Umstrittenes Auschwitz-Gedenken

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Am 50. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz durch Stalin kamen 2005 hochrangige Vertreter aus dreißig Staaten in Krakau nahe Auschwitz zusammen. 2015 sollen es die letzten, noch lebenden Überlebenden sein, die eingeladen werden und im Mittelpunkt stehen. So möchte man es in Polen.

Der Krieg in der Ukraine hat in Ostmitteleuropa viel verändert. In Polen will man Wladimir Putin in Auschwitz nicht dafür loben, dass sein Land das KZ befreit hat. Nun sollte es parallel in Theresienstadt eine Gedenkfeier zur Befreiung von Auschwitz geben. Das haben der Putin-Versteher Milos Zeman, Tschechiens Staatspräsident, und der Vorsitzende des European Jewish Congress, der russische Milliardär Kantor, ein Freund Putins, vereinbart. Da zu dieser Veranstaltung kein weiteres Staatsoberhaupt eines großen Staates zugesagt hat, sagte auch Putin schließlich ab. Die jüdischen Gemeinden Tschechiens hatten sich gegen Putins Auftritt in Theresienstadt ausgesprochen.

Durch den Krieg, den die Russen in der Ukraine vom Zaun gebrochen haben, sind die Erinnerungen an Stalins Verbrechen an Juden, Polen, Ukrainern und Balten wieder aufgebrochen.

Der deutsche Historiker Wolfgang Benz kann dem u. a. jetzt in diesem Zusammenhang erhobenen Vorwurf, die Russen hätten die Nazi-KZs als Straflager weiter genutzt, nichts Schlimmes abgewinnen. Schließlich hätte man es im Westen auch nicht viel anders gemacht und in diesen Lagern die ehemaligen Wachmannschaften eingesperrt und Flüchtlinge untergebracht. (nach Potsdamer Neueste Nachrichten v. 14.1.15, p 5)

Zu den sowjetischen Lagern in ehemaligen Nazi-KZs siehe hier!

 

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Die offene Gesellschaft und ihre Feinde

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In den wilden und wüsten 68er Jahren hatte ich das große Glück im Studium an der Frankfurter Goethe-Uni von Karl R. Popper und Hans Albert zu hören. Das half mir, nicht der Kritischen Theorie zu erliegen, die in Frankfurt großen Einfluss auf Pädagogik und Sozialwissenschaften hatte.

Daher freute es mich, heute in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Zitat von Karl Popper bei Volker Zastrow  zu finden. Der ruft Poppers „offene Gesellschaft  und ihre Feinde“ angesichts des islamistischen Massakers in Paris in Erinnerung.  Popper hatte geschrieben, dass es im Menschen selbst angelegt sei, zu einem harmonischen Urzustand zurückzukehren, zum „verlorenen Gruppengeist des Stammes“.  Aber er – der anfänglich Sozialist gewesen war – hielt dem das Streben nach Freiheit entgegen:

„Wir können niemals zur angeblichen Unschuld und Schönheit der geschlossenen Gesellschaft zurückkehren. Unser Traum vom Himmel lässt sich auf Erden nicht verwirklichen. Wenn wir erst mit der Unterdrückung von Vernunft und Wahrheit beginnen, dann müssen wir mit der brutalsten und heftigsten Zerstörung all dessen enden, das menschlich ist. Es gibt keine Rückkehr in einen harmonischen Naturzustand. Wenn wir uns zurückwenden, dann müssen wir den ganzen Weg gehen – wir müssen zu Bestien werden. Aber wenn wir Menschen bleiben wollen, dann gibt es nur einen Weg, den Weg in die offene Gesellschaft.“ (FAS 11.1.15, p8, „Güte“, von Volker Zastrow).

popperPopper und der deutsche Vertreter des „Kritischen Rationalismus“, Hans Albert, halfen mir, die kommunistische Ideologie einzuordnen. Eine Lehre, deren Basis Heilsversprechen und Gewissheiten sind, die nicht kritisch hinterfragt werden dürfen, kann nicht im „Systemvergleich“ gleichberechtigt neben eine offene Gesellschaft gestellt werden, in der es keinen Gewissheitsanspruch einer Partei oder einer Religion gibt. In einer offenen Gesellschaft geht es ständig um Veränderung und Verbesserung, aber niemand darf behaupten, er habe die Gesetze entdeckt, nach denen sich die Menschheit entwickelt.

