Die Rote Armee in der DDR

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Ein informativer Artikel von Stefan Wolle auf der Webseite der Brandenburger Landeszentrale für politische Bildung.

Der mdr ließ 2013(?) einen Film über den Alltag sowjetischer Soldaten in der DDR produzieren. Sehr sehenswert!

Dies scheint der Film zu sein. Es fehlt allerdings der Copyrightvermerk 2013.

Noch mehr aus der Reihe „Sowjetarmee geheim“. Etwas reißerischer Sprecherkommentar, aber dennoch informativ.

Ein ZEIT-Artikel über das Oberkommando der Gruppe der Streitkräfte in der DDR in Wünsdorf und den Nostalgie-Tourismus aus Russland.

 

Eine Zahl blieb mir im Gedächtnis: Ca. 150 Deserteure wurden ständig auf dem Territorium der DDR gesucht.

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Ohne Mauer lebt man länger

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„Stünde die Mauer noch, würden heute geborene Jungen im Schnitt 6,2 Jahre weniger lang leben und Mädchen 4,2 Jahre. Ohne Mauer lebt man länger.“

Aus einem Gespräch mit dem Soziologen Tobias Vogt, der die Lebenserwartung in der DDR und im vereinigten Deutschland untersucht.

Kategorialer Politikunterricht

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Im Politikunterricht habe ich gerne „kategorial“ unterrichtet: Was heißt Herrschaft, Partizipation, Demokratie usw. ? Wikipedia erklärt: Kategorie ist eine Klasse von Sachen, die gemeinsamen Bedingungen entsprechen, im Rahmen einer zusammenfassenden Klassifizierung. Anstatt der Fülle der Nachrichten hinterherzuhetzen oder in „Aktuellen Stunden“ an der Oberfläche des Geschehens zu kratzen, ging es mir darum, immer auf die Kategorien des Politischen zu stoßen und die Wahrnehmung der Schüler/-innen zu schärfen. Hilfreich war dafür u. a. die großartige Idee des Politikdidaktikers Wolfgang Hilligen, in seinem Sozialkundebuch für die Klassen 5 und 6 (Lang, lang ist´s her, am Beispiel der ersten europäischen Siedler in Nordamerika herauszufinden, welche Bedürfnisse sie hatten und wie sie sich organisierten, um zu (über-)leben. Auch Film und Buch „Herr der Fliegen“ helfen dabei. Das kann man selbstverständlich auf das Thema „DDR“ anwenden: Auch hier besteht die Neigung, vom Hölzchen auf´s Stöckchen zu kommen, Faktenhuberei zu betreiben und mit Arbeitsblättern Organigramme entziffern zu lassen.

Wer nicht begriffen hat, was Elemente eines Rechtsstaates sind oder dass es Unterschiede zwischen den Kategorien Diktatur und Demokratie gibt, findet die DDR nicht viel schlechter als die BRD. Um kategorial zu unterrichten, brauche ich keine sechswöchige Unterrichtseinheit, die die DDR erschöpfend durchnimmt.

Meine politikdidaktischen Grundsätze finden sich auch in den hessischen Rahmenrichtlinien Gesellschaftslehre von 1972. Die gerieten unter Sozialismusverdacht und wurden bis zur Unkenntlichkeit umgeschrieben. Dabei war es ein erzliberales Politikverständnis, das da zum Ausdruck kam.

Die Angleichung der Ost-Renten

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Die bis 2020 angestrebte Angleichung der Renten in Ost und West wird teuer werden. Bis zu 20 Mrd € jährlich schätzen Fachleute.

Die Linkspartei macht es sich  einfach. Sie will den Ost-Basiswert von 26,39 € auf den West-Basiswert von 28,61 anheben. Was dabei unter den Tisch fiele: Ost-Rentenbezieher erhalten von Anfang an einen zehnprozentigen Zuschlag auf ihren Rentenanspruch. Bei dieser Berechnung wird der Entgeltpunkt der individuellen Ost-Rente mit dem Faktor 1,19 multipliziert. Mit dieser Formel soll der ursprünglich sehr große Lohnunterschied zwischen Ost und West gemildert werden. Ostdeutsche müssen also weniger in die Rentenkassen einzahlen, brentner müssen also Nach meinen Beobachtungen wird das selten erwähnt. Diesen Faktor will die Linkspartei nicht streichen!

