Bücher und Medien

Ampelmännchen und Todesschüsse

„Und hätte es eher Kopiergeräte gegeben, die DDR wäre fünf Jahre früher zusammengebroche­n.“

Sarah Kirsch, Kuckuckslichtnelken, S. 98

Die Liste als pdf

Sachbücher

Kleine Geschichte der DDR von Ulrich Mählert, München: C.H.Beck, 207 Seiten, 5., überarbeitete Auflage 2007, 978-3406475504

Gut lesbar, sehr präzise

Die heile Welt der Diktatur. Alltag und Herrschaft in der DDR 1971 – 1989 von Stefan Wolle, Bonn 21999

Eine hervorragende Studie. Sie ist verständlich geschrieben, alltagsgeschichtlich orientiert. Die Kapitel eignen sich gut für vielfältige Fragestellungen.

Das Buch ist leider beim Verlag Chr. Links und bei der Bundeszentrale f. politische Bildung vergriffen.Es ist unverständlich, warum dieses Buch keine weitere Auflage erlebt.

Die DDR. Eine Dokumentation von Hermann Vinke, Ravensburg: Ravensburger 2008, 256 S., 19,95

Vinke erzählt die Geschichte der DDR mit vielen Fotos und Porträts (besonders lesenswert) von Politikern, Regimegegnern, Künstlern und Menschen, die die DDR, die Revolution, die Wiedervereinigung und den Aufbau Ost miterlebt haben. Eine Fülle an Materialien. Mehr Übersichtlichkeit und Beschränkung auf Wesentliches wären dem Buch bei einer Neuauflage zu wünschen.

DDR. Was stimmt? Die wichtigsten Antworten von Reiner Eckert Freiburg: Herder, 2007, 127 S., 7,90, 978-3451057359

Leider sehr knapp, oft nur thesenartig, werden Behauptungen und Mythen entzaubert. Oder auf ihren belegbaren Kern zurückgeführt.

Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR von André Steiner (Buchhandelsausgabe bei dva 2004)

Solide und gründlich, aber anspruchsvolle Lektüre. Aber wichtig, um die Mythenbildung von der angeblichen Vernichtung eines florierenden Industriestaates 1989/90 zu durchschauen. Leider kein Glossar

Die wichtigsten Irrtümer über die deutsche Einheit von Richrad Schröder, 254 Seiten, Freiburg: Herder 22007, 978-3451296123

Richard Schröder prüft  die Klischees und Mythen der Nachwendezeit: War die DDR wirklich pleite? Ist die Treu­hand schuld am Untergang der DDR-Wirtschaft? Kolonisiert der böse Wes­ten den undankbaren, larmoyanten Osten? Er zeigt, wie je nach politischer Ideologie mit ge­schick­ten Interpretationen von Zahlen schlechte Stimmung gemacht wird.
Schröder belegt: Das Fass ohne Boden hat im Boden ein Rohr, da fließt einiges in den Westen zurück, und gar nicht knapp.“ Ebenso akribisch belegt Schröder, wie und warum die Treuhand 1994 die Privatisierung der maroden DDR-Wirtschaft mit dem gigantischen Minus von 250 Milliarden DM abschloss (die darin verrechneten Gesamteinnahmen betrugen 68 Mrd.) und fragt, wie manche dieses Ergebnis als „gigantisches Profitieren des Westens“ erklären können. Im Abschnitt über die Sanierung der ostdeut­schen Wirtschaft wird auch beschrieben, wie um auf durchschnittlich nur 18 Prozent Arbeits­losigkeit zu kommen, eine ungeheure Menge an Arbeitsplätzen völlig neu geschaffen werden musste.
Vor allem aber belegt das Buch, wie gigantisch die Leistungen, wie erstaunlich die Erfolge der deutschen Wiedervereinigung tatsächlich sind, wenn man sie nicht an Idealwünschen, sondern an den überwun­denen realen Problemen misst.

