DDR im Unterricht

31 Mio aus SED-Vermögen an Brandenburg

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Nach jahrelangem Rechtsstreit konnten jetzt wieder 185 Mio € aus im Ausland verstecktem „SED-Vermögen“ sichergestellt werden. Davon kommen dem Land Brandenburg 31 Mio zugute. Der sozialistische Finanzminister will sie vorrangig in die Breitbandverkabelung stecken.

Es wäre ja auch überraschend gewesen, wenn das SED-Geld für die von der SED Verfolgten genutzt worden wäre, für die Verstärkung der psychologischen Betreuung und für die Gedenkstätten. Oder für Literatur über die DDR für die Schulbibliotheken Brandenburgs. Den Rest des Beitrags lesen »

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1989: Betrügerischer Bankrott der SED

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Im Blogbeitrag „Zentralverwaltungswirtschaft“ wiedergelesen:

Bei allen Fehlern, die der Bundesregierung und insbesondere der Treuhand nach der Friedlichen Revolution nachgesagt werden: Hier, in der Zentralverwaltungwirtschaft, und nicht bei der Treuhand liegt der Grund für den Zusammenbruch der DDR. Die SED war 1989 darüber informiert, dass ihr Staat nur durch eine drastische Reduzierung des Lebensstandards, eine Preissteigerung bei den Gütern des täglichen Bedarfs, realistische Mieten, Abbau der Sozialleistungen usw. zu retten gewesen wäre. „Das hätte 1989 zu einer gewaltsamen Explosion geführt. Also machte man den Laden dicht. Das Ende der DDR trug alle Züge eines betrügerischen Bankrotts. Die Verantwortlichen schlichen sich davon und überließen die Probleme den Insolvenzverwaltern.“

Aus: DDR-Führer, Alltag eines vergangenen Staates in 22 Kapiteln, p. 69, Berlin 2008

Es ist das knappe, aber höchst informative Buch zur Dauerausstellung des DDR-Museums in Berlin. Es könnte ohne Weiteres Grundlage für Schulunterricht über die DDR werden. Inzwischen gibt es eine Neuauflage.

Das Jugendwiderstandsmuseum in Berlin

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Jugendwiderstandsmuseum

In der Galiläakirche in Berlin-Friedrichshain gibt es eine kleine ständige Ausstellung zum Jugendwiderstand in der DDR.

Die Kirche ist heute Museum und Veranstaltungsort vor allem für Konzerte. In der DDR war sie eine der Kirchen, in denen die Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang nahm. „Schwerter zu Pflugscharen“ war ein erfolgreicher Slogan. Eine Plastik dieses Namens war ein Geschenk der UdSSR an die UNO und stand vor dem New Yorker UNO-Hauptgebäude. Das Symbol gab es als Lesezeichen und als Aufnäher prangte es auf den Jacken Jugendlicher.

Es wurde zum Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Das veranlasste die SED dazu, dagegen vorzugehen. Wer mit dem Aufnäher angetroffen wurde, musste ihn je nach Freundlichkeit der Polizisten entweder sofort abtrennen, die Jacke herausgeben oder ins Polizeirevier mitkommen, wo nicht selten weitere Schikanen drohten. Viele Jugendliche wurden wegen des Aufnähers von der Schule verwiesen oder von Lehre und Studium ausgeschlossen. Das MfS notierte am 1. August 1982 insgesamt 3.676 Personen mit diesem Aufnäher festgestellt zu haben. Laut einer Schätzung sollen ihn jedoch fast 100.000 Menschen getragen haben.

schwerterMehr dazu im Buch von Anke Silomon, „Schwerter zu Pflugscharen“ und die DDR. Die Friedensarbeit der evangelischen Kirchen in der DDR im Rahmen der Friedensdekaden 1980-1982. Göttingen 1999. (Frau Silomon hat hervorragend über die Potsdamer Garnisonkirche geschrieben.)

