Sozialismus/Kommunismus

Ein Erziehungsjournalist über Prof. Jörg Barberowski

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Im Berliner Tagesspiegel steht heute ein fast ganzseitiger Text von Christoph David Piorkowski über den Historiker Jörg Barberowski: „Im Reich der Tugendwächter“. (28.4.17, p 24 in der PNN, der Potsdamer Lokalausgabe). Unterzeile: „Was ist dran am Vorwurf, er sei rechtsradikal?“

Gespannt beginne ich zu lesen. Jörg Barberowski ist Osteuropa-Historiker an der Humboldt-Universität. Er schreibt Kolumnen in der Basler Zeitung, der Neuen Zürcher Zeitung und kommt gelegentlich in der FAZ zu Wort. Meist setzt er sich kritisch mit der Einwanderung in Deutschland auseinander.

Aus den USA kommt der Trend, dass linksextreme Student*innen Zensur ausüben und verhindern, dass genderkritische, angeblich Minderheiten rassistisch und sexistisch beleidigende Vorträge gehalten werden. viele Universitätsleitungen beugen sich, um des Hausfriedens willen dem Druck. Auch in Deutschland gibt es das zunehmend. In Vorlesungen unliebsamer Professoren wird in denunziatorischer Absicht mitgeschrieben. Jede politisch oder genderistisch unkorrekte Bemerkung wird in Flugblättern und in Blogs veröffentlicht. Türen zu den Räumen der Profs werden beschmiert. Auch Barberowski beklagt, dass er fotografiert würde, vor seinen Vorlesungen würde demonstriert werden, er werde geschmäht.

Immerhin stellte sich die auf diesem Feld bisher sehr zögerliche Humboldt-Leitung hinter den Professor. Sie hatte lange einen linksextremistischen Blog („Münkler-Watch“) auf ihren Servern geduldet.

Herr Piorkorwski, der auch für die taz schreibt, verspricht, die Vorwürfe gegen Barberowski zu untersuchen. Deswegen will er seine Thesen und Argumente untersuchen. Ich hätte gewarnt sein sollen: Der Tagesspiegel hat sehr verständnisvoll über die linke Zensur an US-amerikanischen Universitäten berichtet. Den Rest des Beitrags lesen »

Ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland

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Stephan Hilsberg plädierte 2013 für ein zentrales Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland.

Ist „soziale Gerechtigkeit“ Unsinn?

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Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Friedrichs August von Hayek: „Mehr als zehn Jahre lang habe ich mich intensiv damit befasst, den Sinn des Begriff ‚soziale Gerechtigkeit’ herauszufinden… ich bin zu dem Schluss gelangt, dass für eine Gesellschaft freier Menschen dieses Wort überhaupt keinen Sinn hat.“

In einem Buch zum Thema schrieb Hayek, der Ausdruck „soziale Gerechtigkeit“ gehöre „in die Kategorie des Unsinns“.

So zitiert Rainer Zitelmann August von Hayek im European. Hier der gesamte Text des lesenswerten Artikels von Dr. Zitelmann.

Hayek, so zitiert ihn wiederum Thomas Meyer in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung v. 9.4.17, meinte, dass „soziale Gerechtigkeit“ ein Trojanisches Pferd sei, mit dem sich der Totalitarismus in die Gesellschaft einschleiche.

Der Staat, so Mayer, könne soziale Gerechtigkeit nur herstellen, indem er die Freiheit der Staatsangehörigen beschränke, also Eigentumsrechte einschränke und individuelle Entfaltungsmöglichkeiten beschneide. Soziale Gerechtigkeit würde zu einem Machtkampf von Interessengruppen, die für ihre Mitglieder Vorteile erzielen wollten.

Ein liberaler Rechtsstaat verfolge keine Glückvorstellungen, ihm gehe es um Nothilfe für die Armen, aber nicht um ein Konzept für „soziale Gerechtigkeit“.

Austritt aus der LPG: In den Westen geprügelt

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„Es muss demokratisch aussehen“, war Walter Ulbrichts Parole, als er den Satrapenstaat in der sowjetischen Besatzungszone organisierte. Wer dem schönen Schein folgt, glaubt heute noch an den Rechtsstaat DDR. „Rechtsstaatlich“ waren auch die Kolchosen, die LPGen, organisiert. In Satzung stand etwas davon, dass man wieder austreten könne. Wer das versuchte, der konnte von Glück sagen, dass er bloß ins Zuchthaus kam.

