Lesetipp

Lesetipp: Die größten Politik-Irrtümer

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Mein gestriger Besuch im Berliner Deutschen Historischen Museum (DHM) hat sich gelohnt. Ich habe ein Büchlein entdeckt: Die größten Politik-Irrtümer der heutigen Zeit, von Helmut Böttiger. Böttiger kannte ich bisher als lesenswerten Literaturkritiker. Dass er auch fundiert über Klima und Energie schreibt, war mir bisher entgangen.

Ich kann an keiner Buchhandlung vorbeigehen, ohne mich darin umzusehen. Es kann also auch daran gelegen haben, dass ich dem Buch nirgendwo begegnete, weil kein Sortimenter sich traut, Kritisches zum menschengemachten Klimawandel auszulegen. Der Buchladen im DHM hatte es. Eine Google-Suche zeigt, dass die einschlägigen Qualitätsmedien und Perlentaucher das Buch nicht anzeigen oder gar besprechen.

Die Politik-Irrtümer sind u. a.:

  • DDT gefährdet die Umwelt
  • Der deutsche Wald wird bis zum Jahr 2000 gestorben sein
  • Tausende werden an der Vogelgrippe sterben
  • Die Erde erwärmt sich wegen der CO2-Emission
  • Kernenergie ist ein Auslaufmodell

Wer sich auf 20 schmalen Seiten fundiert, aber leicht lesbar über die Fehler, Auslassungen und Fälschungen der Klima-Alarmisten informieren will, sollte das hier lesen.

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Ein Lob des Kolonialismus

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Science Files beschreibt einen neuen Fall linker Zensur an US-amerikanischen Universitäten

Frank Trentmann: Die Herrschaft der Dinge

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Der in Groß-Britannien lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat eine faszinierende Weltgeschichte geschrieben: Die Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Es ist eine enzyklopädische Geschichte des Konsums rund um die Welt.

Das von mir benutzte Taschenbuch umfasst 850 Seiten, davon 700 Seiten Text. Es geht um Konsum, um die Lust auf Dinge, auf kostbare Kleidung, schöne Möbel, exotische Früchte und Waschmaschinen. Lust auf Konsum beginnt nicht erst in der Renaissance, schon die Frachtschiffe der Römer schafften die Dinge heran, die die Bewohner der Hauptstadt begehrten. Man erfährt viel Neues, z. B. über die ersten Warenhäuser, über erste Werbung, Marketing und Konsumentenkredite oder über das Luxusgut Kakao.

Es ist nicht der westliche Kapitalismus, der zum Konsum verführt. Trentmann erzählt gut lesbar vom Konsum in Japan, China, in Hitlerdeutschland und in kommunistischen Diktaturen. Letzteres interessiert mich natürlich besonders. Trentmann macht deutlich, dass die kommunistischen Herrscher in mehrfacher Hinsicht mit dem Bedürfnis ihrer Untertanen nach Konsumgütern nicht klarkamen. Die Ideologie ging davon aus, dass in einer sozialistischen Gesellschaft die Entfremdung der Menschen von der Arbeit aufgehoben sei. Der Mensch verwirkliche sich in der nicht mehr entfremdeten Arbeit. Eine Flucht in das Privatleben, in die Freizeit und eben den Konsum wäre nicht mehr notwendig. Die Proletarier folgten dem nicht.

Es war nicht allein die Verlockung der westlichen Konsumgesellschaft, die den Kommunismus kollabieren ließ. Den Rest des Beitrags lesen »

Konsum oder Pol Pot

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Der in London lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat ein tausend Seiten dickes Buch über die Geschichte des Konsums seit dem 15. Jahrhundert geschrieben:

Herrschaft der Dinge: Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute.

Man konsumiert heute mit schlechtem Gewissen. Tierrechtler, Naturschützer und Grüne predigen Konsumverzicht. Schuld wäre – wie könnte es anders sein – der Kapitalismus. Der schwatze einem Konsum auf („Konsumterror“). Das führe zu Ausbeutung, sozialen Spannungen und Zerstörung der Umwelt.

