Brandenburg

rbb-Inforadio: Haltung statt Information

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Man ist es gewohnt, dass die ARD-Sender vorzugsweise über schlimme Rechtspopulisten und strebsame Schutzsuchende berichten. Ein Höhepunkt war zuletzt ein „Interview“ im rbb-Inforadio mit einer Dame des linksextremen „Zentrums für politische Schönheit“. rbb-Haltungsjournalist Jakob Bauer hielt der Frau das Mikrofon hin und die schwadronierte vom Tyrannenmord und lobte die Gewaltbereitschaft von PETA und Greenpeace.

Kritsch befragt werden bei der ARD österreichische Bundeskanzler und israelische Botschafter, aber keine Linksextremisten.

Auf AchGut

Siehe u. a. auch hier im Blog!

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Brandenburg mag keine NATO-Panzer, die das Baltikum schützen sollen

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In Brandenburg ist man auch nach fast 30 Jahren noch nicht richtig im Westen angekommen. In dem am östlichen Rand der Bundesrepublik gelegenen Bundesland fühlt man sich „den Freunden“ in Russland besonders nahe. Sie sind für manche Politiker, Journalisten und Karikaturisten die östlichen Nachbarn.

Berliner spotten schon einmal, wenn sie gen Osten, in den Landkreis Märkisch-Oderland fahren, der sich zwischen Berlin und der Oder erstreckt: „Wir fahren nach Sibirien.“ Mit Polen, dem unmittelbaren Nachbarn, fremdelt man ein wenig. So wie früher in der DDR, als man sich darüber aufregte, dass die Polen die Geschäfte westlich der Oder leer kaufen würden. Oder wegen der vielen Autodiebstähle und Einbrüche im Grenzland. Jetzt sind es der nationalkonservative Kurs der Regierenden und ihre Deutschfeindlichkeit, die eine Annäherung erschweren. Da hält der rbb mit freundlichen Sendungen vergeblich dagegen. Wenn auf der Oderbrücke, direkt auf der Grenze Polen gegen die Islamisierung Europas demonstrieren, berichtet man das lieber nicht.

Russland dagegen erfreut sich großer Beliebtheit. Da kann Putin anstellen, was er will, in der Ukraine Krieg führen, Passagierflugzeuge abschießen, die Krim annektieren, in Moldawien Truppen stationieren, im Kaukasus einen blutigen Krieg führen, Brandenburger SPD-Politiker wie Woidke, Platzeck und Steinmeier, die brandenburger Linkspartei und die Mehrheit der Bevölkerung kann das nicht davon abhalten, Russland und Putin zu vertrauen und in ihm einen zuverlässigeren Bündnispartner zu sehen als im schlimmen Donald Trump.

Alle Jahre wieder wenden sich der Ministerpräsident und die Linke gegen die Aggressionen der NATO, die sich erdreistet, den NATO-Partnern in Ostmitteleuropa (nicht Osteuropa, liebe Journalisten!), Polen und den baltischen Staaten, ein paar symbolische Panzer zu schicken, damit die weniger Angst vor den Russen haben. Die nämlich fliegen regelmäßig Scheinangriffe auf ihr Territorium, üben regelmäßig mit zehntausenden Soldaten die Rückeroberung des Baltikums oder stören die dortigen Computernetze.. „Euch braucht keiner“ verkünden die russischen Propagandasender.

Die US-Panzer rollen durch Brandenburg ostwärts. Das ist der Linkspartei ein Dorn im Auge. Auch Woidke hat sich schon dagegen ausgesprochen. Jetzt wollen die Sozialisten wieder vor einer Kaserne protestieren, die als Zwischenstation vorgesehen ist. An der Spitze das linke Regierungsmitglied Diana Golze, die Frauenministerin und Parteivorsitzende.

Gaulands Brandenburger AfD ist ebenfalls von Russland angetan. Ob so viel Übereinstimmung zwischen Links- und Rechtspopulisten einmal in eine Regierungskoalition mündet?