In der Gedenkstätte Point Alpha in der Rhön ist der Fall von Hermann Fink dokumentiert: Im Jahr des Mauerbaus in den Westen geprügelt.

Alle Beiträge zu Zwangskollektivierung

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Der Blog „Ampelmännchen und Todesschüsse“soll (m)ein Archiv sein. Mit den Stichworten, Schlagworten und der Suchfunktion kommt man schon ziemlich weit. Die Suche bei WordPress lässt dabei Wünsche offen, z. B. fehlende Trunkierung oder Treffer, wo keine Treffer sind.
Um es übersichtlich zu machen, habe ich hier alle meine Beiträge zum Kolchosenwesen der DDR (Walter Ulbricht nannte die LPGen Kolchosen) von Hand aufgelistet.
Vorab noch zwei Zitate zur Zwangskollektivierung:

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Alternativen zum Kapitalismus?

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Gestern Abend sprach der Frankfurter Wirtschaftshistoriker Werner Plumpe bei der Stiftung Aufarbeitung im Rahmen der Reihe „Was bleibt vom Kommunismus?“

Er arbeitete klar die strukturellen Probleme kommunistischen Wirtschaftens heraus. Das wird in diesem Blog gelegentlich angesprochen, so dass ich hier nicht alles referieren möchte, was Prof. Plumpe erwähnte. (Die Stiftung wird auch demnächst, wie üblich, eine Audio-Datei des Vortrags online stellen.)

Zunächst zählt er die Vorwürfe der Kapitalismusgegner auf: Ausbeutung, Profitgier, soziale Ungerechtigkeit, zyklische Krisen. Dass es das im K. gibt, bestreitet er nicht. Aber, so fragt er, war das in vorkapitalistischen Zeiten anders? Es sei doch, im Gegenteil, sehr vieles sehr viel besser geworden im K. Die genannten Vorwürfe seien jedenfalls nicht konstitutiv für den K.

Anders als der Kommunismus sei der K. keine Wirtschaftstheorie. Kapitalismus sei die Wirklichkeit des wirtschaftlichen Handelns, auch der kleinen Leute. Er bestehe aus unendlich vielen einzelnen Handlungen. Er sei aber kein System.

Im Grunde mussten Kommunisten genauso wie Kapitalisten das Kapital erwirtschaften, mit dem sie die gewaltigen Investitionen finanzieren, die die Industrialisierung eines Landes ermöglichen. („Ursprüngliche Akkumulation“ nannte das Marx.) Während das im Kapitalismus über Jahrhunderte geschah, standen die kommunistischen Staaten vor dem Problem, ihre vorindustriellen Gesellschaften in kürzester Zeit zu Industriestaaten zu machen, um darauf das marxistische Wirtschaftssystem errichten zu können. Stalin und Mao gelang das mit äußerster Härte und Brutalität, mit millionenfachen Menschenopfern.(Siehe u. a. hier, zum von Mao herbeigeführten millionenfachen Hungertod in China; in Englisch)

Während bei Stahl, Kohle und Schwerindustrie ein Verzicht auf preisbildende Märkte und staatliche Preisfestsetzung noch einigermaßen funktioniere, sei eine zentrale Planungsbehörde aber nicht in der Lage, die sich ausdifferenzierende, kleinteilige Konsumgüterindustrie vorausschauend zu lenken, bis ins kleinste Detail zu organisieren und Innovationen vorauszusehen.

Da das auch Kommunisten erkannt haben, gab es immer wieder Phasen, in denen mit marktwirtschaftlichen Elementen (NÖSPL in der DDR, NEP in der UdSSR) experimentiert wurde. Das wurde aber immer abgeblasen, da es dem System der Zentralverwaltungswirtschaft widersprach.

