Sozialismus/Kommunismus

Auch der Versandhandel rettete die DDR nicht

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Die unschönen Schlangen vor den Geschäften trübten das Bild vom Arbeiter-und-Bauern-Paradies DDR. Um das zu verhindern, verfielen die Planwirtschaftsbürokraten  auf die Idee, einen Versandhandel aufzuziehen.

Was auf den ersten Blick kompatibel mit Zentralverwaltungswirtschaft scheint, erwies sich für die SED als Reinfall.

Auf zwei Millionen Kunden brachte es der „Konsument“-, später „Centrum“-Versandhandel. Vor allem die Landbevölkerung war angetan. Von der Kittelschürze für die LPG-Bäuerin bis zum Overall für den Traktoristen gab es Nützliches für den Alltag.

Aber während die Nachfrage stieg, kam man mit dem Angebot nicht hinterher. Weder reichten die Bestände, noch wurde das Angebot vergrößert. Schließlich war etwa die Hälfte der bestellten Waren nicht lieferbar.

Am 13. August 1976, dem Jahrestag des Mauerbaus, wurde der Versandhandel eingestellt.

Erfolgreicher war der GENEX-Geschenkdienst. Er wurde der Kommerziellen Koordination (KoKo) des Außenhandelsministeriums unter Leitung von Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski unterstellt. Die KoKo war ein riesiges Schattenimperium. Sie betrieb Waffenhandel, unterstützte die DKP finanziell, beschaffte Embargoware, exportierte enteignete Kunstgegenstände und Antiquitäten, versorgte die SED-Oberschicht mit westlichen Konsumgütern und importierte Sondermüll.

GENEX war als Geschenkdienst mit dem Einverständnis der Bundesregierung für die Kirchen in der DDR gegründet worden. Die DDR weitete das Verfahren aus. Bundesbürger konnten über die Genexfirmen in Dänemark und der Schweiz, später auch in Westdeutschland, DDR-Bewohnern schenken, was in einem Katalog verzeichnet war. Zu 90% waren es Güter aus der DDR-Produktion, darunter auch Motorräder, Autos und Möbel. Alles, auch Autos, wurde nach wenigen Wochen geliefert. Natürlich musste   der Kaufpreis in D-Mark entrichtet werden. Mehrere tausend Wartburgs wurden so jährlich verkauft. Hinter diesem Versandhandel stand die Notwendigkeit, Devisen zu erwirtschaften.

Groß war der Unmut der DDR-Bewohner, die keine Westverwandten oder keinen Zugang zur D-Mark hatten.

Wer im Ausland beschäftigt war, erhielt ein Genex-Konto, mit dem er aus einem Ost-Genex-Katalog zwar keine Westwaren, aber schwer erhältliche Güter, wie z. B. Fliesen, Schlagbohrmaschinen und auch Autos, kaufen konnte.

(nach Der Spiegel, Wikipedia „Genex“ und „Kommerzielle Koordination“)

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Ché Guevaras Todestag jährt sich

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Für Jean Paul Sartre war er der vollkommenste Mensch der Erde. Guevara hat als chaotischer, stalinistischer Wirtschaftsminister Kuba mehr geschadet als alle US-Wirtschaftssanktionen. Christen und Homosexuelle ließ er in Umerziehungslager einsperren.

Nicht alle Philosophen sind erleuchtet. Sartre fuhr auch zum RAF-Killer Andreas Baader und beklagte dessen „unmenschliche“ Haftbedingungen.

Link zur NZZ

Linkspolitische Bildung

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Viele Jahrzehnte habe ich die Neuerscheinungen der Bundeszentrale für politische Bildung ungeduldig erwartet. Es waren Publikationen, die mein weit gespanntes politisches Interesse befriedigten. Es gab sie am Anfang kostenlos, später gegen einen geringen Preis. Da ich viel Geld für Bücher ausgebe, war mir diese zusätzliche, preisgünstige Quelle sehr willkommen.