Auf der Webseite gibt es nähere Informationen über die kleine Ausstellung. Für Schulklassen gibt es Führungen.

Weiterführende Informationen zu oppositionellen Jugendlichen gibt es auf der multimedialen Plattform jugendopposition.de

In der Ausstellung gefunden: zwei „Nachrichten“ des Neuen Deutschland vom 10. November 1989. Man beachte das Datum! Am 9.11. war die Mauer gefallen.

Neues Deutschland

Schulklassen in Stasi-Gefängnissen

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Gestern Abend liefen auf Phoenix in der Reihe „Mein Ausland“ Filme über die baltischen Staaten. Eine kurze Sequenz fand ich bemerkenswert.

In allen drei Staaten wird an die Sowjetherrschaft 1940 und 1944 – 1992 erinnert. Die KGB-Gefängnisse sind Gedenk- und Dokumentationsstätten.

In einem der Filme wurde der Besuch einer Schulklasse in einem KGB-Gefängnis begleitet. Die Schüler werden von „Aufsehern“ empfangen, müssen im Kriechgang über den Hof, werden verhört und in Zellen eingesperrt.

Es schien mir kein Ferienspaß zu sein. Zumindest äußerten sich Schüler im Interview sehr ernsthaft über ihre Empfindungen, während sie von Schauspielern in Gefängniswärterrollen traktiert worden waren.

In Brandenburg haben Professoren und politische Bildner/-innen Bedenken, wenn in Gedenkstätten ehemalige Insassen Schulklassen führen. Die Schüler könnten überwältigt werden.

 

Neues Kartenspiel zur Vermittlung von Wissen über die DDR

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Mit den Karten des Spiels „Wendepunkte“ können Schüler der oberen Mittelstufe, aber nicht nur die, das Leben in der DDR und in der Zeit nach der Friedlichen Revolution kennenlernen.

Das Spiel entwickelt sich anhand von biographischen Elementen – Engagement in der Kirche, Eintritt in die SED, Studium in Moskau oder heimlich Flugblätter verteilen.

Die DDR ist nicht auf Statistik, Organigramm, Gesetzestext oder Mauerfoto reduziert, sondern es werden Lebensläufe und persönliche Entscheidungen mit dem kommunistischen System verschränkt und damit das Leben in diesem Staat konkret und nachvollziehbar.

Natürlich darf ein Lehrerheft nicht fehlen. Es enthält die nötigen Informationen zum Spiel, aber vor allem Anregungen, Materialien und Links zu sechs Themenblöcken, die wiederum der Verschränkung von Ideologie und individuellen Biographien treu bleiben.

Es ist ein großer Wurf!

Jeder Geschichtslehrer weiß, dass das, wozu Kartenspiel und vertiefende Arbeitsanregungen im Lehrerheft auffordern, im Regelunterricht zeitlich nicht zu leisten ist. Da stellt man mit Schrecken fest, dass das Schuljahr schon bald vorbei ist und man im Geschichtsunterricht beim Nationalsozialismus hängen geblieben ist. (Über Politikunterricht, den es in Berlin in der Mittelstufe so gut wie nicht gibt, und die Kompetenzorientierung von Unterricht, durch die Inhalte austauschbar werden, will ich gar nicht erst reden.) Aber man kann Projekttage und -wochen damit gestalten. Auch ist in Vergessenheit geraten, dass man Themenelemente auch schon in früheren Jahrgängen behandeln kann oder exemplarisch vorgeht.

Michael Geithner, Social Media Manager des Berliner DDR-Museums, das ich in diesem Blog schon mehrmals gelobt habe, ist einer der beiden Autoren des Kartenspiels. Dank der Unterstützung der Bundesstiftung Aufarbeitung kann es Schulen kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

Dieses DDR-Museum leistet eine großartige Arbeit, eben weil es sich nicht als bloße Devotionaliensammlung von DDR-Alltagsgegenständen wie etwa das Museum in Eisenhüttenstadt versteht. (Wobei Alltagsleben und seine Objekte in Berlin keineswegs zu kurz kommen. Es gibt eine Objekt-Datenbank!) Es ist ein aktives Museum, das u. a. Veranstaltungen anbietet und einen Wissenschaftler Fragen zur DDR beantworten lässt.