 

 

„Es gibt Russen, die sich dafür schämen“

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Ein bemerkenswerter Leserbrief erschien vor einigen Tagen in der FAZ. Er ist die Antwort auf einen Putin-Versteher/-innen-Leserbrief, wie sie auch die FAZ zunehmend veröffentlicht. Dieser Schreiber erklärte, warum das Herz jedes Russen höher schlage angesichts des Umgangs Putins mit der Ukraine. Genau das, was russische Herzen höher schlagen ließe, löse aber bei den Nachbarn Existenzängste aus und veranlasse sie, Geld für Rüstung auszugeben. Der Verfasser berichtet von Gesprächen mit russischen Geschäftspartnern:

Auf die Prophezeiung, Putin wird Russland an die Wand fahren, habe ein Russe entgegnet: „Wieso wird? Der Crash ist doch schon passiert.“

In Moskau sagten manche: „Der Präsident hat sich den westlichen Sanktionen angeschlossen.“

Und der Verfasser sagt selbst: Im Interesse der Handelsmacht Russland wäre ein stabiles, prosperierendes Osteuropa, die Ukraine eingeschlossen. Beides bieten NATO und EU. Das aber können oder wollen Putin und seine KGB-Kollegen nicht begreifen.

Stasi-Mediathek

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Eine Stasi-Mediathek hat die Stasi-Unterlagenbehörde ins Internet gestellt. Das Angebot wird ständig erweitert. Neben Aktenmaterial beinhaltet das Onlineangebot Videos, Tonbandaufnahmen und Fotos der Stasi.

Es handelt sich vor allem um Grundsatzdokumente, die Auskunft über die Struktur, Methoden und Wirkungsweise der DDR-Geheimpolizei geben. Hier stehen mehr Informationen über die Seite.

Ein Beispiel: „Erziehung mit Guillotine“

 

Gibt es den gerechten Rechtsstaat?

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„Wir haben Gerechtigkeit erhofft, doch bekommen haben wir den Rechtsstaat“. Für diesen viel zitierten Satz hatte ich immer große Sympathie. Die vor vier Jahren verstorbene Bürgerrechtlerin Bärbel Boley gehörte zu den mutigsten Oppositionellen der DDR. Der Satz war wohl gemünzt auf die weitgehend ausgebliebene Verurteilung der Regierungskriminalität. Hier hatte sich die Bundesrepublik Zurückhaltung auferlegt. Der Vorwurf der „Siegerjustiz“ kam von den Ostalgikern dennoch. Frau Bohley zog sich bald aus dem Klein-Klein der parlamentarisch-parteipolitisch geprägten Politik zurück.

Gut finde ich den Satz inzwischen nicht mehr. Bringt er nicht eine Geringschätzung des Rechtsstaates zum Ausdruck? Das süße Gift der Ideologie trägt seine Früchte. Die mühselige, kleinschrittige Praxis der parlamentarischen Demokratie, der unaufhörliche Streit um bessere Lösungen steht gegen das Versprechen eines kommunistischen Endzustandes, in dem alle gut sind, es jedem gut geht, in dem das Böse ausgerottet sein soll.

Was Marianne Birthler 2009 dazu sagte, ist auch nicht ganz richtig:

„Nein, ich war mit diesem Satz nicht einverstanden, weil er zwei verschiedene Ebenen miteinander in Beziehung setzt. Gerechtigkeit ist eine moralische Kategorie. Der Rechtsstaat ist keine Garantie dafür, dass alles gerecht zugeht. Bärbel Bohley hat wohl zum Ausdruck bringen wollen, warum viele Menschen enttäuscht waren. Viele wussten nicht, dass das Leben in einer freien Gesellschaft auch anstrengend ist – erst recht, wenn man aus einem System kommt, in dem alles geregelt und festgelegt ist.