Seit einigen Jahren ist der Neuerscheinungs- und Veranstaltungs-Newsletter der Bundeszentrale zwischen Heinrich-Böll- und Rosa-Luxemburg-Stiftung zu verorten. Es geht vor allem um linksgrüne Lieblingsthemen.

Z. B. heute:

Die Neue Rechte – Faschisten von heute?

13.10.2017 | Frankfurter Buchmesse, Halle 3.1, Stand C11. – Die „Neue Rechte“ wird breit diskutiert – der Begriff dabei immer diffuser. Anlässlich seines Beitrages in der APuZ-Ausgabe „(Anti-)Faschismus heute?“, die am 16. Oktober erscheint, gibt Volker Weiß einen Überblick über die „Neue Rechte“.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt – Stadt mit Vielfalt für alle gestalten

24.-25.11.2017 | Leipzig – Wie hängen Engagement, gesellschaftlicher Zusammenhalt und kulturelle Vielfalt zusammen? Wie können mögliche Wechselwirkungen für die zukünftige Stadtentwicklung genutzt werden? An zwei Tagen sollen unter anderem diese Fragen mit Hilfe von Impulsen, Workshops und einem Open Space diskutiert werden.

Zusammen mit Bündnis für Demokratie und Toleranz –- gegen Extremismus und Gewalt (BfDT) und Bertelsmann Stiftung

Ungleichheit

Wie lässt sich soziale Ungleichheit überwinden oder zumindest eindämmen? Der Ökonom Anthony B. Atkinson hat in seinem letzten Buch konkrete Vorschläge vorgelegt, wie Einkommen und Vermögen gerechter verteilt werden können.

 NATO in (Un-)Ordnung

Wie geht es weiter mit der NATO? Wie muss sich das Verteidigungsbündnis in Zeiten wachsender Spannungen und geänderter politischer Großwetterlage aufstellen? Welche Formen der Kriegführung, welche Entwicklungen fordern die NATO heraus?

Postkapitalismus

Für den Journalisten Paul Mason steckt unser Wirtschaftssystem in einer tiefen Krise. Ausgehend von dieser Feststellung diskutiert er vor allem Lösungsansätze, die er unter anderem in einer Kultur des Teilens, in Netzwerken und in neuen Formen der Verteilung von Arbeit und Einkommen sieht.

Islam ist Barmherzigkeit

Der Autor beschäftigt sich mit einer modernen Theologie des Islam jenseits eines dogmatischen Verständnisses. In einer zeitgemäßen Koranauslegung lädt er dazu ein, die Kernaussagen hinter den Buchstaben zu entdecken und sie im Sinne eines konstruktiven Miteinanders Wirklichkeit werden zu lassen.

Ist das schon die Anwendung der Erkenntnisse des Wirtschaftsnobelpreisträgers Richard Thaler? Nudging, die sanfte Beeinflussung der Staatsbürger durch die Regierung.

Neues Forschungsprojekt zu Altnazis im SED-Staat

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Nazis gab es überall. Über dem Kinderglauben, dass mit der AfD erstmals Nazis im Bundestag säßen, gerät in Vergessenheit, wie sehr auch die SED auf PGs zurückgriff. Während grünlinke Politiker Forschungsprojekte bezahlen, in denen in westdeutschen Nachkriegsministerien, Behörden und Konzernen Altnazis gesucht werden, untersucht Prof. Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat der Berliner Freien Universität die Positionen von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern in der DDR.

„Acht DDR-Minister und neun Stellvertreter waren vor 1945 Mitglieder der NSDAP gewesen. 1953 waren mehr als ein Drittel der Mitarbeiter des Zentralkomitees der SED sowie der Kreis- und Bezirksleitungen der Partei früher Nationalsozialisten gewesen.“ (Das Urheberrecht an diesem Satz gehört: http://www.berliner-zeitung.de/28523214)

 

Es ist kein Wunder, dass Prof. Schroeder im linken und linksextremen Berliner Milieu nicht sonderlich beliebt ist.

Im Blog gibt es ca. drei Dutzend Beiträge zum Thema „Nazis und die DDR“.