Schülerwissen zur DDR

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Der Politikwissenschaftler Klaus Schroeder beobachtet kritisch den Wissensstand in Sachen DDR. Seine Untersuchungen 2008 und 2012 zum Wissensstand west- und ostdeutscher Schüler sorgte für Aufsehen. Er konstatierte einen beklagenswerten Kenntnisstand, im Westen war er etwas besser als im Osten.

Hier mein Posting nach der zweiten Schroeder-Studie 2012:

Katastrophales Geschichtswissen: Je weniger ich weiß, desto besser finde ich die DDR

Jetzt führt Schroeder den Nachweis, dass Schüler ganz generell in der Zeitgeschichte herumeiern, Hitler und Honecker, Diktatur und Demokratie nicht unterscheiden können. 7.000 Neunt- und Zehntklässler wurden befragt.

Gefühlt wissen wir schon lange, dass es mit dem Geschichtswissen nicht weit her ist. Es liegt nicht zuletzt auch daran, wie Geschichte unterrichtet wird. In Hessen z. B. im 5. Schuljahr nicht, im 6. eine Stunde, im 8. keine Stunde, in 7. 9 und 10 zwei Stunden. Hauptschüler in fünf Jahren nur zwei Jahre, das dritte Jahr mit einer Stunde kann man getrost vergessen. In Brandenburg bleiben für Geschichtsunterricht über die DDR nach Stundentafel und Lehrplan gerade einmal ein paar Stunden im 10. Schuljahr. Erschwerend tritt hinzu, dass der Unterricht über die DDR „ausgewogen“ sein muss. In der öffentlichen Diskussion lässt sich das festmachen an der fehlenden Trennung zwischen der jeweils eigenen Biographie und der SED-Herrschaft. Dann wird jede Darstellung der Erscheinungsform einer Diktatur als Angriff auf die eigene Biographie erlebt. Und jene wird gleich mit verteidigt: Ein bisschen Rechtsstaat war sie doch auch, na ja, ein Schuss Willkür, aber das Verkehrsstrafrecht war o.k., wir hatten den besseren Sex und haben mehr gelacht. Ich resümiere das mit der Frage, sollen wir jetzt an der Tafel die Vor- und Nachteile einer Diktatur sammeln?
Weiterhin wird Geschichte von vielen Lehrern, Eltern und Schülern nicht als „Denkfach“ begriffen, sondern als „Paukfach“ gesehen. (Ein Vater: „Ich verstehe nicht, warum mein Kind eine Fünf in Geschi hat. Da muss man doch bloß ein paar Jahreszahlen auswendig lernen“.)
Als Geschichtslehrer und Geschichtslehrerausbilder habe ich auch darunter „gelitten“, dass sich als progressiv verstehende Religionslehrer politisch-historische Themen besetzten und im Jahr zuvor unterrichteten (inklusive Spielfilmen und Gedenkstättenbesuchen!). Auch Religions-Schulbücher lasen sich streckenweise wie historisch-politische Lehrbücher. Wenn ich dann im Jahr darauf mit meinen Arbeitsblättern kam, hieß es: „Nicht schon wieder!“ An einer Schule immerhin war mein Vorschlag erfolgreich, dass sich Religions- und Geschichtslehrer einmal zusammensetzten.

Ein neues Phänomen kommt hinzu: Der Einfluss von konstruktivistischer Lerntheorie, komptenzorientierter Curriculumplanung und „subjektorientierter Geschichtsdidaktik“. Wenn schon Elfjährige sich das Imperium Romanum aus Internetfundstellen konstruieren müssen, statt sich Orientierungswissen durch Schulbuchtexte und Lehrervortrag anzueignen, fehlt die Unterrichtszeit für die Ausbildung eines Gerüsts an Geschichtswissen. Dei Konstruktivisten sagen: Letztlich gäbe es keinen objektiven Epochenüberblick. Wer an die Vermittlung von Geschichtswissen glaube, sei naiv. Jeder Schüler habe sein Vorwissen, seine Einstellungen, seine Vorurteile. Daraus konstruiere jeder sein Geschichtsnarrativ.

