Potsdam

Barocke Sichtbeziehungen in Potsdam

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Der Potsdamer Maler und Autor Olaf Thiede hat eines neues Buch geschrieben. Es heißt: Potsdam im Blick. Barocke Sichtbeziehungen der Potsdamer Innenstadt. Eigenverlag 2018,14,30 €.

Das 99 Seiten knappe Büchlein ist dafür gedacht, mit ihm die Potsdamer Sichtachsen zu Fuß zu entdecken. Thiede weist ein weiteres Mal nach, dass „Schönheit kein Zufall“ ist. Die barocken Stadtplaner schufen ein harmonisches Stadtbild. Wir dürfen entdecken, dass dem ziemlich exakte Berechnungen zugrunde lagen: Anzahl der Fenster, Straßenbreite, Gebäudehöhe, Anlage von Plätzen und nicht zuletzt Sichtbeziehungen zwischen wohlüberlegten Zielpunkten.

Er hält es nicht für einen Zufall, dass Potsdamer Straßen, wenn man sie gedanklich verlängert, sogar auf entfernt gelegene wichtige Gebäude der preußischen Geschichte zielen: Küstrin (größte Festung Preußens), Zitadelle Spandau, ja sogar Burg Tangermünde in der Altmark. Sie liegt, vom Stadtschloss aus gesehen exakt in der „Verlängerung“ der Breiten Straße. Die Burg in Tangermünde war der erste Sitz der Hohenzollern in der Mark, bevor sie ihre Burg in Berlin bauten. 1701, im Jahr der Königskrönung, ließ Friedrich I. das im 30jährigen Krieg zerstörte Schloss in Tangermünde neu errichten.

Wer mit dem Buch in der Hand durch Potsdam spaziert, wird auch auf viele architektonische Kostbarkeiten hingewiesen. Einiges, wie die kunstvollen Brücken über den (in der DDR zugeschütteten) Stadtkanal, gibt es nicht mehr. Auch bei mancher Sichtachse fällt der Blick ins Leere, wie Thiede schreibt, weil der Zielpunkt längst abgerissen wurde. Oder ein Hochhaus zerstört die Sichtbeziehung.

 

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Gaza in Potsdam?

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Ein Filmregisseur vermisst die DDR im Potsdamer Stadtbild. Weil er deswegen seine Heimat verloren hat, ist er in die innere Emigration gegangen.

Er vergleicht sein Schicksal mit dem heimatvertriebenener Palästinenser. In PNN/Tagesspiegel darf er wehklagen. Hoffentlich beschießt er jetzt nicht das Palais Barberini mit Raketen und brennt den Rasen im Neuen Garten ab.

Eine Zeitung interviewt einen politischen Gegner

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Wie Journalisten mit Interviewpartnern umspringen, die sie nicht mögen, kann man im ÖR oft erleben. Opfer der Präpotenz deutscher Vertreter/-innen der Vierten Gewalt war in jüngster Zeit z. B. der österreichische Bundeskanzler, im Deutschlandfunk herrschte der Journalist den israelischen Botschafter an. AfD-Politikern ins Wort zu fallen oder sie nicht ausreden zu lassen, qualifiziert anscheinend für den Grimme-Preis. Zeitungsjournalisten sind da nicht viel besser.

Ein aktuelles Beispiel finde ich heute Morgen (11.7.18) auf Seite 12 der Potsdamer Neuesten Nachrichten, dem regionalen Kopfblatt des Tagespiegels.

Journalist Henri Kramer versteht sich wohl eher als linker, präpotenter Aktivist. Er begrüßt den AfD-Kandidaten für den Posten Oberbürgermeisters so: „Ihre Arbeit im Stadtparlament beschränkt sich auf einige Anfragen, vor allem zur Flüchtlingspolitik. Inhaltliche Vorstöße gab es nur selten…“ Der antwortet, dass er in der aktuellen Wahlperiode über 110 Kleine Anfragen gestellt habe, darunter auch „inhaltliche“. Bei den Anfragen und seiner Tätigkeit in einem Ausschuss sei nicht die Flüchtlingspolitik Schwerpunkt gewesen. Es wäre eben typische Oppositionsarbeit gewesen. Dieses Wort gefällt dem Journalisten so gut, dass er es als Überschrift für das Interview nimmt.

