamentarischen Prozesses, der Auseinandersetzung , des Ringens um Kompromisse, der Abstimmung im Parlament. So ähnlich sagte Neubert es.

Es war daher kein Wunder, dass Lothar Bisky, damals MdL PDS in Brandenburg, 1999 die Aufkündigung dieses Wegs durch die Ablehnung der Wahl von Frau Dahn als brandenburgische Verfassungsrichterin (Zum Gericht gehören auch drei Laienrichter) auf fast 100 Seiten zutiefst bedauert.

Kommunisten verstanden unter Demokratie nie den parlamentarischen Weg. Was die Massen wollten, das wussten sie am besten. Das musste nicht abgestimmt werden. Der vor- oder außerparlamentarische Weg ist ihnen sympathischer. Man muss es heute nicht mehr so drastisch sagen wie Rosa Luxemburg Anfang der 20er: Parlamentarismus ist eine Geisteskrankheit („Kretinismus“)

DDR-Aufarbeitung: Eine Erfolgsgeschichte?

Gepostet am Aktualisiert am

Bei mir wirkt noch die vormittägliche Anwesenheit auf der Sitzung der Brandenburger Enquetekommission nach. Die Linke Frau Kaiser hatte versucht, nachträglich einen Lesetipp ins Protokoll zu bekommen, ein Büchlein von Daniela Dahn und Günter Gaus. Daher habe ich nochmal gegoogelt. Daniela Dahn war mir mit ihrem verschwiemelten Kommunismus und ihrer DDR-Apologetik schon früher aufgefallen. Sie war SED-Mitglied, im Roten Kloster, der SED-Journalistenschule ausgebildet, kurzzeitig beim Demokratischen Aufbruch, dann Kandidatin der PDS als Verfassungsrichterin in Brandenburg, gilt als SPD-nah und ist heute Mitherausgeberin der  Wochenzeitung „Freitag“.

Die zahlreichen Zeitungsartikel, die ich dabei ergoogele, haben viel gemeinsam: Es gab von Anfang an in Ostdeutschland  das Bestreben, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Anläufe gab und gibt es immer wieder, vorneweg sind dabei PDS/Linke und SPD, unterstützt von einer SPD-nahen Westschiene (Eppler, Bahr, Bräutigam, Gaus).  Man konstruiert ein kollektives Ost-(Opfer-)Bewusstsein, das gegen Westdeutschland gerichtet ist (Sieger, Anschluss, Finanzstalinisten). Unter dem Mantel des Ost-Populismus und auf einem christlich inspirierten  konsensualen „Brandenburger Weg“ des „Wir sind alle nett zueinander“ können die SED-Nachfolger ihre Pflöcke einschlagen und wieder ministrabel werden. Den Brandenburger Weg gibt es nicht nur in Brandenburg! Auflösung der BStU und Ende der Aufarbeitung sind auch Themen von PDS und SPD in anderen östlichen Bundesländern.

Die Parallelen zur Aufarbeitung der Nazizeit sind augenfällig. (Man darf Nationalsozialismus und SED-Sozialismus aber nicht vergleichen, behaupten einige Brandenburger Politiker und Geschichtsprofessoren.)

Da ich beide Aufarbeitungsphasen mit Aufmerksamkeit begleitet habe und begleite, kann ich mich wiederholen: In Westdeutschland war die Vergangenheitsbewältigung eine schwere Geburt. Widerstand und Desinteresse waren groß, Altnazis haben Karriere gemacht. Und dennoch braucht sich Westdeutschland rückblickend nicht zu verstecken. Genauso würde ich es inzwischen für den Osten formulieren: Das Desinteresse und die Blockaden sind stark, der Einfluss der Altkader und ihrer Kinder ist groß. Und doch gibt es immer wieder Erfolge.

Ich weiß, dass ich vor 10 Monaten sehr viel skeptischer war. Darin sehe ich keinen Widerspruch. Mein Anspruch ist bescheidener geworden!

Die Zeitungsartikel:

Aufarbeitung der Blockparteien vor und nach der „Wende“

Gepostet am Aktualisiert am

Siehe auch Alle sind schuld  an der mangelnden DDR-Aufarbeitung in Brandenburg

Sitzungen der brandenburgischen Enquetekommission haben einen hohen Unterhaltungswert. Diesmal waren wir ordnungsgemäß angemeldet. Nebeneinander hätten wir aber nicht sitzen dürfen, sondern in verschiedenen Ecken des Saales. Dort, wo es beim letzten Mal schon für eine Zuschauerreihe eng war , standen jetzt zwei Stuhlreihen. Zum Glück kamen nicht alle, die reserviert hatten.

Der linke Abgeordnete spielt wieder mit seinem Smartphone. Heute ist auch Herr Vietze da. Er war bis 199o Hausherr im Landtagsgebäude als 1. Sekretär des Bezirks Potsdam. Vorher war er MfS-Zuträger. Danach war er 20 Jahre als PDS/Linkspartei/Linke-MdL hier zu Hause. Seine Stasi-Tätigkeit war nie Thema von Untersuchungsausschüssen. Er unterhält sich drei Stunden angeregt mit seinem Nachbarn zur Linken, einem CDU-Professor. Er ist einer der Väter des „Brandenburger Wegs“, d. h. Versöhnung hat Vorrang vor Aufklärung. Seine Stasiakte tauchte erst 2010 auf.

Das heutige Thema: Personelle Kontinuität und Elitenwandel in den Parteien Brandenburgs.

