Potsdam

Seit 30 Jahren wird die Rettung der historischen Potsdamer Altstadt von Parlamentsbeschlüssen begleitet. Für Linksalternative und die FAZ führt das zur Spaltung der Stadt

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Stadtverordnetenbeschluss Potsdam

Dies ist der erste Städtebau-Beschluss der frei gewählten Potsdamer Stadtverordnetenversammlung von 1990. Es folgen bis heute elf weitere und ein Landtagsbeschluss. Sie waren jeweils Ergebnis von Entwürfen, Gutachten, Beratungen und öffentlichen Diskussionen.

Schon vor dem Untergang der DDR gab es erste Überlegungen zur Wiederherstellung der historischen Stadtmitte.

Es ist bezeichnend, dass dieser parlamentarische Prozess aus fast 30 Jahren einigen Kunsthistorikern, Journalisten und den Potsdamer Linksextremisten völlig gleichgültig ist. (Siehe dazu frühere Blogbeiträge!)

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Missglückte FAZ-Ferndiagnose

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garnisonkirche_in_potsdam-zeno-org-contumax-gmbh-co-kg-im-maerkischen-museum-berlinZum Städtebau Potsdams hatten sich unlängst schon die FAZ-Mitarbeiter Niklas Maak und Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41) kritisch geäußert. Jetzt setzt Kunsthistoriker und FAZ-Mitarbeiter Dr. Arnold Bartetzky den Verriss fort.

Dr. Bartetzky übernimmt das von Dr. Goebbels inszenierte Narrativ, dass die Garnisonkirche für die Versöhnung von Adel und Nazis stünde. Er verlässt sich auf das „sorgfältig recherchierte Buch“ des Journalistenkollegen und Garnisonkirchengegners Matthias Grünzig. Der trägt seit Jahren seine These vor, dass die evangelische Kirche in der DDR den Wiederaufbau nicht wollte. Dem wurde von Kirchenrepräsentanten widersprochen. Erst kürzlich setzte sich der Potsdamer Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow kritisch mit Grünzig auseinander.

Bartetzky stört sich am „martialischen“ Schmuck des Garnisonkirchenturms. Was ihn nicht stört, ist das Mosaikband um das Rechenzentrum, das die SED teilweise auf das Kirchengelände baute. Das zeigt sowjetische Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Radarstellungen.

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Kunst am Bau: Sowjetische Jagdbomber

Es gelingt ihm sogar, in dem Artikel eine Kritik der westdeutschen Zerstörungen von denkmalgeschützten Gebäuden unterzubringen. Dass die SED ganze Straßenzüge abriss, in einer Länge von mehr als fünf Kilometern, bleibt dagegen unerwähnt. „Brachial“ ist für ihn der heutige Potsdamer Stadtumbau. So werde u. a. die Fachhochschule, ein „zartgliedriger“ Bau der DDR-Moderne, abgerissen.

Die Chuzpe, mit der Dr. Bartetzky die SED-Abrissorgie unerwähnt lässt und von heutigem brachialem Abriss heute spricht, ist erstaunlich. Er moniert, dass für den Schlossnachbau eine mehrspurige Straße verlegt werden musste. Was er anscheinend nicht weiß, ist, dass die SED-Stadtplaner über das Schlossgrundstück bewusst eine Fernverkehrsstraße legten. Er bedauert, dass der „schon vollendete“ Rohbau eines Stadttheaters auf dem Schlossplatz dem „brachialen“ Stadtumbau der Nachwendezeit zum Opfer fiel. Was Dr. Bartetzky unerwähnt lässt: Die Planung des Neubaus des Schauspielhauses als Schlossersatz begann 1947. Und 1989 war es erst ein Rohbau. (Sogar der Flughafen BER dürfte schneller fertigwerden.)

Der monströse, „zartgliedrige“ FH-Bau begrub zwei Stadtquartiere unter sich! Rauten, mit denen an einigen Stellen die Fassade verdeckt worden war, sah man in den 60ern an Horten-Kaufhäusern in Westdeutschland. Jetzt gelten sie als erhaltenswerte DDR-Baukunst.