Camille Paglia über Identitätspolitik

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Prof. Dr. Camille Paglia, überzeugte Feministin, rechnet mit dem kryptomarxistischen Postmodernismus ab. Westliche Wertvorstellungen würden denunziert, Multikulturalismus würde propagiert, ohne dass man sich wirklich mit den vielen Kulturen auseinandersetze. Politische Korrektheit und Minderheitenschutz seien wichtiger als solides Wissen über die Welt. Der moderne Feminismus würde nur Opfer und Täter sehen wollen.

Camille Paglia diskutiert mit dem Postmodernismuskritiker Prof. Jordan Peterson:

„Ich bin sehr besorgt über die Zukunft der westlichen Kultur, weil ich als Geschichtsstudentin sehen kann, dass sie dem antiken Rom zu sehr ähnelt“, erklärte Paglia. „Rom wurde überdehnt, es war einem bürokratischen Schwachkopf ausgeliefert…. Und die römische Identität verwischte sich schließlich in der Einbeziehung so vieler verschiedener Kulturen, was anfangs eine gute Art von Multikulturalismus war, aber schließlich überdehnt wurde und unter seinem eigenen Gewicht zusammenbrach.“ (übersetzt von DeepL; zwei kleinere Korrekturen von mir.)

Und das hier im Original:

„I think the public school level has gone to Hell. When my mother came to America at the age of six, the old public school system was still very strict. She had an excellent education. She got all As even though she started out not speaking English. She learned to speak without an accent. So today, this kind of feel-good public school education –which is a form of ideology—and indoctrination right now. It is all about No Bullying, and not about anything substantive.“

Link zur Diskussion auf realclearpolitics.com

Real Clear Politics Media Group hat den Anspruch, Leser durch ein breites Spektrum von Meinungen und ein weit gefächertes Angebot von Nachrichten, Analysen und Umfragen zu informieren. Die Webseite ist ein News Aggregator, d. h. sie veröffentlichen Materialien anderer Medien, ergänzt durch eigene Meinungsbeiträge. Die Institution gilt als liberal-konservativ.

Frank Trentmann: Die Herrschaft der Dinge

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Der in Groß-Britannien lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat eine faszinierende Weltgeschichte geschrieben: Die Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Es ist eine enzyklopädische Geschichte des Konsums rund um die Welt.

Das von mir benutzte Taschenbuch umfasst 850 Seiten, davon 700 Seiten Text. Es geht um Konsum, um die Lust auf Dinge, auf kostbare Kleidung, schöne Möbel, exotische Früchte und Waschmaschinen. Lust auf Konsum beginnt nicht erst in der Renaissance, schon die Frachtschiffe der Römer schafften die Dinge heran, die die Bewohner der Hauptstadt begehrten. Man erfährt viel Neues, z. B. über die ersten Warenhäuser, über erste Werbung, Marketing und Konsumentenkredite oder über das Luxusgut Kakao.

Es ist nicht der westliche Kapitalismus, der zum Konsum verführt. Trentmann erzählt gut lesbar vom Konsum in Japan, China, in Hitlerdeutschland und in kommunistischen Diktaturen. Letzteres interessiert mich natürlich besonders. Trentmann macht deutlich, dass die kommunistischen Herrscher in mehrfacher Hinsicht mit dem Bedürfnis ihrer Untertanen nach Konsumgütern nicht klarkamen. Die Ideologie ging davon aus, dass in einer sozialistischen Gesellschaft die Entfremdung der Menschen von der Arbeit aufgehoben sei. Der Mensch verwirkliche sich in der nicht mehr entfremdeten Arbeit. Eine Flucht in das Privatleben, in die Freizeit und eben den Konsum wäre nicht mehr notwendig. Die Proletarier folgten dem nicht.

Es war nicht allein die Verlockung der westlichen Konsumgesellschaft, die den Kommunismus kollabieren ließ. Den Rest des Beitrags lesen »

Das Jugendwiderstandsmuseum in Berlin

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Jugendwiderstandsmuseum

In der Galiläakirche in Berlin-Friedrichshain gibt es eine kleine ständige Ausstellung zum Jugendwiderstand in der DDR.

