DDR im Unterricht

Die Bände der Enquete-Kommissionen zur DDR sind online!

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Die Protokolle der beiden Enquetekommissionen

Aufarbeitung von Geschichte und Folgen der SED-Diktatur in Deutschland (1992-1994) und Überwindung der Folgen der SED-Diktatur im Prozess der deutschen Einheit (1995-1998)

sind online recherchierbar.

Der Inhalt verteilt sich auf die einzelnen Bände wie folgt (vgl. das Gesamtin-
haltsverzeichnis in diesem Band):

 

12. Legislaturperiode: Aufarbeitung von Geschichte…

Band I: Die Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag – Anträge
der Fraktionen/Gruppen und Debatten des Deutschen Bundestages, Bericht der Enquete-Kommission vom 31.Mai 1994;
Band II: Machtstrukturen und Entscheidungsmechanismen im SED-
Staat und die Frage der Verantwortung – Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten, Vorträge;
Band III: Rolle und Bedeutung der Ideologie, integrativer Faktoren
und disziplinierender Praktiken in Staat und Gesellschaft der
DDR – Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten;
Band IV: Recht, Justiz und Polizei im SED-Staat – Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten;
Band V: Deutschlandpolitik, innerdeutsche Beziehungen und internationale Rahmenbedingungen – Protokolle, Berichte, Expertisen,
Gutachten;
Band VI: Rolle und Selbstverständnis der Kirchen in den verschiedenen
Phasen der SED-Diktatur – Protokolle, Berichte, Expertisen,
Gutachten, Vortrag;
Band VII: Möglichkeiten und Formen abweichenden und widerständigen
Verhaltens und oppositionellen Handelns, die friedliche Revolution im Herbst 1989, die Wiedervereinigung Deutschlands
und Fortwirken von Strukturen und Mechanismen der Diktatur – Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten, Vorträge;
Band VIII: Das Ministerium für Staatssicherheit – Protokoll, Berichte,
Expertisen, Gutachten. – Seilschaften, Altkader, Regierungs-
und Vereinigungskriminalität – Protokoll, Studie;
Band IX: Formen und Ziele der Auseinandersetzung mit den beiden
Diktaturen in Deutschland – Protokolle.

 

13. Legislaturperiode: Überwindung der Folgen…

Band I: Die Enquete-Kommission im Deutschen Bundestag: Anträge der
Fraktionen/der Gruppe, Beschlußempfehlungen von Ausschüs-
sen und Debatten des Deutschen Bundestages, Zwischenbericht
und Schlußbericht der Enquete-Kommission. – Besondere Ver-
anstaltungen: Protokolle;
Band II: Strukturelle Leistungsfähigkeit des Rechtsstaats Bundesrepublik
Deutschland bei der Überwindung der Folgen der SED-Diktatur
im Prozeß der deutschen Einheit – Opfer der SED-Diktatur/Elitenwechsel im öffentlichen Dienst/justitielle Aufarbei-
tung: Protokolle, Berichte, Expertisen;
Band III: Wirtschafts-, Sozial- und Umweltpolitik: Protokolle, Berichte,
Expertisen, Gutachten;
Band IV: Bildung, Wissenschaft, Kultur: Protokolle, Expertisen;
Band V: Alltagsleben in der DDR und in den neuen Ländern: Protokolle,
Expertisen;
Band VI: Gesamtdeutsche Formen der Erinnerung an die beiden deutschen
Diktaturen und ihre Opfer: Protokolle, Berichte, Expertisen.
– Archive: Berichte, Expertisen, Gutachten;
Band VII: Herausforderungen für die künftige Aufarbeitung der SED-
Diktatur: Protokolle, Berichte, Expertisen, Gutachten. – Perspektiven der internationalen Zusammenarbeit bei der Aufarbeitung totalitärer Diktaturen: Protokoll;

 

Großartig! Das hätte ich mir schon früher gewünscht.

