Potsdam

Potsdam und Hiroshima

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Ein grüner Aktivist hat 2010 dafür gesorgt, dass vor dem Truman-Haus in Potsdam-Babelsberg eine Gedenkplatte zu den Atombombenabwürfen der USA über den japanischen Städten Hiroshima (6.8.45) und Nagasaki (9.8.45) aufgestellt wurde. Auf ihr liegt je ein Stein aus den Städten (strahlenmäßig unbedenklich). Eingraviert in die Platte ist dieser Text:

Im Gedenken an die Opfer der Atombombenabwürfe
auf Hiroshima und Nagasaki
am 6. August und 9. August 1945

Während der Potsdamer Konferenz der alliierten Großmächte
vom 17. Juli bis zum 2. August 1945 wohnte der damalige
Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika,
Harry S. Truman, in der gegenüberliegenden Villa.

Am 25. Juli 1945 wurde mit Zustimmung
des amerikanischen Präsidenten
aus Washington D.C. der militärische Befehl
zum Abwurf der Atombomben erteilt.

Die zerstörerische Kraft der Bomben brachte
hunderttausendfachen Tod und
entsetzliches Leid über die Menschen.

In Potsdam fand die letzte der drei Konferenzen statt, in der die Alliierten Beschlüsse über Nazideutschland fassten. Der von den Deutschen begonnene Krieg hat zu ca. 55 Millionen Kriegstoten geführt. Deutsche haben darüber hinaus ca. 13 Millionen Menschen in Lagern und in Mordaktionen getötet. 12 Millionen Menschen flüchteten aus Ost-Mitteleuropa oder wurden vertrieben. Hunderttausende von ihnen kamen um.

Die Atombombe haben die Amerikaner im – irrtümlichen – Wettlauf mit den Deutschen gebaut. Dem deutschen Physiker Otto Hahn war als erstem die Kernspaltung gelungen. Vor den Nazis geflohene deutsche Wissenschaftler halfen in den USA beim Bau der Atombombe. Vorgesehen war sie zum Abwurf über Deutschland.

Als sie einsatzbereit war, hatte Deutschland bereits kapituliert. Japan dagegen dachte nicht an Kapitulation. Das Land hatte 1941 den Militärhafen Pearl Harbor auf Hawaii völkerrechtswidrig ohne vorausgehende Kriegserklärung überfallen.  Japanische Kriegsverbrechen sind in Wikipedia aufgelistet.

Die Alternative zum A-Bombenabwurf war für die US-Armee die Weiterführung des verlustreichen „Inselhüpfens“ und die Eroberung des japanischen Festlandes durch Bodentruppen. Allein beim Kampf um die Insel Okinawa waren 50.000 GIs gestorben. (Wenn ich richtig rechne, waren das ca. 15% der im Krieg eingesetzten US-Soldaten.)

Ende Juli 1945 sind die Japaner noch nicht bereit zu kapitulieren. Dann versucht der japanische Kaiser, über Stalin ein Kapitulationsangebot zu lancieren. Stalin war dabei, mit einem gewaltigen logistischen Aufwand Truppen nach Ostasien zu verlegen, denn er wollte sich Japan mit den USA teilen. Das wollte Truman keinesfalls.

An einer Atombombe bastelten die Sowjets auch schon. Über die geheimen Anlagen in Nevada war Stalin durch den in die USA emigrierten deutschen Kommunisten Klaus Fuchs auf dem Laufenden.

Den Potsdamer grünen Stadtverordneten Uwe Fröhlich interessieren geschichtliche Zusammenhänge nicht, er kennt sie wahrscheinlich gar nicht. Er hat auch kein Gespür dafür, dass es ein Geschmäckle hat, wenn ein Deutscher an dem Ort, an dem über ein Deutschland verhandelt wird, das schuld an 55 Millionen Kriegstoten ist und mehr als zehn Millionen Menschen ermordet hat, anprangert, dass ein Amerikaner hunderttausendfachen Tod und entsetzliches Leid über Menschen gebracht hat.

Die Löwenvilla in Potsdam

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LöwenvillaIn unserer Nachbarschaft steht die Löwenvilla. Das Haus wird so genannt wegen der beiden Löwen, die die Treppe zum Haupteingang flankieren. Allerdings verbirgt sich hinter dem (gefakten) Haupteingang das Treppenhaus, der Hauseingang befindet sich auf der linken Seite.

