Brandenburg

Potsdam soll autofrei werden

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Man konnte es sich an den fünf Fingern abzählen: Die Umweltaktivisten werden nicht beim Dieselverbot stehen bleiben.

Mangels radikaler und revolutionärer Konzepte für die Mobilität der Bürger konzentrieren sich Aktivisten, Politik und Verwaltung darauf, das Autofahren zu erschweren. In Potsdam werden Parkverbotszonen ausgeweitet, Parkgebühren erhöht, Tempo-20-Zonen eingeführt, Grünphasen an Ampeln so geschaltet, dass nur noch zwei, drei Pkw von der Neben- in die Hauptstraße durchgelassen werden.

Jetzt soll eine innerstädtische Durchgangsstraße „abgepollert“ werden, angeblich, um Schleichverkehr zu verhindern. Ausgerechnet die breite Friedrich-Ebert-Straße (benannt nach dem Ost-Berliner SED-Oberbürgermeister) soll eine Flaniermeile werden, aus der die Autos verbannt werden. Durchgangsverkehr auf ihr ist für Autos schon lange nicht mehr möglich. Sie ist aber eine wichtige Magistrale für städtische Busse, Straßenbahnen und für die Radfahrer. Flanieren zwischen Bussen und Bahnen und auf einer Radlerrennstrecke? Aber Fußgänger sind schon länger das Stiefkind der Potsdamer Verkehrspolitik.

Den Bewohnern wird auf Schritt und Tritt hahe gelegt, auf Busse, Bahnen und das Rad auszuweichen. Es gibt diese riesigen Bildschirme am Straßenrand, die der Information der Verkehrsteilnehmer dienen sollen. Meist sind sie leer oder weisen auf das nächste Fußballspiel im Karl-Liebknecht-Stadion hin. Oder empfehlen, wegen des erhöhten Verkehrsaufkommens auf Busse, Bahnen und das Rad auszuweichen. Den Rest des Beitrags lesen »

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Brandenburg: Staatliches Taschengeld für Abiturienten, nicht für Azubis

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Es gibt zu wenig Auszubildende in Brandenburg. Das interessiert die regierende SPD nicht besonders.

Vor acht Jahren erfanden SPD-Politiker das Schüler-BAFöG. Eine bundesweit einmalige Sache, worauf jahrelang gebührend hingewiesen wurde. Gemeint ist die Förderung von Abiturienten aus einkommensschwachen Familien. Sie erhalten zwei Jahre lang vor dem Abitur monatlich 100 €.

Zwar gab es auch schon vor acht Jahren eine Abiturientenschwemme und zu wenig Auszubildende. Aber die soziale Großtat wurde trotz Kritik der Opposition durchgewunken. Der Landesschülerrat fand die Sache reichlich „naiv“. Aber die Erfinder, die SPD-Politiker Platzeck und Ness, ließen sich nicht beirren. Auch Informationen, dass Investitionen in frühkindliche Bildung, in Kita und Grundschule mehr brächten, konnten sie nicht irritieren.

Die antragsberechtigten Schüler sollten sich davon Bücher oder einen Laptop kaufen. Jugendpolitiker Torsten Krause, für die Postkommunisten im Landtag, legte noch eins drauf: „Glückliche Menschen lernen besser“, sagte er laut Zeitung. Wenn der Kauf von Kinokarten und Musiktiteln glücklich mache, dann seien BaföG-Mittel dafür gut angelegt. Kurz davor hatte ich ihm die Idee unterbreitet, die Summe in Schulbibliotheken zu investieren. Davon hielt er sichtlich nichts.

Die Grünen antworteten mir immerhin schriftlich ausführlich. Sie waren zwar gegen das Schüler-BAFöG, verwiesen aber (leider mit Recht) bezüglich der Schulbibliotheken auf die Unzuständigkeit des Landes. Die CDU hat nicht geantwortet.

5 Millionen € jährlich wurden in den Landeshaushalt eingestellt. Etwas mehr als 2.000 Schüler profitieren davon. Quittungen für Bücher, Laptops oder Kinokarten mussten nicht vorgelegt werden. Es sollte unbürokratisch ablaufen.