Gefangen in Hohenschönhausen. Stasi-Häftlinge berichten, von Hubertus Knabe, München: List 2007, 382 Seiten, 978-3548607412,     8,95 €

Oft reichte ein kritisches Wort, ein »verdächtiger« Lebenslauf oder die Denunziation des Nachbarn: Immer wieder wurden in der sowjetischen Besatzungszone und später in der DDR missliebige Personen kurzerhand festge­nom­men und ohne rechtsstaatliches Verfahren inhaftiert.

Die Haftanstalt Berlin-Hohenschönhausen war das zentrale Stasi-Untersuchungsgefängnis der DDR. In diesem Buch schildern zahlreiche Gefangene die Haftbedingungen, die Verhöre und den psychischen Druck, dem man als Häftling ausgeliefert war.

Knabe gilt als kämpferischer Autor, der das Unrechtssystem der DDR überbetone. Vor allem für  die ehemaligen MfS-Mitarbeiter ist er ein rotes Tuch.

Das Auge der Partei. Fotografie und Staatssicherheit, von Karin Hartewig, Chr. Links, 2004, 272 Seiten, 19,90, 978-3861533429

Die Stasi hat über 1,2 Millionen Fotos hinterlassen hat.  Ein unglaublicher technischer und personeller Aufwand wurde für die Verfolgung und Bespitzelung der Bürger betrieben.

Als noch Osten war, von Udo Hesse (Text und Fotos), Berlin: Berlin Story; veränd. Neuaufl. 2007, 80 Seiten, 19,80, 978-3929829495

Hervorragende Fotos aus Berlin, aus denen man mehr über die DDR erfährt als aus manchem Text.

DJ Westradio. Meine glückliche DDR-Jugend, von Sascha Lange, Berlin: Aufbau-Verlag, 2007, 202 S., 16,90, 978-3351026455

Zeitlicher Schwerpunkt sind dieser Erzählung von einer Jugend in Leipzig zwischen Punks und Faschos, den Ärzten, Depeche Mode und Bravo-Kopien sind die späten 80er. Der erste Kuss ist wichtiger als die Weltrevolution. Anders als Hensel ein gelassener Blick zurück. „Schön, dass es weitergeht. Mal sehen, was noch kommt“ sind die Schlusssätze.

Jeans in der DDR. Vom tieferen Sinn einer Freizeithose, von Rebecca Menzel, Berlin: Links, 2004, 198 S., 14,90, 978-3861533351 Vergriffen!

Sie war Anlass für Schulverweise und politische Grundsatzdiskussionen, Erkennungsmerkmal für Beat-Fans und Freiheitsliebende. Nach harten Auseinandersetzungen in den 50ern und 60ern setzte in den pragmatischeren 70er Jahren die Produktion DDR-eigener Jeansmarken ein. Allerdings ging sie buch­stäblich in die Hose: Nicht nur am Modegeschmack, sondern auch wegen Baumwollengpässen und schlechten Färbemitteln erhitzten sich die Gemüter.

Pars pro toto: 40 Jahre Kampf und Krampf wegen einer Hose.

Stasiland, von Anna Funder und Harald Riemann, Frankfurt: Fischer 2006, 978-3596167463

Die Australierin Anna Funder sucht Spuren der SED-Diktatur. In ihren Reportagen und Interviews wird das alltägliche Leben in der SED-Diktatur erfahrbar.

Das schweigende Klassenzimmer. Eine wahre Geschichte über Mut, Zusammenhalt und den Kalten Krieg von Dietrich Garstka, München, Ullstein, 2006, 18,00 €  Tb?

Eine Abiturklasse in Storkow/Brandenburg legt 1956 im Geschichtsunterricht  spontan Schweigeminuten zum Gedenken des gerade gescheiterten ungarischen Volksaufstandes ein. Dieser Vorfall versetzt die SED in große Unruhe.  Ein halbes Jahr vor dem Abitur wird die Klasse der Schule verwiesen.
Der Verfasser ist einer der 20 Schüler.

Die Schleife an Stalins Bart. Ein Mädchenstreich, acht Jahre Haft und die Zeit danach, von Erika Riemann, München: Piper  2006, 253 S., 8,90e, 978-3492261654

Mit vierzehn Jahren, im Herbst 1945, begeht Erika Riemann einen Fehler, der sie um ihre Jugend bringt. Mit ein paar Freunden besichtigt sie die neue Schule, die nun von einem Stalinporträt geziert wird. Zum Spaß bemalt sie Stalin mit Lippenstift – und wird dafür acht Jahre ins Gefängnis gesteckt.

