DDR-Aufarbeitung

30 Jahre Deutsche Einheit wird in Potsdam gefeiert

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Das ist doch einmal eine Nachricht! Die Einheitsfeier 2019 wird in Potsdam stattfinden. Und die Stadt kommt in die Gänge. Das Einheitsdenkmal, das ich schon lange vermisse, soll nach 30 Jehren endlich realisiert werden.

Vielleicht sogar auf dem „Platz der Einheit“. Den Namen gab es schon vor 30 Jahren. Gemeint ist die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei.

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Die Ostdeutschen in der Treuhandanstalt

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Bekannt ist, dass die Treuhand eine Erfindung von Bürgerrechtlern war. Man ging von der unrealistischen Annahme aus, dass die DDR-Wirtschaft ein rentables Konglomerat wäre. Sie sollte endlich in Volkseigentum übergehen und die DDR-Einwohner in Form von Anteilscheinen am Gewinn beteiligt werden. In diesem Sinne begann die Treuhand Anfang 1990 zu arbeiten!

Die Treuhand war eine ostdeutsche Erfindung. Anfänglich wurde sie von der Bundesregierung noch nicht als Einrichtung gesehen, die weltweit Käufer für die 8.000 Betriebe suchen sollte oder beim Fehlen von Überlebenschancen die Betriebe schließen und wenigstens die Immobilien gewinnbringend verkaufen sollten. Die ursprüngliche Idee, als eine riesige Aktiengesellschaft zu verstehen und Volksaktien auszugeben, platzte mit der Eröffnungsbilanz. Die SED hatte die Staatsschulden auf die Kombinate gebucht, so dass die erheblich verschuldet an den Neustart gingen. Wegen des Zusammenbruchs des gesamten Ostblocks fehlten die dortigen Kunden, die klaglos die DDR-Produkte abgenommen hatten, jetzt aber auf dem Weltmarkt einkauften.

Viele Produktionsstätten waren veraltet und entsprachen nicht westdeutschen Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen.

Abgesehen von Vorzeigebetrieben und -produkten waren die meisten Produkte nicht weltmarktfähig. (Es war keine kapitalistische Verschwörung, dass die DDR-Bewohner sich auf westdeutsche Automarken stürzten und die VEB Automobilwerk Zwickau auf dem Trabant sitzen blieb.)

Mehr zur Treuhand in früheren Blogbeiträgen

Jetzt lese ich einer Ausgabe von Gerbergasse 18, einer wichtigen Zeitschrift zur DDR-Aufarbeitung aus Jena, dass der Historiker Markus Böick zu den ostdeutschen Treuhand Mitarbeiter/-innen geforscht hat und weitere Forschungen dazu fordert. (Angeblich ist die DDR doch überforscht!) Den Rest des Beitrags lesen »

Die DDR unter den zehn führenden Industrieländern der Welt?

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Dieser Fake hielt sich jahrzehntelang im Osten wie im Westen.

Die ostdeutschen Kommunisten platzten vor Stolz. Sie konnten ihren Untertanen und dem Westen so beweisen, wie toll der Kommunismus war.

Die Feststellung kam aus dem Westen. Besser hätte es nicht sein können. Allerdings waren es die SED und ihre Medien, die die Behauptung als erste wieder verschwinden ließen, weil sie, was man im Osten erkannt hatte, nicht stimmte.

Im Westen hielt sie sich noch lange. Für die West-Linken war es der Beweis, dass der Kapitalismus ein Auslaufmodell war. Die anderen wollten sich die DDR schönreden. Die Brüder und Schwestern im Osten konnten so auch ein wenig stolz sein und man brauchte kein allzu schlechtes Gewissen zu haben, dass man in der richtigen Himmelsrichtung wohnte.

Die SED erwähnte den Spitzenplatz der DDR unter den ersten zehn Industrienationen erstmals 1958 und noch zehn Jahre lang.

Angeblich lag es an einer Rangliste der Weltbank. Das stimmt nicht, schreibt der Potsdamer Wirtschaftsprofessor und DDR-Wirtschaftsexperte André Steiner in der Zeitschrift Gerbergasse 18. Bei der Weltbank war es nicht um Industrieproduktion gegangen, sondern um das Bruttoinlandsprodukt. Die DDR rangierte bei der Weltbank zwischen den Plätzen 15 und 20

Allerdings sind die statistischen Probleme beim Vergleich von Wirtschaftsdaten verschiedener Staaten ziemlich groß. Die Statistikämter der Staaten haben unterschiedliche Erfassungsmethoden, eine Umrechnung in eine einzige Währung ist schwierig. Besonders schwer war es bei den sozialistischen Staaten. Die gaben keine Daten oder nicht alle heraus. Daher ließ die Weltbank den Ostblock ab 1980 weg.

