DDR-Aufarbeitung

Zeitzeuge Siegfried Wittenburg

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Unter den Kommentaren zum Spiegel-Artikel über den DDR-Versandhandel befindet sich auch der von Siegfried Wittenburg. Er bestätigt, was der Spiegel-Autor geschrieben hat und nimmt die Ostalgiker aufs Korn, die den Artikel zum Anlass nehmen auf den schlimmen kapitalistischen Westen zu schimpfen. U. a. schreibt er (Kommentar 5) über die DDR-Planwirtschaft:

„Als der Sozialismus den Brotpreis regulierte, landeten frische Brote massenhaft in den Schweinetrögen. Als der Sozialismus die Schweinefleischpreise subventionierte, machten die Züchter traumhafte Gewinne und die Menschen aßen fast nur noch Koteletts. Als der Sozialismus die Brötchen billig machte, landeten sie massenhaft in den Mülltonnen. Als der Sozialismus die Energiepreise subventionierte, wurde die Wohnungstemperatur mit dem Fenster reguliert. Als der Sozialismus die Mietpreise regulierte, verfielen die Städte. Als der Sozialismus nicht genügend Autos liefern konnte, stiegen die Schwarzmarktpreise. Als der Sozialismus private Handwerksbetriebe verstaatlichte, blühte die Schwarzarbeit. Als der Sozialismus nicht genügend Waren produzieren konnte, verdienten sich die Leute eine goldene Nase, die sich an den Verteilerstellen befanden.“

Ich habe Herrn Wittenburg einmal auf einer Tagung kennengelernt und freue mich jetzt über den überraschenden Fund.

Siegfried Wittenburg ist Fotograf. „Bildautor“ sagt er selbst. Er hat beeindruckende Bildbände und Ausstellungen zum Alltag in der DDR gemacht.

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Die AfD, die abgehängten Ossis und demonstrierende Polen auf der Oderbrücke

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Gestern Abend fand ich brandenburg-aktuell, die abendliche Nachrichtensendung des rbb, besonders sehenswert. Das ist nicht oft der Fall, abgesehen von der kreativen Wettervorhersage. Soviel passiert halt in Brandenburg nicht, außer rechtsextremen Brandstiftern, rechtsextremen Fremdenhassern und strebsamen Schutzsuchenden, die sich zur Grundschullehrerin und zum Busfahrer qualifizieren und die syrische Familie, die endlich eine Wohnung beziehen kann. Und dann darf natürlich – gefühlt allabendlich – die AfD nicht fehlen.

Was war vorgestern (7.10.) so anders? Gar nicht viel.

Ein kurzer Clip von der deutsch-polnischen Grenze. Auf der Oderbrücke zwischen Frankfurt und Slubice demonstrierten polnische Christen gegen die Islamisierung Europas. Das geschah wohl an vielen Grenzübergängen Polens.

Und dann dröhnendes Schweigen. Während sonst Beiträge an- und nicht zuletzt abmoderiert werden, manchmal flapsig, manchmal mit Widerspruch gegen die in einem Beitrag geäußerten Meinungen, passierte dieses Mal nichts. Es gab auch keinen einordnenden Kommentar, etwa eines Politologen der Universität Potsdam oder eines Vertreters des Zentralrats der Muslime, der die polnische Islamophobie anprangert. Auch wurden keine Stimmen von Passanten eingefangen, sonst so unvermeidlich wie überflüssig für eine Nachrichtensendung.

Es hatte der Redaktion wohl die Sprache verschlagen, wie politisch unkorrekt die Nachbarn da auftraten. Den Rest des Beitrags lesen »

Neues Forschungsprojekt zu Altnazis im SED-Staat

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Nazis gab es überall. Über dem Kinderglauben, dass mit der AfD erstmals Nazis im Bundestag säßen, gerät in Vergessenheit, wie sehr auch die SED auf PGs zurückgriff. Während grünlinke Politiker Forschungsprojekte bezahlen, in denen in westdeutschen Nachkriegsministerien, Behörden und Konzernen Altnazis gesucht werden, untersucht Prof. Klaus Schroeder vom Forschungsverbund SED-Staat der Berliner Freien Universität die Positionen von ehemaligen NSDAP-Mitgliedern in der DDR.

