DDR

Das Kino International in Berlin

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Es gibt sie, die Beispiele der architektonischen Ostmoderne. Hier ein weiteres: Das Kino International in Berlin, eröffnet 1963 in der 1961 von Stalinallee in Karl-Marx-Allee umbenannten Straße in der Nähe des Alexanderplatzes.

Kino International Berlin
Foto: Daniel Horn, Yorck Kinogruppe

In Monumente, der schönen Zeitschrift der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, steht mehr darüber.

 

Franz Fühmann

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Von Franz Fühmann kenne ich nur eine einzige Erzählung: „Das Judenauto“. Diese Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Ich denke, ich stieß auf sie Ende der 70er Jahre als Lektürevorschlag für die Schule.

Zur Inhaltsangabe verlinke zu Dieter Wunderlichs Film- und Buchtipps-Seite.

Was mich seinerzeit beeindruckte, war, dass dieser Text eines DDR-Schriftstellers von Juden und Antisemitismus, von der Entstehung eines Vorurteils handelte. Er macht deutlich, dass die Entstehung eines Vorurteils ein komplexer, psychologischer, sozialer Prozess ist. Das, was wirklich ist, und das, was vernünftig ist, spielen dabei keine wesentliche Rolle. Fantasie und Einbildung überlagern oder verfälschen die Realität. Deswegen ist es so schwer, über Vorurteile aufzuklären und sie mit Argumenten und Tatsachen zu widerlegen.

Dass ein solch subtiler Text aus der DDR kam, das fiel mir damals schon auf. Denn der SED war nicht sehr an Juden gelegen, Antisemitismus und Holocaust waren kein Thema. (Jurek Becker – Jakob, der Lügner, Bronsteins Kinder – sind kein Gegenbeweis. Becker war selbst Jude. Sein Drehbuch „Jakob der Lügner“ wurde zuerst einmal von den Kultur-Aufpassern abgelehnt.) Aber es machte mich auch nicht neugierig auf mehr Fühmann. Was er sonst noch geschrieben hatte, war mir nicht bekannt, ich hörte auch nichts darüber.

Was ich wusste, war, dass er einst glühender Nationalsozialist, dann glühender Stalinist und auch später noch überzeugter Sozialist und DDR-Bürger war.

Jetzt stoße ich auf das Buch „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann, hrsg. von Peter Braun und Martin Straub, Göttingen: Wallstein 2016. Es enthält Beiträge mehrerer Autor/-innen zu Begegnungen mit ihm, zu seinem Leben und einzelnen Werken. Sie machen bekannt mit einem großartigen Menschen.

Der ehemalige Jesuitenschüler war wohl ein sehr religiöser Mensch. Seine Hingabe an die links- und rechtsextremen Ideologien ist für mich kein Widerspruch, eher ein Beweis.

Als Kriegsgefangener darf er eine sowjetische Antifa-Schule besuchen. In ihnen sollen Nazis zu Marxisten umerzogen werden. Fühmann wird Lehrgruppenleiter. Ihm wird bescheinigt, für eine leitende Tätigkeit in der SED-Kulturbürokratie oder im Journalismus befähigt zu sein.

Trotz allmählicher Enttäuschung von der (Kultur-)politik der SED, bleibt er Sozialist und versucht, durch konstruktive Kritik, die DDR zu verbessern. Dadurch gerät er ins Visier des MfS. Allein die Devise Mielkes, die Feinde der DDR nicht wegzusperren, sondern sie zu zersetzen und unglaubwürdig zu machen, rettet ihn vor dem Zuchthaus. Der Chef des Hinstorff-Verlages und andere aus Fühmanns Umgebung schreiben Berichte über ihn. Bonzen aus der Kulturbürokratie versuchen, ihn zu beeinflussen.

Fühmann wurde zum Fremdling in seiner Wahlheimat DDR. So formuliert es einer der Autoren des Erinnerungsbandes. Er wurde 1957 Nationalpreisträger, ab 1958 flog er aus allen Ämtern.

Es überrascht nicht, dass die SED auch über „Das Judenauto“ nicht begeistert war. Das entsprach nicht dem holzschnittartigen Narrativ vom antifaschistischen Staat, in dem man wenig für Juden und für Israel übrig hatte und die Erinnerung an den Holocaust den Westdeutschen überließ. Eine solche individuelle, sehr persönliche Annäherung an ein Thema, das in der DDR tabuisiert war, konnte der SED nicht gefallen.

Bei Franz Fühmanns Beerdigung 1984 hatte die Stasi vor der Zeremonie Kränze, die vom Ständigen Vertreter der Bundesrepublik Deutschland und westdeutschen Verlagen niedergelegt worden zu den Gartenabfällen bringen lassen.

Nachtrag, zwei Stunden später: Ich stehe vor dem Bücherregal und will „Ins Innere. Annäherungen an Franz Fühmann einsortieren.

