Hetzen? Kann auch die Frankfurter Rundschau!

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Die Frankfurter Rundschau (FR) wurde 1945 von Kommunisten und Sozialdemokraten gegründet.

Von 1973 bis 1992 war der vielfach ausgezeichnete Publizist Werner Holzer Chefredakteur. Unter ihm steigerte sich die Auflage von 150.000 auf über 200.000. Von 1962 bis 1973 arbeitete auch der sozialliberale FDP-Politiker und Journalist Karl-Hermann Flach für die Zeitung.

Die FR galt damals neben Süddeutscher Zeitung, Welt und FAZ als Blatt von nationaler Bedeutung, mit linksliberaler, wirtschaftspolitisch mit streng gewerkschaftstreuer Ausrichtung.

Mit der FR habe ich in den frühen 50er Jahren lesen gelernt, als Student war sie für mich unverzichtbar.

Die Krise der Zeitung begann um das Jahr 2000. Es kam viel zusammen. Das zeitungseigene Druckhaus war eine Nummer zu groß, durch Internetplattformen brach in den nächsten Jahren das Anzeigengeschäft zusammen. Fremde Druckaufträge gingen verloren.

Aber die FR durfte nicht sterben. Das CDU-regierte Hessen gab eine Landesbürgschaft, die SPD-Presseholding stieg vorübergehend ein. Dann kam der Verlag DuMont-Schauberg, der dadurch sparte, dass seine Zeitungen Kölner Stadt-Anzeiger, Berliner Zeitung, Mitteldeutsche Zeitung und die FR von einer gemeinsamen Redaktion beliefert wurden.

Es war eine Abwärtsspirale aus Sparplänen, Entlassungen, Umstrukturierungen und Einsparungen. Das war der Zeitung anzumerken. Gute Leute gingen rechtzeitig weg, der Regionalteil wurde ausgedünnt.

Ich verlor die Lust an dieser FR und freundete mich mit der FAZ an, früher die „Zeitung des Klassenfeindes“ für einen rechtschaffenen, linksorientierten Studenten. (Außer dem FAZ-Feuilleton, das in den 70er Jahren sehr umfassend über die Anti-Vietnamkriegs-Aktionen in den USA berichtete.) Die FAZ spielte in einer ganz anderen Liga. Man wurde sogar über neuere Entwicklungen in der chinesischen Lyrik informiert und über junge Theaterregisseurinnen aus südafrikanischen Townships. Die einzelnen Produkte waren so umfangreich wie die ganze FR.

Dass die FR dann auch noch das Tabloid-Format einführte, dass ich zwar als handlich, aber auch verwirrend empfand, machte den Abschied noch leichter.

2012 ging der Verlag, zu dem die Zeitung und das Druckhaus gehörten. in Insolvenz. Das jährliche Minus soll bei 20 Mill. € gelegen haben.

Wieder überlebte die FR. Der „Klassenfeind“, der Verlag der FAZ, war bereit, die Zeitung in den Anzeigenpool seiner drei regionalen Blätter aufzunehmen und dabei der Redaktion bei der inhaltlichen Gestaltung der Zeitung freie Hand zu lassen. Das Kartellamt genehmigte und so ist es bis heute geblieben. Für die FAZ kein schlechtes Geschäft: Sie deckt mit ihrem eigenen Regionalteil und den Blättern Frankfurter Neue Presse und Höchster Kreisblatt/Taunuszeitung die konservativen bis kleinbürgerlichen Leser der Region ab, die FR erreicht die linksgrünen Bewohner des Frankfurter Nordends und des Vordertaunus.

Journalistisch arbeitet die Zeitung weiter mit DuMont zusammen und erhält von dort überregionale Artikel. 2014 gab es erstmals wieder einen Gewinn.

(u. a. nach Wikipedia; Stand: 16.3.17)

Was aus der einstmals stolzen Auflage von 200.000 Exemplaren geworden ist? Sie sinkt kontinuierlich, die verkaufte Auflage stand 2013 bei ca. 87.000. In einem Prospekt der FAZ-eigenen RheinMainMedia finde ich eine Zahl für die Samstagsausgabe mit Stand 1/2017: 60.000.

Jetzt ist der Text eine kleine Geschichte der FR und meiner FR-Lesebiographie geworden. Anlass war eigentlich: Der Chefredakteur der Rundschau, Arnd Festerling, nennt die „Achse des Guten“ eine dubiose und niederträchtige Website.

Zufällig fällt mir am Wochenende die FR in die Hände. Da soll eine Tagung mit eindeutig antiisraelischer Tendenz in Frankfurt stattfinden. Aber die Stadt macht Schwierigkeiten bei der Raumvergabe. Die FR positioniert sich, wie es sich für ein linkes Blatt gehört. Norbert Jesen las den FR-Artikel auch und schreibt dazu auf AchGut. Inge Günther, Nahost-Korrespondentin der DuMont-Schauberg- und mehrerer anderer Zeitungen ist erklärte Hamas-Sympathisantin. Hier ein Beispiel.

Der Deutschlandfunk bleibt der FR gewogen: Bei der morgendlichen Presseschau des Senders gehört das Blatt trotz der niedrigen Auflage neben der taz zu den meistzitierten.

Die FR bleibt auch beim Thema G 20-Krawalle ihrer Linksaußen-Perspektive treu: Die Polizei eskaliert, die Rote Flora und der schwarze Block deeskalieren.

 

 

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