hamas.JPGDie Berichte des FAZ-Israelkorrespondenten Jochen Stahnke finde ich oft irritierend. Er schreibt verständnisvoll über die Einschränkungen der Pressefreiheit im Gebiet der arabischen Palästinenser. Auf Twitter lässt er sich kaum eine Missetat der israelischen Besatzer entgehen. Er spricht wie selbstverständlich von palästinensischer Kultur und dem palästinensischen Volk.

Noch nie habe ich von ihm etwas gelesen, was dem Inhalt des Films „Eyeless in Gaza“ entspräche. Dass arabische homosexuelle Palästinenser Schutz in Israel suchen, das finde ich in der FAZ nicht.

Die Berichterstattung ist von vornehmer Zurückhaltung geprägt. Lässt es sich nicht vermeiden, einmal etwas Missliches über Hamas oder Dr. Abbas zu vermelden, wird es als Aussage von Dritten kolportiert. Breiten Raum nehmen die Darstellungen und Rechtfertigungen der arabischen Offiziellen ein.

Vielleicht sollte Herr Stahnke seinen Wohnsitz nach Ramallah verlegen, um näher am Geschehen zu sein. Bei aller Reserviertheit gegenüber Israel, als Wohnsitz bevorzugt er dann doch Tel Aviv. Letztlich ist er auch Korrepondent für Israel, nicht für Nahost. Über die Korruption in der Familie Nethanjahu oder das Treiben der Evangelikalen (Nachtrag: FAZ v. 22.1.17) in Jerusalem zu berichten, ist halt risikoloser als über öffentliche Hinrichtungen in Gaza.

Was dem FAZ-Journalisten Stahnke nicht in den Sinn kommt: Die Korruptionsermittlungen gegen den Premier Nethanjahu sind auch ein Zeichen der rechtsstaatlichen Kultur Israels. Die korrupten Eliten des arabischen Palästina brauchen nicht zu befürchten, dass ihre Machenschaften aufgedeckt werden.

Gerne überlässt man die Nahostberichterstattung der für ihre Unvoreingenommenheit berühmten dpa. Von der übernimmt die FAZ dann die Meldung, dass Israel zur Eskalation beitrüge, weil die Armee einen Hamas- oder IS-Tunnel sprengt, der auf israelisches Staatsgebiet führt. Der Hinweis, dass das ausgerechnet kurz vor der Übergabe der Grenzkontrolle in Gaza an die Autonomiebehörde passiert, darf nicht fehlen. Anderswo lese ich, dass der Iran die neue Einigkeit von Hamas und PLO hintertreibe. Für die FAZ ist es dagegen Israel.

Heute kommentiert FAZ-Redakteur Rainer Hermann: „Hundert Jahre Unfrieden“.

Für ihn sind Engländer, die die Rechte des palästinensischen Volkes missachten und ihr Land den Juden geben, die Urheber der Ursünde. Seither sind dann die Juden an allem schuld. Israel wolle keine Zweistaatenlösung liest man. Es verweigere dem palästinensischen Volk, dessen jahrhundertealte Geschichte und Kultur auch für Herrmann eine Realität zu sein scheint, das Recht auf einen Staat.

Man kann durchaus vermuten, dass Israel kein gesteigertes Interesse an einem Hamas/IS/Fatah-Staat hat, einem erwartbaren weiteren nahöstlichen Failed State. Vor allem deswegen, weil nichts dafür spricht, dass dann weniger Tunnel nach Israel gegraben würden oder weniger Raketen die israelischen Städte bedrohen würden.

Was aber bei dem FAZ-Redakteur verblüfft: An keiner Stelle erwähnt er, dass die palästinensischen Araberführer zig Gelegenheiten verstreichen ließen, um in der Staatsgründung weiterzukommen oder gar einen Staat zu gründen. Für die FAZ-Mitarbeiter ist es immer Israel, das für Unfrieden in der Region sorgt.

Kann es sein, dass die Araberführer gar keinen eigenen Staat wollen? Dass ihr Ziel die Vernichtung Israels ist und bleibt? Das haben in diesen Tagen wieder Dr. Abbas und der Chef der Hamas in Gaza bekräftigt.

Hermann formuliert einen besonders niederträchtigen Satz: Das Prinzip der zionistischen Landnahme wäre, sich das Land nicht durch Kämpfen anzueignen, sondern durch Siedlungen.

Dass Israel sich in 70 Jahren mehrmals gegen zahlenmässig überlegene arabische Armeen zur Wehr setzen musste und siegte, dafür war im Kommentar Hermanns auf Seite 1(!) der FAZ kein Platz mehr.

Was bei Herrmann fehlt:

Das „palästinensische Volk“ ist erst kürzlich erfunden worden. Eine palästinensische Kultur, Geschichte, Literatur und Sprache hat es nie gegeben. Auch wenn die arabisch dominierte UNESCO aus dem seit Jahrtausenden jüdischen Hebron ein „palästinensisches Weltkulturerbe“ macht, wahr wird es dadurch nicht.

