Dritte-Generation-Ost-Managerin hätte gerne Staatsknete

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Auf dem Leipziger Flughafen blättere ich in einer PR-Broschüre zum innovativen Wirtschaftsstandort Mitteldeutschland, „median“. Darin ein Text der Agentur, die das Projekt „Dritte Generation Ost“ managt. Die Geschäftsführerin berichtet von Sinn und Zweck. Dabei äußert sie den Wunsch nach staatlicher Unterstützung.

Warum ich dieser Aktion nichts abgewinnen kann, habe ich hier erklärt.

Warum müssen Menschen, die die DDR kaum erlebt haben, seit ihrer Teenagerzeit im vereinten Deutschland leben, sich in Bühnenstücken, Podiumsdiskussionen, Biographie-Projekten, Tourneen durch Westdeutschland permanent mit der DDR und der Zeit der Wende auseinandersetzen, anstatt nach vorn zu denken?

Selbstverständlich ist es eine besondere Situation, als Kind in der DDR aufgewachsen zu sein, als Teenager die Veränderungen im neuen Staat erlebt zu haben, die Verunsicherung und die Angst der Eltern gespürt zu haben. Das zu artikulieren ist legitim. Das wird auch von niemandem verdrängt oder verschwiegen. Warum das aber in einer PR-Kampagne inszeniert werden muss , erschließt sich mir nicht. Sind die Vertriebenenverbände das heimliche Vorbild? Bei denen gibt es inzwischen Vertriebene in der 5. Generation.

Nachtrag: In diesem Zusammenhang nicht uninteressant: Eine Befragung des Allensbach-Instituts für den Freiheitsindex zeigt, dass die unter Dreißigjährigen Freiheitsindex_u-30sich immer weniger als „dritte Generation Ost“ sehen und sich in ihren Einschätzungen zu Freiheit und Gleichheit vom DDR- Denken emanzipiert haben:

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„Frag Dr. Wolle!“ – Das DDR-Museum auf Youtube

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Das private Berliner DDR-Museum muss die Konkurrenz des neuen bundeseigenen DDR-Museums in der Kulturbrauerei nicht fürchten. Es hat die Nase vorn, denn es ist mit eigenem Channel auf Youtube vertreten: „Frag Dr. Wolle!“ heißen die Clips, in denen der wissenschaftliche Berater des Museums, der Historiker Dr. Stefan Wolle, Fragen beantwortet, die ihm gestellt werden können.

„Horch und Guck“ kommt wieder!

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Die Schwierigkeiten, die bei der Herausgabe von „Horch und Guck“ entstanden waren, sind behoben. Im Newsletter der „Stiftung Aufarbeitung“ wird berichtet:
Das Bürgerkomitee Leipzig übernimmt die Trägerschaft für Horch & Guck.
Zum 1. September 2013 hat das Bürgerkomitee Leipzig e. V. die Herausgeberschaft für die Zeitschrift „Horch und Guck“ übernommen. Das 1992 vom Bürgerkomitee „15. Januar“ e.V. in Berlin gegründete Blatt hat sich über mehr als 20 Jahre zu einem wichtigen überregionalen Medium für die
Aufarbeitung der SED-Diktatur entwickelt. Ab 2014 soll „Horch und Guck“ wieder in gewohnter Weise mit vier Ausgaben pro Jahr erscheinen.
Die Bundesstiftung Aufarbeitung unterstützt das Zeitschriftenprojekt seit vielen Jahren.

Wie ich versuchte, in Brandenburg eine Medienkiste „DDR“ zu verschenken

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Zur Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse – Ausgangspunkt meines zweiten, gleichnamigen Blogs – gibt es Begebenheiten am Rande.

Das DDR-Medienpaket, 28. Thema des LAG-Projekts „Die Bibliothek in der Kiste“, wurde als Angebot für die Bearbeitung der SED-Diktatur in Schulen zusammengestellt. Darin sind u. a.  Bücher von Klaus Kordon über seine verratene Flucht und seinen Zuchthausaufenthalt, Grit Poppes „Weggesperrt“ über die Behandlung auffällig gewor­dener Jugendlicher in geschlossenen Jugendwerkhöfen, aber auch Sachbücher über die Planwirtschaft, über Jeans und West­radio, glückliche Jugendzeit und schweigende Klassenzim­mer, „Klassiker“ wie Reiner Kunzes „Wunderbare Jahre“, DVDs der Stiftung Aufarbeitung und informative Internetadressen. Zehn Kisten tourten durch hessische Schulen, drei Kisten wurden unter Schulen verlost.