„Acht DDR-Minister und neun Stellvertreter waren vor 1945 Mitglieder der NSDAP gewesen. 1953 waren mehr als ein Drittel der Mitarbeiter des Zentralkomitees der SED sowie der Kreis- und Bezirksleitungen der Partei früher Nationalsozialisten gewesen.“ (Das Urheberrecht an diesem Satz gehört: http://www.berliner-zeitung.de/28523214)

 

Es ist kein Wunder, dass Prof. Schroeder im linken und linksextremen Berliner Milieu nicht sonderlich beliebt ist.

Im Blog gibt es ca. drei Dutzend Beiträge zum Thema „Nazis und die DDR“.

Frank Trentmann: Die Herrschaft der Dinge

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Der in Groß-Britannien lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat eine faszinierende Weltgeschichte geschrieben: Die Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. bis ins 21. Jahrhundert. Es ist eine enzyklopädische Geschichte des Konsums rund um die Welt.

Das von mir benutzte Taschenbuch umfasst 850 Seiten, davon 700 Seiten Text. Es geht um Konsum, um die Lust auf Dinge, auf kostbare Kleidung, schöne Möbel, exotische Früchte und Waschmaschinen. Lust auf Konsum beginnt nicht erst in der Renaissance, schon die Frachtschiffe der Römer schafften die Dinge heran, die die Bewohner der Hauptstadt begehrten. Man erfährt viel Neues, z. B. über die ersten Warenhäuser, über erste Werbung, Marketing und Konsumentenkredite oder über das Luxusgut Kakao.

Es ist nicht der westliche Kapitalismus, der zum Konsum verführt. Trentmann erzählt gut lesbar vom Konsum in Japan, China, in Hitlerdeutschland und in kommunistischen Diktaturen. Letzteres interessiert mich natürlich besonders. Trentmann macht deutlich, dass die kommunistischen Herrscher in mehrfacher Hinsicht mit dem Bedürfnis ihrer Untertanen nach Konsumgütern nicht klarkamen. Die Ideologie ging davon aus, dass in einer sozialistischen Gesellschaft die Entfremdung der Menschen von der Arbeit aufgehoben sei. Der Mensch verwirkliche sich in der nicht mehr entfremdeten Arbeit. Eine Flucht in das Privatleben, in die Freizeit und eben den Konsum wäre nicht mehr notwendig. Die Proletarier folgten dem nicht.

Es war nicht allein die Verlockung der westlichen Konsumgesellschaft, die den Kommunismus kollabieren ließ. Den Rest des Beitrags lesen »

Das Jugendwiderstandsmuseum in Berlin

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Jugendwiderstandsmuseum

In der Galiläakirche in Berlin-Friedrichshain gibt es eine kleine ständige Ausstellung zum Jugendwiderstand in der DDR.

Die Kirche ist heute Museum und Veranstaltungsort vor allem für Konzerte. In der DDR war sie eine der Kirchen, in denen die Bürgerrechtsbewegung ihren Anfang nahm. „Schwerter zu Pflugscharen“ war ein erfolgreicher Slogan. Eine Plastik dieses Namens war ein Geschenk der UdSSR an die UNO und stand vor dem New Yorker UNO-Hauptgebäude. Das Symbol gab es als Lesezeichen und als Aufnäher prangte es auf den Jacken Jugendlicher.

Es wurde zum Zeichen der unabhängigen Friedensbewegung in der DDR. Das veranlasste die SED dazu, dagegen vorzugehen. Wer mit dem Aufnäher angetroffen wurde, musste ihn je nach Freundlichkeit der Polizisten entweder sofort abtrennen, die Jacke herausgeben oder ins Polizeirevier mitkommen, wo nicht selten weitere Schikanen drohten. Viele Jugendliche wurden wegen des Aufnähers von der Schule verwiesen oder von Lehre und Studium ausgeschlossen. Das MfS notierte am 1. August 1982 insgesamt 3.676 Personen mit diesem Aufnäher festgestellt zu haben. Laut einer Schätzung sollen ihn jedoch fast 100.000 Menschen getragen haben.

schwerterMehr dazu im Buch von Anke Silomon, „Schwerter zu Pflugscharen“ und die DDR. Die Friedensarbeit der evangelischen Kirchen in der DDR im Rahmen der Friedensdekaden 1980-1982. Göttingen 1999. (Frau Silomon hat hervorragend über die Potsdamer Garnisonkirche geschrieben.)

