Sozialismus/Kommunismus

Stalinistische Agrarforschung

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Mit dem Wiederaufleben der Stalinverehrung in Russland ist auch Trofim Denissowitsch Lyssenko wieder in Mode gekommen, der erfolgreiche Begründer einer Pseudowissenschaft. Lyssenko meinte, es gäbe keine Vererbung bei Pflanzen.

Genetiker wurden daraufhin unter Stalin eingesperrt und liquidiert. Auch die Evolutionsbiologie geriet unter Verruf.  Erst nach dem Sturz Chruschtschows wurde die Irrlehre 1964 aus den Schulbüchern gestrichen.

Haben sich die Genderisten von Lyssenko inspirieren lassen? Die Genderisten behaupten ja auch, dass das Geschlecht nicht genetisch festgelegt wäre, sondern sozial gemacht werde, durch Erziehung z. B. Lyssenko beschränkte sich mit seinen „Forschungen“ allerdings auf Pflanzen. Da glaubte er erkannt zu haben, dass man durch spezielle Anbaubedingungen Getreidearten umwandeln könnte, z. B. aus Roggenkörnern Weizen machen.

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St. Petersburg und die Deutschen

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Winterpalast
CC SA 1.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=112800

Auf Russia Beyond gibt es einen informativen zweiteiligen Bericht über die Deutschen in Sankt Petersburg.(Russia Beyond = Russland und darüber hinaus)

Russia Beyond gehört wie Russia Today zur Agentur TV Novosti. Russia Beyonds Auftrag ist, Russland als weltoffenes, liberales und modernes Land darzustellen. Das sollte einen nicht davon abhalten im Angebot zu stöbern. Es gibt viele interessante Texte und Fotos zu Landschaften, Kultur und Bauwerken. Auch an Themen wie Kommunismus, GULag und Stalin traut man sich unbefangen heran und lässt kontroverse Sichtweisen zu, z. B. bei dem berüchtigten Geheimdienst-Chef Felix Dserschinskij: „Verehrt und verteufelt“. Er habe nicht nur Terror verbreitet, sondern sich auch für die Wiederherstellung von Brücken eingesetzt, die im Bürgerkrieg zerstört worden waren. Letztendlich geht es nicht um eine historische Dokumentation, sondern um leicht Verdauliches, wie es im Reiseführer stehen könnte: „Heute kann man Büsten des ´Eisernen`Felix in dunkler, weißer oder Milchschokolade genießen.“

 

 

War die Oktoberrevolution ein feministisches Projekt?

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In ARD und ZDF dürfen die Historikerin Gabriele Woidelko und die Filmemacherin Bärbel Schmidt-Sakic die Oktoberrevolution als Revolution der Frauen (ZDF) feiern.

Da haben sich die Millionen Toten, die KZs und der Rote Terror doch gelohnt.

Michael Klein macht auf Science Files auf die beschränkte Sichtweise der beiden Osteuropaexpertinnen aufmerksam.

Tripperburgen

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Tausende Frauen wurden zu DDR-Zeiten (bis 1989!; GS) wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten in Kliniken auf geschlossenen Venerologischen Stationen, sogenannte Tripperburgen, eingesperrt. (ZDF-Text zur Frontal 21 Sendung v. 21.1117; in der Mediathek bis 21.11.18)

Frauen in DDR-Tripperburgen (9 Min.)

Wie fast immer, hapert es mit der Aufarbeitung und Entschädigung des DDR-Unrechts. Auch von Feminist*Innen und Genderist*Innen ist nichts zu hören.

Wer sagt, in der BRD gab es das auch, übersieht wesentliche Unterschiede.

