Herbert Wehner

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In der Reihe „Weltweites Exil“ geht es um Menschen, vor allem Schriftsteller/-innen, die vor den Nazis geflohen ist. Ins Leben gerufen wurde die Veranstaltungsreihe von Lea Rosh. Diesmal ging es um den 1990 verstorbenen Herbert Wehner. Was wäre geeigneter als Treffpunkt als das Willy-Brandt-Haus, die SPD-Parteizentrale?

Christoph Meyer, der Wehner-Biograph, liest aus seinem Buch, dazwischen werden Texte von Wehner gelesen. Zu Beginn wird ein Auszug aus einem Gespräch mit Günter Gaus gezeigt. Es ist die Einstimmung auf das, was folgt. Gaus führt ein behutsames Gespräch, in dem Wehner nachdenklich antwortet. (Was für ein wohltuender Unterschied zu den heutigen krawalligen Talkshows der WillMaischbergerIllnerPlasberg.)

Man erinnert sich an Wehners ätzende Zwischenrufe im Bundestag, an seine bissigen Kommentare über andere Politiker, auch in der eigenen Partei. Den Hass, mit dem er von CDU-Politikern als Moskaus U-Boot denunziert wird und seine giftigen Repliken an Franz-Josef-Strauß sind noch präsent. In der Veranstaltung geht es nicht, allenfalls am Rande um Wehner im Deutschen Bundestag.

Christoph Meyer erzählt vom Menschen Wehner, dem verletzlichen und oft verletzten. Seine heftigen verbalen Ausbrüche verdecken den Panzer, den er sich im Umgang mit Freund und Feind zugelegt hat. Sein Bruch mit dem Kommunismus wird glaubhaft. (Die CDU-Propaganda gegen das Moskauer U-Boot Wehners war an mir nicht gänzlich abgeprallt.) Wehner spricht oft von den beiden Totalitarismen, die er erlebt und durchlitten hat, 49% Nationalsozialismus, 51% Kommunismus. Die heutige Politikwissenschaft, die mehrheitlich die Theorie von dem linken und dem rechten Totalitarismus ablehnt, wäre entsetzt.

Wehner war in der Weimarer KPD weit oben, er war Organisationsleiter. Ulbricht sah in ihm einen Konkurrenten. Die stalinistischen Säuberungen im Moskauer Exil hat er überlebt. Er stand auf einer Liste Jeschows, des NKWD-Chefs, der die Tötung von ca. 800. 000 Menschen für Stalin organisierte. Aber dann stand Jeschow selbst auf einer Liste, bevor er sich um Wehner kümmern konnte. Christoph Meyer erklärt manches in Wehners Biographie mit Zufällen. Ob er wie Ulbricht Genossen denunziert hat, um selbst zu überleben, kann auch Meyer nicht klären. Unklar bleibt auch weiterhin, ob er Brandt gestürzt hat.

Aber mein Bild von Herbert Wehner wurde differenzierter.

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