Der Reserveoffizier Fritz von der Lanken betrieb ab 1931 hier ein Alumnat, ein Jungenpensionat. Von der Lanken wurde im Krieg reaktiviert und im Oberkommando des Heeres eingesetzt. Er gehörte zu den Offizieren des Widerstandes. Die stammten zum großen Teil aus dem Potsdamer Infanterieregiment Nr. 9.

In der Löwenvilla trafen sich die Verschwörer häufig. Sie war auch der letzte Ort, an dem – im Treppenhaus – der Sprengstoff für das Attentat vom 20. Juli 1944 versteckt worden war.

Am 20. Juli 2017 veranstaltete die Stadt Potsdam in der Löwenvilla eine Gedenkstunde für den Mitverschwörer Kurt von Plettenberg. Der emeritierte Oldenburger Politikwissenschaftler Eberhard Schmidt las aus seiner Biografie. Plettenberg hatte auch selbst erwogen, Hitler zu töten. Da er der Vermögensverwalter des Hauses Hohenzollern war und fürchtete, dass die Familie nach einem Attentat womöglich mitverfolgt würde, sah er davon ab. Er tötete sich bei einem Verhör durch die Gestapo selbst; er sprang aus dem Fenster. Sein Grab ist auf dem Bornstedter Friedhof in Potsdam.

Zum ersten Mal konnten wir das Haus, an dem wir fast täglich vorbeigehen, betreten.

In ihm wurde auch eine Szene für den Film „Operation Walküre“, mit Tom Cruise als Graf Stauffenberg, gedreht: ein nächtliches Treffen der Verschwörer.

Löwenvilla Film
Die Feuerwehr sorgt 2007 für Gewitter und Regen für eine Szene am Originalschauplatz Löwenvilla: „Operation Walküre“ mit Tom Cruise

 

Der kommende Aufstand

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Man kann sich gut vorstellen, wie der Feuilletonchef der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, Claudius Seidl, einen Kelch teuren Pétrus-Weines schwenkend, in der Bar des Empire Riverside Hotels im 20. Stock sitzend, gleich unter sich die brennenden Autos betrachtend, in Augenhöhe mit dem Piloten des Polizeihubschraubers, sich Notizen machend für den Artikel über verkannte, verteufelte Linke in seinem Blatt: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, v. 16.7.17, p41, „Diese verteufelte Linke“.

Seidl ist dagegen, dass jetzt von Linksextremismus geredet wird, von einfachen Schuldzuweisungen. Er weiß, dass unklar ist, was in diesen Hamburger Horrornächten, „wirklich geschehen ist“. Er erklärt es in seinem Aufsatz.

Wie so viele Intellektuelle ist Seidl fasziniert von kategorischen Verweigerern, die einen Ausweg aus dem alles zerstörenden Kapitalismus, die eine „Tür nach draußen“ suchen. Man kennt das aus dem vergangenen Jahrhundert. Die Liste der Intellektuellen, die angetan waren (oder es noch sind) von Lenin, Stalin, Mao, Pol Pot, Fidel Castro ist lang.

Seidl blättert in einem Manifest linksradikaler Franzosen: „Vom kommenden Aufstand“. (Klingt nach dem vergessenen Franz Fanon.) Sie beklagen die Entfremdung, die Kolonisierung, die Zerstörung sämtlicher Verwurzelungen, die Enteignung der Sprache durch die Schule, der Stadt durch die Polizei.

Darf es noch ein Glas Pétrus sein? Er sieht gleichwohl, dass die Gegner des Systems noch weit entfernt sind von einer Gesellschaft der Freien und Gleichen. Aber, und das scheint die noch zu klärende Frage der Hamburger Gewaltnächte zu sein: Die Menschen da unten schauen mit Neugier und mit Sympathie auf jene Menschen in der Roten Flora, die sich den herrschenden Verhältnissen verweigern. Die Verweigerung wäre manchmal kindisch und hilflos. aber es ginge doch um eine offene Tür (nein, nicht die zum geplünderten Rewe-Laden) zur Welt der Autonomen.

Nicht dass Claudius Seidl noch mehr brennende Autos, verletzte Polizisten und geplünderte Läden will. Nein, er vermisst eine einige Linke, die Imagination, Mut und Optimismus zeigt, um ihr Nichteinverstandensein in Politik zu übersetzen.

Damit ist er beim Bundestagswahlkampf. Führten früher bei der CDU alle Wege des Marxismus nach Moskau, führten sie jetzt zum Schanzenviertel. Die „geschichtsvergessene“ SPD leugne den Zusammenhang von links und Gewalt. Er wirft ihr vor, im Laufe ihrer Geschichte immer das Land gegen linksextreme Aufstände und Rebellionen verteidigt zu haben.