In meinem Arbeitszimmer steht noch eine komplette Version dieser Kiste. Es war mein „Arbeitsexemplar“ für die Erarbeitung der Handreichung und der Webquest, auch für Buchbesprechungen im Blog. Die hessische Verlosung brachte mich auf die Idee, nach Beendigung des Gesamtprojekts „Die Bibliothek in der Kiste“, diese Kiste in meiner neuen Heimat Brandenburg einer nützlichen Verwendung zuzuführen. Zumal Brandenburg auch in den Schulen nicht gerade Vorreiter der DDR-Aufarbeitung, ist.

Ich informierte verschiedene Adressaten, teilweise über das Angebot, ihnen die Kiste zu schenken, teilweise nur über die Downloadmöglichkeit der Materialien.  Hier das Ergebnis: Den Rest des Beitrags lesen »

Neue Zahlen zu Grenztoten am Eisernen Vorhang

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In einer Untersuchung, der erst jetzt zugängliche Akten zugrunde liegen, haben österreichische Historiker, dass es bis 1955 an der österreichisch-tchechoslowakischen Grenze mehr Tote gab als an der innerdeutschen.

Bis 1955 war Österreich in alliierte Besatzungszonen aufgeteilt, das an die CSSR angrenzende Gebiet war sowjetisch besetzte Zone. Bei Fluchtversuchen wurden 129 Personen erschossen, von Hunden zerrissen oder verbluteten im Stacheldraht. 600 Soldaten gerieten in den Minengürtel, erschossen sich irrtümlich gegenseitig oder begingen Selbstmord.

Wer es nach Österreich geschafft hatte, befand sich in der sowjetischen Zone. Wer dort gefasst wurde, wurde ausgeliefert und zu einer hohen Haftstrafe verurteilt.

(via FAZ v. 13.11.)

Wege zum Kommunismus: Pol Pots Lächeln

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In „Pol Pots Lächeln“ von Peter Fröberg Idling geht es um eine Reise von vier schwedischen Intellektuellen im Jahr 1978 nach Kambodscha, dem Land, in dem die Roten Khmer, eine linksextreme, maoistische Organisation, gerade einen kommunistischen Musterstaat errichteten und dabei ca. 2 Millionen Menschen, ein Viertel der Bevölkerung, umbrachten.

Die Reisegruppe bekam von dem Massenmord nichts mit, so sagen sie. Die Schweden waren angetan vom Neuaufbau des Landes, von den wohlgenährten, freundlichen, offenen Menschen und dem Bau neuer Staudämme, Fabriken und Plantagen.

Idling will untersuchen, woran es lag, dass die Reisegruppe nichts mitbekam. Er geht behutsam vor, klagt nicht an, versucht zu verstehen, sucht keine Schuldigen. Es ist eine nicht zuletzt literarisch überzeugende Reportage entstanden. Wie Mosaiksteinchen setzt er aus Interviews in Schweden und in Kambodscha, mit Tätern und mit Opfern, dem Studium von Fachliteratur, aus eigenen Reiseeindrücken und Reflexionen ein Bild zusammen. Als Leser verfolgt man die Entstehung des Bildes mit.

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Wie die „Zeit“ Hermann Vinke, Die DDR, rezensiert

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Sorry, ich stelle gerade fest, dass ich die Rezension schon vor einem Jahr „gewürdigt“ habe.

In der Medienkiste “Ampelmännchen und Todesschüsse”  ist auch das Buch “Die DDR” von Hermann Vinke. Dazu fand ich eine Rezension in der Zeit (Luchs-Kinderbuchjury):  Luchs 267, Zeit Nr. 29, vom 10.07.08. (Mein Beitrag stand zuerst 2008 im Blog „Basedow1764“; Ich finde ihn weiterhin aktuell und gute Bücher kann man ruhig zweimal empfehlen.)

Hermann Vinkes Buch über die DDR wird von der Kinderbuchjury der Zeit und Radio Bremen zu Recht empfohlen. Allerdings muss man es gegen den Rezensenten Volker Ulrich verteidigen.