 

Längere DDR-Dokumentationen und Spielfilme

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Die Klasse – 1961, Dokumentation mit Spielszenen.

Schüler, denen in Ostberlin der Besuch der EOS, der zum Abitur führenden Oberstufe, versagt wurde, gehen in Berlin (West) aufs Gymnasium. Es gab eigens eingerichtete „Ostklassen“. 1961, kurz vor dem Abitur, werden sie vom Mauerbau überrascht.

Die Kritik (FAZ) lobt das Dokudrama von 2015.


Romeo – DDR-Spionage in Westdeutschland, mit Martina Gedeck

Nicht verwechseln mit Timothy Gorton Ashs Buch gleichnamigen Buch!


Der heimliche Blick – Wie die DDR sich selbst beobachtete 2015, 44 Min.

Aufnahmen aus dem DDR-Alltag, die nicht veröffentlicht wurden.


Stasi-Mediathek der Stasi-Unterlagenbehörde


Der Filmemacher Gerd Keil hat alle seine Filme, die meisten haben den Schwerpunkt DDR, auf einen Youtube-Kanal gestellt: über Spionage, Zwangsadoption, Stasi, Honecker und Genossen, Vereinigung, Unterricht über die DDR.

Unbedingt Gerd Keils Webseite ansehen! Sein Fluchtversuch wurde der Stasi von seinem Vater und seinem Bruder verraten.


Siehe auch die Literatur- und Medienliste „Ampelmännchen und Todesschüsse“!

Platzecks Geschichtsklitterung (wiedergelesen)

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Der Beitrag stand 11/2009 auf Basedow1764. Ich habe ihn wiedergelesen, weil er im Zusammenhang mit Platzecks Sicht auf Russland zeigt, dass er sich treu geblieben ist.

SED-Wappen„Wir wollen nicht verklären“, sagt Ministerpräsident Platzeck (Stand 2009!; GS). Das unterschreibt auch sein neuer Koalitionspartner, die Linkspartei. Man will nur sagen, wie es wirklich war. Und zukünftig dafür sorgen, dass die Landeszentrale für politische Bildung auch die „Wende“version der Linkspartei verbreitet. Die geht so:  „Wir wussten, dass sich was ändern muss.“ (Originalton Dr. Enkelmann, PDS). „Wir haben unsere Leute nicht schießen lassen und dadurch ein Blutvergießen verhindert“ (Dr. Gysi u. a.). „Mit einem 5-Mrd.-Kredit hätten wir das Land weiter regieren können“ (Originalton DDR-Wirtschaftsministerin Dr. Luft). „Erst die Treuhand hat die im Grunde gesunde Substanz der Wirtschaft zerstört“ (Originalton G. Grass, D. Dahn u. v. a.).

Von den Bürgerrechtlern, die sich in diesen Gedenktagen häufig auf Podien wiedersehen, kommen inzwischen selbstkritische Töne: „Wir sind über den Tisch gezogen worden.“ „Die haben uns (in die Potsdamer Stasizentrale) erst rein gelassen, als sie fertig mit dem Aktensäubern waren.“ „Während wir vorne am Runden Tisch, der paritätisch mit SED und Bürgerrechtlern besetzt war saßen (bei den Bürgerrechtlern saßen natürlich auch IMs), haben die hinten weiter Akten vernichtet.“ „Die Stasi-Besetzungen waren Nebenschauplätze.“ „Das Gute war, dass es bald freie Wahlen gab und dass diese Wahlen um einen Monat vorgezogen wurden. Denn die Restauration schritt voran.“

