DDR-Aufarbeitung

Thüringen will DDR erforschen

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Die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit hatte Rot-Rot-Grün im Koalitionsvertrag vereinbart. Gerade angesichts des weltweiten Vormarsches autoritärer Herrschaftsausübung sei die Erforschung moderner Diktatur- und Herrschaftsmechanismen aktuell, sagte Minister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Minister Tiefensee ist sicher unverdächtig. Sein Ministerpräsident hat sich, obwohl Linker, Respekt und Ansehen auch beim politischen Gegner verschafft. Hoffentlich ist Thüringen auch auf der „Arbeitsebene“, also in den Verwaltungen hinter der Landesregierung, nicht auf strammem Linkskurs.

Es gibt schon ausreichend DDR-Geschichtsschreibung, in der ein „frischer“ Blick auf die Wohlfühldiktatur geworfen wird.

Ein Mahnmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland

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Stephan Hilsberg plädierte 2013 für ein zentrales Denkmal für die Opfer des Kommunismus in Deutschland.

Timothy Garton Ash über seine Stasi-Akte

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Der britische Publizist und Historiker Timothy Garton Ash lebte als Student eine Zeitlang in West-, aber auch 18 Monate in Ostberlin. Er schrieb an einer Dissertation über Nazi-Deutschland.

Natürlich wurde er vom MfS misstrauisch beobachtet. Man hielt ihn, der einen Alfa Romeo fuhr, für „bürgerlich-dekadent“, dann, als er – Ende der 70er Jahre – nach Polen und Tschechien fuhr und Kontakt zu Dissidenten hatte, für reaktionär. 1982 wird er ausgewiesen.

Nach der sog. Wende nahm er Einsicht in seine Stasi-Akte und schrieb darüber: „Die Akte Romeo“, 1997. (Deutsche Ausgabe vergriffen, die englische Ausgabe bei Amazon.) Es liest sich wie ein Spionageroman von Graham Greene, ist aber dennoch eine sachliche, nachdenkliche, vor allem wahre Erzählung.

Er macht deutlich, dass die Stasi weniger ein Inlandsgeheimdienst war, in dem Agenten nachrichtendienstlich arbeiteten, sondern ein Apparat zur Überwachung und Einschüchterung der gesamten Bevölkerung. Somit unterscheidet sie sich, ungeachtet technischer Ähnlichkeiten,  von den westlichen Diensten.

Ash suchte seine Stasi-Informanten auf und interviewte sie, soweit sie sich darauf einliessen. Er sprach über ihre Biographie und ihre Beweggründe, für die Stasi zu arbeiten. Da gab es die alte jüdische Dame, die in der Hitlerzeit Kommunistin geworden war, den britischen Kommunisten, den IM aus einem Museum, der sich als Gegenleistung für die Berichte Auslandsreisen erhoffte.

Ash spricht 1997 in den USA über seine Akte: Ein Video-Clip, ca. 30 Minuten Vortrag, 30 Minuten Fragen an den Autor. Er spricht gut verständlich, die Transkription übersetzt leidlich. Die Schreibweisen, die die Software für die Gauck-Behörde findet, sind unerschöpflich.

Kein Barockfaschismus in Dresden

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Erst beim Besuch am vergangenen Wochenende fiel es mir auf: Der DDR-Kulturpalast passt zu den rund um die Frauenkirche errichteten Neubauten mit barocker Fassade wie die Faust aufs Auge:

Dresden Kulturpalast

Das erinnerte mich an Potsdams Alten Markt mit dem DDR-Fachhochschulbau. Auch in Dresden wurden barocke Gebäude restauriert oder nachgebaut. Auch in Dresden gab es heftige Diskussionen. Durfte die zerstörte Frauenkirche wieder aufgebaut werden? Durften die Altstadthäuser moderne Betonbauten mit barocker Fassade werden? Die Gemüter haben sich wohl beruhigt. Zwinger, Residenzschloss, Hofkirche wurden aufwändig restauriert. Wenn man Fotos vom Zustand der 50er und 60er Jahre sieht, kann man kaum glauben, dass das in solcher Pracht wieder hergestellt werden konnte. Nur außen sind die Prunkbauten noch schwarzgrau. Da wartet man ungeduldig auf Besserung.

Was in Dresden zu fehlen scheint, ist der fanatische Kampf Linker gegen den „Barockfaschismus“, wie das in Potsdam der Fall ist. Woran mag das liegen? Von Brandenburg aus gesehen, das sich übrigens bis kurz vor Dresden erstreckt, liegt die Stadt schon fast in Italien. Ist es italienischer Lebensstil, der zu mehr Gelassenheit führt als preußische Zucht und Ordnung? (Ulbricht war die Ausnahme.)