So lachte man in der DDR. Witze und Karikaturen, München: Heyne 2001, 155 S, 5,95€, 978-3453191143

Die DDR hatte eine „blühende Witzkultur“ (Stefan Wolle). Viele Witze sind heute erklärungsbedürftig.

Jugend im Visier der Stasi, von Gabriele Schnell, hrsg v. d. brandenburgischen Landeszentrale für politische Bildung, 2001, als pdf unter http://www.politische-bildung-brandenburg.de/publikationen/pdf/stasi.pdf zu finden.

Eine besondere Zielgruppe des MfS waren Jugendliche. Hier sind mehrere „Fälle“ dokumentiert.

Stasi-Stücke, von Petra Saar und Marion Wagner, hrsg. v.  d. Bundesbeauftragten f. d. die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Erfurt 2004

Szenische Umsetzungen von Fällen aus den MfS-Akten zum Lesen und Nachspielen

Erzählende Literatur

Meine freie deutsche Jugend, von Claudia Rusch, Frankfurt am Main: Fischer, 2. Aufl.  2005, 176 S, 7,95€, 978-3596159864

Auch als Hörbuch erhältlich, von der Autorin gelesen, 2 CD, 144 Minuten

Wie man in der DDR aufwuchs und ohne rechte Überzeugung Mitglied in den staatstragenden Jugendorganisationen wurde, weil man einen höheren Schulabschluss machen wollte.

Die neuen Leiden des jungen W., von Ulrich Plenzdorf, Frankfurt am Main: Suhrkamp  52. Aufl. 2004 (1972), 6,00 €, 978-3518368008

Der Titel nimmt Bezug auf Goethes Werther. Der Held liebt ebenfalls vergeblich eine verheiratete Frau.

Als Theaterstück und Buch in beiden deutschen Staaten in den 70er Jahren, in West­deutschland auch als Film, ein Riesenerfolg.

Krokodil im Nacken, von Klaus Kordon, München: dtv 2005, 795 S., 10,00 €, 978-3423134040

Der Jugendbuchautor Kordon erzählt von Kindheit und Jugend in der Osthälfte Berlins. Die 50er und 60er Jahre, Alltag und Stasi-Knast werden sehr konkret. Es ist zwar dicker Wälzer, aber wenn man sich erst einmal festgelesen hat… Besser als manches Geschichtsbuch!  Es wird deutlich, wie sehr der Alltag vom Herrschaftsanspruch der SED durchdrungen war.

Die gekürzte Schulausgabe enthält (leider) nur die Stasi-Kapitel!

Die wunderbaren Jahre, von Reiner Kunze, Frankfurt: Fischer, 31. Aufl.(1976) 128 S., 6,69 €, 978-3596220748

Aus Gesprächen, die Reiner Kunze mit Schülern, Lehrlingen, Arbeitern und Soldaten der Nationalen Volksarmee führte, und aus Erfahrungen mit seiner eigenen Tochter entstanden diese Prosatexte, in denen er mit knappen, lakonischen Worten den (Schul-)Alltag von Jugendlichen in der DDR treffend schildert..

Der Sportunterricht begann mit „Stillgestanden“ und „Rührt Euch“. Dies und noch schlimmere Sachen erzählt der Autor.

An einem Freitag im Mai, von Maria Seidemann, Ellermann, 214 S., 1997, 978-3770730513

Zzt vergriffen. Das Buch wurde antiquarisch erworben

Vierzehn Jahre ist Hanna, als ihr Vater, der DDR-Schriftsteller Klaus Herold, nach einer Lesung verhaftet, ausgebürgert und in die Bundesrepublik abgeschoben wird.

Die Potsdamer Autorin Maria Seidemann erzählt anschaulich ein Stück Zeit- und Familiengeschichte vor dem Hintergrund des Jahres 1989.