Ulrich sieht in der Aufarbeitung der SED-Diktatur einen eifernden Ton der Abrechnung, eine zunehmende Gleichsetzung der DDR mit dem „Dritten Reich” und liest in das sachliche Buch seine DDR-Sicht hinein. Bisher hatte ich eher wahrgenommen, dass die DDR zunehmend verklärt wird. Man wäre nett zueinander gewesen, die Luft wäre gesünder und die Mieten wären billiger gewesen.

Die Political Correctness verbietet es, auf Parallelen zwischen den beiden Diktaturen hinzuweisen. Dass Potsdam etwa 1953 erneut „judenrein” war, behält man besser für sich. Die DDR war ja angeblich nie antisemitisch, höchstens antizionistisch.

Ulrich zitiert aus dem Buch „die höchste Frauenerwerbsquote der Welt” als SED-Errungenschaft. Bei Vinke steht vorher der Satz, wem das geschuldet war, nämlich dem Arbeitskräftemangel (p. 65). Die DDR-Paschas, vorneweg die alten Männer des Politbüros,  feierten die Doppelbelastung ihrer Frauen auch noch mit dem Weltfrauentag.

Ulrich lobt das, wie er meint, vorbildliche DDR-Schulsystem. Vinke ist da vorsichtiger. Das rigide DDR-Schulsystem wird gerade von Journalisten zunehmend verklärt. Als ob es in Westdeutschland nie integrierte Gesamtschulen oder die Laborschule gegeben hätte.

Während der friedlichen Revolution war man sich noch einig, dass die DDR-Schule die Menschen deformiert habe, wie Christa Wolf es formulierte.

Und was die Leistungen angeht, so konnten sich die westdeutschen Lehrer während der Ausreisewelle davon überzeugen, dass die im rezeptiven Unterrichtssystem der Diktatur hervorragend benoteten Übersiedlerkinder ganz schnell in der Mitte der Notenskala ankamen. Die DDR-Lehrer mussten Rechenschaft ablegen, wenn sie schlechte Noten gaben.

Es macht auch sicher einen Unterschied, ob eine Diktatur ihren gesamten Repressionsapparat gegen Jeans- und Rock´n-Roll-Liebhaber einsetzt oder eine westliche Vätergeneration darauf aggressiv reagiert. Ulrich setzt das gleich, Vinke nicht.

Vinkes Buch ist ein sehr nützliches Nachschlagewerk für Jugendliche. Es hat diese Besprechung in der Zeit nicht verdient.

–  Siehe auch meinen Blog-Beitrag zur Ost-Beilage der „Zeit

Wie haben sich die postsozialistischen EU-Staaten entwickelt?

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Dazu ist jetzt ein Buch erschienen, hrsg. v. Günter Heydemann und Karel Vodicka: Vom Ostblock zur EU. Systemtransformationen 1990 – 2012 im Vergleich, Göttingen 2013.

Der Rezensent in der FAZ resümiert: Die elf postsozialistischen EU-Staaten trügen schwer an der Erblast der kommunistischen Regime. Entmündigung und Lügengebäude sowie die ungeordneten Zustände in den Umbruchsphasen hätten dazu geführt, dass Marktwirtschaft und Demokratie im höheren Maß misstraut wird als im Rest der EU. Politische Parteien seien weniger stark im Volk verankert, die Wahlbeteiligung sei geringer, Ethos und Moral seien knappe Güter geblieben, Eigeninitiative weniger verbreitet.

Dennoch werde, mit Ausnahme Bulgariens, Demokratie überall als die „angemessenste“ Regierungsform gesehen.

Am besten hätten sich die ostdeutschen Länder, die in die Untersuchung einbezogen waren, gefestigt. Unterdurchschnittlich gut vorangekommen seien Bulgarien, Litauen, Lettland und Rumänien.

Die EU-Beitritte hätten die Transformation wesentlich begünstigt.

Siehe auch im Blog!

Revisited: Für ein anderes DDR-Alltagskulturmuseum (aus 2010)

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Aus gegebenem Anlass hole ich diesen Beitrag noch einmal hervor.