Das mit den mitgebrachten Einstellungen ist ein ganz alter Hut. Aber daraus muss kein Verzicht auf Geschichtswissen resultieren.

Eine noch nicht einmal unintelligente Schülerantwort aus einem Politiktest ist mir in Erinnerung: Was ist Gewaltenteilung? Antwort: Die Mauer in Berlin.

Man soll Umfragen nicht überbewerten. Ein hervorragendes Faktenwissen hatten in meinen Klassen immer die Neonazis. Mir ist jemand, der Adenauer nicht einordnen kann, aber demokratisch denkt und handelt, lieber, als ein Stalinist, der jedes Hitler-Quiz gewinnen könnte. Gefährlich wird es, wenn sich demokratiefeindliche Einstellungen verfestigen würden. In einigen Landkreisen Sachsens, Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns sind Neonazis in der sog. gesellschaftlichen Mitte angekommen.

In Prof. Schroeders Studie zum DDR-Schülerwissen kam heraus, dass mit den Neonazis sympathisierende Jugendliche eine besonders positive Einstellung zur DDR hatten: Starker Staat, Militarismus, Zucht und Ordnung, das gefiel ihnen. Für Kinder der SED-Nomenklatura war die höchste Form der Abgrenzung vom Elternhaus die Sympathie mit den Nazis (Siehe etwa ein Mitglied der Zwickauer Terrorzelle).

Die Kernaussagen der Studie:

Viele Jugendliche können nicht zwischen Demokratie und Diktatur unterscheiden. Rund 40 Prozent sehen kaum Unterschiede zwischen Nationalsozialismus, der DDR sowie der Bundesrepublik vor und nach der Vereinigung.

 

Je besser das Wissen, desto häufiger werden Nationalsozialismus und DDR als Diktaturen eingestuft, alte und neue Bundesrepublik als Demokratien. 90% der Schüler mit hohem Kenntnisstand beurteilen DDR und NS-Staat negativ, aber nur 40% der Schüler mit einem niedrigen Kenntnisstand.

 

Den Nationalsozialismus beurteilen 16-18% der Jugendlichen mit türkisch-nahöstlichem Migrationshintergrund positiv, 8,4 % der Jugendlichen mit DDR-Eltern und 5 % derjenigen mit westdeutschen Eltern.

 

Bayerische Schüler liegen knapp vor Thüringen beim Wissensstand. Sie haben die höchste Ablehnungsquote von NS und DDR und die höchste Wertschätzung der Bundesrepublik. (In Bayern haben keine Gymnasiasten teilgenommen!)

 

Immerhin halten zwei Drittel „soziale Gerechtigkeit“ am besten in der neuen Bundesrepublik  verwirklicht. (Wussten die Probanden, was gemeint ist?) Auch wird für eine Fortsetzung der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus und der DDR gestimmt.
FU-Mitteilung zur Studie

Die weit verbreitete konstruktivistische Lerntheorie hält Schroeder für untauglich. In einem Deutschlandfunk-Interview 2015 sagte er: „Man darf den Kindern nicht sagen, die DDR war eine Diktatur, das muss ergebnisoffen geschehen“ Prof. Schroeder hält dagegen eine grundlegende Orientierung an Werten wie Freiheit, Rechtsstaat, Demokratie für unverzichtbar.

Schüler aus Berlin und Brandenburg, die bei der Studie 2008 über das DDR-Wissen schlecht abgeschnitten hatten, durften 2012 nicht mitmachen.

 

Brandenburg: Es kann so einfach sein

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Der Brandenburg-Slogan „Es kann so einfach sein“ sagt mir nichts. Vielleicht soll er das auch nicht, denn ich bin seit fast 12 Jahren Brandenburger und muss nicht mehr angesprochen werden. Wer dann? Die Ausgereisten oder Abgewanderten, die man zurückgewinnen möchte? Touristen, die begreifen sollen, dass sie keine Verpflegungspakete mehr packen müssen, wenn sie in den Osten reisen?

