Planwirtschaft

Schaufensterbummel in der DDR

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Fotograf Siegfried Wittenburg fotografierte Schaufenster in der DDR. Das bessere System: Kein Warenfetischismus, kein Kapitalismus.

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Jana Hensel erklärt uns wieder einmal Ostdeutschland

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Die frühere Jammer-Ossi Jana Hensel erklärt zusammen mit einem marxistischen Kultursoziologen den Rassismus und Fremdenhass der Ostdeutschen mit den Erfahrungen nach der Friedlichen Revolution: Jana Hensel und Wolfgang Engler, „Wer wir sind: Die Erfahrung, ostdeutsch zu sein“, Aufbau Verlag, 2018.

Sie wissen durchaus: „[Die Mehrheit der Ostdeutschen wusste,] dass das namentlich mit dem wirtschaftlichen Leben nicht mehr lange so weitergehen kann, dass da vieles auf Verschleiß läuft, dass es an Innovationen mangelt, dass keine wirkliche Wettbewerbsfähigkeit vorhanden ist – dass die dann so in den Keller sank, hat mit Währungsumstellung zu tun,“ (Interview in Deutschlandfunk Kultur)

Aber dieses Wissen ist unbedeutend. Der DLF-Interviewer wirft rechtzeitig ein, dass die ostdeutsche Firma Foron den weltweit ersten FCKW-freien Kühlschrank 1993 auf den Markt gebracht hätte und dennoch 2001 Pleite ging.

Wenn das Politbüro gewusst hätte, was für ein großartiger Betrieb zum SED-Portfolio gehörte, hätte man für die DDR vielleicht gar keinen Konkurs anmelden müssen.

Bergwerk Bischofferode wäre ja auch ein rentabler Betrieb gewesen. Vom ostdeutschen Grünen Werner Schulz hört man die Foron-Geschichte auch immer wieder. Er weiß zudem von vielversprechenden Ansätzen der DDR-Luftfahrtindustrie. Letztere Ansätze wurden ausnahmsweise nicht von der Treuhand und westdeutschen Konzernen platt gemacht, sondern von der UdSSR verboten.

Nun kann man von Hensel und dem Soziologen keine fundierten ökonomischen und sozialwissenschaftlichen Analysen erwarten. Also suche ich selbst. Am Foron-Untergang ist nicht unwesentlich Greenpeace schuld. (MAZ-Online, 15.3.18) Die Aktivisten ließen den Kühlschrank entwickeln; allerdings durfte die Treuhand nichts davon erfahren und auch nicht der Foron-Kaufinteressent Bosch. Bosch trat vom Kauf zurück. Kaum wurde das bekannt, verriet Greenpeace seinen Künlschrank-Deal.

Eine Patentanmeldung hatten die Umwelt-Aktivisten untersagt. Ein kohlenwasserstofffreier Kühlschrank (mit besserer Wärmedämmung) wurde dann später von den kapitalistischen Westdeutschen angeboten.

 

Nur das Politbüro tanzte den Lipsi

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Die SED kopierte – meist notgedrungen – westliche Moden und Produkte:

SPON-einestages

Massenmord im gelobten Land der Linkspartei

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Was mich seit Jahren wundert: Die Kommunistin Sahra Wagenknecht wird von vielen, auch in meinem Bekanntenkreis bewundert wg. ihrer rhetorischen Brillanz und ihrer klarsichtigen ökonomischen Analysen. Ich vermochte dem nicht zu folgen. Ihre zahlreichen FAZ-Artikel und ihre Bücher über einen kreativen Sozialismus landeten am Ende doch immer bei der Verstaatlichung der Banken.

Was ich aber den IllnerMaischbergerLanzusw. übelnehme ist, dass sie ihren Stammgast nie gefragt haben, was sie am Niedergang des sozialistischen Venezuelas so faszinierend findet. (Ebenso die linken Extremistinnen Heike Hänsel und Savem Dagdalen, MdB)

Wobei ich weiß warum. Der Nachrichtenvorleser im Jazzradio brachte es kürzlich auf den Punkt: Die Verelendung der Venezolaner ginge auf den Ölpreisverfall und die Sanktionen der USA zurück. Anders hätte Wagenknecht auch nicht geantwortet. Beten wir sie weiterhin an.

Rainer Zitelmann: Venezuela: Sozialisten richten Tausende in den Armenvierteln hin

US-Soldaten auf Einkaufstour in Ostberlin

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Die US-amerikanische Regierung legte Wert auf die gemeinsame Zuständigkeit der Alliierten für Geamt-Berlin. Sie legte Wert auf ihr Recht, jederzeit und unkontrolliert den Ostteil der Stadt betreten zu dürfen. Die Sowjets respektierten das, sehr zum Ärger der SED, die Ostberlin Hauptstadt der DDR nannte.