Das Verdienst Trentmanns ist es, das unhistorische Narrativ vom Konsum aufzubrechen. Er zeigt, dass Konsum auch in vorkapitalistischen Zeiten, eigentlich in der gesamten Geschichte der Menschheit und nicht nur in Europa, eine wichtige Rolle spielt. Für ihn ist das Bedürfnis nach Konsumgütern, nach Luxusgütern eine menschliche Konstante. Er belegt das durch die Jahrhunderte mit Beispielen und zeigt die emotionalen, kulturellen, ökonomischen und zivilisatorischen Dimensionen des Konsumverhaltens auf.

Sehr lesenswert ist ein Interview mit Prof. Trentmann auf welt.de. Es ermöglicht einen Überblick über die Geschichte des Konsums. Vor allem aber ist eine Zuspitzung des Nachdenkens wert. Der Interviewer fragt: „Heute nimmt die Kritik am Konsum generell zu. Wäre eine Welt ohne Konsum besser?“ Darauf Trentmann: „Es gibt eine Alternative. Die ist aber sehr unschön und hieß Pol Pot.

Das Buch kostet stolze 40 €. Ich übe Konsumverzicht und bestelle die englische Taschenbuchausgabe. Sie kostet nur 11 €. Amazon liefert innerhalb von 24 Stunden. Ich möchte nicht wissen, wie sich das auf die CO2-Bilanz auswirkt.

Zufällig gefunden, aber zum Thema passend: „Orgien machten das Leben in Germanien erträglich“

Lesetipp: Die Lust an der Schuld

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Ich lese gerade

Antonia Grunenberg, Die Lust an der Schuld. Von der Macht der Vergangenheit über die Gegenwart, Berlin: Rowohlt 2001.

Schon lange suche ich ein Buch über den Umgang der Deutschen mit Auschwitz und dem Holocaust. Was mich an diesem Umgang stört, ich vermeide das Modewort „Diskurs“, weil es gerade diesen darüber nicht gibt, ist, dass er Rechtsextremisten überlassen bleibt. Oder, wenn es kein Rechtsextremist ist, er sofort in diese Ecke gestellt wird, sei es, weil er missverständlich formuliert hat, sei es, dass er missverstanden wird.

So erging es Martin Walser („Auschwitzkeule“) und Philipp Jenninger, der 1988 im Bundestag versuchte, die Begeisterung der Deutschen für Hitler zu erklären. Das wurde prompt als Rechtfertigung missverstanden und er musste als Bundestagsvizepräsident zurücktreten. Ignaz Bubis, Vorsitzender des Zentralrates der Juden verwendete ein Jahr später absichtlich Teile von Jenningers Rede, ohne dass irgendjemand daran Anstoss genommen hätte.

Was ich mir wünschte, wäre eine kritische Analyse des deutschen Schuldkomplexes, die man nicht in die rechte Ecke stellen könnte. Den Rest des Beitrags lesen »

Samuel Schirmbeck vermisst Islamkritik

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Vor über 20 Jahren war Samuel Schirmbeck ein hervorragender, kenntnisreicher ARD-Korrepondent in Nordafrika. (So wie man sich heute die Nahost-Korrespondent/-innen der ARD wünschen würde.)

Er ist inzwischen ein ebenso kompetenter kritischer Beobachter islamischer und islamistischer Aktivitäten in Deutschland geworden. Für ihn ist es bedrückend, islamische Funktionäre zu erleben, die sich für Sonderrechte für Muslime einsetzen und westliche Werte ablehnen. Das hat ihn etwas von seinen islamophilen linksgrünen Freunden aus SPD und Gewerkschaften entfernt.

Die Neue Zürcher Zeitung v. 19.4.17 stellt sein Buch vor: „Der islamische Kreuzzug und der ratlose Westen. Warum wir eine selbstbewusste Islamkritik brauchen“ (via mena-watch)

Siehe im Blog auch hier! (2015)

 

Und schon wieder einen Nazi entdeckt: Rolf Peter Sieferle

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Der ndr kopierte jetzt WDR und Arte und gebar seinen eigenen Zensurfall: Die Anstalt veröffentlicht eine Liste der „Sachbücher des Monats“. Eine Jury von Journalisten vom Deutschlandradio über FAZ, Der Zeit bis  Spiegel und Wissenschaftlern stellt sie zusammen.In der aktuellen Liste hat der in der Jury sitzende Spiegel-Journalist dem Buch „Finis Germania“ (sic!) des verstorbenen Historikers Rolf Peter Sieferle auf Platz 9 verholfen.