Der Kandidat Dennis Hohloch erzählt, dass die AfD-Repräsentanz im Stadtparlament aus zwei Politneulingen bestünde, die nicht dieselbe Arbeit wie alteingesessene große Fraktionen leisten könnten. Inzwischen gäbe es aber schon ein unterstützendes Team.

Nächste Frage: „Sie kritisierten zuletzt, Potsdam müsse autofreundlicher werden (sic!), auch eine dritte Havelbrücke wollen Sie. Sie wollen also die Potsdamer Kulturlandschaft mit Straßen und Brücken verunstalten?

Der Kandidat macht Ausführungen zum maroden Potsdamer Straßennetz, kritisiert das Konzept der Verkehrsberuhigung und findet nicht, dass die Potsdamer Kulturlandschaft durch eine Brücke entlang einer Bahntrasse verschandelt würde.

Henri Kramer kommt zur dritten Frage: „Der AfD-Fraktionschef hat zuletzt erklärt, Hitler und die Nazis seien nur ein Vogelschiss in über tausend Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte. Hat er Recht?“

Der AfD-Kandidat: „Ich verstehe beim besten Willen nicht, was diese Aussage mit meiner Kandidatur zum Oberbürgermeister zu tun haben soll. Wenn Frau Nahles Unionspolitikern „in die Fresse“ hauen möchte, fragen Sie Herrn Schubert (SPD-OB-Kandidat) aller Wahrscheinlichkeit nach auch nicht nach seiner Meinung.

Henri Kramer: „Bitte lenken Sie nicht ab.“

Der AfD-Kandidat entgegnet, dass die Potsdamer lieber etwas zu den Potsdamer Problemen hören wollen und keine Geschichtsabhandlungen über zwölf Jahre deutsche Diktatur. Er könne aber gerne in seinen Geschichtsunterricht kommen, wenn ihn seine Einschätzung zum Nationalsozialismus interessiere. (Dennis Hohloch ist Lehrer.)

Zuletzt wird er gefragt, warum er mit der Asylpolitik ein Problem hätte, obwohl die Integration in Potsdam doch in weiten Teilen zu funktionieren scheine.

Dennis Hohloch findet, dass die Stadt für „horrende Summen“ Wohnraum für Flüchtlinge und Asylbewerber anmiete. Untergebracht würden sie vorwiegend in sozial schwächeren Stadtteilen. Nicht nur dort, sondern in ganz Potsdam hätten sie das Stadtbild verändert.

Der Umgang mit Flüchtlingen werde wohl sein Hauptthema im Wahlkampf. fragt der Aktivist. Der Kandidat verneint das. Schwerpunktthemen würden Verkehrspolitik, Stadtwachstum, Potsdams Identität und sozialer Wohnungsbau werden. „Aber danach haben Sie mich im Interview leider nicht gefragt.“

Herr Kramer weist noch auf eine Langform des Interviews auf pnn.de hin. Warum sollte ich die jetzt noch lesen?

 

FAZ-Edelfeder wütet erneut gegen Potsdam

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Claudius Seidl, Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS) hat nachgetreten.

Vor nicht ganz einem Jahr hat er, der Genießer teuren französischen Rotweins die Cola-trinkenden provinziellen Potsdamer (so Seidl in jenem Text) dafür niedergemacht, dass sie aus dem Alten Markt einen missglückten Wendehammer gemacht hätten und den „filigranen und eleganten“ Bau der Fachhochschule, für ihn ein Meisterwerk der Ostmoderne, abreißen würden. Genauer: Die „Obrigkeit und die Zugezogenen“, die „Gesinnungspotsdamer“ hätten das bewirkt. (Zitierte Worte aus dem aktuellen Artikel)

Die UnbelangbarenJetzt hat er nachgetreten. Wie er selbst gesteht, war sein damaliges Werk nicht nur auf Zustimmung gestoßen. Claudius Seidl ist der Prototyp des unbelangbaren Journalisten. Die verstehen sich als Schleusenwärter im Nachrichtenstrom. Sie entscheiden, was sie durchlassen. Sie entscheiden,  was der Leser erfahren darf.