Die westlichen Allierten zeigten in Ostberlin Präsenz durch Fahrten mit Militärfahrzeugen. Armeeangehörige und ihre Familien, nicht zuletzt neu nach Berlin versetzte Soldaten, sollten den Ostteil in einer Stadtrundfahrt kennenlernen.

Erlaubt waren aber auch private Besuche (in Uniform). Die nahmen ab den 70ern zu, was daran lag, dass die Amerikaner in Berlin (und in der Bundesrepublik) das Privileg des günstigen Dollarkurses zur D-Mark (1:4) verloren.

Einkaufen und Essen im billigen Ostberlin versprach Linderung. Die Einkaufstouren in Privatwagen oder Bussen der Streitkräfte nahm zu. Die Wagen fuhren vollgepackt über den Kontrollpunkt Checkpoint Charlie in der Friedrichstraße zurück. Auch die Besuche in Ostberliner Restaurants und in den neuen Nobelhotels waren beliebt.

SED-Zeitungen wetterten gegen die Einkaufstouren. Die kommunistische Planwirtschaft war nicht dazu geschaffen, für Shoppingtouren des Klassenfeindes zu produzieren. Das MfS legte eine Kartei der Autofahrer an, die die Amerikaner mit der Lichthupe grüßten. Man verfolgte Kontaktaufnahmen, entdeckte aber keine konspirativen Vorgänge.

Ein Verbot kam nicht in Frage. Die SED unter Honecker pries ja ihre Weltoffenheit an und meldete stolz wachsenden ausländischen Tourismus. Das Verbot, US-Amerikaner in einem Lokal zu bedienen, blieb ein Einzelfall und wurde nach Protesten – wegen des Umsatzausfalls – schnell wieder aufgehoben.

Den US-Streitkräften war das Ausmaß der Exkursionen unangenehm. Wöchentlich fanden mehre Bustouren statt. Die Busse parkten vor den Konsum-Warenhäusern. Die Zahl der Busse und der Fahrten wurde reduziert.

Quelle: Stefanie Eisenhuth, Freizeit beim Feind. US-amerikanische Soldaten in Ost-Berlin, in: Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, Online-Ausgabe, 15 (2018), H. 1, URL: http://www.zeithistorische-forschungen.de/1-2018/id=5555, Druckausgabe: S. 11-39.

Design in der DDR?

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1972 wurde das Amt für industrielle Formgestaltung gegründet. Die Behörde sollte nach Vorgaben der SED und ihren Parteitagsbeschlüssen die Formgestaltung in der DDR steuern und kontrollieren.

Wenn heute beklagt wird, dass Design made in GDR nicht gebührend gewürdigt würde, muss man berücksichtigen, dass es keine Designentwicklung gab, die der in kapitalistischen Marktwirtschaften entsprach. Es gab keine Vielfalt an Produktionsfirmen, die untereinander konkurrierten und durch ansprechendes Design ihre Marktchancen erhöhen wollten.

Die Designer konnten sich Anregungen auf allen Kontinenten holen, konnten Modetrends aufgreifen, die sich bei Jugendlichen, in Subkulturen, bei Reichen entdecken ließen. Mit Mode, Möbeln, Geschirr und Autokarosserien konnte man sich im Westen von den Mitmenschen unterscheiden. Umgekehrt konnte Design Konsumwünsche hervorrufen.

In einer (angeblich) klassenlosen Gesellschaft, in der es keine sozialen Unterschiede geben sollte, war das, zumindest in der Theorie, zum Absterben verurteilt. Sozialistisches Design musste der Beschlusslage des Parteitages entsprechen. Sogar Bauhaus-Design von dem Kommunismus nicht abgeneigten Künstlern galt als dekadent. Im Vordergrund standen die Anforderungen des Produktionsprozesses, nicht die Bedürfnisse oder Wünsche der Verbraucher.

Dass dennoch auch ansprechendes Design entstand, kann im DDR-Museum in Berlin-Mitte und in der Zweigstelle des Deutschen Historischen Museums in der Berliner Kulturbrauerei besichtigt werden. Letztere ist im Besitz von ca, 80.000 Objekten, die in Berlin-Tegel gelagert werden.

Siehe auch hier!

Objekte

Karl Clauss Dietel hat die „Erika“-Schreibmaschine und den Wartburg 353 entworfen. Er erhielt 2014 den deutschen Designpreis für sein Lebenswerk.

Nachhaltigkeitswissenschaft

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Die Umweltaktivistin Barbara Hendricks bleibt uns als neue Bundesumweltministerin erspart. Nicht aber eine ihrer Hinterlassenschaften: Das Nationale Programm für nachhaltigen Konsum. Es ist immer wieder erstaunlich wie präpotent Sozialisten sind.  Da wird über die Bedürfnisbefriedigung zukünftiger Generationen fabuliert. Es geht um Handlungsansätze, Handlungsfelder, Themenbereiche und Bedürfnisfelder, um Siegel und Zertifikate, Monitoring und Forschung.