(Kurz nach Verabschiedung der Wohltat verhängte der Finanzminister eine Haushaltssperre. Ein direkter Zusammenhang zum Landes-BAFöG ist nicht belegbar.)

Nach zwei Jahren ließ die Landesregierung das Projekt „evaluieren“: Eine wissenschaftliche Studie der FH Wildau ergab, dass die Mehrzahl der  Zuwendungsempfänger, die antworteten die Zuwendung gut findet. (40% der angeschriebenen hatten geantwortet. Etwa die Hälfte gibt an, ohne die Zuwendung kein Abitur gemacht oder kein Studium begonnen zu haben. „Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Förderung und Wahl des Bildungsweges ist aufgrund der Höhe der Förderung nicht feststellbar“, sagen die Forscher aber.

Danach, wofür das Geld ausgegeben wurde, war nicht gefragt worden.

Zudem hat die Regierung festgestellt, dass es 15 Abiturklassen mehr gibt und führt das auf das Abiturtaschengeld zurück.

Warum dieser Ausflug in die Vergangenheit?

Das staatliche Taschengeld wird jetzt auf 125 € erhöht.

Bemerkenswert ist der Stil, in dem das durchgezogen wird. Auf die vorgeschriebenen drei parlamentarischen Lesungen verzichtet die Regierung. Bildungsministerin Ernst erklärt, warum: „Die Sache ist gut. Das ist unstrittig.“

Das Schema politischen Handelns ist erkennbar: Der patriarchalische Staat gibt gerne Zuschüsse. Er hilft hier ein wenig und dort etwas. Aber Steuern senken und strukturell etwas zu tun unterlässt er.

Damit „arme“ Schüler Bücher kaufen können, erhalten sie staatliches Taschengeld. Aber Schulen erhalten keine Schulbibliothek. Genauso geht es jetzt beim Baukindergeld zu: Die Grunderwerbssteuer wird erhöht, Steuern werden minimalst gesenkt, aber staatliches Baukindergeld wird verschenkt.

 

rbb-Inforadio: Haltung statt Information

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Man ist es gewohnt, dass die ARD-Sender vorzugsweise über schlimme Rechtspopulisten und strebsame Schutzsuchende berichten. Ein Höhepunkt war zuletzt ein „Interview“ im rbb-Inforadio mit einer Dame des linksextremen „Zentrums für politische Schönheit“. rbb-Haltungsjournalist Jakob Bauer hielt der Frau das Mikrofon hin und die schwadronierte vom Tyrannenmord und lobte die Gewaltbereitschaft von PETA und Greenpeace.

Kritsch befragt werden bei der ARD österreichische Bundeskanzler und israelische Botschafter, aber keine Linksextremisten.

Auf AchGut

Siehe u. a. auch hier im Blog!

Brandenburg mag keine NATO-Panzer, die das Baltikum schützen sollen

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nato_putin
Foto von Reuters v. 16.6.18; US-Soldaten stürmen ostwärts

In Brandenburg ist man auch nach fast 30 Jahren noch nicht richtig im Westen angekommen. In dem am östlichen Rand der Bundesrepublik gelegenen Bundesland fühlt man sich „den Freunden“ in Russland besonders nahe. Sie sind für manche Politiker, Journalisten und Karikaturisten die östlichen Nachbarn.

Berliner spotten schon einmal, wenn sie gen Osten, in den Landkreis Märkisch-Oderland fahren, der sich zwischen Berlin und der Oder erstreckt: „Wir fahren nach Sibirien.“ Mit Polen, dem unmittelbaren Nachbarn, fremdelt man. So wie früher in der DDR, als man sich darüber aufregte, dass die Polen die Konsum-Läden westlich der Oder leer kaufen würden. Oder später wegen der vielen Autodiebstähle und Einbrüche im Grenzland. Jetzt sind es der nationalkonservative Kurs der Regierenden und ihre Deutschfeindlichkeit, die eine Annäherung erschweren. Da hält der rbb mit freundlichen Sendungen vergeblich dagegen. Wenn auf der Frankfurter Oderbrücke, direkt auf der Grenze, Polen gegen die Islamisierung Europas demonstrieren, berichtet man das lieber nicht.

