Wie geht Marktwirtschaft?

Ist die Planwirtschaft der sozialen Marktwirtschaft überlegen? Dazu muss man auch wissen, wie Marktwirtschaft funktioniert.

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Marktwirtschaft wird von Kritiker/innen mit ungezügeltem Kapitalismus gleichgesetzt. Der K. taumele von einer Krise in die nächste. Und mit jeder würde es schlimmer. Im Sozialismus gäbe es dagegen keine Krisen. In der Planwirtschaft wird die gesamte Produktion durch einen Plan gesteuert. Es gäbe keine Verschwendung von Rohstoffen und Energie für überflüssige oder konkurrierende Produkte. Man brauche z. B. keine 15 Sorten Klopapier, eine würde völlig reichen. Merkwürdigerweise wurde und wird ausgerechnet in sozialistischen Wirtschaftssystemen wie der UdSSR und Venezuela das Klopapier knapp.

Nun spricht schon die Bibel von den sieben fetten und den sieben mageren Jahren. Konjunktur und Krise sind die beiden Seiten des kapitalistischen Wirtschaftsprozesses. Die gibt es seit der Entstehung der kapitalistischen Wirtschaft. Sie führten aber nicht zu seinem Untergang, sondern immer zu neuem Aufschwung.

Brandenburg aktuell, eine Abendschau des rbb, berichtet akribisch über jede Firmenpleite im Land Brandenburg und die Zahl der verloren gehenden Arbeitsplätze. Die Berichterstattung über Produktionserweiterungen und Neugründungen ist sehr viel lückenhafter.

Wirtschaftspolitik im Kapitalismus versucht zu verhindern, dass die Ausschläge von Konjunktur und Krise zu extrem werden. Auch Adam Smith ging davon aus, dass sich der Markt nicht von alleine regelt, sondern die Staaten Rahmenbedingungen setzen müssen.

Das Attribut „sozial“ wird gerne weggelassen oder nicht erläutert. In der sozialen Marktwirtschaft wird kräftig geregelt: Kartellbehörden sollen verhindern, dass es Sieger im kapitalistischen Wettbewerb gibt. Es gibt Schutzgesetze für Umwelt, Verbraucher und Arbeitnehmer. Eine Untersuchung, wie es damit in sozialistischen Staaten bestellt war, lohnte sich.

Marktwirtschaft existiert keineswegs in der Idealform. Im parlamentarischen Staat gibt es ständig Auseinandersetzungen um die richtigen Lösungen, gibt es ständig Verstöße gegen gesetzliche Regelungen, gibt es ständig neue Entwicklungen und Regelungslücken. Da sollte zum Vergleich die Lösung der Sozialisten herangezogen werden: Ein irdisches Paradies, ein gesellschaftlicher Endzustand, in dem alles gut sein soll. Eine Partei, die entscheide, was richtig oder falsch wäre. Es gäbe keine Konflikte mehr zwischen Arbeitern und Kapitalisten, weil es letztere nicht mehr gibt. Es gäbe keine Umweltverschmutzung, keine Streiks, keine Kriege, keine Entlassungen, keine Preiserhöhungen, keine Armut. Geld spielte keine Rolle, da niemand mehr reicher als die anderen werden könne und der Staat für niedrige Mieten, moderne Wohnungen und billiges Benzin sorge. Wirtschaftskrisen gäbe es nicht mehr.

Die wesentlichen Bestimmungsfaktoren der Marktwirtschaft, der Preis und die Rendite (der Gewinn), wurden in der Planwirtschaft abgeschafft (und in Reformversuchen wieder ein bisschen eingeführt.In der Geschichte der UdSSR und der Ostblockstaaten gibt es alle paar Jahre marktwirtschaftliche Lockerungen, aber auch deren Rücknahme.) Daher geht die Planwirtschaft sehr viel verschwenderischer mit Kapital, Energie und Rohstoffen um als  „Kapitalist/-innen“.