Letztlich ist es mir egal. Schade nur um die Steuergelder.

Wenn schon ein Slogan, dann der, der als Reaktion entstanden ist:

„Brandenburg: Hunderte Wölfe können sich nicht irren.“

Nachtrag: Zur Rechtfertigung des Slogans bietet die Landesregierung auch einen Kreativen der Firma auf, die sich den Satz ausgedacht hat.

Ich traue meinen Ohren kaum: Es ist Scholz & Friends! Die Firma, zu der ein Kreativdirektor gehörte, der versuchte, regierungskritische Blogs wie Tichys Einblick und Achse des Guten wirtschaftlich zu schädigen, indem er Geschäftsfreunde zum Werbeboykott aufrief. Kurz danach bekam Scholz & Friends einen Auftrag der Bundesregierung.

 

Das Research Center Sanssouci

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Park Sanssouci

„Friederisiko“ – die grandiose Ausstellung zum 300. Geburtstag Friedrichs des Großen 2012 war der Auslöser für die Gründung des Research Centers Sanssouci für Wissen und Gesellschaft (RECS). Bei der Ausstellung hatten Wissenschaftler der Universität Potsdam und die Experten der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten erfolgreich zusammengearbeitet.  Das gab den Ausschlag für das Institut, das 2016 unter dem Dach der Schlösserstiftung gegründet wurde und in ein Gebäude im Park Sanssouci einzog. Forschungsgegenstände sind der Nachlass Friedrichs des Großen, darunter auch die Ausgaben für den königlichen Haushalt, die Schlösser und Gärten der Hohenzollern und die Geschichte Brandenburg-Preußens bis hin zur europäischen Aufklärung.

In einem Blog werden Forschungsvorhaben und -Ergebnisse vorgestellt sowie Veranstaltungen angekündigt.

 

Wo bleibt der Osten?

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Das fragt heute der Aufmacher von PNN/Tagesspiegel. Die Medien verlängern wieder einmal das beliebte Narrativ von den fehlenden Ost-Eliten im nachrevolutionären Deutschland.

Mich erinnert die wiederholte Kampagne an das Projekt einer Kunstschaffenden-Truppe, die „Dritte Generation Ost“ zu kreieren. Die Aktivisten ernannten die um die Friedliche Revolution herum Geborenen zu Spätgeborenen der DDR anstatt zur ersten postsozialistischen Generation. Unter reger Anteilnahme der Medien veranstalteten sie Theateraufführungen, Diskussionsrunden, Tagungen. Sie forderten die Schaffung einer Dritte Generation West. Der Austausch zwischen diesen Generationen hätte natürlich reichlich weiteren Stoff für Symposien, Studien und Projektwochen geliefert. Kein Wunder, dass die Geschäftsführerin für ihr Projekt Staatsknete forderte.

(Der Eindruck, der erweckt worden war, dass ohne das Projekt die DDR-Aufarbeitung unzureichend wäre, traf nicht zu.) Glücklicherweise ist es still geworden um die Gruppe.

Jetzt also, 29 Jahre nach der Friedlichen Revolution will die SPD einen ostdeutschen SPD-Bundesminister. (Das Thema war auch schon 2016 und 2017 beliebt.)

Klappt es mit dem angeblich ausbleibenden Aufschwung Ost deshalb nicht, weil in der Bundesregierung ein ostdeutscher Minister fehlt? Von den diversen Ost-Beauftragten der Bundesregierung hörte man nie viel und wenn, nicht nur Lobenswertes. Zur Erinnerung:

  • Bisherige ostdeutsche Bundesminister: Günter Krause, Claudia Nolte, Manuela Schwesig, Manfred Stolpe, Wolfgang Tiefensee, Johanna Wanka
  • Bisherige ostdeutsche Bundeskanzler: Angela Merkel
  • Bisherige ostdeutsche Bundespräsidenten: Joachim Gauck

Wieso eigentlich ostdeutsch? Es müsste doch heißen: thüringisch! sachsen-anhaltinisch! mecklenburg-vorpommerisch! brandenburgisch! sächsisch! Warum soll ein Sachse einem Mecklenburger vorgezogen werden? Da sollte man an ein Rotationsmodell denken.