Verglichen mit Dresden ist Potsdam eine sozialistische Hochburg. Linkspartei und die noch weiter links stehende Gruppe „Die Andere“ haben über 32% der Stimmen. Die CDU 15%. In Dresden sind die Sozialisten im Lauf der Jahre schwächer geworden und hatten zuletzt 16%. Die CDU 31%.

Zurück zum Kulturpalast: Der Konzertsaal erhält endlich eine gute Akustik. In Haus befindet sich jetzt eine moderne Stadtbibliothek.  Umgebaut wurde der „Palast der sozialistischen Kultur“ vom omnipräsenten Büro Gerkhan, Marg und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin). Anhänger der Ostmoderne werden jubeln: Der Kulturpalast wurde in die Denkmalliste des Landes Sachsen aufgenommen.

Dabei kann man von Glück sagen, dass den SED-Oberen die Absicht, einen Kulturpalast im Moskauer Zuckerbäckstil. mit Turm à la Lomonossow-Universität, zu errichten, ausgeredet werden konnte.

In einem Immobilien-Magazin lese ich zum Kulturpalast: „Wie bewusst die Architekten den Kulturpalast als Monolithen in den urbanen Raum gestellt haben, wird so richtig erst jetzt wieder spürbar, da die ursprünglichen Quartiere und Straßenraster wieder hergestellt sind.“ Gibt es eine elegantere Umschreibung für „Holzhammermethode“?

Wie auf dem Foto zu erkennen ist, stehen Baukräne zwischen dem Kulturpalast und dem Platz an der Frauenkirche. Es sieht demnach so aus, dass der Kulturpalast hinter einem weiteren Neubau mit barocker Fassade verschwinden wird.

Nichts gegen ein Wochenende in Dresden, aber im preußischen Potsdam mit seinen sehr viel bescheideneren Barockbauten fühlen wir uns wohler.

Die Mafia? Gibt es noch! Nicht zuletzt in Ostdeutschland

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Petra Reski schreibt unerschrocken über die Machenschaften der Mafia. Allerdings inzwischen Romane und keine Reportagen mehr. Denn die Mafiosi verklagen sie wegen übler Nachrede und die Gerichte sprechen ihnen Schadensersatz zu. So zuletzt einem italienischen Eiscafébesitzer in Erfurt.

Den Artikel „Die Bosse mögen´s deutsch“ hatte sie 2016 in der linken Zeitung „Der Freitag“ veröffentlicht. Jakob Augstein, Freitag-Besitzer, gab gegenüber dem Mafioso, dessen name im Artikel genannt worden war, eine Unterlassungserklärung ab und löschte den Text sofort. Der Erfurter Eiscafébesitzer verklagte Frau Reski. Augstein stellte sich nicht hinter seine Autorin, er kritisierte sie: Sie hätte dem „Freitag“ den Text untergejubelt, sie sei ja Romanautorin und keine Journalistin. Er wolle keine Fake-News drucken. Frau Reski hätte den „Freitag“ massiv angegriffen.

Anders als in Italien müssen in Deutschland die Gerichte den Mafiosi nachweisen, dass sie Geld und anderes Vermögen durch kriminelle Handlung erworben haben. In Italien müssen die Gangster nachweisen, dass sie es redlich erworben haben.

Die Geschichte erzählt Frau Reski in ihrem Blog.

Bücher von Petra Reski

Ostdeutschland wurde in den Wirren der Wende zu einem Eldorado der Kriminellen. Banden aus Westdeutschland und Ostmitteleuropa strömten dorthin, kriminelle Stasi-Seilschaften betrogen gemeinsam mit russischen Funktionären den (west-)deutschen Fiskus mit Transfer-Geschäften und gründeten mit den SED-Milliarden Betriebe. Die roten Barone, die Leiter der Landwirtschaftskolchosen, tricksten bei der Auszahlung der Genossenschaftsanteile und wurden Geschäftsführer ihrer Großfarm. Vorzeitig amnestierte DDR-Strafgefangene genossen die unverhoffte Freiheit, und nicht zuletzt sicherte sich die italienische Mafia Immobilien, Firmen und Restaurants. Erfurt wurde die heimliche Mafia-Hauptstadt.