Multimediale Dokumentationen

Jeder schweigt von etwas anderem
Regie Marc Bauder, Dörte Franke, www.gmfilms.de, 72 Minuten

Dokumentation über ehemalige Gefangene des DDR-Regimes, die vom Westen freigekauft wurden. Drei deutsche Familiengeschichten aus der geschätzten Zahl von 250.000 politischen Gefangenen der DDR.
Wie können die schon im Westen aufgewachsenen Kinder mit ihren Eltern über das damalige Geschehen

Reden? Als die Eltern  für ihre „falschen“ Gedanken und ein paar verbotene Bücher ins Gefängnis gesteckt wurden, bedeutete dies auch für die Kinder Trennung, Repression und Angst. Bei allen sitzen die Verletzungen aus dieser Zeit tief und darüber zu schweigen ist leichter, als alte Wunden aufzureißen.

Drei eindringliche Dokumentationen, die das verkitschte DDR-Bild einiger Spielfilme wieder etwas zurechtrücken.

Mit ausführlichem didaktischem Begleitmaterial und einem MfS-Schulungsfilm.  Denkbar ist, arbeitsteilig die drei Beiträge zu erarbeiten, Filmlänge jew. ca. 24 Min.. Wenn nur ein Fall bearbeitet werden soll: Anne Gollin.

Auf den Spuren einer Diktatur. Die DDR am Ende

3 DVDs, 80 Beiträge des rbb-Magazins Kontraste 1987 – 2001, mit einer lesenswerten Begleitbroschüre, Bestellnr. 1890, Bundeszentrale f. pol. Bildung

Es geht um den Untergang der DDR und die „Wende“: Über die neuen Karrieren der Stasi-Mitarbeiter, Strafvollzug in der DDR, Stasi-Akten, Protesbewegung, die Entschädigung für die Opfer und die Erhö­hung der Renten für Stasi-Mitarbeiter/innen,,,

1. Aufbruch im Osten – Geheime Videos und mutige Bürger (1987-1989).

2. Wendezeiten – Das Ende von Mauer, Macht und Staatssicherheit (1990-1991).

3. Alles schon vergessen? – Das Verdrängen der Vergangenheit (1992-2001)

DDR-Geschichte in Augenblicken, von Jugendweihe bis Biermann-Ausbürgerung

Sendungen des rbb, Radio Eins, apparat multimedia GmbH, Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur

2 Audio-CDs, 1 Materialien-CD

20 Ereignisse oder Personen der Zeitgeschichte, mit Interviews: Die Kaffekrise, Kinder als Grenzopfer, Peter Fechter, Jugendweihe, die Schulklasse von Storkow, Protest gegen die Biermann-Ausbürgerung, die Erfindung des Goldbroilers, Enteignungs-Aktion Rose (!) u.a.

Damals in der DDR. Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte

DVD 2006, mdr, Bundeszentrale für pol. Bildung, Bestellnr. 1894

80 Zeitzeugen, Interviews, Videos, Fotografien und historische Filmsequenzen aus vier Jahrzehnten. Man kann sich die Zeitzeugen nach Themen, z. B. Frauenemanzipation, sozialistische Erziehung, aussuchen und abspeichern. Sehr sehenswert: Ein Agitationsfilm der SED gegen das Sündenbabel West-Berlin. (Material 50er Jahre)

Internet

Suchmaschine zu DDR: www.ddr-suche.de/

anscheinend seriös, da bei ZOL gelistet

Ein DDR-Lexikon nach Wiki-Prinzip: www.ddr-wissen.de/wiki/ddr.pl

anscheinend seriös, obwohl die die Autoren fast alle mit Pseudonym arbeiten und die Domain im Nachbarland Polen registriert ist.