Dabei gäbe es doch eben dieses bis in die bürgerliche Mitte hineinragende Unbehagen an Erdogan, Temer und Trump, an Hunger in der Welt und Armut in Afrika. Was bei ihm noch fehlt, aber von der Interventionistischen Linken, die die den Kampf gegen G20 in Hamburg mit vorbereitet hat, ergänzt wird: die Toten im Mittelmeer, die Klimageflüchteten, die Atommülltransporte und die nach Afghanistan Abgeschobenen. Selbst Polizisten verstünden die Wut der Linksextremisten.

Werden demnächst autonome, alternative, interventionistische Linke die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung lesen? Oder liest Seidl die Pressemitteilungen der Interventionistischen Linken?

In Potsdam hat seine Solidaritätserklärung schon erfolgreich gewirkt. Zusammen mit Patrick Bahners hatte er eine Eloge auf einen DDR-Bau geschrieben, der nach zwanzig Jahren der öffentlichen Beratung, Diskussion und parlamentarischen Beschlussfassung abgerissen werden soll. Dort ist ein dem ursprünglichen Stadtquartier nachempfundenes Ensemble geplant, das die SED platt gemacht hatte.

Die Potsdamer Linken (von der Linkspartei bis zu Antifa und Autonomen; nicht: die Grünen!) rennen unaufhörlich dagegen an. Gerade hatten ein paar Dutzend Aktivist/-innen das Gebäude besetzt. Für mich überraschend wurde es noch am selben Tag, nach achtstündigen Verhandlungen, geräumt. Unverdrossen kündigen die „Nichteinverstandenen“, wie Seidl sagen würde, weitere Besetzungen an.

Dem Potsdamer Publikum billigt er aber keine klammheimliche Sympathie für die Besetzer/-innen zu. Im Gegenteil, die liebten Cola (statt Pétrus) und Plastikfassaden.

Nun, was Umerziehung angeht, können Linke auf ein Jahrhundert realisierter Imagination zurückgreifen.

 

Aus Hamburg zurück: Potsdamer Linke besetzt Fachhochschule

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Noch ganz beseelt von den Hamburger Krawallen haben Potsdamer Linksextremisten um André Tomczak den DDR-Bau der Fachhochschule besetzt. Sie wollen verhindern, dass der Monumentalbau, in ihren Augen „bedeutende DDR-Architektur“, abgerissen wird und zwei Stadtquartiere mit Wohn- und Geschäftshäusern (wieder) aufgebaut werden. Sie wollen ihn als ein weiteres Kultur-, Kunst- und Kommunikationshaus erhalten wissen.

Das ist Tomczak schon einmal gelungen, beim DDR-Rechenzentrum, ebenfalls, wie er meint, bedeutende DDR-Architektur. Das Gebäude wird jetzt von Kreativschaffenden genutzt. Es wird den Wiederaufbau der Garnisonkirche zumindest erheblich erschweren.

Linksextremisten interessieren parlamentarische Beschlüsse nicht. Schon Dr. Rosa Luxemburg hatte erkannt, dass Parlamentarismus eine Geisteskrankheit wäre.

Der natürlich auch anwesende sozialistische Bundestagsabgeordnete Norbert Müller begrüßte die Besetzung. Müller scheint das parlamentarische Standbein der Potsdamer Linksextremisten zu sein. Auch der wichtigste Potsdamer Linkspolitiker, Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg, Ex-IM, Ex-SED, Ex-OB-Kandidat, Fraktionsvorsitzender der Linken im Stadtparlament, begrüßt die Besetzung, hält sie aber für nicht erfolgversprechend.

Am Abend räumte die Polizei überraschend das Gebäude. Auch das ist wohl eine Folge der Hamburger Krawalle. Denn zu erwarten gewesen wäre das sonst übliche Szenario: runder Tisch mit den Besetzern, Nutzungsverträge für eine Interimszeit, die nach und nach verlängert würde, städtische Investitionen ins Gebäude, damit es die Besetzer warm haben und aufs Klo gehen können. Die Besetzer/-innen bedauerten, dass man ihre „ausgestreckte Hand“ nicht ergriffen hätte.

Ganz vergebens war die Aktion nicht. Sie haben schon einmal geübt, wie sie im Herbst vorgehen werden, wenn mit dem Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche begonnen werden soll.