Die Hauptursache für den hartnäckigen ca. 15prozentigen Lohnrückstand ist der geringe Industrieanteil im Osten. Ähnlich geht es den Rentenbeziehern in Schleswig Holstein und Rheinland-Pfalz. Für sie gibt es allerdings keinen Aufschlagfaktor.

Die Idee, den niedrigeren Rentenwert Ost bis 2020 stufenweise anzugleichen, die geltende Höherbewertung von Rentenanwartschaften im Osten so lange aber komplett beizubehalten, bedeutet, dass Ost-Renten-Bezieher bei gleich hohem letzten Lohn eine höhere Rente als westdeutsche Rentner erhalten. Durch den Aufwertungsfaktor müssen sie weniger in die Rentenkasse zahlen um genauso viel Rentenanwartschaft zu kriegen.

Mit der bisherigen Politik, die Ostrenten jährlich stärker wachsen zu lassen als die Westrenten (2014 z. B. 2,53 zu 1,67%) wird man bis 2020 den Ausgleich nicht schaffen. Andererseits erhalten schon jetzt manche Ostrentner mehr Rente, bei Beibehaltung des aufwertungsfaktors und genereller Angleichung an das Westniveau würden es noch mehr werden. Bei Wegfall des Aufwerungsfaktors würden sich aber andere im Osten schlechter stellen.

Ganz schön kompliziert.

80% der Ostdeutschen kennen die Herkunft der Linkspartei nicht

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Aber ansonsten findet die deutsch-deutsche Vereinigung auch in den Köpfen statt. In einer Befragung des Instituts für Demoskopie Allensbach für die FAZ stellt sich heraus, dass die Zustimmung zur Vereinigung noch nie so groß war wie derzeit. 67% der West- und 72% der Ostdeutschen sagen, dass die Vereinigung für sie ein Grund zur Freude sei. Das Geplänkel um den „Rechtsstaat DDR“ lässt die Bevölkerung inzwischen kalt. Nur noch 8% der Ostdeutschen sehen das so. 82% aller Deutschen sehen in der DDR einen Unrechtsstaat. Auch die Verklärung der DDR, die zwischenzeitlich Konjunktur hatte, hat abgenommen. 1990 sagten 20% die Verhältnisse seien erträglich gewesen, dann stieg dieser Wert. 2001 waren es 42%, die meinten, es sei im SED-Staat doch ganz erträglich gewesen. 2014 sind es nur noch 23%.

Auch die Linkspartei profitiert vom wachsendem zeitlichen Abstand zur DDR: 54% der Ostdeutschen halten sie – seit einem Jahrzehnt unverändert – für eine ganz normale Partei. Und sie habe es geschafft, so der Leiter des Instituts, Thomas Petersen, in seinem Kommentar in der FAZ v. 19.11.14, ihre Spuren zu verwischen.  Im Osten wissen nur noch 22%, im Westen nur noch 36%, dass die Linkspartei von der SED abstammt. (Ich kann es kaum glauben.)

Siehe auch eine Umfrage ostdeutscher Zeitungen (Thüringer Allgemeine v. 2. 10.14)

Platzeck: Westen soll Putin finanziell unterstützen und die Krim-Annexion anerkennen

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Matthias Platzeck, angeblich ehemaliger Bürgerrechtler – was Bürgerrechtler so nicht ganz bestätigen können – hat nicht die geringste Sympathie für die Demokratiebewegung in der Ukraine. Als Träger des Ordens „Peter der Große“ einer russischen Geheimdienst-Akademie kann er sich das nicht leisten. (Den Orden erhielten auch Kim Yon-il und Aleksandr Lukaschenka.) Als Vorsitzender der Lobbyvereinigung Deutsch-Russisches Forum e. V. muss er Putin verstehen; Quelle: FAS, 23.11.14, p 6. Kein Wunder also, dass er jetzt noch eine Schippe drauflegt und verlangt, der Westen solle die Annexion der Krim und die Abtrennung der ostukrainischen Gebiete nachträglich völkerrechtlich anerkennen und Putin mit Geld unterstützen. Der Grund: „Was käme denn nach Putin? Sicher kein proeuropäischer Präsident.“ Die Einkreisung Russlands durch NATO und EU sei eine demütigende Erfahrung.

Zu Platzeck habe ich schon alles gesagt.