Russland dagegen erfreut sich großer Beliebtheit. Putin kann anstellen, was er will, in der Ukraine Krieg führen, ein Passagierflugzeug abschießen, die Krim annektieren, in Moldawien Truppen stationieren, im Kaukasus einen blutigen Krieg führen und kritische Mitbürger in den GULag schicken. Brandenburger SPD-Politiker wie Woidke, Platzeck und Steinmeier, die Brandenburger Linkspartei und die Mehrheit der Bevölkerung kann all das nicht davon abhalten, Russland und Putin zu vertrauen und in ihm einen zuverlässigeren Bündnispartner zu sehen als im schlimmen Donald Trump.

Alle Jahre wieder wenden sich der Ministerpräsident („Ich werde nicht auf einen US-Panzer klettern.“) und die Linke gegen die Aggressionen der NATO, die sich erdreistet, den NATO-Partnern in Ostmitteleuropa (nicht Osteuropa, liebe Journalisten!), Polen und den baltischen Staaten, ein paar symbolische Panzer zu schicken, damit die weniger Angst vor den Russen haben. NATO-AWACS-Flugzeuge überwachen den baltischen Luftraum. Die russische Luftwaffe fliegt nämlich regelmäßig Scheinangriffe auf baltisches Territorium. Das Heer übt regelmäßig mit zehntausenden Soldaten die Rückeroberung des Baltikums. Russische Cybereinheiten stören die dortigen Computernetze. „Euch braucht keiner“ verkünden die russischen Propagandasender.

Die US-Truppen rollen durch Brandenburg ostwärts. Das ist der Linkspartei und SPD-Woidke ein Dorn im Auge. Jetzt wollen die Sozialisten wieder vor einer Kaserne protestieren, die als Zwischenstation vorgesehen ist, und dort „Ami, go home!“ rufen. An der Spitze das linke Regierungsmitglied Diana Golze, die Frauenministerin und Parteivorsitzende.

Der rbb meldet dazu passend, dass US-Panzer durch das friedliebende Brandenburg rollen, nicht etwa NATO-Panzer.

Gaulands Brandenburger AfD ist ebenfalls von Russland angetan. Ob so viel Übereinstimmung zwischen Links- und Rechtspopulisten einmal in eine Regierungskoalition mündet?

Beschämend ist die Brandenburger Aktion vor allem vor dem historischen Hintergrund: Die Deutschen haben 1939 fast das gesamte Baltikum Stalin überlassen. Der hat Hunderttausende, vor allem die Eliten der Länder, nach Sibiren in den GULag deportiert.

Baltische Partisanen haben bis 1956 den sowjetischen Besatzern das Leben schwer gemacht. In den drei Staaten sind die Verbrechen der Kommunisten noch präsent. Sie übertreffen die der Deutschen um ein Vielfaches.

Man lese z. B. die Geschichte des „Waldbruders“ (Partisan) Mohdris Zimanis in „Horch und Guck“ Nr. 70, pp 64 – 67. Daran kann man ermessen, wie unverschämt Woidke, Golze und Genossen sowie die AfD im Baltikum wahrgenommen werden. (Die Seite 64 in der Datei muss von Hand eingetragen und aufgerufen werden!)

Nachtrag: Die Berliner US-Botschaft twittert – allerdings in einem anderen Zusammenhang – den Vorschlag, dass Anti-Amerikaner einmal die Pointe du Hoc besuchen sollten.

US-Botschaft_D-Day

 

Schülerwissen zur DDR

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Einreise_pixabayDer Politikwissenschaftler Klaus Schroeder beobachtet kritisch den Wissensstand in Sachen DDR. Seine Untersuchungen 2008 und 2012 zum Wissensstand west- und ostdeutscher Schüler sorgte für Aufsehen. Er konstatierte einen beklagenswerten Kenntnisstand, im Westen war er etwas besser als im Osten.