Die römischen Geschichtsschreiber kannten nur Juden, die Jerusalem und Masada verteidigten. Von den Arabern, die im 7. Jahrhundert das Gebiet Palästina (kein arabisches Wort!) eroberten, ist nicht überliefert, dass sie dort ein palästinensisches Volk oder gar einen Staat dieses Volkes antrafen. Die Osmanen beherrschten das Gebiet 600 Jahre lang, einem palästinensischen Volk sind sie nicht begegnet. Ihre Verwaltung notiert als Bewohner des dünn besiedelten Raums zwischen Syrien und Ägypten: Juden, Araber, Tscherkessen und Bosnier. Aus syrischer Sicht ist es übrigens „Süd-Syrien“.

Die meisten „Palästinenser” stammen von Arabern ab, die im frühen 20. Jahrhundert aus wirtschaftlichen Gründen in die Region zogen; nicht zuletzt, weil die jüdischen Einwanderer in der Landwirtschaft, im Handwerk und der Industrie Arbeitsplätze schufen. Ihre Herkunftsländer waren Ägypten, Syrien, Jordanien, Libanon und Saudi-Arabien.

Auch im 20. Jahrhundert gibt es kein Dokument, in dem von einem palästinensischen Volk oder Staat die Rede ist. Im Gegenteil, mit Palästina meinten die Araber die jüdischen Bewohner!

Was Herr Hermann falsch darstellt:

Groß-Britannien hat den Zionisten nicht die Levante versprochen, sondern einen kleinen Teil, der überwiegend unfruchtbar und Wüste war. Britische Erwartung war, dass es einen jüdisch-arabischen Staat geben würde. Deswegen war eine gemeinsame Infrastruktur (Wasser-, Energieversorgung) für die arabischen und jüdischen Siedlungen vorgesehen. Aber auch die Gründung eines arabischen Staates in West-Palästina hätten die Engländer nicht verhindert. Er wäre genauso legitim gewesen wie die Gründung Jordaniens und Israels. Groß-Britannien war rechtlich als Mandatar des Territoriums zu beidem befugt. Aber die Araber gründen ihren Staat seit 70 Jahren nicht, stattdessen führten mehrere Kriege mit dem Ziel der Vernichtung Israels.

Das erklärte Ziel der Zionisten war nicht von vornherein ein jüdischer Staat. Man kann das in den Protokollen der zionistischen Kongresse nachlesen. Jener war aber zuletzt militärisch notwendig geworden.

(Die Engländer spielten allerdings ein falsches Spiel, weil sie jedem etwas versprachen, aber nicht daran dachten, sich daran zu halten.)

 

Verwundert bin ich über das, was bei Hermann völlig fehlt:

Israel hat mehrere eroberte Gebiete zurückgegeben: Sinai, Gaza, Süd-Libanon. Eine Friedensdividende erhielt es,  von Ägypten abgesehen, nie. Auf Verhandlungsangebote sind die arabischen Führer nie eingegangen.

Dr. Nikoline Hansen beschreibt in der Jüdischen Rundschau das Israelbild deutscher Medien : „Wenn es um Israel geht, folgt die Berichterstattung immer dem beliebten Denkmuster: Israel ist ein Apartheidsstaat, der „palästinensisches“ Land besetzt hält und die armen Einwohner von Gaza unter unwürdigen Bedingungen gefangen hält. Bebildert werden derartige Berichte mit steinewerfenden Kindern, die israelischen Soldaten und Panzern gegenüberstehen – ein beliebtes Motiv, das von „palästinensischer“ Seite gerne… inszeniert wird. Viele Menschen hinterfragen diese Art der Berichterstattung nicht, da sie seit Jahrzehnten daran gewöhnt sind und die „palästinensische“ Propaganda die komplexe Thematik scheinbar schlüssig darstellt.“

Der Nahost-Konflikt ist ganz einfach zu beschreiben: Eine Seite [Araber] will, dass die andere [Israel] tot ist.

Dennis Prager, gefunden auf heplev

Nachtrag: Zur Balfour-Erklärung und dem israelfeindlichen FAZ-Komentar Hermanns nimmt Matthias Küntzel am 11.11.17 in mena-watch Stellung.

Nachtrag: Unsere Journalisten berichten nicht über die Prachtvillen und die Privatmoscheen der Hamas-Kader, über die Restaurants der Gaza-Millionäre, die Bestechungsgelder, die Hamasfunktionäre verlangen, wenn Kranke in israelische Krankenhäuser wollen.

Aber sie notieren akribisch die hohen Mieten in Tel Aviv und jede Zigarre und jede Champagnerflasche, mit der sich Nethanjahu angeblich bestechen ließ.

Einen treffenden Kommentar dazu: „Gelegentlich gibt es mal einen Artikel in westlichen Medien über die wahre Krise im Gazastreifen –  die Krise, die einzig die Araber schufen – aber größtenteils wird das alles ignoriert, weil das Denkmuster der „israelischen Belagerung“ zu stark ist, als dass faule Journalisten sich damit quälen, es zu widerlegen. Letzten Endes wollen kein Journalist und keine NGO Mahmud Abbas kritisieren.

So etwas steht nicht in der FAZ: Imagine that you are that Israeli soldier

Nachträge: Noch mehr tendenziöse Israelberichterstattung der FAZ hier, hier und hier.

Und dann gibt es noch den Kunsthistoriker Crönert, der in der FAZ das angebliche Märchen einer dreitausendjährigen jüdischen Geschichte in Palästina zelebrieren darf.

Update 28.4.18: Jan Fleischhauer über das Israelbashing der Mainstream-Medien

3 Kommentare zu „Auch die FAZ im Lager der Israelkritiker

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