Da die marktwirtschaftliche Preisbildung im sozialistischen Staat durch Preisfestsetzung ersetzt wurde und die Betriebe nicht gezwungen waren, Gewinne zu machen, kannte man die wahren Kosten nicht. In der DDR haben die Bauern Brot an ihre Schweine verfüttert, weil es so billig war. Die Mieten wurden künstlich niedrig gehalten. Sie entsprachen nicht den Kosten für Wohnungsbau, Instandhaltung und Renovierung. 

Eigentlich wäre anzunehmen, dass in einer Planwirtschaft, in der alles nach Plan produziert wird, in der es keinen Wettbewerb und keine Konkurrenz von Anbietern ähnlicher Produkte gibt, die Materialverschwendung sehr gering sein muss. Das Gegenteil ist der Fall. Es gab ja keine Konkurrenz, die einen dazu zwang, kostensparender und ressourcenschonender zu produzieren. Man spricht in Planwirtschaften von „Tonnenideologie“: Hauptsache, die geplanten Stückzahlen werden abgeliefert, auch wenn die Produkte manchmal gar nicht funktionieren. Die Betriebe „horteten“ Arbeitskräfte, um Puffer bei Krankheiten zu haben, um Planrückstände durch Sonderschichten abzubauen, um die niedrigere Arbeitsproduktivität gegenüber dem Westen auszugleichen. Es gab sowohl eine verdeckte Arbeitslosigkeit wegen der personellen Überbesetzung in den Kombinaten als auch an anderen Stellen einen Arbeitskräftemangel, trotz hoher Frauenarbeitsquote und „Gastarbeitern“ aus Nordvietnam und Angola.

Das starre System der Planwirtschaft konnte die Verbrauchererwartungen selten erfüllen. Bei Engpässen oder Unzufriedenheit mit dem sozialistischen Warenangebot kaufte die SED im Westen zu: Mal waren es ein paar VW-Golfs, mal eine Million West-Jeans, mit denen Egon Krenz kurz vor dem Ende der DDR die Stimmung heben wollte. Die Maschinen, mit denen SED und MfS 1989/90 Akten schredderten, wurden im Westen zugekauft.

Siehe Stichwort „Marktwirtschaft“ im Blog
Siehe „Merkmale der sozialen Marktwirtschaft“

Das hier beschriebene System der sozialen Marktwirtschaft, in der Staat durch Gesetzgebung. Wirtschaftspolitik und Kartellbehörde steuernd eingreift ist eine Antwort auf den Laissez-Faire-Liberalsimus oder Manchester-Kapitalismus des 19. und frühen 20.Jahrhunderts. Man nennt das Modell der sozialen Marktwirtschaft in Abgrenzung dazu auch neoliberal.

In Deutschland wurden diese Grundsätze von Ökonomen der sog. „Freiburger Schule“ formuliert. Sie wurden für die Bundesrepublik Deutschland maßgeblich.

Merkwürdigerweise wurde die Bedeutung von neoliberal von Gegnern des Liberalismus und der Marktwirtschaft ins Gegenteil verkehrt und es gilt als Schimpfwort für kaltherzigen Raubtierkapitalismus.



3 Kommentare zu „Wie geht Marktwirtschaft?

    Basedow1764 sagte:
    08/02/2016 um 12:01 pm

    Na, so was!!!! Schreiben Sie mir Ihre konkreten Fragen!
    Sprachlich bewegt sich mein Text auf dem Niveau meiner Unterrichtsmaterialien für ein 10. Schuljahr Realschule. In der Webseitenanalyse, die ich oft mache, hat der Text einen Verständlichkeitswert von 52 Flesh, liegt also im Mittelfeld.

      Basedow1764 sagte:
      09/02/2016 um 1:20 pm

      Noch ein Tipp: Nicht nachlassen im Bemühen um Verständnis! Nachschlagen, nachlesen! Von nichts kommt nichts.

    luisaluisa@web.de sagte:
    08/02/2016 um 11:28 am

    ICH HABE KEIN WORT VERSTANDEN!!!!

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