Es ist überheblich, eine ostdeutsche Repräsentanz im Bundeskabinett für die SPD zu beanspruchen. Bei der Bundestagswahl 2017 lag die Partei in Ostdeutschland an vierter Stelle, hinter CDU, AfD und Linkspartei!

Sind wir genderpolitisch und multikulturell nicht auch schon weiter? Müsste es nicht eher einen sachsen-anhaltinischen Transgendermann geben statt einer heterosexuellen brandenburgischen SPD-Politikerin? Der Tagesspiegel enttäuscht, weil er kein kritisches Wort dazu findet. Schließlich hat er eine Gender-Redaktion, die sonst die Interessen Andersgeschlechtlicher zu wahren weiß.

Hinter dem Ruf nach einem Ostdeutschen mit dazugehöriger Mentalität(!) steht das Gefühl, Ostdeutsche würden bei der Besetzung ostdeutscher Führungspositionen übersehen.

Der hohe Anteil Westdeutscher an Führungspositionen in den neuen Bundesländern lässt sich begründen: Wenn man, sagen wir 1980, in Ostdeutschland geboren wurde, könnte man jetzt die beiden juristischen Staatsexamina bestanden, schon mehrere Jahre Berufspraxis haben und verbeamtet sein. Der Zeitpunkt, an eine Bewerbung als Gerichtspräsident, gar als Bundesrichter, zu denken, rückt näher. So viel zum westdeutschen „Kolonialismus“.

Die letzten in der DDR ausgebildeten Kader gehen jetzt nach 25 bis 30 Jahren in den Ruhestand. Erst danach beginnt eine postsozialistisch ausgebildete Generation die Berufspraxis.

Wie hätte es anders laufen sollen? Der Leiter der Oberfinanzdirektion Dresden? Die Vorsitzende Richterin am Landgericht Neuruppin, der Präsident des brandenburgischen Landesrechnungshofes? Es galt, die Jahrhundertaufgabe der Übertragung des westdeutschen Rechts-, Steuer- und Wirtschaftssystems zu stemmen. Lag es da nicht nahe, westdeutsche Fachleute für diesen Aufbau zu holen? (Auch mit dem Risiko, dass es darunter Versager gibt.)

Was wir nicht vergessen sollten: die Elitenkontinuität im Osten, nicht zuletzt in Brandenburg.

 

„Das schweigende Klassenzimmer“ wurde verfilmt

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In Medienkiste über die DDR ist auch das Buch „Das schweigende Klassenzimmer“ enthalten. Es freut mich, dass mein vor zehn Jahren abgegebener Lesetipp jetzt verfilmt wurde.

Die Kritik der FAZ ist verhalten positiv. Am besten findet der Filmkritiker, dass bei der Ausstattung (Bekleidung, Möbel usw.) das Ambiente der DDR exakt getroffen wurde. (Für Cineasten eine fast schon vernichtende Kritik.)

Den Vogel schießt wieder einmal der linke Berliner Tagesspiegel ab. Tagesspiegel-Filmexpertin Kerstin Decker wacht darüber, dass der DDR kein Unrecht angetan wird.

Journalistin Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Bei der hervorragenden Serie „Weißensee“ lobte sie, dass endlich einmal der Stasi Gerechtigkeit widerfahre. Den Kommunisten der ersten Stunde, wie im Film dem MfS-Oberst Kupfer, würde ihre Würde wiedergegeben.

Nachtrag 23.3.18: Jetzt endlich habe ich mir den Film angesehen. DDR-Sympathisantin Dr. Decker muss der Film masslos geärgert haben. Sie ist bis heute im Kalten Krieg stecken geblieben: Nicht nur, dass der Westen, konkret: der RIAS, die jungen Leute verführt hat. Sie legt in einem zweiten(!) Text nach: Die verführten Abiturienten wären im Westen hoch willkommene Flüchtlinge gewesen, während Flüchtlinge heute… Damals waren die Schüler Helden im Kalten Krieg, heute im Kino. Im Kalten Krieg dürfen die Sieger von 1933 einmal über die Verlierer lachen.