Hier mein Posting nach der zweiten Schroeder-Studie 2012:

Katastrophales Geschichtswissen: Je weniger ich weiß, desto besser finde ich die DDR

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Brandenburg: Es kann so einfach sein

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Der Brandenburg-Slogan „Es kann so einfach sein“ sagt mir nichts. Vielleicht soll er das auch nicht, denn ich bin seit fast 12 Jahren Brandenburger und muss nicht mehr angesprochen werden. Wer dann? Die Ausgereisten oder Abgewanderten, die man zurückgewinnen möchte? Touristen, die begreifen sollen, dass sie keine Verpflegungspakete mehr packen müssen, wenn sie in den Osten reisen?

Letztlich ist es mir egal. Schade nur um die Steuergelder.

Wenn schon ein Slogan, dann der, der als Reaktion entstanden ist:

„Brandenburg: Hunderte Wölfe können sich nicht irren.“

Nachtrag: Zur Rechtfertigung des Slogans bietet die Landesregierung auch einen Kreativen der Firma auf, die sich den Satz ausgedacht hat.

Ich traue meinen Ohren kaum: Es ist Scholz & Friends! Die Firma, zu der ein Kreativdirektor gehörte, der versuchte, regierungskritische Blogs wie Tichys Einblick und Achse des Guten wirtschaftlich zu schädigen, indem er Geschäftsfreunde zum Werbeboykott aufrief. Kurz danach bekam Scholz & Friends einen Auftrag der Bundesregierung.

 

Das Research Center Sanssouci

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Park Sanssouci

„Friederisiko“ – die grandiose Ausstellung zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen 2012 war der Auslöser für die Gründung des Research Centers Sanssouci für Wissen und Gesellschaft (RECS). Bei der Ausstellung hatten Wissenschaftler der Universität Potsdam und die Experten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erfolgreich zusammengearbeitet.  Das gab den Ausschlag für das Institut, das 2016 unter dem Dach der Schlösserstiftung gegründet wurde und in ein Gebäude im Park Sanssouci einzog. Forschungsgegenstände sind der Nachlass Friedrichs des Großen, darunter auch die Ausgaben für den königlichen Haushalt, die Schlösser und Gärten der Hohenzollern und die Geschichte Brandenburg-Preußens bis hin zur europäischen Aufklärung.

In einem Blog werden Forschungsvorhaben und -Ergebnisse vorgestellt sowie Veranstaltungen angekündigt.

 

Wo bleibt der Osten?

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Das fragt heute der Aufmacher von PNN/Tagesspiegel. Die Medien verlängern wieder einmal das beliebte Narrativ von den fehlenden Ost-Eliten im nachrevolutionären Deutschland.

Mich erinnert die wiederholte Kampagne an das Projekt einer Kunstschaffenden-Truppe, die „Dritte Generation Ost“ zu kreieren. Die Aktivisten ernannten die um die Friedliche Revolution herum Geborenen zu Spätgeborenen der DDR anstatt zur ersten postsozialistischen Generation. Unter reger Anteilnahme der Medien veranstalteten sie Theateraufführungen, Diskussionsrunden, Tagungen. Sie forderten die Schaffung einer Dritte Generation West. Der Austausch zwischen diesen Generationen hätte natürlich reichlich weiteren Stoff für Symposien, Studien und Projektwochen geliefert. Kein Wunder, dass die Geschäftsführerin für ihr Projekt Staatsknete forderte.

(Der Eindruck, der erweckt worden war, dass ohne das Projekt die DDR-Aufarbeitung unzureichend wäre, traf nicht zu.) Glücklicherweise ist es still geworden um die Gruppe.

Jetzt also, 29 Jahre nach der Friedlichen Revolution will die SPD einen ostdeutschen SPD-Bundesminister. (Das Thema war auch schon 2016 und 2017 beliebt.)

