DDR

Im Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen

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Webseite der Stiftung Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen

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1989: Betrügerischer Bankrott der SED

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Im Blogbeitrag „Zentralverwaltungswirtschaft“ wiedergelesen:

Bei allen Fehlern, die der Bundesregierung und insbesondere der Treuhand nach der Friedlichen Revolution nachgesagt werden: Hier, in der Zentralverwaltungwirtschaft, und nicht bei der Treuhand liegt der Grund für den Zusammenbruch der DDR. Die SED war 1989 darüber informiert, dass ihr Staat nur durch eine drastische Reduzierung des Lebensstandards, eine Preissteigerung bei den Gütern des täglichen Bedarfs, realistische Mieten, Abbau der Sozialleistungen usw. zu retten gewesen wäre. „Das hätte 1989 zu einer gewaltsamen Explosion geführt. Also machte man den Laden dicht. Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Die Verantwortlichen schlichen sich davon und überließen die Probleme den Insolvenzverwaltern.“

Aus: DDR-Führer, Alltag eines vergangenen Staates in 22 Kapiteln, p. 69, Berlin 2008

Es ist das knappe, aber höchst informative Buch zur Dauerausstellung des DDR-Museums in Berlin. Es könnte ohne Weiteres Grundlage für Schulunterricht über die DDR werden. Inzwischen gibt es eine Neuauflage.

Die Diktatur der Kellner

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„Sie haben keine Ahnung, welch elendes Leben man unter der Diktatur von Kellnern, Klempnern und Taxifahrern führt. Es mag frivol klingen, aber es ist die Wahrheit: Ich habe unter der Stasi weniger gelitten als unter den Kellnern, Klempnern und Taxifahrern. Die Stasi konnte ich ignorieren, ich brauchte sie nicht.“

Aus: Monika Maron, Zonophobie, in: Kopfnuss 1, Essays über Kultur und Politik, Berlin 1993, pp. 54-60

Mehr von Monika Maron hier

Was man in der DDR nicht von Tucholsky lesen durfte

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Tucholsky-BriefmarkeGerhard Zwerenz schrieb 1989 einen Text über die Tucholsky-Zensur in der DDR. Zwerenz war 1957 aus der SED ausgeschlossen worden und suchte Schutz in Westdeutschland. Er blieb unbequem: Auf einer PDS-Liste war er in den 90ern Mitglied des Deutschen Bundestages, später empfahl er, die Linkspartei zu wählen.

Die ostdeutsche Tucholsky-Gesamtausgabe war eine bibliophile Kostbarkeit des Verlages Volk und Welt auf „luxuriösem Papier“. Sie war billig, 600 Seiten für 15 DDR-Mark. Wogegen die zehnbändige Taschenbuchausgabe von Rowohlt, die, ähnlich wie die Brecht-Taschenbuchausgabe von Suhrkamp, bei häufigem Gebrauch zerfiel und zur Loseblattsammlung wurde. Sie kostete meiner Erinnerung nach fast 100 D-Mark.

Zwerenz vergleicht die sozialistische Tucholsky-Ausgabe mit einem opulenten Mahl. Dann aber merke man: der Suppe fehle Salz, dem Braten die Würze, dem Salat ein Schuss Zitronensaft.

T. hatte über einen frühen Sowjetunion-Reisenden geschrieben, einen glühenden Verehrer Lenins und der Oktoberrevolution, der das Land mit einer rosaroten Brille bereiste. Tucholsky äußert sich keineswegs antisowjetisch, mahnt aber mehr Realismus an. Das durften die Herausgeber den Lesern in der DDR nicht zumuten. Tucholskys Ironie fiel der Zensur zum Opfer: Sogar der Sonnenschein, so schrieb er, ginge auf den Einfluss Lenins zurück.

Auch dies fehlt: Tucholsky erzählte einen Witz: Auf einem Wagen saßen Vertreter verschiedener politischer Parteien. Als der Wagen steckenblieb, geschah folgendes: Der Deutschnationale schoß den Chauffeur nieder, der Zentrumsmann sagt: „Mit Gott!“ und blieb sitzen, der Demokrat schlug vor, eine große Koalition zu bilden, der Mehrheitssozialist wollte den Karren aus dem Dreck ziehen, ließ aber keinen aussteigen, die Unabhängigen schimpften und die Kommunisten gaben gute Ratschläge, brüllten aber so, dass sie kein Mensch verstand.“ Dieser Witz war im Leseland DDR nicht erlaubt.