(nach pnn.de)

Update: Sie wollen weiter machen: jede Woche neue Aktionen, immer wieder neu besetzen. Emily Laquer und Claudius Seidl wird´s freuen.

Man muss anerkennen, dass Herr Tomczak und Genossen gute PR-Arbeit leisten. Der Medienzirkus wird über Wochen gehen. Stufe 1 war die Besetzung, Stufe 2 ist das „Bürgerfest“ mit Hüpfburg, Stufe 3 die Wortmeldung einer linken Gruppierung in der Fachhochschule, die die repressiven Maßnahmen der FH-Leitung, der Polizei, der Stadt usw. verurteilt. Stufe 4 ist das „Kaufangebot“ einer der linken „Bürgerinitiativen“ gegen den Barockfaschismus. Mit dem Kaufangebot will eine Aktivistin, begleitet von den Medien, ins Zimmer des OB stürmen. Die Stadt lehnt ab, das Angebot hätte gemacht werden müssen, bevor die parlamentarischen Beschlüsse gefallen sind. Stufe 5: Die Aktivist/-innen triumphieren. Die Stadt wäre doch gar nicht zuständig. Jetzt werden sie es dem Finanzministerium abkaufen wollen. Das Geld für den Schnäppchenpreis, den sie bieten haben sie noch nicht zusammen, aber das interessiert nicht. Es geht um die Inszenierung.

Jetzt bin ich gespannt, was im Herbst wird, wenn es an den Wiederaufbau des Turms der Garnisonkirche geht. Vielleicht dies?: Stufe 1: Friedliche Blockade der Baustellenzufahrt. Stufe 2: Friedliche Besetzung der Baustelle. Stufe 3: Großes Antifaschistisches Rockkonzert im benachbarten Lustgarten. Stufe 4: Kaufangebot für den Turm durch den Humanistischen Verband Brandenburgs. Stufe 5: Unterschriftensammlung für ein Volksbegehren zur Übereignung des Grundstücks in Volkseigentum. Stufe 6 Vorstellung der Vorüberlegungen für ein Konzept „Religiöse und antifaschistische Vielfalt im Turm“. Stufe 7: Martin-Niemöller-Stiftung fordert vom Land Brandenburg die Finanzierung eines Untergeschosses als Gedenkstätte „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“, im vergleichbaren Umfang wie die Berliner „Topographie des Terrors“ (31 Mitarbeiter/-innen). Stufenplan vorab an die Medien.

Bundesschule Bernau und Garnisonkirche

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Spolien der Garnisonkirche

Wenn ich lese, was sich in der Bundesschule Bernau alles ereignet hat, wundere ich mich, warum die Antifa so verbissen ausschließlich gegen die Garnisonkirche ankämpft.

Die Bundesschule des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes wurde 1928 gebaut. Sie ist ein Musterbeispiel für die Baukunst der Bauhaus-Architekten. Gerade wurde es UNESCO-Weltkulturerbe.

Ab 1933 zogen nacheinander Dienststellen der NSDAP und des NS-Staates ein. hier soll der Antisemit Julius Streicher 1935 erstmals von der Tötung aller Juden gesprochen haben. Hier war ein Ausbildungzentrum der Gestapo, hier wurde der Überfall auf den Sender Gleiwitz einstudiert. Das alles hat eine studentische AG an der TU zusammengetragen. (Warum dann Prof. em. Wolfgang Benz in PNN/Tagesspiegel v. 13.7.17, p 19, als Autor genannt wird, erschließt sich mir nicht.)

Jetzt frage ich mich: wie viel wiegt eine tiefe Verbeugung A. Hitlers als Abschiedsgeste im März 1933 vor der Potsdamer Garnisonkirche gegenüber dem Tötungsverlangen eines Antisemiten? Müsste nicht schleunigst ein Abrissverlangen der Antifaschisten durch die Medien gehen, eine Bürgerinitiative gegen dieses faschistische Gebäude gegründet werden, eine Unterschriftensammlung gestartet werden?

Nichts dergleichen passiert. Warum wohl?

Potsdam ist das Zentrum der militanten Antifaschisten Brandenburgs. Die Szene sitzt, von Stadtverwaltung und städtischen Firmen alimentiert, in ihren „alternativen“ Zentren, in Potsdam gibt es zwei Zeitungsredaktionen und einen ARD-Sender. Hier können ganz schnell ein paar tausend Student/-innen für Demos und Unterschriftensammlungen mobilisiert werden.