Man darf sicher sein, dass die Nachhaltigkeitswissenschaft tausende von Anwärtern für  die nötigen Planstellen in Verwaltungen, Ministerien, Instituten und für die Nachhaltigkeitsbeauftragten in Unternehmen ab acht Mitarbeitern produzieren wird.

Thilo Spahl kommt in „Shoppen für eine bessere Welt?“ auf Novo-Argumente noch ein ganz anderer Verdacht: „Nachhaltig aufgeklärte, postmaterialistisch gesinnte Mittelschichtsmenschen wissen natürlich, wo man ein Hybridauto bestellt und wo man die dazugehörige Prämie beantragt. Sie kennen auch den Weg vom Loft in den Biomarkt… Aber wie ist das mit dem einfachen Mann und der einfachen Frau und ihren Cola trinkenden Kindern? Eine Idee wäre, ihnen am Monatsende das Durchschnittsgehalt eines Grünenwählers zu überweisen. Aber so denkt die Regierung nicht. Es geht darum, dass Arme arm bleiben und trotzdem beim nachhaltigen Leben mitmachen dürfen. Denn: „Durch energieeffiziente, ressourcenschonende und langlebige Produkte werden über einen längeren Zeitraum betrachtet finanzielle Einsparungen auch für Geringverdiener ermöglicht.“ Eine Spielkonsole kostet viel und veraltet schnell. Sie ist für den nachhaltigen Lebensstil nicht so geeignet. Ein solides Holzspielzeug dagegen, das kann man über Generationen vererben. Das spart… eine Menge Geld.“

Die Ostdeutschen in der Treuhandanstalt

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Bekannt ist, dass die Treuhand eine Erfindung von Bürgerrechtlern war. Man ging von der unrealistischen Annahme aus, dass die DDR-Wirtschaft ein rentables Konglomerat wäre. Sie sollte endlich in Volkseigentum übergehen und die DDR-Einwohner in Form von Anteilscheinen am Gewinn beteiligt werden. In diesem Sinne begann die Treuhand Anfang 1990 zu arbeiten!

Die Treuhand war eine ostdeutsche Erfindung. Anfänglich wurde sie von der Bundesregierung noch nicht als Einrichtung gesehen, die weltweit Käufer für die 8.000 Betriebe suchen sollte oder beim Fehlen von Überlebenschancen die Betriebe schließen und wenigstens die Immobilien gewinnbringend verkaufen sollten. Die ursprüngliche Idee, als eine riesige Aktiengesellschaft zu verstehen und Volksaktien auszugeben, platzte mit der Eröffnungsbilanz. Die SED hatte die Staatsschulden auf die Kombinate gebucht, so dass die erheblich verschuldet an den Neustart gingen. Wegen des Zusammenbruchs des gesamten Ostblocks fehlten die dortigen Kunden, die klaglos die DDR-Produkte abgenommen hatten, jetzt aber auf dem Weltmarkt einkauften.

Viele Produktionsstätten waren veraltet und entsprachen nicht westdeutschen Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen.

Abgesehen von Vorzeigebetrieben und -produkten waren die meisten Produkte nicht weltmarktfähig. (Es war keine kapitalistische Verschwörung, dass die DDR-Bewohner sich auf westdeutsche Automarken stürzten und die VEB Automobilwerk Zwickau auf dem Trabant sitzen blieb.)

Mehr zur Treuhand in früheren Blogbeiträgen

Jetzt lese ich einer Ausgabe von Gerbergasse 18, einer wichtigen Zeitschrift zur DDR-Aufarbeitung aus Jena, dass der Historiker Markus Böick zu den ostdeutschen Treuhand Mitarbeiter/-innen geforscht hat und weitere Forschungen dazu fordert. (Angeblich ist die DDR doch überforscht!) Den Rest des Beitrags lesen »

60x Deutschland: Wochenschaubeiträge aus Ost und West

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Die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung hatte ich 2012 vorgestellt. Sie enthält eine Menge interessanter Filme zu den Themen DDR, Deutschlandpolitik und „Wende“.

Neben den damals empfohlenen Filmen erwähne ich heute die Produktion „60x Deutschland“ für jedes Jahr von 1949 bis 1990 (noch bis 2009 weitergeführt). Wochenschaubeiträge aus Ost- und Westdeutschland zusammenstellt. Die Länge ist jeweils 15 Minuten. Z. B. das Jahr 1964.

Es war eines der besten Jahre unter SED-Herrschaft. Die Flucht aus Ostdeutschland konnte Dank der Mauer 1961 weitestgehend gestoppt werden und führte vorübergehend zu einer Konsolidierung. Mit der Regentschaft Erich Honeckers, der Walter Ulbricht stürzte und ab 1971 Erster Sekretär des Zentralkomitees wurde, kam die Planwirtschaft endgültig an ihre Grenzen. Die Kosten der von H. forcierten Sozialpolitik waren von der Zentralverwaltungswirtschaft dauerhaft nicht zu erwirtschaften.

Lang ist´s her, dabei war´s eigentlich gestern.