Brandenburg

Der schwierige Platz der Einheit in Potsdam

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In anderen ostdeutschen Städten wird schon mal der deutschen Einheit sichtbar gedacht. durch Straßen- und Platznamen oder durch öffentliche Kunstwerke. Potsdam tut sich da schwer.

Es gibt einen „Platz der Einheit“, der im März 1946 so benannt wurde: der ehemalige (Kaiser-) Wilhelm-Platz. Zeitzeugen meinen, dass man damit an ein unteilbares Deutschland erinnern wollte. Den Kommunisten gefiel das immer weniger und sie hatten nichts dagegen, dass die Einheit auf die Zwangsvereinigung der deutschen Arbeiterparteien zur SED bezogen wurde. Eine derartige Straße der Einheit gibt es bis heute in fast allen ostdeutschen Städten und Gemeinden. Ich wüsste nicht, wo in Potsdam an die „Wende“ oder die Vereinigung erinnert wird, sieht man von der nicht  für jedermann sofort als Einheitsdenkmal erkennbaren Nike an der Glienicker Brücke ab.

2009, zehn Jahre nach der Vereinigung, beantragte die CDU im Stadtparlament die Umbenennung in „Platz der Deutschen Einheit“. Das fand keine Mehrheit. Eine in Potsdam zugezogene westdeutsche Autorin sah darin zu viel Nationalismus.

2018 beantragte die AfD die Umbenennung. Das Ergebnis der Abstimmung dürfte nicht schwer zu erraten sein.

Die linksextremistische Partei Die Andere und die Grünen finden die Offenheit beim Platznamen interessanter.

 

 

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In Neuruppin

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Neuruppin_Tempelgarten2
Figur im Tempelgarten

Vor zehn Jahren war es ein Katzensprung, über die Autobahn 24 von Potsdam nach Neuruppin zu fahren: 50 Minuten. Das geht heute nicht mehr. Entweder steht man im Stau, weil das Verkehrsaufkommen hoch ist oder man steht im Stau, weil ein LKW auf einer Fahrspur liegen geblieben ist.

Der geplante dreispurige Ausbau zwischen Neuruppin und dem Kreuz Havelland wird die nächsten zehn Jahre in Anspruch nehmen.

Ähnlich wie beim Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs im Ballungsraum Berlin fragt man sich, warum nicht von 1991 an großzügig geplant wurde. Etwa so, wie beim S-Bahn-Streckennetz zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Also fahren wir nach Neuruppin über die B 5 und die B 167, durchs Havelland, durchs Temnitztal, vorbei an Dorfkirchen und Herrenhäusern.

Zwar ist die B 5, die alte Transitstrecke nach Hamburg, auch nicht ohne, vor allem im Ausflugsverkehr am Wochenende und durch den Pendlerverkehr von und nach Berlin. Aber kein Vergleich zur Autobahn, auf der man 70 km lang in Zweierreihen gen Berlin oder Hamburg rollt.

Nur die Anwohner der Dörfer an der B 5 können einem Leid tun. Um die Straßenseite zu wechseln, warten sie manchmal zehn Minuten. Fußgängerampeln sind mir nicht aufgefallen.

Das Havelland dürfte der Grünen-Vorsitzenden Baerbock, die sich über jedes Windrad freut, gefallen. Es ist übersät mit Windparks. Fachleute prognostizieren eine Verdopplung, wenn man zukünftig all die Elektroautos auftanken will. Die Plakate und Bettlaken, auf denen gegen Windräder protestiert wird, sind zahlreich.

Nun also nach längerer Fahrzeit entspannt in Neuruppin angekommen. Ich mag die Stadt. Sie wurde nach einem verheerenden Brand im 18. Jahrhundert, der von den Scheunen ausgegangen war, mit breiten Straßen und großen Plätzen, planstädtisch sagen Fachleute, wieder aufgebaut. Unnötig zu erwähnen, dass Theodor Fontane hier geboren wurde. Aber auch Stefan Heym und Karl Friedrich Schinkel, wie ich aus Wikipedia erfahre. Das Lexikon lässt nichts aus: über 60 berühmte Menschen wurden hier geboren. Alle Träger von Ehrenmedaillen und Ehrenbürger sind aufgezählt. Paul von Hindenburg wurde die Ehre vor ein paar Jahren als dem Steigbügelhalter Hitlers aberkannt. Die antifaschistischen Gegendemonstrationen gegen Neonationalsozialisten dürfen nicht fehlen. Liebevoll vermerkt aus der kommunistischen Zeit sind die Eröffnungsdaten von Kindergärten und des Delikatladens.