In „Besuchen Sie Potsdam, solange es noch steht“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 1.7.18, p 69, holt er zur Totalvernichtung Potsdams aus.

Da geht es nicht mehr nur um das filigrane und elegante Betonmonstrum der Fachhochschule. Des Journalisten Verdikt trifft auch den Ruinenberg, eine Kulissenarchitektur aus antiken Ruinen, die ein Wasserreservoir für die Fontäne im Park Sanssouci verdecken sollte. Anders als romantische Kulissenarchitektur in anderen Fürstenparks wäre diese zu groß geraten und offenbare die Sehnsucht der preußischen Herrscher nach einer Vergangenheit, die sie niemals hatten. Abgerissen wird der Ruinenberg allerdings nicht. Warum er ihn dann erwähnt, wenn es um die Entsorgung der sozialistischen Architekturgeschichte Potsdams geht, wird nicht ersichtlich. Aber immerhin hat er so Gelegenheit, Friedrich den Zweiten als „sogenannten Großen“ zu apostrophieren. Auch das Palais Berberini ist sogenannt, eine „ärmliche Replik“ des prächtigen gleichnamigen Palazzos in Rom.

Dann stößt er auf das DDR-Rechenzentrum, das teilweise auf dem Grundstück der Garnisonkirche steht und durch einen Coup der linken parlamentarischen und außerparlamentarischen Szene jetzt als von der Stadt zu renovierendem Haus für Kunstschaffende den Wiederaufbau der Kirche erschwert. Auch dies angeblich ein Werk der Ostmoderne. Als Kunst am Bau verherrlicht hier ein Mosaik sowjetische Raumfahrt und Militärtechnik. Zu Recht wird dieses Mosaik als Erinnerung an DDR-Kunst und -Architektur erhalten bleiben. Was der Autor verschweigt.

Flaneur Seidl wandert zum Brauhausberg, wo ein durchaus architektonisch anerkennenswertes DDR-Hallenbad abgerissen wird. Es war in die Jahre gekommen. In der Nachbarschaft entstand ein modernes Bad. Es sollte finanziert werden durch die Bebauung des restlichen Brauhausberges mit Wohnhäusern.

Deswegen soll auch das benachbarte Café Minsk abgerissen werden, ein „kantig-elegantes“ Terrassengebäude. Man kann den DDR-Architekten dankbar sein, dass sie den brutalistischen Beton-Baustil der ehemaligen Partnerstadt nur modifiziert übernommen hatten. Dass man in Westdeutschland ähnlich gebaut hat, kann aber doch nicht als Argument für den Erhalt gelten, wie Seidl zu meinen scheint.

Weiter geht es über Neuen Garten, der von „halbeleganten“ Villen des 19. Jahrhunderts gesäumt wird, zum Bertiniweg. Dort verfällt eine Architekturikone der Zwanziger Jahre. Es ist eine Villa im Bauhausstil, zu der sich der Bankier Louis Hagen einen Vorgängerbau umbauen ließ.

In der Weimarer Zeit besaß sie einen gläsernen Aussichtsturm, Dachterrassen, Veranden und Wintergärten, ein Kino. Fahrzeuge wurden mit einem Fahrstuhl nach unten in eine Tiefgarage gebracht! Im Bootshaus lag ein Elektroboot, darüber befand sich die Turnhalle.