Bernau liegt an der Peripherie, das Architekturjuwel Bundesschule kennen nur ein paar Fachleute, der einst prächtige Barockbau der „gotteslästerlichen Kirche“ (Christoph Dieckmann in Die Zeit) ist in ganz Deutschland bekannt.

 

Uni Potsdam erforscht Populismus

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Uni PotsdamDer Ruf der Universität Potsdam wird immer besser. Aber heute lese ich von einem neuen, vor einem Jahr gegründeten Zentrum für Bürgerschaft, Soziale Pluralität und Religiöse Vielfalt. Die haben auch gleich eine internationale Tagung zum Thema Populismus veranstaltet.

Der Direktor, der Soziologe Jürgen Mackert, erklärt laut PNN/Tagesspiegel v. 12. 7. 17, p 21, dass Populisten politische Argumentationsstrukturen vereinfachen würden und sie auf Schlagwörter reduzierten. Damit wollten sie Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse nehmen. Das ist auch das erklärte Ziel des Zentrumsdirektors. Er und sein Team von Soziologen und Politologen wollen in die Politik hineinwirken und populistischen Strömungen entgegentreten. Das ist immerhin ehrlich. Aber bei mir entsteht ein ungutes Gefühl.

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Rechenzentrum gegen Garnisonkirche

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Die Aktivisten gegen den Wiederaufbau der Garnisonkirche wollen das vollenden, was die SED 1968 beabsichtigt hatte: Mit dem Bau eines Rechenzentrums den Wiederaufbau der Garnisonkirche zu verhindern.

Es war ein Coup, das zum Abriss vorgesehene Rechenzentrum als Haus für Kreativschaffende (früher: Kunstschaffende) zu nutzen. Zuerst interimsweise bis zum Abriss. Inzwischen lautet das Ziel: dauerhafte Nutzung.

Die Kreativschaffenden beginnen schon mit der Stufe zwei der Verhinderungskampagne: Der Lärm einer zukünftigen Turm-Baustelle würde ihr kreatives Schaffen beeinträchtigen. Sollte der Turm gebaut werden, müssten gar Fenster im Rechenzentrum zugemauert werden. Sicher ein Fall für den europäischen Menschenrechtsgerichtshof.

Begleitet wird die Inszenierung in den Medien: Der Garnisonkirchengegner Grünzig hat in einem Buch alle militaristischen, absolutistischen Scheußlichkeiten zusammengetragen, die der Kirche angelastet werden. Über tausend Fußnoten hätte das Werk, wie die PNN anerkennend notieren. Die brandenburgische Landeszentrale für politische Bildung stellt in diesen Tagen das Buch vor. Die Zentrale hatte dem Autor vor einiger Zeit schon einmal Gelegenheit gegeben, seine Fakten darzustellen. Etwa einen Beweis, dass die evangelische Kirche in der DDR gegen den Wiederaufbau gewesen wäre. Dem wurde damals widersprochen. Jetzt darf er seine Thesen wieder vortragen. Die Vorstellung eines ausgewogeneren Buches über die Garnisonkirche findet nicht statt.

Die Zeit hat Platz für einen Artikel gegen das „gotteslästerliche Bauwerk“.

Der Wortführer der Wiederaufbaugegner organisiert Stadtführungen zu dem angeblich bedeutenden Denkmal der Ostmoderne, dem Rechenzentrum.

Während ich das schreibe, haben die Aktivisten wahrscheinlich schon eine dritte Bürgerinitiative gegründet, das nächste Volksbegehren gestartet oder den nächsten Antrag in der Stadtverordnetenversammlung eingebracht. (Nachtrag🙂 Inzwischen spricht sich ein Linkspartei-MdL, die ehemalige Sozialministerin Tack, für den Erhalt des Plattenbaus aus. Sie hat die 25 Jahre der Planung des Geländes, an dem ihre Partei mitgearbeitet hat, wohl verschlafen.

Auf die Stadt kommen jetzt die Mehrkosten zu: Das Rechenzentrum behindert den Turmbau. Der Bau kostet deshalb mehr und die Evangelische Kirche weigert sich, diese Kosten zu übernehmen. Vereinbarungsgemäß hätte das Rechenzentrum schon längst abgerissen werden sollen. Die Sicherung der Nutzbarkeit durch die Kreativschaffenden wird weitere Millionen kosten.