Zuletzt hatten die kommunistischen Ökonomen die Hoffnung, dass ein Supercomputer ihre Lenkungsprobleme lösen würde. Der TV-Journalist Paul Mason spinnt diese Hoffnung 2016 weiter: Im „Postkapitalismus“ würde dank IT das marxistische Reich der Freiheit endlich anbrechen. Die Arbeit erledigten die Computer. Der Anarchist David Graeber dagegen sieht in der Steinzeit die einzige Alternative zur kapitalistischen Ausbeutergesellschaft. (Dazu fällt mir Kambodscha ein.)

Es hieße die strukturellen Probleme des Kommunismus zu verkennen, wenn man das Versagen des Realsozialismus mit der Gerontokratie des Ostblocks erkläre oder mit Fehlern Stalins und Maos.

Der Auffassung, dass Gosplan, die sowjetische Planbehörde, der Anarchie der kapitalistischen Märkte überlegen wäre, waren in den 30er Jahren auch die meisten Ökonomieprofessoren in Cambridge. Nur der Student Ronald Coase, dem Sozialismus auch nicht abgeneigt, erkannte 1937, dass zwar Unternehmen durchaus erfolgreich planwirtschaftlich organisiert sind, dass aber ab einer bestimmten Unternehmensgröße und vor allem im Austausch auf dem Markt planwirtschaftliche Strukturen hinderlich sind. Wenn Flexibilität, Innovation und Wettbewerb fehlten, seien die Kosten (Transaktionskosten) zu hoch. 1991 erhielt Coase den Nobelpreis für dieses Theorem, das er nach 1937 noch ausgearbeitet hatte.

(Lenin konnte Coase nicht mehr lesen. Er hat die Sowjetwirtschaft nach dem Vorbild der Deutschen Reichspost organisiert; GS)

In der Diskussionsrunde wurde die Frage aufgeworfen, warum trotz des Versagens der kommunistischen Zentralwirtschaft, die Kapitalismuskritik so beliebt ist.

Der Kommunismus sei eine romantische Fiktion, meint Prof. Plumpe. Die konkrete Ausgestaltung werde ausgeblendet. Demgegenüber fehle dem Kapitalismus ein Mythos, wie er den Marxismus umwehe.

Wohltuend war, dass im Publikum keine glühenden Verteidiger des Kommunismus Koreferate hielten. Kritisch wurde in einem Beitrag angemerkt, Plumpe habe vom globalen Siegeszug des Kapitalismus gesprochen. Das sei aber nicht der Fall, man denke an Afrika. Plumpe parierte: Manche afrikanischen Staaten besässen die Ressourcen für eine erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung. Das beste was ihnen passieren könnte, sei der Kapitalismus.

Nachtrag: Der Audio-Mitschnitt der Veranstaltung kostenlos auf itunes

Joachim Gauck, Winter im Sommer, Frühling im Herbst

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gauck-biographieDreimal konnte ich schon Joachim Gauck erleben, zu unterschiedlichen Themen und vor unterschiedlichem Publikum. Es war jedes Mal beeindruckend, ihn zu hören. Daher war es klar, dass ich seine Biographie kaufe.

Er erzählte auf einer Veranstaltung, wie schwer ihm gefallen sei, dieses Buch zu schreiben, sich zu erinnern, besonders, wenn es um seine Familie, seine Kinder geht. Man sieht ihm an, dass es ihn auch heute noch bewegt.

Die Schilderung der Jahre in der DDR, die Trennung von seinen erwachsenen Kindern, die in den Westen ausreisten, die Bespitzelung durch Jugendliche, die die Stasi auf ihn ansetzte, die Demütigung seiner Kinder durch ihre Lehrer, das ist entsetzlich.

Noch aufregender sind für mich, das muss ich zugeben, die Kapitel zu den Ereignissen nach der Revolution, seine Zeit als Leiter der Stasi-Unterlagenbehörde. Der spätere Streit um die Bewertung der DDR – Unrechtsstaat, Konsensdiktatur, Überbewertung der Opferperspektive – entzündete sich schon an seiner Behörde, der Stasi-Unterlagenbehörde.