In der DDR wurde der Bau für ein volkseigenes Rechenzentrum genutzt, teilweise um- und angebaut. Ein Architekt hatte den heruntergekommenen, zerfallenden Bau gemeinsam mit Freunden erworben. Der Architekturliebhaber erzählt, dass die Restaurierung an den widersprüchlichen Auflagen von Denkmal- und Brandschutz scheiterte. Seine Freunde sind längst ausgestiegen. Eine Renovierung des vom Schwamm befallenen Hauses würde Millionen kosten. Inzwischen hat er den Abriss beantragt. Was das mit dem fehlenden „geschichtsdidaktischen Verständnis“ des Oberbürgermeisters zu tun hat, erklärt der Feuilletonchef nicht.

Zwischendurch wird Claudius Seidl niederträchtig: Auf die Überwindung der SED-Herrschaft könnten die Potsdamer vielleicht zu Recht stolz sein.

Mir bleibt jetzt nur noch, auch gemein zu sein: Ich freue mich über den Auflagenschwund der FAS.

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Foto: GS; Abriss eines „filigranen“ Gebäudes

Theaterstück über Wilhelm II. im holländischen Exil

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Eine überwiegend niederländische Schauspielertruppe präsentierte Szenen aus dem holländischen Exil. Die Aufführung fand vor und in Zugwaggons statt. Leider auf einem Nebengleis am Potsdamer Hauptbahnhof und nicht auf dem Kaiserbahnhof am Neuen Palais, von wo 1918 60 (andere Quellen nennen 23) Güterwagen Umzugsgut die Reise ins Exil antraten. Wilhelm selbst war im Armeehauptquartier im belgischen Spa. Er bestieg seinen Sonderzug, musste aber an der niederländischen Grenze sechs Stunden warten, bevor er mit dem Auto einreisen durfte.

In den Waggons wurden die Zuschauer mit ins Spiel einbezogen: Im Speisewagen wurde ihnen und dem Kaiser serviert. Da man nicht essen durfte, wenn der Kaiser sprach, reichte es nur für wenige Happen Kartoffelpüree. Auf den Inhalt der Koffer, die auf die Reise mitgenommen worden waren, durfte man einen Blick werfen. Wilhelm hatte viel mitgenommen, so viel, dass in Doorn ein zusätzliches Lagergebäude gebaut werden musste, weil nicht alles in das Schloss passte.

Die niederländische Königin Wilhelmina gewährte ihm Exil und schützte ihn vor der Verhaftung durch die Alliierten. Aber dankbar gegenüber seiner Gastgeberin soll er sich nicht erwiesen haben.

Die erzwungene Abdankung hatte ihn verbittert. Wenn man die Szenen sieht, in denen er Holz hackt, Wetterbeobachtungen aufschreibt oder über technische Geräte doziert, kommt er einem wenig souverän vor. Die alten, 60er Jahre Waggons, das Abstellgleis und die sandige Böschung haben so gar nichts Aristokratisches. Aber so wird das Exil wohl gewesen sein.

Ganz gerecht wird die Aufführung dem Kaiser nicht. Wilhelm galt im persönlichen Umgang als charmant, im europäischen Adel war er beliebt. Vielleicht war davon im Exil wirklich nichts mehr übrig geblieben.

Aber dass er zum Kriegstreiber und Verursacher des Weltkriegs erklärt wird, ist nicht richtig.

Dennoch: ein unterhaltsames Theaterstückchen und eine außergewöhnliche Spielstätte.    

Potsdam soll autofrei werden

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fahrrad-wohnwagen

Man konnte es sich an den fünf Fingern abzählen: Die Umweltaktivisten werden nicht beim Dieselverbot stehen bleiben.

Mangels radikaler und revolutionärer Konzepte für die Mobilität der Bürger konzentrieren sich Aktivisten, Politik und Verwaltung darauf, das Autofahren zu erschweren. In Potsdam werden Parkverbotszonen ausgeweitet, Parkgebühren erhöht, Tempo-20-Zonen eingeführt, Grünphasen an Ampeln so geschaltet, dass nur noch zwei, drei Pkw von der Neben- in die Hauptstraße durchgelassen werden. Den Bewohnern wird auf Schritt und Tritt nahe gelegt, auf Busse, Bahnen und Räder auszuweichen. Es gibt diese riesigen Bildschirme am Straßenrand, die der Information der Verkehrsteilnehmer dienen sollen. Meist sind sie leer oder weisen auf das nächste Fußballspiel im Karl-Liebknecht-Stadion hin. Oder empfehlen eben, wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens auf Busse, Bahnen und zu benutzen.