Das MfS/AfN, die Regierung Modrow, der Innenminister Diestel haben dafür gesorgt, dass nicht alles zerschlagen oder aufgelöst wurde, dass weiter Akten vernichtet wurden (Das zog sich bis in Regierung de Maizière hinein!), dass die MfS-Leute günstig Wohnungen und Häuser kaufen konnten, geschönte Lebensläufe bekamen und finanziell abgesichert in die neue Zeit gingen. Die SED-Juristen in den Verwaltungen und an den Runden Tischen hatten sehr schnell westdeutsches Recht gelernt und blockierten die mutigen, aber naiven Bürgerrechtler rechtsstaatlich einwandfrei, wo es ging.

In Westdeutschland interessiert das alles wenig, in Ostdeutschland eigentlich auch nicht.

Jetzt setzt Herr Platzeck noch eins drauf. Er instrumentalisiert die westdeutsche Nachkriegsgeschichte für die Legitimierung und Überhöhung seiner rot-roten Koalition. Den Rest des Beitrags lesen »

Was man über die DDR gelesen haben sollte

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Die Liste hatte ich 2011 veröffentlicht und 2016 um einen Titel aktualisiert. Man kann nicht oft genug auf gute Bücher zur DDR hinweisen. Zu den meisten gibt es im Blog einen Beitrag. Die ursprüngliche Liste wurde leicht gekürzt. Die fett Gedruckten mag ich besonders. Die Reihenfolge ist zufällig:

Zeitzeugenportal Brandenburg

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Ulrike Poppe, die Beauftragte des Landes Brandenburg zur Aufarbeitung der Folgen der kommunistischen Diktatur (LAKD), stellte heute das Webportal www.zeitzeugen.brandenburg.de vor. Es geht um „Erfahrungsberichte über politisches Unrecht und Widerstand von 1945 bis 1989.

Finanziert wurde das Projekt aus dem „Mauerfonds“ des Bundes für soziale und kulturelle Projekte. In ihn fließen Mittel aus dem Verkauf von Berliner Mauer- und Grenzgrundstücken.

Fast fünfzig Zeitzeugeninterviews sind abspielbar. Dazu gibt es die Biografien. Ein umfangreiches Glossar hilft bei der Erschließung. Vier Schwerpunktthemen sind kurz erläutert, ihnen sind Zeitzeugen zugeordnet: Sowjetische Speziallager, Volksaufstand, Mauerbau, Spezialheime der Jugendhilfe. In den Interviews kann auch frei nach Namen, Orten, Stichwörtern gesucht werden.

Das Portal soll erweitert werden.

Ich kann nicht viele Schicksale einfach so hintereinander lesen.

In Brandenburg sind die von der SED-Verfolgten als Zeitzeugen umstritten. Professoren der Universität Potsdam behaupten eine Überwältigung von Schülern, wenn sie mit den Erzählungen der SED-Opfer konfrontiert werden. Ein anderer Potsdamer Historiker sieht eine Überbetonung der Repression beim Thema „DDR“ im Schulunterricht.

Umso bemerkenswerter, dass es dieses Portal jetzt gibt. Es war wohl auch eine richtige Entscheidung die LKAD dem Landtag zuzuordnen und nicht der Staatskanzlei oder einem Ministerium.

Historische Bildung wird beliebig

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Auf meiner Warteliste der zu besprechenden Links steht ein Aufsatz von der Webseite der Bundeszentrale für politische Bildung:

Subjektorientierte historische Bildung. Geschichtslernen in der Auseinandersetzung mit widersprüchlichen Deutungsangeboten zur DDR-Geschichte,

von Johannes Meyer-Hamme, http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/deutschlandarchiv/139259/subjektorientierte-historische-bildung?p=all

In den ersten Sätzen des Textes wird die Einseitigkeit der Geschichtsbilder moniert, die die DDR als Unrechts- und Repressionsstaat zeigen. Den Rezipienten würde dieses DDR-Bild aufgedrängt werden.

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