Fotoausstellung: „Der staatsfeindliche Blick“: www.ddr-bilder.de/

Vom Landesbeauftragten Berlin für die Stasi-Unterlagen

Das Leben in der DDR: www.dhm.de/ausstellungen/lebensstationen/ddr_1.htm

Eine Ausstellung des Deutschen Historischen Museums Berlin 1993

Mehrere DDR-Themen bei „Planet Wissen“, Mediathek von wdr, SWR, BR Alpha: www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,C6986E2A9E1A6C6AE030DB95FBC32F3B,,,,,,,,,,,,,,,.html

Umfangreiches SPIEGEL-Dossier: www.spiegel.de/schulspiegel/0,1518,532041,00.html

www.jugendopposition.de von der Bundeszentrale f. pol. Bildung und der Robert-Havemann-Gesellschaft

Fotos

http://ddr-fotos.de/Liste.htm

http://www.runde-ecke-leipzig.de/cms/?id=250

Die „Runde Ecke“, das Dokumentationszentrum in der ehem. Leipziger Stasi-Zentrale hat eine Datenbank online gestellt, in der 1500 Objekte fotografiert und erläutert werden. Man muss mal stöbern, z. B.: „Postkontrolle“, „Schminken“, „Geruchsprobe“.

Google wirft nach Eingabe von „DDR“ 140.000.000 Millionen Seiten aus. Um am Datenmüll nicht zu ersticken und um nostalgischen DDR-Verklärern nicht auf den Leim zu gehen, reicht es, sich an den teilweise hervorragenden Dokumentationen von Museen und  Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender zu orientieren.

Für die Hand der Lehrerin / des Lehrers

Reiz der Idee, Pleite der Praxis. Ein deutsch-deutscher Wirtschaftsvergleich, von Werner Obst

Der Wirtschaftsexperte des DDR-Ministerrats verließ die DDR 1969 und schrieb dieses Buch 1983.

Es ist für die S I leider nicht ganz einfach zu lesen, enthält zahlreiche Tabellen und sehr viele Zahlen. Es liefert aber auch konkrete Details zur Zentralverwaltungswirtschaft, zur Parallelgesellschaft der Nomenklatura und zu den Einkommensverhältnissen in der DDR. Mit überraschenden Vergleichen zur damaligen BRD. Aktuelle Materialien zu letzterem sind kaum vorhanden. Eine Erhebung zu den Sparkonten aus Anlass des Geldumtauschs 1990 ist nach Aussage eines Berliner Politikprofessors in einer Veranstaltung in Potsdam  „verschwunden“. Laut dieser Erhebung besaßen 10% der DDR-Bürger 60% des auf den Sparbüchern eingetragenen Geldes. Exakt die Verteilung, die in Westdeutschland  für die Verteilung des Gesamtvermögens gilt.

Die Broschüre ist bei Antiquariaten auf der Amazon-Website für 1 Cent  plus Versandkosten erhältlich.

Der Gefühlsstau. Ein Psychogramm der DDR, von Hans-Joachim Maaz, 243 S., Argon Verlag; 2. Aufl. (1990), 978-3870247096, nur noch antiquarisch!

Erfahrungsbericht eines Psychiaters über seine Arbeit und sein Leben in der DDR. Er macht erschreckend deutlich, wie die Repression der SED bis in die Familien und Individuen hinein wirkte.

Es enthält zudem eine hervorragende Analyse der Ereignisse vor während und nach der „Wende“, die Maaz in Anführungszeichen setzt.

Sicher reicht eine psychoanalytische Betrachtungsweise, die alles Handeln auf Kindheitstraumata zurückführt, nicht aus. Maaz arbeitet wohl auch eigene Traumata ab. Er hat das Buch in drei Monaten „wie im Fieber“ geschrieben.

Zensurspiele. Heimliche Literaturgeschichten aus der DDR, von Simone Barck und Siegried Lokatis, 296 S., Mitteldeutscher Verlag, Halle: 2008, 9783898125390

+

Endspiel.Die Revolution von 1989 in der DDR, von Ilko Kowalczuk,

München: C.H. Beck 1990,  9783406583575

+

Weitere empfehlenswerte Materialien

Eine kommentierte Spielfilmliste:

www.chronik-der-mauer.de/index.php/de/Start/Index/id/593832

Das Leben der Anderen

2005,  133´, Regie Florian Henckel von Donnersmarck, freigegeben ab 12; ich hätte eher 16 empfohlen.