Klappt es mit dem angeblich ausbleibenden Aufschwung Ost deshalb nicht, weil in der Bundesregierung ein ostdeutscher Minister fehlt? Von den diversen Ost-Beauftragten der Bundesregierung hörte man nie viel und wenn, nicht nur Lobenswertes. Zur Erinnerung:

  • Bisherige ostdeutsche Bundesminister: Günter Krause, Claudia Nolte, Manuela Schwesig, Manfred Stolpe, Wolfgang Tiefensee, Johanna Wanka
  • Bisherige ostdeutsche Bundeskanzler: Angela Merkel
  • Bisherige ostdeutsche Bundespräsidenten: Joachim Gauck

Wieso eigentlich ostdeutsch? Es müsste doch heißen: thüringisch! sachsen-anhaltinisch! mecklenburg-vorpommerisch! brandenburgisch! sächsisch! Warum soll ein Sachse einem Mecklenburger vorgezogen werden? Da sollte man an ein Rotationsmodell denken.

Es ist überheblich, eine ostdeutsche Repräsentanz im Bundeskabinett für die SPD zu beanspruchen. Bei der Bundestagswahl 2017 lag die Partei in Ostdeutschland an vierter Stelle, hinter CDU, AfD und Linkspartei!

Sind wir genderpolitisch und multikulturell nicht auch schon weiter? Müsste es nicht eher einen sachsen-anhaltinischen Transgendermann geben statt einer heterosexuellen brandenburgischen SPD-Politikerin? Der Tagesspiegel enttäuscht, weil er kein kritisches Wort dazu findet. Schließlich hat er eine Gender-Redaktion, die sonst die Interessen Andersgeschlechtlicher zu wahren weiß.

Hinter dem Ruf nach einem Ostdeutschen mit dazugehöriger Mentalität(!) steht das Gefühl, Ostdeutsche würden bei der Besetzung ostdeutscher Führungspositionen übersehen.

Der hohe Anteil Westdeutscher an Führungspositionen in den neuen Bundesländern lässt sich begründen: Wenn man, sagen wir 1980, in Ostdeutschland geboren wurde, könnte man jetzt die beiden juristischen Staatsexamina bestanden, schon mehrere Jahre Berufspraxis haben und verbeamtet sein. Der Zeitpunkt, an eine Bewerbung als Gerichtspräsident, gar als Bundesrichter, zu denken, rückt näher. So viel zum westdeutschen „Kolonialismus“.

Die letzten in der DDR ausgebildeten Kader gehen jetzt nach 25 bis 30 Jahren in den Ruhestand. Erst danach beginnt eine postsozialistisch ausgebildete Generation die Berufspraxis.

Wie hätte es anders laufen sollen? Der Leiter der Oberfinanzdirektion Dresden? Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Neuruppin, der Präsident des brandenburgischen Landesrechnungshofes? Es galt, die Jahrhundertaufgabe der Übertragung des westdeutschen Rechts-, Steuer- und Wirtschaftssystems zu stemmen. Lag es da nicht nahe, westdeutsche Fachleute für diesen Aufbau zu holen? (Auch mit dem Risiko, dass es darunter Versager gibt.)

Was wir nicht vergessen sollten: die Elitenkontinuität im Osten, nicht zuletzt in Brandenburg.

 

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde verfilmt

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In Medienkiste über die DDR ist auch das Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ enthalten. Es freut mich, dass mein vor zehn Jahren abgegebener Lesetipp jetzt verfilmt wurde.

Die Kritik der FAZ ist verhalten positiv. Am besten findet der Filmkritiker, dass bei der Ausstattung (Bekleidung, Möbel usw.) das Ambiente der DDR exakt getroffen wurde. (Für Cineasten eine fast schon vernichtende Kritik.)

Den Vogel schießt wieder einmal der linke Berliner Tagesspiegel ab. Tagesspiegel-Filmexpertin Kerstin Decker wacht darüber, dass der DDR kein Unrecht angetan wird.

Journalistin Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Bei der hervorragenden Serie „Weißensee“ lobte sie, dass endlich einmal der Stasi Gerechtigkeit widerfahre. Den Kommunisten der ersten Stunde, wie im Film dem MfS-Oberst Kupfer, würde ihre Würde wiedergegeben.