1989: Betrügerischer Bankrott der SED

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Im Blogbeitrag „Zentralverwaltungswirtschaft“ wiedergelesen:

Bei allen Fehlern, die der Bundesregierung und insbesondere der Treuhand nach der Friedlichen Revolution nachgesagt werden: Hier, in der Zentralverwaltungwirtschaft, und nicht bei der Treuhand liegt der Grund für den Zusammenbruch der DDR. Die SED war 1989 darüber informiert, dass ihr Staat nur durch eine drastische Reduzierung des Lebensstandards, eine Preissteigerung bei den Gütern des täglichen Bedarfs, realistische Mieten, Abbau der Sozialleistungen usw. zu retten gewesen wäre. „Das hätte 1989 zu einer gewaltsamen Explosion geführt. Also machte man den Laden dicht. Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Die Verantwortlichen schlichen sich davon und überließen die Probleme den Insolvenzverwaltern.“

Aus: DDR-Führer, Alltag eines vergangenen Staates in 22 Kapiteln, p. 69, Berlin 2008

Es ist das knappe, aber höchst informative Buch zur Dauerausstellung des DDR-Museums in Berlin. Es könnte ohne Weiteres Grundlage für Schulunterricht über die DDR werden. Inzwischen gibt es eine Neuauflage.

Parapolitik: Kulturelle Freiheit und Kalter Krieg. Die CIA förderte westliche Kultur

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Dazu eine Ausstellung zu machen, ist mutig. Was soll man zeigen? Die Cover von Zeitschriften, die der US-amerikanische Geheimdienst heimlich finanzierte, die Kongresse, die er veranstaltete, auf denen Intellektuelle redeten? Allenfalls gegenständlich vorzeigbar ist Kunst. Ausgerechnet da kam es in den USA zu Kontroversen. Weil nämlich als westliche Kunst vornehmlich abstrakte Malerei gezeigt wurde, gedacht als als Gegenbild zum sozialistischen Realismus der UdSSR-Malerei. Chruschtschow schimpfte über ein Jackson-Pollock-Gemälde, das in einer Ausstellung amerikanischer bildender Kunst in Moskau gezeigt wurde: „Als ob ein Junge da hingepisst hätte“. Aber auch der amerikanische Präsident Eisenhower schimpfte, auf ein anderes Bild, auf dem er einen US-Offizier karikaturenhaft dargestellt empfand.

Wie kam es dazu, dass ein Geheimdienst Kongresse, Zeitschriften und Ausstellungen finanziert?

Die UdSSR praktizierte über die Komintern seit den 20er Jahren die Verbreitung kommunistischen Denkens und sozialistischer Kultur im Westen. Sie erfreute sich der Sympathie zahlreicher westlicher Intellektueller. Zu ihnen zählten André Malraux, George Bernard Shaw, Louis Aragon und André Gide.

Die Komintern gab es nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Aber Moskau nahm die die Kampagne wieder auf und veranstaltete 1949 in New York mit Sympathisanten aus der westlichen liberalen und linken Intellektuellenszene einen Kongress. Im Westen befürchtete man, den Kalten Krieg zu verlieren. Mit Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit werde die UdSSR verbunden, nicht der Westen. Das war die weit verbreitete Meinung.

Daraufhin nahm die CIA die Sache in die Hand. 1950 tagte in Berlin der vom Geheimdienst gesponserte „Kongress für kulturelle Freiheit“. Dort traten auch ehemalige Kommunisten auf, wie etwa Arthur Koestler.

Bekanntestes Beispiel für die kulturpolitischen CIA-Aktivitäten war die hoch angesehene Zeitschrift „Der Monat“. Sie wurde 1987 eingestellt. bis in die 60er Jahre blieb das Sponsoring durch die CIA geheim. Künstler und Intellektuelle hatten freie Hand, es gab keine inhaltliche Vorgaben, außer der Maxime, dass man antikommunistisch war

Der Ausstellungsort selbst, das heutige „Haus der Kulturen der Welt“ könnte auch als Mittel westlicher Selbstbehauptung gegen den kulturellen Einfluss der UdSSR im Westen gesehen werden. Die Veranstaltungshalle wurde 1957 im damaligen Berlin (West) von den USA gebaut und der Stadt geschenkt. Im Volksmund wurde sie, der eigenwilligen Bauform wegen, „schwangere Auster“ genannt. (Das Dach stürzte später ein.)

Unter Intellektuellen im Westen gehörte es dann zum guten Ton, empört über die Einflussnahme eines Geheimdienstes auf Kultur zu sein. Unter den Tisch fiel meist, dass die UdSSR auf diesem Gebiet schon längst unterwegs war.