Zwerenz´Text steht in einem längeren, schon etwas vergilbten Zeitungsartikel. Es gibt noch mehr zensierte Stellen. Ich fand ihn, als ich in meiner Rowohl-Tucholsky-Ausgabe etwas nachschlagen wollte.

Westarbeiter in der DDR

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Die SED ließ sich Ende der 70er Jahre von der westdeutschen Hoechst AG in Schkopau bei Halle ein hochmodernes PVC-Werk bauen. Die SED war dazu weder technologisch noch finanziell in der Lage.

Die Baukosten von 1,3 Milliarden D-Mark wurden dadurch bezahlt, dass 80% des produzierten PVC an die Hoechst AG geliefert wurden. Über 2.000 westdeutsche Arbeiter und Ingenieure bauten es und konnten es Honecker zwei Monate früher als geplant übergeben. Innerhalb von 8 Jahren war das Werk dann abbezahlt. Dann kam der Zusammenbruch der DDR.

Für die Stasi war die Überwachung der Westdeutschen eine gewaltige Aufgabe.Wenn die Beziehungen zwischen einem Westdeutschen und einer Ostdeutschen zu eng wurden, verlangte das MfS den Austausch des Mannes. Das ging reibungslos, erzählt der westdeutsche Personalleiter, denn als Kompensation konnte man dafür Vergünstigungen an einer anderen Stelle erreichen.

Die meisten Arbeiter verschwanden ab Freitagnachmittag in den Westen. Mit längeren Arbeitszeiten und Doppelschichten konnte man lange Wochenenden herausholen. Einige wenige zogen mit der Familie in Neubauwohnungen in Halle-Neustadt, auf die DDR-Bewohner dann noch drei Jahre länger warten mussten.

Der Film Bau auf, bau auf – Westarbeiter in der DDR(43 min) erzählt die Geschichte des Projekts.

Auch der Versandhandel rettete die DDR nicht

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Die unschönen Schlangen vor den Geschäften trübten das Bild vom Arbeiter-und-Bauern-Paradies DDR. Um das zu verhindern, verfielen die Planwirtschaftsbürokraten  auf die Idee, einen Versandhandel aufzuziehen.

Was auf den ersten Blick kompatibel mit Zentralverwaltungswirtschaft scheint, erwies sich für die SED als Reinfall.

Auf zwei Millionen Kunden brachte es der „Konsument“-, später „Centrum“-Versandhandel. Vor allem die Landbevölkerung war angetan. Von der Kittelschürze für die LPG-Bäuerin bis zum Overall für den Traktoristen gab es Nützliches für den Alltag.

Aber während die Nachfrage stieg, kam man mit dem Angebot nicht hinterher. Weder reichten die Bestände, noch wurde das Angebot vergrößert. Schließlich war etwa die Hälfte der bestellten Waren nicht lieferbar.

Am 13. August 1976, dem Jahrestag des Mauerbaus, wurde der Versandhandel eingestellt.

Erfolgreicher war der GENEX-Geschenkdienst. Er wurde der Kommerziellen Koordination (KoKo) des Außenhandelsministeriums unter Leitung von Stasi-Oberst Schalck-Golodkowski unterstellt. Die KoKo war ein riesiges Schattenimperium. Sie betrieb Waffenhandel, unterstützte die DKP finanziell, beschaffte Embargoware, exportierte enteignete Kunstgegenstände und Antiquitäten, versorgte die SED-Oberschicht mit westlichen Konsumgütern und importierte Sondermüll.

GENEX war als Geschenkdienst mit dem Einverständnis der Bundesregierung für die Kirchen in der DDR gegründet worden. Die DDR weitete das Verfahren aus. Bundesbürger konnten über die Genexfirmen in Dänemark und der Schweiz, später auch in Westdeutschland, DDR-Bewohnern schenken, was in einem Katalog verzeichnet war. Zu 90% waren es Güter aus der DDR-Produktion, darunter auch Motorräder, Autos und Möbel. Alles, auch Autos, wurde nach wenigen Wochen geliefert. Natürlich musste   der Kaufpreis in D-Mark entrichtet werden. Mehrere tausend Wartburgs wurden so jährlich verkauft. Hinter diesem Versandhandel stand die Notwendigkeit, Devisen zu erwirtschaften.

