Beispiel für einen Geschichtsworkshop

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Kürzlich hatte ich von einer Projektwoche zum Thema „DDR“ in einer Potsdamer Schule gehört. Es findet also doch einiges statt, mit zunehmender Tendenz.

Was mich dann allerdings wunderte, war, dass eine Klasse eine Fahrt zur Gedenkstätte „Grenzübergang Marienborn“ unternahm. Als Lehrer kann ich verstehen, dass die Schüler davon angetan waren: Ein paar Stunden im Bus, Freizeit in Helmstedt, ein Tagesausflug anstelle eines Unterrichtstages. Damit kein Missverständnis aufkommt: Marienborn ist einen Besuch wert. Für mich hat das Wort von der „Generation Marienborn“ einen sehr persönlichen Bezug. Aber für Jugendliche aus Potsdam gibt es auf Schritt und Tritt DDR-Geschichte zu entdecken. Da muss man nicht zwei Stunden im Bus unterwegs sein.

Jetzt wird mir gerade eine Information zu einem Geschichtsworkshop zugeschickt, die ich weitergeben soll. Der Workshop des Landesjugendrings Brandenburg findet schon zum zweiten Mal statt. Das Programm ist auch eine Anregung für schulische Projektwochen.

„Wir Ossis müssen zusammenhalten!“ Z. B. bei den Renten

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Das Spiel Ost gegen West, das Lied von der wachsenden Armut der Rentner im Osten, das Mantra von den missachteten Ost-Biographien, das alles sind beliebte Erzählungen der Medien, der Linkspartei und Teilen der Sozialdemokratie.

Wer dagegen ist Hubertus Knabe, der nüchtern bilanziert, wie die DDR-Oberschicht sich eine Rentenerhöhung nach der andern gesichert hat?

Aus: Hubertus Knabe, die Täter sind unter uns. Über das Schönreden der SED-Diktatur, Berlin: Propyläen 2007

Durch Klagen erreichten die ehemaligen DDR- Systemträger, dass ihnen heute hohe Renten gezahlt werden. Ca. 230 000 DDR-Bürger bekamen Anfang 1990 Zusatzrenten. Insgesamt haben 3,8 Millionen DDR-Privilegierte Ansprüche auf besonders hohe Altersbezüge. Obwohl diese Privilegien nach 1989 abgeschafft werden sollten, haben die Funktionäre es im juristischen und politischen Kampf geschafft, dass die Renten immer weiter angehoben wurden.

Das Zwei-Klassen-Rentenrecht der DDR wirkt so bis heute weiter. „ Zum Stichtag 31.Dezember 1996 erhielten jetzt nur noch 12 Prozent oder 61 000 der Zusatzversorgten eine nach oben begrenzte Rente. Bei den bewaffneten Organen waren es, je nach Einsatzbereich, zwischen 31 und 50 Prozent der Rentenbezieher…Ein Großteil der Staats- und Parteifunktionäre, aber auch Armeeangehörige, Polizisten, Gefängniswärter und Zöllner wurden mit dem 1. AAÜG-Änderungsgesetz (AAÜG-ÄndG= ab dem 1. Januar 1997) von sämtlichen Rentenbegrenzungen befreit…Mit der Gesetzesänderung sorgte der Bundestag dafür, dass Zehntausende SED-Kader aus der bisherigen Rentenbegrenzung herausfielen.

Anders als zuvor mussten sie das Vielfache eines DDR-Durchschnittseinkommens verdient haben, um überhaupt in den Bereich der Kürzungen zu kommen. Nur wer 1989 das 2,6 fache und 1950 sogar fast das Zehnfache davon bekommen hatte, musste noch Abstriche hinnehmen…Alles in allem hob das neue Gesetz die übrig gebliebenen Rentenbegrenzungen in 75 Prozent der Fälle vollständig auf. 165 000 Staatskader erhielten neue Rentenbescheide mit teilweise kräftigen Erhöhungen.“ (Knabe, S.191) Ein Systemträger, der immer unter der Kappungsgrenze geblieben war, konnte 3700 DM bekommen, ein normal gesetzlich Versicherter dagegen 1500 DM. „Die Mehrkosten dieser Rentenerhöhung für DDR-Funktionäre betrugen allein im ersten Jahr rund 180 Millionen DM.“ (S.191)