Die Adresse des Heimatmuseums habe ich von dessen Internet-Webseite. Es ist aber die des Rathauses. Ein nette Dame im Standesamt erklärt mir warum. Das Museum gehöre zur Stadtverwaltung. Sie erklärt mir den Weg: „An dem Blumenladen von den Fidschis müssen Sie rechts abbiegen.“

Bei aller Schönheit des Stadtgrundrisses, der klassizistischen Altstadt und der Lage am Ruppiner See, die Stadt erinnert nicht nur an Preußen, auch die DDR begegnet einem in Neuruppin. Die Innenstadtstraßen tragen nostalgische Namen: August Bebel, Karl Marx, Friedrich-Engels, Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Ernst Toller, Erich Mühsam, Friedrich Ebert, Rudolf Breitscheid, Franz Künstler; die Straße des Friedens darf nicht fehlen.

In der Fontane-Buchhandlung entdecke ich: „Alles Mythos. 20 populäre Irrtümer über Preußen“, von Astrid von Schlachta, 2014 bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft erschienen. Der Verlag ist absolut serös. Trotz des etwas fetzigen Titels ist es das Buch auch.

Neuruppiner Bilderbogen
Eine Wohnungstür ist mit Blättern des Bilderbogens beklebt. Das wurde gerne so gemacht.

Im Museum wird über den Neuruppiner Bilderbogen informiert. Das sind farbig kolorierte Lithographien. Sie erfreuten sich im 19. Jahrhundert und noch bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts millionenfacher Auflage. Gleich drei Neuruppiner Druckereien stellten sie her. Die Bilder waren ein beliebtes und preiswertes Informations- und Unterhaltungsmedium. Es gab fremde Länder und Tiere zu sehen, historische Ereignisse, religiöse Motive, berühmte Kunstwerke und Porträts von Herrschern.

Gleich neben dem Museum, an der Stadtmauer gelegen, ist der kleine Tempelgarten,  den sich Kronprinz Friedrich, der spätere Friedrich II, in der Zeit seines Militärdienstes in der Garnisonstadt als Obstgarten anlegen ließ. Gekrönt ist er von einem Apollo-Tempelchen, in dem Friedrich musizierte oder sich mit Freunden traf.

 

 

Apollo-Tempel Neuruppin
Apollo-Tempel , entworfen von Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff. Anscheinend wurde er gerade neu verputzt, denn auf Ansichtskarten strahlt er in weiß.

Außerdem: In Neuruppin sitzt die für ganz Brandenburg zuständige Staatsanwaltschaft für Korruptionsfälle. Die hat meine ganze Hochachtung.

Nach einem Blick auf die Autobahn, auf der man in Zweierreihen dicht gedrängt gen Berlin rollte, fuhren wir wieder über das Havelland zurück.

Die alltägliche Erziehungsdiktatur der DDR

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ddr-schuleDer nachfolgend verlinkte Text stammt m. E. aus den 90er Jahren. Er liegt wohl nur online vor, und zwar auf der Plattform des Vereins „Gesellschaft für Zeitgeschichte“. Sie enthält zahlreiche Dokumente zur Friedlichen Revolution 1989/90, insbesondere in Erfurt.

Ich habe viele Jahre wegen der DDR-Aufarbeitung von Potsdam aus mit Bewunderung nach Erfurt geschaut. Dort gab es z. B. eine interaktive Karte der Konspirativen Wohnungen des MfS in Erfurt, mit Fotos der Hausfronten und Adressen. Das war damals schon umstritten, heute wäre sie undenkbar.

In Erfurt wurde schon aufgeklärt, als sich in Brandenburg noch nicht viel tat, aber der Ministerpräsident sich mit dem ehemaligen Bezirkschef der SED duzte. Beide waren Mitglieder des brandenburgischen Landtages. Der SED-Mann Vietze gilt als Vater des „brandenburgischen Wegs“ der versöhnlichen Aufarbeitung der SED-Diktatur.