Was mich, vor allem bei den Putinverstehern der SPD – Eppler, Bahr, Dohnany, Schmidt, Nida-Rümelin – wundert, ist, dass sie Verständnis haben für Einkreisungsängste, für Einflusszonen, für Ansprüche auf verloren gegangene Territorien. Wenn es um Deutschland, Nazi-Deutschland im Besonderen, ginge, würden sie Derartiges empört von sich weisen:

Z. B. die aggressive Einkreisungspolitik der britischen, französischen und russischen Regierungen vor dem Ersten Weltkrieg. Da stößt schon ein Buch, das nachweist, dass in allen europäischen Hauptstädten Kriegstreiber saßen, auf Empörung bei deutschen Historikern.

Z. B. die Benennung von deutschen Einflusszonen in Europa (Belgien, Lothringen) während des Ersten Weltkriegs. Das gilt bis heute in Geschichtsbüchern als Beweis für den Griff nach der Weltmacht.

Z. B. die „Heimholung“ der Österreicher und Sudetendeutschen ins Reich. Putin darf die Russen in Moldawien, im Kaukasus, der Ukraine und Georgien aber vor angeblichen Faschisten und Völkermördern retten, gegebenenfalls durch Annexion.

An der Historisierung Hitlers wird kräftig gearbeitet, von unverhoffter Seite.

Update 20.11.2014: Platzeck bestreitet, die Anerkennung der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim gefordert zu haben. Er hatte das aber klar formuliert: „Die Annexion der Krim muss nachträglich völkerrechtlich geregelt werden, so dass sie für alle hinnehmbar ist.“ Er wolle nur vorgeschlagen haben, Russland und die Ukraine sollten darüber verhandeln. Was für ein Glück war es, dass der Wunsch des Kanzlers Schröder, Platzeck zum Außenminister zu machen, nicht in Erfüllung ging.

Es ist eine speziell deutsche Unart, dass Politiker die Außenpolitik des Landes, die nach den Regeln der parlamentarischen Demokratie zustande gekommen ist, konterkarieren. Gysi fährt nach Moskau und lässt sich von den alten Freunden die Weltlage erklären. Platzeck ergreift in dem Moment das Wort, als sein Freund Steinmeier in Moskau ist. Ganz zu schweigen von den Spitzenmanagern, die Putin ihre Aufwartung machen. Es ist verständlich, dass Deutschland sowohl im Westen wie auch in den ehemaligen Satellitenstaaten Moskaus als unsicherer Kantonist gilt. Es verzögerte oder milderte gemeinsame Beschlüsse oder hielt sich lange Zeit ganz sich heraus.

Was ich mir immer noch verbiete zu denken: Ist es die Lust am „starken Mann“ die Deutschlands Linke und Rechte zu Putin-Versteher/-innen werden lässt? Man muss in der deutschen Geschichte so viel verdammen, das Putin jetzt ungeniert tut. Jetzt benimmt sich einer wie Hitler in der Außenpolitik. Freut man sich klammheimlich darüber?

Im Berliner Tagesspiegel unterstützt ein Kommentator Platzecks Vorschläge.

Nachtrag 25.4.17: Der Vizechef der putinfreundlichen dänischen Volkspartei fordert die Rückgabe Schleswigs an Dänemark. Eine Stellungnahme Platzecks liegt noch nicht vor.

Andere SPD-Führungskräfte sind nicht besser:

Martin Schulz hat einige tausend Tweets abgesetzt. Unzählige zu Trump. Zu Russland und Putin schweigt er:

schulzmoskau

Zu dem angeblich privaten Dreier-Gespräch Putin, Gabriel, Schröder hat Marie-Luise Besck eine Frage:

putin-gabriel

„Revolutionskarte“ der DDR

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In 549 Städten und Gemeinden erfasste das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) vor und nach dem Mauerfall staatsgefährdende Umtriebe.

Vom Verein „Archiv Bürgerbewegung Leipzig“ wurde zum 25-jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution ein Plakat aller Orte erarbeitet.

orterevolutionDDR

Wo sind die Bürgerrechtler geblieben?