Das Bundesverfassungsgericht kippte die verbliebenen Begrenzungen. Am Ende entschied das Bundesverfassungsgericht auch noch, dass es grundgesetzwidrig sei, die Renten früherer Stasi-Mitarbeiter auf 70 Prozent einer DDR-Durchschnittsrente zu begrenzen. „Mit dem 2. Anspruchs- und Anwartschaftsüberführungs- Änderungsgesetz (2. AAÜG-ÄndG) wurde die Obergrenze für Stasi-Renten um 30 Prozent angehoben….Die Stasi-Mitarbeiter bekamen dadurch nicht nur monatlich mehr Geld, sondern auch Nachschläge von 25 000 bis 30 000 DM pro Person. Auch weitere Rentenanhebungen für DDR-Privilegierte wurden mit diesem Gesetz beschlossen. „Alles in allem spendierte der Bundestag der alten DDR-Elite an diesem Tag mehr als 1,4 Milliarden DM- zuzüglich 435 Millionen DM jährliche Folgekosten…

Bis auf die Mitarbeiter des Staatssicherheitsapparates und einige hundert Funktionäre haben durch das geänderte Gesetz alle Träger des SED-Regimes ihre alten Privilegien zurückerhalten…Allein im Jahr 2006 kosteten die Zusatz- und Sonderrenten der alten DDR-Oberschicht den Steuerzahler 4,1 Milliarden Euro“ (Knabe, S.195) Dabei müssen 2/3 aller Kosten die neuen Bundesländer übernehmen. Das geht natürlich zu Lasten anderer Bereiche. Ein Viertel der Mittel aus dem Solidarpakt Ost floß der alten DDR-Oberschicht zu. Die Privilegierten der DDR sind die Gewinner der Wiedervereinigung. „Je länger sie daran mitwirkten, das Regime am Leben zu halten, desto höher sind ihre Altersbezüge.“ (S. 200)

Während DDR-Systemträger und Karrieristen heute Bezüge von mehreren Tausend Euro kassieren, leiden viele Opfer bis heute an sozialen und psychischen Folgeschäden. Wer sich nicht anpaßte, konnte nicht studieren, hatte keinen guten Job, saß oftmals im Gefängnis- das alles sollte Folgen haben. Viele Opfer leben heute von niedrigen Einkünften. „Die Faustregel lautet: Je stärker sich ein DDR-Bürger mit dem System anlegte, um so geringer ist heute seine Rente….einen Ausgleich für die geraubten Lebenschancen gab es nicht…“(S. 202f.)

(Die Zitate hat dankenswerter Weise Anne Veeck auf ihrer Webseite zusammengestellt, eine Trotzkistin, die Hubertus Knabe und die SED/PDS/Linkspartei in gleicher Weise hasst, wie sie selbst sagt und ihn für durchgeknallt hält. Aber, was er da schreibt, wohl für richtig. 
Bei der Gelegenheit: Trotzkisten sind Teil des Problems, das die Linkspartei zzt. hat: Sie sind dogmatischer und noch autoritärer als die SED-Nachfolger. Sie waren in der WASG tonangebend. Wenn Dr. Gysi und Maurer von Hass in der Bundestagsfraktion sprechen, meinen sie die Trotzkisten und andere MdBs aus linksextremen Splittergruppen. Wenn auf dem Parteitag der Linken Wessi-Kommunisten Jubelgesänge anstimmen: „Wir sind die Sieger!“, so liegt das an den unversöhnlichen Positionen der beiden kommunistischen Gruppen. Die Trotzkisten werfen den Realsozialisten zwar vor, den bürokratischen Sowjet- und SED-Kommunismus nicht wirklich aufgearbeitet zu haben, sind aber in ihrer Haltung selbst Stalinisten. In etwa 20 Verbände sind die Trotzkisten in D. zersplittert. Sie sind publizistisch sehr rege, beteiligen sich an Demonstrationen und versuchen bestehende Organisationen in kommunistischer Tradition zu unterwandern – Linkspartei, früher WASG, attac u.a. Herbert Wehner wird in einer deswegen umstrittenen Biographie nachgewiesen, dass er für den sowjetischen NKWD Trotzkisten unter den vor Hitler nach Moskau geflüchteten deutschen Kommunisten aufspüren sollte.

