DDR-Aufarbeitung

31 Mio aus SED-Vermögen an Brandenburg

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Nach jahrelangem Rechtsstreit konnten jetzt wieder 185 Mio € aus im Ausland verstecktem „SED-Vermögen“ sichergestellt werden. Davon kommen dem Land Brandenburg 31 Mio zugute. Der sozialistische Finanzminister will sie vorrangig in die Breitbandverkabelung stecken.

Es wäre ja auch überraschend gewesen, wenn das SED-Geld für die von der SED Verfolgten genutzt worden wäre, für die Verstärkung der psychologischen Betreuung und für die Gedenkstätten. Oder für Literatur über die DDR für die Schulbibliotheken Brandenburgs. Den Rest des Beitrags lesen »

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Verkehrsprojekt VDE 8: 131 Güterzüge täglich zwischen Berlin und München?

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ICE 4

Als ehemaliger (u. a.) Geographie-Lehrer wunderte ich mich, dass eine Hochgeschwindigkeits-Bahntrasse schnurgerade durch den Thüringer Wald gebaut, genauer: gebohrt werden musste.

Mir war bekannt, dass auf den Hochgeschwindigkeitstrassen der chinesischen, japanischen und französischen Bahnen aus guten Gründen keine Güterzüge fahren. Aber das Verkehrsprojekt VDE 8 sollte für anfänglich 84, später sogar 131 Güterzüge und 40 Personenzüge gebaut werden.

In unseren Qualitätszeitungen lese ich vorrangig Jubelrufe über die Revolution im deutschen Bahnverkehr. Informationen kriege ich einmal mehr nur auf AchGut, hier von Günter Ederer.

Tripperburgen

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Tausende Frauen wurden zu DDR-Zeiten (bis 1989!; GS) wegen angeblicher Geschlechtskrankheiten in Kliniken auf geschlossenen Venerologischen Stationen, sogenannte Tripperburgen, eingesperrt. (ZDF-Text zur Frontal 21 Sendung v. 21.1117; in der Mediathek bis 21.11.18)

Frauen in DDR-Tripperburgen (9 Min.)

Wie fast immer, hapert es mit der Aufarbeitung und Entschädigung des DDR-Unrechts. Auch von Feminist*Innen und Genderist*Innen ist nichts zu hören.

Wer sagt, in der BRD gab es das auch, übersieht wesentliche Unterschiede.

Mukran: Die Fährverbindung DDR-UdSSR

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Gleich noch eine Reportage: Über den kurz vor der Wende fertig gestellten Fährhafen für Eisenbahnfähren zwischen Klaipéda (heute Litauen) und Sassnitz auf Rügen.

Um das aus Sicht der beiden Bruderstaaten in der Nachbarschaft unzuverlässige Polen zu umgehen, wurde die Fährverbindung über die Ostsee gestartet. Mit dem Projekt wollte Honecker die Leistungsfähigkeit der DDR-Industrie demonstrieren. Eigens dafür wurden große Eisenbahnfähren gebaut. In Prora stationierte NVA-Bausoldaten (DDR-Version von Kriegsdienstverweigerern) wurden für die besonders anstrengenden oder gefährlichen Arbeiten eingesetzt.

Die Sowjetunion schickt über die Verbindung überwiegend Massengüter wie Eisen und Kohle in die DDR und bezieht umgekehrt Maschinen und technische Geräte. Besonders wichtig war die Verbindung für sowjetische Militärtransporte. Deswegen war Mukran streng überwachtes Sperrgebiet.

Heute ist Mukran ein verfallenes Terrain. Eine Skandinavienfähre legt täglich an.

Nicht im Film: 2008 bis 2010 wurden in Mukran Rohre für eine Gaspipeline mit Beton ummantelt, auf Schiffe verladen und in der Ostesee verlegt.

Jetzt erhofft man sich vom Bau einer zweiten Leitung (North-Stream 2) Beschäftigungsimpulse. Das Projekt kommt nicht recht in Gang. Polen, die Ukraine, die USA, die EU reden mit.

Warum die Bundesrepublik, die schon recht stark von Gas- und Öl-Importen aus Russland abhängig ist und sogar deutsche Gasspeicher an russische Konzerne verkauft wurden, die Abhängigkeit noch vergrößern will, kann ich nicht nachvollziehen.

Link zur rbb-Sendung

Kritik vom ehem. NATO-Generalsekretär

 

Missglückte FAZ-Ferndiagnose

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garnisonkirche_in_potsdam-zeno-org-contumax-gmbh-co-kg-im-maerkischen-museum-berlinZum Städtebau Potsdams hatten sich unlängst schon die FAZ-Mitarbeiter Niklas Maak und Claudius Seidl (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung v. 2.4.17, p 41) kritisch geäußert. Jetzt setzt Kunsthistoriker und FAZ-Mitarbeiter Dr. Arnold Bartetzky den Verriss fort.