Ich habe deshalb oft die Exodus-Geschichte erzählt: Vom Volk Israel, das nach Generationen der Sklaverei befreit wird, dann aber eben nicht das gelobte Land vorfindet, in dem, wie es hieß, Milch und Honig fließt. Stattdessen erwartete sie die Wüste. Und prompt setzte das Gemurre ein, und die gerade erst Befreiten sehnten sich zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Auf einmal erschien ihnen, die so lange von der Freiheit geträumt hatten, die Sicherheit attraktiver als die Freiheit.“ (im Cicero)

Rechtsstaat und Gerechtigkeit gehören durchaus zusammen. Verfassungsrichter Udo di Fabio spricht von einer elementaren Gerechtigkeit, zu der der Rechtsstaat verpflichtet ist. Ohne Rechtsstaat sei Gerechtigkeit unmöglich. Der Rechtsstaat muss ständig darum bemüht sein. Gerichte und Rechtsprechung gab es auch in der DDR und im Dritten Reich. Dennoch sind es keine Rechtsstaaten gewesen.

Pegida-Missverständnisse

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„Doppelt so viel Gegner wie Anhänger“ meldet meine Potsdamer Lokalzeitung befriedigt zur jüngsten Pegida-Demonstration. Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis erhalte ich zwei Aufforderungen, Anti-Pegida-Petitionen zu unterschreiben. Schon eine Million Unterschriften teilt Change.org in einer mich duzenden Mail mit. In den Nachrichten werden Teilnehmerzahlen herauf- oder heruntergerechnet, je nachdem, ob es sich um Pro- oder Contra-Demos handelt. Das Wort „angeblich“ darf bei keiner Pegida-Erwähnung fehlen. Da wird dem Bürger vom Sender sofort mitgeteilt, dass die Pegida-Parolen nicht stimmen. Wie oft hat mir das „angeblich“ in der Nachricht gefehlt, wenn die Pressemitteilung eines Lobbyistenverbandes oder das Ergebnis einer neuen sozialwissenschaftlichen Studie im Indikativ verlesen wurde.

Früher dachte ich, Politik fände in der Politik statt, in der Auseinandersetzung der Parteien, in der Debatte im Parlament, im Regierungshandeln.

Nicht, dass ich für Pegida-Demonstrationen werben will, aber was macht eigentlich die Politik?

Heute findet Politikersatz auf Change.org statt, in Twitter und in Facebook. Politisches Handeln besteht im Knöpfe drücken und Petitionen weiterverschicken. Und unsere politische Elite spricht mit einer Stimme, von Dr. Gysi bis zu Frau Dr. Merkel. Nicht die Bürger verlangen von der Politik eine solide Einwanderungspolitik, sondern die Politik sagt uns, wie wir es mit Pegida halten sollen. Sie verlangt von uns, dass wir uns von Pegida fernhalten sollen und eine Willkommenskultur ausbilden müssen; in den Kirchen sollen muslimische Lieder gesungen werden.

Ist das nicht bemerkenswert: Die Regierung sagt uns, zu welcher Demonstration wir gehen sollen und zu welcher nicht. Und die Linken sind empört, dass sie die Straße, die ihnen seit Mutlangen, seit Gorleben, seit NATO-Doppelbeschluss, bei Oster- und Friedensmarsch gehört, mit Anderdenkenden teilen müssen. Die Demokratie ist nicht bedroht, auch wenn es Nazis in Nadelstreifen sein sollten. Die Demokratie ist mehr bedroht durch eine große Koalition von Medien und Politik, die sich einig ist in der Verteufelung von allem, was sich rechts der CDU bewegt.

Seit den Tagen des gescheiterten Gastarbeiterrotationsverfahrens in den 70er Jahren, also seit über 40 Jahren, gibt es in der Bundesrepublik keine zukunftsorientierte Debatte über Einwanderung, geschweige denn eine tragfähige Einwanderungspolitik.

(Lassen wir den „Systemvergleich“ einmal außer Acht: In der DDR sperrte man die ausländischen Arbeitskräfte in Ghettos und ließ sie nicht in die Kneipen. Letzteres habe ich im bitterkalten Leipzig selbst erlebt.)

In den ersten 30 Jahren waren es CDU/CSU, die die Debatte nicht wollten und Einwanderung schon gar nicht. Das Wort wird heute noch nicht verwendet, es heißt immer noch parteiübergreifend „Zuwanderung“. Die Grünen hatten großen Anteil daran, dass es erste vernünftige gesetzgeberische Schritte gab. Seit einem Jahrzehnt überwiegt in der Politik die Forderung an die Bürger, eine „Willkommenskultur“ zu entwickeln. Bloß kein kritisches Wort, sonst erheben Herr Özdemir oder Frau Roth ihre entrüstete Stimme in der Tagesschau.