Der Koalitionspartnerin von der Linkspartei tätschelte Ministerpräsident Platzeck auf einem berühmten Pressefoto den Kopf. Sie brachte außer sich selbst noch fünf weitere IMs in die Regierungskoalition ein.

Es gibt im Blog viele Beiträge zu diesem Thema. Hier ist noch einmal kurz und bündig (aus kirchlicher Sicht) dargestellt, was man darüber wissen sollte: Die alltägliche Erziehungsdiktatur der DDR

Ulrike Poppe über die kommunistische Erziehungsdiktatur

 

Kaserne Krampnitz wird Potsdams neuer Stadtteil

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Obwohl erst zur Mitte der 30er Jahre dieses Jahrhunderts alle 10.000 Einwohner eingezogen sein werden, ist schon ein Drittel der Wohnungen und Häuser verkauft. Erfahrungsgemäß wird es dann noch einmal dauern, bis eine Schule und die Straßenbahnlinie nach Potsdam da sein werden.

Die Kaserne wurde 1935-39 für die neue Heeres-Reit- und -Fahrschule der Wehrmacht gebaut. Gleich daneben war der Truppenübungsplatz Döberitz. Die bestehende Kavallerieschule musste aus Hannover verlegt werden, weil die Stadt das Gelände für die Industrie brauchte.

Ab 1945 nutzte die Rote Armee die Kaserne für eine Panzertruppe. Seit dem Abzug 1992 steht das Gelände leer. Szenen der Filme Operation Walküre, Der Pianist, Inglorious Basterds, Effi Briest und Monuments Men entstanden hier. (Die Babelsberger Filmstudios sind in der Nähe!)

Die sehr soliden Militärbauten wie ein 48 Meter hoher Turm, alte Wohnheime, ein Offizierscasino und ein Stabsgebäude stehen unter Denkmalschutz. Die Klinkerbauten sollten zum größten Teil zu Wohnhäusern umgebaut werden.

Unvermeidlich, dass am Anfang des Projekts dubiose Finanzgeschäfte standen, für Brandenburgs damalige Amigo-Wirtschaft nicht ungewöhnlich. Das Land Brandenburg hatte die Militärstadt 2007 über die ein Jahr zuvor privatisierte Brandenburgische Bodengesellschaft (BBG) an die TG Potsdam Projektentwicklungsgesellschaft gegeben. Der Verkauf an dubiose Investoren ist unter dubiosen Umständen und extrem billig – 4,1 Mio €, bei einem Schätzwert von 20 bis 30 Mio – über die Bühne gegangen. Im Landesrechnungshof war man entsetzt, ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss wurde eingesetzt. Der Finanzminister musste zurücktreten.

Der Verkauf wurde rückabgewickelt. Schaden wäre dem Land keiner entstanden, wurde der Öffentlichkeit versichert. Nach sechs Jahren konnte 2013 die Planung des neuen Stadtteils beginnen.

Kritischer Blick auf die ostdeutsche Wirtschaft

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Joachim Ragnatz vom Dresdner Ifo-Institut äußert sich drastisch zu den Fehlern der Ost-Förderung. Er spricht ein paar unbequeme Wahrheiten aus.

Der Ökonom fordert eine Abkehr vom Prinzip der flächendeckenden, gleich guten Versorgung. Vierspurige Straßen in menschenleeren Regionen findet er übertrieben. Flächendeckende Breitbandversorgung, Schule, Feuerwehr, Ärzte, Busse und Bahnen in jedem Dorf seien nicht finanzierbar.

Andere Staaten wie Frankreich, Spanien und die USA hätten längst die Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen in allen Landesteilen aufgegeben. Er rät dazu, gegebenenfalls Prämien für den Umzug in größere Städte und Gemeinden auszuloben.

Die Bevölkerungszahl würde weiter sinken, von jetzt 12,5 auf 9,5 Millionen in 30 Jahren. Die Studenten ostdeutscher Universitäten würden sich nach dem Studienabschluss dorthin orientieren, wo es die höheren Gehälter gäbe, nach Westdeutschland. Deshalb hält er neue Arbeitsplätze in Ostdeutschland gar nicht für wünschenswert. Angesichts der demographischen Entwicklung, wie er sie sieht, rät er davon ab, weitere Arbeitsplätze zu schaffen. In der Zeitung lese ich, dass in Berlin und Brandenburg 50.000 Arbeitsplätze unbesetzt sind.