Die OECD führte keine solche Statistik. Fündig wurde Steiner bei der UNO. Die aber verglich nur die Zahl der in der Industrie Beschäftigten. Da schnitt die DDR anfänglich noch gut ab. Bald aber schob sich Polen vor die DDR. Allerdings begann sich die westliche Industriegesellschaft in Richtung Dienstleistungsgesellschaft zu entwickeln. Die kommunistische Vorstellung von Stahl und Eisen als Säulen ökonomischer Potenz war veraltet. Die Zahl der Beschäftigten sagte zudem nichts aus über die Produktivität. Man konnte mit weniger Beschäftigten produktiver sein.

Schließlich nahm sich die DDR-Statistikbehörde der These an. Die volkseigenen Statistiker erkannten, dass vergleichbare Daten zwischen Staaten kaum realistisch zu ermitteln waren und sagten das auch. Immerhin konnten sie mit ihren Berechnungen und Schätzungen die DDR auf Platz 10 halten. Sie wollten aber nicht, dass ihre Berechnungen öffentlich wurden. Anscheinend, so meint Steiner, trauten sie ihnen nicht. Ab 1970 sank die DDR bei der Industrieproduktion ab, seit 1984 war sie auf Platz 15.

Die SED sprach fortan nur noch ohne Rangangabe von „einem der führenden Industriestaaten“.

André Steiner, Wie die DDR unter die zehn führenden Industrieländer der Welt geriet, in: Gerbergasse 18, 3/2017, pp 3-7

 

 

Die Wende der Linkspartei: Fluchtrute statt Zuchtrute

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Die Verlogenheit der Linken wird wieder einmal deutlich. Sie haben Mauern gebaut, um Menschen einzusperren, sie haben Flüchtlinge erschossen oder ins Zuchthaus gesteckt. Jetzt haben sie sich wieder einmal gewendet und fordern legale Fluchtruten[sic]:

kipping

Zeit-Redakteurin hält Ostdeutsche für angsterfüllte Einwanderer

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Die preisgekrönte türkisch-deutsche Politik-Redakteurin der Wochenzeitung, Özlem Topçu, sieht Ostdeutsche als Einwanderer, die sich nicht integrieren wollen. Sie würden sich wie Schonimmerdeutsche benehmen und die schon länger hier lebenden Türken wieder zu Ausländern machen.

„Wir mussten die Wessis einholen“, Die Zeit Online v. 3.10.15

Die Zeit

Einmal mehr sehe ich mich darin bestätigt, zur Basler Zeitung oder der Neuen Zürcher Zeitung zu greifen, wenn ich informiert werden will.

Den Hinweis auf den oben verlinkten Unfug einer deutschen „Qualitätszeitung“ fand ich hier: „Der Tag, an dem ich Ostdeutscher wurde“ von Klaus-Rüdiger Mai, NZZ Online,

Stasi-Unterlagenbehörde gehört ins Bundesarchiv, meint Jochen Staadt

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Der Historiker Jochen Staadt setzt sich in einem Artikel in der FAZ vom 22.1.18, p 6, „Die Schwarzmaler. Erfahrungsbericht mit der Stasi-Unterlagenbehörde“ sehr kritisch mit der Arbeit der Behörde auseinander.

Aus seiner Sicht, der des Historikers, der die Stasi-Unterlagen als Quelle benutzen will, gibt es erhebliche Defizite.

Es sei nicht gelungen, die Materialien fachgerecht zu erschließen, die Behörde wisse selbst nicht, was sie besitze. Als Beispiel nennt er die Kurras-Akte. Frau Birthler hatte den späten Fund damit entschuldigt, dass niemand die Behörde danach gefragt hätte. Das lässt Staadt nicht gelten. Ein Archiv müsse wissen, was es habe und selbst aktiv werden, wenn in der Öffentlichkeit Namen genannt würden.

Angefragte Akten existieren angeblich nicht, obwohl auf sie in externen Quellen hingewiesen wird. Das Bundesarchiv teile mit, welche Akten neu erschlossen wurden. Einen solchen Dienst gäbe es nicht. Forscher müssten lange Wartezeiten in Kauf nehmen, bevor sie an Akten herandürfen.

Der Nachfolger einer Aktenverwalterin findet zu einer Suchanfrage eines Wissenschaftlers weitaus mehr Quellen als diese. Bei Aktenkopien hätten die Bestelldaten gefehlt, so dass der Bezug erneut herausgesucht werden musste. Es hätte Ablehnungen der Herausgabe gegeben, die erst mit der Behördenleitung geklärt werden mussten.

Im Bundesarchiv und im Archiv des Auswärtigen Amtes dürften Forscher Archivgut mit dem Handy fotografieren. Als eine Forscherin das bei der Stasibehörde machte, erhielt sie Hausverbot.