Die SPD und die deutsche Einheit

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Ilse Fischer widmet sich in: Die SPD (West) und die deutsche Einheit 1989/90, den Verdiensten und dem Zögern der SPD in sehr ausgewogener Weise.

In den 80er Jahren intensivierte die SPD die Kontakte zur SED mit dem Ziel des Abbaus ideologischer Konfrontation. Darüber übersah sie die Entstehung der Bürgerrechtsbewegung.

Ab Januar 1990, als Bundeskanzler Kohl die Gunst der Stunde nutzte und zum Kanzler der Einheit wurde, fühlte sie sich dann den Oppositionsgruppen verpflichtet, die den Zusammenschluss mit der BRD ablehnten.

SPD-Vorsitzender Lafontaine wollte die Zuwanderung Ostdeutscher in die Bundesrepublik begrenzen(!) und setzte auf eine Zweistaatenlösung. Wie auch nicht wenige Bundesbürger stand er einem post-nationalen, westeuropäisch und ökologisch orientierten Lebensgefühl nah. Die Realität in der DDR war für ihn kein relevantes Thema.

So entging ihm auch die Bedeutung der Rettung der Stasi-Akten vor der Vernichtung. Die lief seit mehr als drei Monaten, als die Bürgerrechtler endlich darauf aufmerksam machten, indem sie die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße besetzten. Lafontaine tauchte plötzlich auf und ließ sich erklären, worum es ging (G.S, nach einem mündlichen Augenzeugenbericht eines Bürgerrechtlers).

In der SPD, vor allem in der Bundestagsfraktion, so Ilse Fischer, hätten sich letztlich, gegen Lafontaine, die Kräfte durchgesetzt, die die Chancen des Jahres 1990 erkannt hatten.

Ilse Fischer, Die SPD (West) und die deutsche Einheit 1989/90, in: Deutschland Archiv, 31.1.2017, http://www.bpb.de/241665

Die SPD, deren Politiker die Entspannungspolitik gegenüber der DDR so erfolgreich begonnen hatten, konnte von der Friedlichen Revolution nicht profitieren. Sie hatte noch mit der SED zusammen gesessen, als auf den Straßen schon die Bürgerrechtler zusammengeschlagen und verhaftet wurden.  

 

Wo ist der Riss? Neues Buch über Potsdam in der Friedlichen Revolution

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Über Potsdam Ende der 80er Jahre gibt es ein neues Buch:

Buchcover: Im Riss zweier Epochen

Es war die Zeit, die die einen, nach Egon Krenz (SED), die „Wende“ nennen, andere – eher die Minderheit – sprechen von Friedlicher Revolution. Jetzt gibt es ein neues Buch über diese Jahre. Es hat den manierierten Titel: „Im Riss zweier Epochen“. Was da reißt, erschließt sich mir nicht. Zwei Epochen? Können Epochen reißen? Können Epochen auseinandergerissen werden? Zerreißt es die Menschen, die sozusagen mit dem einen Bein in der einen, dem anderen in der anderen Epoche stehen? Ein zu theatralisch geratener, schwer verständlicher Titel.

Es ist zweifellos verdienstvoll, über diese Jahre ein Buch zu schreiben. Noch längst ist nicht alles erforscht. Längst gibt es zweckdienliche Narrative, die weglassen, was stören würde.

Warum sind die Potsdamer Bürgerrechtler so schnell verschwunden? Sie hatten in Potsdam eines der besten Wahlergebnisse der ganzen DDR, über 16%. Waren die kommunistischen Kader im roten Potsdam anpassungsfähiger? Es gab die marxistischen Hochschulen, darunter die für Staat und Recht und die der Stasi, tausende MfSler, 900 konspirative Wohnungen, die Bezirksverwaltung, die NVA- und Grenztruppenkader. Wie war die Stasi-Überprüfung in der Stadtverwaltung? Nach dem, was man inzwischen über die Stasi-Überprüfung auf Landesebene weiß, lässt das nichts Gutes hoffen.

Es dauerte lange, bis nach dem Bürgerrechtler Tschäpe ein kleiner Platz benannt werden durfte. Einen Platz der Friedlichen Revolution gibt es bis heute nicht. Die Umbenennung des Platzes der Einheit (von KPD und SPD) in Platz der Deutschen Einheit wurde von der Stadtverordnetenversammlung abgelehnt.

Die SED-Kader der letzten Stunde, etwa Heinz Vietze und Rolf Kutzmutz, waren die PDSler der ersten Stunde. Der Stasi-Aufpasser in der Hochschule für Staat und Recht, Dr. Hans-Jürgen Scharfenberg, bis heute Linkspartei-MdL und Linkspartei-Stadtverordneter, konnte mehrmals nur knapp als Potsdamer OB verhindert werden. (Er will demnächst wieder kandidieren.)

