DDR

Wie West-Berlin die sowjetische Blockade und die Stromsperre überlebte

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City out of Darkness von Max Diekhout 1950

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Die DDR unter den zehn führenden Industrieländern der Welt?

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Dieser Fake hielt sich jahrzehntelang im Osten wie im Westen.

Die ostdeutschen Kommunisten platzten vor Stolz. Sie konnten ihren Untertanen und dem Westen so beweisen, wie toll der Kommunismus war.

Die Feststellung kam aus dem Westen. Besser hätte es nicht sein können. Allerdings waren es die SED und ihre Medien, die die Behauptung als erste wieder verschwinden ließen, weil sie, was man im Osten erkannt hatte, nicht stimmte.

Im Westen hielt sie sich noch lange. Für die West-Linken war es der Beweis, dass der Kapitalismus ein Auslaufmodell war. Die anderen wollten sich die DDR schönreden. Die Brüder und Schwestern im Osten konnten so auch ein wenig stolz sein und man brauchte kein allzu schlechtes Gewissen zu haben, dass man in der richtigen Himmelsrichtung wohnte.

Die SED erwähnte den Spitzenplatz der DDR unter den ersten zehn Industrienationen erstmals 1958 und noch zehn Jahre lang.

Angeblich lag es an einer Rangliste der Weltbank. Das stimmt nicht, schreibt der Potsdamer Wirtschaftsprofessor und DDR-Wirtschaftsexperte André Steiner in der Zeitschrift Gerbergasse 18. Bei der Weltbank war es nicht um Industrieproduktion gegangen, sondern um das Bruttoinlandsprodukt. Die DDR rangierte bei der Weltbank zwischen den Plätzen 15 und 20

Allerdings sind die statistischen Probleme beim Vergleich von Wirtschaftsdaten verschiedener Staaten ziemlich groß. Die Statistikämter der Staaten haben unterschiedliche Erfassungsmethoden, eine Umrechnung in eine einzige Währung ist schwierig. Besonders schwer war es bei den sozialistischen Staaten. Die gaben keine Daten oder nicht alle heraus. Daher ließ die Weltbank den Ostblock ab 1980 weg.

Die OECD führte keine solche Statistik. Fündig wurde Steiner bei der UNO. Die aber verglich nur die Zahl der in der Industrie Beschäftigten. Da schnitt die DDR anfänglich noch gut ab. Bald aber schob sich Polen vor die DDR. Allerdings begann sich die westliche Industriegesellschaft in Richtung Dienstleistungsgesellschaft zu entwickeln. Die kommunistische Vorstellung von Stahl und Eisen als Säulen ökonomischer Potenz war veraltet. Die Zahl der Beschäftigten sagte zudem nichts aus über die Produktivität. Man konnte mit weniger Beschäftigten produktiver sein.

Schließlich nahm sich die DDR-Statistikbehörde der These an. Die volkseigenen Statistiker erkannten, dass vergleichbare Daten zwischen Staaten kaum realistisch zu ermitteln waren und sagten das auch. Immerhin konnten sie mit ihren Berechnungen und Schätzungen die DDR auf Platz 10 halten. Sie wollten aber nicht, dass ihre Berechnungen öffentlich wurden. Anscheinend, so meint Steiner, trauten sie ihnen nicht. Ab 1970 sank die DDR bei der Industrieproduktion ab, seit 1984 war sie auf Platz 15.

Die SED sprach fortan nur noch ohne Rangangabe von „einem der führenden Industriestaaten“.

André Steiner, Wie die DDR unter die zehn führenden Industrieländer der Welt geriet, in: Gerbergasse 18, 3/2017, pp 3-7

 

 

Open Air am Brandenburger Tor – früher und heute

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Wer die heute Open-Air-Konzerte am Brandenburger Tor erlebt, kann sich nicht mehr vorstellen, wie das 1987 war, als auf der Westseite ein Konzert stattfand und die Ostberliner Jugendlichen von Stasi und Volkspolizei mit Schlagstock und Elektroschocker abgedrängt wurden.

Ein Beitrag des SFB-Kontraste-Magazins beschäftigt sich mit Rockmusik in der DDR und zeigt Aufnahmen von dem Menschenauflauf 1987.

Voll der Osten: Fotos von Harald Hauswald

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Die Bundesstiftung Aufarbeitung stellt Fotos des Fotografen Harald Hauswald als Poster-Set im Format DIN A1 für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit zur Verfügung.

Auf Hauswald wies ich 2014 schon einmal hin.

60x Deutschland: Wochenschaubeiträge aus Ost und West

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Die Mediathek der Bundeszentrale für politische Bildung hatte ich 2012 vorgestellt. Sie enthält eine Menge interessanter Filme zu den Themen DDR, Deutschlandpolitik und „Wende“.

Neben den damals empfohlenen Filmen erwähne ich heute die Produktion „60x Deutschland“ für jedes Jahr von 1949 bis 1990 (noch bis 2009 weitergeführt). Wochenschaubeiträge aus Ost- und Westdeutschland zusammenstellt. Die Länge ist jeweils 15 Minuten. Z. B. das Jahr 1964.

Es war eines der besten Jahre unter SED-Herrschaft. Die Flucht aus Ostdeutschland konnte Dank der Mauer 1961 weitestgehend gestoppt werden und führte vorübergehend zu einer Konsolidierung. Mit der Regentschaft Erich Honeckers, der Walter Ulbricht stürzte und ab 1971 Erster Sekretär des Zentralkomitees wurde, kam die Planwirtschaft endgültig an ihre Grenzen. Die Kosten der von H. forcierten Sozialpolitik waren von der Zentralverwaltungswirtschaft dauerhaft nicht zu erwirtschaften.