Groß war der Unmut der DDR-Bewohner, die keine Westverwandten oder keinen Zugang zur D-Mark hatten.

Wer im Ausland beschäftigt war, erhielt ein Genex-Konto, mit dem er aus einem Ost-Genex-Katalog zwar keine Westwaren, aber schwer erhältliche Güter, wie z. B. Fliesen, Schlagbohrmaschinen und auch Autos, kaufen konnte.

(nach Der Spiegel, Wikipedia „Genex“ und „Kommerzielle Koordination“)

Frank Trentmann: Die Herrschaft der Dinge

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Der in Groß-Britannien lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat eine faszinierende Weltgeschichte geschrieben: Die Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Es ist eine enzyklopädische Geschichte des Konsums rund um die Welt.

Das von mir benutzte Taschenbuch umfasst 850 Seiten, davon 700 Seiten Text. Es geht um Konsum, um die Lust auf Dinge, auf kostbare Kleidung, schöne Möbel, exotische Früchte und Waschmaschinen. Lust auf Konsum beginnt nicht erst in der Renaissance, schon die Frachtschiffe der Römer schafften die Dinge heran, die die Bewohner der Hauptstadt begehrten. Man erfährt viel Neues, z. B. über die ersten Warenhäuser, über erste Werbung, Marketing und Konsumentenkredite oder über das Luxusgut Kakao.

Es ist nicht der westliche Kapitalismus, der zum Konsum verführt. Trentmann erzählt gut lesbar vom Konsum in Japan, China, in Hitlerdeutschland und in kommunistischen Diktaturen. Letzteres interessiert mich natürlich besonders. Trentmann macht deutlich, dass die kommunistischen Herrscher in mehrfacher Hinsicht mit dem Bedürfnis ihrer Untertanen nach Konsumgütern nicht klarkamen. Die Ideologie ging davon aus, dass in einer sozialistischen Gesellschaft die Entfremdung der Menschen von der Arbeit aufgehoben sei. Der Mensch verwirkliche sich in der nicht mehr entfremdeten Arbeit. Eine Flucht in das Privatleben, in die Freizeit und eben den Konsum wäre nicht mehr notwendig. Die Proletarier folgten dem nicht.

Es war nicht allein die Verlockung der westlichen Konsumgesellschaft, die den Kommunismus kollabieren ließ. Den Rest des Beitrags lesen »

Wie in der DDR? Kann doch nicht sein? Doch!

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In der Tagesschau lässt die ARD stolz verkünden, dass sie ein Sparprogramm verabschiedet hat und jetzt prüfen lässt. Sogar bei den Pensionen der Mitarbeiter werde gekürzt.

Gerade zuvor hatte ich, allerdings nicht in der Tagesschau-App, sondern bei der Konkurrenz, einer Zeitung, gelesen, dass die Pensionserhöhung bei den ö.-r. Anstalten ein Skandal sei, angesichts der üppigen Gehälter und den ständigen Erhöhungen der Rundfunksteuer. Sie wollen in acht Jahren 2 Milliarden einsparen. Das sind 250 Mio pro Jahr, bei 8 Mrd Einahmen pro Jahr. Das sind 3 % im Jahr. Eine Erhöhung der Rundfunksteuer ist aber gleichzeitig vorgesehen.

Die Pensionen steigen regelmäßig um 1 % im Jahr. Das wurde sogar vom sozialistischen Ministerpräsidenten Ramelow kritisiert.

Kann es sein, dass der „Staatsrundfunk“, wie der Sprecher der Bundesregierung, Bela Anda, ihn nennt, sich in den Nachrichten eine eigene Welt schafft? Die nichts mit der Realität draußen zu tun hat? So, wie es in der DDR war? Da gab es keine freie Presse und keinen staatsfernen Rundfunk. Alle berichteten das von der Partei Vorgegebene.

In Kommentaren im Internet schreiben Menschen, die in der DDR gelebt haben, dass die Medien der Berliner Republik sie an die DDR-Medien erinnern.