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Diese Frage habe ich einige Male während des Mauerfalljubiläums gehört. Sie scheint nicht unberechtigt zu sein. Nur wenige sind übriggeblieben: Ulrike Poppe in Potsdam, die sogar am 9.11.14 am Brandenburger Tor auf der Tribüne sitzen konnte, der Pfarrer Schorlemmer, der immer dabei ist, wenn es gegen Gauck und das kalte, kapitalistische Nachwendedeutschland geht, der umstrittene Stasiunterlagenbehördenchef Roland Jahn, die unermüdliche Chronistin Vera Lengsfeld, Stefan Hilsberg, Werner Schulz. Einige weitere stehen nicht mehr so sehr im Rampenlicht: Marianne Birthler, Reiner Eppelmann, Konrad Weiß.

Ich versuche meine Sicht der Dinge thesenartig darzulegen:

  • Die Friedliche Revolution hat viele Väter und Mütter. Manche halten die Zurückhaltung, gar Konzessionsbereitschaft Gorbatschows für entscheidend
  • Oder: Die Ausreisebewegung über die ungarische Grenze und über die Botschaften, war entscheidend
  • Die Linkspartei schreibt in ihrem Programm, Reformkräfte in der SED hätten zusammen mit fortschrittlichen Bürgerrechtlern die Wende herbeigeführt. Natürlich wird in linken Blättern auch von den rechtsradikalen Westdeutschen geraunt, die im Herbst 1989 im Osten antisozialistische Flugblätter verteilt hätten. (Die Linkspartei erhält im Osten 20-30% der Wählerstimmen.)

Die Bürgerrechtler kommen bis jetzt nicht vor. Ich will ihre Rolle als Katalysator nicht kleinreden. Es gehörte sehr viel  Angstüberwindung, Standfestigkeit und Selbstbewusstsein dazu, in der Diktatur gegen den Strom zu schwimmen. Nicht zuletzt in einer Gesellschaft, in der man von Nachbarn, Arbeitskollegen und Verwandten schnell denunziert werden konnte.

Es gab nicht nur die Nomenklatura, mehrere tausend Personen, denen es an nichts fehlte. Ca. ein Drittel der Einwohnerschaft profitierte durch die SED-Mitgliedschaft von besseren Wohnungen, schnellerer Zuteilung von Pkw und besseren Berufschancen. Weitere Millionen hatten sich, angesichts fehlender Alternativen, eingerichtet. Der Lebensstandard war ungleich höher als in den Bruderstaaten des Ostblocks. Westliche Wissenschaftler/-innen und Intellektuelle sprechen von Mitmach-, Wohlfahrts- oder kommoder Diktatur, neben dem übermächtigen „Diktaturgedächtnis“ würde die Würdigung der fortschrittlichen und angeblich friedliebenden DDR zu kurz kommen.

Es steht mir nicht zu, Anpassungsleistungen zu verurteilen. Man ist schnell mit dem Vorwurf konfrontiert, Lebensleistungen der DDR-Bürger zu verachten. Kritik an der Diktatur wird mit Kritik an den Menschen gleichgesetzt. Richard Schröder bemerkt treffend:

Die Ostdeutschen können stolz darauf sein, dass sie unter erschwerten Bedingungen viel geleistet haben. Aber sie sollten nicht auch noch auf die erschwerten Bedingungen stolz sein.