Jede Sekundarstufenschule in Deutschland hätte die Bände schon vor 20 Jahren bekommen müssen. Sie sind eine Fundgrube von Materialien. Vieles ist heute schon fast vergessen. Das erleichtert natürlich die Verniedlichung der DDR.

Fett: Hervorhebung von mir

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Die alltägliche Erziehungsdiktatur der DDR

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ddr-schuleDer nachfolgend verlinkte Text stammt m. E. aus den 90er Jahren. Er liegt wohl nur online vor, und zwar auf der Plattform des Vereins „Gesellschaft für Zeitgeschichte“. Sie enthält zahlreiche Dokumente zur Friedlichen Revolution 1989/90, insbesondere in Erfurt.

Ich habe viele Jahre wegen der DDR-Aufarbeitung von Potsdam aus mit Bewunderung nach Erfurt geschaut. Dort gab es z. B. eine interaktive Karte der Konspirativen Wohnungen des MfS in Erfurt, mit Fotos der Hausfronten und Adressen. Das war damals schon umstritten, heute wäre sie undenkbar.

In Erfurt wurde schon aufgeklärt, als sich in Brandenburg noch nicht viel tat, aber der Ministerpräsident sich mit dem ehemaligen Bezirkschef der SED duzte. Beide waren Mitglieder des brandenburgischen Landtages. Der SED-Mann Vietze gilt als Vater des „brandenburgischen Wegs“ der versöhnlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Der Koalitionspartnerin von der Linkspartei tätschelte Ministerpräsident Platzeck auf einem berühmten Pressefoto den Kopf. Sie brachte außer sich selbst noch fünf weitere IMs in die Regierungskoalition ein.

Es gibt im Blog viele Beiträge zu diesem Thema. Hier ist noch einmal kurz und bündig (aus kirchlicher Sicht) dargestellt, was man darüber wissen sollte: Die alltägliche Erziehungsdiktatur der DDR

Ulrike Poppe über die kommunistische Erziehungsdiktatur

 

Lesetipp: Dorit Linke, Jenseits der blauen Grenze

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Dorit Linke

Dorit Linke, Jenseits der blauen Grenze

In dem Jugendbuch geht es um eine waghalsige Flucht zweier Jugendlicher aus der DDR über die Ostsee. 50 km, 25 Stunden, eine nahezu übermenschliche Anstrengung. Hanna, die Sportschwimmerin, übersteht die Strapazen und wird von einem Boot aufgenommen. Ihr Freund Andreas wohl nicht.

In dem Buch wechseln sich die Kapitel, die den Kampf gegen die Kälte und Wellen, die zunehmende Erschöpfung und die Angst vor Entdeckung schildern, mit Kapiteln ab, in denen Hanna während des Schwimmens Situationen aus der Schule, dem Familienleben, der Freizeit durch den Kopf gehen.

Sind es anfänglich harmlose Streiche, patzige Antworten an ideologisch verknöcherte Lehrpersonen, die unerwünschte Lust auf Westmusik und auf Nutella, die die Stasi immer aus den Westpaketen klaut, so gewinnt die Repression allmählich an Schärfe. Andreas muss vorübergehend in einen Jugendwerkhof, eine Art Jugendknast, Hanna darf nicht studieren, sondern muss in einer Fabrik Dosenöffner zusammenschrauben. Am Ende steht der Entschluss zur Flucht über die Ostsee.

Dorit Linke, selbst frühere Leistungsschwimmerin, beschreibt minutiös die Muskelschmerzen und Krämpfe, die aufgesprungenen Lippen, das in den Neoprenanzug eindringende kalte Meerwasser, die von den Flossen blutig gescheuerten Füße. Die Sätze werden im Lauf der Flucht, mit wachsender Erschöpfung, immer kürzer. In den letzten Fluchtkapiteln ist es nur noch ein Stakkato von Wörtern und unvollständigen Sätzen.