Die Privilegien der DDR-Oberschicht

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privilegienwegDas eine oder andere steht schon im Blog: Dass die Nomenklatura gut gelebt hat. Überall in kommunistischen Staaten ist das so (gewesen). Auch in Nordkorea, von wo wir die Bilder ärmlicher Menschen sehen, haben die Kader alles. Der oberste Häuptling besitzt gleich mehrere Paläste. Söhne, Töchter und andere Verwandte des roten Adels in der heutigen VR China sorgen dafür, dass die Familien einen Millionenbesitz erwerben und ihn auch gerne ins Ausland transferieren. In Kuba haben die Kader eigene Krankenhäuser und spezielle Restaurants. Kein Wunder, dass Ver.di-Gewerkschafter, Lafontaine, Axel Hilpert u.a. dort gerne Urlaub machen. Lenins Bolschewiki hatten als erstes die Wohnungen von Adligen für sich requiriert. DDR-Minister haben sich von ihrem Ministerium Villen (Gen. Hoffmann) bauen oder die Stromrechnung für das private Treibhaus (Gen. Stoph) bezahlen lassen. Honecker verfügte über einen Fuhrpark von 17 Autos. Das Paradies auf Erden gab es für die kommunistische Oberschicht wirklich. Für die werktätigen Massen war der Weg dahin das Ziel.

Der Volksmund bringt es auf den Punkt: „Was ist der Unterschied zwischen Kapitalismus und Kommunismus? Kapitalismus ist die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Im Kommunismus ist es umgekehrt.

Fritz J. Raddatz erzählt in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 9.10.2011 aus Anlass der Vorstellung seiner Tagebücher: „… in der DDR … existierte noch eine andere Währung… (die) in verschiedenen Farben ausgegebenen kleinformatigen Privilegiertenausweise – Presse-Club, Club der Kulturschaffenden, Künstler-Club „Die Möwe“… Diese „Ost-Credit-Karten“ befugten zum Eintritt in reservierte Restaurants, in denen man – höchst preiswert auch noch – bekam, was das Volk nie zu sehen bekam: Huhn, Reis, Kalbfleisch, Birnenkompott, Plattenseer Riesling, sowjetischen Wodka! Besonders Hochstehende hatten einen in West-Berlin zugelassenen Zweitwagen (wie Johannes R. Becher) oder zumindest ein richtiges Westauto wie Stephan Hermlin, mit dem verbrieften Recht, die Reparaturen in West-Berlin durchführen zu lassen.“

Die Nomenklatura hatte vor allem ihren Machterhalt im Auge. Seilschaften sorgten dafür, dass sie bei ihnen und ihren Familien blieb. Ein Grund für Stagnation und Misswirtschaft war nicht zuletzt, dass Fachkompetenz nur sekundäre Bedeutung hatte.

Die Seilschaften sorgten auch für das Überleben in der „Wende“. Mit dem Zugriff auf „Volkseigentum“, der Besetzung von Positionen in der Treuhandanstalt und Geschäftsführerposten in den privatisierten Staatsbetrieben sicherte sich die Nomenklatura das Überleben. Vgl. Enquetekommission Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur (Hrsg.): Staatssicherheit – Seilschaften,  Band 8, Baden-Baden 1995, p 758,

Man kommt ins Grübeln, wenn über die gute, alte DDR schwadroniert wird. Die o.a. Reihe ist eine Fundgrube, die bei Journalisten und  Frau Thalheim auf dem Schreibtisch stehen und in jeder Brandenburger Schule vorhanden sein sollte, statt verramscht zu werden.

Der Historiker Stefan Wolle über die isolierte Welt der SED-Bonzen.

Update Mai 2015: Über das Luxusleben Fidel Castros berichtet der Miami Herald. Pol Pot, dessen Rote Khmer in Kambodscha zwischen 1 und 3 Millionen Mitbürger/-innen folterten, totschlugen oder verhungern ließen, wurde, wie man in Wochenschauberichten sehen kann, in dieser Zeit immer rundlicher.

Zum Vergleich von Kommunismus und Nationalsozialismus (5): Darf man vergleichen?