Sieferle hat sich in den vergangenen Jahren einen Namen gemacht mit Kritik an der Islamisierung Europas, an den Folgen einer Einwanderung, die das Konzept Multikulturalismus und nicht Integration verfolgt. Er befürchtet den Kollaps des Sozialstaates unter der Belastung der Alimentierung von Millionen Migranten.

Als ob das nicht schon genügte, um in ihm einen Rechtsextremisten zu sehen, wollen Journalist*innen in seinem neuen Buch gelesen haben, dass er vom Mythos Auschwitz spreche. Das ist natürlich ein Todesurteil für den, der das sagt.

Ich habe mich anfänglich gar nicht mit dem angeblichen Skandal befassen wollen. Zu oft jagt die grünlinke Medienelite von TV und Presse angebliche Rechtsextremisten, die ihnen von Antifa, Trotzkisten und Genderisten ans Messer geliefert werden. Die Antifa-Jäger/-innen müssen dazu das entsprechende Buch gar nicht selbst gelesen haben, man schreibt voneinander ab. Das hat mir einmal eine grüne Bundestagsabgeordnete schriftlich gegeben.

Bei Sieferle scheint es auch so gelaufen zu sein. Prof. Sieferle zweifelt keineswegs am Holocaust. Er kritisiert mit dem Wort vom Mythos Auschwitz, dass er in Deutschland so dominant geworden wäre, dass es nichts gibt, für das der Mythos nicht Maßstab geworden sei. Auch in Fragen der Migration. Entweder Willkommenskultur oder Wiederkehr von Auschwitz. Zwischen diesen Polen bewegt sich die Diskussion und werde dem staunenden europäischen Publikum aufgezwungen. Der entlastende Effekt: die Deutschen haben zwar beim Bösen über die Stränge geschlagen, jetzt aber wären sie die führenden Guten.

Irgendwie haftete der Name Sieferle in meinem Gedächtnis. Ein Blick in meine Kindle-E-Book-Liste brachte mich auf die Spur. Ich hatte sein Buch „Dass Migrationsproblem. Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung“ gelesen und fand es hervorragend.

Nachtrag 19.7.17: Roger Letsch zu Finis Germania

Nachtrag 3.8.17: Dirk Maxeiner über Sieferle und sein links-rechtes Querfront-Bild. (Sieferle war im SDS gewesen.)

Wie so oft, das beste zum Schluss: Tobias Sedlmaier in der NZZ

Es ist schade, dass mit Sieferles Bemerkungen eine durchaus sinnvolle Debatte über den Umgang der Deutschen mit Schuld am Holocaust noch unmöglicher geworden ist.

Lesetipp: Manfred Quiring, Putins russische Welt

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Quiring, PutinDas Buch der US-amerikanischen Politologin Karen Dawisha über Putins Kleptokratie hat keine Chance, ins Deutsche übersetzt zu werden, weil die Verlage Angst vor Putins Anwaltskanzleien haben.
Nun hat der Moskau-Korrepondent der (Ost-)Berliner Zeitung und später der Welt, Manfred Quiring, beschrieben, wie in Russland Geheimdienstleute (früher KGB, jetzt FSB), Oligarchen und Mafia-Clans die zarten marktwirtschaftlichen und demokratischen Ansätze der frühen 90er Jahre erst zu ihren Gunsten ausgenutzt und inzwischen beseitigt zu haben.
Das Volk wird mit nationalistischem Getöse zugedröhnt: Siegesfeiern über die Deutschen, Propaganda vom bedrohten, aber überlegenen Russland, Lobpreisung Stalins.
Der Westen gilt als dekadent und russlandfeindlich. Aber die Milliardäre um Putin bringen ihr Geld und ihren Immobilienbesitz gerne auf den Cayman-Inseln und bei panamaischen Banken unter, lassen ihre Kinder an der US-Ostküste studieren und fahren deutsche Edelautos.
Der langjährige Russlandkenner Quiring zitiert immer wieder russische Quellen und kennt aus seiner Korrespondententätigkeit manche Drahtzieher.
Er greift die deutsche Debatte über die angebliche Ost-Erweiterung der NATO auf und geht Satz für Satz durch, warum das eine unsägliche Geschichtsklitterung ist.