Das Buch war 2015 für den Deutschen Jugendbuchpreis nominiert. Das freut mich sehr. Ich habe in meiner Zeit als Lehrer den Preis intensiv verfolgt und auch viele Jahre die Preisverleihung auf der Frankfurter Buchmesse besucht. Betrübt war ich, weil es Bücher zum Thema DDR extrem selten, nach meiner Erinnerung eigentlich nie (Doch, eine Ausnahme: Ein Sachbuch), in die Auswahl schafften. Aber nahezu jedes Jahr wurde ein Kinder- oder Jugendbuch über den Nationalsozialismus ausgezeichnet.

Das Buch erschien 2017 in der 2. Auflage. Es gab anscheinend ein Theaterstück, aber die Webseite ist verschwunden. Eine Unterrichtseinheit gibt es auch.

Als Konzession an den Zeitgeist wird darin den Schülern ein Arbeitsblatt zur aktuellen Einwanderung in Europa aufgegeben: „Um Flüchtlinge aufzuhalten und sie an der Einreise ins eigene Land zu hindern, haben im Zusammenhang mit den syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen einige europäische Staaten Grenzzäune gezogen und Grenzeinrichten (sic!) errichtet. Glaubst du, dass das ein probates Mittel ist?“

In der Ostsee sind sehr viel weniger DDR-Flüchtlinge ertrunken, als Einwanderer nach Europa im Mittelmeer. Also ist Europa viel schlimmer, als es die DDR jemals war. Im Ernst, es gibt Mitbürger, die so denken.

Nachtrag: Eine Flucht auf Surfbrettern

Mehr Lesetipps u. a. hier!

Neuer historischer Reiseführer für Brandenburg

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Brandenburg-DDR-Staetten
Martin Kaule, Jürgen Danyel, Irmgard Zündorf:
Das heutige Brandenburg umfasst die einstigen DDR-Bezirke Potsdam, Frankfurt (Oder) und Cottbus. Der historische Reiseführer beschreibt Gebäude und deren Nutzung zu DDR-Zeiten.
Beispiele sind:
Militärgefängnis Schwedt
Glienicker Brücke
KGB-Gefängnis Potsdam
Eisenhüttenstadt
SED-Siedlung Wandlitz
FDJ-Hochschule Bogensee

Studentenwissen DDR

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Nach den beiden Schüler-Studien hat Prof. Schroeder jetzt die Studenten seiner politikwissenschaftlichen Seminare befragt, 40 Teilnehmer in 2 Proseminaren. Die Stichprobe lässt sich natürlich nicht auf die gesamte Studentenschaft übertragen. Aber es geht hier um angehende Politologen!

Nur eine Minderheit verfügte über gute Kenntnisse. Als Diktatur wurde die DDR nicht identifiziert. Als Stasi-Staat wurde sie schon gesehen. Und das im Verhältnis 15:1 im Vergleich zur SED. Das ist genau das, was 1989/90 von Dr. Gysi und Genossen intendiert worden war: Die Schuld auf die Stasi schieben und damit die SED aus der Schusslinie nehmen. Dass nur eine Minderheit der Bewohner einen eigenen Telefonanschluss besass, konnten sich die Studenten nicht vorstellen. Renten und Einkommen wurden zu hoch eingeschätzt, verknüpft mit der DDR war der Begriff soziale Gerechtigkeit.

Schroeder fragte weiter. Da die Studenten eine pessimistische Sicht auf die Bundesrepublik und Welt haben und ständig über Sozialpolitik und soziale Gerechtigkeit geredet werde, erwartete er bei diesen Themen bessere Kenntnisse. Weit gefehlt!

Der Gesamtaufwand der staatlichen Sozialausgaben (Bund, Länder, Kommunen) beträgt 900 Milliarden. Die meisten Politikstudenten schätzten einen einstelligen Milliardenbetrag!  Fast alle meinten, dass die Arbeitnehmer die Sozialversicherungen aufbringen müssten. Dass die Arbeitgeber einen höheren Beitrag dazu leisten, wussten nur 3 von 40 Befragten.