Nachtrag 23.3.18: Jetzt endlich habe ich mir den Film angesehen. DDR-Sympathisantin Dr. Decker muss der Film masslos geärgert haben. Sie ist bis heute im Kalten Krieg stecken geblieben: Nicht nur, dass der Westen, konkret: der RIAS, die jungen Leute verführt hat. Sie legt in einem zweiten(!) Text nach: Die verführten Abiturienten wären im Westen hoch willkommene Flüchtlinge gewesen, während Flüchtlinge heute… Damals waren die Schüler Helden im Kalten Krieg, heute im Kino. Im Kalten Krieg dürfen die Sieger von 1933 einmal über die Verlierer lachen.

Es wäre doch der RIAS gewesen, der die Ostler aufgehetzt hätte, der die Falschmeldung vom Tod des ungarischen Fußballhelden erfunden hätte. Und doch geht der gute Ostblock unter. Wie ungerecht!

Wer nur sieht, dass die Freiheit über die Diktatur triumphiert hätte, ist in Dr. Deckers Augen geistig schlicht. Die Kommunisten waren die Besseren. Sie haben nie einen Fehler gemacht. Sie waren „strukturell“ unfähig zum Verrat. Sie besaßen die „höhere Moral“. Sie wollten für ihre Kinder ein besseres Leben. Wenn da nicht der böse Westen wäre…

Sogar den Schulbau der DDR bringt sie lobend unter: Die Kurt-Steffelbauer-Oberschule in Storkow, der Originalschauplatz, „… der erste Schulneubau der DDR nach dem Krieg, … gut versteckt hinter märkischen Kiefern. Vor allem aber am See. Eine Schule direkt am See, kein strenges Gebäude, sondern vier Pavillons mit Freiluftinseln und einem überdachten Wandelgang dazwischen. Man konnte im Sommer draußen unterrichten, das Gegenteil einer Erziehungskaserne.“ Was waren das für undankbare Schüler, die das nicht würdigen konnten, sondern Konterrevolutionäre wurden!  Was Decker unterschlägt: Dieses Gebäude war noch im Geist der Reformpädagogik gebaut worden. Die Reformpädagogik war mit Beginn der 50er Jahre dem DDR-Schulsystem gründlich ausgetrieben worden. Die sozialistische Einheitsschule wurde durchgesetzt.

Wie ideologisch verbohrt die Tagesspiegel-Journalistin ist, erkennt man, wenn man im Vergleich zu ihren Einlassungen die Inhaltsangabe des Buches bzw. des Films auf http://www.jugendopposition.de liest.

Tagesspiegel-Filmexperte Joachim Huber kritisierte einmal, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR.

Was der Journalist Huber anscheinend nicht weiß: Die ihm so sympathisch erscheinende Frühphase der DDR war die brutalste. Da wurden Menschen von der Straße weggeholt, zum Tod „verurteilt“ und in Moskau erschossen. Die Sozialdemokratie wurde mit der KP zwangsvereinigt, SPD-Mitglieder aber auch ins Zuchthaus geworfen und Bauern durch Zwangsenteignung in die Republikflucht, den Selbstmord oder in die LPG getrieben. Schön war die Zeit!

Journalistin Dr. Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Filmfrau Decker kennt sich im Sozialismus aus: Sie glaubt, dass das „Experiment Sozialismus“ wegen der Demontage der Russen nicht klappen konnte. (Warum klappt der Sozialismus auch da nicht, wo die Russen nicht demontiert haben?)

Dr. Decker ist Absolventin des berühmt-berüchtigten „Roten Klosters“, der SED-Journalistenschule an der Leipziger Universität. Bei vielen, die nach der Friedlichen Revolution Karriere gemacht haben, hinterließ die Rotlichtbestrahlung keine Wirkung. Bei Decker schon.

Es war nicht die erste Flucht einer Schulklasse aus der DDR. Bereits im Juni 1950 baten 25 Schüler der Potsdamer Einstein-Oberschule in West-Berlin um politisches Asyl. Sie hatten sich u.a. geweigert, der FDJ beizutreten. Daraufhin wurde die gesamte Oberstufe der Schule aufgelöst. (Quelle: jugendopposition.de)

Warum gibt es in Brandenburg zwei Bauernverbände?