Für die 16.000 demnächst in der Lausitz wegfallenden Arbeitsplätze wegen des Kohleausstiegs hat er wenig Hoffnung. In den hohen Erwartungen der Ostdeutschen an staatliche Industriepolitik sieht er ein Erbe der DDR-Sozialisation. Er ist da eher skeptisch und nennt als Beispiel die Förderung der Solarindustrie.

Deutschland sei ein Land, das stark vom Export lebe. Im Osten gäbe es zu wenig exportierende Industrie.

Allerdings sieht er die positive Entwicklung, die ostdeutsche Städte genommen haben. Er nennt Leipzig, Jena, Berlin, auch Eisenach, Erfurt, Halle oder Rostock. Was ist mit Potsdam?

Man sollte die Kirche im Dorf lassen. Die ständige Rede vom abgehängten Osten, die Medien und Linkspartei pflegen, ist so falsch wie der Alarmismus der Grünlinken bei Feinstaub, CO2 und Stickoxid. Die Luftqualität hat sich über Jahrzehnte gewaltig verbessert, zumal in Ostdeutschland. Aber es wird so getan, als ob jährlich Tausende an schlechter Luft sterben würden. Was sich in noch den drei Jahrzehnten nach dem Untergang der DDR verbessert hat, wird genauso wenig geschätzt und kommuniziert. Sogar der Abbau der Arbeitslosigkeit kann sich sehen lassen.

Recht hat Herr Ragnatz beim Problem der flächendeckend gleichen Lebensbedingungen. Das stellt sich aber genauso in Westdeutschland. Man muss klar sagen, dass es für dünn besiedelte Landstriche nicht denselben Standard wie für Ballungsgebiete geben kann. Die Länder müssen realistischer werden und auch innovativer. Während der Straßen- und Radwegebau in Brandenburg in der Provinz vorbildlich ist, hat man im Berliner Speckgürtel den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs verschlafen. 

Aber wenn die Worte des Wirtschaftswissenschaftlers eine Debatte anstoßen würden, wäre das nicht schlecht.

Nach FAZ v. 26.9.18, p 17: „Manche Dörfer sollten wir desser schießen.“

Überraschende Straßennamen im Oderbruch

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Überraschung beim Sonntagsausflug in das Oderbruch! Natürlich hat fast jedes Dorf seine Ernst-Thälmann-, Karl-Marx- und Werner-Seelenbinder-Straße. Aber dann dies:

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Zu Straßennamen in der Ex-DDR siehe auch hier!

rbb macht es wie die Tagesschau

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Obwohl es ein Regionalsender ist, macht es der Rundfunk Berlin-Brandenburg genauso, wie es Dr. Gniffke bei der Tagesschau praktiziert: keine Ausschreitungen und Gewalttaten von Schutzsuchenden. Die hätten allenfalls regionale Bedeutung.

Seit einer Woche warte ich gespannt darauf, wann die unbelangbaren Schleusenwärter der Information über einen Überfall einer arabischen Gang auf eine Disko in Frankfurt/Oder berichten. Der Sender beschäftigt in seinem Studio in Frankfurt/Oder 26 Personen. Er hat einen Nachrichtenkanal „rbb24“, der rund um die Uhr Nachrichten bringt. Das vielsagende Motto des Senders: „Bloß nicht langweilen“.

Nach 4 bzw. 8 Tagen, am 29.8. und 2.9., berichten die Meister/-innen der Vierten Gewalt ungerührt über einen Vorfall vom 25.8., bei dem Augenzeugen sagten, dass sie um ihr Leben fürchteten, so hätten sich die Flüchtlinge aufgeführt. Der Schlachtruf war „Allahu akbar! Wir stechen Euch alle ab!“

Die Meldung passte wohl nicht zu der Hysterie, die die Proteste gegen die Gewalt von zehn Flüchtlingen an drei Chemnitzern (einer tot, einer schwer, der dritte leicht verletzt), die Geld an einem Automaten abheben wollten. Jetzt  stellt sich heraus, dass die Bewohner von Frankfurt/Oder, ähnlich wie in Chemnitz, seit Monaten Angst vor gewalttätigen Schutzsuchenden haben. Selbstverständlich äußere ich hier keinen Generalverdacht.