Es wäre doch der RIAS gewesen, der die Ostler aufgehetzt hätte, der die Falschmeldung vom Tod des ungarischen Fußballhelden erfunden hätte. Und doch geht der gute Ostblock unter. Wie ungerecht!

Wer nur sieht, dass die Freiheit über die Diktatur triumphiert hätte, ist in Dr. Deckers Augen geistig schlicht. Die Kommunisten waren die Besseren. Sie haben nie einen Fehler gemacht. Sie waren „strukturell“ unfähig zum Verrat. Sie besaßen die „höhere Moral“. Sie wollten für ihre Kinder ein besseres Leben. Wenn da nicht der böse Westen wäre…

Sogar den Schulbau der DDR bringt sie lobend unter: Die Kurt-Steffelbauer-Oberschule in Storkow, der Originalschauplatz, „… der erste Schulneubau der DDR nach dem Krieg, … gut versteckt hinter märkischen Kiefern. Vor allem aber am See. Eine Schule direkt am See, kein strenges Gebäude, sondern vier Pavillons mit Freiluftinseln und einem überdachten Wandelgang dazwischen. Man konnte im Sommer draußen unterrichten, das Gegenteil einer Erziehungskaserne.“ Was waren das für undankbare Schüler, die das nicht würdigen konnten, sondern Konterrevolutionäre wurden!  Was Decker unterschlägt: Dieses Gebäude war noch im Geist der Reformpädagogik gebaut worden. Die Reformpädagogik war mit Beginn der 50er Jahre dem DDR-Schulsystem gründlich ausgetrieben worden. Die sozialistische Einheitsschule wurde durchgesetzt.

Wie ideologisch verbohrt die Tagesspiegel-Journalistin ist, erkennt man, wenn man im Vergleich zu ihren Einlassungen die Inhaltsangabe des Buches bzw. des Films auf http://www.jugendopposition.de liest.

Tagesspiegel-Filmexperte Joachim Huber kritisierte einmal, dass die Stasi-Leute im Film „Westflug“ so einfältig gezeichnet waren. Da blieben doch „historische Gerechtigkeit“ und „strukturelle Genauigkeit“ auf der Strecke. So könne das nicht weitergehen. Es würde in Spielfilmen nicht unterschieden zwischen der frühen, der mittleren, der späten DDR.

Was der Journalist Huber anscheinend nicht weiß: Die ihm so sympathisch erscheinende Frühphase der DDR war die brutalste. Da wurden Menschen von der Straße weggeholt, zum Tod „verurteilt“ und in Moskau erschossen. Die Sozialdemokratie wurde mit der KP zwangsvereinigt, SPD-Mitglieder aber auch ins Zuchthaus geworfen und Bauern durch Zwangsenteignung in die Republikflucht, den Selbstmord oder in die LPG getrieben. Schön war die Zeit!

Journalistin Dr. Decker sieht schon in der allerersten Filmsekunde des „Schweigenden Klassenzimmers“, wohin das Machwerk führe: in den schlimmen Westen. Ihre Überschrift verrät, dass die jungen Leute eigentlich keinen politischen Widerstand leisten: „Vom Westen verführt“ wären sie.

Filmfrau Decker kennt sich im Sozialismus aus: Sie glaubt, dass das „Experiment Sozialismus“ wegen der Demontage der Russen nicht klappen konnte. (Warum klappt der Sozialismus auch da nicht, wo die Russen nicht demontiert haben?)

Dr. Decker ist Absolventin des berühmt-berüchtigten „Roten Klosters“, der SED-Journalistenschule an der Leipziger Universität. Bei vielen, die nach der Friedlichen Revolution Karriere gemacht haben, hinterließ die Rotlichtbestrahlung keine Wirkung. Bei Decker schon.