Man kann die Frage stellen, ob Geheimdienste wirklich wichtig sind. Die „Internationale Ausstellung“ 1959 in Moskau zeigte „American Way of Life“, Autos, Mode, Konsumgüter und die typische Küche einer amerikanischen Mittelschichtfamilie. (In der lieferten sich Vizepräsident Nixon und Nikita Chruschtschow ein Wortgefrecht darüber, welches Land den höheren Lebensstandard hätte.) Das Interesse der Besucher an Küche, Mode und Coca-Cola war größer als an der amerikanischen Kunst. (Siehe auch Frank Trentmann, Empire of Things, p 329). Man darf nicht vergessen, dass man in der UdSSR noch in den 60er Jahren wegen Toilettenpapiers in den Läden anstehen musste.

Was mich an der Berliner Ausstellung störte: In einem Saal plärrte ein Lautsprecher eine englische Rede über Rassismus gegen Schwarze in den USA. Man konnte sich nicht mehr auf einzelne Tafeln konzentrieren. Außerdem wurden mehrere russische Texte nicht übersetzt. Es gab nummerierte Erläuterungen zu Ausstellungsobjekten, an diesen aber fehlte die Nummer des dazu gehörenden Textes. Auch orientierende Üblerblickstexte vermisste ich.

Insofern war es gut, dass ich am Montag da war, als es keinen Eintritt kostete.

Der verlogene Systemvergleich

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Der in Zeiten des Kalten Krieges beliebte Systemvergleich stellte die kommunistischen Diktaturen des Ostblocks in Augenhöhe neben die westlichen Staaten. Das heißt, die soziale Marktwirtschaft und den liberalen Rechtsstaat neben Planwirtschaft und Herrschaft einer Partei ohne Meinungsfreiheit, freie Wahlen und unabhängige Gerichtsbarkeit.

Was ich allerdings gerne im Politikunterricht gemacht habe war, zuerst die SED-Konzeption einer „Demokratischen Republik“ vorzustellen und dann mit der Bundesrepublik Deutschland zu vergleichen. Um Systemkonkurrenz ging es dabei nicht!

Das LISUM, das Lehrerfortbildungsinstitut der Bundesländer Berlin und Brandenburg, empfahl Systemvergleiche noch nach dem Zusammenbruch der DDR.

Ich besuchte heute eine kleine Ausstellung im Landtag von Brandenburg. Dort wurde erinnert an den Kampf der Polen gegen die kommunistische Diktatur.

Auf den Posten war zu lesen von Demonstrationen, Aufständen, Streiks in Polen in den Jahren 1956, 1968, 1970 1976, 1980 und 1982.

Womit soll diese Konstante des östlichen Systems im westlichen System verglichen werden?

 

Über Mao-Porträts

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Mao-Banknoten
Foto: Günter K. Schlamp

Eine aufschlussreiche Interpretation der öffentlichen Mao-Porträts in China gibt Prof. Gerhard Paul.

Ich war auf ihn gestoßen im Zusammenhang mit seiner (vom NDR zurückgewiesenen) Kritik an der Berichterstattung über G 20 in Hamburg.

Was verraten Honecker-Porträts?

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Prof. Martin Sabrow, Verfasser einer Honecker-Biographie, über „biographische Bildpolitik“, wie das Wissenschaftler nennen, am Beispiel Erich Honeckers: Martin Sabrow, Der führende Repräsentant. Erich Honecker in generationsbiographischer Perspektive, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 10 (2013), H. 1

Er zitiert Helmut Schmidt über seinen Gastgeber Honeckerin der Schorfheide: „Wie konnte ein äußerlich so unscheinbarer Mensch, ein intellektuell überforderter und rhetorisch unbegabter Politiker die Machtfülle, die er besaß, erringen und über so viele Jahre sich erhalten?“

Die Frage, wie der junge, auch schon einmal dandyhaft wirkende, mitreissend redende Kommunist zu dem blassen Bürokraten auf dem offiziellen DDR-Herrscherporträt wurde, lässt sich nicht lösen.

Dennoch: Erhellend, was man aus Fotos alles herauslesen kann.