Der Multikulti-Irrtum

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Was die US-Amerikanerin Ayn Rand vor über 50 Jahren geschrieben hat, kann jetzt in Europa beobachtet werden. Multikulturalismus, so hatte Rand geschrieben, verfestigt Unterschiede, versammelt Kulturen, die gleichberechtigt nebeneinander stehen, sieht Menschen nicht als Individuen, sondern als Angehörige eines Kollektivs.

Er ist das Gegenteil von Integration. Multikulti verhindert Integration. Integration bedeutet, dass Individuen sich assimilieren, in die Leitkultur integrieren und deren Werte und Orientierungen übernehmen. Das ist ein sich über Generationen vollziehender Prozess.

Ein europäischer Wissenschaftler, der Migration und Integration erforscht, ist der Niederländer Ruud Koopmans. Multikulti-Apologeten wissen genau, warum sie Koopmans von deutschen Unis fernhalten, ihn nicht in Gremien haben wollen, von seinen Untersuchungen nichts wissen wollen und ihn diffamieren.

Koopmans vergleicht Migranten in den Niederlanden und in Deutschland. Er begann dies in der Erwartung, dass sich die Integrationspolitik der Niederlande als vorbildlich erweisen würde. Aber er kommt zu dem erstaunlichen Ergebnis, dass das angebliche niederländische Erfolgsmodell der Integration von Migranten nicht nachahmenswert ist. In fast allen untersuchten Punkten schneidet Deutschland besser ab: Bei Arbeitslosigkeit, Schulabschlüssen, in der Kriminalstatistik, beim Sozialhilfebezug und den Sprachkenntnissen.

Man staunt ja selbst. Gerade hat noch ein Leitartikler des Berliner Tagesspiegels geschrieben, Deutschland hätte bei der Integration der Migranten versagt. Wir werden ermahnt, unsere „Dominanzkultur“ zurückzunehmen, keine Bewertung anderer Kulturen vorzunehmen. Ich erinnere mich an eine Talkshow, in der die Staatsministerin Prof. Dr. Maria Böhmer (CDU) dafür plädierte, es mit dem Deutschunterricht für Geflüchtete nicht zu übertreiben. wichtiger wäre die schnelle Integration ins Berufsleben. In vielen Banken und Firmen wäre in Deutschland die Verkehrssprache nicht mehr Deutsch, sondern Englisch.

Die Niederlande gelten als besonders aufgeschlossen gegenüber Einwanderern: doppelte Staatsangehörigkeit, großzügiger muttersprachlicher Unterricht, kommunales Ausländerwahlrecht, unbeschränkte Heiratsmigration, islamischer Religionsunterricht, islamische Schulen.

Die falsche Ausrichtung der europäischen Integrationspolitik geht nach Auffassung Koopmans auf einen Index zurück, den MIPEX, der von europäischen Organisationen, darunter der Friedrich-Ebert-Stiftung der SPD, zusammengestellt wurde. Er enthält eine Liste von Maßnahmen. Je mehr davon eingeführt sind, desto höher rangiert das Land als „best practise“-Modell einer guten Immigrationspolitik. Was völlig fehlt, ist eine Evaluation der Maßnahmen. Koopmans kritisiert, dass der Erfolgsmaßstab das größtmögliche Entgegenkommen gegenüber Ausländern sei, der Verzicht auf Anforderungen. So gerieten, völlig faktenfrei, Schweden, Belgien und die Niederlande aufs Siegertreppchen der vorbildlichen Einwanderungsländer und Deutschland, Österreich und die Schweiz wären die Schmuddelkinder.

Auch die Morde an Pim Fonteyn und Theo van Gogh wurden in den Niederlanden nicht als Alarmzeichen gesehen. Premierminister und Königin besuchten ein marokkanisches Jugendzentrum und eine muslimische Schule, nachdem Theo van Gogh von einem Terroristen regelrecht abgeschlachtet worden war. Van Gogh hatte einen Film über die Frauenfeindlichkeit des Islam gemacht, zusammen mit Aysan Hirsli, die die Niederlande schon lange verlassen hat.