Jetzt soll eine innerstädtische Durchgangsstraße „abgepollert“ werden, angeblich, um Schleichverkehr zu verhindern. Ausgerechnet die breite Friedrich-Ebert-Straße (benannt nach dem Ost-Berliner SED-Oberbürgermeister) soll eine Flaniermeile werden, aus der die Autos verbannt werden. Durchgangsverkehr auf ihr ist für Autos schon lange nicht mehr möglich. Sie ist aber eine wichtige Magistrale für städtische Busse, Straßenbahnen und für die Radfahrer. Flanieren zwischen Bussen und Bahnen und auf einer Radlerrennstrecke? Aber Fußgänger sind schon länger das Stiefkind der Potsdamer Verkehrspolitik.

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Matrosenstation Kongsnaes wieder hergestellt

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Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es am Jungfernsee, gegenüber von Sacrow und unweit der Glienicker Brücke eine Matrosenstation. Sie diente als Ausgangspunkt für Ausflugsfahrten der Hohenzollern. Der marinebegeisterte Wilhelm II. segelte lieber als zu regieren. Von einer Nordlandreise brachte er die Idee mit, die Matrosenstation im norwegischen Stil, dem Drachenstil, umzugestalten. Das Vorbild war ein Restaurant in Oslo. Das Ensemble bestand aus einer Empfangshalle, der Ventehalle, einem Matrosenheim, einem Schiffsführerhaus und einem Bootshaus. Die Baumaterialien kamen aus Norwegen.

In den letzten Kriegstagen 1945 wurden Ventehalle und Bootshaus in Brand geschossen. 1961 ließ die SED die Reste beseitigen, da hier der Todesstreifen gegenüber West-Berlin verlief.

Heute ist die hier verlaufende Schwanenallee eine der teuersten Wohngebiete Potsdams.

In der Ventehalle soll ein kleines Restaurant entstehen. Dagegen liefen zwei Anwohner der Schwanenallee, darunter der ehemalige Bild-Chefredakteur Dieckmann, Sturm. Sie verloren allerdings sechs Jahre lang in sämtlichen Instanzen.

Zum Glück gab der Investor Michael Linckersdorff nicht auf.

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Besuch aus der norwegischen Botschaft:

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Die Kongsnaes-Webseite

Einmalig: Berlin und Potsdam tragen Kippa!

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Ich mag solche Veranstaltungen nicht! Die Potsdamer Oberbürgermeisterkandidaten präsentieren sich und Landtagsabgeordnete. Der muslimische Würdenträger, der in Potsdam zugesagt hatte, kam nicht und hatte auch nicht abgesagt. Wie die Zeitung herausbekam, hatte er einen wichtigen Termin bei der Stadtverwaltung wegen der Bauabnahme für ein Moscheegebäude.

Dagegen soll in Berlin sogar die DITIB das einmalige Tragen der Kippa mitgetragen haben. Was für eine Toleranz!. Dabei hatte die Jüdische Gemeinde die Veranstaltung beantragen müssen. In der viel gerühmten Zivilgesellschaft fand sich wohl niemand anders.  Wie das meist so ist, wenn es einen antisemitischen Vorfall gibt: Dafür sind die jüdischen Organisationen zuständig.