Die DDR Mitte der 1980er Jahre: Ein mächtiger Minister, der eine gefeierte Theaterschauspielerin anmacht, will deren Lebens­gefährten, einen angesehenen Dramatiker, aus dem Weg schaffen. Ein Abhörspezialist der Stasi soll deshalb in einem „opera­tiven Vorgang“ die Loyalität des Staatsdichters prüfen, verwanzt die Wohnung des Paares und hofft auf regimekritische Äuße­run­gen. Dabei gerät er aber in seinem Glauben ans System selbst zunehmend ins Wanken. Ein Begleitheft gibt es bei der Bundeszentrale f. pol. Bildung.

Der Rote Kakadu

2006,128´, Regie Dominik Graf, FWU-04602383, bei Bildstellen/Medienzentren ausleihbar, Freigegeben ab 12; ich hätte eher 16 empfohlen.

Im „Roten Kakadu“, einem legendären Tanzlokal in Dresden, wird zu westlicher Musik wild gefeiert und getanzt. Luise, eine junge Dichterin und überzeugte Sozialistin, und ihr lebenslustiger Ehemann Wolle gehören zur Rock ’n‘ Roll-Szene. Als die Volkspolizei einer Tanzveranstaltung im Park gewaltsam ein Ende setzt, lernt Luise den 20-jährigen Bühnenmaler Siggi kennen, der sich in die Lyrikerin verliebt. Siggi findet schnell Anschluss an die Kakadu-Clique, deren Treiben zunehmend ins Visier der Stasi gerät. Als es zum Prozess gegen die Kakadu-Clique kommt, stellt sich für die Freunde einmal mehr die Frage: Weggehen oder bleiben?

Rückblickend aus der Perspektive Jugendlicher schildert Regisseur Dominik Graf in seinem Film ein Stück Lebens­geschichte aus der DDR kurz vor dem Bau der Berliner Mauer 1961. Es geht auch um das Lebens­gefühl und die Zukunftspläne junger Menschen, so dass den heutigen Jugendlichen zahlreiche Identi­fikationsmöglichkeiten geboten werden und die Bereitschaft befördert wird, sich mit der DDR-Geschichte intensiver zu befassen.

Es gibt eine DVD „Der rote Kakadu – Filmausschnitte und Informationsmaterial für den Unterricht, 36´, FWU 04602384. Das Filmheft der Bundeszentrale liegt (nicht in allen Medienkisten) bei (http://www.bpb.de/publikationen/1B80MJ,0,Der_Rote_Kakadu.html ). Besonders brauchbar im Film oder auf der Arbeits-DVD: Die Eingangsszene: Vopo knüppelt auf Rock´n Roll-Fans ein (Clip VTS_01_1)

Nachtrag März 2016: Hans Günther Brée für die Filmanalyse ein Papier zu diesem Film geschrieben. Ich danke ihm für die Erlaubnis, das hier einzufügen. Mit dieser Handreichung dürfte es auch filmkundlich weniger kompetenten Lehrern möglich sein, den Film nicht nur vor der Klasse abzuspielen, sondern damit auch Erkenntnisse zu erarbeiten.

Karla

DDR 1965/1990, Regie Herrmann Zschoche

Karla tritt nach Abschluss der Universität mit großen Ambitionen eine Lehrerstelle in einer Kleinstadt der DDR an. Sie möchte den Kindern nicht nur Fakten vermitteln, sondern sie zu selbständigem Denken anregen. Mit dem Direktor versteht sie sich anfangs recht gut. Doch ihre Ideale stoßen auf Unverständnis – auch bei den Schülern, die längst wissen, was zu sagen ist und was man besser verschweigt. Ihr unkonventionelles Verhalten, sie hat auch noch eine Beziehung zu dem „Aussteiger“ Kaspar, fällt unangenehm auf. Nach einer Niederlage passt sich Karla an. Kurz vor dem Abitur begehrt sie jedoch auf, sagt ihren Schü­lern die Meinung. Am Ende des Schuljahres wird sie in eine andere Schule versetzt.

Die Kündigung

DDR 1982 Regie Edgar Kaufmann

Eine ehemalige Lehrerin, jetzt beim Rat des Kreises für Volksbildung zuständig, hospitiert bei einer jüngeren Kollegin und ist entsetzt: Statt eigener Meinungen geben die Schüler nur auswendig gelernte Phrasen von sich.

