Ach, die Politik!

Die gestanzten Parolen unserer politischen Elite öden mich an. Da höre ich von drei verschiedenen Grünen denselben Satz: „Jedesmal, wenn ich ein Windrad sehe, freue ich mich.“ Vom in Moskau in marxistischer Ökonomie promovierten Dr. Bartsch höre ich kurz hintereinander in drei verschiedenen Veranstaltungen seinen Lieblingssatz vom armen Rentner, der Flaschen sammeln muss.

Mir scheint, alle haben in ihren Wahlkreisen einen Taxifahrer oder einen, der Busse fährt (Martin Schulz), eine Alleinerziehende, einen zwergwüchsigen siebenjährigen Sohn, dem die tödlichen Dieselauspuffgase direkt ins Gesicht geblasen werden (Cem Özdemir) oder sie selbst stammen aus einem Arbeiterhaushalt und wissen deshalb, was Armut bedeutet.

Man sieht die Spin-Doktoren und Kreativdirektoren der Werbeagenturen vor sich, wie sie ihr Mantra predigen: immer konkret bleiben, immer personalisieren, Human Interest ist besser als präzise Zahlen und Konzepte.

Ansonsten immer wolkig und unangreibar bleiben: „weltoffen und gerecht“, „Zeit für Gerechtigkeit“, „Mehr Geld für Bildung“, „Mehr Geld für Kinder“, „Für Frieden“, „Mehr Respekt für …“, „Die Menschen mitnehmen“.

Nur in einem Fall ist alles erlaubt, Hetze, Hass, Fakes, falsche Zahlen, Spott und Häme: Wenn es um die AfD geht. Man muss kein Freund der AfD sein, aber die Schlammschlacht der ZDF-„Moderatorin“ Slomka im Einklang mit nahezu allen parteipolitischen Kontrahenten der AfD und dem johlenden Publikum gegen die AfD-Politikerin Alice Weidel war ein Tiefpunkt des politisch-medialen Kampfes gegen die AfD.

Ein Auszug aus der Inszenierung des ZDF:

Heiko Maas: „Im Übrigen, Frau Weidel, Sie sind doch selbst ein Flüchtling. Sie sind aus der Schweiz nach Deutschland geflohen, und wenn wir Sie integrieren, dann schaffen wir das bei vielen anderen auch.“

Applaus. Slomka gibt Weidel keine Möglichkeit zu antworten. Alice Weidel ist 1979 in Gütersloh geboren. Was Heiko Maas damit gemeint hat, ist unklar. Vielleicht bezog er sich auf Weidels Partnerin, die Schweizerin ist.

Weidel: „Völliger Blödsinn hier. Völliger Blödsinn.“ (Leise zu Maas, als sie das Wort nicht bekommt:) „Sie sollten sich schämen, Herr Mass, so dummes Zeug von sich zu geben.“

Slomka: „Frau Weidel!“ (Link)

Maas beim Abgang von Frau Weidel: „Wem es nicht passt, dass er unterbrochen wird, kann gehen.“

Der CSU-Politiker ex-Doktor Andreas Scheuer macht auch mit. Er will erst einmal wissen, was Höcke und Gauland in der AfD zu suchen haben, bevor Frau Weidel weiterreden darf.

Das Rundfunkgesetz verlangt politische Neutralität und Objektivität. Aber Frau Slomka wird nicht den ganzen Tag mit dem Rundfunkgesetz unter dem Arm herumlaufen wollen. Nachtrag: Sie erhielt gerade den Deutschen Fernsehpreis für ihre Leistungen.

Eingeschobener Nachtrag 8.9.17: Vera Lengsfeld schreibt einen offenen Brief an den CSU-Politiker:

Lieber Andreas Scheuer,

im Jahre 2014 saßen wir gemeinsam in einer Talkrunde bei Anne Will, wo Sie in unfairer Weise lächerlich gemacht wurden, weil Sie gesagt haben, dass die deutsche Sprache zu lernen unverzichtbar für die Integration sei (Sie hatten das etwas ungeschickter ausgedrückt). Ich habe Sie damals in Schutz genommen, weil ich diese Art des Umgangs, den Renate Künast und Lamya Kaddor an den Tag legten, unerträglich fand.

Um so verwunderter bin ich, wie Sie sich Alice Weidel gegenüber in der ZDF-Sendung mit Marietta Slomka verhalten haben. In einer Konstellation, in der Frau Weidel allein gegen alle anderen Diskussionsteilnehmer, die Moderatorin und das Publikum stand, wäre Fairness das Gebot der Stunde gewesen. Dass man die nicht von Heiko Maas, Jürgen Trittin, Katja Kipping und auch nicht von Frau von der Leyen erwarten kann, war klar.

Sie hätten die Chance gehabt, ihren Wählern zu demonstrieren, dass nicht alle Politiker gleich sind. Sie haben sie nicht nur nicht genutzt, Sie haben sich in ziemlich schäbiger Weise am Weidel-Bashing beteiligt und mit Ihrer Schlussbemerkung sogar noch Heiko Maas übertroffen. Den Abgang von Frau Weidel diskreditierten sie mit dem Hinweis auf „Häppchen“, die es hinter der Bühne gebe…“

Wenn diese Partei doch so unmöglich ist, warum muss ZDF-Spitzenfrau Slomka ihrer Vertreterin bei jedem Satz ins Wort fallen? Die müsste sich doch selbst disqualifizieren.