Auch die stadtsoziologischen Erkenntnisse Bartetzkys sind fragwürdig: Vor allem junge, gebildete Leute fühlten sich dem DDR-Bauerbe näher als den Barockfassaden, schreibt er. Wer in Potsdam lebt, sieht immer wieder dieselben zwei Dutzend Aktivisten aus den linksalternativen Netzwerken, die Veranstaltungen stören und den Nachrichtenjournalisten Bilder und griffige Parolen liefern. Beim Gottesdienst zum Beginn des Wiederaufbaus schrieen sie „Halt´s Maul, Du Nazischlampe“, als die Pfarrerin das Vaterunser betete.

Update 2.12.17: Erfreulich ist wenigstens, dass die FAZ am 2.12. einen ausgezeichneten Leserbrief der Kunsthistorikerin und Potsdamer Stadtverordneten Saskia Hüneke veröffentlicht, in dem Dr. Bartetzkys fehlende Kompetenz deutlich wird.

 

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

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In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägeralle sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. auch das Holländische Viertel blieb dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.

Nachhutgefecht um Lenindenkmal

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Eine bis vor 13 Jahren vor dem ehemaligen sowjetischen „Haus der Offiziere“ an der Hegelallee stehende Leninstatue wurde vom Grundstückserwerber abgeräumt und in den Garten seines Vaters in Westdeutschland entsorgt. Die Statue steht aber weiterhin in der Landesliste zu schützender Denkmäler.

Die Fraktion der linksextremen Partei Die Andere will, dass sie wieder in Potsdam aufgestellt wird. Eine bürgerliche Fraktion will, dass sie aus der Landesdenkmalliste gestrichen wird. Das verweigert der Landesdenkmalschützer. Die Sozialisten von der Linkspartei üben sich in „Ausgewogenheit“: Fraktionsmitglied Michel Berlin verweist auf Denkmäler für absolutistische Preußenkönige. Bei Lenin legte man andere Maßstäbe an.

Da rächt sich wieder einmal der unzureichende Brandenburger Geschichtsunterricht. Dass Lenin 1917 das erste sowjetische Konzentrationslager eröffnete, tausende Popen und die Zarenfamilie umbringen ließ, sofort die berüchtigte Geheimpolizei Tscheka einrichtete und sich selbst, nach Eliminierung aller sozialistischen und sogar bolschewistischen Fraktionen einen Unfehlbarkeitsstatus in der bolschewistischen Partei verschaffte, von solchen Petitessen hat der Potsdamer Stadtverordnete nie etwas erfahren. Der durch den Putsch der Bolschewisten ausgelöste fast fünjährige Bürgerkrieg forderte Hunderttausende Opfer, zum Teil durch die willkürlichen Tötungen der Tscheka. Es gab sogar innerhalb der Bolschewisten Kritik an den exzessiven Tötungen. Lenin tat das als „Spießergerede“ ab. (FAZ v. 6.11.17, p 6, „Lenins Verachtung für das Spießergerede, von Prof. Dr. Manfred Hildermeier)

Wie Unbekannte eine Leninbüste im Potsdamer Stadtpark aufstellten. (Gepostet 2010 in meinem ehemaligen Blog „Basedow1764“)

PNN/Tagesspiegel zu der neuerlichen Debatte über die Leninstatue

MAZ mit Denkmalfoto und Einblick in die Debatte zwischen Leninfans und -gegnern

Bürgerinitiative Plantage Potsdam

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Potsdam, so wurde einmal in der Stadtverwaltung beklagt, sei die Hauptstadt der Bürgerinitiativen. Es gibt die bürgerliche Initiative Mitteschön und (gab) den Stadtschloss e.V. Es gibt in nahezu jedem Stadtteil Vereine und Initiativen für oder gegen etwas: „Pro Brauhausberg“, „Gegen eine Tram nach Eiche“, „Politik für die Mitte – gegen Rot-Rot“, „Argus“, „Wildpark“, „Westkurve“. Besonders eifrige Gründer von Bürgerinitiativen sind die Linkspartei und die „Linksalternativen“.