Mich erinnert das Rechenzentrum daran, dass die Kommunisten große Hoffnungen auf die Kybernetik gesetzt hatten. Sie glaubten, dass ihre monströse Zentralverwaltungswirtschaft, an der sie ständig herumlaborierten (z. B. NÖSPL), durch Computersteuerung endlich funktionieren könnte. Das bewahrheitete sich nicht. Die DDR produzierte aber den größten und teuersten Mikrochip der Welt, wie Spötter feststellten. Eines der zahlreichen Rechenzentren errechnete in den späten Achtzigern einmal eine 120%ige Wahlbeteiligung. Insofern ist es doch schade, dass das Rechenzentrum nicht Museum der DDR-Wirtschaft wurde.

Siehe im Blog: Die Legende von der Nazikirche

Es gab 1968 mehrere mutige Proteste gegen den Abriss der im Krieg beschädigten Kirche.

Nachtrag: Der Buchautor Matthias Grünzig soll in der Veranstaltung der Landeszentrale für politische Bildung vom Historiker Martin Sabrow ziemlich auseinander genommen worden sein. Meine Befürchtungen waren demnach unbegründet. (Ich wollte mir die Tiraden des Aktivisten nicht schon wieder zumuten.)

Nachtrag: Das Rechenzentrum soll bis 2023 als Haus für Künstler genutzt und erst dann abgerissen werden. Da das Gebäude den Bau des Turms der Garnisonkirche erschwert, entstehen Mehrkosten. Die wird die Stadt übernehmen müssen. Auch die Kosten der Renovierung des Rechenzentrums, damit es für die Interimszeit benutzbar bleibt.

Dauerhaft könnten die Künstler später im noch zu bauenden Kirchenschiff untergebracht werden. (Die Nutzung als Moschee, die die Wissenschaftsministerin Münch vorgeschlagen hatte, war wohl eine Eintagsfliege). Die Garnisonkirchenstiftung ist damit einverstanden.

Die Aktivisten gegen den Wiederaufbau der Kirche sind entsetzt. Aber sie haben doch jetzt eine Aktion für 2023: Die Besetzung des Rechenzentrums.

 

Was haben FAS/FAZ mit Ulbricht gemeinsam? Sie mögen Potsdam nicht.

Zuletzt durfte sich der Wiederaufbaugegner Philipp Oswalt in den Blättern ganzseitig dazu äußern.

Die Zeitung stellt ihn als Archtitekturfachmann vor. Das ist er durchaus. Er war auch schon Bauhaus-Direktor in Dessau. Worüber die Zeitung nicht informiert: Oswalt ist seit Jahren ein hartnäckiger Kritiker des Wiederaufbaus der Garnisonkirche. Er trat sogar wegen des geplanten Wiederaufbaus aus der evangelischen Kirche aus. Den Aufbau-Befürwortern wirft er vor, Unfrieden zu stiften. So geht heutzutage Debatte, auch bei den klugen Köpfen von FAZ/FAS.

Oswalts Polemik „Rückenwind vom rechten Rand“

Mein Rat an die FAZ/FAS: Niedriger hängen, der verkrampfte Blick der Linken sollte nicht das letzte Wort sein!

Prof. Oswalt referiert das Buch des Wiederaufbaugegners Matthias Grünzig über die Potsdamer Garnisonkirche. Aktivist Grünzig lässt nichts aus, um die Kirche als Hort des Militarismus darzustellen. Er lässt alles aus, was zeigt, dass die beiden Kirchengemeinden, die lutherische und die reformierte, sich, so gut es ging, gegen die Vereinnahmung durch Reaktion und Nazis stellte.

In der Hälfte der Lebensdauer der DDR gab es eine Kirchengemeinde, ohne dass das MfS eine Gefahr des Wiederauflebens des Faschismus erkannte. Die kommunistische Oberbürgermeisterin, die bis dahin Baumaterialien für den Wiederaufbau zugesagt hatte, folgte dem „Wunsch“ des Potsdamhassers Ulbricht und ließ sprengen.

 

Die Kirchengegner, vereint in Initiativen mit Namen wie „Friedenskoordination“, Kulturlobby“ oder „Potsdams Mitte neu denken“, fürchten die Wiederkehr des preußischen Militarismus, ein neues Bündnis von Thron und Altar, eine Bundeswehrkirche, ein Walhalla für Preußenfans, nicht zu reden vom „Barockfaschismus“, mit dem die Zugezogenen auch den letzten Rest sozialistischer Baukultur in Potsdam vernichten würden, wenn das DDR-Rechenzentrum, das auf dem Kirchengrundstück steht, auch noch abgerissen werden würde. Es sind wortgleiche Sätze dabei, mit denen schon die SED den Abriss begründete.