Auf der Webseite gibt es nähere Informationen über die kleine Ausstellung. Für Schulklassen gibt es Führungen.

Weiterführende Informationen zu oppositionellen Jugendlichen gibt es auf der multimedialen Plattform jugendopposition.de

In der Ausstellung gefunden: zwei „Nachrichten“ des Neuen Deutschland vom 10. November 1989. Man beachte das Datum! Am 9.11. war die Mauer gefallen.

Neues Deutschland

Todesfälle im MfS-Gefängnis Hohenschönhausen

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Peter Erler, Tod im Gewahrsam der Staatssicherheit: Suizide und andere Sterbefälle am Haftort Berlin-Hohenschönhausen 1951 bis 1989. Eine vorläufige Übersicht.

Der Tod von Strafgefangenen wurde bei der Staatssicherheit anscheinend nicht erfasst. Das MfS war bemüht, derartige Vorkommnisse in seinen Untersuchungsgefängnissen zu verschleiern. So fehlen entsprechende Vermerke über den „Abgang“ der Häftlinge in den Registrierbüchern oder die Aktenablage der Betroffenen weist Lücken auf. Manchmal enthalten die überlieferten Unterlagen falsche Angaben zum Todesort.

Es scheint, als ob eine mit der letzten Druckertinte gedruckte Papierkopie eingescannt worden wäre. Unangenehm zu lesen!

Endlich: Neues „Horch-und Guck“-Heft!

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Mit sehr viel Verspätung und irritierender Zählweise ist dieser Tage das Heft 1-2/2016 von Horch und Guck erschienen: „Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“.

Mit dem Umzug von Berlin nach Leipzig hat man sich schwer getan. Um wieder á jour zu kommen, wird es wohl weiter Doppelhefte geben müssen, vielleicht werden sie auch zur Norm. (Die Webseite ist leider nicht aktuell.)

Auf jeden Fall wird das Heft einige Zeit auf meinem Schreib- und dem Nachttisch liegen. Über das Thema ist schon viel geschrieben worden, aber das eine oder andere (für mich) Neue ist im Heft zu finden: Jochen Staadt über Egon Bahr, Sebastian Stude über Tschernobyl und die Stasi, Karsten Brüggemann über die Friedliche Revolution im Baltikum. Auch ist es gut, wenn die Erinnerung an manch anderes aufgefrischt wird, etwa die überschätzte Demonstration vom 4.11.89 auf dem Alexanderplatz.

Alexander Latotzky hat über den Skandal des Umgangs mit dem sowjetischen Speziallager in Sachsenhausen geschrieben. Das ist mir zwar bekannt, nicht zuletzt weil die ehemalige für das Speziallager verantwortliche Historikerin in Potsdam, in der KGB-Gedenkstätte Leistikowstraße, für ähnlichen Unmut sorgt.

Prof. Klaus Schroeder gibt einen Überblick über die weiterhin bestehenden, sich sogar verfestigenden politischen und mentalen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen:

  • 74% der Westdeutschen waren 2014 mit der Demokratie zufrieden, 40% der Ostdeutschen.
  • Die Planwirtschaft wird zunehmend milder gesehen. Antikapitalistisches Denken beherrscht 95% der jüngeren Ostdeutschen. (Die Quelle konnte ich bei Schroeder nicht finden.) 42% der Ostdeutschen meinen, ihnen würde es in einer Planwirtschaft nicht schlechter gehen als in einer Marktwirtschaft.

Eckehard Jesse erklärt noch deutlicher, als es mir bisher schon bewusst war, das Scheitern der Bürgerbewegung durch ihre Fixierung auf die Verbesserung der DDR, allenfalls auf einen Dritten Weg neben Sozialismus und sozialer Marktwirtschaft.