Eine weniger bekannte Bürgerinitiative ist die „Plantage Potsdam“. Sie hätte allerdings mehr Beachtung verdient. Ihr Anliegen ist die Erinnerung an und die bestmögliche Wiedergewinnung der Plantage. Dies ist einer der großen unbebauten städtischen Plätze des 18. Jahrhunderts, neben dem Bassinplatz und dem Wilhelmplatz/Platz der Einheit (Nicht der deutschen, sondern der von KPD und SPD).

Einen großen Teil der Plantage nimmt leider das ehemalige DDR-Rechenzenrum ein, dessen Abriss vorgesehen war, aber inzwischen in den Sternen steht. (Nachtrag: neuestes Datum: 2023.) Heute ist es Refugium für Kunstschaffende und Bastion der Garnisonkirchengegner. Ein zweiter Teil der Plantage wird Spiel- und Sportplatz der benachbarten Dortuschule.

Der Mensch bezwingt den Kosmos. Ein Potsdamer Lehrstück (2)

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Der Bilderzyklus des kommunistischen Künstlers Fritz Eisel, der das umstrittene Potsdamer Rechenzentrum als Kunst am Bau schmückt, soll auf jeden Fall erhalten werden, auch falls das Gebäude abgerissen wird. Da sind sich Gegner und Befürworter des Garnisonkirchenwiederaufbaus einig.

Nachdenklich macht, worauf ein Eintrag im Blog der Bürgerinitiatve Plantage hinweist: Der Bilderzyklus des Mosaiks soll die fortschrittliche Wissenschaft, Gesellschaft und Technik der kommunistischen Gesellschaft zeigen. Er zeichnet ein militaristisches Bild: Zu sehen sind sowjetische Jagdbomber, Radarstellungen und eine Rakete.

Im Blog wird mit Recht darauf hingewiesen, dass diejenigen, die lautstark auf die militärischen Embleme im historischen Tum der Garnisonkirche schimpfen, keinen Anstoß nehmen an den militärischen Darstellungen auf den Wänden des Rechenzentrums.

Lehrstück (1)

Highlight der Ostmoderne: die Waben vom FH-Bau

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Der Bau der Potsdamer Fachhochschule wird endlich abgerissen. (Das Land als Träger der FH hatte den Auszug der FH um zwei Jahre verzögert. Der Grund ist mir nicht bekannt.)

Die unendliche Geschichte um die Neugestaltung des Alten Marktes und die annähernde Wiederherstellung des Viertels, das von dem FH-Bau überwölbt wurde, hat hoffentlich bald ein Ende. Die Potsdamer Linksextremen können sich jetzt ganz der Garnisonkirche widmen.

Der Bau, so wird uns von vielen Seiten, von Potsdamer Linksalternativen bis zu Edelfedern der FAZ weisgemacht, wäre eine Ikone der DDR-Architektur.

Dabei ist er eine aus den Fugen geratene Nachempfindung eines Baus von Mies van der Rohe.

Wabenelemente FH PotsdamVor einige Fassadenteile sind Wabenelemente aus Aluminium montiert. Man machte das, um monumentale, eintönige Fassaden zu kaschieren.

Potsdamer Wabenteile wurden jetzt an Museen und die Fachhochschule, aber auch private Sammler übergeben.

„Fassadenelemente wie die viereckigen Formsteine oder Waben fanden sich allerdings ebenfalls an ähnlichen DDR-Bauten oder Warenhäusern aus der Zeit (70er Jahre; GS) wieder. Denn solche „Betonstrukturelemente“ wurden in der DDR häufig genutzt, um monotone Fassaden, wie zum Beispiel an Plattenbauten, optisch aufzuwerten“, schreibt die PNN-Journalistin Valerie Barsig.