Die Vielzahl der Bündnisse und Initiativen suggeriert eine breite Ablehnungsfront. Das trifft nicht zu. Es ist eine gut organisierte linksextreme Szene, die sich zu inszenieren weiß. Die apodiktische Verkündigung einfacher Narrative, gerne auf Pappplakaten in Fernsehkameras gehalten, hat ihren Reiz für die Medien. Kaum eine Zeitung konnte den Inhalt eines Bürgerbegehrens gegen die Garnisonkirche richtig wiedergeben; auch Prof. Oswalt hat sich nicht die Mühe gemacht, exakt zu recherchieren. Dann hätte er nämlich festgestellt, dass die Ablehnung kein „mieser Trick“ war, sondern die Aktivisten völlig falsche Versprechungen machten. Die Bürger können durch ihre Unterschrift nicht den Bau einer Kirche (bzw. vorerst nur des Kirchturms) stoppen, zumal die Baugenehmigung schon vorliegt. Es sollte auch erreicht werden, dass die Stadt Potsdam die Wiederaufbau-Stiftung auflöst. Das wäre in der DDR oder in Putins Russland möglich gewesen, aber die Stadt kann eine Stiftung nicht auflösen, wenn diese nicht gegen Stiftungsrecht verstößt. Sie kann aus der Stiftung austreten, die Stiftung existierte aber weiter. So kompliziert ist das nun auch wieder nicht. Herr Oswalt hätte es den Lesern der Sonntagszeitung durchaus zumuten können.

Herr Oswalt hat sich auch nicht die Mühe gemacht, den aktuellen Stand wiederzugeben. Den Aufbaugegnern war es, wie im Blog berichtet, gelungen, das DDR-Rechenzentrum, das die SED in das Kirchengrundstück hineinragen ließ, zumindest für eine Interimszeit vor dem Abriss zu bewahren und es als Haus für Kunstschaffende und als Versammlungsort für Aktivisten zu nutzen, wenn sie nicht gerade in Räumen der Linkspartei tagen. Auf die Stadt kommen jetzt einige Millionen € Mehrkosten zu: Sie muss das marode Rechenzentrum sanieren und bis 2023 bewohnbar halten und die Mehrkosten für den Wiederaufbau des Turms tragen. Die entstehen, weil der DDR-Plattenbau den Wiederaufbau des Turms erschwert.

Ich hätte mir gewünscht, dass die Berichterstattung der von mir hoch geschätzten Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung hier präziser, ausgewogener und aktueller gewesen wäre.

 

 

Wahlen zum Potsdamer Studentenparlament

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Die parteiungebundene Liste von Studenten des Hasso-Plattner-Instituts für Softwaresystemtechnik war im vergangenen Jahr Sieger gewesen. Sie waren angetreten, um mit der ineffizienten Arbeit des linken AStA aufzuräumen, und prangerten dessen finanzielle Unterstützung linker Aktivisten an.

In diesem Jahr reichte es nur für den zweiten Platz (19,4%) hinter den Linkspartei-Studenten (20,0%). die Grünen bekamen 15,6, die Jusos auf 15,2. Der RCDS kam auf 7%, die Liberalen auf 6,8, eine Spaßmachertruppe auf 2,5%. Außerdem gab es eine weitere linke Gruppe.

91,5 % der 22.000 wahlberechtigten Potsdamer Studenten und Studentinnen beteiligten sich nicht an der Wahl des Studentenparlaments. Gegenüber 2016 waren das noch einmal weniger.

Es ist anzunehmen, dass rot-rot-grüne Studenten wieder die Potsdamer Studentenschaft repräsentieren wird.

Moderner Städtebau in Potsdam: das Schwimmbad „blue“

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Meist geht es anders herum: Nicht nur die Linken kritisieren die städtebauliche Entwicklung in Potsdam als „Barockfaschismus“. Auch Architekten melden sich zu Wort und beklagen, dass zu viel restauriert und zu wenig zeitgenössisch gebaut würde.

Wenn das Aussehen Potsdams mit seinen Schlössern und Villen im klassizistischen, neo-klassizistischen, barocken oder Rokokostil Faschismus sein soll, kann Faschismus so schlimm nicht sein.