Die Buchvorstellung wurde von der SPD-Stiftung „Friedrich Ebert“ durchgeführt. Daher saß wohl auf dem Podium ein SPD-Vertreter und Mitarbeiter der Stadtverwaltung, aber kein Bürgerrechtler.

Die Märkische Allgemeine geht ausführlich auf den Inhalt ein und zollt dem Buch verhaltenes Lob.

Im Buchhandel ist das Buch erst ab 22.3. erhältlich. (Eine Woche nach der Podiumsveranstaltung am 16.3. )

 

Platzecks Geschichtsklitterung (wiedergelesen)

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Der Beitrag stand 11/2009 auf Basedow1764. Ich habe ihn wiedergelesen, weil er im Zusammenhang mit Platzecks Sicht auf Russland zeigt, dass er sich treu geblieben ist.

SED-Wappen„Wir wollen nicht verklären“, sagt Ministerpräsident Platzeck (Stand 2009!; GS). Das unterschreibt auch sein neuer Koalitionspartner, die Linkspartei. Man will nur sagen, wie es wirklich war. Und zukünftig dafür sorgen, dass die Landeszentrale für politische Bildung auch die „Wende“version der Linkspartei verbreitet. Die geht so:  „Wir wussten, dass sich was ändern muss.“ (Originalton Dr. Enkelmann, PDS). „Wir haben unsere Leute nicht schießen lassen und dadurch ein Blutvergießen verhindert“ (Dr. Gysi u. a.). „Mit einem 5-Mrd.-Kredit hätten wir das Land weiter regieren können“ (Originalton DDR-Wirtschaftsministerin Dr. Luft). „Erst die Treuhand hat die im Grunde gesunde Substanz der Wirtschaft zerstört“ (Originalton G. Grass, D. Dahn u. v. a.).

Von den Bürgerrechtlern, die sich in diesen Gedenktagen häufig auf Podien wiedersehen, kommen inzwischen selbstkritische Töne: „Wir sind über den Tisch gezogen worden.“ „Die haben uns (in die Potsdamer Stasizentrale) erst rein gelassen, als sie fertig mit dem Aktensäubern waren.“ „Während wir vorne am Runden Tisch, der paritätisch mit SED und Bürgerrechtlern besetzt war saßen (bei den Bürgerrechtlern saßen natürlich auch IMs), haben die hinten weiter Akten vernichtet.“ „Die Stasi-Besetzungen waren Nebenschauplätze.“ „Das Gute war, dass es bald freie Wahlen gab und dass diese Wahlen um einen Monat vorgezogen wurden. Denn die Restauration schritt voran.“

Das MfS/AfN, die Regierung Modrow, der Innenminister Diestel haben dafür gesorgt, dass nicht alles zerschlagen oder aufgelöst wurde, dass weiter Akten vernichtet wurden (Das zog sich bis in Regierung de Maizière hinein!), dass die MfS-Leute günstig Wohnungen und Häuser kaufen konnten, geschönte Lebensläufe bekamen und finanziell abgesichert in die neue Zeit gingen. Die SED-Juristen in den Verwaltungen und an den Runden Tischen hatten sehr schnell westdeutsches Recht gelernt und blockierten die mutigen, aber naiven Bürgerrechtler rechtsstaatlich einwandfrei, wo es ging.

In Westdeutschland interessiert das alles wenig, in Ostdeutschland eigentlich auch nicht.

Jetzt setzt Herr Platzeck noch eins drauf. Er instrumentalisiert die westdeutsche Nachkriegsgeschichte für die Legitimierung und Überhöhung seiner rot-roten Koalition. Den Rest des Beitrags lesen »

Alle Beiträge zu Zwangskollektivierung

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Der Blog „Ampelmännchen und Todesschüsse“soll (m)ein Archiv sein. Mit den Stichworten, Schlagworten und der Suchfunktion kommt man schon ziemlich weit. Die Suche bei WordPress lässt dabei Wünsche offen, z. B. fehlende Trunkierung oder Treffer, wo keine Treffer sind.
Um es übersichtlich zu machen, habe ich hier alle meine Beiträge zum Kolchosenwesen der DDR (Walter Ulbricht nannte die LPGen Kolchosen) von Hand aufgelistet.
Vorab noch zwei Zitate zur Zwangskollektivierung:

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