Der Humanist und die Nazi-Schlampe

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Johannes Richardt ist Novo-Chefredakteur und Gründungsmitglied des „humanistischen Think-Tanks Freiblickinstitut e.V.“ Seine Plattform Novo – Argumente für den Fortschritt fand ich sehr links orientiert, aber ganz brauchbar. Bei einem Humanisten und Gründer eines Freiblickinstituts kann man nicht sehr falsch liegen, dachte ich.

Dachte ich zumindest bisher.

Was ist geschehen? Der NDR-Humorist Christian Ehring machte in seiner Satiresendung den Böhmermann. Er bezeichnete die neue Vorzeigefrau der AfD als Nazi-Schlampe.

Dr. Agnes Weidel, an ihr arbeiten sich jetzt die Anti-Rechts-Aktivisten der grünlinken Medien ab: Sie sieht gut aus, war erfolgreiche Bankerin, ist mit einer Frau verheiratet und erzieht mit ihr zwei Kinder.

So etwas passt nicht ins Weltbild: Eine rechte Lesbierin, eine Lesbierin, die muslimische Geflüchtete nicht als Geschenk betrachtet. Da versagt die sonst so korrekte Multikulti-Ethik. Eine Lesbe, die nicht links ist, verdient keinen Respekt.

Frau Weidel hatte in einer Rede gesagt: „Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“

Wenn man sieht, wohin die PC der linken Gutmenschen geführt hat, ist das kein abwegiger Gedanke: Herkunftsbezeichnungen von Straftätern werden unterlassen, um Flüchtlinge nicht zu diskriminieren. Da werden minderjährige Messerstecher zu Buben, ein in Italien geborener Araber zum Italiener, der einen Österreicher absticht. Wer von Heimat oder von Leitkultur spricht, wird zum Nazi gemacht. Damit andere Kulturen nicht herabgesetzt („hierarchisiert“) werden, darf nicht von Leitkultur gesprochen werden. Die Bundeskanzlerin entwindet ihrem Gesundheitsminister mit bitterbösem Blick ein Deutschlandfähnchen, das er auf der Bühne schwenkt.

Und die AfD ist schließlich der Hauptgegner aller Gegen-Rechts-Kampagnen, die Partei des Packs, der Dunkeldeutschen, der Nazis, der Abgehängten.

Was macht der ö.-r. Kabarettist Ehring? Er nimmt für sich als Vertreter der Vierten Gewalt das Recht in Anspruch, Frau Weidel eine Nazi-Schlampe nennen zu dürfen. Mit der humorigen Anmerkung: „Jetzt war ich wohl unkorrekt.“

Humanist Richardt, Chefredakteur von Novo, formuliert auf den ersten Blick abgewogen: Es gäbe sicher bessere Satire, aber Satire dürfe alles. In der AfD gebe es schließlich Nazis und die Partei spiele die Dauerbeleidigte.

Ich erinnere mich noch ganz gut daran, wie in einer Anne-Will-Talkshow über die AfD diskutiert werden sollte. Deren Vorsitzender musste am Katzentisch sitzen. (Das änderte sich erst nach Zuschauerprotesten.) Oder kürzlich in der Tagesschau, wo man ja gerne den Mann auf der Straße zu Wort kommen lässt. Der sagte, und das wurde kommentarlos gesendet: „Die AfD will die Gewerkschaften verbieten.“

Johannes Richardt wird zum Schiedsrichter: „Wer sich ins öffentliche Leben begibt, muss auch mit rauem Gegenwind klarkommen.“

Schade, von einem Chefredakteur und Humanisten hätte ich etwas anderes erwartet. Journalisten beklagen sich über den rauen Ton, der in die politische Auseinandersetzung eingezogen sei. Dabei verwenden sie den rauen Ton doch zu gerne selbst.

Auch wenn Frau Weidel etwas in linker Sicht Unkorrektes gesagt hätte, ist es nicht Aufgabe ö.-r. Medien, die von Zwangsbeiträgen leben, in gleicher Münze heimzuzahlen.

Wenn die TV-Satire mit Leuten wie Böhmermann, Ehring oder auch Pispers und den Schreihälsen der „Heute-Show“ auf den Hund gekommen ist (War wohl unkorrekt. Verstoß gegen Tierrechte!), soll man das laut sagen und nicht mit einem lauen Naja abtun.

Novo – Argumente für den Fortschritt: Der Fall Weidel

Jürgen Fritz über die mediale Hetze gegen die AfD

Update 18.5.17: Das Hamburger Landgericht hält „Nazi-Schlampe“ für eine zulässige Meinungsäußerung.  Die Landrichter/-innen haben die Klage von Frau Weidel abgewiesen.

Die Urteile von Richtern sind oft schwer nachzuvollziehen. Vor Gericht geht es einem in der Tat wie auf hoher See, man ist in Gottes Hand. Ich hätte erwartet, dass die Richter die Inflation der Nazi-Vorwürfe eindämmen würden. Letztlich wird Nationalsozialismus verniedlicht, wenn er als Schimpfwort ausufernd gebraucht wird.

Schwindlig wird es einem aber, wenn man unterschiedliche Urteile vergleichen will. Charlotte Knobloch, die Vorsitzende der Israelitischen Kultusgemeinde München, hatte den Juden Abraham Melzer gesagt, dass er für seine antisemitischen Äußerungen regelrecht berüchtigt wäre.

Nun, dass er sich antisemitisch äußert, darf sie sagen. (Das hatte schon ein anderes Gericht im Fall Henryk Broder vs. Abi Melzer jenem erlaubt.) Nicht sagen darf Frau Knobloch, dass er dafür berüchtigt wäre. Zwar sei Knoblochs Satz von der Meinungsfreiheit grundsätzlich gedeckt. Aber im Falle des Juden Metzler überwöge dessen Persönlichkeitsrecht. Vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit würde dies seine Ehre verletzen und ihn herabwürdigen.

Ich kenne Herrn Abraham Melzer aus der Zeit, als er sich in Frankfurt am Main als Lehramtsreferendar versuchte. Das ging völlig in die Hose, aber es war nicht leicht, das enfant terrible vom Unterricht zu entbinden. Denn wie kann man in Deutschland einen jüdischen Junglehrer wegen Unfähigkeit entlassen? Irgendwie gelang es und er führte den kleinen Verlag seines Vaters fort, in dem er pornografische Bücher und israelische Jugendbuchautorinnen veröffentlichte. Der Verlag ging in Konkurs.

Der israel-freundliche Schweizer Blog Audiatur-Online, auf den ich mich in diesem Posting stütze, weist zu Gunsten der Vorsitzenden Richtern daraufhin, dass sie bei einem verschärften Antisemitismus-Vorwurf – wie im Falle Knoblochs – erwartet, dass der Beschuldigte gleichzeitig die Nazi-Verbrechen leugnet und die Nazizeit nicht verurteilt.

Melzer vergleicht zwar Israel, die israelische Armee und Politik ständig mit den Nazis, hat also keine Sympathie für sie und war demnach freizusprechen.

Eine Zusammenstellung von Melzers antisraelischen Äußerungen

 

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