  • Groß war die Verankerung der Bürgerrechtler/-innen in der DDR-Bevölkerung nie. Christoph Singelnstein, ehem. Chefredakteur beim rbb, schätzt die Zahl der Aktiven auf 2.000. In Leipzig waren die wenigen hundert Aktivisten des Frühjahrs 1988 völlig zerstritten. Bei den 500.000 vom Alexanderplatz am 4.11. ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Ob es wirklich so viele waren und ob es mehr DDR-Anhänger oder mehr Oppositionelle waren, bleibt weiterhin unklar.
  • Die Bürgerrechtler sind, auch wenn nicht alle offen ihre weniger aktiven Mitbürger/-innen wegen der Anpassung an die Verhältnisse kritisieren, eine unangenehme Erinnerung daran, dass es Menschen gab, die Widerstand leisteten. Das will man verdrängen
  • Bürgerrechtler, die nach der Revolution in verschiedene Parteien gingen, wurden dort oft marginalisiert. Manche hielten es in dem ungewohnten Politikbetrieb auch nicht lange aus. Die Biographie von Marianne Birthler ist da aufschlussreich. Ein Potsdamer Bürgerrechtler erklärt das schnelle Verschwinden der Bürgerrechtler in Potsdam so: Es dauerte nicht lange, bis die – in Potsdam besonders zahlreichen – Kader aus SED- und MfS-Bezirksverwaltung und Hochschulen – die Geschäftsordnung des neuen Politikbetriebes beherrschten und auch dank der geretteten finanziellen Mittel und der SED-Infrastruktur  sich ausbreiten konnten und die politischen Amateure der Bürgerrechtsbewegung verdrängten.
  • Der wohl entscheidende Punkt: Nach der Öffnung der Mauer war klar, dass die Tage der DDR gezählt waren. Dieser Staat konnte nur existieren, wenn er seine Bürger einsperrte. Es ist ziemlich egal, ob es die Werbung der Westfirmen war, die Lust auf Bananen und Mercedes, die Versprechen blühender Landschaften. Es war unausweichlich. Für einen großen Teil der Bürgerrechtler/-innen war es um Freiheiten in der DDR gegangen, für einen menschlichen, edleren Sozialismus. Manche suchten nach einem „Dritten Weg“ zwischen Paln- und Marktwirtschaft. Eine Vereinigung mit der angeblich kapitalistischen, postfaschistischen, amerikahörigen BRD war kein Thema. Als sich bemerkbar machte, dass „dem Volk“ die Vereinigung wichtiger war als eine Veredelung der DDR, gab es, um es diplomatisch zu sagen, Kritik am Volk. Am trefflichsten brachte das im nachhinein ein Künstler in einer Westberliner Bilderausstellung vor wenigen Jahren zum Ausdruck: „Das Volk hatte sich in der DDR die Freiheit erkämpft, dann übergab es das Land an die in der BRD Herrschenden.“ Die offen gezeigte Unzufriedenheit der Bürgerrechtler mit dem Volk der DDR markiert den Beginn ihres Bedeutungsverlusts. Einige bekennen, dass sie sich damals einfach nicht vorstellen konnten, dass Deutschland je wieder vereinigt wäre. Andere nehmen die Vereinigung bis heute übel.

Das Wirtschaftsprogramm der Linken: Auf dem Weg in den Kommunismus

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Weil es mich wundert, wie wenig über das Wirtschaftsprogramm der Linkspartei in den Medien zu erfahren ist, habe ich versucht, herauszfinden, was mit „Systemwechsel“ oder „Transformation“ gemeint ist, Parolen, die von Linken immer zu hören sind. Außer, dass die Partei in der Gegenwart angekommen wäre, ist wenig zu erfahren. (Im Schulunterricht schon gar nicht.)

Hier Eckpunkte aus dem Wirtschaftsprogramm der Partei:

  • 30 Stunden Wochenarbeitszeit bei vollem Lohnausgleich
  • Verbot der Zeitarbeit
  • Allgemeiner Mindestlohn (zzt. 10,50€)
  • Entlassungsschutz für über 50jährige
  • Recht auf politischen und Generalstreik
  • “Millionen” Arbeitsplätze im öffentlichen Beschäftigungssektor
  • “Demokratische Kontrolle” der Wirtschaft
  • Unternehmen sollen sich nicht an Rendite orientieren, sondern am Gemeinwohl (Siehe unten!)
  • Mehr Staatseigentum, mehr Genossenschaften, mehr Eigentum in den Händen der Arbeitnehmer: Vor allem bei Energie, Wasser, Verkehr, Wohnen, Kultur, Banken.
  • Großbetriebe in “gesellschaftliche Eigentumsformen” überführen
  • Vermögenssteuer, Millionärssteuer, höhere Erbschaftssteuer, Steuererhöhung ab 6000 € Einkommen
  • Managergehälter auf das 20fache der untersten Lohngruppe beschränken
  • Aktives und passives Wahlrecht für alle, die ihren Lebensmittelpunkt in Deutschland haben

Die Linke legt Wert auf ihre Alleinstellungsmerkmale: Sie sei keine Partei wie die anderen, die sich devot den Wünschen der Wirtschaftsmächtigen unterwürfen. Sie will ein anderes Wirtschafts- und Gesellschaftssystem. Sie definiert Deutschland als Klassenstaat mit fehlendem Klassenbewusstsein. Die Umgestaltung Deutschlands müsse zu “Umwälzungen mit revolutionärer Tiefe” führen.