Auch interessant: Während die Qualitätsmedien ständig behaupten, es gäbe keine Steigerung der Ausländerkriminalität bei Gewalttaten, lese ich in der Märkischen Oderzeitung am 1.9.18, in einem Text zu dem Disco-Überfall, nicht auf einer rbb-Seite:  „Nach Informationen des Landeskriminalamtes, …, waren 2017 landesweit die Anteile der Fälle mit Tatbeteiligung von Zuwanderern an allen registrierten Fällen in den Deliktsbereichen Mord, Vergewaltigung und sexuelle Nötigung, Körperverletzung, Ladendiebstahl, Beförderungserschleichung, Urkundenfälschung sowie Gewaltkriminalität überdurchschnittlich hoch. In Frankfurt/O. stieg 2017 gegenüber dem Vorjahr der Anteil der erfassten Fälle mit Tatbeteiligung von Zuwanderern beispielsweise bei Vergewaltigungen und sexueller Nötigung auf 36,4 Prozent. Dahinter steht eine Verdopplung der Fälle mit Tatbeteiligung von Zuwanderern von zwei auf vier, bei insgesamt elf Fällen 2017.“ Siehe auch hier!

Was hätte es für einen medialen Aufschrei gegeben, wenn deutsche Kartoffeln eine arabische Disco überfallen hätten. Der ARD-Brennpunkt wäre noch in der gleichen Nacht gesendet worden.

Um den Sack voll zu machen: Am 28.8. haben Linksextremisten in Berlin das Büro eines Referenten in der Senats-Justizverwaltung besetzt und bedrohten ihn. Zwei ihrer Genossen aus dem „linksautonomen“ Zentrum Rigaer Straße 94 sitzen wegen Straftaten im Gefängnis. Da die zu Hilfe gerufene Polizei keine Personalien mehr feststellen konnte, wird die Sache wohl im Sande verlaufen.

Das Haus gilt als Kommandozentrale für die linksextremen Übergriffe in Berlin. Die Besetzer werden vom Senat allerdings mit Samthandschuhen angefasst. Auch hier!

Diana Golze: Rücktritt? Ich doch nicht!

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Die sozialistische Brandenburger Gesundheis-, Frauen-, Jugend- und Sozialministerin Diana Golze, auch Ko-Vorsitzende der Linken im Lande, konnte zu guter letzt doch noch davon überzeugt werden, dass sie zurücktreten muss. In ihrem Geschäftsbereich war seit mindestens anderthalb Jahren bekannt, dass in Griechenland gestohlene Krebs-Medikamente in- und außerhalb Brandenburgs verkauft worden waren.

Als sich das nicht mehr verheimlichen ließ, zeigte Ministerin Golze zwei Mitarbeiter einer ihr unterstellten Behörde an. Die Staatsanwalt sah keinen Anfangsverdacht und erhob keine Anklage. Daraufhin wollte Frau Golze die beiden Arzneimittelexperten in eine unabhängige Untersuchungkommission unter dem Vorsitz ihrer Staatssekretärin berufen. Den Vorsitz durch ihre Untergebene konnte man der Ministerin ausreden. Hindern ließ sie sich allerdings nicht daran, in einer Pressemitteilung die Medien und die Öffentlichkeit anzugreifen, die sie unter Druck gesetzt hätten.

Sie brüstete sich noch damit, dass „ihre“ Kommission den Vorgang rückhaltlos aufgeklärt hätte. Der Bericht deckte Mängel in der Arbeit des Ministeriums auf, die einen Rücktritt unausweichlich machten. Nur Golze selbst verstand das nicht und musste mehr oder weniger gezwungen werden, loszulassen.

In Brandenburg trat ein Finanzminister zurück, der sein Motorrad mit einem Dienstfahrzeug in die Werkstatt gebracht hatte, ein Bildungsminister trat zurück, weil ihm ein Autohändler eine Limousine für die Urlaubsfahrt zur Verfügung gestellt hatte. Der gleiche Wagen wurde für ihn als Dienstwagen gekauft.

Für die Brandenburger Linkspartei ist es ein schwerer Schlag. Golze konnte in dem für linkspopulistische Politik bestens geeigneten Ministerium nicht so stark punkten, wie man das in ihrer Partei erhofft hatte. Außerdem war sie gerade an die Spitze der Partei gewählt worden. In einem Jahr ist Landtagswahl. Gegen eine Fortsetzung der rot-roten Koalition sprachen schon die Umfrageergebnisse vor dem Pharmaskandal.