Die Kirche ist heute Museum und Veranstaltungsort vor allem für Konzerte. In der DDR war sie eine der Kirchen, in denen die Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang nahm. „Schwerter zu Pflugscharen“ war ein erfolgreicher Slogan. Eine Plastik dieses Namens war ein Geschenk der UdSSR an die UNO und stand vor dem New Yorker UNO-Hauptgebäude. Das Symbol gab es als Lesezeichen und als Aufnäher prangte es auf den Jacken Jugendlicher.

Es wurde zum Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Das veranlasste die SED dazu, dagegen vorzugehen. Wer mit dem Aufnäher angetroffen wurde, musste ihn je nach Freundlichkeit der Polizisten entweder sofort abtrennen, die Jacke herausgeben oder ins Polizeirevier mitkommen, wo nicht selten weitere Schikanen drohten. Viele Jugendliche wurden wegen des Aufnähers von der Schule verwiesen oder von Lehre und Studium ausgeschlossen. Das MfS notierte am 1. August 1982 insgesamt 3.676 Personen mit diesem Aufnäher festgestellt zu haben. Laut einer Schätzung sollen ihn jedoch fast 100.000 Menschen getragen haben.

schwerterMehr dazu im Buch von Anke Silomon, „Schwerter zu Pflugscharen“ und die DDR. Die Friedensarbeit der evangelischen Kirchen in der DDR im Rahmen der Friedensdekaden 1980-1982. Göttingen 1999. (Frau Silomon hat hervorragend über die Potsdamer Garnisonkirche geschrieben.)

Auf der Webseite gibt es nähere Informationen über die kleine Ausstellung. Für Schulklassen gibt es Führungen.

Weiterführende Informationen zu oppositionellen Jugendlichen gibt es auf der multimedialen Plattform jugendopposition.de

In der Ausstellung gefunden: zwei „Nachrichten“ des Neuen Deutschland vom 10. November 1989. Man beachte das Datum! Am 9.11. war die Mauer gefallen.

Neues Deutschland

Volk: rechts- oder linksradikaler Begriff?

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Wer zurzeit von Volk redet, läuft Gefahr, dass der Verfassungsschutz gerufen wird. Denn nur „rechtsradikale Arschlöcher“ (SPD-Rechter Johannes Kahrs) nehmen angeblich das Wort in den Mund.

Eigentlich eine überraschende Wende. Ich erinnere mich an den inflationären Gebrauch des Wortes bei Kommunisten: Volkspolizei, volkseigener Betrieb, Volksrepublik. Bei letzterem kommt es sogar zur Verdopplung, weil mit Republik auch schon das Volk gemeint ist.

Islamophobie: der neue Faschismus?

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„There is no such thing like islamophobia“ heißt ein (langer, ins Englische übersetzter) Text von Pascal Bruckner, dem französischen Philosophen. In ihm verteidigt er das Recht auf Religionskritik. (In Kanada wird ein neues Blasphemiegesetz dazu führen, Islamkritik zu verbieten.)

Bemerkenswert ist nicht zuletzt diese These:

„Und hier zeigt sich der seltsamste Faktor in der gesamten Islamophobie-Kontroverse: die Einbeziehung eines Teils der amerikanischen und europäischen Linken zur Verteidigung der radikalsten Form des Islam – was man als neobolschewistischen Fanatismus der verlorenen Gläubigen des Marxismus bezeichnen könnte. Die Linke, die alles verloren hat – die Arbeiterklasse, die Dritte Welt -, klammert sich an diese Illusion: Der Islam, der zur Religion der Armen umgetauft wurde, wird die letzte Utopie und ersetzt die des Kommunismus und der Entkolonialisierung für desillusionierte Kämpfer. Der Muslim ersetzt den Proletarier.“

(übersetzt von DeepL; nur zwei minimale Korrekturen vorgenommen)