Am schlimmsten aber wäre die „Schwarzmalerei“. Über 400 Angestellte seien damit beschäftigt, Stellen zu schwärzen, die nicht öffentlich werden dürften. Staadt zählt genüsslich auf, was darunter fällt: Das Geburtsdatum von Helmut Schmidt, die Namen von bei der DDR akkreditierten Botschaftern, der Nachname von Horst Mahler, 70 Jahre alte DDR-KfZ-Kennzeichen. In manchen frei gegebenen Kopien sei fast alles schwarz. Manche Schwärzungen seien in externen Quellen aber im Klartext lesbar.

Die herausgegebenen geschwärzten Kopien kopiert die Behörde noch einmal für ihre Unterlagen.

Staadt plädiert dafür, die Stasiakten den Archivprofis des Bundesarchivs zu übergeben.

Bisher wird m. W. von Seiten der Behörde dagegen eingewandt, dass eine zwar abnehmende, aber immer noch erhebliche Zahl von Antragstellern Einsicht in ihre Akte nehmen wollen. Diese Arbeit gehöre nicht ins Bundesarchiv. Außerdem müsse Rücksicht genommen werden auf Persönlichkeitsrechte und denkbare juristische Auseinandersetzungen.Die Akten seien, anders als die Akten des Bundesarchivs, illegal, durch geheimdienstliche Bespitzelung zustandegekommen.

Die Stasi-Unterlagen seien vor allem für Betroffene da und nicht wie die Staatsarchive für jedermann.

Der Text wurde durch Inromationen aus Leserbriefen zum Thema am 3.2.18, p 25, ergänzt.

 

Strukturwandel im Südosten Brandenburgs

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Eigentlich könnte die Welt im Südosten Brandenburgs in Ordnung sein. Die Lausitz ist klimatisch begünstigt, sie ist im Sommer wärmer als die meisten anderen deutschen Landschaften und hat mehr Sonnenscheinstunden. Der Tourismus kommt ins Laufen. Es gibt den wunderbaren Spreewald nördlich von Cottbus, die renovierten Schlösser in Branitz und Bad Muskau mit den Parks des genialen Gartenarchitekten Fürst Pückler. Cottbus hat eine angesehene Hochschule, ein erfolgreiches Theater und ein gutes Kunstmuseum. Ein Festival des (mittel-)osteuropäischen Films gibt es, die Stadt ist Karnevals-Hochburg, es gibt in diesem Jahr ein polnisches Prinzenpaar. Die Stadt hatte 1989 130.000 Einwohner, jetzt ist sie bei 100.000 und wächst wieder.

Eine unmittelbar an der Stadtgrenze liegende Tagebaugrube soll in den nächsten Jahren zu einem großen See aufgefüllt werden, dem Ostsee. Cottbus könnte also einen Strand und eine Marina bekommen.

(Es könnte allerdings sein, dass der See, so groß wie der Müggelsee(!), zum Problemgewässer wird: Schwefel- und Eisenoxidgehalt der Spree könnten zunehmen. Zu- und Abfluss zur Spree liegen nebeneinander am Nordende, der nur zwei Meter tiefe See könnte also überwiegend zum stehenden Gewässer werden.)

Wer über die Autobahn 13 von Berlin nach Dresden fährt, sieht nicht viel von blühenden Landschaften, sondern bringt 100 Minuten öde Überlandfahrt hinter sich. Höchstens zwei Hinweisschilder verweisen auf bemerkenswerte Kuriositäten: Das Tropical Island und den Lausitzring.

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Geburtstagsständchen für den Retter der SED, Dr. Gregor Gysi

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Vera Lengsfeld erinnert daran, dass Dr. Gysi nicht nur der charmante Plauderer in Talkshows ist.

Siehe u. a. auch hier im Blog: Dr. Gysi überbringt Milosevic 1999 die Grüße der PDS

Weiterer Fluchttunnel in Berlin entdeckt

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Der neu entdeckte Tunnel befindet sich praktischerweise im Berliner Mauerpark an der Bernauer Straße. Er und weitere Grabungsfunde wie eine Fahrzeugsperre können daher gut in das Ausstellungskonzept der Gedenkstätte eingebunden werden.

Tagesspiegel 12.1.18

Die DDR und die Juden

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Im Beitrag Die Juden und die DDR: Neue Linie ab 1988 und mehreren anderen ging es um Antisemitismus und Aufarbeitung des Massenmordes der Nazis an den europäischen Juden in Ostdeutschland.

Im Beitrag Antisemitismus in der DDR und die Folgen wurde auf eine westdeutsche Arbeit verwiesen. Deren Schwäche ist, dass sie Antisemitismus rechts verortet und in der DDR vor allem Antizionismus erkennt.

Hier habe ich jetzt eine umfassende Darstellung (bis 1967) zum Thema entdeckt:

Mario Keßler (1995), Die SED und die Juden – zwischen Repression und Toleranz. Politische Entwicklungen bis 1967

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