Es war nicht die erste Flucht einer Schulklasse aus der DDR. Bereits im Juni 1950 baten 25 Schüler der Potsdamer Einstein-Oberschule in West-Berlin um politisches Asyl. Sie hatten sich u.a. geweigert, der FDJ beizutreten. Daraufhin wurde die gesamte Oberstufe der Schule aufgelöst. (Quelle: jugendopposition.de)

Warum gibt es in Brandenburg zwei Bauernverbände?

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An der rbb-Abendschau komme ich nicht vorbei. Sie machen eine hübsch in eine Land-und-Leute-Erzählung eingebettete Wettervorhersage, zeigen hervorragende Landschaftsfotos von Zuschauern und berichten im „Landschleicher vom oftmals gar nicht so eintönigen Leben in kleinen und kleinsten Dörfern draußen im Lande.

Nicht verpassen möchte ich auch das allabendliche Begrüßungsritual „Guuuten Aaaabend“ und das wirklich umwerfende Lächeln des Nachrichtensprechers.

Als Anwalt der kleinen Leute versteht sich der Sender mit einer Aktion, in der ein hässlicher blauer Robur-Bus aus DDR-Zeiten Orte des Protestes gegen Windräder, Biogas-Anlagen, Neubaugebiete in Waldnähe, fehlende Rad- oder Fußgängerüberwege aufsucht. Da müssen fast immer auch Politiker und Behördenvertreter oder Investoren sich zu aussagen bequemen und es kommt Bewegung in die Sache.

Weniger attraktiv finde ich oft die Nachrichten. Gestern Abend zum Beispiel wird von der Jahrestagung des Bauernbundes Brandenburg berichtet. Es wird eingangs erwähnt, dass Brandenburg kurioserweise zwei Bauernvereinigungen hat. Der Bauernbund wäre der kleinere, von dem sich einige hundert Familienbetriebe vertreten lassen.

Einen erläuternden Satz hätte ich mir schon noch gewünscht. Auch wenn meine Frau an dieser Stelle einzuwenden pflegt, dass doch die Zeit in Nachrichtensendungen sehr knapp sei oder dass die Medienschaffenden vielleicht gar nicht wüssten, was ich wisse.

Der andere Verband, der Landesbauernverband, vertritt die Interessen der großen Landwirtschaftsbetriebe, der ehemaligen kommunistischen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften. Politik und Verwaltung Brandenburgs bevorzugen die Großagrarier. Das wurde von einer parlamentarischen Untersuchungskommission festgestellt, gegen die sich die SPD heftig gewehrt hat. In den neuen Bundesländern wurden die von den Kommunisten geschaffenen Strukturen weitgehend erhalten.

Treuhand und die Nachfolgegesellschaft z. B. verkauf(t)en in ihrem Besitz befindliche Ackerflächen lieber im Stück an Großbetriebe als an zahlreiche kleinere Familienbetriebe.

Die Erhaltung und Bevorzugung der großen Betriebe mit ihren riesigen Ackerflächen macht Brandenburg attraktiv für Agrarkonzerne, die solche Güter gerne kaufen. Das wird öffentlich beklagt. Der Hinweis auf Erhalt und Förderung der DDR-Strukturen als günstige Voraussetzung des beklagten Ausverkaufs der Heimat an Kapitalisten fehlt in solchen Diskussionen. Nur der Grünen-Politiker Axel Vogel scheut sich nicht, das zu sagen, während die mitregierende Linkspartei die LPGen als frühe Modernisierung der Landwirtschaft preist, mit der die DDR dem Westen um Jahrzehnte voraus gewesen wäre.

OK, jetzt wird es wirklich für eine Nachrichtensendung zu lang, aber siehe oben!

