Lechtsrinkspopulismus

Gepostet am Aktualisiert am

Die Bertelsmann-Stiftung produziert Studien wie Ford Autos: am Fließband. Was insofern einfach ist, da die Produktion ausgelagert wird an Institute, die mit empirischer Sozialforschung ihr Geld verdienen; hier: Infratest Dimap.

Die allerneueste geht über Populismus. Ein Drittel der in Deutschland Wahlberechtigten sei gänzlich populistisch (29,2%), ein weiteres teils-teils (33,9%). Woran merkt man, dass jemand populistisch ist? Nun, er/sie kritisiert die Regierung und die EU und will Einwanderung begrenzen und mehr Volksabstimmungen. Noch an vier weiteren Items wird Populismus festgemacht. Am populistischsten wären die AfD-Wähler/-innen. aber auch SPD und Linke sind nicht ganz frei davon. Wovon? Vom Rechtspopulismus? Populismus ist Rechtspopulismus, Linkspopulismus gibt es nicht.

Populisten wären eher einfach gestrickte Menschen. Mit mehr Einkommen und Bildung nähme der Populismus ab.

Sehe ich das jetzt im Sinne der Bertelsmänner und -frauen richtig, dass die Linkspartei eine rechtspopulistische Partei ist? Dort wurde die EU bisher völlig abgelehnt, mindestens aber heftig kritisiert. Die Sozialisten fordern einen Systemwechsel, die ganz Linken sprechen vom Scheißstaat. Ist die Linke genau genommen eine rechtspopulistische Partei?

Dr. Vehrkamp, der Studienleiter, war so freundlich, auf meine Anfrage, was denn Rechts- und was Linkspopulismus sei, mir die Studie zuzuschicken und auf S. 20f und Abbildung 6 zu verweisen.

Er schreibt, dass man zunächst „allgemeinpopulistische“ Einstellungen feststellen wollte.

Auf Seite 21 steht, „dass Menschen mit populistischen Einstellungen entlang des gesamten ideologischen Links-Rechts-Spektrums zu finden sind. Populistische
Einstellungen sind bei den Wahlberechtigten weder exklusiv „links“, „rechts“ oder „in der Mitte“, sondern lagerübergreifend in allen fünf ideologischen Kategorien von ganz links über die politische Mitte bis ins ganz rechte Lager hinein vorhanden. Die zahlenmäßig meisten populistischen Wahlberechtigten verorten sich selbst in der politischen Mitte…“
Die Graphik, auf die er mich verweist, steht darüber:
populismusstudie

Das ist also die Verteilung allgemeinpopulistischer Einstellungen bei linken und rechten Wählern: 3,5/4,3% bzw. 3,4/5,1%. Daraus schließe ich, dass es spezifische linkspopulistische Einstellungen nicht zu geben scheint. Rechte und linke populistische Wähler haben demnach dieselben Einstellungen.

Populismus 2

So kann das nicht stehen bleiben. Schließlich weiß man aus Funk und Fernsehen, dass von rechts ein neuer Faschismus dräut. Die Graphik Nr. 6 täuscht eine Links-Rechts-Parallelität nur vor. Es sind absolute Zahlen.

Im nächsten Schritt berechnen die Sozialwissenschaftler/-innen den relativen Anteil der Populisten unter linken und rechten Wähler/-innen. (Abbildung 7).

So ergibt sich das beruhigende Ergebnis, dass der Anteil der populistischen Wähler an der Gesamtheit ganz rechter Wähler fast doppelt so hoch ist wie bei den ganz linken (43% zu 26%). Nebenbei ergibt sich, dass die Hälfte der linken Wählerschaft sogar gänzlich frei von populistischen Erwägungen ist.

Es beruhigt mich, dass ich jetzt auf Science Files die gewohnt ätzende Kritik von Michael Klein an Methodik und Inhalt dieser wissenschaftlichen Studie lesen kann.

Ich bin gespannt, ob es nach dieser Studie zu allgemeinpopulistischen Einstellungen (s.o.) eine Folgestudie zu rechts- und linkspopulistischen Einstellungen geben wird.  

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