Wenn eine Schule, die von Kindern aus 30 Nationen besucht wird, einvernehmlich in ihren Gremien beschließt, dass auf dem Schulhof Deutsch gesprochen werden soll, gibt es einen Sturm der Entrüstung, von der GEW über die Linkspartei bis zur „Netzgemeinde“ auf  Twitter und Facebook. Wenn es damals schon Change.org gegeben hätte, wären deren Server heiß gelaufen.

Der Neuköllner Bürgermeister Buschkowsky erkundigt sich in ganz Europa, wie es die andern mit den Zuwanderern halten und übernimmt Ideen. Von der Hauptstadt-SPD wird er gemobbt, die Journalisten des Tagesspiegels zerren ihn vor Gericht, weil es für sie am wichtigsten ist, herauszufinden, ob er seine Verwaltung für sein Buch zuarbeiten ließ. (Er hatte – er kennt seine Pappenheimer von der Hauptstadtpresse – darüber im Buch geschrieben.) Frau Künast von den Grünen ruft ihm noch aus Anlass seines Rücktritts aus gesundheitlichen Grünen nach, er habe doch überhaupt nichts geleistet, sondern nur polarisiert und Ausländer beschimpft (rbb-Blickpunkt 27.1.15).

Die türkische Religionsbehörde darf beim Berliner Religionsunterricht mitreden und Erdogan beim Berlin-Besuch verlangen, dass er nicht von Polizistinnen bewacht wird. Sprachkurse für türkische Ehefrauen, die nach Deutschland geholt werden, hält er für einen Verstoß gegen die Menschenwürde. Was ist mit den Moscheen, in denen Hassprediger vorbeten, was mit den Koranschulen? Gehört es zur Willkommenskultur, dass Rechtsanwälte bei Straftätern mit orientalischem Migrationshintergund Strafrabatt fordern, da sie in ihren Kulturen keine europäischen Standards verinnerlicht haben (Umgang mit Frauen, mit Töchtern, mit dem Ehrbegriff), und manche Richter/-innen von solchen Plädoyers nicht unbeeindruckt bleiben.

Die CSU spricht das Thema der deutschen Sprache an, leider mit einem unglücklichen Vorschlag. Aber außer einem Shitstorm passiert nichts. Niemand traut sich jetzt mehr, zu fragen, wie viel Deutsch es sein sollte und ein Mindestmaß auch zwingend vorzuschreiben.

Warum gibt es keine Debatte darüber, was von Zuwanderern erwartet wird? (Es geht nicht um Kriegsflüchtlinge!)

Warum gibt es keine Kriterien für die Einwanderung, so dass fast alle Einwanderer über das Asylrecht Zugang erhalten wollen, obwohl das dafür nicht gemacht ist. Es gibt sie in anderen Staaten, ohne dass das dort als inhuman, antidemokratisch oder rassistisch gebrandmarkt würde.

Warum gibt es keine Debatte darüber, was mit dem Youth Bulge in Afrika passieren soll? Die Hälfte(!) der Einwohner z. B. Nigers sind jünger als 15. Die Bevölkerungszahl wird von 17 auf 66 Millionen in den nächsten 35 Jahren steigen. In Nigeria sind die Zahlen noch gewaltiger. Wie viele Millionen junger Westafrikaner verträgt unsere „Willkommenskultur“?

Warum gewähren unsere millionenschweren Kirchen abgelehnten Asylbewerbern Zuflucht, aber bauen keine Wohnungen für Flüchtlinge?

Nachtrag nach den islamistischen Morden in Frankreich: Der Rotterdamer Oberbürgermeister sprach auf einer Kundgebung in seiner Stadt (zu Islamisten) klare Worte:

It’s incomprehensible that you turn against freedom like that, but if you don’t like this freedom, for heaven’s sake, get your suitcase, and leave. There might be a place where you belong, and be honest with yourself about that, don’t kill innocent journalists.

This is so backwards, so incomprehensible, go away if you can’t find your place in the Netherlands, or accept the society we want to build here, because we only want people, including all those Muslims, and all those well-intentioned Muslims, who may be looked at with suspicion, we want to keep all those people together in what I call the “We Society”. And if you don’t like it here because you don’t like the humorists who make a little newspaper – if I may dare say so – just fuck off.

