Kein Barockfaschismus in Dresden

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Erst beim Besuch am vergangenen Wochenende fiel es mir auf: Der DDR-Kulturpalast passt zu den rund um die Frauenkirche errichteten Neubauten mit barocker Fassade wie die Faust aufs Auge:

Dresden Kulturpalast

Das erinnerte mich an Potsdams Alten Markt mit dem DDR-Fachhochschulbau. Auch in Dresden wurden barocke Gebäude restauriert oder nachgebaut. Auch in Dresden gab es heftige Diskussionen. Durfte die zerstörte Frauenkirche wieder aufgebaut werden? Durften die Altstadthäuser moderne Betonbauten mit barocker Fassade werden? Die Gemüter haben sich wohl beruhigt. Zwinger, Residenzschloss, Hofkirche wurden aufwändig restauriert. Wenn man Fotos vom Zustand der 50er und 60er Jahre sieht, kann man kaum glauben, dass das in solcher Pracht wieder hergestellt werden konnte. Nur außen sind die Prunkbauten noch schwarzgrau. Da wartet man ungeduldig auf Besserung.

Was in Dresden zu fehlen scheint, ist der fanatische Kampf Linker gegen den „Barockfaschismus“, wie das in Potsdam der Fall ist. Woran mag das liegen? Von Brandenburg aus gesehen, das sich übrigens bis kurz vor Dresden erstreckt, liegt die Stadt schon fast in Italien. Ist es italienischer Lebensstil, der zu mehr Gelassenheit führt als preußische Zucht und Ordnung? (Ulbricht war die Ausnahme.)

Verglichen mit Dresden ist Potsdam eine sozialistische Hochburg. Linkspartei und die noch weiter links stehende Gruppe „Die Andere“ haben über 32% der Stimmen. Die CDU 15%. In Dresden sind die Sozialisten im Lauf der Jahre schwächer geworden und hatten zuletzt 16%. Die CDU 31%.

Zurück zum Kulturpalast: Der Konzertsaal erhält endlich eine gute Akustik. In Haus befindet sich jetzt eine moderne Stadtbibliothek.  Umgebaut wurde der „Palast der sozialistischen Kultur“ vom omnipräsenten Büro Gerkhan, Marg und Partner (Flughafen BER, Hauptbahnhof Berlin). Anhänger der Ostmoderne werden jubeln: Der Kulturpalast wurde in die Denkmalliste des Landes Sachsen aufgenommen.

Dabei kann man von Glück sagen, dass den SED-Oberen die Absicht, einen Kulturpalast im Moskauer Zuckerbäckstil. mit Turm à la Lomonossow-Universität, zu errichten, ausgeredet werden konnte.

In einem Immobilien-Magazin lese ich zum Kulturpalast: „Wie bewusst die Architekten den Kulturpalast als Monolithen in den urbanen Raum gestellt haben, wird so richtig erst jetzt wieder spürbar, da die ursprünglichen Quartiere und Straßenraster wieder hergestellt sind.“ Gibt es eine elegantere Umschreibung für „Holzhammermethode“?

Wie auf dem Foto zu erkennen ist, stehen Baukräne zwischen dem Kulturpalast und dem Platz an der Frauenkirche. Es sieht demnach so aus, dass der Kulturpalast hinter einem weiteren Neubau mit barocker Fassade verschwinden wird.

Nichts gegen ein Wochenende in Dresden, aber im preußischen Potsdam mit seinen sehr viel bescheideneren Barockbauten fühlen wir uns wohler.

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