Ich erinnere mich, dass es 1975 eine Zug-Besetzung durch Molukker gab. Das sind Migranten aus der ehemaligen holländischen Kolonie in Indonesien, die damit auf ihre schlimme Situation in Lagern aufmerksam machen wollten. Ich erinnere mich, dass es schon damals Erstaunen gab, weil die Niederlande als Vorbild der Integration im Gegensatz zu den Deutschen galten.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung stellt heute ein neues Buch Koopmans vor. Die Schlagzeile lautet: „Multikulti ist gescheitert“. Mal sehen, wie weit der Versuchsballon fliegt. Die Debatte wäre dann eröffnet. Oder die grünlinken Medien sehen wieder nur  rechtspopulistische Agitation, die bekämpft werden müsse.

Über Koopmans Forschung kann man in der NZZ lesen.

Über die Rückentwicklung der Nation zu ethnischen Stämmen schreibt Cora Stephan.

Eine weitere Wurzel des Multikulturalismus sehe ich in der „Affirmative Action“ in den USA. Ausgangspunkt war die Bürgerrechtsbewegung der amerikanischen Schwarzen, mit Recht gegen ihre Diskriminierung kämpften.

In der Folge sind Förderprogramme für nahezu alle denkbaren Minderheiten entstanden. Sie werden bei der Zulassung zum Studium, bei der Einstellung im öffentlichen Dienst, bei der Vergabe von Aufträgen bevorzugt.

Nach drei Jahrzehnten Affirmative Action entstand Kritik, die sich aus dem für die USA typischen Glauben an individuellen Erfolg und Aufstieg speiste, der nicht mehr gelten sollte. Präsident Clinton stellte mehrere Programme der Bevorzugung von Minderheiten auf den Prüfstand, strich sie aber nicht völlig.

Von der Affirmative Action lernten in Deutschland die sexuellen Minderheiten, aber auch muslimische Aktivist/-innen und die NGOs, die Geflüchteten und anderen Einwanderern helfen. Das Deutsche galt als Dominanzkultur, Deutsche gab es nicht mehr, Es gab nur noch Menschen, die schon länger hier leben und die sich durch Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kultur definierten. Integration in eine Leitkultur sollte nicht mehr verlangt werden.

Wer nicht zu einer sexuellen, kulturellen, ethnischen Minderheitenkultur gehörte, sah sich jetzt ebenfalls in einer (weißen, heterosexuellen, familistischen) Minderheit, die mit den anderen Minderheiten zivilgesellschaftliche Standards zu verhandeln hatte, wie es ein Papier der Friedrich-Ebert-Stiftung vorschlägt.

Ähnlich wie in den USA die Alt-Right-Bewegung, entstand in Deutschland als Reaktion auf diese Entwicklung eine Palette an chauvinistischen Gruppen (Pegida, Identitäre u. a.).

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3 Kommentare zu „Der Multikulti-Irrtum

    […] ist Nicht-Kultur“. Das ist m. E. diskutierbar. Bei Multikultur wird Integration unnötig. Das aber ist gleichzeitig Ziel der […]

    […] Es ist richtig, dass Popper mit seiner liberal-individualistischen Gesellschaftsbild ebenso wie Welzers Bewegung die Nation ablehnt. Allerdings sind es linke Bewegungen, die statt der Nation kulturell-ethnisch definierte Gruppen als Basis ihrer multikulturellen Gesellschaft betrachten. Nicht der einzelne Mensch integriert sich in eine demokratisch verfasste Gesellschaft, sondern die Gesellschaft setzt sich aus „Ethnien“ zusammen: den Muslimen, den Frauen, den Homosexuellen, den Palästinensern, den Schwarzen. Das Individuum wird über diese Gemeinschaften definiert. […]

    […] Der niederländische Migrationsforscher Ruud Koopmans hat sich mit Vergleichsstudien zur Integration von Migranten unbeliebt gemacht. Er kam darin zu dem Ergebnis, dass Länder mit großem Entgegenkommen gegenüber Flüchtlingen schlechtere Integrationsergebnisse haben, als Länder, die weniger großzügig sind. […]

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