Ein Gutachter untersuchte die PDS/Linke, einer die ehemaligen Blockparteien CDU und LDPD, der dritte SDP/SPD/Grüne.

Doch um das Titelthema ging es gar nicht, miteinander verglichen haben die Wissenschaftler ihre Ergebnisse auch nicht. Sie antworten auf nicht gestellte Fragen: Die Kommunisten hätten ihre Vergangenheit am transparentesten und intensivsten aufgearbeitet: „Die PDS/Linke ging und geht offen mit ihrer DDR-Vergangenheit um“. Der Gutachter zählt auf: Die Parteitagsrede eines Mitglieds in den frühen 90er und die vielen Broschüren, in denen es um Zwangskollektivierung oder Zwangsvereinigung SPD/KPD geht. Und die Partei habe eine AG Geschichte. Die fehle bei CDU und FDP. Den wenigen Broschüren der CDU läge zudem „oft eine Verklärungsabsicht“ zugrunde (p 239).

Dass 80% der PDS/Linke- Abgeordneten vorher in der SED waren und 50% eine „Nähe“ zum System gehabt hatten, fällt da nicht ins Gewicht. Elitenwandel kann ja auch heißen, dass die Eliten dieselben sind, ihr Denken sich aber gewandelt hat.

Zum Vergleich des Parteielitenwandels nach der „Wende“ hätte die Zeit nicht gereicht, aber auch die zur Verfügung stehenen Daten nicht.

Ganz schlecht schneidet die CDU ab. Man könnte vermuten, dass das Schlimmste in der DDR die Ost-CDU war.

Der Gutachter moniert, dass die CDU in ihrer Satzung zwar frühere Spitzeltätigkeit als Ausschlussgrund sieht, nicht aber „Verantwortung für Fortbestehen der Diktatur“. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Es ist ein Vorwurf an die Ost-CDU! Die PDS braucht so etwas nach Meinung der Gutachter nicht in ihrer Satzung zu haben, hätte sie doch am offensten mit ihrer Vergangenheit abgerechnet.

In der Fragerunde der Kommission wird der CDU-Gutachter, ein Grünen-Politiker, zum leidenschaftlichen Debattenredner. Dabei kommt sein Motiv zum Vorschein: Er hat als Pfarrersohn in der Uckermark einen Ost-CDU-Funktionär erlebt, der linientreuer als die SED-Kader gewesen sein muss. Er redet sich in Rage, weil des irgendwo noch eine Otto-Nuschke-Str. gäbe (Das war ein hochrangiger Blockpartei-CDU-Politiker). Angesichts hunderter Thälmann-, Grotewohl-, Liebknecht- und Luxemburg-Straßen wahrlich ein Riesenproblem.

Kommissionsmitglied Prof. Richard Schröder schildert seine Wahrnehmung der Blockparteien. Das lohnte dann doch den Besuch im ehemaligen Potsdamer Kreml, dem derzeitigen Sitz des Landtags. Die Gutachter aber hatten ihr Thema verfehlt!

Zur Arbeit der Kommission siehe auch Deutschlandradio.

Die Szene könnte auf der Bühne als Groteske inszeniert werden: Der SED-Bezirkssekretär und langjährige Geschäftsführer von PDS/LINKE, Heinz Vietze, MdL, streckt die Beine unterm Tisch aus, scherzt mit einem CDU-Abgeordneten, während ein Jungpolitiker der GRÜNEN die Nachwende-CDU dafür geißelt, eine Otto-Nuschke-Straße nicht umbenannt zu haben.

1a-Unterrichtsidee: Eine Satire der „Jungen Welt“

Gepostet am Aktualisiert am

Endlich ist ein Unterricht möglich, wie sich Prof. Sabrow ihn wohl vorstellt: Ausgewogen und kontrovers, das „Fortschrittsgedächtnis“ der DDR-Normalbürger wie das „Diktaturgedächtnis“ der veröffentlichten Meinung berücksichtigend.

Man nehme die Ergebenheitsadresse der zweiten kommunistischen deutschen Tageszeitung „Junge Welt“, ehemals Organ des Zentralrates der FDJ, an die SED aus Anlass des 50. Jahrestages des Mauerbaus, informiere und diskutiere daran entlang das Pro und Contra der Diktatur. Es ist sicher erlaubt,  die wohl satirisch gemeinte Danksagung auf ihren Realitätsgehalt zu überprüfen. (Ich bin ich mir gar nicht so sicher, ob die Stalinisten in der Redaktion nicht doch ernsthaft glauben, was sie da schreiben.)

Ein weiteres linkes Blättchen, die Wochenzeitung „Jungle World“ macht launige Anmerkungen zur Danksagung. (Update: Dr. Gysi will die finanzielle Unterstützung der Tageszeitung „Junge Welt“ durch die Partei stoppen. Wieso verkündet das Gysi und nicht die Vorsitzenden?)

DDR-Betriebskampftruppe am Brandenburger Tor

 

Das Foto hat eine interessante Geschichte: Die vier DDR-Bürger, die hier 1961 kampfbereit zur Verteidigung ihres Staates gegen die „faschistisch-imperialistischen“ Aggression aus Berlin-West aufgestellt sind, haben bald „rüber gemacht“ und die SED musste ihr Propagandafoto zurückziehen.

Die „Junge Welt“ ist übrigens der Ansicht, 9/11 in New York wäre eine Aktion der CIA.