Dr. Bartetzky übernimmt das von Dr. Goebbels inszenierte Narrativ, dass die Garnisonkirche für die Versöhnung von Adel und Nazis stünde. Er verlässt sich auf das „sorgfältig recherchierte Buch“ des Journalistenkollegen und Garnisonkirchengegners Matthias Grünzig. Der trägt seit Jahren seine These vor, dass die evangelische Kirche in der DDR den Wiederaufbau nicht wollte. Dem wurde von Kirchenrepräsentanten widersprochen. Erst kürzlich setzte sich der Potsdamer Historiker Prof. Dr. Martin Sabrow kritisch mit Grünzig auseinander.

Bartetzky stört sich am „martialischen“ Schmuck des Garnisonkirchenturms. Was ihn nicht stört, ist das Mosaikband um das Rechenzentrum, das die SED teilweise auf das Kirchengelände baute. Das zeigt sowjetische Jagdflugzeuge, Jagdbomber und Radarstellungen.

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Kunst am Bau: Sowjetische Jagdbomber

Es gelingt ihm sogar, in dem Artikel eine Kritik der westdeutschen Zerstörungen von denkmalgeschützten Gebäuden unterzubringen. Dass die SED ganze Straßenzüge abriss, in einer Länge von mehr als fünf Kilometern, bleibt dagegen unerwähnt. „Brachial“ ist für ihn der heutige Potsdamer Stadtumbau. So werde u. a. die Fachhochschule, ein „zartgliedriger“ Bau der DDR-Moderne, abgerissen.

Die Chuzpe, mit der Dr. Bartetzky die SED-Abrissorgie unerwähnt lässt und von heutigem brachialem Abriss heute spricht, ist erstaunlich. Er moniert, dass für den Schlossnachbau eine mehrspurige Straße verlegt werden musste. Was er anscheinend nicht weiß, ist, dass die SED-Stadtplaner über das Schlossgrundstück bewusst eine Fernverkehrsstraße legten. Er bedauert, dass der „schon vollendete“ Rohbau eines Stadttheaters auf dem Schlossplatz dem „brachialen“ Stadtumbau der Nachwendezeit zum Opfer fiel. Was Dr. Bartetzky unerwähnt lässt: Die Planung des Neubaus des Schauspielhauses als Schlossersatz begann 1947. Und 1989 war es erst ein Rohbau. (Sogar der Flughafen BER dürfte schneller fertigwerden.)

Der monströse, „zartgliedrige“ FH-Bau begrub zwei Stadtquartiere unter sich! Rauten, mit denen an einigen Stellen die Fassade verdeckt worden war, sah man in den 60ern an Horten-Kaufhäusern in Westdeutschland. Jetzt gelten sie als erhaltenswerte DDR-Baukunst.

Auch die stadtsoziologischen Erkenntnisse Bartetzkys sind fragwürdig: Vor allem junge, gebildete Leute fühlten sich dem DDR-Bauerbe näher als den Barockfassaden, schreibt er. Wer in Potsdam lebt, sieht immer wieder dieselben zwei Dutzend Aktivisten aus den linksalternativen Netzwerken, die Veranstaltungen stören und den Nachrichtenjournalisten Bilder und griffige Parolen liefern. Beim Gottesdienst zum Beginn des Wiederaufbaus schrieen sie „Halt´s Maul, Du Nazischlampe“, als die Pfarrerin das Vaterunser betete.

Update 2.12.17: Erfreulich ist wenigstens, dass die FAZ am 2.12. einen ausgezeichneten Leserbrief der Kunsthistorikerin und Potsdamer Stadtverordneten Saskia Hüneke veröffentlicht, in dem Dr. Bartetzkys fehlende Kompetenz deutlich wird.

 

Podium mit Politikdarstellern

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Weil nicht alle Parteien Vertreter zu einem Podium der Union der Opferverbände der Kommunistischen Diktatur (UOKD) auf ihrem jährlichen Kongress schickten, liess der Veranstalter hinter Plakaten mit dem jeweiligen Politikerkopf Sprecher die Statements der Parteien verlesen.

Es ging um die bis heute aus Sicht der Betroffenen noch nicht zufriedenstellend gelösten Fragen der Opferbetreuung, der Opferrenten, der Haftentschädigung.

Für einige Parteien ist das ein lästiges Thema.

Die Beseitigung des alten Potsdam durch die SED

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In einem neuen Fotobuch ist dokumentiert, wie Abrissbagger in den 70er und 80er Jahren, bis kurz vor der „Wende“, das alte Potsdam abräumten:

Siegfried Lieberenz/Rainer Lambrecht, Bevor der Abrissbagger kommt, Knotenpunkt-Verlag: Potsdam 2017, 26,95 €

(Die – zu kleine – erste Auflage ist schon vergriffen. Es wird aber nachgedruckt.)