Ich sträubte mich früher dagegen, wenn es gewieften Kommunisten gelang, ihr System im besseren Licht erscheinen zu lassen, trotz aller Repression, fehlender Meinungsfreiheit, trotz aller Mängel des Wirtschaftssystems und der dogmatischen Ideologie. Sie fanden immer Flecken auf der weißen westdeutschen Weste, ein „Terrorurteil“ der BRD-Justiz gegen einen aufrechten Kommunisten, ein Berufsverbot, die Not der Flaschen sammelnden Alten, Armen und Wohnungssuchenden. Sie stritten Verfehlungen in der DDR gar nicht ab, sondern erfanden oder übertrieben Missetaten des Westens.

Daher fiel es mir bisher schwer, die gelenkten ostdeutschen Zeitungen und das Fernsehen mit der westdeutschen Medienlandschaft gleichzusetzen.

Zwar fiel mir auch auf, dass in der Bewertung der Flüchtlingskrise allein die Willkommenskultur im Mittelpunkt statt. Dass ein Migrationshintergrund bei Straftaten verschwiegen wurde, dass man bei Straftaten gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsheime jahrelang Landkarten mit Fähnchen und lange Tabellen zu sehen bekam, auf denen jede einzelne Tat festgehalten worden war, aber nicht bei Vergewaltigung und Mord durch Asylbewerber. Trump wurde auf Titelbildern mehrerer Zeitungen einhellig als Hitler-Wiedergänger dargestellt. Bei der Berichterstattung über die AfD gaben viele Journalisten ihre Sorgfalt, Ausgewogenheit und Sachlichkeit auf und wurden selbst zu Aktivisten, wie Frau Reschke oder Frau Slomka.

Dasselbe gilt für den menschengemachten Klimawandel, wo eine Einheitsmeinung zur Alleinschuld von CO2 an Vogelsterben, Starkregen, Tsunamis und schmelzendem Grönlandeis vorzuherrschen scheint, über den Nahostkonflikt, wo die Israelis die Störenfriede sind, die immer zuerst schießen.

Der Einfluss von Politikern auf ARD/ZDF ist allerdings lange bekannt. Egal, ob Berichte über einen im ARD-Studio tobenden Minister Gabriel oder am Telefon drohenden Ministerpräsidenten Wulff wahr sind oder nicht.

Mein Glaube an die Unterscheidbarkeit der Medienlandschaft der Bundesrepublik von der ostdeutschen Einheitspresse ist erschüttert.

Ich habe inzwischen Menschen gefragt, die in der DDR gelebt haben und die meiner Einschätzung nach weder rechtsextrem noch DDR-Verteidiger sind. Sie sagen unumwunden, die derzeitige Presse- und TV-Landschaft erinnere sie an die DDR.

Volk: rechts- oder linksradikaler Begriff?

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Wer zurzeit von Volk redet, läuft Gefahr, dass der Verfassungsschutz gerufen wird. Denn nur „rechtsradikale Arschlöcher“ (SPD-Rechter Johannes Kahrs) nehmen angeblich das Wort in den Mund.

Eigentlich eine überraschende Wende. Ich erinnere mich an den inflationären Gebrauch des Wortes bei Kommunisten: Volkspolizei, volkseigener Betrieb, Volksrepublik. Bei letzterem kommt es sogar zur Verdopplung, weil mit Republik auch schon das Volk gemeint ist.

DDR-„Seenotrettung“ in der Ostsee

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Einer, der dabei war, hat seine Erinnerungen aufgeschrieben: Wolfgang Rätzer, Mayday. Seenotretter über ihre dramatischsten Einsätze.

Über 4.000 Schutzsuchende wurden verhaftet, 174 kamen zu Tode. Die DDR-Seenotretter, widerwillig von der SED auf Grund internationaler Regelungen geschaffen, wurden vor einem Notfalleinsatz vom MfS kontrolliert. Das dauerte 20 Minuten.

Autor Wolfgang Rätzer verzichtete darauf, Kapitän in der Handelsschifffahrt zu werden, deshalb ging er zur Seenotrettung.

Seiner Lebensleistung als DDR-Bewohner zolle ich mehr Respekt als der eines Linken-Politikers Thomas Nord.

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