Oh, wie peinlich! Da steht „Die dampfenden Hälse der Pferde im Turm von Babel. Ein Sprachspielbuch für Kinder von Franz Fühmann“. Wie konnte ich das vergessen. ein wundervolles Buch über Sprache, 1978 im Ostberliner Kinderbuchverlag erschienen. eine Fundgrube für Ideen zum Kreativen Schreiben. Lang ist´s her…

 

Sozialistisches Musterdorf Mestlin

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Die SED verlor während der Kollektivierung der Landwirtschaft die kulturelle Grundversorgung der Landarbeiter/-innen nicht aus den Augen. Dazu dienten die Kulturhäuser.

Glücklicherweise wurde das im sozialistischen Musterdorf Mestlin in Mecklenburg-Vorpommern erhalten und restauriert.

Unbekannte Ostmoderne: Kirchenneubauten

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Walter Ulbricht fuhr noch durch sein Land und befahl Kirchensprengungen. Erich Honecker, der Ulbricht gestürzt hatte, trat moderater auf. Ende der 70er und in den 80er Jahren durften im atheistischen Ostdeutschland Kirchen neu gebaut werden. Ca. 90 wurden es.

Die Kommunisten mussten lernen, dass es ihnen nicht gelang, die Religion, das „Opium für das Volk“, verschwinden zu lassen. Nicht zuletzt hatte die – nicht sehr verbreitete –  katholische Kirche durch den Vatikanstaat nicht unerhebliche Rückendeckung. die evangelische Kirche versuchte, sich mit der Parole von „Kirche im Sozialismus“ anzupassen. Trotz aller alltäglicher Schikanen für Christen, in der Schule und bei den beruflichen Karrierechancen, musste die SED die Kirchen aushalten.

Dazu kam, dass die beiden Konfessionen mit den westdeutschen Bruderkirchen „big spender“ hatten. Bei allen westlichen Geld- und Warenlieferungen für die Gemeinden schrieb die SED den Umrechnungskurs 1:1 vor. Am Kirchenneubau verdienten die staatlichen Baustofflieferanten und die Baukombinate. Je teurer die aus dem Westen gelieferten Materialien waren, desto mehr profitierte auch Schalk-Golodkowskis Koko.

So ist es kein Wunder, dass ansehnliche Kirchenneubauten entstanden, sogar in den neuen Trabantenstädten wie Berlin-Marzahn. Wenn auch eher am Rand als in der Mitte.

Die Zeitschrift Monumente der Deutschen Stiftung Denkmalschutz widmet den Kirchenneubauten in der DDR einen Bericht in der Ausgabe 3, Juni 2017

Dennoch sollten Abriss und Sprengung von Kirchen nicht vergessen werden. Das Dach der mächtigen Georgenkirche in Wismar, der größten deutschen Backsteinkirche, wurde im 2. Weltkrieg stark beschädigt. Bemühungen um den Wiederaufbau scheiterten am Unwillen der Kommunisten. Immerhin konnten der weitere Verfall und der Abriss der Ruine verhindert werden. Sie überdauerte die DDR. Nach deren Ende wurde die Kirche wieder aufgebaut. Auch darüber hat Monumente, mit vielen beeindruckenden Fotos, berichtet.

Circa 1.000 Tote an den Grenzen der DDR

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327 Menschen sind an der Zonengrenze, der innerdeutschen Grenze, in den 40 Jahren der Existenz der Deutschen Demokratischen Republik gestorben. Diese Zahl steht in der neuen Untersuchung von Jochen Staadt und Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat der FU Berlin. Sie haben fünf Jahre recherchiert. Nur noch eine Handvoll Todesfälle sind ungeklärt.

Wenn man die 139 Toten an der Berliner Mauer, die 39 vor dem Mauerbau an der Sektorengrenze Getöteten (plus 100 Verdachtsfälle), die bei der Flucht über die Ostsee (26 sind bekannt) und die an den Außengrenzen der DDR Getöteten addiert, sind es ca. 1.000 Tote.

In Tschechien hält man nicht viel von der Aufarbeitung der Verbrechen der Grenzsoldaten

Die DDR lebt! (16): Biermann ist wieder unerwünscht in Ostberlin

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Bei der kleinen Sammlung „Die DDR lebt“ mit Beispielen für das Weiterleben kommunistischer Weltsicht in den neuen Bundesländern nach der sog. Wende beendete ich mich Nr. 8 das Zählen, fand aber weitere Beispiele. Ich mache jetzt einfach mit Nr. 16 weiter: Biermann ist wieder einmal unerwünscht.

Längere DDR-Dokumentationen und Spielfilme

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Die Klasse – 1961, Dokumentation mit Spielszenen.

Schüler, denen in Ostberlin der Besuch der EOS, der zum Abitur führenden Oberstufe, versagt wurde, gehen in Berlin (West) aufs Gymnasium. Es gab eigens eingerichtete „Ostklassen“. 1961, kurz vor dem Abitur, werden sie vom Mauerbau überrascht.

Die Kritik (FAZ) lobt das Dokudrama von 2015.