Womit wir bei einem systemübergreifenden Architekturphänomen wären. Also wieder kein Alleinstellungsmerkmal außergewöhnlicher DDR-Architektur. Wabenfasssaden überzogen in den 70er Jahren im Westen die Fassaden von Horten-, Saturn- und Galeria-Kaufhof-Warenhäusern. Aus demselben Grund wie in der DDR: um eintönige Fassaden aufzulockern. Im Westen haben sie auch einen Namen: Hortenkacheln. (Steht sogar in Wikipedia!).

Als ich von den Potsdamer Kacheln las, fiel mir auch das Horten-Kaufhaus in Wiesbaden ein. Es dominierte seinerzeit seine Umgebung. Die Fassadenverkleidung mit Beton-Kacheln änderte daran gar nichts, sondern verstärkte die Eintönigkeit. Das Haus wurde längst abgerissen. Der Nachfolgebau ist ebenfalls keine architektonische Meisterleistung.

horten_fassade.jpgDas nebenstehende Foto ist der Nachbau des Stuttgarter Horten-Kaufhauses durch einen Modellbauer. Genau so sah aber auch Horten in Wiesbaden aus.

Das Stuttgarter Haus wurde nach Abriss des Schrocken-Kaufhauses, einem von Erich Mendelsohn entworfenen Bau, gebaut. Der Abriss war heftig umstritten. (Ein Spiegel-Bericht von 1959 dazu)

 

Hausentwurf Potsdam

 

Update 16.11.17: Die Waben überleben! Bei den Entwürfen für die kleinteilige Bebauung des Areals des abgerissenen FH-Gebäudes werden die Waben „zitiert“: Sie zieren zwei Hauswände.

Stalinallee für Kinder

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Die Stalinallee gab es in der DDR als Holzspielzeug für Kinder:

Stalinallee Spielzeuggesehen im Berliner Alliiertenmuseum, in der Ausstellung „100 Objekte“

Gedankenexperiment:

Was wäre, wenn die heutige Breite Straße in Potsdam eine Stalinallee geworden wäre?

Besser als die angeblichen DDR-Architekturikonen Mercure, Rechenzentrum und Fachhochschule wäre es allemal.

 

Garnisonkirche: Gottesdienst mit Gegnern

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So steht es in der Schlagzeile der PNN/Tagesspiegel von heute (p 7) über den Open-Air-Gottesdienst zum Start des Wiederaufbaus der Potsdamer Garnisonkirche. Den Rest des Beitrags lesen »

Die Gesellschaft für Sport und Technik und ihr Erbe im Park Babelsberg

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14_Park_Babelsberg (3).JPGDer Potsdamer Seesportclub e. V. wurde 1991 gegründet. Er hat seinen Sitz im Babelsberger Park, in einer Randlage am Tiefen See. Ihm gab die Verwaltung der Preußischen Schlösser und Gärten (SPSG) 1999(?) einen auf 20 Jahre befristeten Mietvertrag. Bei Vertragsschluss war klar, dass der Mietvertrag keine Verlängerungsmöglichkeit in Aussicht stellte. Der Verein sollte aus Sicht der SPSG in Ruhe einen neuen Standort suchen können und dann das Gelände dem Babelsberger Park zurückgeben. Der Verein vermietet Liegeplätze an Yachtbesitzer. Er hat eine Motorsportabteilung gegründet und einen neuen Bootssteg bauen lassen.

Man könnte vermuten, dass der Vereinsvorstand sicher war, dass der Mietvertrag für das Gelände nicht auslaufen würde.

Das Beharren der SPSG auf dem Ende des Mietvertrages wird jetzt öffentlich kritisiert. Die Vereinsvorsitzende beklagt im rbb, dass die erfolgreiche Kinder- und Jugendarbeit zum Erliegen käme. Die Stadt würde kein Ersatzgrundstück anbieten.

Ein sozialistischer Stadtverordneter kommentiert verächtlich, dass wegen eines Stückchens längeren Kieswegs im Park dieses Unglück ausgelöst werden würde.

Pacta sunt servanda. Aber nicht in Potsdam. Den Rest des Beitrags lesen »