Nun hatten moderne Architekten Gelegenheit modern zu bauen: das Groß-Schwimmbad am Hauptbahnhof. Schon in der Bauzeit war es zu erahnen. Der Bau schottet sich nach außen ab. Er wirkt wuchtiger als der benachbarte Bahnhof, der jahrelang dafür kritisiert wurde.Man könnte ihn auch für das Bahnhofs-Parkhaus halten.

(Reden wir jetzt nicht über die Bau- und Unterhaltskosten für ein Bad an dieser Stelle. Die Stadtverwaltung hatte gescheitere Standort- und Finanzierungspläne. Die direkte Demokratie brockte der Stadt für die Zukunft sehr viel höhere Kosten ein und weniger Gegenfinanzierung durch eigentlich geplante Grundstücksverkäufe.)

Jetzt ist es ausgerechnet ein Architekt, der den modernen Bau vom Büro Gerkhan, Merk und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin) als langweiliges Gebäude kritisiert.

 

Potsdamer „Linksalternative“ trainieren Jugendliche für Anti-G20-Demo

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Von der Stadtverwaltung Potsdam und den städtischen Firmen wird das „linksalternative Kulturzentrum Freiland“ alimentiert. Das Grundstück gehört einer städtischen Firma.

Für die linksextreme Potsdamer Szene ist die Einrichtung von unschätzbarem Wert. Dort kann man ungestört in Marxismus schulen, Anti-Bullen-Training durchführen und auf dem Kinderfest aufblasbare Baseballschläger als Spielzeug verteilen.

Wenn die Stadtverwaltung Platz für Geflüchtete sucht, wehren sich die Freiland-Genossen erfolgreich. Eine Nachbarschaft zu Freiland, wo oft laut gefeiert würde, wäre für die traumatisierten Geflüchteten eine Belastung.

Zur Zeit läuft die Ausbildung für Demonstranten gegen den Hamburger G20-Gipfel. Freiland sieht die Lehrgänge naturgemäß anders: Es gehe einzig darum, Jugendlichen Demonstranten ihre Ängste vor großen Menschenmassen zu nehmen und über ihre Rechte als Demonstranten aufzuklären. Die Zielgruppe sind 13- und 14jährige.

Man stelle sich, vor NPD, Pegida oder AfD würden so handeln.

Ob der heutige Anschlag auf die Berliner S-Bahn eine praktische Übung war, ist bisher ungeklärt. Klar ist, dass die Tat als Protest gegen den Kapitalismus der G20 verübt wurde.

Update 10.7.: Die Linksautonomen ließen ihre jugendlichen Demonstranten am Wochenende auch noch einmal in Potsdam demonstrieren. Per Eilantrag war die Demonstration angemeldet worden. Sie wollten „Angriffe auf uns nicht unkommentiert lassen“. zitiert PNN/Tagesspiegel einen Wortführer. Die Zeitung spricht von einem „umstrittenen Polizeieinsatz“.

Update 22.7.: Das übliche Ritual findet wieder statt: Die CDU kritisiert die städtische Alimentierung der Linksextremisten. Sprecher/-innen der „Alternativen“ wiegeln ab. Linke, Grüne und SPD begleiten die Aktivist/-innen mit Wohlwollen. Der stellvertretende Linken-Landesvorsitzende, MdB Norbert Müller, ist Mitglied der linksextremistischen Roten Hilfe, die Aktivist/-innen juristisch berät.

Neu ist diesmal, dass der Innenminister Schröter bei der Vorlage des Brandenburger Verfassungsschutzberichts 2016 den Verfassungsschutzpräsidenten auf die Potsdamer Zustände hinweisen lässt. Der Oberbürgermeister hatte früher die städtische Förderung der „alternativen“ Szene verteidigt. Der Stadtwerkechef hatte die Überlassung eines Grundstücks als Sponsoring bezeichnet. Die Stadt zahlt den Linksextremisten jährlich einen Zuschuss von 125.000 €. Im Jugendhilfeausschuss hatte auch der Leiter des linksalternativen Zentrums, der das Konzept geschrieben hat, mitgestimmt.

Jetzt ist der OB bereit, die Förderung zu überprüfen. Aber Hinweise auf Straftaten lägen bisher nicht vor.

Der Geschäftsführer der Stadtwerke, Porschefahrer und fürstlich entlohnt, hatte nach mehreren Unregelmäßigkeiten bei seiner Geschäftsführung zuguterletzt auch die Unterstützung des OB verloren und musste . Er kandidierte 2014 für die Sozialisten zum Stadtparlament, war aber mit dem Listenplatz 8 nicht zufrieden..