Die Abschaffung der Rentabilität (der Rendite oder des Profits) als Bezugsgröße für unternehmerisches Handeln war die wesentliche Ursache für den Bankrott der DDR. Kapital und Material wurden verschwendet, weil Kosten in einer Kommandowirtschaft keine Rolle spielen.

Zur Geschichtsauffassung der Linken
(Der Text stammt aus einem Beitrag von 2011)

Endlich: Ausgewogene Ukraine-Berichterstattung dank rtdeutsch.com

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Russland baut seine Propaganda im Westen aus. Insbesondere in Deutschland hat man erkannt, dass sowohl links als auch rechts, bei Pazifisten, Globalisierungsgegnern, USA-Kritiker/-innen Offenheit gegenüber russischen Nachrichten besteht. Jetzt gibt es rtdeutsch.com.

Ein ndr-Clip über den neuen deutschen TV-Sender Putins.

Der Leipziger Zeitungswissenschaftler Uwe Krüger hatte 2013 die national verbreiteten deutschen Printmedien als USA- und NATO-beeinflusst entlarvt: Meinungsmacht. Der Einfluss von Eliten auf Leitmedien und Alpha-Journalisten – eine kritische Netzwerkanalyse. Seine wissenschaftlichen Untersuchungen ergaben: Vier „Alpha-Journalisten“ wären besonders verdächtig.Der Vorwurf: Es würden Positionen verbreitet – erweiterter Sicherheitsbegriff, Bedrohung durch Terroristen, Cyberangriff,Rohstoffsicherheit usw. – die von der EU, der NATO, den USA, der Bundesregierung vorgegeben seien und von der Bevölkerung abgelehnt würden („Kluft“ zwischen den Eliten und den Menschen). Die Zeitungsartikel wurden durch Wort- oder Partikelsuche ausgewertet (milit*, fried*), die Netzwerke von Alpha-Journalisten und transatlantischen und sicherheitspolitischen Organisationen werden in bunten Diagrammen mit unterschiedlich großen Kreisen und dicken Balken visualisiert.  Das ganze liest sich wie ein zu lang geratener Leitartikel in einer linken Zeitung. Dr. Krüger stößt zuletzt auf das Henne-Ei-Problem: Sind die Alpha-Journalisten von den Organisationen beeinflusst worden oder sind sie zu den Organisationen gestoßen, weil sie schon vorher so dachten?. Konstatieren sie einen erweiterten Sicherheitsbegriff oder fordern sie ihn? Jedenfalls hat er sie aufgefordert Stellung zu nehmen. (Zur Klärung eines Sachverhalts?)

Herr Krüger kann aufatmen. Jetzt gibt es Verstärkung für den Gegenpol zu westlich orientierten Journalisten: Das staatliche russische Fernsehen hat nun auch in Deutschland einen Sender installiert. Die Putin-Trolle, das Wismarer Ostinstitut, Frau Krone-Schmalz, das Gazprom-Netzwerk und der Petersburger Dialog stehen nicht mehr alleine den NATO-hörigen deutschen Alpha-Journalist/-innen gegenüber.

In der FAZ v. 13.4.15 rezensiert Reinhard Veser das Buch von Gabriele Krone-Schmalz: Russland verstehen. Der Kampf um die Ukraine und die Arroganz des Westens. Das Urteil ist peinlich für die Russlandlobbyistin: Das Buch stecke voller Fehler, die Autorin lasse weg, was ihr nicht passt. Sie behauptet, die Maidan-Demonstranten hätten das Kiewer Parlament gestürmt. Das behauptet noch nicht einmal die russische Propaganda.

Update 18.12.14: Zur Rezeption der Krügerschen Dissertation

Dr. Krüger ist ein anschauliches Beispiel für das Objektivitätsproblem in den Sozialwissenschaften. Seine politischen Überzeugungen sind der Ausgangspunkt seiner Forschungen. Ihr Ergebnis beweist seine politische Meinung. So verfuhr er auch in einer Studie, in der er die Benachteiligung der Linkspartei in den Fernsehnachrichten bewies. (in: Media Perspektiven 2/2014, pp 62-93)

Dazu passt eine Beobachtung, die ein Leserbriefschreiber im Februar 2015 der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) mitteilt: Er kauft in Gera die FAS und jemand neben ihm sagt: „Aha, die Frankfurter. Das ist´ne Lizenz der Amerikaner.“

Lesetipp: Tobias Jaecker über Antiamerikanismus in den deutschen Medien