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Im Zusammenhang der Diskussion eines nationalen Gedenkstättenkonzepts zur deutschen Diktaturgeschichte finde ich in einem Text von Peter März (Bayer. Landeszentrale f. pol. Bildung?) einen bedenkenswerten Absatz zum Vergleich der beiden Diktaturen:

Bei gutem, d. h. in diesem sensiblen Bereich nicht denunziatorischen Willen, sollte es möglich sein, die Vergleichsdiskussion im Blick auf die totalitären Diktaturen in Deutschland wie Europa so zu führen, dass sich keine Seite veranlasst sehen muss, einen Bagatellisierungs- bzw. Relativierungsvorwurf zu erheben. Bemerkenswert ist in diesem Sinne eine Feststellung des Holocaust-Forschers Ulrich Herbert, der geschichtspolitisch schwerlich dem Unionslager zuzurechnen sein dürfte: „In der Debatte wurde auch sichtbar, dass bei einem nicht unerheblichen Teil der Diskussionsteilnehmer aus dem liberalen und linken Lager mit dem pathetischen Vergleichsverbot andere Blindstellen überdeckt wurden. Denn die Furcht vor dem ‚Aufrechnen‘ führte vielfach dazu, die Verbrechen in der stalinistischen Sowjetunion nicht wahrzunehmen, zu verkleinern oder zu funktionalisieren. (…). Die Einordnung von Vertreibung und Ermordung der Juden in den Kontext der ethnischen Säuberung und des radikalen Nationalismus im 20. Jahrhundert insgesamt und in den Kontext der Entgrenzung politischer Macht in den totalitären Vernichtungsdiktaturen hat den Judenmord weder verkleinert noch kommensurabel gemacht, sondern seine spezifische Gestalt und Bedeutung erst profiliert.“ (Ulrich Herbert, Der Historikerstreit, p. 104)

Quelle (dort Seite 8f.)

Die Ermordung von etwa zehn Millionen Menschen durch Nationalsozialisten, vor allem die sog. industrielle Tötung durch Gas in den Todeslagern, ist ungeheuerlich. Im Jahr 1937 hat Stalin ca. 800.000 Menschen erschießen lassen. Die Hinrichter trugen Gummistiefel und Metzgerschürzen, die „Jahresleistung“ einzelner Schützen war fünfstellig. Sie erhielten kostenlos alle paar Stunden eine Massage der Schusshand. Muss man jetzt darüber diskutieren, was industriell war und was nicht, was weniger schlimm und was singulär? Soll man die stalinistischen Verbrechen verschweigen, weil die Hitlerschen einzigartig sind?

Update Dezember 2014: Das Vergleichen der beiden totalitären Ideologien hat durch den Krieg in der Ukraine eine ungeahnte Aktualität bekommen. Ich schließe nicht aus, dass das schlimme Langzeitwirkungen haben wird.

Putins politsches und militärisches Vorgehen genießt in Deutschland große Popularität. Das zeigt zuletzt der peinliche, bösartige Aufruf „Nicht in unserem Namen“, der dem Westen Kriegstreiberei vorwirft und die Ukraine gar nicht kennt. Unterschrieben hat ihn neben den üblichen Russlandversteher/-innen auch der von mir bisher sehr geschätzte Mario Adorf, von dem ich gar nicht wusste, dass er zu den Kennern der osteuropäischen Geschichte und Gegenwart gehört.

Schauen wir uns einmal Putins Handeln und seine Begründung an:

Schutz aller Russen (und sogar Russischsprachigen) in allen ehemaligen Sowjetrepubliken, Anspruch auf Einflusszonen jenseits der Grenzen, das Recht auf militärische Intervention. Einmarsch auf die Krim und Abtrennung der Halbinsel, Entfesselung eines Krieges auf ukrainischem Territorium, Abtrennung von georgischen und moldawischen Gebieten, Manöver an den Grenzen der baltischen Staaten, digitale Störmanöver und Scheinangriffe der Luftwaffe gegen Estland.

Und jetzt Hitler in den 30er Jahren:

„Heimholung“ des französisch besetzten Rheinlandes, „Anschluss“ des anschlusswilligen Rest-Österreichs, „Heim ins Reich“ mit den Volksdeutschen im Sudetenland. Erst als er die Forderung „Danzig ist deutsch“ einlösen wollte und, nach zwanzig Jahren vergeblicher Verhandlungen Berlins mit Warschau, seine Soldaten in Marsch setzte – mit Hoheitsabzeichen und nicht als Männer in Tarnanzügen, als angeblich deutsche Freiheitskämpfer aus Danzig und Posen – spielte England nicht mehr mit. (Es war für Churchill tragisch, dass Englands Eingreifen zu Gunsten Polens damit endete, dass er in Potsdam ganz Polen Stalin überlassen musste.)
Dass das Kaiserreich im Ersten Weltkrieg auf die Idee kam, von den Einflusszonen Lothringen und Belgien zu sprechen, veranlasste gar einen Historiker von der Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg zu sprechen.