Er zeichnet den weiteren Weg von Bürgerrechtlern in verschiedene Parteien und Ämtern oder ins Privatleben nach.

Von Ulrike Poppe hatte ich das einmal gehört, dass für die Bürgerrechtler die Vorstellung eines geeinten Deutschlands fremd war. Den Aufruf „Für unser Land“, für eine sozialistische, antifaschistische und humanistische Alternative zur BRD, von Christa Wolf angestoßen, unterzeichnete sie. Konsequent stimmten Marianne Birthler, Pfarrer Dr. Schorlemmer, Matthias Platzeck u. a. dann gegen den Beitritt zur Bundesrepublik und gegen den Einigungsvertrag.

Das erklärt vielleicht auch, warum die Bürgerrechtler in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sind. Mit der schnell wachsenden Lust an der Einheit hatten sie nichts am Hut. „Die Republik Freies Wendland in Gorleben hatte sie mehr fasziniert als das Bundesverfassungsgericht“, schrieb der Journalist Konrad Schuller 1996.

 

Zweierlei Baukultur

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Arnimsche KapelleDie Arnim´sche Kapelle auf dem Alten Friedhof in Potsdam ist ein Meisterwerk des Klassizismus. Sie wurde 1851 eingeweiht. Der Architekt, Schinkelschüler Ferdinand von Arnim, war preußischer Hofbaurat. Er hat an einer ganzen Reihe berühmter preußischer Bauwerke mitgearbeitet.

Die Kapelle, eine der ganz wenigen klassizistischen, glänzt durch architektonische Besonderheiten. Der Mosaikfußboden besteht aus Tonfliesen in Rosettenform. Zwischen den Dachsparren ist bemalte Leinwand gespannt. Die Holzvertäfelung in der Trauerhalle imitiert das seinerzeit zu teure Eichenholz. Die Maserung ist handgemalt.

Die Restaurierung der Trauerhalle wurde in diesem Jahr, nach dreieinhalb Jahren vollendet. Auch sie ist eine Meisterleistung der beteiligten Gewerke.

Wesentlichen Anteil an der Wiederherstellung der Trauerhalle hat der Leiter der Verwaltung der 15 Potsdamer Friedhöfe, Gunther Butzmann. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz hat die Wiederherstellung des Mosaikfußbodens mitfinanziert.

Am gestrigen Tag des offenen Denkmals haben der Friedhofsleiter und das Ortskuratorium der Denkmalstiftung die Trauerhalle der Öffentlichkeit vorgestellt.

 

Ich erwähne die gestrige Veranstaltung nicht nur, weil ich selbst im Ortkuratoium der Stiftung ehrenamtlich mitarbeite, sondern vor allem aus diesem Grund:

In letzter Zeit erlebt die Architektur der DDR eine bisher unbekannte Wertschätzung. Es gibt die Wortschöpfung „Ostmoderne“. Westdeutsch sozialisierte Kunsthistoriker und Journalisten haben sie entdeckt und schreiben sie hoch.

So werden profane Bauten wie ein viereckiger Kasten, der ein Rechenzentrum war, oder ein (angeblicher) Nachbau eines Hauses von Mies van der Rohe als Paradebeispiel der DDR-Architektur gepriesen. Zwei Dutzend Linksextreme verstehen sich auf Guerilla-Marketing und unterhalten die Medien mit wöchentlich neuen Aktionen für den Erhalt  hässlicher DDR-Bauten und Ausfällen gegen die parlamentarische Demokratie.

Unerwähnt bleibt, dass sich die SED-Diktatur gegenüber missliebiger Architektur wie die Taliban verhalten haben. Es wurde gesprengt, es zerfiel, es wurde kaputt genutzt, es wurde abgerissen.

Ich respektiere Leistungen von DDR-Architekten. Es gibt einige repektable Bauten. Sie werden ja auch erhalten und gepflegt, z. B. das Kino International in Berlin. Ich bewundere auch den Mut, kleinbürgerliche kommunistische Funktionäre von gutem Bauen zu überzeugen. Auch die Versuche, eine Architektur für den neuen sozialistischen Menschen zu schaffen, wie das sozialistische Musterdorf Mestlin oder die Kulturhäuser und ja auch die Stalinallee, werden respektiert, erhalten oder restauriert. Auch die biedere Regierungssiedlung Wandlitz steht unter Denkmalschutz.