Der rbb-aktuell-Moderator setzt noch eins drauf: Er scheut nicht das heiße Eisen der Aufkäufe von Ackerflächen durch Agrarkonzerne. Und deswegen fragt er ausgerechnet den Vorsitzenden des Bauernbundes, des Verbandes der Familienbetriebe, was er denn tue, wenn seine Mitglieder ihren Hof verkauften. Da stellt er die richtige Frage dem falschen Adressaten. Aber wie meine Frau schon sagt: Vielleicht weiß er es nicht besser.

Nicht-wissen ist keine Schande, aber Nicht-wissen-wollen ist eine Schande. (Alte Bauernweisheit)

Cottbus: statt Braunkohle braunes Pack?

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„Cottbus kommt!“ könnte man in Übernahme eines Slogans aus Leipzig sagen. Die 100.000-Einwohner-Stadt wirkt anziehend. Im vorletzten Beitrag habe ich das schon ausgeführt. Die fehlenden schnellen Bahnverbindungen nach Berlin und Dresden haben das nicht verhindert.

In den letzten Tagen aber hörte es sich an, als ob Cottbus ein brandenburgisches Heidenau wäre. Es gab eine Demonstration, an der 2.500 Fremdenfeinde und Fremdenfeindinnen teilgenommen haben sollen. Plötzlich wird wieder über die rechtsextreme Szene in der Lausitz geschrieben. Der Brandenburger CDU-Vorsitzende warnt vor der starken AfD im Südosten des Landes.

Ein Mitarbeiter des rbb, anwesend bei der Demo der Cottbuser „Ausländerfeinde“, berichtet empört, dass er als „Pack“ beschimpft wurde, dass eine Kollegin von einem Tisch geschubst worden war und zwei weitere tätlich angegriffen worden waren. Beschimpft wurden sie von älteren Frauen wegen ihrer Berichterstattung als „Lügenpresse!“ Überdies hat ein Feuerwehrmann aus seinem Dienstfahrzeug heraus den Demonstranten einen solidarischen Gruß zugerufen. Das nahm PNN/Tagesspiegel am 23.1. zum Anlass, die Hälfte der Seite 2 mit diesem Vorkommnis zu füllen und dabei gleich die Rechtslastigkeit der Feuerwehr in ganz Brandenburg unter die Lupe zu nehmen.

Was war geschehen?

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Strukturwandel im Südosten Brandenburgs

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Eigentlich könnte die Welt im Südosten Brandenburgs in Ordnung sein. Die Lausitz ist klimatisch begünstigt, sie ist im Sommer wärmer als die meisten anderen deutschen Landschaften und hat mehr Sonnenscheinstunden. Der Tourismus kommt ins Laufen. Es gibt den wunderbaren Spreewald nördlich von Cottbus, die renovierten Schlösser in Branitz und Bad Muskau mit den Parks des genialen Gartenarchitekten Fürst Pückler. Cottbus hat eine angesehene Hochschule, ein erfolgreiches Theater und ein gutes Kunstmuseum. Ein Festival des (mittel-)osteuropäischen Films gibt es, die Stadt ist Karnevals-Hochburg, es gibt in diesem Jahr ein polnisches Prinzenpaar. Die Stadt hatte 1989 130.000 Einwohner, jetzt ist sie bei 100.000 und wächst wieder.

Eine unmittelbar an der Stadtgrenze liegende Tagebaugrube soll in den nächsten Jahren zu einem großen See aufgefüllt werden, dem Ostsee. Cottbus könnte also einen Strand und eine Marina bekommen.

(Es könnte allerdings sein, dass der See, so groß wie der Müggelsee(!), zum Problemgewässer wird: Schwefel- und Eisenoxidgehalt der Spree könnten zunehmen. Zu- und Abfluss zur Spree liegen nebeneinander am Nordende, der nur zwei Meter tiefe See könnte also überwiegend zum stehenden Gewässer werden.)

Wer über die Autobahn 13 von Berlin nach Dresden fährt, sieht nicht viel von blühenden Landschaften, sondern bringt 100 Minuten öde Überlandfahrt hinter sich. Höchstens zwei Hinweisschilder verweisen auf bemerkenswerte Kuriositäten: Das Tropical Island und den Lausitzring.

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