Das soll man nicht vergleichen dürfen?

Putin war geschickter und hemmungsloser. Er brauchte kein Münchner Abkommen und verhandelte nicht zwanzig Jahre mit Kiew über die Abtrennung oder Föderalisierung von Krim, Ost- und Südostukraine.

Mein Großvater pflegte zu sagen: „Wenn Hitler Anfang 1939 gestorben wäre, würde man ihn als großen Staatsmann feiern.“ Ich war über diesen Satz immer empört gewesen.

Zum Vergleich… (1 – 7)

Ostdeutsche Wirtschaft verkraftet die Krise der Solarindustrie

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sagen übereinstimmend Ökonomen des Dresdner Ifo-Instituts und des Hallenser Instituts für Wirtschaftsforschung. Die ostdeutsche Wirtschaft sei inzwischen breiter aufgestellt. Wieder einmal weisen Forscher darauf hin, dass nach der „Wende“ überzogene Erwartungen geweckt  (Vollständige Angleichung) und falsche Vergleiche gezogen (Vergleich mit den auch in Westdeutschland an der Spitze liegenden Bayern und Baden-Württemberg) worden wären.

2010 lag das Buttoinlandsprodukt (BIP) der Länder Sachsen und Brandenburg bei 22300 bzw. 22900 €. Rheinland-Pfalz und Niedersachsen bei 27000, kein Grund, um in Panik zu geraten. Insgesamt hat sich das BIP in Ostdeutschland zwischen 1991 und 2010 verdreifacht, das Pro-Kopf-Einkommen stieg von 43 auf 73% des Westniveaus. Staaten wie Polen und Tschechien, die eine ähnliche Ausgangslage hatten, lagen weit darunter. Ihnen fehlte ein starkes Westdeutschland. Besonders wichtig seien im Osten, wegen des Fehlens von Forschungs- und Entwicklungseinrichtungen der Konzerne, die innovationsfreudigen Klein- und Mittelbetriebe.

(FAZ, 2.6.12, S. 13)

Update Juli 2015: Im Blog wurde schon angesprochen, dass die Medien und Interessengruppen gerne darauf hinweisen, dass es in Ostdeutschland bergab gehe oder zumindest die blühenden Landschaften eine schamlose Übertreibung wären. Wenn es sich gar nicht vermeiden lässt, bringt man dann doch die Nachricht, „Ostdeutsche Wirtschaft weiter im Aufschwung“ Auf Seite 14! (PNN,3.7.15)

Woher der Nachwuchs für die Potsdamer Neo-Kommunisten kommt

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Leninbüste im Volkspark Potsdam

Es gibt in Potsdam großzügig geförderte sog. linksalternative Jugend- und Kulturzentren.  Jetzt berichtet die Märkische Allgemeine (29.5., p.13), dass inzwischen vier Pädagogen des linksalternativen Kulturzentrums „Archiv“ aktiv bei der Potsdamer Linkspartei sind.

  • Siehe auch hier im Blog!

Aktion „Ungeziefer“

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Dass eine sich als Erbe der Aufklärung und des Humanismus verstehende Ideologie Menschen zwangsweise umsiedelt und diese Aktion – keine zehn Jahre nach dem Nazifilm Jud Süß, in dem Juden mit Ratten verglichen werden – auch noch Aktion Ungeziefer nennt, darauf muss man erst einmal kommen.

1952 räumten die „Kampfgruppen der Arbeiterklasse“ in einer Nacht-und-Nebel-Aktion im Zuge der Sicherung der Zonengrenze einen fünf Kilometer breiten Grenzstreifen von aus Sicht der SED unsicheren Personen. Es traf Handwerker und Bauern. Die Vernichtung der beruflichen Existenz wurde in Kauf genommen oder war sogar Absicht. Es traf Kirchenbesucher und Personen mit Westkontakt.

In den neuen, schlechteren Wohnquartieren hatte die SED verbreiten lassen, dass Kriminelle, Asoziale, Feinde der Arbeiterklasse zuzögen. Entsprechend war der Empfang.