Nie käme ich auf die Idee, dass in Deutschland NS-Alltagskulturmuseen fehlten. Die Forderung würde wohl auf erheblichen Widerstand stoßen.

Ganz anders ist das bei DDR-Alltagskulturmuseen. Die werden als Gegenpol zu der bisherigen angeblich stasi-lastigen, die Opferperspektive überbetonenden und von den westdeutschen „Siegern“ geschriebene DDR-Aufarbeitung gesehen. Die Mehrzahl der DDR-Bürgerinnen und -Bürger hätte ja in einem normalen Alltag, in einem Auch-Rechtsstaat gelebt und ihre Lebensleistungen würden nicht entsprechend gewürdigt. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein zweites DDR-Alltagsmuseum in Berlin

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Das Bonner Haus der Geschichte (HDG) eröffnet in Berlin nach dem Tränenpalast eine weitere Dependance. In der Kulturbrauerei am Prenzlauer Berg bietet es ab Mitte November ein Museum der sozialistischen Alltagskultur an.

Basis ist ein Depot in Spandau, das das HDG seit 2005 verwaltet. Aus dem Webseitentext: „Der gesamte Bestand der Sammlung Industrielle Gestaltung umfasst etwa 160.000 Objekte. Dazu zählen Serienprodukte aus den Bereichen Inneneinrichtung, Haushalt, technisches Gerät, Unterhaltungselektronik, Spielzeug und Textilien. Plakate, Werbemittel und Verpackungen gehören ebenso dazu wie Dokumente und Archivgut. …mehr

Nachlässe mit Dokumenten und Entwürfen von Formgestaltern ergänzen den Bestand, so z.B. von Horst Michel (Innenraumgestaltung) oder Helene Haeusler („Spielmittel für Behinderte“). Aus Firmenarchiven sind beispielsweise umfangreiche Bestände des VEB TAKRAF (Kranbau, Fördertechnik), HELI-Radio und der Firma August Bosse, Weimar (Inneneinrichtungen) vorhanden. …mehr

Die Sammlung wird ergänzt durch Fotothek und Bibliothek des Amtes für Industrielle Formgestaltung der DDR, die für wissenschaftliche Recherchen nach Anmeldung zur Verfügung stehen.

Sieht so aus, als ob es sich um ein DDR-Designmuseum handeln wird. Das wäre für sich genommen gar nicht einmal uninteressant. Der ehemalige Bauhaus-Architekt Mart Stam hatte in der DDR ein Design-Instituts gegründet, wurde aber 1952 rausgeworfen. Für die SED war der Bauhaus-Stil dekadent, formalistisch, feindlich. eine nationale Kulturtradition wurde gefordert.

Ein DDR-Designmuseum möchte auch der ehemalige Leiter des Alltagskulturmuseums in Eisenhüttenstadt. Er hatte dort eine ziemlich unpolitische Devotionaliensammlung aufgebaut.  Sogar die brandenburgische Landesregierung hatte das Konzept kritisiert. Dieses Museum ist inzwischen Teil des städtischen Museums, seine weitere Finanzierung ist unklar.

Zurück zur Kulturbrauerei: „Die neue Ausstellung zeigt, dass der Alltag in der DDR nicht losgelöst von den politischen Bedingungen betrachtet werden kann. Wahlmöglichkeiten und Entscheidungsspielräume stießen in der SED-Diktatur an enge Grenzen“, erläutert Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte. (Pressemitteilung HDG).

Ich bin gespannt, wie die Bonner das einlösen. Das Bonner Museum fand ich schwierig. Die Überfülle der Gegenstände erschwerte die Orientierung. („Entfesselter Dachboden“ nannte das die „Zeit“.) Dazu kam, dass für jedes Jahrzehnt DDR und Bundesrepublik nebeneinander standen. (Die Materialien der Museumspädagogen waren aber gut!)

Natürlich ist es beeindruckend, Adenauers Dienstwagen anzufassen oder eine Original-italienische Eisdiele in einer westdeutschen Stadt der frühen 60er Jahre wiederzusehen.