Aber was ist mit dem anderen Gesicht dieses Staates? Dafür gibt die Arnim´sche Kapelle ein Beispiel. Dieses Gebäude wurde bis zur Unkenntlichkeit ausgeweidet. In der Trauerhalle wurde eine Zwischendecke einzogen. Die bemalten Deckenleinwände wurden in dem feuchten, luftdichten Dachraum schimmelig. Über den großartigen Mosaikfußboden wurden Grabsteinplatten und Schutt gelegt, um die Raumhöhe für die neuen Büros in der Trauerhalle zu verringern. Die Apsis wurde zugemauert, nur ein Durchgang zum Klo blieb.

Arnimsche Kapelle DDR-Zustand
Zustand der Trauerhalle 1990

Wie kann man die Baukultur der SED-Diktatur loben, ohne ihre fanatische Vernichtung überkommener Baukultur zu erwähnen? Wie kann man die Bemühung um Wiederherstellung vernichteter Baukultur als Barockfaschismus denunzieren?

Potsdam: Spielwiese für Kunsthistoriker

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Laut PNN (2.9.17, p 16) ist er Experte für DDR-Architektur, der emeritierte Professor Thomas Topfstedt, Professor für sozialistische Gegenwartskunst und Mitglied der Bauakademie der DDR, nach der sog. Wende Professor für Kunstgeschichte des 19. und 20 .Jahrhunderts und Mitglied der Deutschen Akademie für Städtebau. Er gehört zu den Kunsthistorikern, die auch 5 nach 12 der DDR-Architektur-Ikone Fachhochschule Potsdam noch eine Chance geben wollen.

Wenn es in den vergangenen 25 Jahren 20 gegenläufige Beschlüsse des Stadtparlaments zur neuen Mitte gegeben hat, nun ja, das könne man so sehen, meint er. Prof. Topfstedt hat nichts gegen das Landtagsschloss und das Palais Barberini. Aber das Monstrum Fachhochschule wäre doch ein spannender Kontrast dazu und sollte stehen bleiben.

Wieder einer, der es uns nicht gönnt, in einer schönen Stadtlandschaft zu leben, sondern in einem Museum der kontrastreichen Architekurgeschichte. Wieder einer, dem es völlig egal ist, wer Unterhalt und Renovierung des Monstrums bezahlt, damit wieder Ateliers für Kunstschaffende und Begegnungszentren für die Zivilgesellschaft oder gleich linksautonome Kulturzentren einziehen.

Selbst wohnt der Professor Topfstedt ganz sicher nicht in Leipzig-Grünau in einer Dreizimmerplattenbauwohnung Typ Erfurt. Eher wohl im renovierten Altbau in der angesagten Leipziger Südvorstadt.

Die Potsdamer Linken springen auf den fahrenden Zug und sind jetzt wieder mal gegen den Abriss. Sie fordern das in solchen Fällen übliche: eine Bürgerbefragung.

Siehe auch hier!

Wie kam es 1992 zum Pogrom von Rostock-Lichtenhagen?

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In diesen Tagen vor 25 Jahren kam es zu den Ausschreitungen gegen ehemalige vietnamesische DDR-Vertragarbeiter, Roma und andere Migranten in Rostock-Lichtenhagen.
Der Film von 1992 erklärt die Vorgeschichte: das Versagen von Kommunal-, Landes- und Bundespolitikern, ihre bis heute andauernde Unfähigkeit, Einwanderung und Asylrecht so zu reformieren, dass sie Akzeptanz in der Bevölkerung finden. Stattdessen ließ man es laufen und, so wird es im Film unterstellt, spekulierte auch ein bisschen auf wachsende Unzufriedenheit. Was wuchs, war der Rechtsextremismus.
Dass ein Rassismusforscher auf die Vorgeschichte deutscher Fremdenfeindlichkeit im Dritten Reich hinweisen darf, schmälert die Qualität des Films nicht wesentlich.