Am Schluss der Sendung ruft „Moderatorin“ Slomka angesichts der weggehenden Frau Weidel aus: „Was ist denn das für eine Diskussionskultur?“ Das Publikum johlt.

A propos Publikum: Talkshows sind durchchoreographiert. Da bleibt nichts dem Zufall überlassen. Die Eingeladenen werden gerne drei zu eins zusammengesetzt oder zwei gegen drei. Die Sitzordnung der Gäste ist keinesfalls beliebig. Im Publikum sitzen Sendermitarbeiter, die anzeigen, wann geklatscht (gejohlt?) werden soll. Auf die Zusammensetzung des Publikums wird geachtet.

Nachtrag v. 9.9.17: Die FAZ zeigt, wie Journalismus heute geht. Mitarbeiter Justus Bender macht sich nicht die Mühe, Slomkas Schlammschlacht anzusehen. Er schreibt bloß: „Neulich stürmte sie (Frau Weidel; GS) aus einer ZDF-Fernsehsendung, weil die Moderatorin sie zu häufig unterbrochen haben soll.“

Ehrlich gesagt freue ich mich darauf, wenn Frau Dr. Weidel demnächst im Bundestag kompetent reden darf. Oder werden Linke und Grüne die Antifa durch die Hintertür reinlassen und aus dem Parlament ein Irrenhaus machen? Das war es für Dr. Rosa Luxemburg ja schon immer.

Dass Wahlkampf und Politik insgesamt so lahm daherkommen, liegt nicht nur an der Regierungskunst von Frau Merkel, sondern auch an den Medien. Es gibt höchstens an entlegenen Sendeplätzen auf Spartenkanälen einmal eine Sendung, in der kontrovers, aber sachlich ein Thema erörtert wird. Die Regel bei ARD/ZDF-Wahlsendungen ist, zu fast allem von fast allen ein Sätzchen.

Die ÖR-Zwangsgebühren-Sender werden von der Politik dominiert. Talkshows sind Unterhaltungssendungen, die Quote bringen müssen. Redebeiträge werden nach 60 Sekunden von Einspielfilmchen oder dem Moderator unterbrochen. Wer Interviews sehen will, in denen der Journalist zurückfragt, hart fragt, muss CNN oder BBC anschauen.

Da die AfD die einzige Partei ist, die die Rundfunksteuer abschaffen will, ist klar, dass alle ÖR-Medienschaffenden gegen die Partei schießen.

Alle Sender sind gemeinsam mit Regierungen und Parteien im verbissenen Kampf gegen Rechts vereint. Es gibt Redakteure, die in der Amadeu-Antonio-Stiftung mitmachen bei der Jagd auf alles, was sich rechts von SPD und Linkspartei bewegt. SPD-Justizminister Maas veröffentlicht Bücher gegen Rechts, schreibt das Vorwort für eine Anti-Rechts-Broschüre der Amadeu-Antonio-Stiftung, die von einer Hasstiraden schreibenden, narzisstischen Kommunistin verfasst wurde. Maas macht AfD-Frau Weidel einen blödsinnigen Vorwurf („aus der Schweiz zugewandert“) in der o.a. Sendung der „Moderatorin“ Slomka. Die lässt nicht zu, dass Frau Weidel darauf antwortet.

Solange die selbstgerechten Spitzenverdiener des ÖR-TV nicht gewillt sind, kritische Interviews zu machen, Rückfragen zu stellen, kontrovers z. B. über Energiewende, menschengemachten Klimawandel und Probleme ungesteuerter muslimischer Einwanderung zu berichten, wird der Wahlkampf lahm bleiben.

Nachtrag 14.9.17: Die sog. linksgrünen Mainstreammedien laufen inzwischen Amok. Jetzt wird Frau Weidel, vorneweg von der ehemals liberalen Zeit, der Vorwurf gemacht, eine Asylbewerberin illegal beschäftigt zu haben.

 

 

6 Kommentare zu „Ach, die Politik!

  1. Sehr geehrter Herr Schlamp, ich lese Ihre aufwendig geschriebenen Analysen des Tagesgeschehens immer sehr gern und aufmerksam….In diesem Falle möchte ich die Gelegenheit nutzen um Ihnen meine absolute Zustimmung zu signalisieren. Wenn Sie Lust haben kommen Sie am Wochenende mal in der Galerie KUNST-KONTOR. http://www.kunst-kontor-sehmsdorf.de vorbei. Grandiose Zeichnungen zu Preußen, Fontane, antiker Mythologie oder Brechts BAAL, sinnlich, intelligent und anregend. Gern würde ich Sie mal direkt kennenlernen

    Mit sehr freundlichen Grüßen

    Friederike Sehmsdorf

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    1. Sehr geehrte Frau Sehmsdorf,

      ich freue mich sehr über Ihre Einladung. Mir geht es ähnlich wie Ihnen.

      Am Wochenende hatte/habe ich mit dem Tag des offenen Denkmals zu tun, da ich ehrenamtlich im Ortskuratorium der Deutschen Stiftung Denkmalschutz mitarbeite.
      Auf jeden Fall werde ich gerne einmal die Gelegenheit wahrnehmen, Ihre Galerie zu besuchen und Sie kennenzulernen.

      Mit herzlichen Grüßen
      Günter Schlamp

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