Nachtrag: Verwirrend ist der Artikel des Journalisten Jan Sternberg in der Potsdamer MAZ. Er zitiert einen Mitarbeiter des neuen HDG-Museums: In Berlin gäbe es keine Möglichkeit, sich differenziert über den DDR-Alltag zu informieren. Sternberg sieht darin eine „Kampfansage“ an Stefan Wolles „DDR-Museum“. Gleichzeitig hält er aber für sinnvoll, dass das neue Museum DDR-Designkunst in den Mittelpunkt stellt. In einem Kasten informiert er unvermittelt über das Einsenhüttenstädter „Zentrum für DDR-Alltagskultur“. Dem privaten Berliner DDR-Museum wirft er vor, undifferenziert über den sozialistischen Alltag zu informieren. Dass er seinem chaotischen Text die Unterzeile „Warum es ein zweites Alltagskulturmuseum in Berlin gibt“ verleiht, ist schwer nachvollziehbar, denn er erklärt es nicht wirklich.

  • Ist dies das ideale Alltagskulturmuseum?

Nachtrag: Besichtigungsbericht in der „Welt“: Großes Lob. Nur etwas überladen.

Nachtrag: Regina Mönch in der FAZ v. 20.11. ist wegen der Fülle der Requisiten auch nicht übermäßig begeistert. Aber sie konzediert, dass die Bonner die Objekte politisch zu kommentieren. Die „allgegenwärtige Kontrolle“ der Partei ist spürbar. Die Ideologie drang noch in die letzte Nische des Lebens. Frau Mönch, selbst in der DDR aufgewachsen, legt die Meßlatte für ein gelingendes DDR-Alltagsmuseum hoch:

Das „normale“ Leben in der DDR war vielfältig. Das private Leben bestand ja nicht allein in dem spießigen Charme der Plattenbauwohnung vom Typ Erfurt, dem Grillfest auf der Datsche oder dem Ostseeurlaub im Ferienheim oder im tRabi mit Zeltaufbau auf dem Dach.Es gab Nischen, Fluchten, Träume, Frau Mönch redet von „subversiven individuellen Lebensentwürfen“. Filme wie „Weißensee“ und der „Rote Kakadu“ (In der DDR-Medienkiste der LAG Schulbibliotheken enthalten!) würden das meisterhaft erzählen. Die DDR war eine „Zwei-Welten-Gesellschaft“.

Ein Museum müsste die „Sprengkraft“ ahnen lassen, die in dem Zwiespalt von Stasi, Bevormundung und „ungestillter Freiheitssehnsucht“ steckt. Es müsste begreifbar machen, warum und wie diese Gesellschaft ihrem Staat 1989 den Garaus macht.

Nachtrag Januar 2014: Jetzt war ich auch da.

Die Besucherin neben mir staunt über die Statistik, die von flächendeckender Hortbetreuung kündet und ihr Mann freut sich, den Bollerwagen, mit dem einst Kleinkinder transportiert wurde, wiederzusehen. Aber man findet auch den Hinweis, dass für die SED das Wichtigste dabei war, so früh wie möglich auf die Kinder einzuwirken und zu guten Kommunisten zu machen.

Überhaupt, wer die ausgestellten Dokumente liest und die Berichte und Interviews auf den Monitoren anklickt, erfährt mehr, als wenn er nur  den Spind eines NVA-Rekruten anschaut. Da ist z. B. die Verkäuferin in einer Alkoholverkaufsstelle, die erstaunt ist über die hohe Nachfrage nach Alkoholika. Oder der kaufmännische (!) Direktor des Zuchthauses Hoheneck, der von Milliardenumsätzen mit Strumpfhosen im Westen berichtet. Auch die dreistelligen Millionenbeträge die die SED durch Intershops und den Genex-Geschenkdienst verdiente. (Eine SED-Firma in Kopenhagen ermöglichte es Westdeutschen, zugunsten von DDR-Bürgern so ziemlich alles zu kaufen, was auch im Quelle-Katalog stand, darüberhinaus auch Autos.)

Wer etwas stöbert, kann erkennen, dass es den unpolitischen, normalen Alltag nicht gab. Also etwas Lob hat sich das Museum verdient. Es ist kein DDR-Design-Museum geworden! Es ist auch keine  Sammlung von Devotionalien, vor denen jemand andächtig steht und „Schön war die Zeit“ murmelt. Der Trabi mit dem großen Zeltaufbau steht ja durchaus dafür, dass gewerkschaftlich organisierter Kollektivurlaub nicht jedermanns Sache war.