Man wünscht sich, dass die Putin-Versteher, allen voran Matthias Platzeck, einen Blick in das Buch werfen. Wenn man russische Sprache, russische Literatur liebt und russische Freunde hat, muss man nicht ständig dem Westen Überheblichkeit und Aggressivität vorwerfen und bei Russland großzügig über alles hinwegsehen.

Ein Gewinn ist, dass Quiring es versteht, Skandale, Morde, unfassbare Geldgeschäfte, Aufstieg und Fall einzelner Personen in den Gesamtzusammenhang der Transformation Russlands von einem hoffnungsvollen Partner des Westens zu einem Failed State a la Somalia und Venezuela zu stellen.

Ein russischer Wissenschaftler hat die Weltmarkterlöse für Rohstoffe mit der russischen Außenpolitik verglichen. Er kommt zu dem Ergebnis, dass immer dann, wenn steigende Preise für Öl und Gas Geld in die Kassen des Kreml spülte, Russland als Aggressor auftrat: Der Beginn des Tschetchenien-Krieges, der Einmarsch in Afghanistan, Krim-Annexion und Ostukrainekrieg fanden in Zeiten hoher Rohstoffpreise statt. Wenn die Kassen leerer wurden, wurde Russland außenpolitisch zahm und nahm auch gerne westliche Kredite in Anspruch.

Das Buch ist eine Dokumentation, kein Kriminalroman. Aber man liest es mit offenem Mund.

Ein Nebeneffekt der Lektüre (nicht nur dieser): Wie gut, dass die Transformation der DDR in eine Marktwirtschaft und Demokratie nicht so verlaufen ist. Es gab zwar Ansätze, einiges lief so. Aber  es war doch eine Nummer kleiner und mit der Eingliederung in die Bundesrepublik blieb Ostdeutschland nicht sich selbst überlassen. Zwar wanderten auch Grundstücke und Häuser preisgünstigst aus Staats- und Parteibesitz an schlaue Kader. Manche Manager verkauften ihren Betrieb an der Treuhand vorbei oder sahen sich plötzlich als Chef einer Agro-GmbH, die sie vorher als LPG-Vorsitzender geleitet hatten.

Die Idee, der Bevölkerung Anteilscheine an den Staatsfirmen zu geben, führte in Russland dazu, dass clevere Unternehmer diese von den ahnungslosen Menschen kauften und so in den Besitz der privatisierten Staatskonzerne kamen. Die Idee gab es auch beim Zusammenbruch der DDR. Und sie wird bis heute glorifiziert. Dumm war nur, dass das Volkseigentum an zum großen Teil maroden, nicht weltmarktfähigen, die Umwelt belastenden Betrieben nicht viel wert war. Und die Abnehmer im Comecon waren weggebrochen oder kauften lieber im Westen.

Wie gut, dass man alles, was schief ging, der Treuhand in die Schuhe schieben kann.

Franz Fühmann

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Von Franz Fühmann kenne ich nur eine einzige Erzählung: „Das Judenauto“. Diese Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Ich denke, ich stieß auf sie Ende der 70er Jahre als Lektürevorschlag für die Schule.

Zur Inhaltsangabe verlinke zu Dieter Wunderlichs Film- und Buchtipps-Seite.

Was mich seinerzeit beeindruckte, war, dass dieser Text eines DDR-Schriftstellers von Juden und Antisemitismus, von der Entstehung eines Vorurteils handelte. Er macht deutlich, dass die Entstehung eines Vorurteils ein komplexer, psychologischer, sozialer Prozess ist. Das, was wirklich ist, und das, was vernünftig ist, spielen dabei keine wesentliche Rolle. Fantasie und Einbildung überlagern oder verfälschen die Realität. Deswegen ist es so schwer, über Vorurteile aufzuklären und sie mit Argumenten und Tatsachen zu widerlegen.

Dass ein solch subtiler Text aus der DDR kam, das fiel mir damals schon auf. Denn der SED war nicht sehr an Juden gelegen, Antisemitismus und Holocaust waren kein Thema. (Jurek Becker – Jakob, der Lügner, Bronsteins Kinder – sind kein Gegenbeweis. Becker war selbst Jude. Sein Drehbuch „Jakob der Lügner“ wurde zuerst einmal von den Kultur-Aufpassern abgelehnt.) Aber es machte mich auch nicht neugierig auf mehr Fühmann. Was er sonst noch geschrieben hatte, war mir nicht bekannt, ich hörte auch nichts darüber.

