Die OECD-Bildungsexperten schießen seit 40 Jahren gegen das deutsche Bildungssystem. Einer der gebetsmühlenhaft vorgetragenen Vorwürfe: Nirgendwo anders auf der Welt wäre der Schulerfolg so sehr vom Elternhaus abhängig wie in Deutschland.

Nun nimmt sich Bildungsforscher Klaus Bölling die jüngste Studie von OECD und Vodaphone (von 2015) vor. (Es war eine Sonderauswertung von PISA-Daten.)

Die Forscher benutzen den Fachausdruck Resilienz für ihr Fach und meinen damit, dass Schüler trotz eines benachteiligten Sozialstatus in den PISA-Tests Komptenzstufen erreichen, die ihnen aktive gesellschaftliche Teilhabe ermöglichen. In Deutschland wurde eine Verbesserung von einem Viertel der betroffenen Schülergruppe auf ein Drittel festgestellt. Deutschland liegt damit über dem OECD-Durchschnitt. Innerhalb von 9 Jahren eine beachtliche Steigerung bei der Bildungsgerechtigkeit.

Die OECD wäre aber nicht die OECD, wenn sie nicht darauf hinweisen würde, dass bei aller Verbesserung der Zusammenhang von Schulleistung und sozialer Herkunft in Deutschland immer noch „sehr ausgeprägt“ wäre. Obwohl die neue Auswertung eher das Gegenteil nahelegt.

Nun haben die OECD-Bildungforscher einen Durchschnittswert für die Abhängigkeit des Schulerfolgs vom Sozialstatus errechnet, der bei 13% liegt. D. h. 13% der Unterschiede im Schulerfolg können durch den häuslichen Sozialstatus erklärt werden. Werte zwischen 11 und 15% sind statistisch nicht signifikant abweichend. Länder, die einen Wert zwischen 16 und 26 haben, hätten demnach einen auffälligen Zusammenhang von Schulerfolg und Sozialstatus. Deutschlands Schulwesen steht bei 16. (Zur Erinnerung: bis zum Wert 15 erstreckt sich der Durchschnitt. 16 wäre also allenfalls schwach signifikant.

Rainer Bölling zeigt, was die OECD über Deutschland alternativ hätte schreiben können: „In Deutschland waren 84% der Leistungsunterschiede zwischen Schülern unabhängig von der sozialen Herkunft. Deutschland steht damit besser dar als PISA-Gesamtsieger Singapur“

Rainer Bölling, Die Mär von der sozialen Ungerechtigkeit, in: FAZ vom 20.5.18, p 7

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Ein Kommentar zu „Bildung und Elternhaus, OECD und empirische Bildungsforschung

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