Sportsfreund Lötzsch

2008, Regie Sandra Prechtl/Sascha Hilpert

Ein erfolgreicher Radprofi, der sich nicht der SED unterwirft und dafür büßen muss. Seine Stasi-„Betreuer“ sind heute erfolgreiche Geschäftsleute, Lötzsch ist arbeitslos.

Die TV-Produktion „Wir sind das Volk – Liebe kennt keine Grenzen“ wird sehr gelobt. (DVD, 17.95 € (Ich habe sie noch nicht gesehen.)

Die Bundeszentrale für politische Bildung www.bpb.de/ hat sehr gute Materialien. Sie werden z.T. ausführlich auf der Website vorgestellt. Insbesondere:

Feindbilder. Fotos und Videos der Stasi

DVD. Ein Film von Holger Kulick, 2006, Bestellnr. 1900, 6,00 €

Mehr als eine Millionen Fotos und Negative, Filme und Videobänder finden sich in den Archiven der DDR-Staatssicherheit – ein bislang kaum gehobener zeithistorischer Schatz.

Der 17. Juni 1953

CD-ROM 2003, Bestellnr. 1804, 4,00 €

Identisch mit www.17juni53.de

Antisemitismus in der DDR, von Thomas Haury

Die SED leugnete jede Mitschuld des deutschen Volkes am Nationalsozialismus und an der Vernichtung der euro­pä­ischen Juden und lehnte es 1952/53 ab, arisiertes jüdisches Vermögen rückzuerstatten. Mit seiner Unter­suchung belegt Haury, dass die Grundstrukturen des kommunistischen Weltbildes denen des Antisemitismus sehr nahe sind.

Informationen zur politischen Bildung, insbesondere

Heft 250 Der Weg zur Einheit

Heft 270 Gesellschaft und Alltag in der DDR

Das im Bücherschränkchen vorhandene Von Plan zu Plan. Eine Wirtschaftsgeschichte der DDR gibt es auch als Lizenzausgabe der Bundeszentrale.

Auch die Landeszentralen für politische Bildung, die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur

www.stiftung-aufarbeitung.de/service_wegweiser/ddr-unterricht.php

und die BStU-Dienststellen (Stasi-Unterlagen-Behörde) haben hervorragendes Material, z.T. auch Unterrichtsvorschläge.

Mehrere Landeszentralen haben:

Zersetzen. Strategie einer Diktatur von Sandra Pingel-Schliemann. Mindestens als Hintergrund­information, wie das MfS Menschen terrorisierte, für die Lehrkräfte sehr brauchbar.

Die BStU (Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen) unterstützt Schüler/innen mit einem Bildungsangebot zu Struktur, Methoden und Wirkungsweise des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).

Ansprechpartner für Schulen aus den alten Bundesländern:

Bundesbeauftragter f. d. die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR

Abteilung Bildung und Forschung

Karl-Liebknecht-Str. 31/33
10178 Berlin
030 2324-50030 2324 8914, axel.janowitz@bstu.bund.de

In den neuen Bundesländern stehen auch die regionalen BStU-Dienststellen zur Verfügung.

Die BStU-Dienststelle in Erfurt hat eine hervorragende Dokumentation zur flächendeckenden Überwachung der Bevölkerung mittels „konspirativer Wohnungen“:

www.stasi-in-erfurt.de/07-KW-Suche-online.htm

Wirtschaft in der DDR

DVD, Laufzeit 52 min
FWU  www.fwu.de

22 Filmsequenzen, 16 Bilder, Arbeitsmaterial

Medienzentrenlizenz 295,00 EUR, Schullizenz 135,00 EUR
Einzellizenz 20,00 EUR (Wer die DVD zu diesem Preis erwirbt, ist nicht berechtigt, die auf der DVD enthaltenen Filme öffentlich aufzuführen.)

DDR – was war das?

Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur www.stiftung-aufarbeitung.de

DominoFilm, Berlin 2006, 7,50 Euro.
Die DVD beinhaltet 7 Filmbeiträge mit einer Länge von jeweils ca. 10 Minuten. Diese Filmbeiträge sind als Anregung zur Beschäftigung mit verschiedenen Themen der DDR-Geschichte konzipiert. Die Schüler erhalten mittels Zeitzeugeninterviews, Originalbeiträgen aus dem DDR-Fernsehen, Animationen und Musik einen ersten Eindruck, der sie zu weiteren Fragen und einer intensiveren Beschäftigung mit dem Thema motivieren soll.
Sechs der Filmbeiträge widmen sich konkreten Aspekten der DDR-Geschichte, an die es für viele Schüler auch heute noch Anknüpfungspunkte gibt. Außerdem enthält die DVD Arbeitsmaterialien zu jedem The­ma.

50 Jahre in 50 Tagen, Erinnerungen für die Zukunft

ndr1, Stiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur, www.stiftung-aufarbeitung.de

50 Kurzbeiträge, von 1949 bis 1999 für jedes Jahr einen, mit Originalaufnahmen, z.B. Ulbricht über die Beatles: „Müssen wir jeden Dreck mitmachen?“ (1965)

Der Fall der Mauer

Spiegel TV Nr. 9, DVD-Video, Spiegel TV Hamburg

Die Ulbricht-Attentäter von Steinbach. Eine Fiktion der Stasi

Ein Film von Michael Erler, Sendung vom 08. Januar 2008, MDR

1972 wurden in einem Geheimprozess fünf Männer wegen eines geplanten Attentats auf den Staatschef der DDR, Walter Ulbricht, zu zehn bis 15 Jahren Zuchthaus verurteilt. Sie haben ihre Strafen abgesessen, auch wenn es ein solches Attentat nur in den Augen der Ermittler gegeben hat.

www.mdr.de/doku/archiv/geschichte/122816.html

Die Dokumentation kann gegen Gebühr bestellt werden.

TELEPOOL GmbH Leipzig, Programmverwertung, Altenburger Str. 9, 04275 Leipzig
Telefon: 0341 / 3500 3606, Fax an: 0341 / 3500 3616, E-Mail: service@leipzig.telepool.de
Internet: www.mdr.de/unternehmen/4630814.html

Leider vergriffen, sehr lesenswert:

Stasi auf dem Schulhof, hrsg. v. Klaus Behnke und Jürgen Wolf, München: Ullstein 1998, 347 S., 978-3548332437

Rund sechs Prozent der 173 000 inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit waren im Jahr 1989 unter 18 Jahre alt. Sie wurden zur Bespitzelung ihrer Mitschüler und Freunde eingesetzt. Das Buch enthält Falldarstellungen der ehemaligen jugendlichen Stasimitarbeiter und ihrer Opfer.

(Nicht im Verbundkatalog der öffentlichen Bibliotheken Brandenburgs. In Berlin gibt es 1 Exemplar in der  Zentral- und Landesbibliothek. Im Antiquariatshandel ca. 60 €!!)

Die unglaubwürdige Gesellschaft. Quo vadis DDR?, von Franz Loeser, Köln 1984, 978-3766308764

Loeser war Philosophieprofessor in Ost-Berlin und hoher SED-Funktionär. Sein Buch ist ein Insiderbericht über die haarsträubende Herrschaftspraxis der SED. Er flüchtete 1983. Dennoch glaubte er an einen demo­kratischen Sozialismus ohne die „entartete“ Herrschaft eines Parteiapparates.

VEB Nachwuchs. Jugend in der DDR, hrsg. v. Peter Wensierski, Lothar Reese, Norbert Haase, Reinbek 1983

Selbstzeugnisse und literarische Texte

Null Bock auf DDR. Aussteigerjugend im anderen Deutschland, von Peter Wesnierski und Wolfgang Büscher, Reinbek 1984

Ich habe „Nein!“ gesagt. Zivilcourage in der DDR, von Marco Hecht und Gerhard Praschl, Berlin 2002

Alle URLs angeschaut am 01.02.2008

Annotationen z. T. nach Verlagsinformationen und amazon.de

24 Buchtitel in 44 Exemplaren, davon 15x erzählende Literatur,

4 digitale Medien

© 2008-16  Günter K. Schlamp (LAG Schulbibliotheken in Hessen e.V.)


Ein Kommentar zu „Bücher und Medien

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