Romeo – DDR-Spionage in Westdeutschland, mit Martina Gedeck

Nicht verwechseln mit Timothy Gorton Ashs Buch gleichnamigen Buch!


Der heimliche Blick – Wie die DDR sich selbst beobachtete 2015, 44 Min.

Aufnahmen aus dem DDR-Alltag, die nicht veröffentlicht wurden.


Stasi-Mediathek der Stasi-Unterlagenbehörde


Der Filmemacher Gerd Keil hat alle seine Filme, die meisten haben den Schwerpunkt DDR,auf einem Youtube-Kanal gestellt: über Spionage, Zwangsadoption, Stasi, Honecker und Genossen, Vereinigung, Unterricht über die DDR.

Unbedingt Gerd Keils Webseite ansehen! Sein Fluchtversuch wurde der Stasi von seinem Vater und seinem Bruder verraten.


Siehe auch die Literatur- und Medienliste „Ampelmännchen und Todesschüsse“!

Fake-News 1969: Die Stones spielen auf dem Dach des Springer-Hochhauses

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Im RIAS wurde die Nachricht, die ein gut erfundenes Gerücht war, verbreitet.

Die Stasi jagte über 2.500 Jugendliche, die sich versammelt hatten, durch Ostberlin, verhaftete, verprügelte, wies in Jugendwerkhöfe und Zuchthäuser ein.

Berliner Zeitung Online,  5.6.2014

DDR-Spitzenleistung: 5 km Barockfassaden in Potsdam beseitigt!

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Es sollte eine moderne sozialistische Großstadt entstehen. Dazu brauchte man den Hochhausklotz des Interhotels und den massigen Gebäudekomplex von Institut für Lehrerbildung (Fachhochschule), Staudenhofwohnblock und Stadtbibliothek, unter dem ganze Quartiere der Altstadt verschwanden.

Es gab auch in der DDR Phasen, in denen kriegsbeschädigte Häuser phantasievoll eine barockisierende Fassade erhielten. Hinter erhaltenen Barockfassaden wurden moderne Wohnungen eingerichtet. Es gab auch eine Denkmalschutzliste und Denkmalschutzgesetze.

Im Interhotel konnten Devisengäste eine Knobelsdorff-Suite mieten, benannt nach dem Architekten von Sanssouci und der Französischen Kirche. Auch wurden die Lamellen an der Außenfassade der Fachhochschule, die die Wucht des Gebäudes mildern sollten, in „Potsdam-Gelb“ gestrichen. Aber überwiegend wurde abgerissen, u. a. die Garnisonkirche, die Heiliggeistkirche und das Stadtschloss. Das Theodor-Storm-Haus fiel im Spätsommer 1989 der Spitzhacke zum Opfer. Der Künstler Bob Bahra und andere hatten vergeblich protestiert. Das schon halb verfallene Holländische Viertel erblühte nach der Friedlichen Revolution zu neuem Leben.

Ca. 5 Kilometer barocke Hausfassaden ließ die SED in Potsdam abreißen. Womit wieder einmal bewiesen wäre, dass es sich in einer Diktatur leichter regieren lässt. Denn der Protest dagegen war in der Deutschen Demokratischen Republik sehr überschaubar und brachte den Protestierenden mindestens die Überwachung durch die Stasi.

Wenn heute in Potsdam über den Abriss des Hotelhochhauses oder Fachhochschule aus DDR-Zeiten diskutiert oder er gar beschlossen wird, erhebt sich ein vielstimmiger Aktivistenchor. Dazu zählen Architekten, die lieber modern bauen wollen, d. h. Waschbeton und fassadenlose Wohn- oder Büroquader mit französischen Fenstern, oder Kunsthistoriker und Journalisten, die Potsdamern vorwerfen, dass sie nicht so gebildet sind wie sie, und daher die Schönheit der DDR-Bauten nicht goutieren könnten. Der Vollständigkeit halber nenne ich noch die DDR-Nostalgiker und die Alt- und Neukader der Linkspartei, die mit der Kritik am „Barockfaschismus“ auch gleich den aus Westdeutschland importierten Kapitalismus geißeln können.

Siehe auch Märkische Allgemeine: „Der Fall des Theodor-Storm-Hauses“.

Anm.: Von den 5 km Abrisslänge habe ich gelesen, finde aber keinen Beleg mehr. Für Hinweise bin ich dankbar.

Zwangsarbeit im Gefängnis Hoheneck

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Volker Schlecht und Alexander Lahl arbeiteten an einer Graphic Novel über eine Frau, die über die Ostsee aus der Deutschen Demokratischen Republik fliehen wollte und im Frauengefängnis Hoheneck landete. Dazu führten sie Interviews durch und daraus enstand dieser Kurzfilm. Zwei Frauen berichten aus dem Off zu animierten Bildern aus der Graphic Novel über ihren Gefängnisalltag.

Der Film „Broken“ bekam einen Preis auf dem Sundance Film Festival 1917.

Ebenfalls von Alexander Lahl (und Max Mönch): Treibsand. Eine Graphic Novel aus den letzten Tagen der DDR