Lang ist´s her, dabei war´s eigentlich gestern.

Die DDR und die Juden

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Im Beitrag Die Juden und die DDR: Neue Linie ab 1988 und mehreren anderen ging es um Antisemitismus und Aufarbeitung des Massenmordes der Nazis an den europäischen Juden in Ostdeutschland.

Im Beitrag Antisemitismus in der DDR und die Folgen wurde auf eine westdeutsche Arbeit verwiesen. Deren Schwäche ist, dass sie Antisemitismus rechts verortet und in der DDR vor allem Antizionismus erkennt.

Hier habe ich jetzt eine umfassende Darstellung (bis 1967) zum Thema entdeckt:

Mario Keßler (1995), Die SED und die Juden – zwischen Repression und Toleranz. Politische Entwicklungen bis 1967

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Der Goldbroiler. Eine Fallstudie zur Planwirtschaft

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Eine Kundenbedürfnisse befriedigende Gastronomie war nicht Herzensangelegenheit der sozialistischen Wirtschaftsplaner. Im Vordergrund stand der Auf- und Ausbau der kollektiven Nahrungsaufnahme in Betriebskantinen, Schulen, Krankenhäusern, Kinderbetreuungseinrichtungen und FDGB-Ferienheimen. Das sollte auch dazu dienen, das individuelle Einkaufen von Lebensmitteln und den Besuch von Gaststätten einzuschränken. Die Versorgungsmängel, sichtbar in leeren Schaufenstern und Regalen wäre weniger erkennbar gewesen. Die Zahl der privaten Gaststätten ging in Berlin in den 60er Jahren um ein Drittel zurück. Die der staatlichen nahm aber nicht zu.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, vor allem frischen, war ein schwieriges Geschäft für die marxistischen Ökonomen.

Nach dem Vorbild der westdeutschen „Wienerwald-Restaurants“ eröffneten 1967 in Ostberlin drei „Goldbroiler“-Gaststätten, in denen gegrillte halbe Hähnchen angeboten wurden. Diese gastronomischen Einrichtungen wurden überrannt. Die industrielle Mastanlage in Königs-Wusterhausen konnte den Bedarf nicht erfüllen, eine weitere musste eingerichtet werden. Die aus England stammenden Grillgeräte brachen im Dauerbetrieb zusammen. Das Personal wechselte wegen der hohen Arbeitsbelastung häufig und reichte auch nicht aus.

Es war wohl nicht möglich, Hähnchen mit einer Standardgröße und einem Standardgewicht zu züchten. Aber es gab den Standardpreis von 3,50 Mark pro Hälfte. Der kostendeckende Preis hätte bei 6 Mark liegen müssen. Der staatliche Zuschuss für die drei ersten Berliner Gaststätten betrug 800.000 Mark. Man ging dazu über, die Hähnchen nach Gewicht zu verkaufen…

Patrice G. Poutrus, Die Erfindung des Goldbroilers. Über den Zusammenhang zwischen Herrschaftssicherung und Konsumentwicklung in der DDR

Köln 2002, digital erfasst in: Zeithistorische Studien / Die Erfindung des Goldbroilers. Über den Zusammenhang zw. Herrschaftssicherung und Konsumentwicklung in der DDR (Band 19)

Lese-Vorschlag: Die Seiten 201 – 226

Siehe auch u. a. im Blog: Tentmann, Die Herrschaft der Dinge und Suchergebnis „Planwirtschaft“

Nachtrag: Über die Produktion von Streichholzschachteln in Kuba schreibt Klaus Leciejewski. Es ist keine Satire, sondern eine exakte Beschreibung von Planwirtschaft!

Kabarett im Sozialismus

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Für die wenigen Kabarettisten muss eine Sisyphusarbeit gewesen sein. Wie kann man den Sozialismus mit Satire befördern? Für die SED waren Satire und Kabarett kein willkommener Begleiter auf dem Weg zum Kommunismus.

Kontrolliert wurden die Texte und Lieder von der allerersten Ideenskizze bis zur Kontrolle in der Aufführung. Dabei hatten die Texter die Schere schon im Kopf. Ihnen war auch klar, dass die zuständigen Kader zuallererst an sich selbst und ihre Karriere dachten, wenn sie strichen oder Veränderungen verlangten. Deswegen lieferten die Kabarettisten passende Parteitagsbeschlüsse und Marxzitate mit, mit denen das Programm gerchtfertigt werden konnte.

Die zuständigen Kader saßen im Rat der Stadt, im Rat des Bezirks, in den jeweils parallelen Parteigremien und im lokalen MfS. Letzteres stützte sich auch auf Zuträger aus der jeweiligen Direktion.

Ganz verhindern konnte man Satire und Kabarett nicht, obwohl die Obrigkeit lieber Humor und Witze statt Satire gehabt hätte. Die Systemkonkurrenz verlangte es: In Berlin (West) gab es die „Stachelschweine“. Die Antwort des Ostens waren die „Stacheltiere“, eine kurzlebig DEFA-Filmreihe (Folge 41).

Wem das noch nicht reicht, hier die ausführliche Monographie dazu:

Sylvia Klötzer, Satire und Macht. Film, Zeitung, Kabarett in der DDR, Köln 2006

Im DDR-Museum gab es dazu 2014 eine Veranstaltung