(Ins Englische übersetzt in buzzfeed, 13.1.15)

Leseempfehlungen: Eva Quistorp, Die Schule der Kritik und Werner J. Patzelt, Edel sei der Volkswille, FAZ v. 21.1.15.

Quistorp fragt, warum es ausgerechnet in der linken und linksliberalen Szene und bei den Grünen so viel Feigheit und Ignoranz gegenüber dem Islam und dem Islamismus gegeben hat, obwohl Journalisten, Experten, Professoren, Schriftsteller und grüne Politikerinnen doch durch die Schule der Kritik am Christentum und der katholischen Kirche gegangen seien.

Prof. Patzelt empfiehlt den Pegida-Bekämpfer/-innen, es eine Nummer kleiner zu versuchen. Es gäbe für Meinungen rechts von der Mitte keine Repräsentation. Erst mit der AfD sei so etwas im Entstehen. Der linke Mainstream in Medien und Politik reagiere mit Hygienemaßnahmen (Straßenreinigung nach der Pegida-Demo), Rufen wie „Faschistenpack“ und „Latenznazis“. Die Meinungsverteilung in der Bevölkerung entspräche nicht der in den Medien und den Bundestagsparteien. Diese Repräsentationslücke müsse geschlossen werden. Es müsse Foren geben, auf denen Zukunftsängste, Bedrohungsgefühle durch fremde Kulturen und Probleme einer Einwanderungsgesellschaft diskutiert werden sollten.

Bemerkung von mir: Man sollte mit Pegida gelassener umgehen. Auch wird m. E. übersehen, dass diese Bewegung sehr viel mit dem Osten Deutschlands zu tun hat und deswegen keine gesamtdeutsche Bewegung ist.

Nachtrag Januar 2015: Irgendwo gelesen und für gut befunden: Wir sind alle Charlie und treten für Pressefreiheit ein. Kritische Stimmen, die Respekt und Rücksicht bei religiösen Befindlichkeiten anmahnen, werden zurückgewiesen. Presse- und Meinungsfreiheit seien konstitutiv für die westliche Wertegemeinschaft. Und dann gibt es in Dresden 25.000 Demonstranten , die ihren aufgestauten Unmut über Asyl und Zuwanderung, Islam, Islamisten und Islamisierung loswerden wollen. Jetzt heißt es plötzlich, das ginge aber gar nicht.

Nachtrag Februar 2015: Es ist üblich geworden, dass Stimmen, die vom linken Mainstream abweichen, ausgegrenzt werden. 12 Mitarbeiter/-innen des politikwissenschaftlichen Instituts, in dem Prof. Patzelt in Dresden arbeitet, sind empört, dass der Professor das Recht der Pegida-Demonstranten auf Meinungsäußerung verteidigt (ohne sich inhaltlich mit ihnen gemein zu machen).

Wie die Presse mit der Studie von Patzelt umgegangen ist, dokumentiert Patzelt hier.

Linkspartei wollte den Besuch des Kiewer OBs in Leipzig verhindern

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Der neu gewählte Oberbürgermeister von Kiew, Dr. Vitali Klitschko, wurde vom Leipziger OB Jung zu den Feiern zum 25jährigen Jubiläum der Friedlichen Revolution eingeladen. Das fand breite Zustimmung. Bis auf die Linkspartei. Sie fand das passe nicht. Die Ereignisse auf dem Maidan ließen sich in keiner Weise mit dem friedlichen Protest Leipziger Bürger im Herbst 1989 gleichsetzen.

Zur Erinnerung: Dr. Gysi überbringt Milosevic 1999 die Grüße der PDS

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Es gehört heute zum Standardrepertoire der Linken, dass die NATO und die USA mit ihrem Eingreifen unter dem Vorwand serbische Massaker an anderen Balkanvölkern zu stoppen, imperialistische Ziele verfolgten. Der damalige Fraktionschef der Partei Demokratischer Sozialisten im Bundestag, Gregor Gysi, reiste mit einem PDS-eigenen „Friedensplan“ nach Belgrad zum kommunistischen serbischen Staatspräsidenten Bogdan Milosevic. Der wurde 2001 verhaftet und dem Kriegsverbrechertribunal in Den Haag überstellt. Bevor er verurteilt werden konnte, starb er.