Angesichts dessen, was zurzeit in Der Zeit oder im Spiegel über Israel zu lesen oder im ÖR-TV zu sehen ist, müsste ich ständig protestieren. Oder wenn die arabischen Synagogenbrandstifter mildernde Umstände bekommen, weil sie Israel hassen und nicht die Juden generell. Oder wenn die Jüdische Gemeinde Rheinland eine gemeinsame Israelreise mit der Evangelischen Kirche im Rheinland absagt, wegen der antijüdischen Tendenz der Verbandszeitschrift. Oder wenn der Ethik-Beirat des Musik-Echo mit 5:1 für die Preisverleihung an zwei Rüpel-Rapper gibt, die Holocaust-Opfer verhöhnen. (Was ist mit der Million Facebook-Follower des Judenhassers Kollegah?) Oder die völlig verzerrte Statistik antisemitischer Straftaten…

Da ist das einmalige, kurzzeitige Kippatragen unter Polizeischutz eine kommode Angelegenheit. So richtig erwähnen, dass es ein Araber war, der, was noch nie in der bald siebzigjährigen Bundesrepublik passiert ist, einen Israeli ausgepeitscht hat, muss man nicht. Lieber fordert man verstärkt Gedenkstättenbesuche für alle Schüler und mehr Geschichtsunterricht über das Dritte Reich, stellt fest, dass der Antisemitismus in der Mitte der Gesellschaft angekommen wäre oder immer noch nicht überwunden wäre.

Irgendwo im Internet finde ich gerade diesen Satz:

Es ist nicht antisemitisch, Israel zu kritisieren, aber Kritik an Israel ist das liebste Vergnügen von Antisemiten.

Steinmeier Kranz Arafat
Steinmeier legt Kranz am Grab des Terrorpaten Arafat nieder

Deswegen grenzt es für mich schon fast an Heuchelei, wenn jetzt in den Zeitungen auf Seite 1 und in den Kommentarspalten groß über BerlinträgtKippa geschrieben wird, aber seit Jahren durch den früheren Außenminister Gabriel, eine nahezu manische israelkritische Berichterstattung in Mainstreammedien wie taz, FAZ, SZ, Spiegel und ÖR-TV (Kann in diesem Blog unschwer nachgelesen werden) der Boden für antisemitische Aktivitäten bereitet wird.

 

Nachtrag: Zurück in den Alltag: Kippa-Demo in Neukölln musste abgebrochen werden. Ein Kommentar dazu: „Morbus Augstein“

NZZ: Deutschland denkt nur an seine toten Juden

Die Schönheit der Stadt

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Klotz der Fachhochschule Potsdam, errichtet als Ersatz für zwei im Krieg teilweise zerstörte Altstadtquartiere. Gilt als DDR-Unikat; Bild: maz-webcam

 

Vor einiger Zeit machte ich meinem Unverständnis Luft, weil Kunsthistoriker und FAZ-Journalisten uns, dem einfachen Potsdamer Bürger, weismachen wollen, wie eine Stadt auszusehen hat. „Sie gönnen uns nicht, in einer schönen Stadt zu leben“, schrieb ich damals.

Jetzt höre ich davon, dass in amtlichen Papieren der mittelalterlichen Stadt Siena von der Schönheit der Stadt gesprochen wurde. Schönheit war in Siena eine Kategorie des Städtebaus, die ernst genommen werden musste:

siena

 

Aus: Michael Stolleis/Ruth Wolf (Hrsg), La bellezza della città: Stadtrecht und Stadtgestaltung im Italien des Mittelalters und der Renaissance, p 17. (Schönheit hat ihren Preis. Das Buch kostet 109,95 €)

Der Potsdamer Verein „Mitteschön“, der sich für eine Wiederherstellung der Potsdamer Mitte einsetzt, trägt seinen Namen zu Recht.

Beruhigt sehe ich, dass auch Fachleute, „Architekten und Stadtplanerinnen“ diskutieren, was unter Schönheit der Stadt zu verstehen wäre; Jedenfalls ein äußerst komplexes Thema mit vielen Facetten. Die Ausgabe 24/2017 der Planungsrundschau hat des Thema „Die schöne Stadt“. Die Einführung ist so erschöpfend umfassend, dass ich nicht mehr durch die zahlreichen Beiträge mit ihren interessanten Titeln blättern mag.