Das vorläufige Ende der Aufarbeitung der SED-Diktatur, die Schlussstrich-Forderungen, die Versöhnung mit den Tätern, wie sie Brandenburgs Ministerpräsident Platzeck betreibt, das hat seine Vorgeschichte und wird bei Gauck nachvollziehbar:

Die linksliberalen und sozialdemokratischen westdeutschen Milieus der 80er und 90er Jahre waren Wegbereiter für die heutige Weichzeichnung der DDR:

Die Weigerung, den totalitären Kommunismus zu erkennen, die Ablehnung Brandts, sich mit Lech Walesa zu treffen oder die Weigerung der SPD und der Grünen, Kontakte zu den Bürgerrechtlern statt Männerfreundschaften zu Krenz und Honecker zu pflegen. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass dieselben, die dem Ministerpräsidenten Filbinger seinen treuherzigen (und juristisch durchaus begründbaren) Satz, dass das, was damals (in der NS-Zeit) Recht war, heute nicht Unrecht sein könne, unbarmherzig um die Ohren schlugen, genau dies bei der Beurteilung der DDR einfordern. Das trifft sich mit der in Ostdeutschland verbreiteten Sicht, dass, wie beim Führer, auch in der DDR nicht alles schlecht war. Man will  in Ruhe gelassen werden. Die Mitläufer und die Täter können sich nicht der Selbstkritik unterziehen.

Gauck schreibt treffend:  „Als Herrenmenschen hatten viele Stasi-Offiziere, wie übrigens auch eine Menge von SED-Führungskadern, schon in der Diktatur gelernt, ihre Ellenbogen einzusetzen, was ihnen in der neuen offenen Gesellschaft bei Unternehmern aus dem Westen Vorteile verschaffte. Ihre einstigen Opfer sind dagegen nicht selten traumatisiert, litten nach Jahren der Drangsalierung unter einem geringen Selbstwertgefühl und mussten ihnen oft den Vortritt lassen. Insofern lässt sich von einer gewissen Kontinuität der Eliten sprechen, …“ (p 282)

Dass der schillernde Potsdamer CDU-Politiker und letzte DDR-Innenminister Diestel ihm eine IM-Tätigkeit anhängen wollte, sei noch am Rande erwähnt.

(Der Text stand 2010 auf „Basedow1764“)

Wir werden den Bundespräsidenten Gauck vermissen.

Siehe auch hier!

 

Gysis „Plädoyer“ im Bahro-Prozess: das Kontrastprogramm zur Aachener Büttenrede

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Dem Wendehals Dr. Gregor Gysi kann man hier nachspüren: Er redet 1978 in seinem „Plädoyer“ im Bahro-Prozess davon, dass das Recht der Angeklagten im Sozialismus immer weiter ausgebaut worden wäre. „Das Recht auf Verteidigung ist ein integraler Bestandteil des sozialistischen Rechtsstaates.“ Dagegen würden in der imperialistischen BRD die Rechte der Angeklagten seit Gründung des Staates immer mehr eingeschränkt werden.

Gysi lobt das Gericht für seine faire, objektive Prozessführung. Die Verhandlung ist nicht öffentlich. Nur ein ADN-Reporter ist dabei. Rechtsanwalt Gysi spielt die übliche Rolle von DDR-Verteidigern: Es muss demokratisch aussehen, hatte Ulbricht schon 1945 gesagt.

Übertreibe ich, wenn ich heraushöre, dass der geschmeidige Rhetor bei gelungenen Formulierungen in sich hineinlächelt?

(Ich danke Herrn U. M., dass er mich auf das Gysi-Plädoyer aufmerksam gemacht hat.)

Immer bereit – Junge Pioniere in der DDR

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Dieser Dokumentarfilm von Lutz Pehnert wurde 2015 erstmals gezeigt und wird es im ZDF gerade wieder.

Er enthält viele Erinnerungen von Beteiligten.

Mit leuchtenden Augen und wehenden Fahnen sollten Kinder den Sozialismus in die Welt hinaustragen, begeistert in Reih und Glied marschieren und unermüdlich ihren Pioniergruß wiederholen: „Immer bereit“.

Für Unterrichtszwecke als Ganzes ist der Film natürlich viel zu lang, aber sehenswert. Man könnte sich die Mühe machen, die eine oder andere Sequenz als Gesprächs- oder „Forschungs“anlass zu zeigen.

Der naive Glaube von kommunistischen Sozialingenieuren, durch Indoktrination einen neuen Menschen herstellen zu können, erweist sich wieder einmal als Irrlehre.