Vielleicht schafft es Prof. Schroeder, seine Studenten davon zu überzeugen, dass man Wissen erwerben muss, bevor man eine Meinung äußert.

Klaus Schroeder, Meinungsstark und kenntnisarm, in: FAZ v. 3.5.18, p 7

 

Schülerwissen zur DDR

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Einreise_pixabayDer Politikwissenschaftler Klaus Schroeder beobachtet kritisch den Wissensstand in Sachen DDR. Seine Untersuchungen 2008 und 2012 zum Wissensstand west- und ostdeutscher Schüler sorgte für Aufsehen. Er konstatierte einen beklagenswerten Kenntnisstand, im Westen war er etwas besser als im Osten.

Hier mein Posting nach der zweiten Schroeder-Studie 2012:

Katastrophales Geschichtswissen: Je weniger ich weiß, desto besser finde ich die DDR

Den Rest des Beitrags lesen »

„Sie sprechen mit der Stasi“

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In den Tonarchiven des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Ministeriums für Staatssicherheit (BStU) lagern Mitschnitte von Telefonanrufen bei der Stasi und Mitschnitte von Verhören. Daraus hat Andreas Ammer für den WDR 2017 eine ca. einstündige Collage montiert, unterlegt von Trompeten- und Posaunenklängen eines Musikers, der sich FM Einheit nennt: „Sie sprechen mit der Stasi“. Da denunzieren Bürger ihre Nachbarn, Westdeutsche warnen besorgt vor illegalen Einfuhren von Geld und Pornos in die DDR, einer will mit seinen Anrufen die Leitung des Ministeriums blockieren.

Es ist keine Dokumentation, sondern vor allem wegen des elektronischen Klangteppichs ein Kunstwerk. Und gut für Unterricht geeignet.

Ein „Mosaik der Unmenschlichkeit“ nennt es Die Welt.

In der Mediathek des WDR ist das Hörspiel derzeit noch zu hören. Ansonsten bietet der Hörverlag (Randomhouse/Bertelsmann) für 10,95 € den Download, für 14,99 € die CD an.

Erinnerung: Lesetipps zur DDR

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Im vorhergehenden Interview über Monika Marons neues Buch wird die Wiederkehr einer Verhaltensweise aus der DDR angesprochen: das Abtasten, d. h. herausfinden, ob man der Person, mit der man gerade redet, vertrauen kann, ob man ihr gegenüber offen reden kann.

(Hervorragend zu beobachten in einer Szene im Film „Barbara“: Die in die Provinz strafversetzte Ärztin taxiert ihren neuen Kollegen. Ist er ein Stasi-Spitzel, der über sie berichten muss. Muss sie vorsichtig sein oder kann sie ihm vertrauen?

Bei so viel Buch und DDR fällt mir meine Leseliste zur DDR wieder ein. Sie wurde 2011/12 zusammengestellt. Es sind Bücher, die ich mit großem Gewinn gelesen habe. Einige wenige vergriffene oder nicht mehr ganz aktuelle habe ich jetzt heraus genommen (Die Originalliste hier).

SB meint: Für Schulbibliotheken empfohlen; hervorgehoben: besonders empfohlen

Und dann gibt es noch den Bestand der Medienkiste „Ampelmännchen und Todesschüsse“ mit Anna Funder, Claudia Rusch, Erika Riemann, Stefan Wolle u. a.

Man kann auch im Blog unter „Lesetipp“ Nachträge zu suchen.

Spielfilme zur DDR

Spielfilme zum Thema DDR

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Ein Freund hat eine Liste nach 1990 entstandener Spielfilme zusammengestellt und annotiert. Sie können auch für Unterricht von Interesse sein.

Hans Günther Brée weist darauf hin, dass die Novellierung des Urheberrechtsgesetzes eine bis zu 15%ige Verwendung im Untericht ohne Lizenz erlaubt.

Die Liste stellt eine aktuelle Ergänzung meiner Medienliste zum Unterrichtsthema DDR dar.