Allerdings hält sich die Linkspartei, anders als in den meisten anderen ostdeutschen Ländern, ziemlich stabil bei 20%. (Es ist ein bisschen so, wie in der alten Bundesrepublik, im tiefschwarzen Osthessen, in Fulda. Da hätte eine Vogelscheuche für die CDU nominiert werden können, die Mehrheit wäre ihr sicher gewesen.)

Wahrscheinlich wird man die Grünen ins Boot holen. Grüne Bundespolitiker sehen mehrere Schnittmengen mit den Sozialisten. In Brandenburg stimmten die Grünen schon mal mit den Linken dafür, den 8. Mai zum Gedenktag für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus zu erklären. Eine grüne Landtagsabgeordnete hatte mir, auf meine Kritik hin, damals erklärt, man setze sich auch für andere Gedenktage ein. Gehört habe ich nichts mehr.

Zensur beim rbb

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Der brandenburgische Ministerpräsident Woidke hatte vor zwei Jahren in erstaunlicher Offenheit erzählt, dass alle politischen Straftaten, die nicht sofort eindeutig als linke eingeordnet werden, als rechte Straftaten gewertet werden.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: In Berlin ermittelt der Staatsschutz bei jedem abgefackelten Auto. So gut wie nie lässt sich ermitteln, dass Linksautonome, Linksalternative oder AntifaSA es waren. Auflösung ohne hinreichenden Tatverdacht nach Brandenburger Modell: Rechtsextreme waren es.

Nun wird uns alle paar Monate erklärt, dass Brandenburg eine zehnfach höhere Zahl rechtsextremer Straftaten vorweisen könne als andere Bundesländer.

Damit niemand auf die Idee kommt, die denkwürdige Zählweise der rot-roten Brandenburger Koalition als eine Ursache für die verfälschende Statistik zu nehmen, hat der rbb, die zuständige ARD-Länderanstalt, den Videoclip, der Woidkes Erklärung vor dem brandenburgischen Landtag wiedergibt, gelöscht.

Auf Youtube gibt es ihn noch (Kritisch kommentiert, Quelle unbekannt) Und hier! (Der Interviewer kriegt gar nicht mit, was Woidke (bei ca. 1:19) sagt, sondern plaudert ungerührt weiter über die hohe rechte Kriminalitätsrate.

Damit soll nicht wegerklärt werden, dass die ehemals neuen Bundesländer ein höheres Rechtsextremismuspotential haben als die westdeutschen. Ganz unschuldig ist die DDR-Hinterlassenschaft nicht daran. In Brandenburg gab es auch lange Zeit – Ministerpräsident Stolpe – ein Desinteresse des Staates. Siehe dazu auch bei Google Books die Darstellung der durchaus vorhandenen, aber nicht ausreichenden Brandenburger Maßnahmen (in Auszügen)

rbb und Cottbus: Rückfall in alte Gewohnheiten

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Es gab zwischendurch einen Lichtblick in der rbb-Berichterstattung. Da war Cottbus vorübergehend nicht mehr nur Hochburg von Neonazis und rechtem „Pack“, wie Sigmar Gabriel zu sagen pflegt. Der rbb versuchte sich an einer Diskussionsveranstaltung. Die üblichen Interviews zur Lage in Cottbus, bei denen der Oberbürgermeister, der Polizeipräsident, der Theaterintendant und ein Aktivist eines antifaschistischen Projekts reden durften, schienen der Vergangenheit anzugehören. (Der Theaterintendant ließ „Biedermann und die Brandstifter“ oder „Aruro Ui“ aufführen als Beitrag der Kulturschaffenden zum Kampf gegen Rechts.)

Das Tauwetter hielt nicht lange an. Eigentlich kein Wunder, wenn man bedenkt, dass eine rbb-Redakteurin bei der antifaschistischen Kahane-Stiftung Amadeu Antonio engagiert ist und der Rechtsextremismusexperte des ARD-Senders, Olaf Sundermayer, sich daran beteiligte, den britischen Filmemacher Tommy Robinson beim Interviewen Cottbusser Bürger zu stören.

Steffen Melzer, Objektiv ist die ausschließlich subjektive Berichterstattung des RBB