Timothy Garton Ash über seine Stasi-Akte

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Der britische Publizist und Historiker Timothy Garton Ash lebte als Student eine Zeitlang in West-, aber auch 18 Monate in Ostberlin. Er schrieb an einer Dissertation über Nazi-Deutschland.

Natürlich wurde er vom MfS misstrauisch beobachtet. Man hielt ihn, der einen Alfa Romeo fuhr, für „bürgerlich-dekadent“, dann, als er – Ende der 70er Jahre – nach Polen und Tschechien fuhr und Kontakt zu Dissidenten hatte, für reaktionär. 1982 wird er ausgewiesen.

Nach der sog. Wende nahm er Einsicht in seine Stasi-Akte und schrieb darüber: „Die Akte Romeo“, 1997. (Deutsche Ausgabe vergriffen, die englische Ausgabe bei Amazon.) Es liest sich wie ein Spionageroman von Graham Greene, ist aber dennoch eine sachliche, nachdenkliche, vor allem wahre Erzählung.

Er macht deutlich, dass die Stasi weniger ein Inlandsgeheimdienst war, in dem Agenten nachrichtendienstlich arbeiteten, sondern ein Apparat zur Überwachung und Einschüchterung der gesamten Bevölkerung. Somit unterscheidet sie sich, ungeachtet technischer Ähnlichkeiten,  von den westlichen Diensten.

Ash suchte seine Stasi-Informanten auf und interviewte sie, soweit sie sich darauf einliessen. Er sprach über ihre Biographie und ihre Beweggründe, für die Stasi zu arbeiten. Da gab es die alte jüdische Dame, die in der Hitlerzeit Kommunistin geworden war, den britischen Kommunisten, den IM aus einem Museum, der sich als Gegenleistung für die Berichte Auslandsreisen erhoffte.

Ash spricht 1997 in den USA über seine Akte: Ein Video-Clip, ca. 30 Minuten Vortrag, 30 Minuten Fragen an den Autor. Er spricht gut verständlich, die Transkription übersetzt leidlich. Die Schreibweisen, die die Software für die Gauck-Behörde findet, sind unerschöpflich.

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