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An der rbb-Abendschau komme ich nicht vorbei. Sie machen eine hübsch in eine Land-und-Leute-Erzählung eingebettete Wettervorhersage, zeigen hervorragende Landschaftsfotos von Zuschauern und berichten im „Landschleicher vom oftmals gar nicht so eintönigen Leben in kleinen und kleinsten Dörfern draußen im Lande.

Nicht verpassen möchte ich auch das allabendliche Begrüßungsritual „Guuuten Aaaabend“ und das wirklich umwerfende Lächeln des Nachrichtensprechers.

Als Anwalt der kleinen Leute versteht sich der Sender mit einer Aktion, in der ein hässlicher blauer Robur-Bus aus DDR-Zeiten Orte des Protestes gegen Windräder, Biogas-Anlagen, Neubaugebiete in Waldnähe, fehlende Rad- oder Fußgängerüberwege aufsucht. Da müssen fast immer auch Politiker und Behördenvertreter oder Investoren sich zu aussagen bequemen und es kommt Bewegung in die Sache.

Weniger attraktiv finde ich oft die Nachrichten. Gestern Abend zum Beispiel wird von der Jahrestagung des Bauernbundes Brandenburg berichtet. Es wird eingangs erwähnt, dass Brandenburg kurioserweise zwei Bauernvereinigungen hat. Der Bauernbund wäre der kleinere, von dem sich einige hundert Familienbetriebe vertreten lassen.

Einen erläuternden Satz hätte ich mir schon noch gewünscht. Auch wenn meine Frau an dieser Stelle einzuwenden pflegt, dass doch die Zeit in Nachrichtensendungen sehr knapp sei oder dass die Medienschaffenden vielleicht gar nicht wüssten, was ich wisse.

Der andere Verband, der Landesbauernverband, vertritt die Interessen der großen Landwirtschaftsbetriebe, der ehemaligen kommunistischen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Politik und Verwaltung Brandenburgs bevorzugen die Großagrarier. Das wurde von einer parlamentarischen Untersuchungskommission festgestellt, gegen die sich die SPD heftig gewehrt hat. In den neuen Bundesländern wurden die von den Kommunisten geschaffenen Strukturen weitgehend erhalten.

Treuhand und die Nachfolgegesellschaft z. B. verkauf(t)en in ihrem Besitz befindliche Ackerflächen lieber im Stück an Großbetriebe als an zahlreiche kleinere Familienbetriebe.

Die Erhaltung und Bevorzugung der großen Betriebe mit ihren riesigen Ackerflächen macht Brandenburg attraktiv für Agrarkonzerne, die solche Güter gerne kaufen. Das wird öffentlich beklagt. Der Hinweis auf Erhalt und Förderung der DDR-Strukturen als günstige Voraussetzung des beklagten Ausverkaufs der Heimat an Kapitalisten fehlt in solchen Diskussionen. Nur der Grünen-Politiker Axel Vogel scheut sich nicht, das zu sagen, während die mitregierende Linkspartei die LPGen als frühe Modernisierung der Landwirtschaft preist, mit der die DDR dem Westen um Jahrzehnte voraus gewesen wäre.

OK, jetzt wird es wirklich für eine Nachrichtensendung zu lang, aber siehe oben!

Der rbb-aktuell-Moderator setzt noch eins drauf: Er scheut nicht das heiße Eisen der Aufkäufe von Ackerflächen durch Agrarkonzerne. Und deswegen fragt er ausgerechnet den Vorsitzenden des Bauernbundes, des Verbandes der Familienbetriebe, was er denn tue, wenn seine Mitglieder ihren Hof verkauften. Da stellt er die richtige Frage dem falschen Adressaten. Aber wie meine Frau schon sagt: Vielleicht weiß er es nicht besser.

Nicht-wissen ist keine Schande, aber Nicht-wissen-wollen ist eine Schande. (Alte Bauernweisheit)