33 Orte wurden zwischen 1952 und 1989 im Grenzgebiet geschleift, schreibt Frank Pergande in der FAZ v. 26.5.12, p 8., sowie 150 Ortsteile und Einzelgehöfte. Ca. 12.000 Personen wurden zwangsumgesiedelt. Die „Aktion Ungeziefer“ fand 1952 statt, als die Zonengrenze befestigt wurde und nur noch eingeschränkt passierbar war. Weitere Aktionen dieser Art, die aber nicht mehr so hießen, gab es 1961 nach dem Bau der Mauer in den Grenzgebieten und später.

Das Thema war in der DDR tabu und ist auch 60 Jahre danach in Ostdeutschland weitgehend unbekannt. Die Stiftung Aufarbeitung allerdings veranstaltete in Berlin ein Podium dazu.

– Siehe auch WELT online!

Setzen! Sechs! Wie die Medienkiste in Brandenburg durchfiel

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Ausstellung der Medien in einer Schulbibliothek

Die Geschichte der Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“ ist geschrieben. Dieser Blog mit Material zu einer Webquest als Schwerpunkt ist aus der Arbeit an ihr hervorgegangen. Es wurde auch schon Bilanz gezogen. Die Medienliste wurde sechstausend Mal (Nachtrag: Stand Nov. 2013 8.000 mal) aufgerufen. Zehn Kisten stehen zur Ausleihe für hessische Schulen zur Verfügung. Kisten wurden u. a. im Rahmen von Projektwochen verwendet. Drei Kisten wurden ausgelobt, 30 Schulen bewarben sich um sie.

Günther Brée steuerte eine Literaturliste für die untere Mittelstufe bei und eine Mindmap als Gerüst für die Verwendung der Kiste im Projektunterricht

Ich könnte also zufrieden sein. Dann kam ich auf die unglückliche Idee, dass die Kiste in meiner neuen Heimat Potsdam nützlich sein könnte. Den Rest des Beitrags lesen »

LPG in der brandenburgischen Enquetekommission

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Die Enquetekommission des Brandenburger Landtages erörterte am Freitag die Situation der LPGs nach der „Wende“. SPD und Linkspartei hatten versucht, das Thema zu verhindern. Es wurde dann ausgewogen durch zwei Gutachter beleuchtet, einen Professor der Berliner FU und einen ehemaligen DDR-Agrarwissenschaftler. Der ließ es sich nicht nehmen, darauf hinzuweisen, dass in der Landwirtschaft der Trend zu Großbetrieben gehe und im Westen über 200000 Einzelbetriebe aufgegeben hätten. Da wäre die SED vor 50 Jahren fortschrittlicher gewesen.

Die LPGen waren beim Strukturwandel nach der „Wende“ im Vorteil. Politik und Gesetzgebung begünstigten die bestehenden großen Einheiten. Trotz vielfach erfolgter Rückgabe und Entschädigung war es nach 1990 sehr viel schwerer für Bauern, wieder oder ganz neu anzufangen. Nirgendwo sei auch die Elitenkontinuität größer als in der Landwirtschaft. Die LPG-Vorsitzenden waren in der DDR mächtige Kader. Sie entschieden über Investitionen im Dorf, vom Straßenbau bis zum Kindergarten. Vielfach führen sie ihre Betriebe selbst als GmbH-Geschäftsführer weiter, mit weniger Personal und mehr Technik. Folgerichtig gibt es in Brandenburg zwei Bauernverbände. Einer, der die Interessen der LPG-Erben vertritt und einer, der die (neuen) freien Bauern organisiert.

Update 16.6.12: Die Enquetekommission habe ich etwas aus den Augen verloren wegen anderer Schwerpunkte. Jetzt lese ich, dass es weitere Gutachten über die Fortdauer der LGP-Strukturen in Brandenburg gab. Die Märkische Allgemeine (16.6.12) schreibt dazu, dass die Gutachten aussagten, dass nach der „Wende“ anarchische Zustände geherrscht hätten und schwere Fehler gemacht worden seien. Die LPG-GRanden hätten dank ihrer Seilschaften die macht behalten, den kleinen bauern aber seien Knüppel zwischen die Beine geworfen worden. Nur wenige zwangsenteignete Bauern seien entschädigt worden.

Jetzt verstehe ich besser, warum die Brandenburger SPD sich gerade beim Thema Landwirtschaft so vehement gegen eine Aufarbeitung gewehrt hatte.