Ich lasse mich ablenken und achte im Einführungstext mit wachsender Begeisterung auf die genderistischen Einsprengsel. Zwar sagen die Autorin/der Autor, dass das generische Maskulinum bei ihnen für alle Geschlechter stehe. Dann aber tauchen hin und wieder die ausgewogen klingenden „Architekten und Stadtplanerinnen“ oder „Investoren und Developerinnen“ auf. Nur die Bauherren bleiben konsequent männlich. Stadtproduzenten, was immer das auch sein mag, sind ebenfalls nur männlich. Fünf Zeilen später tauchen aber „Akteurinnen der Stadtproduktion“ auf, was im Vergleich zu Stadtproduzent weniger gewichtig klingt. Inkonsequent ist es, von „Akteurskonstellation“ zu schreiben. Müsste es im Kontext dieses sprachlich elaborierten Textes nicht Akteur*Innenkonstellation heißen?

FAZ entdeckt die rechtsradikale Architekturtheorie

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Die Potsdamer Linksextremisten wissen es schon lange. Sie schreien „Barockfaschismus“, wenn die Stadtverordnetenversammlung eine Rekonstruktion der vom Krieg und der SED zerstörten Stadtmitte beschließt. Die Edelfedern von FAZ und dem Ableger Sonntagszeitung (FAS) hielten es bisher mit der Präpotenz des kunstsinnigen Rotweintrinkers und machten sich bloß über die provinzielle, Cola trinkende Potsdamer Zivilgesellschaft und ihren Hang zur städtebaulichen Rekonstruktion lustig.

Jetzt hat das Frankfurter Feuilleton das „politisch naive Kulturbürgertum“, das die Wiederherstellung von Altstädten und Schlössern forciert, schachmatt gesetzt. Geschichtsrevisionisten wären sie. Sie gingen Rechtsradikalen auf den Leim, denen es darauf ankäme, den „Nationalsozialismus, die Angriffskriege und [den] Holocaust“ aus dem Stadtbild zu verbannen und eine „bruchlose Nationalgeschichte“ im Stadtbild zu erzeugen.

Erst kürzlich war es der Prof. em. Topfstedt, ehemals Professor für sozialistische Gegenwartskunst, der in der FAZ den Potsdamern nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern ein Museum der kontrastreichen Architekturgeschichte aus der Stadt machen will.

Jetzt (FAS v. 7.8.18, p 46) holt Prof. Stefan Trüby, Direktor eines Instituts Grundlagen moderner Architektur und Entwerfen (sic!) den Hammer heraus. So weiß er, dass die Rekonstruktion der Potsdamer Garnisonkirche auf einen rechtsextremen Militaristen zurückgeht, den Oberstleutnant a.D. Max Klaar. Was der Professor oder einer seiner Magisterstudenten jetzt entdeckt hat, ist in Potsdam selbst längst wieder Geschichte geworden. Der Bewunderer preußischer Militärtraditionen ist schon lange nicht mehr spiritus rector, sondern wurde ausgebootet. Die Stiftung Garnisonkirche will keine Militärkirche wiederherstellen, sondern eine Versöhnungskirche sein, die sich ihrer Vergangenheit nicht eindimensional stellt.

Nach einer Recherche in rechtsextremen Blättern hat Prof Trüby zudem herausgefunden, dass die Idee der Rekonstruktion der Frankfurter Altstadt auf einen Rechtsextremisten zurückgeht. Der Professor schäumt: Heile-Welt-Gebaue, Geschichte als Wunschkonzert, eindimensional, Wiederholungsarchitektur, der Holocaust allenfalls als Anekdote sichtbar.

Trüby schäumt seit Jahren gegen „Blut-und-Boden-Architektur“. Liebe junge Familien oder ältere Ehepaare, die ihr aus Kreuzberg oder dem Schanzenviertel aufs Land zieht: Vergesst nicht kenntlich zu machen, dass ihr keine AfD-Wähler seid! Restauriert bloß keine verfallene Burg oder pflanzt eine Deutsche Eiche! Sonst fackelt die Antifa euer Häuschen ab. Prof. Dr. Stefan Trüby liefert die Adressen.