Die Zeit hat eine Bundestagsdebatte von 1999 dokumentiert.

Nicht nur Gysi, auch der NPD war Milosevic sympathisch. Seine ethnischen Säuberungen fanden ihre Billigung. Die Partei wollte Bundeskanzler Schröder, Außenminister Fischer und Verteidigungsminister Scharping wegen angeblicher Vorbereitung eines Angriffskrieges vor Gericht bringen.

Braunkohleveredlung in Espenhain

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Wenige Monate vor der Friedlichen Revolution begann in einem Dorf südlich von Leipzig eine Aktion gegen den VEB Kohleveredelungswerk Espenhain. Dort wurden Briketts aus Braunkohle geformt. Das war verbunden mit einer gigantischen Umweltverschmutzung, gegen die die SED nichts unternahm. Das Werk war technologisch in den 30er Jahren stehengeblieben.  Über der Region lag ein Abgasnebel aus Phenolen, Schwefel, Ruß und Asche. Auch am Tag musste man oft mit Licht fahren, die Menschen erkrankten häufiger an Lungenerkrankungen und Exzemen, die Lebenserwartung war noch niedriger als im Rest der DDR.

Die schlechte Versorgung mit Obst und Gemüse wurde noch dadurch erschwert, dass man aus dem eigenen Garten nichts essen konnte. Die Apfelernte im Braunkohlerevier kaufte der westdeutsche Süsswarenfabikant Haribo.

Die Umweltaktion bestand darin, dass man symbolisch eine Merk spendete und eine Forderung nach Sofortsanierung des Betriebes unterschrieb. Ins Leben gerufen hatte sie der Pfarrer Walter Christian Steinbach, später Regierungspräsident in Leipzig.

Zur Erinnerung: Unabhängigkeit der baltischen Staaten 1990/91

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Die 60 Promis im Gefolge von Antje Vollmer, Margot Käßmann, Mario Adorf und des Putinfreundes Gerhard Schröder, die vor der angeblichen Kriegstreiberei von NATO, EU und der Bundesregierung warnen, zeigen die jahrhundertealte Tradition deutscher Überheblichkeit gegenüber den Völkern und Staaten Ost- und Ostmitteleuropas. Für sie ist einzig Russland akzeptierter Nachbar der Deutschen, dazwischen gibt es nichts auf der Landkarte der prominenten deutschen Russland-Versteher/-innen. Genau diese Überheblichkeit war auch 1939 wirksam, als sich Hitler und Stalin diese „Zwischenzone“ zwischen ihren Staaten teilten und gemeinsam Polen überfielen.

Es sei daher erinnert an die russische Besetzung des Baltikums gemäß dem geheimen Zusatzabkommen zum Ribbentrop-Molotow-Vertrag und die darauf folgende Ansiedlung von Russen und Deportation von Balten in den GULag . In Litauen wie auch in der Ukraine leisteten Partisanen bis in die 50er Jahre Widerstand, im gesamten Baltikum waren es die Sängerfeste, die zum Zeichen des Widerstands wurden. Auch die katholische Kirche trug ihn.

1988 war – im Klima von Perestroika – die Bewegung „Sajudis“ in Litauen entstanden, die bei Wahlen erfolgreich war und eine Plattform für die litauischen Unabhängigkeitsbestrebungen wurde. Im Februar 1990 gab es die ersten freien Wahlen, die Sajudis gewann. Im März erklärte sich Litauen für unabhängig. Gorbatschow war wütend und verhängte Wirtschaftssanktionen, die Litauen an den Rand des Zusammenbruchs führten. Der Westen schaute übrigens unbeteiligt zu. Einzig Island hatte trotz russischer Drohungen Litauen anerkannt. Anfang 1991 schossen russische Panzer in Vilnius auf unbewaffnete litauische Demonstranten. dort und in Riga schützten Menschenketten die Parlamentsgebäude vor der russischen Besetzung. 2013 übten russische Soldaten im Manöver „Sapad“ die Besetzung des Baltikums.

(Unter Verwendung von: Hans-Peter Fischer, Mit Sängerfesten gegen die russische Okkupation, Kalenderblatt 15. KW 2014, Kalender „Vor 25 Jahren: Die Friedliche Revolution 1989, hrsg. von der Stiftung Friedliche Revolution)