Konsum oder Pol Pot

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Der in London lehrende deutsche Historiker Frank Trentmann hat ein tausend Seiten dickes Buch über die Geschichte des Konsums seit dem 15. Jahrhundert geschrieben:

Herrschaft der Dinge: Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute.

Man konsumiert heute mit schlechtem Gewissen. Tierrechtler, Naturschützer und Grüne predigen Konsumverzicht. Schuld wäre – wie könnte es anders sein – der Kapitalismus. Der schwatze einem Konsum auf („Konsumterror“). Das führe zu Ausbeutung, sozialen Spannungen und Zerstörung der Umwelt.

Das Verdienst Trentmanns ist es, das unhistorische Narrativ vom Konsum aufzubrechen. Er zeigt, dass Konsum auch in vorkapitalistischen Zeiten, eigentlich in der gesamten Geschichte der Menschheit und nicht nur in Europa, eine wichtige Rolle spielt. Für ihn ist das Bedürfnis nach Konsumgütern, nach Luxusgütern eine menschliche Konstante. Er belegt das durch die Jahrhunderte mit Beispielen und zeigt die emotionalen, kulturellen, ökonomischen und zivilisatorischen Dimensionen des Konsumverhaltens auf.

Sehr lesenswert ist ein Interview mit Prof. Trentmann auf welt.de. Es ermöglicht einen Überblick über die Geschichte des Konsums. Vor allem aber ist eine Zuspitzung des Nachdenkens wert. Der Interviewer fragt: „Heute nimmt die Kritik am Konsum generell zu. Wäre eine Welt ohne Konsum besser?“ Darauf Trentmann: „Es gibt eine Alternative. Die ist aber sehr unschön und hieß Pol Pot.

Das Buch kostet stolze 40 €. Ich übe Konsumverzicht und bestelle die englische Taschenbuchausgabe. Sie kostet nur 11 €. Amazon liefert innerhalb von 24 Stunden. Ich möchte nicht wissen, wie sich das auf die CO2-Bilanz auswirkt.

Zufällig gefunden, aber zum Thema passend: „Orgien machten das Leben in Germanien erträglich“

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