Was ich wusste, war, dass er einst glühender Nationalsozialist, dann glühender Stalinist und auch später noch überzeugter Sozialist und DDR-Bürger war.

Jetzt stoße ich auf das Buch „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann, hrsg. von Peter Braun und Martin Straub, Göttingen: Wallstein 2016. Es enthält Beiträge mehrerer Autor/-innen zu Begegnungen mit ihm, zu seinem Leben und einzelnen Werken. Sie machen bekannt mit einem großartigen Menschen.

Der ehemalige Jesuitenschüler war wohl ein sehr religiöser Mensch. Seine Hingabe an die links- und rechtsextremen Ideologien ist für mich kein Widerspruch, eher ein Beweis.

Als Kriegsgefangener darf er eine sowjetische Antifa-Schule besuchen. In ihnen sollen Nazis zu Marxisten umerzogen werden. Fühmann wird Lehrgruppenleiter. Ihm wird bescheinigt, für eine leitende Tätigkeit in der SED-Kulturbürokratie oder im Journalismus befähigt zu sein.

Trotz allmählicher Enttäuschung von der (Kultur-)politik der SED, bleibt er Sozialist und versucht, durch konstruktive Kritik, die DDR zu verbessern. Dadurch gerät er ins Visier des MfS. Allein die Devise Mielkes, die Feinde der DDR nicht wegzusperren, sondern sie zu zersetzen und unglaubwürdig zu machen, rettet ihn vor dem Zuchthaus. Der Chef des Hinstorff-Verlages und andere aus Fühmanns Umgebung schreiben Berichte über ihn. Bonzen aus der Kulturbürokratie versuchen, ihn zu beeinflussen.

Fühmann wurde zum Fremdling in seiner Wahlheimat DDR. So formuliert es einer der Autoren des Erinnerungsbandes. Er wurde 1957 Nationalpreisträger, ab 1958 flog er aus allen Ämtern.

Es überrascht nicht, dass die SED auch über „Das Judenauto“ nicht begeistert war. Das entsprach nicht dem holzschnittartigen Narrativ vom antifaschistischen Staat, in dem man wenig für Juden und für Israel übrig hatte und die Erinnerung an den Holocaust den Westdeutschen überließ. Eine solche individuelle, sehr persönliche Annäherung an ein Thema, das in der DDR tabuisiert war, konnte der SED nicht gefallen.

Bei Franz Fühmanns Beerdigung 1984 hatte die Stasi vor der Zeremonie Kränze, die vom Ständigen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland und westdeutschen Verlagen niedergelegt worden zu den Gartenabfällen bringen lassen.

Nachtrag, zwei Stunden später: Ich stehe vor dem Bücherregal und will „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann einsortieren.

Oh, wie peinlich! Da steht „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel. Ein Sprachspielbuch für Kinder von Franz Fühmann“. Wie konnte ich das vergessen. ein wundervolles Buch über Sprache, 1978 im Ostberliner Kinderbuchverlag erschienen. eine Fundgrube für Ideen zum Kreativen Schreiben. Lang ist´s her…

 

Hochaktuell: Gesinnungs- vs Verantwortungsethik

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Max Weber kommt wieder zu Ehren: Seine Unterscheidung von Verantwortungs- und Gesinnungsethik lässt Gutmenschen alt aussehen.

Der Schweizer Lehrer Alain Pichard berichtet von den den grünen und kommunistischen Gesinnungsethiker*innen im Stadtparlament des schweizerischen Biel. Sie machen lieber Welt- statt Kommunalpolitik.

Wieso Pichard mit dieser Auffassung grünliberaler Stadtrat in Biel ist, entzieht sich meinem Verständnis.

Lesetipps:

  • Max Weber, Der Beruf zur Politik, in: Ders., Soziologie, Weltgechichtliche Analysen, Politk, Kröner: Stuttgart 1956, pp 167 -185 (Online aus dem Projekt Gutenberg; was dort Kapitel 2 genannt wird, ist der vollständige Text!)
  • Auszug aus dem o.a. Vortrag: »Gesinnungsethik« versus »Verantwortungsethik«; er wurde 1919 gehalten.