Die SED wollte aus Potsdam eine moderne Bezirkshauptstadt machen und betrieb daher, wie es in der Buchvorstellung im Tagesspiegel/PNN heißt, einen systematischen Kahlschlag. Aneinandergereiht ergeben die abgerissenen Gebäude fünf Kilometer. Zuletzt sollte es dem Holländischen Viertel an den Kragen gehen und 1985 wurde noch die einzige Jugendstilkirche abgerissen.

Neue Plattenbauten wurden dicht an alte, bewohnte Gebäude gesetzt. Einwohner erhielten von heute auf Morgen den Befehl, ihre Wohnung zu räumen.

Angesichts des lauten Wehklagens einiger Kunsthistoriker und des linken Potsdamer Politspektrums über den Abriss einer Handvoll Gebäude aus der DDR-Zeit, ist es verwunderlich, dass die Abrisswut der kommunistischen Altvorderen, mit Ausnahme von Schloss und Garnisonkirche, nie thematisiert wurde.

Am Montag, dem 27.11.17, 18 Uhr, wird das Buch in der Französischen Kirche vorgestellt.

Es kommt 3 nach 12, gerade noch recht, um zu zeigen, wie verlogen die Debatte ist: Was ist der Abriss einer Fachhochschule gegen die Abrissorgie der SED?

Die SED hat, neben zahllosen Bürgerhäusern, das Schauspielhaus, die Garnisonkirche, das Schloss, historische Villen und Kirchen abgerissen und den Stadtkanal zugeschüttet. Der Stadtumbau dauerte bis 1989 an und hätte weitergehen sollen. Die noch existrierenden Bürgerhäuser in der Jägeralle sollten weiteren Amtsgebäuden weichen. auch das Holländische Viertel blieb dank der „Wende“ erhalten.

Traurig ist, dass präpotente, aber ahnungslose westdeutsche Journalisten, wie die der FAZ, die Vorgeschichte nicht kennen.

Der verlogene Systemvergleich

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Der in Zeiten des Kalten Krieges beliebte Systemvergleich stellte die kommunistischen Diktaturen des Ostblocks in Augenhöhe neben die westlichen Staaten. Das heißt, die soziale Marktwirtschaft und den liberalen Rechtsstaat neben Planwirtschaft und Herrschaft einer Partei ohne Meinungsfreiheit, freie Wahlen und unabhängige Gerichtsbarkeit.

Was ich allerdings gerne im Politikunterricht gemacht habe war, zuerst die SED-Konzeption einer „Demokratischen Republik“ vorzustellen und dann mit der Bundesrepublik Deutschland zu vergleichen. Um Systemkonkurrenz ging es dabei nicht!

Das LISUM, das Lehrerfortbildungsinstitut der Bundesländer Berlin und Brandenburg, empfahl Systemvergleiche noch nach dem Zusammenbruch der DDR.

Ich besuchte heute eine kleine Ausstellung im Landtag von Brandenburg. Dort wurde erinnert an den Kampf der Polen gegen die kommunistische Diktatur.

Auf den Posten war zu lesen von Demonstrationen, Aufständen, Streiks in Polen in den Jahren 1956, 1968, 1970 1976, 1980 und 1982.

Womit soll diese Konstante des östlichen Systems im westlichen System verglichen werden?

 

Wie der Berliner Bezirk Lichtenberg DDR-Vergangenheit bewältigt

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Im Berliner Bezirk Lichtenberg regiert die Linkspartei. Gesine Lötzsch, die gerne Wege zum Kommunismus sucht, hat hier ihren Wahlkreis. Zu den Einwohnern zählen die SED-Mitglieder, die im Stasi-Untersuchungsgefängnis Hohenschönhausen und im MfS die DDR gegen den Imperialismus verteidigten. Das Gefängnisareal, auf keiner Karte markiert, war ein (gesperrter) Stadtteil im Stadtteil. Dann war da noch das Ministerium für Staatssicherheit.  Auch die sowjetische Besatzungsmacht hatte hier ihre einschlägigen Einrichtungen.

Nicht zuletzt diese Heerscharen an ehemaligen Bediensteten sichern den SED-Nachfolgern bis heute hohe Wahlergebnisse im Bezirk.

Während es früher schon einmal vorkam, dass Hinweisschilder auf die Gedenkstätte Hohenschönhausen im Stadtteil abmontiert wurden, geht man heute geschickter vor.

via Twitter @earlybird90

 

Haben Literaten wie Brecht die Existenz der DDR verlängert?

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Uwe Kolbe setzt sich mit der Rolle von Schriftstellern in der DDR auseinander: Brecht. Rollenmodell eines Dichters

Uwe Kolbe war selbst Schriftsteller in der DDR. Allerdings hatte er, als kritischer Kopf,  die meiste Zeit Publikationsverbot.